Full text : Dudweiler Zeitung

ßolitiker Deutschlands um die Wiitte des 19. Jahrhunderte
vurde in Königsbergei. Pr. geboren. Nach eingehenden
Studium der Rechte habilitierte er sich in seiner Vater
adt, wo er 1836 ordentlicher Professor des römischer
stechtes wurde. 1848 wurde er in die Franksurter Ra—
ionalversammlung gewählt, deren Präsident er kurze
deit darauf wurde. Ende Mai 1849 schied er aus de
zersammlung aus, nachdem er noch der Deputation an—

obao Simson
jehbrt hatte, welche dem König von Preußen die Wah
um deutschen Kaiser ankündigte. 1850 führte er im Er—
urter Voltshaus das Präsidium, trat dann 1859 in das
reußische Abgeordnetenhaus ein und war 1860- 61 des
en Präsibent. 1869 wurde er Chespräsident des Appellaionsgerichts
 in Frankfurt a. O. und dann Präsident des
onstuierenden, sowie des ersten ordentlichen Reichstages.
877 sich vom politischen Leben zurückziehend, wurde er
8MN erlien Praäsident des neu errichteten Reichsgerichtes ir
zeipzig und trat 1892 in den Ruyhestand. Kaiser Fried
ich verlieh ihm 1888 den erblichen Abel. Simson starl
in 2. Mai 1899 in Berlin.
—ç»LAJsßF(—————
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
Köln, 8. Nov. (Mordver such.) Ein in der Mel—
norstraße wohnender Arbeiter, der längere Zeit im Kran—
enhause gewesen war, kehrte in seine Wohnung zurück
ẽr fand seine Ehefrau in Gesellschaft mit einem anderen
Nanne. Der betrogene Mann griff zum Revolver und
rachte seiner Frau eine Schußwunde in die Brust bei.
zun Krankenwagen mußte die Schwerverletzte ins Hospi—
altal geschafft werden; der Täter wurde verhaftet und di
dinder ins Waisenhaus geschafft.
m*Köln, 3. Nov. GEisenbahndiebe verha—
et.) Der Bahnhofspolizei ist es gelungen, zwei junge
zurschen, die seit längerer Zeit die deutsch-französischen D—
züge unsicher machten, zu verhaften. Sie wurden dabei
rwischt, als sie die reiche Beute in Sicherheit bringen
vollten, die sie einer Russin auf der Reise von Paris
ach Köln entwendet haben. In den Koffern der interna—
ionalen Zugdiebe faucben sich außer Waffen Verbrecher⸗
vertzeuge.
*Bonn, 8. Nov. (Im Rausch.) Die Polizeibeam⸗
en Ernst Köllner und Peter Nett waren am 4. Juni
norgens um 2 Uhr in angelrrunkenem Zustande von einem
leichfalls angeirunkenen Droschkenkutscher wegen ihrer
krunkenheit verhöhnt worden. Die Beamten wollten den
Lamen des Kutschers feststellen und hielten ihn fest. Der
dutscher lief fort und die Beamten ihm nach. Als sie
hn eingeholt hatten, hielt ihn Nett fest, während Köill—
zer mit dem Säbel auf ihn einschlug. Der Kutscher isi
ann mehrmals mit dem Kopfe gegen eine Wand gesto—
jen und schließlich mit dem Kopfe nach unten hängend
urch die Gasse geschleist worden. Auf der Polizeiwache
ersetzte Köllner dem Kutscher noch einen Schlag mit einem
maillebecher ins Gesicht und mehrere Hiebe mit der Faust
af den Kopf. Die Strafkammer verurteilte die beiden
zolizeibeamten unter Versagung von mildernden Umstän—
en wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung
in Amte zu Gefängnisstrasen, Nett zu drei, Köllner zu
ünf Monaten und zur Zahlung einer Buße von 150 M.
in den Kutscher. Der Kutscher wurde wegen Beleidigung
»er Beamten zu 30 Martk Geldstrafe verurteilt.
* Düusseldorf, 8. Noo. Geendeter und neuer
3treit.) Der Ausstand der Arbeiter der vereinigten Sil⸗
erwarenfabriken ist beendet. Das Werk bewilligte einen
rhöhten Stundenlohn, sowie Aufschläge bei Ueberstunden.
ute traten bei der hiesigen Holzfabrik Kamp und Bur—
artz sämtliche Arbeiter wegen Lohndifferenz in den Aus—
and.
Barmen, 3. Nov. (Hinter Schloß und Rie—
el.) Eine inlernationale Taschendiebin, die einen großen
eil ihres Lebens im Zuchthause verbracht hat, wurde
Jegen zweier Taschendiebstähle bei der Elberselder Jahr—
undertfeier zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.
* Essen, 3. Nop. Gerbrecherischer An—⸗—
h1Lag.) Auf den Schnellzug Essen-Düsseldors wurden bei
»ösel drei scharfe Schüsse abgegeben. Die Kugeln dran—
en in verschiedene Abteile, es wurde iedoch niemand ver—
Bt. Der Töäter ist »ntf —

aumphe gefelert und um die Schläfe des Meisters aus dem
Norden der Lorbeer, der ewiggrüne des unsterblichen Ruh⸗
nes sich gewunden hatte. Nach jahrelanger Abwesenheit
var der edle Meister endlich wiedergekehrt, die traute Hei⸗
nat zu begrüßen und das Herz wieder an Bildern und
Tönen aus derselben zu erquecken, die es nimmer und
immer vergißt, und die das spätere Leben nie verwischen
ann, ob es nun reich an Dornen oder Lorbeerkvänzen ist.
Thorwaldsens Reise in der Heimat glich einem Triumph-—
udge, denn das ganze dänische Volk wetteiferte. einen
Atann mit Ehren und Freudenbezeugungen zu überhäufen,
den so viel Ruhm umgab, daß auch ein Widerschein da—
von auf die Nalion zu fallen schien, der er angehörte.
Es war schon gegen Abend; — auf der Chaussee, die
um .... Tor hinaus bei reizenden Villen vorbeiführt,
errschte reges Leben von Equipagen, Reitern und Fuß—⸗
zängern, die der liebliche Abend aus der Hitze und dem
ztaube der Stadt ins Freie hinausgelodct hatte. Die
Zlicke der müßigen Spaziergänger wurden besonders auf
ine kleine Villa gelenkt, die überaus reizend zwischen
sohen, dunklen Bäumen gelegen war. Durch die weit
ffenstehenden Pforten fuhren eine ziemliche Anzahl gar
tattl icher Equipagen ein und vor die Türe des Hauses,
wo die reichgallonierten Bedienten die Fremden empfin⸗
gen und ins Innere desselben führten. Einige Neugierige
ammelten sich, wie gewöhnlich, um von der Straße aus
die reichgeschmückten Damen und Herren aussteigen und
ns Haus gehen zu sehen. J 8
„Was gibt's?“ fragten andere, später Hinzugekommene,
ind mit der Wichtigkeeit, mit welcher stets eine Neuig'eit
rzählt wird, wurde ihnen mitgeteilt, daß heute Ahend
Zoiree bei Gräfin V. sei.
In diesem Augenblicke fuhr ein einfacher offener Wa—⸗
jen ins Hoftor ein, ein hoher Mann mit langen, schon
gebleichtan Locken saß darin, er beugte sich etwas vor
ind seine hellen, blauen Augen schauten mit seltsamem
usdrude auf dies zierliche, weiße Haus und seltwärts
uuf einen langen, von dunklen Hecken eingefaßten Gang,
velcher zum Garten führte, der hinter dem Hause lag.
Indem hielt der Wagen vor der Haustüre, die Bedienten
ffneten den Schlag und der hohe Fremde schritt rasch die
MNarmorstufen hinauf. Eine feine, schlanke Frauengestalt
nn tiefer Trauerkleidung trat ihm an der Türe entgegen,
⸗aichte ihm unfäbig ein Mort 2u sGMrehon Mo Sond &

*Bochum, 3. Nov. Mevision im Radbod-—
rozeß.) Auch gegen das neue Urteil im Radbod-Pro—
ß hat der Verteidiger des verurteilten Redalteurs Wag—
er, Rechtsanwalt Heine-Berlin, Revision eingelegt.
Hagen, 3. Noo. (Typhus.) Im benachbar!en Haspe
kranften der Schuldiener der Realschule und sechs Schü—
r der Serta an Typhus. 20 weitere Schüler wurden un—
r ärztliche Aufsicht gestellt. Man vermutet, daß die An—
eckung durch die in der Schule verabreichte Milch er—
»lgte. Unter Leitung des Kreisarztes wurde die vorläu—
ig geschlossene Schule einer gründlichen Desinfeltion un—
erzogen. Man hofft, den Schulbetrieb wieder ausnehmen
u können. In der Bevölkerung herrscht Erregung.
*Bad Kreuznach, 2. Nop. VWom Zuge Üüber—
ahren.) Nahe am Bahnhof ließ sich der 47 jährige
Kentner Hermann Damsbach von einem Eisenbahnzuge
iberjahren; der Kopf wurde ihm vollständig vom Rumpife
getrennt.
* Karlsruhe, 3. Nop. (Un wetter. Das Sturm—
vetter der letzten Tage hat in den verschiedenen Teilen
des Landes gehaust. Es brachte nicht nur Regenfälle und
»agelschlag, sondern in den hochgelegenen Gegenden auch
zchneefall. Der Sturm hat in Offenburg auf dem Bahn
of einen zum Kohlenumladen dienenden, elektrisch betrie—
enen Laufkrahnen in Bewegung gesetzt und gegen den
zrellbock getrieben, wo er umkippte und zertrümmert wor—
eu ist. Der Krahnenführer Franz erlitt durch den Sturz
hwere Verletzungen und mußte im Krankenhaus operieri
erden. — Aus Mannheim wird berichtet: Der Neckar
t infolge der heftigen Niederschläge der letzten zwei Tage
m 1 Meter gestiegen. Weiteres Wachsen wird gemeldet.
— Die Neckarschiffahrt, die wegen des niederen Wasser—
tandes ihre Fahrten erheblich einschränken mußte, hat den
betrieb wieder aufgenommen.
*Mannheim, 3. Nov. Großfeuer.) Die Maschi—
ienfabrik Lanz steht seit gestern 8 Uhr abends in hellen
jlammen. — Die Bekämpfung, des Großfeuers bei der
Naschinenfabrik von Heinrich Lanz dauerte bis heute früh
Uhr. Es verbrannten die Zentrifugenabteilungen, ein
anggestrecktes zweistöckiges Gebäude, sowie die Abteilung
J, ein fünfftöckiges massives Backsteingebäude von 25 Me—
er Höhe und über 100 Meter Länge. In dem Gebäude
efanden sich fertige landwirtschaftliche Maschinen, sowie
jutter⸗, Rübenschneide- und Dreschmaschinen. Der Scha—
en läßt sich bis jetzt noch nicht genau feststellen, dürfte
ꝛdoch sehr beträchtlich sein. Das Feuer entstand in der
zarderobe des ersten Stockes der Abteilung A. Die Ent—
ehungsursache ist unbekannt. Um elf Uhr stürzte das Ge—
äude der Abteilung A mit fürchterlichem Cetöse in sich
usammen. Die Vorderfront des Gebäudes fiel auf die
* Kaiserslautern, ß3. Nov. EExplosion.) Wie die
Pfaͤlzische Presse“ meldet, sind der Friseur Bachle und
ichs seiner Kunden durch Explosion einer Gasolinlampe
hwer verletzt worden
2Araße. — Wie die „Teile e Randes eitunge men
et, gibt die Firma Heinrich Snz; durch Fabrikanschla
»ekannt, daß in sämtlichen Wersstätten, die durch da—
Feuer zerstört wurden, der Betmieb aufrecht erhalten werde
Alle betroffenen Arheiter werden also weiter beschäftigt.
*
Das schlechte Weinjahr.
Reustadt a. d. H., 3. Nov. Hier tagte unter Vor
itz von Regierungsrat Junsck er-Neustadt im hiesiger
Zaalbau eine von mehr als 1500 Winzer besuichte Wan
erversammlung der landwirtschaftuchen Bezirksvereint
dürkheim, Landau und Neustadt. Weingutsbesitzer und
zandtagsabgeordneler Franz Buhl-Deidesheim hielt ein
instündiges Referat über die Bekämpfung des Heu⸗— und
Zauerwurms mit Hilfe der neuen, für die ganze Pfal
rlassenen oberpolizeilichen Vorschristen, die eine einheit
iche Winterbehandlung der Rebstöcke bezwecken. Dies sei
ie letzte Möglichkeit, um zu verhüten, daß auch noch die
ernte 1911 den Rebschädlingen zum Opfer sällt. Landes
konomierat Dern-Neustadt gab Aufschluß über die Tätig
eit der im Vorjahre eingesetzten Kommission zur Be—
impfung der Rebschädlinge. Auf Antrag dieser Kommis
son habe die Regierung der Pfalz die oberpolizeilicher
zorschristen erlassen, weil ohne Zwang und Kontrolle eir
inheitliches Zusammenwirken des Winzertums ausgeschlos—
en ist. Die zahlreich anwesenden Kleinwinzer des ober
änder Quantitätsgebietes protestierten in größter Erreg
ing, so daß die folgenden Redner sich in dem Laͤrm kaum
och verständlich machen konnten. Sie fürchten, daß durch
as Abreiben der Stöcke diese bei eintretender Kälte er
rieren könnten; außerdem klagen sie, daß sie kein Geld
ür die erforderlichen Arbeitskräfte hätten. Adjunkt Lintz
denkoben brachte eine geharnischte Protestresolution der
denkobener Winzer gegen den Regierungserlaß zur Kennt
lis der Versammlung. Direktor Dr. Zschokke von der
deustadter Weinbauschule und der Zoologe Dr. Schwan—
jart wiesen vom wissenschaftlichen Standpunkte aus die
segen den Erlaß vorgebrachten Bedenken zurück und er—
lärten, daß unmöglich länger mit energischen Maßnah—
nen gezögert werden könne. Die Redner werden wieder
solt durch tosenden Lärm unterbrochen. Landtagsabge
rdneter Bühl-Deidesheim wies in einem Schlußworte
arauf hin, daß man versuchen wird, eine Staatsbeihilfe
äür das bedrängte Winzertum zu erwirken. In engeren
ezrzirfznor lenen sosle auffsärend auf die Fleinwin

ührte ihn ein.
„Ingeborgl!“ sagte der hohe, schlanke Mann mit den
angen, hellen Locken nach einer kleinen Pause, „so sehen
dir uns wieder!“ — und er drückte die feine, wachsbleiche
zand ehrfurchtsvoll an seine Lippen und deutete mit den
Augen auf das düstere Gewand der Trauer. das die
lasse Frau umhüllte.
„So lange ich lebe, werde ich das Witwenkleid tra⸗
jen“, antwortete sie kaum hörbar; „seit vier Jahren trage
ch es. Aber heute zum erstenmal seit jener düstern Zeit
»es Grams und der Verzweiflung, die meine Seele um⸗
ing, fällt ein Strahl himmlischen Lichts und reiner
Freude in die Nacht meiner Seele, und der kommt mir
‚on Ihnen! Dank, o Dank Ihnen, Berthell, daß ich Sie so
iennen darf, ja, daß Sie selbst mir dieses Recht gegeben,
»as ist Freude, das ist Glück für mich, die ich doch allen
Ansprüchen auf Glück entsagt zu haben glaubte. — Aber
un kommen Sie, ich muß Sie meinen Gästen zuführen,
„e vor Verlangen brennen, dem Etatsrat Thorwaldsen
hre Glückwünsche zu Füßen zu legen.“
Thorwa'dsen reichte ihr schweigend seinen Arm und ste
raten in die glänzenden Gesellschaftszimmer ein, welche
eute zum erstenmale seit dem Tode des Grasen, den Be—⸗
annten und Freunden der Witwe mieder geöffnet worden
naren.
Als die Spieltische arrangiert, der ältere Teil der Ge⸗
ellschaft daran plaziert ward und der jüngere Teil der—
elben sich an Musik, Gesang und den gesellizen Spielen
rgötzte, die für die Jugend so anziehend sad, war es
»öllig Abend geworden. In dem großen, geschmadvollen
Harten, der hinter dem Hause lag, brannten unzählige
bechpfannen und bune Lampen, welche zwischen den ho—
sen, dunklen Bäumen ein zauberisches Licht verbreiteten.
Aus dem langen, finstern Gange, welcher vom Hof—
or aus in den Garten führte, traten zwei Gestalten her—
‚or; ein hohed, schlanker Mann im langen, weiten Man—
el und eine Dame im schweren, jchleppenden Trauerge—
vane. Sie gigen langsam Arm in Arm, erst zu dem
deiche rechter Hand, in welchem Gold- und Silberfische
inst dem Knaben Berthel so lieblich gedeucht, dann zu
en, zerstreut zwischen Beeten blühender Blumen liegenden
dasenplätzen, auf denen die schönen weißen Menschen von
ztein standen, gerade so wie damals. als sie dem Kinde
hi⸗et echt4 horeitet Rafto—

er eingewirtt werden, damit der Widerspruch gegen den
rlaß der oberpolizeilichen Vorschriften aufhöre; denn der
egierungserlaß könne nur dann Erfolg versprechen, wenn
tvom Willen des Landes getragen werde. Im übriger
»ürde dahin gestrebt werden, daß vom deutschen Reichs
age Mittel bewilligt werden, um das biologische St
ium der Rebschädlinge auf allen wissenschaftlichen Inst—
iten einzuführen. Bezirksamtmann Juncker schloß hierau
ie nahezu vierstündige, äußerst bewegt, aber ergebnislos
erlausene Versammlung. — Es ist in der Tat unver—
tändlich, weshalb diese Winzerversammlung, wenn sie
iberhaupt einen Zweck haben sollte, von den maßgeben—
en Stellen nicht vor, sondern nach dem Erlasse der Re—
sierungsverfügung einberufen wurde.
Lorch a. Rh., 3. Nov. Wie weit es niut unfserem
rüher lebensfähigen und lebenskräftigen Winzerstand ge—
ommen ist, beweist wohl am sichersten ein Beschluß der
iesigen Stadtvwerordnetenversammlung, der Bürgermeister
iöge beim Kreisausschuß den Antrag stellen, daß dieser
arauf h'nwirke, daß die Staatsregierung den Winter hin—
urch Notstandsarbeiten vornehmen läßt. Man hofft, daß
urch Bereitstellung von Mitteln für diesen Zweck wenig—
ens d'e dringendste Not gelindert werden kann. Die Ge—
teinden sind allerdirgs nicht in der Lage, neue Lasten
bernehmen zu können, da ihre Steuerkraft bei der schwe—
en Not der Winzer zu sehr geschwächt ist. Vielleicht
önnte als Notstandsarbeit der Ausbau der Rheinufer—
raße vorgenommen werden.
Hochheim, 3. Nov. Auch hier hat die Weinlese ein
ußerordentlich ungünstiges Ergebnis gehabt: in manchen
Veinbergen hat es sich kaum der Mühe gelahnt, lesen zu
assen. Auch die Sektindustrie hat unter der schlech“en
Veinernte zu leiden.
—
Aus aller Welt
Massenkundgebungen gegen den Zaren. Anläß—
ich des Besuches des Kaisers von Rußland in Berlin
verden große Demonstrationen geplant. Der sozialdemo—
catische Wahlverein für Spandau und Poisdam gibt be—
annt, daß durch Massensundgebungen gegen die Anwesen—
eit des „russischen Blutzaren“ protestiert werden soll. In
5pandau und Potsdam werden Versammlungen stattfin—
den, in denen Rosa Luremburg und Abg. Adolf
offmann sprechen.
Der erste Schnee. In den bayerischen Voralpen bis
lef in die Hochebene hinein sind gewaltige Schneemassen
iedergegangen
Schneefall. Aus allen Teilen Steiermark und der
zalzburger Alpen werden starke Schneefälle mit sinkenden
emperatur gemeldet.
Eisenbahner-Anschläge. Aus Reims wird berich
et: Im Bahnhofe von Eperny ist ein böswilliger Am
hlag verübt worden, indem eine Weiche in böswillige
lbsicht unbrauchbar gemacht wurde, sodaß eine Lokomo
ive, die die Stelle passierte, entgleiste. Die Hauptlini—
var infolgedessen vier Stunden gesperrt und sämtlich⸗
züge erlitten große Verspätungen.
Die Affäre Crippen. Am Mittwoch ist Miß L
deve, die der Mitschuld angeklagt gewesene Geliebte Dr
zrippens zum ersten Male nach der Verhaftung der bei—
en mit Crippen zusammengetroffen. Das Gespräch drehte
ich hauptsächlich darum, was aus dem Nachlaß werden
oll, wenn Crippen hingerichtet werden würde.
Aus der Armee ausgestoßen. Leutnant Sutor is
us der englischen Armee ausgestoßen worden, „da Seine
Najestät keine weitere Verwendung für seine Dienste hat“,
vie es in der königlichen Order heißt. Er wurde aus der
hzaft entlassen. Leutnant Sutor hat bekanntlich an der
uglischen Armee in Broschüren und Zeitunasartikeln seh
harfe Kritik Jeüh

Zum Kaffernstrrit ia sa'ritka. Bu cCrre;
celdung aus Lüderitzoucht woöonach der dortige engltjsehe
onsul nach dem Schauptaß der Kaffernunruhen in der
ges Gebiet abgereist ist, wid an maßgebenden Berline
telle erklärt, daß man gegen diese Reise nicht nur nichts
nzuwenden habe, sondern im Gegenteil vo lständig damit
nverstanden sei, denn abgesehen davon, daß es das
ute Recht des Konsuls sei, sich von dem Stand der Dinge
ersönlich zu überzeugen, würde nun endgültig festgestellt
»erden können, daß die deutschen Truppen sich bei dem
ztreik und den Gewalttaten der Kaffern durchaus korrelt
nd tadellos aufgeführt haben.
Verkäuferinnen mit Muhen. An vrrschieden
gersiner Geschäflen mit Süßigke sen u honsmittenn
ie Auordnung getroffen worden, daß de Verkäuferinn
hre Haare mit Mützen zu bedecken h hen. Es liegt
er Natur der Sache, daß die Verküuferinnen häufig ih
daar ordnen müssen, das durch das Herumhantieren un
zücken leicht in Unordnung gerät. Damit nun vermien—
vird, daß Eßwaren mit Fingern angesaßt werden, v.
twa eben noch im Haar herumgewühlt haben, schaffter
zie betreffenden Firmen für ihte Verkäuferinnen weiß
»der dun'elblaute Mützen an, die sehr kleisdsam sind. —
sFine nur zu begrüßende Neuerung, welche, falls sie sich
onst praktisch bewährt, zur Nachahmung nur zu empfen
en ist

Wie damals der rote Abendhimmel über den Kindern
lag und alles mit glühender Röte übergoß, so glühte
setzt das rote Licht der Pechpfannen und Lampions durch
die Dämmerhelle des lauen Sommerabends und übergok
die weißen Gebilde von Stein mit rötlichem Glanze.
Der hohe schlanke Mann stand plötzlich still, überwäl—
igt von diesem Anblick, der ihn so unabweisbar an jenen
einen Abend seiner Kindheit mahnte, welchen er nimmer
zeressen hatte in der Arbeit und den Triumphen seines
eichen Künstlerlebens. Er faßte die Hand seiner Begles
erin, deren feines, bleiches Gesicht wie rosig angehaucht
chien und blichte sie lange, lange fest an. „Ingeborg“,
agte er, und seine hellen, blauen Augen leuchteten von
öttlicher Begeisterung. „Dank, o Dank Ihnen! Sie zau—
dern mich, wie ein Märchen, wieder in meine Kindheit
urückh, in jenem unvergeßlichen einen Abend, dessen not—⸗
dendige Folge die Entwichllung meines ganzen späteren
debens war. Jenes Wort des Knaben: „Wenn ich groß
iin, will ich auch solch' schöne, weiße Menschen von
ztein machen!“ isi ein prophetisches gewesen; fortan dachte
ch nichts mehr und sah ich nichts mehr, als jene wunder⸗
aren Gebilde von Stein und im wirren Durcheinander
aukelten vor meinem innern Auge fabelhafte Formen und
hestalten, die ich später gebildet umd neredelt „m Mormor
neißeln sollte.
) Jener eine Abend hat in die Seele des Knaben ein
mausloöschliches Bild gegraben, gleich wie mit Flammen⸗
chrift; hat den göttlichen Funken geweckt, welcher sonst
ielleicht ewig in mir geschlummert hätte, ohne zur Er—
enntnis seines Daseins zu kommen; jene eine Stunde
vard die Geburtsstunde des unsterblichen Genius, welchen
ie Menschen Kunst nennen. Und diese Erkenntnis danke
ch wiederum Ihnen — ja, lassen Sie mich es sagen
anke ich Dir, Ingeborgl Div, alles Schöne und Herrwiche,
 was ein Menschenleben schmückt, Dir allen Ruhm,
velcher mein Haupt umgibt, jede heilige Stunde der Er⸗
ebung und der unmittelbaren Nähe der Gottheit, die ich
uühle, wenn der Geist in mir nach Schaffen ringt.
Alles dank' ich Dir, Ingeborgl Du bist der Engel
neines Lebens gewesen und daß das Geschick mich Dir zu⸗
jeführt, das hat mich den Segen einer liebenden Vater-—
and erblicken lassenl“
Tin TiAMfer Rumkon ünzfte Im Nune Mä Meiffers ein

„rhuroigen Sie, mein Name ist Hase.“ Uebe
inen blinden Passagier im Parsevalballon meiden die
L. N. N.“ Als am Donnerstag Nachmittag das Luf
Hiff „P. 6“ eine Passagierfahrt ausführte, an der 25 Per
onen teilnahmen, und man bereits in etwa 100 Mete
döhe gelangt war, bemerlklte der Führer, Oberleumant a
d. Stelling. daß sich die Leinwand, die über den Ben
intank gespannt ist, auffällig hin und her bewegte. Eh
nan noch die Ursache des merkwürdigen Vorganges fesi
tellen konnte, kroch plötzlich ein Mann mit einer blauct
Zchürze hinter dem Benzinbehälter vor und stell'e sich den
Führer des Lufischisfses mit den Worten vor: „Entschuldi
gjen Sie man, mein Name is Hase! Nehmen Sie de
iicht weiter iebel! Aber rausschmeißen kennen Sie mi
uu nich mehr!“ Der Führer des „P. 6“* war derselbe
Unsicht wie Hase, der nun die Fahrt zusammen mit de
ibrigen Passagieren bis zu Ende genoß. Allerdings e
vas billiger. Nach der Landung wurde festgestellt, da
dase ein Arbeiter ist, der gelegentlich auf dem Flugplat
eschäftigt war. Die Sehnsucht, einmal eine Ballonfahr
nitzumachen, hatte ihn dazu geirieben, sich in die Gon
el einzuschnuggeln.
Eine Maus in der Flaäsche. Eine heitere Spur
jeschichte wird in einem Hochwalddorfe erzählt. Groß—
lufregung herrschte in der Famisie A. Nachts ließ sich i
inem Zimmer des Oberstocks stets ein Geräusch hören
ils ob auf dem Boden gekegelt würde. Das Geräusch
viederholte sich in regelmäßiger Reihenfolge. Der Besitze
»es Hauses ging, von seinem Sohne begleitet, die Trepp
zjinauf nach dem geheimnisvollen Zimmer. Auf de
Treppe hörten sie noch das Geräusch, doch in das Zim
ner eingetreten, war der Spuk verstummt, und sie konn
en auch gar nichts Auffälliges bemerken. Kaum abe
jatten die Männer das Zimmer verd'assen, und ihren Pla—
im Familientisch wieder eingenommen, als der alte Spu
»on neuem sein Wesen trieb. Nach langer vergebli
her Mühe fand man eine auf dem Boden liegende Wein
slasche, in welche eine Maus gekrochen war. Sie hatte sich
in den Zuckererbsen, welche von der Hausfrau in die
Flasche gefüllt worden und schließlich der Vergessenheit an
jeimgefallen waren, so gütlich getan, daß sie durch der
ngen Hals der Flasche nicht wieder zurückkonnte Keinen
Ausweg findend, sprang die Maus nun in der Flasche
imher und brachte somit dieselbe ins Rollen Die Ge
chichte erregt große Heiterkeit im ganzen Dorfe und wirr
umer wieder erzähblt

Gerichtszeitung.
Prozeßz Bruhn.
Bei der Fortsetzung der Verhandlung erregte der Fal
frael besonderes Interesse. Er setzt ein mit den
ahre 1904 und spielt noch in die Zet hinein, in der der
ungellagte Wilhelm Bruhn bei der Staatsbürgerzeitung
itig war. Der Vorsitzende verlas eine No iz aus der
ztaatsbürgerzeitung, die das Haus Ifrael empfiehlt. Dies—
dotiz ist eine sogenannte Reklamenotiz und befindet sich
die der Vorsitzende fesiste lte, unmi tesbar hinter dem re—
aktionellen Teil, gleich henter den lokalen Nachrichten
die Notiz ist Ende 1904 erschienen und der Angeklagte
Lilhelm Bruhn betonte wiederhol‘, daß er damas von
en Verfehlungen Israels noch keine Kenntnis hatte. Vors.
z8 mußte doch aber damals schon etwas durchgesicker
ein. Ihr Geschäftispersonal hat bekundet, daß es von der
Angriffen gegen Israel Kenntnis hatte, und wenn Ih—
geschästspersonal das wußte, dann mußten Sie es dod
uuch wissen. Während nun der Angeklagte behauptet, dar
s ganz unmöglich sei, daß Israel diese Reklamenoti—
mfgegeben habe, damit das gegen ihn wegen 8 17*
orliegende Material nicht in d'e Staatsbürger-Zeitung
selange und während der Angeklagte erst ein Jahr spä
er von den Verfehlungen Ifsraels Kenntnis erhalten ha
en will, steht der als Zeuge geladene ehemalige Ge
häftsführer Nowarrer des Hauses Israel auf dem
5tandpunkte, daß die Notiz der Staatsbürger-Zeitung ge
seben worden sei, um die Veröffentlichung des Materials
segen Israel zu verhindern. Die ganzen Verhandlungen
er Firma Israel mit der Staatsbürger-Zeitung seien 31
iesem Zweck geführt worden, und die Staatsbürger-Zei
uing habe den Auftrag bekommen, im redaktionellen Tei
ee Reklamenotiz aufzunehmen, für die pro Zeile 5 M
jezahlt wurden. Der Vorsitzende hält dem Zeugen No
»arrer vor, daß man aus seinen Aussagen in der Vor
intersuchung die mit apodiktischer Gewißheit abgegeben«
Behauptung entnehmen könne, daß er sich erpreßt gefüh“
sabe. während er heute auf dem gegenteiligen Standpunkt
lehe. Der Zeuge erwidert darauf daß er sich nicht
reßt gefühlt habe

— —
Arbeiterbewegung.
— Metallarbeiter-Ausstand. Aus Madrid wird
herichtet Der Metallarbeiter-Ausstand in Ferrol nimmt
mmer größere Ausdehnung an. Die Direktion des Arse—
ials teilt mit, daß sie sich verpflichtet fühle, 500 Arbeiter
zu entlassen. Infsolge dieser Mafnahme hat unter den
Ausständigen eine lebhafte Agitatien eingesetzt. Die dort
befindlichen Truppen sind durch Ziv'lgardisten verstärkt
vorden. Ebenso sind mehrere Eskadronen Kavallerie aus
Jorunng eindetrossen uUm 8i rheitswissigen zu schüken

——
ostuicher Vramant. Es war eine Brane des reinsen ent⸗
ückens, ein heiliger Tau des Himmels. Auch Ingeborgs
lasse Wangen waren von Tränen überflutet, aber es wa—
en süße Tränen der Freude. Wie dunkel auch ihr Ge—
chick gewesen, das ihr den geliebten Gatten in der Blüte
er Jahre entrissen — dieser Moment tilgte alle Schatten
ines jahrelangen Grams aus der Seele eines Weibes
ind aus zwei reinen Menschenherzen stieg ein herrlicher
Lobgesang auf aum tiefidunklen. sternenfumkelnden N acht⸗
immel.
Die Stunden verrannen, die Gäste der Gräfin 8.
aßen an den reichbeladenen Tafeln, der kostbae Wein
erlte in den kristallenen Gläsern. Oben an der Tafel
aß der gefeierte Gast in der Heimat, der Professor der
lkademie der schönen Künste von St. Luca, der Rittet
om Dannebrog, der Etatsrat Thorwaldsen. Alle Augen
afteten auf ihm mit unverkennbarer Bewunderung und
gzerechtem Stolze, seine Wangen glühten, seine blauen
lugen leuchteten. Auch die Gräfin Ingeborg sah trotz
hrer tiefen Trauerkleidung seltsam verändert aus; ein wun⸗
erbarer Ausdruck von Gehobenheit, Jast von Begeisterung
länzte auf ihrer edlen, hohen Stirne; die Gäste blicktten
ie staunend an, sie wußten ja auch nicht, welch sfüken
Trost fortan ihre Seele barg.
Und der Champagner schäumte und perlte, die Gläser
langen aneinander, ein lauter Hörnertusch begleitete den
zegeifterten Toast und „es lebe Thorwaldsenl“ erscholl es
hie aus einem Munde. „Gott segne Berthel Thor
oaldsen!“ flüsterte die Gräfin Ingeborg so leise, daß nur
der edle Meister es hörte. Ein dankender Blich seiner
eo GI A— soto ihr Ste sie perften don a

——m — — mm——“— — ——qę——Q üöüüA——O0— ———— —
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JI Aus der guen — WV.
— 3 4 — —
V,A D alten Zeit.
Eimst führte ein Bauer dem Gerichtsamtmann einen
Vagen aus dem Walde und forderte dafür einen Taler
Hdas war dem Amtmann zu viel. Da meinte der Bauet
Sie lassen sich ja auch fuͤr ein Urteil einen Taler bezah—
en und haben keine Mühe dabei.“ — ‚Ja, mein Freund“,
ief dieser, „das ist auch Kopfarbeit“, da versetzte der
zauer, „meine Ochsen haben das Holz auch mit dem
danfe umh nicht mit dem Schwanao 4 αα
            
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