zterung sich auf eine republikanische Majorität stützen
verde, wurde mit lebhaftem Beifall begrüßt, ebenso der
Sas. daß der Betrieb der öffenilichen Dienstzweige ge—
ichert werden solle. Hierauf irat die Kammer sofort in
zie Interpellationsdebatte ein.
Painleve (unabh. Soz.) warf Briand vor, daß
rx um das Vertrauen der Kaminer gebeten habe für ein
Ninisterium, das nicht mehr bestanden habe, da es gleich
arauf zurücktrat. Painleve griff in seinen weiteren Aus—
ührungen die Persoͤnlichleit Briands heftig an, dem er
orwarf, daß er das Volk mit patriotischen Redensarten
zetäuscht habe und der erst habe Minister werden müs⸗
en, um zu lernen, daß Frantreich Grenzen habe. (Oro—
er Lärm.)
Aubriot Geeinigter Sozialist) erklärte in Be—
prechung der Umstände, unter denen der letzte Minister⸗
vechsel stattgefunden hat, Briand habe einen wahrhaften
tzertrauensmißbrauch gegen seine Majorität begangen.
Jaures sagie, die ministerielle Erklärung enthalte
wei Charakterzüge, Brutalität und Zweideutigkeit. Die
rstere, weil sie wage, den Arbeitern in den öffentlichen
hetrieben das Streitrecht zu nehmen, die zweite, weil sie
licht angebe, wie sie diese Drohung ausführen werde. Iw
veiteren Verlause seiner Rede wünschte Jaures, daß die
segierung erkläre, ob sie Anhängerin des fakultativen oder
es obligatorischen Schiedsgerichts sei. Er warf Briand
vor, daß er ein doppeltes Spiel spiele zwischen den Par—
eien der Liuken und des Zentrums. Redner erklärte, die
emäßigten und die Konservativen hätten sich des neuen
Urbeitsministers Laferre angenommen, weil sie in ihm
inen Reaktionär sehen. Redner griff Briand von neuem
eftig an, der sich allen Parteien entziehe und bedauerte
Hließlich, daß alle realtionären Regierungen heute Briand
As BVeispiel anführen.
ñ—————— —
Gerichtszeitung.
Die Moabiter Krawalle vor Gericht.
Vor der dritten Strafkammer des Berliner Landge—
richts begann Mittwoch Vormittag die Verhandlung gegen
ie Moabiter Aufrührer. Es sind ganz außergewöhnlich«
Korsichtsmaßregeln getroffen worden. In der Umgebung
»es Justizgebäudes stehen die Schutzleute in Doppelposten
nit umgeschnalltem Dienstrevolver. Im Znuschauerraum des
Zitzungssaales sind mehrere Kriminalbeamte verteilt wor—⸗
en, die auf evenuelle Bombenwerfer Acht geben sollen.
Dder Vorsitzende, Landgerichtsrat Lie ber, hat neue
drohbriefe erhalten, worin ihm eröfsnet wird, daß
ihm wie den Reichsgerichtsräten in Leipzig ergehen
vürde, auf die seinerzeit der Kaufmann Grosser geschol⸗
en hat
Prozehz Bruhn.
ODer Angeklagte Wilhelm Bruhn tritt im
chlu hwort in längeren Ausführungen den vom
staatsanwalt gemachten Darlegungen, soweit sie ihm un—
lünfstig waren, entgegen und wehrt sich gegen die Be—
hauptung, daß, wenn er sich auch nicht gegen das Straf—
zesetzbuch vergangen habe, sein Verhalten doch moralisch
anfechtbar set. Er meint u. a., daß er ein Opfer des
hehetzes in der Presse geworden sei und daß dieStaats—
anwaltschaft auch in gewissem Sinne unter diesem Druch
Jestanden habe. Er bestreitet, daß festgestellt sei, daß bdie
Wahrheit“ ein Sensationsblatt sei. Die sogenannten Sen—
ationsartikel haben eine durchaus ernsthafte Tendenz. Ef
estreite ja auch garnicht, daß auch Sensation bisweilen
zemacht wurde. Das sei aber nur als Mittel zum Zwech
u betrachten gewesen, für die übrigen national und
õnigstreu gehalsenen Artitel Leser zu gewinnen. Er stehe
och gegen eine Welt von Feinden, gegen die ganzen op—
ositionellen Blaͤtter, besonders die Montagsblaͤtter, und
zie Behörbe mußte doch ein Interesse an der Existenz eines
Blattes wie des seinigen haben. Ein königstreuer Mann
vürde in der „Wahrheit“ vielleicht manches finden, was
hm nicht recht gefalle, er würde aber doch bestätigen, daß
s ein königstreues Blatt, ein monarchisches Blatt ist, im
egensatz zu anderen Wochenblättern, die ihre Hauptauf⸗
gabe in dem Kampfe gegen die staatliche Ordnung e
blicken. Er verlasse wirklich erhobenen Hauptes den G⸗
richtskaal, weil es ihm möglich geworden, das Gegenteil
In dem zu erweisen, was man ihn unterstellt habe. In
einer pommerschen Heimat gebe es ein Sprichwort: „Wer
die Wahrheit sagt, ist nicht gern gelitten“ und auch Fritz
stenter habe gesagt: Wer die Wahrkeit kennt und spricht
sie frei, der kommt in Berlin auf die Siadtvogtei“. Auch
mich hat man auf die Stadtvogtei bringen wollen. Es ifi
aber mißlungen. Er bitte nicht nur um seine Freisprech
ing, sondern auch, ihm Gelegenheit zu geben, für seine
Ideale weiter zu kämpfen wie bisher. — Nach kurzer Er—
oiderung des Staatsanwalts zieht sich der Ge⸗
icht Shof zur Beratung zurück. Nach kurzer Be—
8 verlündeit Zandaer grht Labmever das —
—J uͤrteil.
ðder Gerichtshof hai in allen Anklagefällen weder
Ane Erpressung noch einen Erpressungsversuch für vorlie
jend erachtet und deshalb auf
Freisprechung
der drei Angeklagten erkennt. — Der Vorfsitzende
zetont zum Schlusse. dad nach dem Ergebnis der Be—
weisaufnabme dem uoaren auch der Vorwurf eines
— — —
pöttischem Lon hervorgebrachten Bemerden, daßz ane Dame
hn zu sprechen wünsche.
Rühling zog sicher nicht in Betracht, daß diese Dame all
ind häßlich sein könne. Elastisch erhob er sich von seinem
kuhebett und machte im Fluge Toilette.
Er war ein stattlicher Mann in den Dreißigern mit
jochblondem Haupt- und Barthaar. In seinen grauen
lugne war ein stechender Ausdruck. Seine Bewegungen
errieten den gewandten Lebemann, seine Züge den
Zchwerenöter.
Er bewohnte Salon und Habinett für fünfzig Mark
und war ein pünktlicher Mietezahler, im großen und ganzen
robel, ja generös. A
Als die alte Frau mit dem scheuen gedrückten Wesen,
dem verarbeiteten Gesicht aber üher seine Schwelle trat,
erwandelte sich seine liebenswürdige Maske im Umsehen.
„Frau Diesing —“ bemerkte er gedehnt, „nun, Sie
zätte ich zuletzt erwartet. Hoffentlich bringen Sie min
nein Geld, das ich sehr notwendig brauche.“ 7*
Er wies mit einer flüchtigen Bewegung auf einen
Sessel, indem er sich ihr gegenüber niederließ.
Frau Diesing hatte erwartet, er werde sie wie eine gukt
Bekannte begrüßen und willkommen heißen, aber nichts der⸗
Ueichen geschah. Und doch hatte er oft genug an ihrem
daffeetisch gesessen, auch den Tee mit ihnen getrunken und
inem kräftigen Imbiß tapfer zugesprochen.
Und nun spielte er den vornehmen Herrn und behan⸗
zelte sie wie eine arme Bittstellerin. 5
„Als solche fühlte die Frau sich denn auch. Sie mußke
Mihren Mut zusammenraffen, um nicht vor Scham und
Zorn zusammenzubrechen.
„Die Summe von tausend Mark so auf einem Brell
urückauaahlen. ist eine Unmöakichkeit für meinen Sohn
owohl wie für mich,“ sagte sie, die Stimme gewaltsam zu
jestigkeit zwingend, „aber darauf werden Sie ja auch nich
herpicht sein, Herr Rühling. Ich will mich schriftlich ber
oflichten, Ihnen das Geld in monatlichen Raten von zwan
ig Mark zurückzuzahlen und bitte Sie, auf meinen Vor
chlag einzugehen.“ —
Rühlings weiße Hände strichen gelassen den schönen
A
Ihres Sohnes?“ fragte er lauernd.
„Nein, Herr Rühling, mein Sohn weiß so wenig da—
on, daß ich zu Ihnen komme, noch, daß Sie ihm eine Mah—
iung geschickt haben. Fin Zufall spielte mir den Brief in
neine Hände, und mir liegt natürlich alles daran, die
Sorge von Heinz fernzuhalten.“
„Das glaube ich Ihnen schon, Verehrte. Mir allerdings
tant alloa doron M folkar vicc V——e—el—n
ttlichen Makels nichtne. Im Zugyorerraum erton
m Schlusse der Ur!e lsoerkündigung lautes Händeklatschen
ind Bravorufen, was der Vorsitzende rügt.
— üñ—
Arbeiterbewegung.
— Der Bergarbeiterstreik in Südwales. Der sei
angem sich hinziehende Kohlengrubenstreik in Südwale?
at sich in den letien Tagen sehr verschärft, und die Re
ierung hat jetzt Militär in den Distrilt entsandt. Meh—
ere Polizeibeamte wurden von Streikenden erheblich ver
tzt. Wie seit längerer Zeit zu beobachten, ist der Ein
uß der Gewerkschaftsführer auf die Leute gering. Viel
ich sind Häuser und Läden beschẽdigt worden. Auf dem
zlamorganbergwert wird die Kraftstation von den Berg
ruten belagert, während der Direltor mit einigen Dutzent
deuten in der Station Tag und Nacht arbeitet, um die
zrube vor dem Ersaufen zu retten. — Der englische Mi—
iister des Innern will in den Bergarbeiterstand von Süd—
vales vermittelnd eingreifen. Er wird in London Be—
prechungen mit den Vertretern der Bergleute haben, um
ine Lössing der Streitfragen herbeizuführen. Die bereits
aer Unterdrückung der Unruhen abgesandten Truppen haben
den Besehl erhalten, in Swinden Halt zu machen.
——
Handel und Verkehr.
MA Die Geldmarktlage. Die Geldmarktlage muß
vieder als sehr unsicher bezeichnet werden. Schon die an
ich seltene Gleichheit der Diskontsütze der Bank von Eng—
and und der Deutschen Reichsbank deutet auf anormale
Zeldverhältnisse hin. Die Bank von England ist mit
iner ungewöhnlichen Sorgfalt darauf bedacht, ihre Mittel
u vermehren und jeder Verminderung ihres Geldstandes
ntgegenzuarbeiten. Sie verfolgt offensichtlich den Zweck,
urch ihre Geldnachfrage auf den Privatdiskont steigernd
inzuwirken und dadurch eine Bewegung der Wechselkurse
ugunsten Englands hervorzurufen. Die Verhältnisse bei
er Bank von Frankreich und der Deutschen Reichsbank
jegen aber so, daß es trotz aller Konzentrierungsbeftreb
ngen der Bank von England immerhin fraglich ist, daß
‚as Instititut und daun auch die anderen großen Noten
anken mit ihren gegenwärtigen Zinssätzen bis zum Jah
esschluß auskommen werden. Es würde die Deuisch
deichsbank bei einer weiteren Steigerung des englischen
bechselkurses eine Diskonterhöhung kaum vermeiden kön
ien, weil sie am wenigsten stärkere Goldabschlüsse ver—
rägt. Die heimischen Geldverhältnisse haben sich seit der
Varnung, die der Reichsbankpräsident Ende September in
er Zentralausschußsitzung ausgesprochen hat, wie die
Berl. Morgenpost“ schreibt, keinesfalls gebessert. Die Spe
ulation hat auch im abgelausenen Monat sehr hohe An—
»rüche an den Geldmarkt gestellt, und es bieibi eine of
ene Frage, von welcher Seite nach Absluß eines großen
keiles der mexilanischen Gelder und nach dem evenluellen
bschluß des türkischen Anleihegeschäfies der Geldbedarj
er Börse in seiner gegenwärtigen Höhe befriedigt wer
en soll.
ö0 C— —
Kunst und Wissenschaft.
saspar von Zumbusch.
zum 80. Geburtstag des Künstlers.
KRaspar von Zumbusch, der berühmte Wie—
ier Bildhauer, dessen Werle sich durch den großen monu⸗
nentalen Zug sowie durch die edle Durchbildung der For—
nen auszeichnen, seiert am 23. dieses Monats seinen 80.
veburtstag.
Am 23. November 1830 in Hergebrock (Westfalen) ge⸗
boren, wurde Zumbusch 1848 Schüler Halbigs in Mun⸗
hen und ging 10 Jahre später auch nach Rom, 1873
nach Wien. Seinen ersten großen Erfolg hatte er 1867
mit dem Entwurf für das Nationaldentmal Marimiliang
des Zweiten von Ranern i⸗ Hohrer der Kunstakade⸗
aspar V. Lumbusch. —
ne nach Wien berufen, entwickelt er eine umfassende Lehr—
ätigkeit, ferner wandte er seine Kunst besonders der
zchöpfung öffentlicher Denkmäler zu. Seine bekanntestes
Göpfungen sind: die Kolossa⸗-le Rumfordstatue sowie doe
Frabdenkmal in Augsburg, Beethovenstatue, Kolossalden
nal für Maria Theresia, Radetzku⸗-Denkmal und die Neita
omme. Jeder ist sich seivit oer »cacte.
Frau Diesing hob bittend die braunen, einst so mut⸗
villig strahlenden Augen. „Nicht ein Pfennig soll Ihnen
erloren gehen, Herr Rühling, nur bitte ich, üben Sie
dachsicht. Wenn ich Ihnen an jedem Monatsersten zwanzig
Nark bringe — —*1*
So erreiche ich das Schwabenalter, ehe ich mein Geld
viederbekomme. Nein, Verehrte, diesen Vorschlag in Güte
dätten Sie sich ersparen können. Stecken Sie den Gold—
uchs nur wieder ein, ich nehme ihn nicht an.“
Sein schallendes Gelächter hatte die Sprechende unter—
rochen. Mit zitternden Fingern hatte sie ihre kleine
edertasche geöffnet und das Goldstück herausgenommen,
as einzige, welches sie momentan — es war einige Tage
or dem ersten — in ihrem Besitz hatte.
Nun sank sie förmlich in sich zusammen, der Schreck
aubte ihr fast die Sprache. „Und wenn ich mein gesamtes
Nobiliar verpfändete, so kämen keine tausend Mark zu—
ammen,“ sagte sie stotternd, „wenn Sie auf Ihrem Willen
ꝛestehen, so ruinieren Sie uns, ohne etwas zu erreichen.“
Er warf den Kopf zurück, und unter den halbgeschlosse—
nen Lidern hervor sandte er der verängstiaten Frau einen
höse drohenden Blick zu.
„Nun gut, werde ich denn schon um mein schönes Geld
etrogen, so will ich auch Genugtuung dafür haben. Ent—
Aeder Sie tilgen die Schuld, oder ich teile dem Herrn Rechts—
anwalt die ganze Angelegenheit mit. Versuchen Sie es
richt, mich umzustimmen, mein Entschluß steht fest.“
Frau Diesing wollte sich erheben, sank aber wieder auf
hren Platz zurück. „Und die Tränen einer Mutter ver—
nögen nichts gar nichts über Sie? Es war ia leichtfertig
jenug von Heinz, sich so in Schulden zu stürzen, an deren
Tilgung er nicht denken kann. Aber Sie gäben sich doch
vie sein bester Freund, und er rechnete auf Ihre Langmut.“
Ein netter Freund, der seine Bekannten auspluͤndert.
Ich bin fertig mit Ihrem Sohn, Frau Diesing, und bitte
destürmen Sie mich nicht weiter, es bleibt bei dem, was ich
gesagt habe
Die alte Frau erhob sich und ging still hinaus. Sie
erkannte wohl, daß eher ein Stein zu erweichen gewesen
wäre, als der Sinn dieses Menschen. Er wollte Heinzens
Ruin, das war zweifellos.
Sie hatte ihren Sohn oft genug vor dem Agenten ge⸗
varnt, dessen hämische Blicke ihr aufgefallen waren. Was
asn ihr aber jeßzt Vorwürfe genützt, dazu war es zu
pã *
In dumpfer Verzweiflung sank sie in der Bülowstraße
uf eine Bank. Die Hochbahn sauste mit dröhnendem Ge⸗
5h hor ibr AMbin iür BSopt henaunn 2u scmorzen und
tatue des Erzherzogs Albrecht in Wien. Für das Dent
nal der Porta Westfalica schuf er das Standbild Kaiser
Vilhelms 1., für Meiningen das Herzog Bernhard Dent
nal und ferner eine Anzahl Büsten.
Kaspar von Zumbusch ist durch feine hervorragende
unst im Besitze der höchsten Auszeichnungen des In- un
luslandes. Auch ist er Mitglied der Akademie Wien
zerlin, Münschen, Dresden und Madrid, sowie des In
ituts de France
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
*Bonu, 9. Nov. (Töd licher Unfall.) Ein Mül—
erlnecht aus Widdig eilte auf der Landstraße zwischen
hersel und Widdig seinem Fuhrwerk, mit dem die Pferde
urchgegangen waren, nach. Er kam dabei zu Fall und
erlor die Bestnnurg. In der Dun'e heit wurde er spä
er von einem anderen Fuhrwerk übersahren. Schwer ver—
etzt wurde er aufgefunden und in ein benachbartes Haus
jeschafft, wo er alsbald starb.
*Muülheim (Ruhr), 8. Nop. (Opfer des Be—
uf s.) Ein acht;ehn hriger Rangierer gçeriet auf der
üttenbahn in Mülheim Styrum zwischen die Puffer von
wei Wagen und wurde totgedrückt.
* Limburg (Lahn), 9. Nov. (Wom Zuge über—
ahren.) Ein Bahnarbeiter wurde, als er zwischen den
zeleisen gehend sich auf seinem Arbeitspsatz begeben
»ollte, von enem Triebwagen erfaßt und getötet.
* Kreuznach, 9. Nob. (Das schlechte Wein
aher.) Der Landrat hat in Bezug auf die Notlage de.
Linzer eine Verfügung an die Bürgermeisterämter erlas
en, nach der unter ucht werden soll, in wie weit ein
dotlage der Nahewinzer bestehe. Die Verfügung sagt
aß von einem allgemeinen Notstand an der Nahe kein.
tdede sein könne, es handse sich wohl nur um die Be—
rängnis einzelner Winzer, denen Steuernachsaß und un
erzinsliche Darlehen als außerordentliche Hilfsmit'el in
lussicht gestellt werden sollen.
* Trier, 9. Nop. Trauung.) Auf Schloß Liese
in der Mosel fand gestern die Trauung der zweiten Toch
et Maria des preußischen Landwir schaftsministers Frei
serrn von Schorlemer-Lieser mit dem Grafen Kageneck,
zligeladjutant des deutschen Kaisers statt. Bischof Korum
ollzog die Trauung. Im Auftrage des Kaisers war
zrinz Oskar von Preußen anwesend.
* Mannheim, 9. Nov. (Traurige Folgen der
Vettleidenschaft)) bei Rennsport trasen wiede
inmal recht deut'ich in einem Prozeß zutage, der vo
er hiesigen Strafkamnier verhandelt wurde. Wegen Ver
ebens gegen das Rettwettge'etz und Glücksspiels hatter
ich sieben Personen, zwei Kaufleute, ein Agent, ein Rei
ender, ein Händler, ein Pferdehindler und e'n Kellner
u verantworten. Es handel'e sich um Vermittlung von
Vettaufträgen, besonders auf französischen Rennbahnen
ind zwar betrieben diese Angeklagten diese Art von Ge
chäften gewerbsmäßig. Zum Teil wurden sie in dem Zi
Jarrengeschäft des einen Angeklagten Weil etledigt. Dor:
ag auf einem Tischchen ein Block mit Formularen: die
däufer bezw. Weitlustigen füllten die Zettel aus, legisen
»as Geld dazu und Weil vermittelte die Aufträge danr
veiter. Es geschieht dies in Mannheim, wo das Wetter
dei Rennen in hoher Blüte steht, in derselben oder in
ihnlicher Weise in nicht wenigen Zigarrengeschäften. Es
vurde in der Verhandlung fesitgestellt, welche Unsummer
die Wettleidenschaft ihren Opfern kostet. So setzte eirn
Schweinehändler gewöhnlich 50100 M. und verlor in
inem Jahre etwa 4000 Mark. Ein Trambahnangestell—
er opferte sein geringes Taschengeld, steigerte dann aber
eine Einsätze bis auf 30 Mark und griff schließlich das
auf der Sparkasse hinterlegte Vermögen seiner Frau an
das in Höhe von 3000 Mark in wenigen Monaten ver
vettet war, sodaß der Mann nunmehr wieder auf seiner
Irbeitsverdienst angewiesen ist. Ferner ist das Verschwin
den eines Ludwigshafener Kaufmanns auf die Verlust
»ei den Wetten zurückzuführen. Die Angeklagten wurder
mier Freisprechung von der Anklage des Glücksspieles zr
Beldstrafen von 100 his 1500 Mark verurteilt.
*
Hochwasser und Unwetter.
Essen, 9. Nov. Auch die Emscher führt starkes
dochwasser. Die Niederungen sind völlig überschwemm
ind gleichen einem großen See.
Limburg, 9. Nov. Infolge des anhaltenden Re—
jens ist die Lahm erheblich gestiegen und an verschiede
ien Stellen aus den Ufern getreten.
Kreuznach, 9. Nov. Das Hochwasser der Naht
vird gefahrdrohender. Heute wurde auch die Brücke zwi—
hen Bietzenheim und Planig von den Fluten weggeris—
en. An der unteren und mittleren Nahe hat der Fluf
zroße Strecken Ackerland überflutet und großen Schader
ingerichtet. In dem naheliegenden Straßen dringt das
wasser in die Keller ein.
Trier, 9. Nov. Die Mosel ist seit zwei Tager
im nahezu 2 Meter gestiegen. Der Pegelstand ist 410
jentimeter. Die Schiffahrt ist eingestellt.
Hanau, 9. Nov. Infolge der starken Regengüsse«
er letzten Tage ist die Kin zig in starkem Steigen. Bel
intgen Orlen oberhalb Hanau ist sie bereits aus den Ufern
——8
lühen, während eisige Kälte durch aue ihre Adern rroch.
Der Verlust seiner Stelle bedeutete für Heinz voll—
tändigen Ruin. Er würde nicht die Geduld und Willens—
raft besitzen, sich ungezählte Male doppelt abweisen lassen,
im mit verdoppelter Zähigkeit nach einem neuen Engage—
nent zu suchen.
Und brotlos geworden, durfte er es nicht wagen, um
stegine zu werben. Er würde sein Heil im Spiel suchen
ind unrettbar zugrunde gehen.
Aus diesem qualvollen Grübeln wurde sie durch die Be—
ührung einer kleinen, weichen Hand aufgeschreckt. Regine
and vor ihr, elastisch und elegant. Unter dem Arm trug sie
7 hne Ledermappe, die stenographische Aufzeichnungen
nthie
Sie hatte bei einem berühmten Schriftsteller gearbeitet,
hre Wangen waren noch vom Eifer gerötet. Sie trug ein
raues Herbstkleid und weißen Filzhut. Die Freude über
»ieses unerwartete Zusammentreffen verschönte noch ibr
risches, reizendes Gesicht.
Doch bald gewahrte sie Frau Diesings Verstörtheit.
Gestatten Sie mir, daß ich Sie zu einer Tasse Schoko⸗
ade einlade, verehrte Frau bat sie in gewinnendem Ton,
hne eine einzige Frage auszusprechen, „ich weiß ein Plätzhen,
wo wir ganz ungestört plaudern können.“
Ganz in der Nähe befand sich eine Konditorei, und als
ie arme Frau erst in einer behaglichen Ecke saß und wohl⸗
uende Waͤrme ihr die erstarrten Glieder löste, da konnte sie
em Verlangen, sich auszusprechen, nicht widerstehen. Wohl
ostete es ihr noch einen kurzen Kampf, aber dann erfuhr
as junge Mädchen aufs genaueste, um was es sich han⸗
elte und wieviel für Heinz Diesing auf dem Spiel stand.
Bange atmend hörte Regine zu. Nun aber flog ein
rohes Leuchten über ihr Gesicht. Ihre Hand versank in
er Kleidertasche, und dann kam der Brillantring zum Vor⸗
hein, das einzige Erbteil ihrer beimaegangenen Eltern
Ausftellung gegen Schundliteratur.
Die Ausstellung gegen die Schundliteratur, die vor
der Deutschen Dichter-Gedächtnis⸗Stifumg in Hamburg in
datriotischen Gebäude veranstaltet wird, zerfälit, wie au
amburg geschrieben wird, in zwei Hauptgruppen: typisch
Zeispiele und Gegenbeispiele guter vollstümlicher Literam
n billigen Ausgaben. Die Gruppe der Beispiele, welch
rundsätzlich auf die eigentliche Schund!iteratur beschränt
t, veranschaulicht in zahlreichen Proben die beiden Haupit
zrmen, unter denen die Schundliteratur auftritt: Kolpor
vernsnmane in Fortsetzungen. deren Haupthelen immé⸗“
Mannheim, 9. Nsv. Der Rhein führt Hochwasse
zon dem Oberlaufe des Rheines und des Ma
ness wird weiteres Steigen gemeldet. Der Wassersiar
des Rheines ist bei Hüningen von 240 auf 400 Zenüm
ier gestiegen.
— —
Aus aller Welt.
Die Kronprinzenfahrt. Bei der Anklunft in Por
ZSaid paradierten das deutsche Kriegsschiff Hertha“ un
»as dort liegende österreichisch-ungarische Kriegsschiff Ka
erin Elisabeih“. Die Besatzurg brachte drei Hurras aus
‚Prinz Ludwig“ hat in Suez die Dampfer des Nord
eutschen Lloyd „Scharnhorst“ und „Prinz Eitel Friedrich
assiert. Er wurde von den beiden Schiffen mit der Na
ionalhymne und Hurras begrüßt. Der Kronprinz wünsch⸗
den beiden Schiffen durch Flaggensignale glückliche Heim
jahrt. Es herrscht angenehme, nicht zu heiße Temperatur
Straßeuraub. In Magdeburg wurde am helle!
Tage ein Angestellter einer Petroleumgesellschaft von zwe
ungen Burschen angefallen, die ihm seine Geldtasche mi
zweitausend Mark abschnitten. Die Täter enttamen
Eisenbahndieb. Ein von Nordhausen gebürtige
*isenbahnzugführer wurde flüchtig, da seine Verhaftun
bevorstand. Er steht in dem Verdacht, seit Monaten ir
den Zügen die Koffer von Reisenden mit Nachschlüssel'
zeöffnet und geplündert zu haben.
Scheufßzliches Verbrechen. Die Eheleute Kiefeneb
ner aus Gmunden hieliten ihre Stieftochter 14 Jahre lan
in einem Keller gesangen, da sie deren Erbte'l im Be
rage von 4000 Kronen an sich g rissen halten. Die Un
lück iche wurde durch einen Zufal entdeckt. Sie hat“
die Sprache verloren und konn e weder gehen noch stehen
das Vorkommnis errege die Bevölkerung aufs äußerste
Ueberfall auf einen Postwagen. Nachts wurde de
wischen dem Bahnhof La Union und dem Innern de
ztadt Paris verlehrende Postwagen überallen und aus
jeraubt. Während zwei der Täter den Kutscher festhielten.
»emächtigte sich ein Driter der im Wagen befindlicher
Wertbriefe, die bares Geld in Höhe von 50 000 Frant⸗
mithielten.
Die serbischen Verschwörer. „Narodny Listi“ ver
ffentlicht einen Artikel mit Ueberschrist: Die Verschwöre—
ereiten ein neues Blutbad vor. Er behaupiet, die Ver
chwörer hätten eine Sitzung abgehalten und in ihr be
chlossen, im Falle des Ablebens des Thronfolgers Ale
ander die Macht an sich zu reißen. Zuerst solle Prin
zeorg und mehrere Deputierte ermordet werden und dan
nüsse König Peter zur Abdankung gezwungen und Prin
zaul zum König proklamiert werden.
Cholera. Aus Konstantinopel wird berichtet: Au
wei ankernden türkischen Kriegsschiffen sind zwei Perso
en an Cholera erkrankt. Im Militärlazarett von Tuzlo
reigneten sich zwölf Erkrankungen und zehn Todesfälle
Leiter breitete sich die Cholera aus in Adrianopel, Ro—
osto und Ismid; sie dauert fort in Trapezunt und ir
zagdad. *
Grubenerplosion. In einer Kohlenmine in Trinidap
Colorado), ereignete sich eine Explosion. Man befürchte
aß 70 Menschen dabei umgetommen sind.
Schulerinnerungen an Kurd Laßwitz. Ein Lese
hreibt der „Frankfurter Zeitung“ folgende hübsche Erin
erungen: Die Nachricht von dem Tode Kurd Laßwitz
uft mir die Erinnerung an einige Erlebnifse aus meine
chülerzeit in Gothha wach. Lafwitz hatte am Gymna
um Ernestinum den Spißnamen Lasker. Er erteilte ir
»er Prima des coetus realis Mathemat kunterricht. Sein
zorbereitung zu diesem Unterrichte erfo'gie meist erst vo
zeginn der Stunde vor der Tür des Klassenzimmers au
em Korridor. Die Folge davon war, daß der Unten
icht immer mit dem akademischen Viertel begann. Jec
haffte nun unserem hochverehrten Lasker die Gelegenheit
ine Vorbereitungen mögliöchft lang auszudehnen. Wa
hon das erste Viertel der Stunde verstrichen, ohne das
aßwitz erschienen war, dann stürmte ich mit dem Waj
erglas zur Tür hinaus. Wie beabsichtigt, führte d'ies 31
iner Karambolage, mit tödlicher Sicherheit traf die Tür
»as Schmerbäuchlein Laßwitz'. „Na, wo wollen Sä den
noch hän?“ — „Wasser trinken, Herr Professor“ „Na
Ann beeilen Sä säch aber“, klang es gar nicht zorni
as Laßwitz' Munde. Ich erschien dann nach fünf bi,
ehn Minuten „atemlos“ wieder und wir betraten dam
emeinsam das Schulzimmer.... Der Unterricht unsere;
Nathematiklehrers hatte etwas seltsam Fesselndes, wi
'atten nie den Eindruck, als ob er die Beweise aus dem
Aermel“ schüttele. Im Gegenteil! Wie oft stockte er ir
»er Bewelsführung, weil er erkannt hatte, daß ein „Fäh
er⸗ irgendwo untergelaufen sei. Dann suchten wir mit
nd wie anregend wirkte das auf unsere Aufmerksamkeit
*Laßwis liebte den Witz, und er machte nach Pro
essorenart an derselben Stelle denselben Witz. Als Ober—
rimaner kannten wir diese „witzigen“ Stellen und unsere—
zrechheit erlaubte es uns, den kommenden Witz zu annon
ieren. Lasker sagte dann jedesmal: „Schweigen Sä doch
täll, ich mach' meine Wätze alleine Unvergeßlick
ind mir seine humorgewürzten „Bierreden“ auf den Abi—
urienten⸗Kommersen. Das war der blühendste wissen
hastliche Rizosinn bei dem man sich fonn Iachen mukte
noch die unendlich edlen und tapferen Räuberhauptleut:
Rinaldo Rinaldinischen Gepräges sind, und die Samm
lungen äußerlich in sich abgeschlossener 10 und 20 Pjfen
nighefte, die man nach der größten und verbreitetster
Sammlung als Nick Carter-Hefte zu bezeichnen pflegt. Ver
jerrlichen jene den romantischen Verbrecher aus verlorenen
eigener oder fremder Ehre, so schildern diese das moderne
Verbrechen und seine Verfolgung durch den Allerweltsde—
eltiv. Geben sich die beiden Hauptformen der Schundlite—
ratur gegenseitig an Blödsinnigkeit des Inhalts und Ge—
neinheit der Form kaum etwas nach, so wird man doch
ie sogenannten Nick Carter⸗Sammlungen nicht allein we—
jen ihrer Erscheinungsweise in Einzelheften, sondern vor
illem auch wegen der sensationellen Darstellung des ge—
neinen Verbrechertums für die weitaus gefährlichere Art
»er Schundliteratur erklären müssen. Mit der Einführung
ieser Verbrecherliteratur, hauptsächlich aus England und
Imerita, hat auch erst die heutige Hochflut der Schundlite—
atur in Deutschland eingesetzt. Die Folgen der Schund
iteratur sind in der Ausstellung durch die Wiedergabe sehr
ieler Zeitungsberichte über die Verbrechen, vor allem
ugendlicher Personen, veranschaulicht. die aus der Schun⸗
iteratur den Antrieb zum verbrecherischen Tun erhielte.
der Kampf gegen die Schundliteratur durch Behörden, die
Zzchulen und private Organisationen ist gleichfalls in Zei—
ungsnachrichten zusammengestellt. Den weilaus größten
taum nimmt jedoch die Ausstellung der positiven Gegen—
nittel gegen die Schundliteratur ein, in der alle empfeh—
enswerten Sammlungen guter, volkstümlicher Literatur,
n ihrer Spitze die „Hausbücherei“ und die „Volksbücher“
er Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung, vertrelten sind
dier gewinnt man in der Tat den Eindruck, daß es an
eeignetem Ersatz für die Schundliteratur heute wahrlich
uiicht mehr fehlt. Wenn man aber aus einer Gegenüber⸗
tellung ersieht, daß von den beiden bekanntesten Verlags
Aternehmungen der Wiesbadener Volksbücher und der
deutschen Dichter⸗-Gedächtnis⸗Stiftung zusammen in unge
ähr zehnjähriger Tätigkeit erst 7,Nillionen Bücher
erausgebracht worden sind, während ein einziger Schund⸗
erlag in einem Jahre allein 25 Millionen Fefie verireibt
müöchte man in der Tat wünschen, daß die Ausstellung
ie ja auch in anderen Städten gezeigt werden soll, Vie—
en die Augen äffnet und die weitesten Kreise zur nach
altigen Unterstützunag aemeinnütziger Bestrebungen peran⸗
24