ine⸗Verwaltung gehören, sondern zur personlichen Ver
sügung des Kaisers geheten werden soll— für beson
ders geeignet, gleichwie solche komfortable Jachten der
rönig von England und der Kaiser von Rußland be
iren. Die Kosten des Baues und der Ausstattung
würden durch eine freiwillige Nationalsubskription, an
der sich jeder, wenn auch mit kleinem Betrage, beteili
gen könne, ohne Schwierigkeit aufzubringen fein. Der
Bedanke ist, wie gesagt, hier erst neuerdings aufge
aucht und bisher nur in engerem Kreise eroörtert wor
den, hat also noch keineswegs feste Gestalt angenom
nen. Wir beschränken uns daher lediglich auf dies
Wiedergabe, annehmend, daß, falls er Anklang in
deutschen Volk findet, er auch seinen weiteren Weg bal
finden wird.“
die Beftrebungen, für den Kaiser eine neue Jacht zꝛ
⸗auen, datieren nicht erst von gestern und heute. Wie man
weiß, ist auch der Reichssstag schon wiederholt unter der
hand mit der Angelegenheit beschäftigt worden. Da abe
ei seiner übergroßen Mehrheit keine Stimmung dafür vor
handen war, daß dem Kaiser aus Reichsmitteln eine Lust
acht erbaut werden sollte, so hat man die Idee wiede
allen lassen. Jetzt kommt man um eine andere Ecke her
un, aber die Sache wird dadurch nicht besser. Wir be
steisen durchaus den Wunsch des Kaifers, aber man wirt
auch zugeben müssen, daß der Zeitpunkt für die Erfüllung
ines solchen, etliche Millionen umfassenden Wunsche
licht gerade glücklich gewählt ist. In einer Zeit, wo in
olge der Teuerung und Not und infolge erhöhter Steuer
mstrengungen die Unzufriedenheit in den weitesten Volks—
eisen wächst. sollte man nicht von solchen Dingen reden,
ie nur geeignet sind, den Zündstoff zu vergrößern.
— — — —— ——
Zum Gegenbefudßz HKaifer Wilhelms.
— e
Wir bringen unseren Lesern heute das Bild des
Schlosses Wolfsgarten bei Darmstadt, das Eigentum des
roßherzogs von Hessen ist und auf welchem am heutiger
Freitag Kaiser Wilhelm dem russischen Zar einer
hegenbesuch abstattet
Von der Luftschiffahrt.
2Ein Lenkballon für Rußland. Der für
stußland bestimmte Lenkballon „P. 7“ machte am Mitt
woch nachmittag in Bitterfeld eine Probefahrt von 38
Minuten. An der Fahrt nahmen neun Personen teil, un
er denen sich der Führer des Lufischifses, Hauptmann
dinglinger und Oberingenieur Kiefer befanden. Das Vujfst—
chiff wird voraussichtlich in den nächsien Tagen ver Bahn
iach Rußland gehben
— ä —
Landwirtschaftliches.
Saatenstand in Deutschland. Für den Saatenstand
n Deutsschland Mitte Oktober sind nach
er Zusammenste“lung des Kaiserlichen Statistischen Amts,
zie für die einzelnen Staaten und Landesteile im „Reichsnzeiger“
verössentlicht wird, die Noten folgende: Nr. 2
auch mit Beim schung von Roggen oder Weizeny: 2,5,
edeutet gut, 3 mittel (durchschnittlich,, 4 gering; die
zwischenstufen sind durch Dezimalen bezeichnet Die in
klammern angeführten sind das Ergebnis der gleichen
zeit im Verjahr Wiuterweizen: 2,5 (2,4); Winterspelz
2,20 Winterroggen: 2.24. (2 BX Kortafneln 2,0 (2.6).
issen, er war aver gerecht genug, sich einzugestehen, daß sein
sgener, leichter Sinn die Hauptschuld an, den Verirrungen
ug. die er sich hatte zuschulden kommen lassen.
Da Regine auf seine, Worte nichts erwiderte, so legten
e den Rest des Weges schweigend zurück.
Frau Diesing hatte inzwischen Plätze im Konzertsaal
elegt. Als sie die beiden schlanken Gestalten herankommen
h, wallte stolze Freude in ihr empor.
Ein richtiger Glückszufall war es gewesen, der ihren
zeina in Reaines Nähe fuührte und ihm Gelegenheit bot, ibr
änen so ritterlichen Dienst zu erweisen.
Er liebte das schöne, herzige Mädchen und seine Nei
sung würde der Halt fsein, an dem sein leichtfertiger Sin
ich festigte. Töricht wäre es ihr erschienen, jetzt noch Be
ürchtungen für die Zukunft zu hegen.
Regine ließ sich Heinzens Aufmerksamkeiten sichtlich
jern gefallen. Demnächst mußte auch ihre kühle Ruhe sid
n bräutliche Zärtlichkeit verwandeln. Dann, meinte die
ilte Frau, sei ihr Glück vollkommen.
RKegine schmückte sich lächelnd mit zweien von den Rosen
sie dritte befestigte sie an der schwarzen Seidenbluse ihrei
nütterlichen Freundin.
gHerr Diesing darf aber meinetwegen nicht zum Ver⸗
chwender werden,“ sagte sie neckend, „wer kauft wohl so köstiche
Rosen um diese Jahreszeit!“
Wenn er sich keine größere Verschwendung erlaubt, als
iese, so will ich tausendfroh sein, Reginchen, nun aber setzen
Sie sich dicht zu mir. Ich habe Sie seit drei Tagen nicht
jesehen und mich bereits heftig nach Ihnen gesehnt.“
Nir erging es ebenso, Frau Diesing, ich habe den heu⸗
igen Ahend mit größter Ungeduld erwartet. Ich bin ja
o glücklich im Verkehr mit Ihnen. Schon der Gedanke, daß
s je wieder anders werden, ich wieder ganz, auf mich allein
angewiesen sein könnte, macht mich krank.“
„Das sind überflüssige Befürchtungen, Reginchen. Einen
o kostbaren Schatz, wie ihn der Himmel uns in Ihnen be—
schert, behütet man mit Liebe und Umsicht. Selbst wenn
fremde Elemente zwischen uns treten wollten, würden mein
Sohn und ich alles aufbieten, um Sie an uns zu fesseln.“
„Sie verwöhnen mich,“ sagte das junge Mädchen be—
vegt, „ich hielt mich für so überflüssig in der Welt; der
ßedanke, Ihnen wert zu sein, umschließt ein aroßkes Glüch
ür mich.“
Frau Diesing vermochte ihre stürmische Freude kaum
u zuͤgeln. Alles ging wie am Schnürchen. Dieser Abend
var geeignet, die letzten, heimlich gehegten Bodenken zu zer⸗
treuen. Das schöne, bezaubernde Mädchen würde Heinzens
Frau werden und mit ihrem klugen. lieberfüllten Sinn sein
den in die rechte Nohn slont—
— 22 ——
Zur Strandung der „Vreußen.“
HRie „Preußen“ ist ein Wrack. Eine Deputation de
zersicherungsgesellschaft kam in Dover an und hatte ei
eonferenz mit dem Schiffsagenten des Ortes. Wie ver
autet, kam die Konferenz zu dem Entschluß, die „Preu
en“ au zugeben und der deutschen Bergungs-Gesellschaf!
as Bergen zu überlassen, soweit dies noch möglich ist
O Personen sind noch an Bord des Wrackes. Sie haben
— aanze Nacht hindurch gearbeitet, um alles vorzube—
er deutsche Bergungsdampfer „Atlas“ ist in Dover
mgekommen, um die Bergung des Wracks der „Preußen“
n Angriff zu nehmen. Auch Leichter sind eingetroffen, die
ie Ladung übernehmen sollen. Das ganze Bergungs—
berk ist der deutschen Bergungs-Gesellschaft übertragen
vorden, da tatsächlich keine Hoffnung mehr besteht, das
Zzchiff flott zu bringen
Gerichtszeitung.
Die Moabiter Krawalle vor Gericht.
Das erste große Nachspiel zu den Septemberunruhen
n Stadeteile Moabit begann Mittwoch vor der drit
en Straskammer des Landgerichts 1. Das Kriminalge
ichtsgebäude machte äußerlich schon den Eindruck, daf
s sich um einen fogenannten großen Tag handele; dent
er Andrang des Publikums war ziemlich groß und man
ah verschiedene Trupps Schutzleute mit umgeschnallten
devolver im Inneren des weitläufigen Gebäudes ver—
chwinden. Auch zahlreiche Schutzleute in Zivil warer
ufgeboten und nahmen an den ihnen zugewiesenen Stel
en Aufstellung. Der ziemlich geräumige Saal ist kaum
roß genug, um alle Angeklagten und sonstigen Prozef
eteiligten aufzunehmen. Die drei langen Pressetische sind
icht besetzt. Es dauert lange, ehe die 35 Angetlagten —
daßen und Genossen — von detnen ein großer Teil ir
luter uchungshast sitzt, im Anilageraum und auf der
zänken der Geschworenen placiert sind.
Um 934 Uhr eröfsnet Landgerichtsdirektor Lieber die
zerhandlung. Die Anklage wird durch den Ersten Staais
nwalt Steinbrecht und den Staatsanwalt Stelzner ver—
reten. Die Angeklagten werden von den Rechtsanwälten
eine, Dr. Heinemann, Dr. Kurt Rosenfeld, Theodor Lieb—
iecht, Dr. Oskar Cohn, Kurt Rosenberg, Bahn, Blau,
)r. Coßmann und Ulrich verteidigt. Unter den Angeklag⸗
en sind einige vorbestraft, einer wegen Landfricdensbruch
nit neun Monaten Gefängnis — Vor Verlesung des
röffnungsbeschlusses stellt Rechtsanwalt Heinemann den
intrag, die Sachen, die nach dem ordnungsmähigen Ge—
häftsplan nicht vor die drisie Straftammer gehörten, ab—
utrennen und vor die zuständige Strafkammer zu ver—
»eisen. Nach lärgerer Pause verkündet Landgerichtsdi et—
ꝛr Lieber den Beschluß des Gerichts dahin, daͤß die durch
ie Beschlüsse vom 31. Oktober, 1. November und 4.
dovember angeordnete Verbindung der in den Beschlüssen
ezeichneten Stra sachen bestehen bleibt. — Nunmehr er—
ebt sich Rechtsanwalt Heine zur Begründung eines
blehnungsantrags, welcher die amterenden
dichter wegen Besorgnis der Befangenheit ablehnt. Der
ntrag ist von sämt ichen Verteid gern unterzeichnet. R.A
r. Oskar Cohm erbittet sich das Wort zu einem An
rag, der gleichfalls die Ablehnung des Gerichts nod
Us anderen Gründen zum Djeat 64 Qandaerick8
Weit jfriuer Besrieoigung gewahrte die Matrone, daß
degine all den werbenden Blicken aus feurigen Männer—
ugen gegenüber kühl und ablehnend blieb; ihre Anmut zog
ie allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, aber sie schien es
aum zu bemerken.
Heinz hatte Schokolade für die Damen bestellt. Auch
r war so stolz und froh. Regines warnende Worte freilich
jatte sein leichter Sinn bereits vergessen. Er lebte nur
em Kugenblick, und was dieser ihm bot, war berückend, ja
eradezu berauschend.
Das Orchester spielte bezaubernde Weisen. In dem
ichtgefüllten Saal flutete blendende Lichtfülle, wetteiferten
ie reizendsten Toiletten um den Preis.
Bald erhob Diesing sich, um sich den promenierenden
zaaren anzuschließen. Er forderte Regine auf, ihn zu be—
leiten, aber sie lehnte mit vollster Entschiedenheit ab.
Kaum hatte Heinz sich entfernt, so berichtete sie von der
)egegnung mit Rühling. „Es ist notwendig, daß Sie Ihren
vohn vor dem heimtückischen Menschen eindringlich warnen,“
ugte sie hinzu, „es wäre doch wohl besser gewesen, Sie hät—
en ihm den Brief gezeigt, in dem Rühlina sein Gold so
ücksichtslos zurückfordert.“
Die Frau erschrak heftig. „Heinz weiß noch nicht ein—
nal, daß die Schuld beglichen ist,“ fagte sie bedrückt, „aber
leich morgen soll er alles erfahren. Ich wollte ihn an die
inselige Geschichte gar nicht wieder erinnern, daher schwieg
ch bisher. Doch gleich morgen teile ich ihm mit, in welcher
merhörten Weise Rühling gegen ihn vorgehen wollte.“
„Ja, ja, tun Sie das unbedingt!“ drängte Regine, „Ihr
zßohn ist viel zu harmlos jenem raffinierten Menschen gegen—
iber. Aber bitte, verschweigen Sie, daß ich es war, welche
as Mittel zur Hilfe bot. Es wäre mir peinlich, wenn Hert
diesing erführe, daß ich um die fatale Angelegenheit weiß.“
Die Frau nickte nur. Ein Etwas, für das sie keint
zrklärung fand, schnürte ihr plötzlich die Kehle zusammen
fks war ihr, als habe sie etwas versäumt, das sie wieder qu
nachen koͤnne.
Dann freilich suchte sie dieses Angstgefühl zu unter—
rücken. Das Versäumte konnte ja zu jeder' Stunde nach,
eholt werden. Noch in dieser Nacht wollte sie mit ihrem
ohn eingehend sprechen, ihn noch rinmal ermahnen, sein
zeben fernerhin so einzurichten. daß es Regines würdig
var ...
Heinz schlenderte mit abwesendem Blick durch den Saal
kegines blaue Augen, die heute in einem so sonnigen Licht
rstrahlten, schwebten ihm beständig vor, nur wie durch einen
ꝛebel sah er die an ihm vorübergleitenden Paare.
Da legte jemand die Hand auf seinen Arm, und von
ao unoncneenehmon NAbnunag durchaudft sah er zur Seite
ex Lieber errrärt, daß der Gerichtshof jede weitere
erhandlung ablehnt und vertagt die Sitzuung.
(2 Verhandlungstag.)
Die Verhandlung am Donnerstag begann erst um 128
ihr mittags und nicht, wie vorgesehen, um 410 Uhr.
im diese Zeit trat die Beschlußkommission zusammen, um
ber die gestellten Ablehnungsanträge zu beraten. Diese
zeratungen zogen sich sehr in die Länge.
— — — — *
Arbeiterbewegung.
— Schuhmacher⸗Ausstand. In Dresden haben die
treikenden Arbeiter in den Schuhfabriken beschlossen, die
son den Fabrikanten angebotene Lohnerhöhung als unge—
uigend abzulehnen und den Streil fortzusetzen.
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
*Köln, 10. Nov. Die vierte Rheinbrücke)
bier beschäftigte sich das Zentraltkomisee für Rheinschiffahrt
nit dem Bau einer festen Bahnbrücke im Zuge der Kölner
Ringstraße. Die Brücke soll den Deutzer Industriehafen
mit Köln verbinden.
* Herne. 10. Nov. GVerschüttet.) Auf der Zeche
Montcenis wurden zwei Häuer, die mit dem Ausbau ei—
ner Strecke beschäftigt waren, von plötzlich niedergehenden
Gesteinsmassen verschüttet. Einer der Verschütteten, Vater
von vier Kindern, konnte nur als Leiche geborgen werden.
Sein Kamerad erlitt schwere Verletzungen.
* M.⸗Gladbach, 10. Noo. Ordensverleihung
un einen Toten.) Der „eichsanzeiger“ veröffentlicht
die Ordensverle'hung an einen Toten, indem er mitteilt,
daß dem hiesigen Lehrer a. D. Rademachers der König—
liche Kronenorden 4. Klasse verliehen wo din ist. Herr
Rademachers ist bereits vor zehn Tagen gestorben.
* Elberfeld, 10. Nov. EEin Schwindlerpaar.)
Zwei Schwindler, die hier, in Barmen, Düsseldorf, Kre—
seld und Köln Berrügereien verübt haben, wu den in Bar⸗
nen festgenommen. Als Spezialität betreben sie es, sich
Schrebmaschinen zu erschwindeln. Zudem haben sie Ge—
chäfte um Kleiderröcke, Regenchirme, Pelerinen u. a. be—
rogen. Aus ihrem Logis entwendeien sie Beitzeug, daẽ
vie die Maschinen in Düsseldorf an den Mann gebracht
vurden. Die Gauner sind der Kaufmann Otto Eckhoff
und dessen Bruder Willy.
* Kaiserslautern, 10. Noo. Automobil⸗- Un—
zhück.) Bei einent Automobl-Unglück wurde der Wirt
deinxich König aus Wolsstein getötet, der Arzt Kennel aus
Affenbach am Queiß wurde lebensgefährlich verletzt.
4 —9
Hochwasser.
*Köln, 10. Nov. Der Rhein ist um sast 3 Meter
zestiegen und ist noch im Steigen begriffen. Das Hoch
putgelände am Deutzer Hafen ist überschwemmt.
Bingen, 10. Nov. Die Nahe ist noch immer sehn
soch. Ihre Wassermengen werden an der Mündung von
em gleichfalls sehr hohen Rhein zurückgedrängt, sodaß bis
weit ins Tal sich Stauwasser gebildet hat und der Ab—
luß nur ganz langsam erfolgt. An der Eisenbahnbrücke
st das Wasser über sechs Meter hoch. — Der Rhein
eigte heute früh 3 Meter Pegelhöhe; weiteres Steigen sitehl
u erwarten.
Main z, 19. NRov. Der Mainpegel bei Großstein
eim zeigte gestern 235 im., heute 282 Zim. Mit den
Riederlegen des Schisfsdurchlasles in Otristel wurde heut
rüh begonnen.
Trier, 10 Nov. Die Mo ssel steigt stark weiter
das Wasser ist in Häuser des Staäditeiles St. Barbarc
ingedrungen Die Mosel-Kleinbahn Trier-Bullay mußt
wischen Amdel und Völklingen ihren Betrieb unterbrechen
»a das Wasser die Gleise überflutete. Ein Bauzug wurd,
»om Wasser umgeworfen; die Wagen und die Lokomolive
vurden schwer beschädigt.
Mannheim, 10. Nov. Der Neckar ist über 15
Neter gestiegen. Das Vorland ist überschwemmt. Deéer
thein steigt weiter.
Heidelberg, 10. Nov. Der Neckar ist hier
ber die Ufer getreten und überschwemmt auf weite Flä—
gen die Felder. Nach einer späteren Meldung ist das
Vasser zum Stehen gekommen.
Stuttgart, 10. Nov. Aus verschiedenen Te'ler
es Landes liegen Nachrichten über Hochwasser vor. Die
ieisten Flüsse sind über die Ufer getreten oder doch usfer—
oll und führen viel Treibholz mit sich. Die Täler sind
oltständig unter Wasser. In Hall konnte der Postwager
on Geislingen das Tal nicht herauffahren. Die Post tal
bwärts mußte durch Botengang bestellt werden
Aus aller Welt.
Schillers Geburtstag. Anläßlich des Geburtstages
chillers wurden in Berlin am Denmal des Dichters vor
em Schauspielhaus mehrere Kränze niedergelegt.
Schließzung einer Volksschule. Die Schließung der
58. Berliner Gemeinde-Mädchenschule machte sich notwen
g, weil eine Dipheherie-Epidemie in den letzten Wochen
um sich griff, daß 60 bis 70 Kinder febleen. auch ichon
—V —
Ruqhuing stand vor ihm, die schmalen Lippen zu dem iym
ꝛigenen spöltischen Lächeln verzogen. „Kun, Sie sehen jo
nus, wie einer, der auf Freiersfuͤßen geht. Mensch, haben
Sie ein Glück! Wo in aller Welt lernten Sie dieses himm.
pr Pelen kennen, das nur Augen für Sie allein zu haben
int!“
Heinz fühlte sich geschmeichelt und verwirrt. Wenn es
an dem war, daß Regine ihm ihr Wohlgefallen so unverhülll
zeigte, daß andere es bemerken konnten so liebte sie ihn dod
vohl auch. Und hatte sie nicht auch ihm deutlich gezeigt,
vie besorgt sie um seine Person war? Hatte sie ihn nidi
or Rühling gewarnt?
. Ein jubelndes Frohlocken erfüllte ihn und in seinen
bersprudelnden Freude tat er gerade das, wovor Reginte
jn gewarnt, hatte, er erzählte, auf welche Weise er mit ihr
Asammengekommen war, daß er sich gewissermaßen als ihr
ebensretter betrachten durfte und sie ihm und seiner Mut—
ihre Dankborkeit in der rührendsten Form zu beweifen
ichte.
Rühling hörte zu, ohne ihn mit einem Worte zu unter—
rechen. Aus seinen Augen fuͤnkelte der RNeid., Dann den.
en Sie also wirklich daran, die junge Dame zu heiraten?
ragte er endlich lauernd.
zDas ist doch selbstverständlich. Ich kann mir ja auch
nit bestem Gewissen einen Hausstand gründen. Wein Chef
at mir vom ersten Januar kommenden Jahres die Sielle
nes Bureauvorstehers zugesichert.“
Hoffentlich bezahlen Sie vorher Ihre Schulden ab?“
ieß Rühling zwischen den Lippen hervor.
„Meine Schulden? Du lieber Himmel, Sie bekommen
iusend Mark von mir, die Sie mir auf Jahre hinaus ge—
undet haben! Auhberdem bin ich keinem Menschen ver—
flichtet.“ Er sagte es im harmloseften, felbftzufriedenften
ou von der Welt. Seine Gedanken waren nur halb bei der
ache, er überlegte, wie er sich Rühlings entledigen könne.
Ungern würde er ihn seinen Damen zugeführt haben,
wer Rühling als Schwerenöter kannte und fürchtete. diefer
jnne ihm Regines Herz entwenden.
Ganz von seinen eifersüchtigen Gedanken eingenommen,
ꝛmerkte er nicht, daß innge Züge immer schroffer und
hässiger wurden. Ste gingen mit dem sich laugsam vor—
ärtsbewegenden Menschenstrom. Vorläufig dachte der
gent nicht daran, Diesings Damen zu begruüßen, vielmehi
un er angestrengt darüber nach, wie er Heinz recht empfind—
ch schädigen könne. *
Wie kam es nur, daß er einen solchen Haß gegen jenen
npfand?
Rühling war eine kalte, egoistische Natur. Er liebt«
no Mauichon dort aher mo ßr QsUirinnonheit umn ctc,n
daoifale Selbstmörderin. Selbsimornd auf di
ache Art verübte in Berin eine 50jhrige Zahnärzün
zjfnete den Gashahnm, nahn dann Gist und erschoß
arauf.
Fünf Seeleute ertrunken. Die in Curhaven *
omenene de tsche Barke „Schiller“ mit Sarpeser von —*
urg un erwegs. hat in der Nordsee durch eine Stu
ünf Mannu der Besabung verloren.
Schiffsunfall. Drei Torpedoboo'se stießen bei d
irchen bei einer Uebungsfahrt mit einem Fischerboot
ammen. Das Boot sant, doch lonn e de Mannschatt
e tet werden Die Torpedoboote erletien leichte Havari—
Verunglückter Poftwagen. Der zwischen Cueb.
nid Vncune (Spanien) vertehrende Postwagen wurde v
en scheugewordenen Pferden gegen eine Mauer geworj
ier Re jende wurden getötet und neun schwer verleßz
Revolutions⸗Erlebnisse. Der „Da mistadter 2
Anzeiger“ veröffentlicht den Brief esner deutsch
Dame, der Frau des Inzenieurs Kusenberg,
beide samt ihren Kindern während des Revol
tionskampfes in Lissabon verletzt wun
Es heißt in dem Briefe: Wir sind nur durch ein Wun
bor dem Tode bewahrt geblieben, dern eine Geanaga
bei dem Bombardement in die Wohnung eingedrun—
schlug in unser Schlafzimmer und in unsere Betten
wo wir mit unseren Kindern in jener Schreckensnacht
ser Schicksal erwarteten. Wenn wir die Sache als d
lichst unbedeutend in die Oeffentlichkeit gelangen l'eßen
liegt der Grund darin, daß der Berichterstatter der Kö—
Ztg.“ und der „Frkf Ztg.“ uns riet, keine diplontata
Angelegenheit davon zu machen, Karl sofort eine Aude
beim Minister des Aeußeren. Bernardino Machado,
schaffte, und dieser uns votlen Schadenersatz verspr
Vom deutschen Konsulat hat man keinen Schritt zu u
ter Hilfe getan, trotzzem wir zweiwal hingeschickt hal
bis heute ist noch keine Anfrage gekommen. Es ist d
eine große ...., voch halten wir diese Sache gehe
denn es würde dem Anseyen der Deut'chen enorm schat
Wir hassen auch jeden Eklat, da wir inbezug auf den
uniären Schaden vollständig von dem neuen Regime
satz erhalten. Unser Herrenzimmer und teilweise d
Schlafzimmer, wohin die Granate durch eine Glas
direkten Zutritt sand, sind zerstört; doch was wiln
alles besagen gegen unser verschont gebliebenes Leb—
Außer den großen Stücken des Geschosses habe ich ü
29 Bleikugeln gesammelt. Karl wurde von einer Ku—
in der Hand, ich am Oberschenkel versetzt und der Klen
im Gesicht von den Glasscherben. Ich hatte instinktiv
Decken über uns gezogen und so fingen sich 18 Rug
in den Decken und einige blieben noch in der gegenüb—
itzenden Wand siecken. Aber trotz allem, was wir
senen Tagen durchlebt und gelit'en haben, es war en
wunderbare Sache: diese Erhebung des Volkes, und —
reuen uns, das alles miterlebt zu baben.
rack-⸗Statistik sjur 1910. Die jett von Lloy
Register veröffentlichte Statistik über alle im Jahre 18
rollständig verloren gegangenen, abgebrochenen oder ko
demnierten Schifse zeigt, daß im verflossenen Jahre
gesamtabnahme der Handel!sflotte der Welt sich auf
Ichiffe mit 939 282 Tonnen beläuft. Nicht eingeschlosse
nd hier alle Schiffe von unter 100 Tonnen. Von d
66 Schiffen waren 383 Dampfer mit einer Tonnage voe
93 562 Tonnen. Diese Ziffern übersteigen diejenigen vor
Jahre 1908 um 129 940 Tonnen, näm ich 79 183 Ton
ten Dampfer und 50 757 Tonnen Segler. Die Zunahm
Jsegenüber dem Vorjahre ist keine Folge vermehrler Un
älle, (die Zahlen hierfür zeigen vielmehr eine Abnahm
»on 31 471 Tonnen), sondern sie ist einzig und allein da
ungewöhnlich großen Anzahl von Schiffen zuzuschreiber
zie abgebrochen oder abgetakelt worden sind. Der To
tengehalt dieser Schifse ist im Jahre 1909 bei weite,
rößer als in einem der vorhergehenden Jahre und über
teigt die im Jahre 1907 abgebrochenen und abgetalelte
Schiffe um 121383 Tonnen. Dabei aalt das Jahr ign
als Rekordjahr.
Fanatiker der alten Zeit. Wir lesen in o
Hamburger Nachrichten“: Von Fremden häufig aufgesuch
vurde seit langen Jahren im Kreise Tondern die lleiß
Dorfwirtschaft der beiden alten Dorfmusikanten Gebrüde
dyrbye. Ohne eine Note zu kennen, beherrschten sie die
Zeige mim einer gewissen Meisterschaft und spielten m'
jesonderer Vorliebe uralte Bauerntänze und schleswice
olsteinische Lieder. Was aber ganz besonders die Frem
»en herbeizog, war die Wirtschaft selbst, in der man sie
n längst vergangene Tage zurückversetzt sah. Die beidern
Brüder, von denen jetzt der ältere, der 89jährige Han
Dyrbye, gestorben ist, waren in der Nordmark weithi
ls Originale bekannt. Sie duldeten nichts Modernes
hrer Behausung. Kein Petroleum wurde gebranni, ke
ztreichholz durfte angezündet werden. Zum Anzünden der
'abalspfeife oder der Zigarre standen auf dem primitirern
lisch Fidibusse neben einer brennenden Talgkerze zur Ver
igung. Wer troßtsdem ein Streichholz anzündete, hatte e
lit den biederen Alten verdorben und wurde nicht mehr
eduldet. Auf einer Kohlenschippe aber wurden die Rest
es Zündhölzchens hinausgeschafft, durch das die Räum
tweiht waren. Jetzt lebt nur noch der 87jährige jür
ere Bruder nebst einer nahezu ebenso alten Wirtschafter
enügsamkeit gewahrte, regte sich seine Wißgunst.
AÄnfangs hatte er in Heinz einen gleichgesinnten Men
chhen vermutet, dann aber erkannt, daß jener sich wohl vpon
lugenblick zu einer leichtsinnigen Handlung fortreißen ließ
m Grunde jedoch ein tüchtiger, warmfühlender, strebsame
charakter sei, freilich etwas leidenschaftlich und wankel
nütig veranlagt, bösen Einflüssen nicht unzugänglich.
Es ärgerte ihn und stachelte seinen Trotz auf, wenr
zeinz, den eindringlichen Warnungen seiner Mutter gehor,
jend, ihm, dem Agenten, auswich und mit selbstzufriedene
Niene sein schönes, festes Einkommen doheim der alte'
jrau aushändigte.
Sie, die Mutter, welche so stolz auf ihren einzigen Soh
bar, in Schmerz und Tränen zu sehen, haͤtte Rühling aleid
alls hohe Befriedigung bereitet.
Er setzte alles daran, Heinz mehr und mehr zu un
arnen und brachte es dahin, daß dieser ihm in einen Klul
Igte, wo heimlicherweise am grünen Tisch pointiert wurd⸗
Was er vorausgesetzt, traf ein. Heinz Diefing wurd
om Spielteufel gepackt, und dg er aufgeregt war, so ver
Ir er fast immer. Sein Gehalt reichte zur Deckung diest
ldusgaben nicht hin. Der Agent bot ihm gçgroßmütig, sei
Lortemonnaie an, und Heinz war öricht genug, kleine!
nd größere Anleihen bei dem falschen Freunde zu macher
Er bot auch Rückzahlung an, aber davon wollle Rühlin
bsolut nichts hören Die krleine Gefälligkeit könne späte
n Jahr und Tag einmal beglichen und verrechnet werder
nn es, daß die Schulde“me auf tausend Morkee
uchs.
Nun kam Heinz einigermaßen zur Besinnung, und au
r auch noch eine Rüge von seinem Chef erhielt, nahm
ch ernstlich vor, den Agenten zu meiden.
Freilich fühlte er sich diesem gegenüber gewissermaße!
erpflichtet und konnte sich gelegentlichen Einladungen 3
iner Bierreise oder einer feuchtfröhlichen Feier nicht,en
iehen. Bei solchen Gelagen ging es hoch her, und Diesind
örse war dann jedesmal am nächsten Morgen um eini
zoldstücke leichter. Aber zum Spielen hatte er sich seit Me
aten nicht wieder verleiten lassen, trotz aller Nanlockiumae
es falschen Freundes.
Seit dem Tage jedoch, wo er Regine qus Lebensgefa
ettete, war er durchaus solide geworden. Es war ihm et
nit den guten Vorsätzen. Und Rechtsanwalt Lissa erkann
aß sein Sekretär sich mit vollster Hingabe dem Gesch
dmete, daher sagte er ihm die Vertrauensstelle zu, A
rdnete sich zu Heinzens Vorteil — an die tausend
a —