iar. 261.
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Posischließfach Nr. 14.
Montaq, den 14. November 1810. 23. Jahrgang.
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3 — — —— S Postschließfach Nr. 14.
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8 8 3 34 * —A — —— F —F 5 —— * — 3 — * — — —S—
J 3 J—— —11 AI * 7 3 —— — 9 3 * — — kosten 10 3 pro Gsaultij Hetitzetle
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me leise Hoffnung, die noch vieivt, gruuber sich uu vir Aeit si goer ablenend, und der Zeichatanzler stellie fu
ttobristenfraltion, die bei einem binnun 8* deutsc auf den Standpuntt Wermuths. Hierauf reichten v. He
ilten und der deutschen Abgeordnelen aus dem Süden e und v. Irpitz ihre Demission ein. Der Kaif⸗
ne Sprengung der Partei zu fürchten hälte und so viel— eschied den Reichskanzler zum Vorttag und entschied ge
cht durch das Parteiinteresse zum Widerstand gegen die den de Veezmgen dud 8 verr yy— Zirvi
orlage veranlaßt wird. Aber es ist ein schlechter Hort vird aber, wie er zu Freunden äußerte, im nächsten Jah
r Gerechtigkeit, wenn der Egoismus einer Partei die anz bestimmt zurüchtreten. Das Flottengesetz erreicht
te Instanz ist, an welche die vergewaltigie Kultur ap— anntlich im Jahre 1911 seinen Höhepuntt, und Herr v.
—* Tirpitz glaubt, daß damit seine Aufgabe, die Modernisit
ung und Verstärkung der deutschen Flotte, für die 81
unft auch ohne seine Person gesichert ist. — Wie weit
»erlautet, war ursprünglich geplant, dem Reichstag ei
Zeptennat vorzulegen dachehae sich dor Orienaminiker h
jon über; ndaß das im Reichstag nicht durch
gehe und eeunenser) daher mit einem Quinpuennat.
*Die Kommissionn des Reichstages für die Reichs—
zversicherungsordnung beschloß, auch die Gerbereibetriebt
und die Stem erlleinerungsbeirt?zbe minfallversicherungspflich
tig zu machen. — Die Kommission des Reichstages fin
oie Strafprozeßnovelle und die Novelle zum
Berichtskostengesetz hat ihre Arbeiten beendet.
*Der Wirtschaftliche Ausschuß hat die Er—
zrterung über die Neuregelung der handelspolitischen
beziehungen zu Schweden und Japan in einer
weitägigen Verhandluung durchgeführt. Am Schlusse der
Verhandlungen führte der Vorsitzende, Staatsminister
Delbrück, aus, daß die Reichsverwaltung auch wäh—
end der Verhandlungen nicht ermangeln werde, sich der
Sachklunde von Angehörigen unseres Erwerbslebens zu
»edienen, sobald dazu Anlaß geboten sei. Auch sei in
Aussicht genommen, die Kommission des Ausschusses für
dandel und Schiffahrt während des Ganges der Verhand—
ungen gutachtlich zu hören. Für die Verhandlungen mit
Schweden schweben Erörterungen darüber, in welcher Weise
eine noch unmittelbare Beteiligung einiger Mitglieder der
dommission herbeigeführt werden könnte, um während der
ßerhandlungen unserer Delegation durch ihren Rat zur
Zeite zu stehen
— —
ssut zwei Beilagen: Rekkam en
sonntagsblatt und heitere Blätter. 80 4 pro aspaltige Petitzeile.
Wochen⸗RNundschau.
der Reichshaushaltsetat des Deutschen Neiches fü
.»Jahr 1911 ist von der Regierung verössentlicht wor
in und zwar ziemlich vollständig und übersichtlich. Wäh
end man früher der Ceffentlichkeit nach und nach nu
uzelne Bissen und Tropfen bot, war man dieses Ma
»müht, gleich ein ferliges, gut eingerahmtes Bild zr
eten. Das Bild sieht nicht übel aus und es ist zu er—
rien, daß die Finanzlage des deutschen Reiches nack
nach eine solide wird. Staatssekretär Wermuth ha
ei der wirklich erstaunlichen Sparsamkeitspolitik als
Finan nstler erwiesen, als den ihn alle Eirgeweih—
schon lange kennen. Man kann Herrn Wermuth zu
sent Erfolg nur beglückwünschen. Sein Sparsamkeitsem
wird jedensalls den Beifall der übergroßen Mehr—
t des Reichsstages finden. — Die Fahrt des Kron—
inzen an Bord des „Prinzen Ludwig“ nimmt einen
agenehmen Verlaus. Inzwischen ist auch der Panzer—
euzer „Gneisenau“ in See gegangen, der den Thronsol—
uvon Ceylon aus nach dem fernen Osten bringen soll.
Kaner Wilhelm hat dem BZaren am Freitag auf Schloß
telfsgacten bei Darnistadt einen Gegenbesuch abgestattet.
alürzich handelt es sich dabei nur um eine Höilichkeits—
isite, die übrigens auch nur wenige Stunden gedauert
it. Ueber Politik wird auf Wolfsgarten wohl kaum
och gesprochen worden sein, weil in Potsdam für dieses
hema Zeit und Gelegenheit geng vorhanden war. Es
jeint so, daß der neue russische Außenminister, wenn er
zsich einem Interviewer gegenüber auch ausdrücklich
erbeten hat, als „Deutschenfreund“ zu gelten, das Ver—
ältnis zwischen Berlin und Pelersburg doch durch eine
udere Brille anzusehen bereu ist, als sein Vorgänger
sswolssi. Das ift schon viel wert. Ob das in Paris
nd speziell in London ein wenig verschnupft hat. kann
us ja gleichgültig lassen.
Nur wenige Tage nach der Kaiserzusammenkunft in
otsdam hat uns die russische Politik einen recht augen—
illigen Beweis ihrer deutschfeindlichen Gesinnung gege—
in, der geeignet ist, etwa vorhandenen Enthusiassmus ab—
dühleu! In der Duma begründete der Ministerpräsident
tolypin die Regierungsvorlage, durch die die nichtrufsi—
hen und nichtorthodoxen Personen in den Westgouverne—⸗
ents Kiew, Wolhynten und Podolien an der Erwerb—
ig von Landbesitz verhindert und in der Vererbung be—
sränlt werden sollen. Das Gesetz richtet sich, wie es die
egründung gesteht, gegen die deut schen Koloni—
en. Herr Stolypin, der mit dieser Methode das Parla⸗
ent mit dem autokratischen System verschmelzen will,
tin der Duma die deutschen Ansiedler als seindliche
emente und als eine große Gefahr für den russischen
taat bezeichnet. Er sprach in demselben Gedankengang
ön ihrer kulturellen und wirtschaftlichen Ueberlegenheit
id mag dabei das Richtige getroffen haben. Wenn es
in staatliches Ideal ist, Rußland in dem jetzigen Zu—
inde zu erhalten und die Provinzen mit älterer besserer
ultur zu russifizieren, so wird er ohne Zweifel ein run—
eres Ganzes erreichen; aber er wird zu diesem Ziele
nen Weg einschlagen, der aller Kulturentwicklung Hohn
richt. Es gilt als natürliches Kulturgesetz der Mensch—
it, daß höhere Kulturen werbend sind. Herr Stolypin,
eser Attila der Gesetzgebung, will den Zeiger nach der
igegengesetzten Richtung drehen und durch Paragraphen
is Minderwertige gegen das Bessere schützen. Die poli—
che Verdächtigung der deutschen Kolonisten ist nur ein
littel zum Zweck; es wird von urteilsfähigen Russen
ngeräumt, daß die deutschen Ansiedler loyale Bürger
id und in Zeiten revolutionärer Umtriebe sich als ruhige
id zuverlässige Elemente des rufsfischen Staatswesens er—⸗
obt hätten Herr Stolypin machte sie zu Vorposten preu⸗
scher Heeressaäulen und scheute sich nicht, staatsrechtliche
rrlümer vor die Duma zu bringen, indem er behauptete⸗
e Koloniston hörten nicht auf, deutsche Staatsangehörige
mfein, wenn sie die russische Staatsangehörigkeit erwor—⸗
n hätten. Leider besteht wenig Aussicht, daß in der
issischen Duma, in der das nationalistische Element die
ebermacht besitzt, das Gefühl für Recht so groß sein
ird, daß die Vorsage nicht 2Mar ffrr—
schon fur ländliche Verhälmisse hoch, und wenn sie gar
noch mit Akkordsätzen ausgestaltet werden sollten, dann
vürde ein allgemeines Lamentieren über den Preisauf—
schlag folgen. Hohe Löhne und billige Ware sind auch
zier nicht möglich zu machen.
Rußland und das ösiliche Oesterreich liesern uns die
andwirtschaftlichen Arbeiter Aus der habsburgeschen Mo—
iarchie kommen aber auch viele Gewecbegehilfen, die auf
dem Boden des deutschen Reiches ein gites Stück Geld
erdienen, weit mehr als bei ihnen zu Hause. Es sind
as Kellner, Angehörige der Bekleidungsindustrie, aus der
dischlerbranche ꝛ2c. Es sind gewandte Menschen, die mit
näßigen Löhnen zufrieden sind und sich namentlich in der
zausindustrie zu betätigen wissen. Diese beruht ja, wie
vir wissen, zum Teil, stellenweise zu sehr, auf billiger
ßroduktion, aber um den Wettoewerb aushalten zu kön
ien, bleibt nichts anderes übrig. Die italienischen Bau
ind Erdarbeiter haben sich in Deuischland ein Terrain er—
bert, das wohl noch größer ist, als man annimmt. Wir
saben aber auch bei uns Gebiete gehabt, in denen z. B.
Unternehmer für Eisendahnbauten bei aller Bezahlung kei—
ie Leute bekommen tonnten, die den schweren Strapazer
»er Erdarbeiten auf gebirgigenn Terrain gewachsen waren
Micht daßz die Italiener prinzipel mehr leisteten, wie die
eutschen, davon kann gar keine Rede sein, aber sie sind
ewissermaßen für eine solche Arbeit trainiert, und ihr
ohe Bedürfnislosigkeit läßt sie mit einer Lebensweise aus
ommen, die für den Deutschen Unterernäührung bedeuten
lso zu einer Schädigung seines Körpers führen würde
Vir haben kaum genug Männer, die sich auf eine solch
orübergehende harte Arbeit einlassen könnten Wer darir
twas leistet, wird wieder für eine andere Arbeit min
er tüchtig sein. Praktische Ta sachen haben das oft ge
tug gezeigt, und nur an solchen kann diese Nnaelegenhbe'
tud'ert werden.
Aus alle dem glauben wir den Schluß ziehen zu kön
ien, daß eine so große tatsächliche Schädigung fleißige.
eutscher Hände, wie sie mehrfach befürchtet wurde, nur ir
Zeiten wirtschaftlicher Krisen, aber doch nicht immer ein
reten kann. Natürlich wird es nicht an Fällen mangeln
n welchen die geringe Bezahlung fremder Leute dazu ver
ockt, sie deutschen vorzuziehen, aber man so he bei diefen
Zehauptungen auch beide Teile hören. Wie viele groß
Arbeiten werden nicht auf dem Submissionswege von staat
ichen und städtischen Behörden ausgeschrieben, die au
ꝛine billige Leistung sehen? Da sagt man ja nun woh
dann müssen eben, Reich, Staat und Städte mehr bezah
en! Das ist nicht einsach, sondern erscheint nur so, wei
ei höheren öffentlichen Auswendungen sich die Steuerzah
r meilden und sofort über die wachsenden Lasten klagen
n finanzschwachen Gemen: den machen sich doch solche Kla—
en anerkanntermaßen sehr häufig geltend. Es können al
o wirklich nicht alle solche Vorkommnisse ohne weitere
aderselben Weise behandelt werden. Können die hei
uischen Interessen hier gehoben werden, so wird jede
sern die Hand dazu bieten; im Uebrigen muß aber fü
en Unternehmer gelten, Aufrechterhaltung des Betriebe
nit anderen Leuten, die er bekommen kann, als ein Eir
lelun der Arbeit, weil ihm heimische Kräste mangeln
hon jedem lebendigen Betrieb haben Staat und Gemein
e Mutften.
Die Interpellationsdebatte in der
iuzösischen Kammer verlief recht geräuschvoll, aber
tzdem hat Herr Briaud über seine Gegner gesiegt, wenn
ch die Opposition gegen die Briandsche Politik erheblich
wachsen ist. Herr Briand verfügt über eine Mehrheit
m 84 Stimmen. Das ist zwar nicht viel, aber immer⸗
n genug, den „Diltator“, wie die Sozialisten ihren ehe—
aligen „Genossen“ neuerdings benamsen, über Wasser zu
ilten. Die kleine Mehrheit hat auch noch den Vorzug,
iß es sich um eine geschlossene, arbeitsfreudige Gruppe
r Republikaner handelt, die mit dem Ministerium durch
ck und dünn zu gehen sich bereih erklärt. Ob das im—
er so bleiben wird, muß abgewartet werden, denn in
rankreich ist schon mancher Minister über Nacht gestürz!
orden.
Es kann jetzt als gewiß gelten, daß die Verfas—
ungskrife, die seit mehreren Monaten schwer auf
ngland lastet, binnen kurzer Zeit von neuem los⸗
reech en wird. Die „Times“, „Daily Telegraph“ und
ztandard“, um nur die wichtigsten konservativen Organe
nennen, haben in den letzten Tagen bereits wieder—
lt ihre Meinung über die gegenwärtige Krise ausge—
rochen und das Hauptorgan der City spricht von einer
troßen Gefahr, die nauentlich die Unionisten bedrohe.
ie „Times“ sagt, es würde für die Konfervativen eine
henteuerpolitit sein, wenn sie die Regierung zu Neu—
ahlen zwaͤnge, bei denen sie die wenigsten Chancen habe,
einem Siege zu aelangen und ibnen ledialich die Ver—⸗
ektive einer großen Niederlage übrig bliebe. Sie werd
nuis ihrer Haltung die Konsequenzen eines großen Flas
os ziehen müssen. Infolge des Ausganges der Veto“
onferenz miirde sofort in aller Hast ein Kabinettsrat ein
nerufen, an dem außer dem erkrankten Minister Mac Ken—
ia und dem Minister Harcourt sämtliche Minister teilnah—
nen. Es waren Gerüchte verbreitet, wonach das Parla
nent aufgelöst werden soll und infolge des Mißerfolges
er Veto-Konferenz Neuwahlen ausgeschrieben werden
vürden. Die einzige autorisierte Erklärung is eine Mitteibß
ing des Ministers für Irland, Mister Birrell, der er—
Lärte, alles, was er bisher zu dieser Frage sagen dürfe,
ꝛi, daß es als gewiß erscheine, daß binnen kurzer Zeit
as Land Gelegenheit haben werde, von neuem seinte
Neinung zum Ausdruck zu bringen, die es schon bei den
etzten Wahlen kundaetan habe
Desterreich Ungarn.
Die „Neue Freie PVresse“ erfährt: Der päpstliche Erlaß
eireffend den Modernisteneid wurde von den österreichi
chen Bischösen zur Kenn nis genommen. Die Reg'erung
rhielt davon keinerlei of izielle Mitteilung. Sie ist der
Unsicht, daß es sich in diesem Falle um eine rein inner—⸗
irchliche Angeregenheit handelt, und wird daher zu dem
ẽrlaß keinerlei Stellung nehmen. Im Wiener Konsisto⸗
ium finden gegenwärtig Beratungen, beirefsend die Rege—
ung der Eidesablegung statt. Der Eid dürfte in die
dände der Bischöfe und, wo leine solchen vorhanden sin
n die Hände von Dechanien an enem noch zu bestimmon—
en Tage gemeinsam abgrlegt werden.
Aus dem Vatikan.
**ᷣ Der Münchener Nun ius Frühwirth ist nach Mün—
hen abgereist. In vatikanischen Kreisen verlautet, daß
wischen Frühwirth und dem Kardinal Fischer
son Köln gänzliche Uebereinstimmung vor—
sanden ist. Die Romreise des Kardinals Fischer hat einen
ollen Erfolg gehabt. — Der Papsst empfing den preu—
ischen Gesan den Dr. v. Mühlberg in Aud enz.
Serbien.
* König Peter von Serbien, der zwischen dem 27.
ind 29. November in Rom einrifft, wird von Rom aus
haris und Wien besuchen.
Sopanien. J
*Canalejas hat in der Kammer mitgeteilt, daß
wei reiche Gönner, deren Namen jedoch nicht genannt
verden, der eine zwei, der andere eine Million Pesetas
er Regierung zur Verfügung gestellt haben zu dem Zweck,
den Eüinfluß Spaniens in Marokko zu foördern.
seriegerische Verwicklungen sollen iedoch dadurch nicht her⸗
ufbeischworen merden
Fremde Arbeiter in Deutschland.
Auf eine Million Menschen ist die Zahl der frem—
en Arbeiter, die im Deutschen Reiche tätig sind, in dee—
en Tagen geschätzt worden, und da gewircenhafte Un er—
agen vorhanden waren, so dürfte die Berechnung stim—
ren. Es sind nament'ich italienische, esterreichische und
uische Arbeiter, die auf deutschem Boden tätig sind und
Azährlich eine gewaltige Menge Lohn mit nach Hause
ehmen, resp. nach Hause senden. Daß deutschen Hün—
den ein großes Stück Geld entgeht, ist gar nicht zu be—
treiten, aber eine Aenderung wird nicht so leicht herbei—
uf hren sein, elbst nicht mit Hilse von umsangreichen Ar—
eits nachweisen. Wo haben wir heute in Deutichland noch
in wirklich großes Angebot von feiernden Händen? In
den stillen, abgelegenen Gegenden werden immer neue
Sisenbahnen eröffnet, und ihnen folgen aus dem ZFuße
Industrieanlagen, die den bisher etwa beschäfrigungslosen
Leuten Arbeit geben. Wir haben nicht nur keinen Man—
zel an Beschäfsigung, wir sind im Gegenteil schon viel⸗
ach so weit, daß die Leute sich die Arbeit aussuchen kön—
sen. Daraus entsteht dann nament ich der Leutemangel
n der Landwirtschaft der viel beklagte. Es heißt, die
2*.8 müissen nerlockend vnestaltet werden *i0 fins h!ut
— Röä—EeEZIAòAA&c——O
Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
*Ueber die Rücktrittsgerüchte des Kriegsministers vr
deeringen und des Marinestaatssekrctars v. Tin
Jütz wird aus guter Quelle weiter berichtet, daß Staas
ekretär v. Tirpiz und Kriegsminister v. Heeringen vo
urzer Zeit talsaͤchlich ihr Entlassungsgesuch eingereich
haben. Herr von Heeringen stellte nämlich aus Anla
der Heeresverstärkung eine große Anzahl von neuen kosi
pieligen Forderungen, auf die er im Interesse der Lar
esverte digung nicht verzichten zu können glaubte. Besor
ers verlangte er die Einstellung einer größeren Summ
ur Vermehrung der schweren Feldartillerie. Herr vo
irpitz forderte die Einstellung einer großen Summe zu
502 Gonickee 908 veichsschäkßamft vwor
Presse und Publikum.
Die „Köln. Ztg.“ nimmt den Prozeß Bruhn
zum Anlaß, einige beachtenswerte Auslassungen über
„‚Presse und Publikum“ zu machen. In ihrem Artikel heißt
es: „Alles in diesem Prozesse schreit nach einem Schuld—
svruch, und wenn man den Dingen auf den Grund sieht,
E
sWeirn schien jein Siut in Feuer verwandelt zu haben. Ein
zlühender Durst brannte in seiner Kehle. Eine unerträg
iche Hitze, sowie der Zigarrendunst wirkten erschlaffend
ind verwirrend.
„Als Heinz wieder seinen Hundermarkschein setzte, der
estimmt gewesen war, Regine eine große Freude zu berei—
en, bäumte sich alles in ihm auf. Sollte er sich stundenlang
ieser entnervenden Erregung hingegeben haben, nur um
chließlich doch wieder als armseliger, von allen belächelter
dropf aus dem Zimmer zu schleichen?
Nein, tausendmal nein! Jetzt wollte er das Schicksal
wingen, ihm das wiederzugeben, was er im blinden Ver«
trauen auf Glück auf die Karten Karten gesetzt und ver—
loren hatte!
Seine Hände flogen, seine großen, dunklen Augen waren
»lutunterlaufen, das Gesicht verwüstet.
Er merkte es kaum, daß sein letzter Geldschein in Rüh⸗
ings Besitz überging und daß dieser ihm eine genau ab⸗
jezählte Summe zuschob. Bald pointierte er einigermaßen
besonnen und donn weiador mit unverantwortlichem Leichtinn.
Doch je größere Summen er verlor, um so fester war
r überzeugt, daß im nächsten Moment das Glück sich ihm
uneigen müsse. F
Auch Rühling hatte sich wieder mehr am Spiel be—
eiligt, und zwar mit bestem Erfolg. Von Zeit zu Zeit legte
r eine größere Summe vor Diesing hin. Indem er laut
»as Geld zählte, mußten die Mitspielenden sehen, daß er
einen Schuldner nicht übervorteilte. *
Heinz Diesing sprach jetzt nur noch wenig. Seine
ztimme klang heiser. In seiner Brust war ein Glühen und
ztechen wie von vielen Dolchspitzen. Und jedesmal, wenn
hm der Einsatz verloren war, wurde sein Blick starrer, un⸗
zeimlicher.
Endlich sank er bald bewußtlos zurück. Auf seiner
Stirn stand kalter Schweiß. Er war wioe zerschlagen. un⸗
ähig, sich zu rühren.
Er haite jetzt eine Ehrenschuld von fünftausend Mark.
Noch konnte er die Größe des Unglücks nicht fassen, er hatte
a nur das bestimmte Gefühl, daß nie wieder gut zu machen
sei, was er soeben im Taumel der Leidenschaft zerstört hatte.
Auf einen Wink Rühlings verschwanden die Karten
om Tisch. Die Herren erhoben sich und nahmen eilig Ab⸗
chied. Nur Heinz und der Agent blieben noch zurück. Aber
as verschlafene Gesicht des Sollners Ind nicht an längerem
zerweilen ein. J
„Sie find ein Pechvogel, Diesing,“ sagte der Agent spotamor
k—nnnfte —ch ο FMν Rein-Fine
Flucht.
„Nun, Jlauben Sie etwa, daß soviel bestrickende Reizt
nnbemerkt bleiben? Schon morgen wird Fräulein Elsneit
ach meiner Ueberzeugung verschiedene Einladungen zu
inem Rendezvous in den Tageszeitungen finden; ihre Er—
heiung erregt sicher überall Bewunderung. Es werden sich
Nänner um sie bemühen, welche ihr das Dreifache von dem
ieten können, was uns zur Verfügung steht.“
„Regine ist so bescheiden und sie schließt sich Fremden so
hwer an, verseßte Heinz bedrückt.
„Und darauf bauen Sie Ihre Hoffnung? Nun, meinet—
degen, mir kann's wahrlich egal sein. Aber wenn ich solch
in Glückspilz wäre wie Sie, würde ich auch alles daran
etzen, um mir einen so kostbaren Schatz, wie dieses herrliche
Nädchen, zu sichern.“ 2
„Sie ist das vornehmste und holdseligste Weib, welches
nir je begegnetel“ rief Diesing, nachdem er zum zweiten
Nale sein Glas geleert. Der feurige Burgunder tat bereits
eine Wirkung. „Um so unverantwortlicher ist es von Ihnen,
aß Sie meinem Glück hindernd in den Weg treten!“
Daran denke ich gar nicht, Bester! Aber Sie dürfen
och auch kein Opfer von mir verlangen. Fch brauche mein
geld, das ist alles! Aber wer, seinen Gegner mahnt, greift
chon in Disteln. Bei der Anleihe werden hochheilige Ver⸗
prechungen geleiftet. Von denen kann man leider nicht für
ie Qukunft aehren!“ —
„Ich habe Sie niemals um Geld gebeten, immer habe,
ie es mir angeboten!“ rief Heinz.
„Nun ja, ich wollte Ihr Bestes, Ihr Glück! Schmal
uus war Küchenmeister bei Ihnen daheim, das dauert
an daher bot ich Ihnen Gelegenheit, Ihr Budget zu er
zhen.
Heinz machte eine Bewegung der Abwehr. „Spielen Si
ch nicht auf den Großmütigen hinaus, Ruͤhling, Sie ver
eiteten mich zum Spiel, Ihnen danke ich die Schuldenlafß
nd Mark, der grüne Tisch existierte früher für
ni 8
„Sie verloren ein paarmal, dafür machen Sie mich nicht
erantwortlich; hätten Sie dem Glück noch einige Mal die
und geboten, so würde der Erfolg wohl nicht ausgeblieben
„Das ist mehr als zweifelhaft. Zudem habe ich meinen
ter mein Wort gegeben, nicht wieder zu spielen.“
Schön. So bleiben Sie am Gängelbande Ihrer Mut—
Daran, ein Glück in vollen Zügen zu genießen, dürfen
inn allerdings nicht denken.“
ich die zweite Flasche war geleert, und auf einen Minf
B⏑ bo—T Gassnor 34 224*
om Bigarrenrauch verdunkelten Zimmer auf und ab. Seine
rhitzte Phantasie malte ihm bereits den Tag aus, wo Re⸗
ine ihm die Botschaft brachte, daß sie sich mit einem reichen,
ngesehenen Manne verlobt habe. Rasende Eifersucht, To—
esqual packte ihn schon bei dieser Vorstellung, wie vernich
end mußte ihn da erst die Wirklichkeit treffen!
„Ihr Verlust wäre mein Tod!“ stöhnte er, „ich ging
ugrunde daran!“
Rühling zuckte die Achsel. „Ihnen ist ja nicht zu hel
en! Die einzige, sich Ihnen durbietende Gelegenheit, mi
inem Schlage aus der unerträglichen Situation herauszu
ommen, lassen Sie ungenützt!“
In diesem Momenl trat ein Bekannter zu dem Agen
en heran. „Wie wär's mit einem kleinen Spiel, nur um
ie Zeit damit totzuschlagen?“
Rühling erhob sich bereitwillig. „Ich bin dabei.“ Dann
tellte er die Herren einander vor und forderte Heinz auf,
nitzukommen. „Sie brauchen ja keine Karte anzurühren,“
ügte er spöttisch hinzu, „niemand zwingt Sie.“
GHeinz schloß fich den anderen an. Sein Blut kreiste
bild durch die Adern. Er hatte in den letzten Monaten nur
elten ein Glas Bier getrunken, Wein überhaupt nicht. Der
hwere Burgunder wirkte berauschend. Feurige Funken
chienen vor seinen Augen aufzuflammen. Alle Sinne be—
anden sich in leidenschaftlicher Erregung.
Im Spielzimmer bot sich ihm das bekannte Bild. Er—
Gesichter. schimmerndes GGold und gierig funkelnde
lugen.
Wie magnetisch angezogen näherte er sich dem grünen
Tdisch. Irgend jemand schob ihm bereitwillig einen Stuhl
sin. Ruͤhling nahm neben ihm Platz.
Wie durch einen Nebel sah er auf das rollende verfüh—
erisch klingende Gold. Doch nachgerade wich der Druck aus
einem Hirn.
Bisher hatte Rühling ununterbrochen verloren, Hun—
erte bereits dem blinden Zufall geopfert.
Nun aber gewann er. Im Nu türmte sich ein Berg
on Banknoten und Goldstücken vor ihm auf. Ein kleine
zermögen, mühelos erworben.
In Diesings Augen kam ein fieberischer Glanz. Jede
g in seinem Gesicht spannte sich. Der Damon in ihm
wachte.
War es so ganz ausgeschlossen, daß er gewann? Wes.
Ib sollte der Zufall ihm weniger günstig sein als jenem?
id wenn es ihm gelang, dem Glück nur soviel abzutrohen,
ß er seine Schuld sofort begleichen konnte, dann war et
3 alsor Sorno horgus und abenoin minkta ihm dor schnste
Und ehe er noch wußte, wie es geschehen, hatte er einen
Zundertmarkschein aus seiner Brieftasche genommen, der
ür Regines Verlobungsgeschenk bestimmt gewesen war.
Er setzte die ganze Summe auf eine Karte und hatte
zas Doppelte schon nach wenigen Minuten gewonnen.
Nun begann sein Blut zu sieden. Den ihm wiederholt
ebotenen Wein stürzte er ohne Besinnen hinunter. Seine
zände flogen, als er wiederholt Gold und Scheine oin—
eimste.
Riühling verhielt sich vollkommen passiv. Nur ein ge—
egentliches Aufblitzen in seinen grauen Augen bewies, daß
remit gespanntem Interesse dem Spiele folgte. Er selbfi
53 sich ietzt nur mit Unbodontonden Einsäten an dem—
Iben.
Es hatte Heinz damals, als er seiner Mutter gelobte,
icht wieder zu spielen, heiße Kämpfe gekostet, dem Spiel—
sch fern zu bleiben. Nachgerade hatte die Leidenschaft
ann von ihm abgelassen, es war ruhig in ihm geworden.
bie ein wüster Traum lagen die Nächte der Aufregung,
s zügellosen Genusses hinter ihm.
Seitdem er Regine kannte, empfand er geradezu Ab—
heu vor jenen Amüsements, die das Ehr⸗ und Pflichtgefühl
ten und die häßliche Begierde wecken.
Nun aber war die Sucht nach dem gleißenden Golde
ieder in ihm erwacht, stärker, gefährlicher denn je zuvor.
r sah nicht rechts noch links. Wie gebannt hing sein glanz—
sser Blick an den Karten. Im Monient schien alles ver—
essen, was ihm heilig war, die Mutter, das Mädchen sei—
es Herzens, sein tadelloser Ruf.
wWenn er jetzt aufgehört, mit raschem Entschluß da
zimmer verlassen hätte, so würde er ein hübsches Kapita
seimgebracht haben.
Aber die warnende Stimme in seiner Brust schwieg
der sie wurde vielmehr betäubt durch das wahnsinnige Ver
angen nach größeren, immer größeren Gewinnen.
Die Stunden schwanden, das Glück war dem Spieler
icht mehr hold, er verlor, gewann dann wieder, schließlick
atte er nur noch Verluste. Der Gewinn verringerte sid
ald. Das Gold war fort. Nur ein paar blaue Scheine
agen noch vor ihm.
Nun hören Sie auf,“ sagte Rühling, „hören Sie aufl“
?rx wußte, daß er ebensogut zu einem Stummen hätte sagen
önnen: „Rede!“
Wie aus weiter Ferne mochte die Mahnung an Die—
in gs Ir tönen, vielleicht wußte er nicht einmal, daß sie
mn galt.
Er war seiner Sinne nicht mehr mächtig, für sein
Aungen faum vortmöortfiß u manmor DVor —