str. 258.
—
Postschließfach Nr. 14. heπI w⸗⁊* — —
J J — ——46 5— — 6—9——
Erscheint JILEBRBEVEL AEM— — — ——466 Anzeigen
34 JI 5 1 — * * * 3 —935 5J——
läalich mit Ausnahme der Sonn⸗ und J —3 V 9 AVIM RB14 4 J 53— —2 kosten 10 4 pro Gsopaltig Hetitzede
Felertage. — — 2 d J 28 F —* e— — * * auswärtige 15 4
23. Jahrgang.
Amtliches Publikafionsorgan —
A b 5 * * 2 2* * *
onnementspreis für die Bürgermeisterei Dudweiler.
ionatlich 70 frei in's Haus
gebracht,
vel der Post bestellt A 228 vierteljährlich. Fernsprech⸗ Anschluß Saarbrücken Nr. 69, 259, 2690 u. 1281. Redaktion, Druch und Verlag von M Unterkeller-Dudweiler.
— — — — —XMA — ——2222— — ——— ———————
eder Abonnent ist mit 500 Mgegen Tod durch Unfall bei der Nürnberger Lebensversicherungsbank in Nürnberq versichert. Jeder Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der Nürnberger Lebensversicherungs-Bank anzuzeigen, auch muß sich der Verletzte innerhalb 21 Stunden naf dem Unfall in ärztliche Behandlung degeben. Todesfälle müssen so
0 X —X o0 0 spätestens aber innerhalb 48 Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldung gebracht werden. Ueber die Voraussetzung der Bersicherung geden die Versicherungsbedingungen Aufichlaß, die von Verlkase oder von der Nürnberer Lebeunsvecsicherunas-Bant zu bezienen sind. —X 0 —X
——— —— 5 — — —— — — — — — — — — ——
die Lehren des Eisenbahnerstreiks.
oͤn Frankeréich hat das Scheltern des Eisemn
ahnerstreiks auch eine merkbare Verstimmung zwi
chen den aufrichtigen Gewertschaftlern und der
prosessionellin Streikpolitikern herbeigeführt.
Im „Malin“ hat der Gewerkschaftsführer Griffulhe⸗
einen Rückblick aus den Streit veröfsen licht, worin er mi
viesen „Polititmachern“, das heißt den revolutionären So—
‚ialisten, nicht gerade zart umgeht. Nicht durch die Maß—
tiahmen der Regierung, schreibt er, sondern infolge der un
Jenügenden Vorbereitung der Eisenbahner, namenilich aber
nfo ge der Einmischung der Politiker in den Arbeitskon—
nitt hätten die Eisenbahner in dem Kampfe unterliegen
müssen. Die Syndikatspropaganda habe auf zwei Linien
er Nord- und der Staatsbahn, bereits ihre Früchte ge—
ragen; auf der Ostbahn hingegen hätten die Sozialisten
ie Oberhand gewonnen. Die Angestellten der Südbahn
eien von vorneherein gegen den Streik gewesen, ebenso
„ie der Orleansbahn, die zufrieden zu sein erlklärten; bei
er Paris-Lyon⸗-⸗Mittelmeerbahn hälten sich Streiklustige
ind Gleichgültige so ziemlich die Wage gehalten. Nun sei—
n die Beratungen der Kongresse stets auf diese Gegensätze
jestoßen, so daß es noch langer Vorbereitungen bedurft
ätte, um ein einheitliches Vorgehen der Eisenbahner zu
rmöglichen. Der letzte Kongreß in Toulose habe zwar
in Sireilkomitee bestellt, es aber unterlassen, ein zweites
u ernennen, das in dem wahrscheinlichen Falle der Ver—
aftung des ersteren sofort eingesprungen wäre. Statt eine
elbstbewußte Aktion einzuleiten, scheiterte die Tätigkeit des
ztreilkomitees in der geradezu komischen Verhaftungsszene
n der Redaltion der „Humanitee“. Hätten die Führer der
zewegung, meint Grisffulhes, in jenem kritischen Augen—
licke den nötigen Mut besessen, um energisch vorzugehen,
ann hätte wohl keine Macht der Welt den Generalstreit
ufhalten können. Zum Schluß verweist Griffulhes dar—⸗
uf, daß beim ersten Eisenbahnerstreik im Jahre 1899 gan—
25 Mann streikten, während die Streikbewegung dieses
al 60 000 Eisenbahner umfaßte; wenn in elf Jahren sol⸗
ze Fortschritte erzielt wurden, dann dürften die Eisen—
ahner mit voller Zuversicht in die Zukunft blicken. Der
n diesen Ausführungen hauptsächlich aufss Korn genom—
nene Abgeordnete Jaures antwortet in der „Huma—
itee“, aber in sehr bescheldenem und beschwichtigendem
cone. Er geht auf die den Sozialisten gemachten Vor—⸗
vürfe und auf die Gegensätze zwischen Gewersschaftlern
ind Politikern gar nicht ein, sondern gibt nur zu beden⸗
en, daß die arbeitenden Klassen jetzt mehr als je der
zinigung aller ihrer Kräfte dringend bedürfen. Dann
pricht er sich entschieden gegen die Sabotage aus; sie lau—
e» der Massenaktion zuwider und gewöhne die exaltierten
zruppen daran, nicht auf den überleg‘en Willen der Ar—
eiter, sondern auf rein materielle Ku'ffe zu zählen, sodaß
e also notgedrungen die Arbeiter von der methodischen
lrbeit abbringe. Die Sabotage ist unnütz, wenn sie nur
eringfügigen Schaden anrichte, und sehr bedenllich, wenn
e Katastrophen herbeiführe, die eine tiese Entrüstung in
llen Schichten der Bevölkerung hervorruse. Am Schlusse
ommt Jaures nochma's auf die notwendige Einigung zu—
ück; statt einander Vorwürfe zu machen, meint er, täten
ie Arbeiter besser daran, sich zum Kamp'e gegen die dro—
ende Reaktion mit allem Nachdruck vorzubereiten. Es ist
ezeichnend, daß Jaures gerade wo in der Kammer über
as neue Kabinett Briand und die von ihm vorbereiteten
Naßnahmen gegen künstige Eisenbahner-Ausstände ent—
chieden wird, es für nötig hält, sich nochmals so energisch
segen die Sabotage auszusprechen. Es ist ihm offenbar
icht entgangen, daß das große Publikum durch den
Streik in eine Stimmung versetzt worden ist, in der es
hi allenfalls nicht darauf ankommt, ein paar öffentliche
kechte und Freiheit zu opfern, wenn man ihm nur die
leberzeugung beibringt, daß es damit für al'se Zeiten vor
»er Wiederholung der Streikkalamität bewahrt wird. Nur
heint Herr Jaures ein klein wen'g zu spät zu dieser Er—
enntnis gekommen zu sein.
Eine Flucht.
. zUnd das koftbare Kleinod tragen Sie in der Tasche
nit sich herum? Kind, wie unvorsichtig. Ich glaube, der
ztein hat einen hohen Wert.“
„Frau Diesing hatte inzwischen die Hängelampe ange;
ündet und die Vorhänge zugezogen. Ein rofa Alpenveit.
sen prangte zur Feier des Tages auf dem Kaffeelisch.
Regines Wangen glühten, ihre blauen NAugen leuchteten
nter der weißen Stirn wie Edelfteine. Das Kinn war
reit geformt und verriet Energie. Wenn sie lachte, erhielt
as schöne, ein wenig strenge Gesicht einen schelmischen Aus—
cuck; die Zähne waren gleichmäßig gebaut, ohne an eine
zerlenkette zu erinnern. Etwas durchaus Gefundes, Wi—
erstandsfähiges haftete ihrer Perfoönlichkeit an.
Diesing betrachtete fie mit unverhulltem Entzücken.
Sie sollten viel lachen, Fräulein Elsner!“ rief er, „es machi
zie unwiderstehlich!“
„Lehren Sie es mich, heiter und vergnügt zu sein. Mein
eben glich bisher einem unfreundlichen Herbsttag.“
„Das soll anders werden! Ich werde es mir zur Auf—
abe machen, Ihnen und meinem Mulichen einen angeneh—
jen, an Abwechselungen reichen Winter zu schaffen!“
„O, ich freue mich daraufl!“ versicherle Regine beiter,
m dann bittend hinzufügen: „Bei Ihnen ist der Ring am
esien aufgehoben, Frau Dielina, nicht wahr, Sis vermab
en ihn mir?“
Eine fahle Röte drang in das verhärmte Gesicht der
NRatrone. Fast heftig abwehrend klangen ihre Worte, al⸗
ie sagte: „Nein, nein, eine folche Verantwortung kann ich
icht aͤbernehmen, das dürfen Sie nicht von mir verlangen!“
.Negine senkte ihr Kleinod langsam wieder in die
,asche. Recht seltsam, fast unheimlich erschien ihr die alt
zrau in gewissen Momenten. Sie blickte unwillkürlich noct
em aufgeschlagenen Spruchbuch hinüber.
.„Denn der Feind verfolgt meine Seele und schlag ·
gein Leben zu Boden, er legt mich in das Finstere, wie die
'oten in der Welt...*
Litt die Matrone an, Wahnvorstellungen? Mit Die⸗
ugs Perfönlichkeit beschäftigte Regine sich fast garnicht.
daß sie hier eine mütterliche Freundin gefunden, war für
e das Wichtigste.
Das verriet auch ihr Abschied. Trotzdem sie Heinz ihr
eben dankte, reichte sie ihm nur flüchtig die Hand, seiner
dutter gegenüber erschöpfte sie sich in warmen, aufrichtigen
oShorfon
Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
*Die Ginführung von französischem Schlacht
ieh ist, wie die „Allgemeine Fleischerzeitung“ mitteilt
uch von der Regierung von Elsaß-Lothringer
nit Zustimmung des Reichskanzlers beschlossen worden
leber die Höhe des einzuführenden Kontingentes schwe
en noch Verhandlungen.
* Nach dem amtlichen Wahlergebnis bei der Reichs—
agsersatzwahl im 4. Posener Wahlkreis Neutormischel—
zrätz-Kosten-Schmiegel am 4. November wurden im gam
en 22 149 Stimmen abgegeben. Davon erhielten der
zchriftsetet Mora wski (Pole) 16 413, der Rit' er—
utsbesitze Schwartßkopf deutschkons.) 5678, Redak—
eur Sremski (Soz.) 46, zersplittert waren 12 Stim—
ten
* Die Auswanderung über Bremen betrug im Ok
ber 14327 Personen, im Oktober 1909 14 421, darun⸗
r Deutsche 1936 gegen 1598. Vom Jannar bis 31. Ok—
ber wanderten aus 160 911 gegen 139 737 Personen,
arunter Deutsche 12 226 gegen 10547.
Die VBremer Staatsanwaltschaft ließ durch zwölf Krimi—
alpolizisten in den Bureaus des Transport- und Metall
rbeiterverbandes Haussuchungen vornehmen. Es wur
en große Stöße Akien beschlagnahmt. Der Geldschran
er Metallarbeiter wurde versiegelt. Die Haussuchurger
auerten mehrere Stunden.
sAus Anlaß der Heeresverstärkungen im Rechnungs—
ihr 1911 sollen neu errichtet werden: Eine General-In
»ektion des Militär⸗Verkehrswesens, eine Inspektion des
tilitär⸗Lustschiffahrts⸗ und Kraftwesens, 107 Maschinen
zewehr⸗-Kompanien, ein Fußartillerie-Regiment, zwe
uftschiffahrt-Bataillone und ein Kraftsahr-Basalllon. Die
erzu erforderlichen Unteroffizierte und Mannschaften wer
n zu einem großen Teil durch Etatherabsetzungen be
en bestehenden Truppenteilen und durch Anrechnung al
estehenden Formationen gewonnen.
Rußland.
* Der Ministerpräsidenut Stolypin brachte in de
deichsduma die Vorlage über die dentischen Kolo
tisten im Südwestgebiet ein. Stotypin führt
us, es sei erforderlich, in den Grenzbezirken die rus
ische Staatsidee aufrecht zu erhalte'r
und die dieser Idee feindlichen Eemente zu betampfen
'as Gouvernement Wolhynien sei durchsetzt von preußi
hen Emigranten, in deren Händen sich neun Prozent der
ändereien befänden. Wenngleich die Kolonisten russische
ntertanen seien, so bedeuteten sie doch eine grosße Ge—
a her für den Staat. Diese Kolonisten seien nur formell
aAssische Untertanen, nach ihrer politischen Ueberzeugung,
5prache, Religion und Sitte neigten sie zu Deutschland.
ie eigneten sich daher nicht zur Besiedelung der Grenz—
ebiete; auch deshalb nicht, weil sie nach dem deutschen
esetz nicht aushören, deutsche Reichsangehörige zu sein.
er germanischen Rasse hafte das eigentümliche Bestrebe:
1friedlicher Eroberung durch die Kolons sation an. Die
'olonisten verdrängten infolge ihrer wirtschaftlichen und
ilturellen Ueberlegenheit nicht nur die Russen, sondern
uch die sehr wünschenswerten Tschechen und Galizier. Die
ahl der deutschen Kolonisten in Wolhynien betrage etwa
16 000, die immer mehr Land erwerben. Daher sei die
ekämpfung der deutischen Kolonisten absolut notwendig.
u diesem Zwecke sei das Verbot des Ankaufes und der
achtung von Ländereien in den Gouvernements Wolhy—
ien, Kiew und Podolien er orderlich. Die enisprechenden
daßnahmen sollten mit größter Beschleunigung durchge—
uihrt werden. — Es unterliegt keinem Zweifel, daß die
zorlage von der Reichsduma angenommen werden wird,
enngleich selbst von der extremen Rechten abmahnende
ztimmen laut werden, die den kulturellen Wert und die
nzweifelbare Lonalität der deutschen Kolonisten rühmend
ervorheben.
Aus dem Vatikan.
* Der Papst hat am Dienstag den Münchener Nun—
us Frühwirt und später den Kardinal Fischer
mpfanden Der Povpsft unterhielt sich mit dem Kardingl
Während Frau Diesing das Kaffeegeschirr abräumte,
urchschwebte ein feiner Veilchenduft, der Regines Gewän—⸗
ern entstiegen war, noch das Zimmer.
Heinz schritt mit der brennenden Zigarre auf und ab.
kr sah das aufgeschlagene Spruchbuch und unwillkürlich
aftete sein Blick an der Schrift.
War es schon soweit gekommen, daß seine Mutter, deren
de F gewesen, in Erwägung gezogen hatte, ihn zu ver⸗
oßen
Es überrieselte ihn eisig, und einem Impulse folgend,
ing er auf die alte Frau zu und schloß sie heftig in seine
srme.
„Ich wiederhole, daß ich von heute ab ein anderer wer⸗
en will. Vergiß, was gewesen, verziehen hast du mir ja
ingst. Du sollst an all unserem Glück teilnehmen und noch
ft den heutigen Tag segnen, das gelobe ich dir!“
Und die Mutter strich mit der dürren, zitternden Hand
hmeichelnd über sfeinen dunklen, krausen Scheitel.
„Ich kann, ein bißchen Sonnenschein brauchen, Heinz.
Ind wenn du jetzt wieder wortbrüchig wirst, so ist es mein
dod. Das soll keine Drohumna iein mein ine
s die nur!“
„Sei unbesorgt, Mutter. Und ich hoffe, du sollst es
och einmal gut bekommen. Mein Chef vertraut mir voll.
Immen und hat bereits angedeutet, daß er mir demnaͤchst
ine Vertrauensstellung in seinem Burequ geben will. Und
as kann er ja auch mit Fug und Recht. Du lieber Him—
nel, ein paar leichtisinnige Streiche machen noch keinen
38 Menschen aus mir Rühline iifiort fir mich vicht
nehr.“
Die Frau nickte. „Denke garnicht mehr an den Men—
hen, „Er war, das böfe Prinzip in deinem Lebeer Du
zlück steht an deinem Wege, Heinz suche es an dich zu fes—⸗
eln und seiner würdig zu zeigen, so ist alles gut.“
„„Sie ging ab und zu, ordnend und für die Behaglich—
eit aller sorgend, doch als Heinz längst in tiefem, sorglosem
Schlummer lag, faß sie noch in der Küche und ihre trockenen
lugenstarrten verzweifelt auf das Schreiben von Rühling
„Es ist mir leider nicht möglich, dir die tausend Mar!l
och länger zu stunden,“ las fie zum so und sovielten Male
zu mußt mir das Geld schaffen, Heinz, du mußt. Drei
age warte ich, ist es dann nicht in meinem Besitz, so gehe
ch zu deinem Chef und unierrichte ihn von verschiedenen
Ringen, die ihn intereffieren werden.“
„Es ist seine Absicht, Heinz zu verderben,“ flüsterte die
qutter perameifelt was nun? Sasseich minen Gnen
Kapitel
n der Privatbibliothek eine halbe Stunde auf das
erzlichste. Darauf stellte der Kardinal dem Papst se'n
zefo'ge vor. Der Papft unterhlelt sich mit jedem Einzel—
sen und stellte ihnen in herzlichen Worten die kirchliche
kätigkeit des Kardinals als leuchtendes Vorbild hin. Wie
m Valikan gesagt wird, hat dies der Papst ostentativ ge
an, um vor aller Augen zu beweisen, wie sehr er der
dardinal Fischer schätze.
Honduras.
* Die „Kölnische Zeitung“ meldet aus New-York: Aus
donduras wird gemeldet, daß dort eine Revolution aus—
zebrochen sei. Der Präsident Davilo sei hilflos und habe
n Washington um Einschreiten ersucht.
Die Privatangestellten-Versicherung.
Der Gesetzentwurf zur Versicherurg der Privatange
ellten soll bekanntlich in der kommenden Reichstagstag
ng zur Beratung gelangen und auf seine Verabschiedung
Meden sich die Hoffnungen weitester Kreise der nichtbe
mteten Privatangestellten. Es scheint aber, daß eine
egenströmung besteht, die den Entwurf in der Versenk
ng verschwinden lassen möchte. Wir sollten meinen, daß
ieser so bedeutungsvolle Akt unserer soz'alen Gesetzgeb
ng lange genug vorbereitet worden ist, um endlich für
ie parlamentarische Verhandlung reif zu sein. Die „Ber—
iner Politischen Nachrichten“, die ja halboffiziös sind
uchen uns die Unzweckmäßigkeit einer Erledigung der
zrivatbeamtenversicherung schon in dieser Tagung dadurch
lar zu machen, daß sie über die Ueberlastung des Reichs
ages jammern. Sollte dieser Grund wirklich ausrei—
hen, sollte man nicht vielmehr mit der hochgradigen Ge
eiztheit der Privatbeaniten rechnen, die vielleicht bei den
evorstehenden Wahlen zu einem unerquicklicheren Aus—
ruck kommen könnte, als die Regierung sich träumen läßt.
Vir meinen, es sei Ehrenpflicht für die Regierung, alles
aran zu setzen, um den Entwurf der Privatbeamtenver—
scherung dem Reichstage noch in dieser Session zur Er—
edigung vorzulegen.
der Reichsetat.
Die „Nordd. Allg. Zig.“ veröffentlicht einen Ueber—
lick über den Entwurf des Reichshaushaltsetats für das
zahr 1911. In den Vorbemerkungen heißt es: Das Etats—
esetz enthält wie im Vorjahre die Bestimmung, daß ein
twaiger Ueberschuß in den eigenen Einnahmen des Rei—
hes, sowie ein das Soll überste'gender Beirag ou Ueber—
veisungssteuern zur Abbürdung des Fehlbetrags aus dem
stechnungsjahr 1909 zu verwenden sind. Der Schatzan—
veisungskredit wird von 450 auf 375 Millionen M. her—
bgesetzt. Der ordentliche Etat schließt in der Einnahme
md Ausgabe mit 2707 819 913 Mark ab. Die Mehrer-—
räge aus den bestehenden Zöllen und Steuern wurden
uf 32 670 845 Mark angenommen; darüber hinaus ist
n dem Etat der Zölle und Steuern neu eingesetzt der
krtrag aus der Grundstücks-Wertzuwachssteuer in Höhe von
3 Mill. Mark. Die Einnahmen und Ausgaben aus dem
daligesetz erscheinen mit 4800 000 Mark im Etat des
znnern. Die Ueberschüsse im ordentlichen Etat sind ver—
inschlagt: a) bei der Post auf 71599 349 Mark (gegen
ber 1910 mehr 18648 101), b) bei der Reichsdruckerei
uf 3688 191 M. (d. i. weniger 866 980 M.), c) bei der
kisenbahnverwaliung auf 18 767 495 M. (mehr 2659 775
Kart). Die auf den außerordentlichen Etat übernomme—
en Ausgaben betreffen Heer, Marine, Post, Eisenbahnen,
en Kaiser Wilhelm-Kanal und die Wohnungsfürsorge.
die bei der Finanzreform festgelegten Anleihegrundsätze
ind beachtet. Die Einnahmen aus dem Münzgewinn, die
isher zur Verstärkung der Betriebsmittel der Reichs—
auptkasse verwendet worden sind, sollen zur Entlastung
es Extra⸗Ordinariums dienen. Die eisernen Bestände des
deiches betrugen am Ende des Rechnungsjahres 1909 105
stillionen Mark. Der Zugang im Etat für 1910 wird
uf 18 Millionen Mark veranschlagt. Die Anleihe wird
uf 97 755 930 Mark bemessen (gegen 171849 162 Mar
un Noriabre
»er soeben die besten Vorsate gefaßt hat, mit der heitlen
Ingelegenheit behelligen? Er wird den Mut verlieren und
on neuem im Spiel sein Heil suchen!... Dem Chef dar
ch mich auch nicht mitteilen, sein Vertrauen würde wankend
berden.... Tausend Mark aber kann ich unmöglich auf
reiben! O, hätte Heinz vor Monaten meine Warnung be
Jerzigt und sich niemals mit dem leichtfertigen Tagediob
dem Rühling, eingelassen!“
Stunde um Stunde verrann, die freundlichen Bilder
des verflossenen Tages verblaßten mehr und mehr.
Der Nachtwind strich klagend am Fenster vorbei, einen
hon den Herren, welche ein möbliertes Zimmer bei ihr be
vohnten, versuchte mit schwerfälligen Bewegungen, unter
eisem, vergnügtem Pfeifen die Korridortür zu öffnen.
Ja, ja, wenn die Herren spät abends heimkamen, hat
en sie gewöhnlich auch ein paar „Echte“ über den Durst ge
runken. Aber am nächsten Morgen erhob sich jeder von
men pünktlich und ungeweckt, um sich zur Tagesarbeit zu
isten — alles strebsame, gewissenhafte junge Männer,
»arsam, trotzdem sie eine opulente Lebensweise führten.
Nur einer — ihr eigener Sohn ließ es darauf ankom—
nen, daß ihm sein schönes, festes Einkommen verloren ging.
zrwar unglücklich und anmaßend, und das nicht erst. seit—
em er mit Rühling verkehrte.
Der Kopf der Matrone sank immer tiefer, er wurde
er und glanzlos ... Da sprach man von Vererbung —
r verstorbener Gatte war peinlich gewissenhaft und solide
ewesen, und sie selbst? Ein bitteres Lächeln stahl fich um
hre schmalen Lippen — Arbeit und wieder Arbeit, Ent—
iguns und zkummer war ihr vos, sestdem der Erwerber
hlte.
Heinz dagegen hatte es nie ernst mit seinen Pflichten
enommen, schon in der Schule war er nachlässig und träge
tlen. seis hatte sie nur mit Zagen an seine Kukunft ge—
icht.
Aber er war intelligent und wußte sich seiner Um—
ebung angenehm zu machen. So kam es, daß er vom ein—
aichen Schreiber in kurzer Zeit zum Sekretär ävancierte.
„Der. Rechtsanwalt, bei welchem Heinz als Lehrling, Ge—
ilfe und Sekretär bisher tätig gewesen war, besaß einen
lten jovialen, gütigen Sinn und trug den Eigenmächtig—
eiten des jungen Rannes mehc Rechnung, als für diesen
ielleicht gut war.
Jetzt hatte er ihm sogar eine Vertrauensstellung, ieden⸗
ills die eines Bureauvorstehers, zugesichert.
Wenn Heinz sich nun tapfer hielt, wenn seine Liebe zu
em fremden, schönen Mädchen ihn über sich selbst hinaus«
ob, ihm den geraden Weg der Pflicht wies, dann, o dann
a MaskrBo — Isoasa alssesa 404 morSont
Heer und Flotte.
— * Von der Marine. In Kiel verlautet, daß di
Maine-Verwaltung die Absicht habe, die kürzlich in Kiel
ormierte Unterseeboots-Flottisle nach der Nordfee und
»as zur Hochsee-Flot ille gehörige heimische Kreuzerge—
chwader von Kiel nach Brunnsbüttel zu verlegen. VDie
5ztadt Kiel will Schritte tun, um diese Verlegung mög
ichst zu verhindern, die sie in ihrem Erwerbslehen emp
indlich schaädigen würde.
Kaiser und Zar auf der Hofjagd.
Während seines zweitägigen Besuches in Potsdam
sat Zar Nikolaus auch Gelegenheit genommen, an der
Zeite Kaiser Wilhelms in dem prächtigen und riesengros
en Hofjagdrevier bei Borgsdorf zu jagen. Die Jagd
in welcher außer den beiden Monarchen auch deren Ge—
olge sowie die in Potsdam onwesenden Prinzen teil
g
4
ahmen, ging auf Damwild; auf der Strecke blieben 400
ztück Dam- und Rotwild, darunter viele prächtige Exem—
lare. Unser Bild zeigt die Herrscher in leichtem Jagd—
oagen auf der Fahrt zur Jagdstelle; beide sahen sehr
vohl aus und schienen auch später mit dem Resultat der
urchaus programmäßig verlaufenen Kaad sehr aufrieden
u sein.
J
das Kabinett Briand vor der Kammer.
Paris, 9. Novbr.
Zu Beginn der gestrigen Kammersitzung herrschte im
Zaale und den Wandelgängen lebhafte Bewegung. Die
Lribünen waren überfüllt. Das von dem neuen Kabinett
ertretene Programm legte Ministerpräsident Briand in
iner Regierungserkläruna dor Die Stelle. daß die Re—
— —
Fröstelnd schrak sie aus ihrem Brüten zusammen, leise
nisterte das Schreiben, das auf ihrer abgetragenen Mo—
soairschürze lag.
Es war das Hemmnis auf dem Wege zu ruhigem Glück.
Tausend Mark, sie mochten in einer einzigen Nacht im
Spiel verloren sein, doch in Jahr und Tag konnten sie erst
vieder aufgebracht werden.
In Jahr und, Taal! Ein entmutigender Gedanke, und
doch klammerte sich Frau Diesings Sinn an ihn wie an
einen Strohhalm. F
Wenn fsie zu Rühling ginge und ihn, bäte, sich mit Ra⸗
enzahlungen zufrieden zu geben? Ja, ja, den Fingerzeig
Jab Gott ihr ein, so mußte es gehen! Es galt nur noch zu
herechnen, welch eine Summe sie im Monat entbehren
onnte.
Sie kramte aus dem Tischkasten ein Stückchen weißes
dapier hervor, zündete die Lampe wieder an, die sie der
Ersparnis wegen ausgelöscht hatte, und begann zu rechnen,
»is ihre Wangen glühten und ein trockener Glanz aus
hren braunen Augen strahlte. Das Resultat war ein kläg—
liches, denn mehr als zwanzig Mark konnte sie im Monot
nicht entbehren, wie sie es auch anfangen mochte.
Freilich, versuchen wollte sie es und Rühling die Ab—
zahlungssumme gleich morgen bieten. Ob er aber auf die—
en Modus eingehen würde, blieb noch sehr dahingestellt.
Als sie sich endlich in einer kleinen, dunklen Kammer
auf ihrer Matratze ausstreckte, hielten unerträgliche Ner⸗
enschmerzen sie noch lange wach.
Nach ein paar Stunden unruhigen Schlafes erwachte sie
vie zerschlagen. Während sie aber Feuer anmachte und das
rrühstück bereitete, indes eine Aufwärterin die Herren⸗
seider bürstete und Stiefel putzte, wurde sie zuversichtlicher.
Rühling verdiente als Agent einer vornehmen Ver—⸗
icherungsgesellschaft viel Geld auf leichte, bequeme Weise
Vielleicht war er einsichtsvoll und zeiate sich ihren Bitten
zugänglich.
Das Wetter war aber über Nacht umgeschlagen. Es
egnete und ein kalter Sturm zerrte an den welken Blät«
ern, die so lebhaft an Sterben und Vergehen gemahnten,
nun ihnen der Sonnenschein fehlte. F
Frau Diesing war aber nicht sentimental. Sie hatke
ich in einen warmen Mantel gehüllt und war mit der Elek—
rischen vom Osten nach dem Westen gefahren. —
Sie kannte Rühlings Adresse, und zu der Stunde, wo
ie sicher war, ihn zu Hause zu treffen, ließ sie sich melden.
Das Nädchen der Vermieterin machte zwar Einwen⸗
ungen, der Herr brauche seine Mittagsruhe sehr notwen«
ig, oher ondsich wockte io don Noontften doch mi donm