Full text : Dudweiler Zeitung

str. 255.
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ohtschüehtas Rr

Montag, oen 7. November 1910.

23. Jahrgang.

— — PPñl,l· d — —
—T α — —
* * 7 J 53 —I — 2 —77— — — — 3 * 3 9 —SA X
* * 35 — 5J 33 — ——— — 53 J * —3 M— 833
Erscheint —4 — J938 J68 5 Anzelgen
* ——5— 3 ——— — * * * 53 —3 J 38
täglich mit Ausnahme der Sonn⸗ und —5 —138 — —A 13 — 4 3 —— * kosten 10 peo Elpaltig Pefchen
Feiertage. ——— —— —— —— — * 85 D * —8 — 3 * * — X — d h * 9 auswärlige 15
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—— Wochen⸗RNundschau.
Nronprinz Wilhelm hat am verflossenen Dienstag seine
elbesprochene Ostasienfahrt in Begleitung der Kronprin—
essm angetreten, welch' letztere von Ceylon aus nach drei⸗
vhenilichem Aufenthalt die Rückreise nach der Heimat
miriti. Wenn nicht alles täuscht, trägt des Krouprinzen
Peltjahre über den Charakter als. Informationsreirze hin—
as nauch einen politischen, diplhomatiischen
Lharalteirr. Denn sonst würde schwerlich Herr von
nne der deutsche Gesandte in Christiania, den Kron—
ringen beg'eiten, der, da er läängere Zeit hindurch Ge—
chasteträger in Tokio war, mit den Wirrnissen der ost—
fatischen Politit aus eigener Anschauung vertraut ist.
ie erste Gelegenheit, als diplomatischer Reisebegleiter des
rouprinzen aufzutreten, dürise sich Herrn v. Treutler in
angkotl biciten; jedensenn vwi8 der dortige Besuch
3 Krouprinzen kaum ohne politische obet wenigstens
birischaflliche Folgen für Deutschland dleiben. Denn wenn
er jetzige König von Siam, Maha Waliirawudh, der sei—
sem verstorbenen Vater Chulalongkorn erft vor wenigen
dagen auf den Thron gesolgt ist, auch in England erzo—
zen wurde, hat er, ebenso wie sen Veier und sein Bru—
der Paribatra, aus seinen Sympathien sür Deutfschland
nie einen Hehi gemacht. Weniger durchsichtig st die poli—
ische Mission des Kronprinzen in Peking und To—
iso. Zwar weiß man, daß der Prinz-Regent von China
ind der Kaiser von Japan den Kronprinzen persönlich
ingeladen haben, sie in ihren Hauytstädten zu besuchen,
ind die chinesische, wie die japanische Botschast in Berlin
zaben ausdrücklich belont, mit welchen Sympathien man
inem Besuche des Kronprinzen des Deuischen Reiches in
)stasien enigegensehe. Aber die Ostastaten sind sehr höf—
sche und vor allem vorsichtige Leute, so daß, wenn auch
er kronprinzliche Besuch in China und Japan das An—
ehen Deutschlands steigert, es vorläufig wohl bei der
ediglich hösischen Bedeutung dieses Besuches sein Be—
venden haben dürfse. Nun, von dieser Reise unseres zu—
ünftigen Kaisers wird auch nicht erwartet, daß sie einen
inderen Ton im internationalen Konzert hervorzaubern
vird; sie lohnt sich ja auch schon dadurch, daß unser
Thronsolger Gelegenheit findet, sich die Dinge da draußen
nit offenen Augen anzusehen. Für das schwere und ver—
mntwortungsreiche Amt, das seiner harret, können die im
sernen Osten gesammelten Erfahrungen von unermeßlichem
bert sein.
„Väterchen Zar“ hat sich nach langem hin und her
azu entschlossen, Kaiser Wilhelm in dessen Residenz zu
esrichen. Der Zar ist in Potsdam eingetroffen und sehr
reundlich empfangen worden, wie das bei den engen Be—
iehungen zwischen den beiden Kaiserhäusern selbstver—
ändlich ist. Im Plane und Zuge der Iswolskischen Po—
itik hat, so bemertt die „Weserzeitung“ richtig, diese Pots⸗
amer Reise nicht gelegen. Der Zar sollte dem deutschen
daiser eigentlich nur im Vorübergehen die Hand schüt—
eln. Etwa in Königsberg oder Danzig. Aber inzwischen
at dem Ränkeschmied Iswolski das Schicksal erreicht; an
einer Stelle sitzt ein neuer Mann, Herr Sassonoff, und so
varen Iswolskis Wünsche nicht mehr ausschlaggebend.
freilich braucht man sich deshalb nicht der optimistischen
doffnung hinzugeben, daß nun mit ernem Schlage die Be—
iehungen zwischen Berlin und Petersburg andere wer
en, und das ist auch nicht nötig, denn darunter könnte
söchstens unser vorzüg'iches Verhältinis zu Oesterreich-Un
jarn leiden. Die Tripel-Entente wird nach der Zusam—
nenkunft ebensogut fortbestehen als der Dreibund. MNu
verden zu dieser Ordnung der Dinge intimere Beziehuwm
jsen zwischen Rußland und Deutschland treten. Das isß
ür die Erhaltung des Weltfriedens von Wert und des
salb freuen wir uns der Potsdamer Entrevue und wün—
chen ihr vollen Ersolg. Ob man in London und Paris
iese Begegnung nicht gerne sieht, kann uns natürlich gan,
zleichgültig sein.
Ariftide Briand, der Ministerpräsident von Frankß
eich, hat in der letzten Woche der Welt eine geschicktt
domödie vorgetragen. Es war etwas faul im Briand—
chen Kabinett und deshalb ging er, nachdem er sich per—
önlich von der Kammer nach der Eileubahneritreildebatt⸗

in Vertrauensvotum geyort yarte, zu vem »prasidenter
zallieres und überreichte ihm die Demission des Kab
jetts, natürlich in der Gewißheit, daß er mit der Neu
ildung des Ministeriums betraut wurde. Briand ha—
lIso seinen Gegnern, die ihn unter den Toten glaubten
in Schnippchen geichlagen, das nicht von schlechten Elterr
st. Briand hat sich jetzt neue Männer gesucht, unter de
jen sich natürlich keiner befindet, der ihm gewachsen if
ind so bleibt er die tonangebende Perfönlichkeit. Ob die
em neuen Gebilde nun ein langes Leben beschieden ist,
nuß die Zukunft lehren und hängt lediglich von der Hal—
ung der Kammer ab, die in Frankreich über Tod oder
deben eines jeden Ministers verfügt.
Die Türkei bekommt jetzt doch ihre Anleihe und zwar
on einem deutschen Bankkonzern. Das jungtürkische Ko—
nitee hat die übermäßigen Bedingungen Frankreichs ent—
chieden zurückgewiesen und Deutschland hat durch seinen
eschickten Eingriff bewiesen, daß es auch einmal ohne
ranzösisches Geld geht.
Persien, das Land der berühmten Teppiche, scheint
»em Verfall geweiht. Nicht nur, daß die inneren Un—
uhen dem neuen Regime die Erreichung geordneter Ver—
zältnisse ungemein erschweren, sondern auch von außen
äßt man keine Gelegenheit ungenützt, auf den Untergang
Jersiens hinzuarbeiten. England und Rußland sind jeden
lugenblick bereit, den Raub zu teilen, wenn nicht Deutsch—
and wäre. Die Orientalen haben denn auch in kluger
krwägung in verschiedenen gegen die Haltung Englands
inberufenen Protestversammlungen den „großen Allema—
ien-Sultan“, gemeint ist Kaiser Wilhelm, um Hilfe ange—
ufen. In London scheint das zu ziehen, denn Deutsch—
and als Orientbeschützer, das waäͤre doch gar zu schrecklich!
Abdul Asis, der Ersultan von Marokko, bildel
ich jetzt als Reiseonkel aus. Dieser Tage war er in
zibraltar und machte kein Hehl daraus, daß das Leber
ines Exsultan von Maroklo schöner ist als das eines
zultans. Er hat sich von Gihraltar über Sevilla naet
issabon begeben und von dort geht's nach Brüssel. Der
zeil sitzt sein siegreicher Rivale und Bruder Muley Hafil
mseiner Residenz und schlägt sich mit seinen Neidern her
m. Abdul MAnis hat also den „besseren Teil erwäbhlt!“
— — ———

oohr weniger wel besonders Wichtiges mitzutellen ge—
»esen wäre, als aus einer Art Courtoisie und in Aner—
ennung des föderalistischen Charalters des Reiches und
ur Pflege der guten Beziehungen zwischen der Reichsre—
ierung und den Bundesstaaten. Dieser Ausschuß ist, wie
hon aus seinem seltenen Zusammentritt hervorgeht, na—
irlich nicht die einzige Quelle, aus der die Regierungen
er Bundesstaaten über die Ereignisse und den Gang der
uuswärtigen Politik unterrichtet werden. Sie bekommen
urch Vermittlung ihrer Berliner Gesandien vom Reichs—
anzler und vom Auswärtigen Amt diplomatilche Akltenücke
 vertraulich mitgeleilt, und vor allen Dingen ziehen
iese Gesandten im Auftrage ihrer Regierungen oder auch
us eigener Neigung beim Staatssekretär des Auswärligen
Imtes Informationen ein, die ihnen bereitwillig erteilt
verden und haben dabei auch Gelegenheit, die Ansichten
hrer Regierungen zum Ausdruck zu bringen.
Wir wissen nicht, so läßt sich die „Fra Ztg.“ aus Ber—
in schreiben, ob und welche besondere Veranlassung der
deichskönzler hat, diesen Ausschuß jetzt einzuladen; es
ißt sich aber sehr gut denken, daß er ihm manches In—
ressante und Wissenswerte über die auswärtige Lage
nd unsere Beziehungen zu den auswärtigen Staaten,
anmentlich auch im Hinblick auf die Vorgänge im nahen
rient wird vortragen können. Es ist vor allen Dingen
uch eine höfliche Rücksicht auf die Regierungen der Bun
esstaaten, daß sie vor dem Zusammentritt des Reichs—
iges, in welchem doch wahrscheinlich über die auswärtige
age gesprochen werden wird, vom Reichskanzler offtziel
ber diese unterrichte werden und wahrscheinlich auch
was mehr erfahren, als im Parlament sich sagen läßt
b und welche politische Bedeutung der Besuch des Za—
n in Potsdam hat, werden die Herren bei dieser Ge
genheit gewiß auch exrfahren. Die Meinungen der Blät—
r über diesen Besuch gehen weit auseinander und lassen
ch von der Ansicht leiten, daß es sich nur um einen un—
ermeidlichen Höflichkeitsakt handle, bis zu der Ueber—
ꝛugung, daß während dieses Besuches zum mindesten
ichtige politische Unterredungen stattfinden würden. Mii
usnahme der Sozialdemohratie, die in Potsdam sich eine
zrotestversammlung gegen den Zaren leistete, herrscht in
en Organen aller anderen Richtungen darüber kein Zwei
l, daß der Gast des deutschen Kaisers nicht nur aus
öflichkei lkommen zu heißen ist, sondern daß auch
e politiene Klugheit und die in auswärtigen Dingen al—
s überwiegende Rücksicht auf die Interessen des eigenen
zaterlandes gebietet, Stimmungsäußerungen und Ansich
n, die man über die innerrussischen Verhälinisse hat, zu—
icktreten zu lassen und, wie sich z. B. das „Berl. Tage—
att“ ausdrückt, den innerrussischen Dingen nicht mehr
inssuß auf die Beziehungen von Staat zu Staat einzu—
iumen, als es die freiheitlich gesinnten Engländer und
‚ranzosen tun. Wer die Einzelheilen unserer Beziehun—
en zu Rußland etwas näher kennt, der wird auch zu—
immen, daß in der freundschaftlichen Begegnung des Kau
ers und des Zaren in diesem ersten Besuch des Zaren
neiner der Haupistädte und Residenzen des Kaisers ein
oertvolles Pfand für die Aufrechterhaltuug des Frie—
ens liegt. Das wird zwar von jeder Monarchenbegeg—
cung gesagt, aber es hat in diesem Falle eine besondere
zerechtigung, weil tatsächlich Nikolaus 2. in kritischen Si—
uationen und Zeiten der Spannung zwischen Deutsch⸗
and und Rußland seinen Einsluß fuͤr fried iche Verstän—
gung geltend gemacht hat. Daß dieser Besuch des mit
llem Glanz empfangenen russischen Gastes sich nicht in
jestdiners und einer Hofjagd erschöpft, sondern daß er auch
jelegenheit zu politischer Aussprache geboten hat, ist ir
ohem Grade wahrscheinlich. Die Vorgänge der letztier
zahre, der Rücktritt Iswolskis, unter dem sie sich volzo
en haben, bieten Anlaß dazu, und die Anwefsenheit des
jeuen russischen Ministers des Auswärtigen, Ssasanow
deutet darauf hin.
Politische Runoschau.
Deutsches Reich. J
* Die Justizkommission des Reichstages beschloß in der
weiten Lesunag der Strafprozeßnovelle eine Fafsfung des

8 232,, woauach die von den Prozeßbeteiligten beantrag!,
Beweiserhebung nur abgelehnt werden kaun, wenn fi⸗
vegen Offenkundigkeit jede Beweiserhebung erübrigt, wen—
ne Tatfache, die der Antragsteller beweisen win, sur ot
ẽntscheidung ohne Bedeutung oder schon erwiesen, oder
venn das Beweismittel unerreichbar ist. Im Beschluß ist
mzugeben, weshalb einer dieser Gründe zutrifft. Nur in
»en Verhandlungen vor den Amts- und Landgerichten, die
ine Uebertretung betreffen, oder auf eine erhobene Pri—
atklage erfolgen, soll das Gericht den Umfang der Be—
beisausnahme bestimmen. Ferner ist folgender neuer 8
4904 beschlossen worden: Bei Erörterung von persönli—
hen, häuslichen und Familienverhältnissen kann das Ge—
icht die Oeffentlichkeit ganz oder teilweise ausschließen.
venn diese außerhalb des Strafzweckes liegende Härten
nit sich bringen würde und ein öffentliches Interesse nich
Atgegensteht.
*æ In der Justizkommission des Reichstages wurd—
ine Bestimmung angenommen, daß bei der Erörterungç
on persönlichen, häuslichen und Familienverhälmissen das
zericht die Oeffentlichkeit ganz oder teilweise ausschließer
ann, wenn diese außerhalb des Strafzweckes liegend«
»ärten mit sich bringen würde und ein öffentliches Inte
esse nicht entgegensteht.
*Die Verstimmung der dem Reichsam
es Innernangehörigen Beamten, die in
zommer behoben wurde, scheint jetzt wieder zum Aus
ruch zu kommen. Wie bekannt, verweigerten damale
ie Beamten die Anfertigung von Hausarbeit, weil ge
en früher der Preis erheblich herabgesetzt und die Zei
enzahl der Seite vermehrt worden war. Von der Be
örde wurde zum 1. Oktober eine Neuregelung der Be—
ige für diese Hausarbeiten in Aussicht gestellt, aber jetzt
Wochen nach dem 1. Oktober, ist noch alles beim Al
en geblieben. Deshalb haben in den letzten Tagen Kon
erenzen der Beamten stattgefunden und man ist überein
ekommen. um die Erfüllung des gegebenen Versprechens
ringend zu ersuchen. Es wird erwartet, daß die Rege
ung bis spätestens Ende dieses Monats erfolgt. Sollt
ies nicht der Fall sein, dann steht in Aussicht, daß die
zeamten ähnlich wie im Sommer die Anfertigunag vor
ausarbeit ablehnen.
* Der Entwurf üÜber die Aenderung der Verfassurg
ür Elsaß-Lothringen hat nunmehr die Unterschrift des
aisers erhalten und wird im Laufe der nächsten Wocht
18 Vorlage der preußischen Regierung dem Bundesrat
naehen
Frankreich.
* In der Besprechung der am nächsten Dienstag durch
eide Kammern zu erledigenden ministeriellen Erklärungen
eben verschiedene Blätter die Tatsache hervor, daß die
Finanzreform in der Erklärung stillschweigend übergan—
en worden ist. Man zieht daraus den Schluß, daß der
inkommensteuergesetzentwurf fallen gelassen worden ist
Tuͤrkei.
* Direktor Helferich von der Deutschen Bank äußert«
ich Vertretern der Presse gegenüber fosgendermaßen: Der
Abschluß eines kurzfristigen Vorschusses und einer vier
rozentigen Anleihe wird in allerkürzester Zeit erfolgen.

—0———
Kurz vor demn Zusfammentritt des Reichssstags, abe
n der deitten Novemberwoche, wird der Ausschuß
es Bundesrats für die auswärtigen An—
rebegenheiten sich beim Reichskanzler ver—
ammeln. Es ist das der auf der Versassung beruhende
lusschuß des Bundesrats, der aus den Bevollmächtigten
ier drei Königreiche Bayern, Sachsen und Württemberg
ind zwei weiteren vom Bundesrat alljährlich zu wäh—
enden Mitgliedern besteht. Den Vorsitz in diesem Aus—
chuß hat verfassungsmäßig Bayern. Dieser Bundesrats—
usschuß hat keine beschließenden Befugnisse, und es ist
uch in den seltenen Fällen, in denen er überhaupt be—
ufen worden ist, unseres Wissens nie zu einer Beratung
n ihm gekommen, denn die Leitung der auswärigen An—
jelegenheiten gehört nicht zu den Befugnissen des Bun—
es rats. Er wird einberufen, oder man kann richtiger
agen vom Reichskanzler eingeladen, um Informationen
iber eine besondere auswärtige Frage oder über die aus—
värtige Situation enrgegenzunehmen; und diese Sitzung
erläuft immer so, daß der Reichskanzler dem Ausschuß,
u dessen Sitzung sich gewöhnlich die leitenden Minister
er in ihm vertretenen Bundesstaaten nach Berlin bege—
en, ein Exposee über die auswärtige Politik vorträgt und
aß dann der Vertreter Bayerns ihm den Dank und die
Zustimmung des Ausschusses ausspricht. Er ist so selten
usammengeneten, daß man kaum mehr an seine Existenz
edacht hat, und man ist eigentlich erst wieder an ihn er—
anert worden, als er im Jahre 1900 aus Anlaß der
xpedition nach China zusammentrat. Dann hat ihn Bü—
aw 1906 in Sachen der Marokko-Politik einmal versam—
lelt. Wenn wir uns recht erinnern, auch später noch ein—
sal, und der jetzige Reichskanzler hat ihn im vorigen
An oinigo 2ain nor foine A2 αα oi no

Ein weiteres Urteil über die Presse.
Im Hinblick auf die Beurteilung, welche die Arbei
er Presse und die Tätigkeit der Redakteure vor nicht all
u langer Zeit durch den Oberpräsidenten von Pommerr
ind jetzt auch durch die Antwort des Ministers über di
egen jenes Urteil eingelegte Beschwerde erfahren hat, ij
in Urteil des Leipziger Nationalökonomen. Prosesso
zücher, interessant, welches dieser bekannte Gelehrte in
inem soeben erschienenen Sammelwerk „Die wichtigsten
Zildungsmittel“ gefällt hat. Es heißt dort: Man kan
ber die Tätigkeit des echten Journalisten nicht groß ge
uug denken. Welche Fülle von geistiger Kraft und brei
em Wissen, von Erfahrung und politischem Takte, vor
zeistesgegenwart und Witz, von Gestaltungstgabe und For
nenzewandtheit täglich durch die Presse eines ganzen Lan
e3 umnefα ι α ] νι—. Allerdinas kam

Ue Iraune.
Erzählung von Karl Freber,*
Nachdruck verbolen.
Ein armenr, aber geschicter Tischler erhielt durch Em⸗
Jehlung die Arbeit in einem angesehenen Kaufmanns⸗
ause. Der Kaufmann besellte zur Aussteuer seiner Toch⸗
er für 1000 Mark Mobilien bei ihm. Der Tischler,
och erfreut, eilte nach Hause und erzäblte seiner Frau
as gehabte Glück.
Als der erste Rausch vorüber war, kam der hinkende
zote nach und stellte die Frage auf: Wo nun die bedeu⸗
ende Auslage hernehmen? Den neuen großen Kunden um
zorschuß bitten, das ging nicht, denn dadurch hätte man
ielleicht den ganzen Handel rückgängig gemacht. Reiche
zreunde hatte der arme Mann nicht, wo blieb nun eine
mdere Zuflucht, eine so bedeutende Summe, wie doch zur
luslage gehörte, herzuschaffen, als von einem Wucherer?
der ward auch bald gesunden, und bei ihm, nahdem er
ich von der Richtigkeit der Bestellung überzeugt — die
Nenschenliebe — gegen einen Wechsel für zwölf Prozente
nuf zwei Monate das verlangte Geld herzugeben. —8
Fleißig arbeitete der Tischler und bald standen zwei
dutzend der herrlichsten Stühle, ein schöner Schrank ꝛc.
ertig zum Lobe des Meisters da. E —
»Nett im Sonntagsüberrock gekleidet, ging unser Tischer
 neben seinen Mobilien her, und hoch pochte ihm das
7 vor Freude. wenn Vorübergehende die schöne Arbeid
ten.
Als man im Hause des Kunden angekommen, lief
lles zusammen, das neue zu beschauen. Auch der Haus⸗
err wurde gerufen und lächelte beifällig und zufrieden.
Er soll in Zukunft mein Tischler sein, denn die Sa—
sjen sind lobenswert: laß er nur alles behutsam nieder⸗
tzen. Gott befohlen! und damit ging er au's Kontor,
er Tischler nebst Gesellen, bald darauf aus dem Hause
Meister, sprachen diese, der Herr schien ganz zufrieden,
nd wie reich muß er sein! Da bat der Meister einen
iten Kunden erhalten —
Jawohl, Leute, das habe ich, und sch bin auch hoch
freut darüiher. — Doch auf dem Söesichte des guten
annes war eben Leind Freude zu sehen, denn er dachte
ran daß din zwei Monate in acht Tagen verflossen, und
»iße KOaufmann ihm von Bezohlundg keine Silhe ve—

agt. Wie sollte das nun werden? — Trübe saßen, als
sieben Tage vergangen, die beiden Eheleute zusammen, da
prach die Frau:
Auf, lieber Mann, fasse ein Ferz, geh' zu unserm
teuen Kunden und bitte ihn um Bezahlung. Er wird
in Mensch sein und Einsicht habenl ——
Und der Meister ließ sich bereden.
Schwer schlug das Herz, krampfhaft drüdte er die
drempe seines Hutes zusammen. Als er nun die Türe
es Kontors geöffnet und sich techts und links an hohen
zulten ein Dutzend emsig bertiefter Kommis gewahrte.
Er bot ihnen laut einen guten Tag; keiner antwor⸗
ete ihm. Er wiederholte nach einer Pause noch einmal
ie Begrüßung, und mit einem scharfen Blick ihn messend,
ragte der Nächstsitzende: Was haben Sie?
„Bitte untertäniast. ich möchte gern den Herrn spre—⸗
hen.“ —
Dort unten, war die Wetisung, indem er rücwärts nach
iner Ecke des großen Zimmers zeigte. Langsam und
hwer schritt der Tischler durch den Saal, es war ihm,
8 wenn Blei in seinen Fußen läge.
Da satz der Kaufmann, die Stirne nachdenkend mit der
zand gestützt, in der Rechten die Feder haltend, wollte
eben ein wichtiges Handelsprofekt zu Papier bringen,
Is, aus Verlegenheit bald plump und bald blind gemacht.
er Tischler gegen die offene Türe des Gitters rennend,
en Tiefsinnigen plötzlich aus seinen Gedanken riß. Barsch
uihr er empor: „Was wollen Sie?“
Doch war an keine Antwort zu denken. Alle im Sinn
ehabten und von der klugen Ehehälfte ihm eingeprägten
hönen Worte waren dahin, er war buchstäblich, wenn
uich nicht? mit der Türe ins Haus, doch, was noch
hlimmer war, dem Herrn beinahe auf die Nase gefallen.
r stand wie versteinert. Nun, was wollen Sie?“ fragte
et Hausherr den Sprachrcon und ⸗tkannte ihn nicht
ieder. —A . —186
„Verzeihen Sie, mein Herr, ich war, ich bin, ich
omme — der Tischler, der die große Ehre hatte, fur Sie
4 arbeiten. — So, so, und? — Sie wollen vorfragen.
ich habe noch nichts wieder, Sie brauchen sich güch meht
u bemühen, ich werde schichen, wenn ich Sie benötige,
zielleicht bald. Adieu!“ und damit neigte sich Haupf
ind Hand wieder zu Papier -4
Ach. fina dery aerschmetterte Vandinerksmann an, den

Herr möge nicht böse werden, aber ich möchte Sie woyl
zitsten um den Betrag des Gelieferten, ich habe kein Ka⸗
pital und — — F 8
Verdrießlich erhob sich der Kaufmann.“
Ich bezahle nur halbjährlich; auf solche Kleinigke'ten
önnen wir uns nicht einlassen, das macht uns zu viel
Amstände. Lassen Sie es sich dort beim Kassterer aus—
ahlen.
Doch, das ist einmal gewesen. Sie müssen keine Ar—
beit annehmen; wenn Sie nicht anständig kredit eren kön⸗
nen! Und so winkte er einem ihm zunächst sitzenden zun—
gen Mann, demselben befehlend. dem Tüschler die Sunme
uszußahlen.
Stumm nahm dieser das Geld in Empfang, und an
as Pult des Kausmanns gehend, um zu unterzeichnen,
oß, erpreßt von dem Gedanken: du kannst in Zukunft
ie solche Arbeit doh nicht wieder annehmen, denn deine
Irmut verschließt dir jede Soffnung daau. eine Trän«
ber seine Wange.
Der Kaufmann bemerkte sie. — Stumm verneigte sich
et unglückliche Tischler und ging. Als er die Hälfte des
zimme:s durchschritten hatte, rief ihn der Kaufmann zu⸗
ück: „Hören Sie einmal. Meister, von den Stühlen koön—
sen Sie mir noch ein Dutzend liesern, und ich habe auch
n der nächsten Woche mehreres. Doch damit Sie mir
n Zu'unft nicht alle Augenblicke beschwerlich werden, und
beil Sie mir doch kein halbes Jahr Kredit geben kön—
ien, so will ich Ihnen kreditieren. Zahlen Sie dem
Nann noch 1000 Mark. sprach er aum Kassserer umd blickte
zufs Papier. —
Sprachlos stand der Tischler da, im Imersten erschüt—
ert, doch jetzt ging er rasch auf den Kaufmann zu, ergriff
dessen Hand und drüdte sie herzlich an seinesSippen. Dank,
tammelte er, Dank, guter Herr! —
Lassen Sie das, lieber Freund. Wenn Sie ein ehr—⸗
icher Mann sind, so brauchen Sie des Dankes nicht. Doch
sier kein Aufsehen; solche Szenen gehören nicht aufs Kon—
or, hier wohnt keine Herzlichkeit. Gehen Sie mit Gott!
zch komme bei Ihnen vor und will einmal selbst nach
zhrer Wirtschaft sehen. Adieu!
Froh und überglücklich kehrte der Tischler zurüch.
zleißig arbeitete er, und durch des angesehenen Kunden
Zilfe wap er hold ein gemachter Mann

Aαιασ
Der reiche Kausmann aber fühlte an jenem Morgen
eine so sonderbare Regung in seinem Herzen, daß er selt
dieser Zeit noch manche Träne hervorlockkte. — Doch war
»s immer eine Träne der — Dankbarkeit.

—F 5. m
jedankenperlen
— —
— deutsche Sprichwörter —
Wer n Liebes tut, bereitet mir eine Sorge.
J Jedem etwas, das teilt schön.
Arbeit gewinnt das Feuer aus dem Steine.
Wenn der Sad kommt, wirft man den Beutel hinte—
die Kiste. Sacrñ
Wem's übel geht, stößt sich an einen Strohhalm. *
In eines armen Mannes Haupt geht viel Weishei—
zu Frunde. 7.
Zinderhand ist bald gefüllt. —G
Ein wenig zu spät ist viel zu späͤüt. —2
Man führe eine Katze nach England, ste wir
miauen *
Ztiehl einmal, und Du bleibst ewig ein Dieb. 4
FFEs hinkte nie jemand von eines anderen Weh.
Es ist ganz einerlei, wo einer sitzt, der was kann.
Zu Gottes Hilfe gehört Arbeit. 0
Gezwungene Liebe vergeht bald. 224
Der Baum trägt keine Aepfel zu seinem Nutzen.
Man soll keine Würste suchen im Hundestall.
Die hindern wohl oft, die nicht nützen können.
Ein hastiger Mann soll auf einem Esel reiten.
Wenn man die Pfauen lobt, so breiten sie der
Schwanz aus.
er bat einen Feind überwunden, der seinen KZorr
hezmenan

——

—
            
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