Nummer 84.
Postschlietfach Nr. 14.
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Mittwoch, den 13. April 1910. 23. Jahrgang.
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— 2— —1338 1338 * J 4 — J 1 — J osten 10 ⸗ bro 6spaltig Petitzeile
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Erscheint
taͤglich mit Ausnahme der Sonn⸗ und
Feiertage.
Amtliches Publikationsorgan
Abonnaméntapeet für die Bürgermeisterei Dudweller.
nonatlich 70 H frei in's Haus
gebracht, —
bei der Polt bestellt & 2,25 viertelährlich— Jenlprech⸗Anschluß Saarbrucken Nr. 60, 258, 269 u. 1261.
Mit zwei Beilagen: Reklamen
Sonntagsblatt und humoristische Blätter. g0 4 pro 8fpaltige Petitzeilc.
Vei Jahres⸗Abonnement höchster Rabati.
Smweiler eine ordentliche Bezirksversammlung ab. Eröffnet mehrere Seiten starke Schriftsatze den Beweis angetreten,
ind präsidiert wurde die zahlreich besuchte Tagung von daß Karl Man tatsächlich vor Jahren wiederholt mit Zucht—
dem Vorsitzenden Amtsanwalt und Standesbeamter Basten haus von 4 Jahren, 3 Jahren und 2 Jahren vorbestraft
us Sulzbach (Saar) der bei Beginn ein Kaiserhoch aus- worden ist, daß er der Anführer einer Räuberbande gewe—
zrachte. Der vom Vorsitzenden erstattete Jahresbericht des en ist, die längere Zeit hindurch das Riesengebirge unsicher
letzten Geschäftsjahres gewährte einen erfreulichen Ueber- jemacht hat und daß er niemals über die Grenzen von
hlick in das innere Leben des Verbandes. Die Vorstands- Deutschland hinausgekommen ist, obwohl er eine große HZahl
ergänzungswahl brachte einige neue Beaimten in die Vor— deiseerlebnisse aus den verschiedensten Ländern, angeblich
tandswahl, so die Herren: Kreisausschußsekretär Beckniann aus eigener Erfahrung geschrieben hat. Das Gericht nahm
Zaarlouis, als Vorsitzender; Bürgermeistereisekretär Traut: an, daß Libius den Brief in Wahrung berechtigter Inter⸗
zann, Brebach, als Schriftführer und Schatzmeister; Bürger essen geschrieben hat und sprach den Beklagten frei. ——
ieistereisekretär Döring als dessen Stellvertreter, Kreisland Berlin, 12. April. Heute vormittag wurde eine den
nesser Ferger und Kassenassistent Recktenwald als Beisitzer desseren Ständen angehörende Dame in der Lenneftraße
Der ausscheidenden Vorstandsmitglieder, insbesondere des von einem Privatautomobil überfahren und getötet. Die
Schriftführers Herrn Kayma, wurde dankbar gedacht. Be- Identität des Getöteten konnte noch nicht festgestellt werden.
onders lange und eingehend wurden die Ergebnisse der Berlin, 13. April. Die gestrigen Verhandlungen der
vom Zentralverband der Gemeindebeamten Preußens ein- Delegierten vom Verbande der Berliner Baugeschäfte mit
geleiteten Erhebungen über Beamtenverhältnisse und Lehr- den Delegierten der organisierten Bauarbeiter habeu“ zu
lingsausbildung besprochen und festgestellt, daß in vieler inem Eagebnis noch nicht geführt. Man verhaudelte bis
Verwaltungen anerkennenswerte Reformen zu Gunsten des zestern abend 10 Uhr,“ worauf die Konferenz vertagt, aber
Beamtenstandes zu verzeichnen sind, daß aber noch manch richt abgebrochen wurde. Man erwartet auf beiden Sei—
ots die Verhältnisse der Besserung sehr bedürfen. Der in en, daß ein Friede erzielt werde, obwohl die, zu überwin⸗
Aussicht genommene Vortrag mußte ausfallen, da der Re— denden Schwierigkeiten noch groß sind.
kerent am Erscheinen verhindert war. Demnächst wird ein Berlin, 13. April. Zu der gestrigen Annahme der,
Vertragszyktur erböffnet, der mit einem Vortrag in Völklinger Wahlrechtsvorlage im Abgeordnetenhaufe, die ja von vorn⸗
tattfindeuden Referate eines Rechtsanwalts seinen Anfang herein keinem Zweifel unterlag, äußern sich die links⸗
imnmt. Die nHächste ordentliche Versammlung findet ir ehenden Blätter: Man fragt sich, wie sich die Sache nun
Bettingen, Kreis Saarlouis, statt. Zu Rechnungsprüfen weiter gestaltet und ob das Herrenhaus Aenderungen and.
urden die Herren; Einehmer Biehm-Lebach und Bürger- der Vorlage vornehmen oder den Eutwurf rundweg ableh⸗..
rdeistereisekretär Simmet-Bettingen gewählt. Nachdem nock en werde, hält aber das letztere für wenig wahrscheinlich.
inige geschäftliche Angelegenheiten ihre Erledigung gefnn In wie weit eventuell Korrekturen angenommen. werden, ist
den, wurde die Versamnilung nach nahezu vierftündiger doch ganz in Dunkel gehüllt und es scheint, deshalb nicht
Dauer gegen 71,, Uhr mit einem Hoch auf dem Verbant angebracht, Prophezeiungen darüber anzustellen. 8
geschlosfen. Nürnberg, 13. April. Hier wurde eine Falschmünzerz
Der Verlauf der ganzen Sitzung hat erfreulicherweise dande festgenommen, deren Haupt ein ehemaliger Schutz⸗
wieder davon überzeugl, daß der Verband sich auf gutem mann ist. Die Gesellschaft wußte mit großem Geschick
Wege befindet und stets bestrebt ist, taktvoll und maßvoll alsche Ein-, Zweis und Dreimarkstücke in den Verkehr zu
ceine Ziele zu verfolgen. Mögen die Verhandlungen in hringen.
Ottweiler zur weiteren Förderung und gedeihlichen Aus— München, 12. April. Die Abgeordnetenkammer be—
gestaltung der Verbandsbestrebungen mit beitragen und die villigte heute 400 000 Mark zur Ablösung der Postporto—
ernste Arbeit von reichem Erfolge begleitet sein. Freiheit des fürstlichen Hauses Thurn und Taris.
Polizeibericht, 12. April. Wegen Körperverletzung Wien, 12. April. Der bekannte Theater⸗Agent Alfred
wurden 2 Personen zur Anzeige gebracht. Menkes hat sich heute vormittag in der Wohnung seiner,
Theater. Gestern Dienstag abend gelangte der ret. hemaligen Freundin, der Schauspielerin Betty Hofbauer er⸗
zende Schwank „Der Schlafwagenkontrolleur“ zur Auffüih chossen. Das Motiv der Tat ist darin zu suchen, daß die
ung. Es wurde wieder recht gut gespielt, das Publikun Schauspielerin das Verhältnis mit ihm gelöst hatte. 5
am gar nicht aus dem Lachen heraus. Auch die Toilet Rom, 13. April. An der italienischen Ostgrenze wer⸗—
en der Damen und Herren waren wieder die elegantesten den in Verona und Venedig zwei Kriegsluftschiffe von je
lIm Freitag, den 15. d. Mts., gelangt das Volksstück von 4000 Kubikmeter Inhalt stationiert werden. Für ein drittes
dosenthal, Der Sonnenwendhof“ oder: Die Tochter des wird in Bracciani eine Halle rrbaut.Ein Luftschiff. flür
zrandstifters zur Aufführnug. Das Stück hat die Direktion die Marine wird bis 1911 fertiagestellt sein, es wird 8200
igens für hier angekauft um den Besuchern wirklich was dubikmeter Inhalt haben, .
— BVV Paris, 18. April. Aus der Seine an der Henri4-elohnt
Brücke wurde die Leiche eines jnngen Mannes aufgefischt,,
in der man den 24 Jahr alten Studententen der Rechten
Ernst Jahr aus Deutschland erkannte. Der junge. Mann
war in Dijon ansässig; seine Eltern leben in Deutschland
in angesehener Stelling. Jahr war vor Linigen. Tagen
aus Dijon verschwnnden und nach Paris gefahren, wo er
sich auch dem Deutschen Konsul vorgestestt hat. Dori Hag
nan bemerkt, daß der Student geistesgestört war. 53
Paris, 12. April. Das „Petit Journal“, meldet aug
Foix, daß im Laufe einer gestern dort von dem früheren Wan
uüster des Auswärtigen, Delcasse, abgehaltenen Versammlung.
auf diesen ein Schuß abgegeben worden sei.
New⸗York, 12. April. Hier werden jetzt Einzelheiten.
iber erbitterte Kämpfe zwischen Bandenvon
eindlichen Asiaten im den Chinesenvierteln von New-Pork
ind Philadelphia bekannt. In New-York wurden dem
Bericht zufolge zwei Chinesen erschossen und einer schwer
»erwundet. In Philadelphia wurden ebeufalls zwei ere—
schossen und einer tödlich verlebpt
Vom bayerischen Bierkrieg.
die sich gegen eine B,ierpreispergerung
„on mehr als 2 Pig. überall erhebende Volksbewegung
jat an vielen Oricn bereits die Wirte und auch schon
nanche Brauer gezwuugen, die Waffen zu strecken und das
hier zum alten Preise zu geben oder doch wenigstens um
ucht mehr als 2 Pis. u verteuern. An anderen Ortern
jiber hat der Kampf erst begonnen. Folgende Meldungen
om Kriegsschauplatz lassen die unentwegte Er—
dung, aber auch den Humor erkennen, womit er ge—
ührt wind. In vielen Gemeinden wird zu dem Mitte!
gegrifsen, Schul⸗, Gemeinde⸗ und Armensit ungen in den
Schulhause zu halten, um keinen Anreiz und keine Not
vdendig'eit zum Bierkonsum zu schaffen. — Auf Versamm
un en in Grongörgen, Raindeng und Birnbach wurder
ir acht Gemeinden Antibiervere ne gegrindet und sol
gende, zum Teil geradezu unheimliche Beschlüsse gefaßt.
Bis auf weiteres sollen Ve einsfeste und dergleichen
nicht mehr abgehalten werden. Andere Lustbarkeiten, Mär
niere, Thealer, Kirchweih usw. dürfen nicht wehr be
ucht werden. Der übliche Leichenrunt wird für immer
bogeschafft. Bei Kreuzgangen ist nicht anzuhal'en, um
um Biertrinken Ee egendeit zu geben, sondern nach dem
Fotesdienste wieder retour zu besen. Handwerker und Ar
e ier, wesche 24 Pfennig-Vier ireneen werden boykottiert
Zon Hausfiechtneoleen oser Detailreisenden fotl kün tig gar
nichts meyr gçelaust oder bestellt werden. Alle unterzeich—
Jet'n Miiglieder verpflichten sich, obige Satzungen gegen
Nne Konoentionalstrafe von 20 Mark enzuhalten.
In Simbach b. L. zog en Trupp von zirka 50
MNann von Wirtshaus zu Wirishaus. Ueberall wurde die
Frae gestellt: „Was kostet's Bier?“ Und wenn die Ant
Zort der Wirte lautete: „24!“ ertönte das Kommando:
Kehrt marsch!“ In Reschsbach gingen zirka 70—580 Mann
at'einer Tasel: „Kampf gegen das Bier zu 24 Pfg.!“
zen Marttplatz auf und ab und kauften sich dann das Bier
m Faß zu 20 Pig. In Pilsting wurde auf dem Markt
iatze, naͤchst dem Kriegerdenkmal, von den „tieftrauernd
zinterbliebenen des dahingeschiedenen alten Bierpreises
uͤne hohe Stange aufgestellt, auf der ein deckelloser Maß⸗
rug befestigt ist, den eine schwarze Schleife schmückt, die
ie Ausschrist trägt: „Letzter Gruß!“ Auch anderswo ha⸗
en gesunder Sinn und Humor gar bald der Bevölker⸗
ing uͤber die ersten Qualen des Entsagens h.nweggeholfen
Z0 wird aus Metten geschrieben: Wer je behauptet hätte
miere Steinarbeiter koͤnnten auch nur einen Tag ohne
giergenuß sein, der wäre ausgelacht worden. Nun trin—
en sie aber bereits fünf Tage keinen Tropfen Bier und
ud dabei vergnügt. Infolgedessen mußten die beiden in
zen Stein rüchen zwischen hier und Egg befindlichen Kan—
inen, in denen monatlich mindestens 80 Hektoliter Bier
herzapft worden ist, geschlossen werden. Wasser ist jetzt
die Losung. Am letzten herrlichen Sonntag gings nich
ns Wirtshaus, sondern alles wanderte dem in einer
Schlucht gelegenen Geißbrunnen zu, dessen erquickendes
Quellwasser mit Wonne getrunken wurde. Der Wald boi
Schatten, ein Ziehharmonikaspieler sorgte für Musik. Je—
dermann war auch ohne Bier lustig.
Nur von der Bina Miederbayern) wird eine Episode
herichtet, die einen tiefen Pessimusmus der dortigen Be—
pökterung verrät. Bei der Schulprüfung sollten die Schü—
ler der obersen Klasse einen Aufsatz über das heurige Ko—
metenjahr schreiben. Unter anderem war da nun zu lesen:
Der Komet soll Unglück bringen, und wirklich ist schon ei—
nes eingetrofsen, näamlich die Bierpreisgerhöhung auf 24
Rfen ig!
Politische Rundschan.
Deutsches Reich.
«Die von den Lübeder Sozialdemolkraten für den 1.
Vtai gepeente Versammlung under freiem Himmel ist von
»em Poize amt wegen Gefahrdung der össentlichen Scher
jeit verboten worden.
*Uezec den Stand der Helifeldschen Angelegenheit
rind on zust neiger Seite mitgeselt: Die Pfandung auf
usß Nilllonen Bart Guthaben des ruu sischen Fislus bei
)ccBanifaama Mendesssohn u. Ko. besteht nicht nuc nach
W.e vor, es in virlinehr jetzt, nochdem der russische Fis—
*8 die Beschwedefrist gegen den Pfandungasbeichtuß vom
—
ö&àαc ⸗ ii
o. Vezember 1909 hat verstreichen lasiein un dcemit
die er Pfanungsvesch.uß rechesttastrg geworden ist, von
Heren Lon Hesleld gegen das Vanchaus ——
Fo. die Klage au? Auszahleng ßes beichlagnahmeen Gut
habens in Hohe bes von Heheirschen Anpeuchs noeost
Zinsen und Kesten zicta 44 Milienen Btartk) ergoven
vorden. Der Verhandlungslermin steht vor der 27. Ji—
bilammet des Landgeriches Berlen 1, am 7. wölain d. J.
* Dem be'ann en soztaldemokratischen Schrijesteiler un.
Stadtoerordne en Eouard Bernstein in Schöneberg, der
als Mitglied der Schuldeputation von den Stadtverorduelen
gewahlt warde, ist zur Ausübung dieses Amtes die
Lenehmigung versagt worden.
* Bei der Erne hung der Bismarckischule in Stetuin
teilte der Oberpeasisent Freihert von Maltahn Gültz ei⸗
nen bisher nicht betannt gewordenen Ausspruch Bis—
marcis mit, der fur weitere Kreise von Ineresse sein
durse. Freiherr von Maltzahn-Gultz sagte u. a.: „Der
Minn, der Ihnen ans Vorbild vorgestellt ist, hat vor
unaehr 20 Jahren mir ein Wort gesagt, dessen ich heute
wogl ceden en darf. Es war im Anschluß an ein länge—
es Gisprach über die Männer, die er zu seinen Mitar⸗
de dern berusen hatte. Er schloß das Gespraͤch mit der
Worten: „Maltzahn, jeder Mann ist soviel wert, wie er
esten kann, abzüglich seiner Eitelleit.“ Die Wahrheit die⸗
es Wortes habe ich seitdem unenlich oft bestätigt ge—
funden. Nicht der Ersolg — der steht in Gottes Hand —
noch weniger der Beifall anderer, den die Eitelkeit fucht
st es, was den Wert eines Mannes ausnexcht, sonderr
die Art und das Maß, wie er die ihm von Gott ver—
iehenen Kräfte ausbildet.“
Frankreich.
* „Paris Journal“ meldet aus Foir, daß im Laufe
iner von Delcassee abgehaltenen Wahl-Versammlung die—
er durch einen Revolverschuß schwer ver betzt wor—
en fein soll Eiune Bestatigung dieser Nachricht bleibt
aoch abzuwarten.
Lokales und Vermischtes.
Beilage. Der heutigen Zeitung liegt Nr. 2 der Land—
virtschaftlichen und Handelszeitung bei. Diese Woche müssen
vir noch Nr. 3 beilegen (Freitag), damit unsere Leser auf
dem Laufenden bleiben. Aus dem Kreise unserer Leserschaft
ind uns viele Anerkennungen über diese Beilage zugegan—
gen. Es gereicht uns zu großer Freude, dies verzeichnen
zn können.
Die gestern stattgefundene Generalversammlung
der Ortskrankenkasse im Bayer'schen Lokale war schwach
desucht. Aus dem Kassenbericht, den wir bereits gestern
eröffentlichten, ist zu entnehmen, daß dem Reservefonds zur
deckung der Ausgaben ein Betrag von 3096,70 Mk. hat
entnommen werden müssen. Da die Leistungen der Kasse
das gesetzliche Mindestmaß nicht übersteigen, wurde nach
»em Vorschlag des Vorstandes beschlossen, die Beiträge von
zo/ auf 3,530/, des durchschnittlichen Tagelohnes mit Wir—
ung vom 1. Mai ab zu erhöhen. Auf den Bericht der
sewählten Revisionskommission, welche die Rechnung für
909 geprüft und in Ordunnng gefunden hat, wurde dem
zorstand Entlastung erteilt. Einer Anregung, die Gelder
er Kasse anstatt bei der Seehandlung bei einer der hiesigen
zparkassen zinsbar anzulegen, soll durch einen entsprechen—
en Antrag an die Kgl. Regierung stattgegeben werden.
Thermometerstand. Heute früh 7 Uhr 10 Grad
elsius. Der seit gestern niedergehende gelinde Regen
cheint uns eine wärmere Temperatur zu bringen. Hoffent—
ich hält diese auch Stand. J
Rohrbrüche an Gas- und Wesserleitung kamen in
etzter Zeit außerordentlich viele vor. So sind in der Reh—
zach gestern allein 5 Brüche zu verzeichnen gewesen. Auch
in der Nähe des Gaswerks war ein Rohrbruch an der
vasleitung.
Der Verband der Kommunalbeamten im Saar—
jebiet hieltkam vergangenen Sonntag im Kaiserhefe—
Das hHeimatlied.
— Vothar schwieg tief aufseufzend still. Frau Betty
nie laut, aer Verwalter hielt die Hände im Schoß ge⸗—
gltet.
u* Lothav wußte, er hatte sein Spiel gewonnen, es galt
öA
., »And die Kinder meiner Lisbeth, — wo sind sie?“
chluchzte Frau Betty, „reden Sie, gnaͤdiger Herr, wir dür⸗
en keine Zeit verlieren, o, wir wollen sie an unser Herz
sjehmen,“ — Schluchzend erstickte ihre Stimme, au Traut—
nann war tief ergriffen, er würgte an den aufsteigenden
Tränen.
„SJch selbst werde Ihnen die Kinder zuführen,“ sagie Lo⸗
har mii tiefey Bewegung. Ich habe das der Lisbelh ver⸗
prochen und werde mein Wori halten. Ihr Mann schrieb
nir oder ließ mir schreiben, daß seine Frau gestorben sei,
r hatte ihr ein ehrliches Begraͤbnis zuieil werden lassen,
iber seine Zeit und seine Kasse erlaube ihm nicht, länger zu
asten oder selbst hierher zu reisen. Er müsse Geld verdie—
ien, wenn er leben wollet Das Begräbnis habe unmensch—
ich viel Geld gekostet, er sei schon wieder unterwegs und
jabe die Kinder ein Stück weit mitgenommen. Dann habe
xesie einem Reisenden, der denselben Weg zurückzegen
zätte, übergeben, und, — so teilte er mir mit, — keute
wbend werden sie auf der nächsten Station eintreffen, man
olle sie dort abholen. Mir scheinte“ schloß Lothar, die Kin—
der sind dem Manne eine rechte Lasi, weil er sich ihrer so
rasch zu entledigen sucht. Nun wisien Sie alle, ich mache
mich fertig, nach der Siation zu fahren und bringe Ihnen
die Kinder. Aber vergessen Sie nicht, was Sie versprachen,
ceinen Mund zu habten.“ α
3 Die beiden beteuerien es nochmals.
„Lassen Sie mich nach der Station fahren“, bat Traut⸗
mann, der seine Bewegung zu bemeistern suchle, „Sie ha—
ben schon so viel getan, daß wir Ihnen die Opfer nicht
auch noch zumuten dürfen
rNein,“ wehrie Lothar eifrig. „Die Lisbeth hat mein
Vort. daß ich selbst die ginder in das Haus hrer Ellern
uͤhren will, das darf ich nicht brechen
„O Dank, tausend Dank. Ohne Sie wüßten wir nichts
on unferen Enkeln, wer kann fagen, was aus ihnen wer—
»en würde!“ ries der Verwalter mit zuckenden Lippen.
ovie drau Betth troctne te ihre Trauen Sie hatte ja min
7 dn nm, zu besorgen und anzuordnen, dvamit die Kin—
rer Liesbeth ein warmes, bequemes Resichen sanden,
wenn sie kamen. Stẽ entwarf hundert Pläne, wie stse es
»en Kleinen recht behaglich machen wollte.
„Und nicht wahr?“ bat sie, „die Briefe, die meine Lis—⸗
zeth an Sie schrieb, die geben Sie mir, damit ich sie lesen
ann?“
Dies schien Lothar einen Augenblick zu verwirren. Doch
wur einen Moment, dann entigegnete er mit fester Stimme:
Das ist unmöglich, Frau Trautmann, ich habe die Briefe
ofort verbrannt, es erschien mir nicht gut, dieselben aufzus
ewahren. Warum sollte ich auch? Bedenken Sie, wenn
neiner Braut oder dem Grafen so etwas vor die Augen
üme? Das müssen Sie doch selber einsehen, ich lkonnte di—
Zriefe nicht ausbewahren, der Zufall spielt oft wunderlich.“
Ja, das begreife ich wohl.“
„Aber das Grab unserer Lisbeih, wo liegt es, gnädi—
ger Herr?“ sragte Trautmann.
„O lieber Mann,“ Lothar legte seine Hand auf den
Arm des Fragenden, „warten Sie — wie hieß es doch nup
zleich, es ist ein Städichen an der russischen Grenze — rich⸗
ig, jeßt weiß ich es wieder — Nikitina!“
Nikitina? Den Namen habe ich noch nie gehört. Das
st wohl recht weit yvon hierẽ? 7 3
DJa, sehr — sehr weitl · 57IT
Dann werden wir wohl das Grab unseres Kindes
niemals sehen!“ weinte Frau Betty wieder.
„Ste würden es vermutlich garnicht finden, da es eben
vedey den Namen, noch sonst ein Kennzeichen trägt!“ meinte
dothas traurig.
„So weit können wir alten Leute nicht mehr reisen,
Muttev,“ sagte Trauimmann gutmütig.
„Ja, ich weiß.“ a
Nach einer kleinen Pause fragte Frau Betty wieder:
Ob die Kinder wohl getauft sind? Das wissen Sie nicht,
derrẽ“
„Getauft sind sie,“ entgeanete Lothar rasch und bestimmt,
aber ob sie gerade ihren Tausschein mitbringen werden,
'ann ich nicht behanpten. Wer weiß, ob derselbe überhaupt
noch existiert? Vei selchem Leben, wie Lisberh es führte,
zehen die Papiere eben leicht verloren. Die arme Frau war
ja niemals lange an eincm Ort. Sie schrieb mir nur Alter
Ramen der Kinder auf. Sonst weiß ich natürlich
nichts!“
„Auch nicht, wo sie geboren wurden?“ r
Lothar machte eine ungeduldige Bewegung. Diese Frau
rieb ihn ordentlich in die Enge, es war Zeit, alle den Fra⸗
zen ein Ende zu machen.
„Auch das kann ich nicht sagen, antwortete er, sich er⸗
sabend. ‚Wir sprechen später noch darüber, iür heute nun
och dies: Sie machen den kleinen Jaadwagen zurecht. da⸗
ieir ich ohne vtel Aufsehen foritonme, ich sahre hinten zur
Parltore hinaus, um allen unnützen Fragen aus dem Wege
zu gehen. Und noch eins, Trautmann. Wenn ich Ihnen
einen guten Rat erteilen soll, so hören Sie: Geben Sie den
dindern Ihren Namen, wer kann wissen, was der Vaga
bund, der ihr Vater ist, noch für Streiche machen wird, se
»aß die Kinder, wenn sie einst erwachsen sind, sich vielleicht
schämen müßten. Mir kann es ja egal sein —, aber — hu
— ich meine, es ist doch ein unschäßbbares Gut, einen ehrli—
hen Namen zu haben, man wird nichts einzuwenden haben.
venn Sie die Kinder adoptieren.“
„Ja, das werde ich, gnädiger Herr; die armen Wür⸗
mer haben ja eigentlich gar keinen Familiennamen, wep
will unter diesen Verhältnissen ergründen, wo sie geboren
vurden?“
„Ja, es würde schwer sein, das zu erfahren,“ meinte
dothar, „ich weiß nämlich nicht, wie jener Mann heißt, der
ich in seinem Briefe nun allerdings mit seinem Namen un—
erzeichnete, aber ich habe denselben leider vergessen! — Ich
achtete in der Aufregung garnicht darauf.“
Der Verwalter schüttelte Lothar treuherzig die Hand
um Abschied, ebenso Frau Betty, die eiligst im Hause ver⸗
chwand.
— — — — — — — — — — — — —
„Das wäre abgemacht!“ sagte Lothar, etwas später bei
einer Mutter eintretend. „Ich habe den Alten da drüben
iin Märchen erzählt, von ihrer verstorbenen Lisbeth, vor
meiner heimlichen Liebe, und wie sie mir ihre Kinder an
nertraute. Ich sage Dir, Mama, die Frau Verwalterin zer—
loz in Tränen; ich glaube, ich habe meinen Beruf versehlt,
hätte eigentlich Schauspielerin werden sollen! Mit solch ei—
nem Talent hätte ich sicher Karriere gemacht, und zwar sehr
tasch
Die Frau Präsidentin blickte sehr ernst. *
— „Und wenn die heimlich durchgegangene Tochter eines
schönen Tages reumütig zurückkehrt — was dann?“ fragte
sie, einen forschenden Blick auf den Sohn werfend. —2
ANbev es fällt ihr ja garnicht ein.“
33„Weißt Du das so bestimmt?⸗ *
„Jawohl, Manie
Mber so erkläre doch!“ 6
Mutter,“ sagte Lothar, ganz nahe herantretend, Iwast
Du mich im Ermnjt für so unklug halten, zu sagen, die Toch—
er des Verwalters wäre gestorben, wenn die Möglichkeit
»orläge, dieselbe könnte noch einmal zurückkehren? Na, da
äße ich schön in der Tinte! Nein, das glaubst Du doch
elbst nicht! Lisbeth wiyd nie wiederkommen, denn sie is
virklich tot! Darin wenigsienss habe ich nicht gelogen.“
XV lagtest mir ja garnichts davon “ xe
— zI8Sch vachte doch nicht, daß Dich so etwas interessteren
tönnie, Ich erfuhr es nur durch Zufall und hatte es bald
dieder vergessen. Damals ahnte ich freilich gücht, daß mun
die Sache von so großen Nuhen sein würde. 777
„Jit das aber auch ganz gewiß?“ fragte die Prasidentin“?
noch immer zweifelnd. 3
„Ja, Mama, zu Deiner Beruhigung sollst Du erfahren,
ich weiß es von Baron Rottner, der reist ja das halbe Jahr
in der weiten Welt umher, dabei traf er einmal die Lis«
beth, die er flüchtig hier gesehen, als sie noch bei ihren Et
lern lebie. Sie waͤr schon krank, und später ersuhr er, daß
sie gestorben sei.“ . .3
dDie Frau Präsidentin ließ sich nun näheren Bericht er⸗
tatten 1ber die Verhandlungen mit dem Verwalter.
„Gut, sehr gut,“ nickte sie mehreremale. „Vorläufig ist
die Gefahr besennigi, das weitere findet sich. Es heißt eben
sehw vorsichtig sein.“ * D
„Aber jebt gehe hinüber, Mama,“ drängte Lothar, „und
sage meiner Braut, inir waͤre nicht ganz, wohl, ich würda
aber später den Tee drüben einnehmen, für jetzt möge sie
mich enchuldigen, ich müsse frische Luft schöpfen.“ αι
— *1
Die Nacht war schon hereingebrochen, als der leichte
Jagdwagen am hinteren Parktore hielt. Lothar, der heute
ohne jede Begleitung, selbst ohne Kutscher gefahren war,
sprang vom vorderen Sitz herunter und half die beiden Kin⸗
der, die mit großen, erstaunten Augen all das Neue rings
umher betrachteten, aus dem Wagen heben. Frau Betty, dio
en Augenblick kaum erwarten konnte, wo sie die „Enkel“
ins Herz drücken durfte, kam eilig herbei, um sich derselben
zu bemächtigen, während Trautmann den Koffer vom Kut«
cherfitz herunternahm. Lothar, hatte schon vorsichts halben
ziles Gepäck das die Kinder mit sich führten, sorgfältig durch«
ucht, ob es nichts entacert, s imni zur Verrätev werden
bnnte. Doch es besanden fich in dem Koffer, den ein ftar⸗
r VLederriemen zusemmenhiert, nur Kleider, Wäsche, Schuhé
ind Allerlei, zwei Schachteln bargen Hüte und Mützen,
e, t ehen Dablerlein deschiel
enes Blatt. Frau Beity, die das kleine Mädchen an der
vand führte, ging voran, Lothav folgte mit dem —X
zus dem schlechterdingas kein Wörtchen herauszubringen vw
yr verzog das Mündchen und weinte.
„Wie heißt Du denn?“ fragte Frau Trautmann dag
dind Erika“, antwortete dieses rasch, ‚„und mein Brüder«
Jen heißt Reinhold, er kann's aber nicht sagen.“
„So, und veine Mutter hießt Lisbeth, gelt Erikad⸗*
har, der daese Frage dehört, fühlte, wie ihm eins
Iptwella in das Gelicht stieg,