Nr. 253.
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Postschließzfach Nx. 14.
23. Jahrgang.
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vbei der Post bestellt 22 vlerteljaͤhrlich. Fernsprech⸗ Auschluß Saarbrũcten Ne. Oo, 20, 2680 3. 1231. Redaktion, Deuca uno veriag von J Aurernener⸗Vudweller. Bel Jahres⸗ AWonnement dochster Kabaki
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gechsel, in dessen Verlauf beide Abgeordnete hand ge
ve'in wurden. Nachdem Adatonowitsch seinem Gegner
inen Schlag ins Gesicht versetzt hatte, stürzte sich dieser
uf Agatonowitsch und warf ihn auf dem Podium der
Zräsidententribüne nieder. Durch das Eingreifen der uüb
igen Abgeordneten wurde der bedauerlichen Szene, die
ur Unterbrechung der Sitzung geführt hatte, ein Ende ge—
nach
UA—IIII11— — —
Der Zar in Berlin.
Die unverkennoar poriitiche Bedeurmng der bevorste
enden Zu ammeniunfi des ruissischen Heerschers mit ai
rx Wilhelm wird am besien charalterisiert durch die Tau
iche, daß die Presse des Auslands gefissentlich bemüt
der Monarchenbegegnung de besondere poritische Be
eutung abzusprechen. Da wird einmal über das ander
egend einem Verireter der englischen oder französischen
zresse von der bekannten „hochstehenden Berfönichteit“ aus
er unmittelbaren Umgebung des Zaren e ssichert, dar
aich nach der Berliner Ensrevue „alles beim Alten“ ble be
dieser Versicherung bedarf es eigentlich nicht, denn in
ernste hat niemand geglaubt, daß durch die Becçegnung
a Potsdam an der gegenwärtig bestehenden Koa.itton
»er Maächte irgend etwas geändert werde. Den Englän—
ern und Franzosen bleibt ihre Triple-Entente natürlich
nmvollenn Umfange erhalten, aber es ist doch gut,
»enn gerade im gegenwaͤrtigen Moment, wo die Dinge
uPerfien und der Stimmungsumschwung in der Türkei
ine gewisse Verschärsung am politischen Horizont anzei—
en, der Zarenbesuch in Berlin deutlich zum Ausdrucke
ringt, daß man in Rußland besonderen Wert legt auf
ie Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu Deutschland.
duzland ist das tonangebende G.eied in der russisch-fran—
ösifch-englischen Entente, ebenso wie Deutschland der maß—
ebende Faltor im Dreibundkonzern ist. Die Dinge lagen
aletzter Zeit so, daß ein gewisser Gegensatz zwischen der
zniente und dem Dreibund hätte konstruiert werden kön—
en. Das Scheitern der türkischen Unle heverhandlungen
u Frankreich und die Verminderung des französisch-eng—
ischen Einflusses am Goldenen Horn einerseits, die darnit
and in Hand gehenden Sympathieerklärungen für Deuisch—
and und der äußerlich zwar nicht in Erscheinung gerre—
ene, aber doch unverkennbar vorhandene Widerstreit zwi⸗
chen Deutschland und England in der persischen Frage
ndererseits, das alles hat die Fronistellung der veiden
stächtegruppen entschieden verschärft. Der Zar spielt mit
nem Besuch am deutschen Kaiserhof gewissermaßen eine
ermittelnde Rolle, er ist das gegebene Bindeglied zwi—
hen den beiden Mächtegruppen, und somit ist die jetzige
onarchenentrevue mehr noch als die früheren Begeg—
ungen dieser Art als ein ausgesprochenes Symptom des
Lillens zum Frieden, des Willens zur Erhaltung der
egenwärtig bestehenden volitischen Machtverhältnise an—
usehen.
Vor allem muß benierkt werden, daß die bevor—
ehende Monarchenzusammenkunft durch die ganze Art,
die sie inszeniert worden ist, von vornherein über die
zedeutung eines leeren Höflichkeitsakkes hinausgeht. Der
zar macht den Besuch beim Kaiser nicht auf seiner Heim—
eise nach Rußland, — in diesem Falle würde es sich
im kaum mehr gehandelt haben, als um die Erledigungç
iner mehr konventionellen Pflicht — sondern er lommi
gens aus dem Hessenlande nach Berlin und empfängt
ann für sich und die Zarin den offiziellen Gegenbesuch
es deutschen Kaisers in Schloß Wolfsgarten. Das ist ein
ußerlich wenig in die Augen fallender Un erschied, aber
e diplomatische Welt weiß diesen Unterschied zu werten,
ad in Paris und London wird man den Zarenbesuch
uch unter diesem besonderen Gesichtswinkel betrachten.
imso mehr, als diesmal erst ein Jahr seit der letzten
zusammenkunst zwischen Kaiser und Zar verflossen ist.
zim Juni vorigen Jahres trafen sich beide Monarchen in
en Finnischen Gewässern, bevor der Zar seine vielbe—
ierkte Reise nach England und Frankreich antrat. So,
bie er damals auffällig vor aller Welt betonen wollte,
aß die Beziehungen Rußlands zu Frankreich und Eng—
and nichts an dem alten Verhältnis zu der deutschen Po—
itik ändern sollten, rückt er auch jetzt wieder das Gefühl
er persoönlichen Freundschast für den deutschen Kasser ir
en Vordergrund und sucht dadurch alle unter der Ober
äche bestehenden oder künstlich konstruierten Gegensätzlich
riten zwischen der Triple-Entente und dem Dreibund aus
ugleichen. Genau wie bei den früheren Begegnungen bei
er Monarchen — 1907 in Swinemünde, 1905 in der
zchären Finlands, 1903 in Wiesbaden — zeigt sich auch
sjer. dak das versönsichhe Gefübhl der beiden Sorrschas
die Volksströmungen in ihren vVändern hinweggeht und
ꝛrade dadurch der Sache des Friedens dient. In den
issischjapanischen Kriege war die Sympathie des deut
hen Volkes bekanntlich durchaus auf Seiten der Japa
er, und doch war die letzte Begegnung, die der Zar sei
en Ausbruch des Krieges mit einem fremden Monarcher
atte, die mit dem deutschen Kaiser. Und ebenso hat di
idenschaftlich erregte Parteinahme, die weite deutsche
olkskreise für die russische Revolution an den Tagç
gten, nichts an den persönlichen Beziehungen zwischer
ꝛiden Herrschern zu ändern vermocht.
Und noch ein weiteres Moment kommt hinzu, das de
etzigen Begegnung eine erhöhte politische Bedeutung ver
ꝛiht: als Vertreter der auswärtigen Angelegenheiten be
indet sich an der Seite des Zaren nicht mehr Herr Is
»olsli, sondern ein neuer Mann der russischen Staats—
unst, Herr Ssasonoff. Iswolski war ein ausgesprochenen
zegner einer deutschfreundlichen Politik, und seine Feind
haft gegen den österreichischen Außenminister von Aehren
zal bildete die geheime Triebfeder all seiner Handlungen.
ein Nachfolger ist eine weniger prononcierte Natur. und,
jenn auch selbstverständlich von ihm nicht zu erwarten ist,
aß er die russische Politik in neue Bahnen lenkt, so is'
8 doch besonders für das Verhältnis Rußlands zu dem
ins so nahestehenden Wiener Hofe von nicht zu unter
chätzender Bedeutung, daß Herr Iswolstki ouf einen an
eren Posten gerückt und das Duellantentum zwischen ihn
ind von Aehrenthai aus der auswärtigen Politik ausge
chaltet ist. Bekanntlich hat der neue russische Außenmini
er auf seiner Reise nach Darmstadt in Verlin Aufenthal
enommen und hier die offizielle Bekanntschaft des Reichs
inzlers und des Staatssekretärs des Aeußern gemacht
)aß die erste Auslandsreise des Ministers Ssasanoff ge
zissernaßen Berlin galt, hat außerordentlich ange—
ehm berührt und gilt als ein weiteres günstiges Vorzei—
jen für den befriedigenden Verlauf des Zarenbesuchs
daß man diesem Besuch in Deutschland mit keinen beson—
eren Erwartungen entgegensieht. im Ausland deshalhb aher
nich keinen Anlaß hat zu irgend welchen Befürchtunger
»der Gefühlen des Mißtrauens, ist das Charakteristische
ind zugleich Erfreulichste dieser nenesten Monarchenbegeg
rung.
ält der zweite Satz des Absatzes 2 folgenden Wortlaut:
Lehnt die Staatsanwalischaft einen Antcag des Verdäch—
igen auf Erhebung von Entlastungsbeweisen ab, so ha
e den Antragstel!ler vor der Stellung des Antrages au
zröffnung des Hauptversahrens unter Angabe der Gründe
u bescheiden.“ Ein weiterer Zusatz zu diesem Paragra
hen lautet: „Befinden sich Beamte der Staatsanwalt—
chaft in einem der in 8 15, Ziffer 1 bis 3, bezeichneten
zerhältnisse, so sollen sie unverzüg ich bei dem Vorgeßeß
en eine Enthebung von der Behandlung des Falles nach
uchen und bis zur Entscheidung des Vorgesetzten nur so!
he Untersuchungshandlungen vornehmen, die keinen Auf
‚schub gestatten“ Zu 8 180 wird ein s 1810 angenom
nen: „Jit bei einem von der Staatsanwaltschaft angestell
en Ermittelungsverfahren die Verpflichtung der Staats
asse zur Entschäd'gung des Beschuldigten für erlittene Un—
ersuchungshaft festgestellt worden, so karn die Eröfsnung
iner Untersuchung nur auf Grund neuer Tatsachen oder
Zeweismit‘el beautragt werden.“ In 8 182 wird die Fas—
ung der Regierungsvorlage dahin wieder hergestellt, daß
zie Staatsanwaltschaft die Voruntersuchung, abgesehen von
den Sachen, die vor dem Reichsgericht oder den Schwur—
gerichten zu verhandeln sind, auch für die Sachen, die vor
den Landgerichten zu behandeln sind, zu beantragen hat,
oweit sie zur weiteren Aufklärung erforderlich ist.
*Am 9. November beginnen die Moabiter Krawall—
zrozesse. Wie das „Berliner Tageblatt“ behauptet, hat
ie Staatsanwaltschaft den sämtlichen Angeklagtien einen
rgänzenden Schriftsatz zu dem ursprünglichen Anklagealt
ugehen lassen, durch den er ein politisches Gepräge er—
ält. Es wird in diesem Nachtrag die These aufgestellt,
aß die Moabiter Krawalle von der sozialdemokratischen
zartei organisiert worden seien. Der Beweis für diese
Auffassung wird u. a. darin gesehen, daß in Moabit die
elben Rufe gehört wurden, wie bei den von der sozial—
emolratischen Partei veranstasteten Wah'rechtsmanisesta—
ionen. Ferner wird auf einen Artikel des „Vorwärts“
erwiesen, in dem es hieß, daß die Polizei sich an di
ozialdemokratische Parteileitung hätte wenden sollen, und
aß dann die Ruhe schnelles als durch Säbelattacken wie
er hergestellt worden wäre. Die Verteidiger beabsichti
zen gegen die Behauptung, daß die Partei bei den Moa
ziter Krawallen die Hand im Spiel gehabt, einen um—
angreichen Gegenbeweis zu führen.
*Nach Beschluß der nationalliberalen Zentrallei
tung gehen bei der Reichsstagswahl Bielfeld-Wie—,
denbrück die Nationalliberalen mit den Konservativer
gemeinsam vor, während in Halle-Herford die Kon
rugfiven den nationalliberalen Sandidaten unterstützen.
Türkei.
In der zweiten Besprechung zwischen dem Finan z⸗
ninister und Geheimrat Helffeesch wurde als
—
bination eines kurzfristigen Vorschusses mit einer
Anleihe festgestellt. Es wird gegenwärtig an der Re—
daktion des Finaͤnzvertrags gearbeitet. Wohlinformierte
Kreise versichern, daß in kurzer Zeit der desinitive Ab—
chluß zu erwarten stebt⸗
Bulgarien.
mDie Sobrannje begann die Adreßdebatte. In der⸗
elben dürfte die ußere Politit der Regierung den
)reitesten Raum einnehmen. Der erste Redner Stam⸗
olijski von der Bauerapartei empfiehlt zur Sanie—
ung der komprometlietten auswärtigen Beziehungen des
Landes die Besei igung des überwicgenden Einslusses des
Tönigs auf die auswärtige Poitik und die Anlehn—
ing Bulgariens an de Tripelentente, sowie die
nnäherurg an die Türkei, dagegen durchaus kein
zündnis mit Griechen and, Serbien oder Montenegro. Der
zprecher der Radoslawesten, der frühere Minister Pe⸗
che, erklärt dagegen, daß mit der Türkei keine Freund—
chaft möglich sei, denn die loyale Halung Bulgariens
egenüber dem nenen Regime im Nachbarreiche sei ohne
ẽrwiderung geblietken 1nd habe vol standig Schiffbruch
jelitsen; deswegen wäre es auch die Pllicht der Regie—
ung gewesen, durch ihren Rücktritt einer anderen Regie—
ung die Möglichkeit zu aeben, gegenüber der Türkei eine
indere Politik anzuschlagen und Bulgarien aus seiner
solierten internationasen Lage zu befreien,
Versien.
* Die Verhältnisse in Persien spitzen sich immer mehr
ind mehr zu und es scheint, daß die inneren Wirren des
chönen Landes den neuen Machthabern in Teheran eines
Zages und vielleicht sogar ba'sd über den Kopf wachsen
verden. Dem Leser, der die letzten Nachrichten aus dem
stosenlande aufmertsam verfolgt, wird sich zweifellos die
Anficht aufgedrängt haben daß die Selbständig⸗
eit des persischen Reiches mehr und mehr von seinen
cussischen und englischen Nachbarn bedrängt wird, und
vohl bald ihr Leben enden wird. Persien, wel⸗
hes bereits seit jeher, besonders aber in den letzten fünf
Fahren der Schauplatz lebhafter Umwälzungen gewesen,
sat neben der ewigen inneren Krise bekanntlich auch viel—
ach äußere Schwierigkeiten gehabt, neben den vielen
Ztreitigkelten mit den kurdischen Stämmen an der türki—
chen Grenze auch die nur widerstrebend geduldete Besetz
ing der fruchtbaren Provinz Aserbeidschan durch die Ruf—⸗
en, sowie die Ausbreitung des englischen Einflusses im
züden des Landes am persischen Golf. Der am 31. Ok—
ober 1907 geschlossene Vertrag mit England ist für die
entwicklung Persiens von einschneidender Wirkung gewe—
en. In diesem Vertrag waren bekanntlich vollkommene
Abgrenzungen der beiderseitigen Interessensphären vorge—
tommen, sowie auch die Integrität und Unabhängigkeit
zersiens garantiert werden, allerdings vorbehaltlich et—
vaiger Vereinbarungen über eine Kontrolle der persischen
zinanzen. Die britische Interessensphäre umfaßt den süd—
iftlichen Teil Persiens, dessen Küstengebiet am persischen
dolf, die russische Interessensphäre geht von der Nordrenze
des persischen Reiches bis aur Linie Zullfikar—
Jasd — JSpahan — Rahak
— —
Volitische Rundschan.
deutsches Reich.
mᷣAm Tage, an dem der Kronprinz seine Reise
iach Ostafien angetreten hat, regt d'e „Dgl. Rund—
hau“ eine Ausdehnung des Programms an und
hreibt: Die Rücksahrt, über deren Wezg noch keine end—
ül:ige Bestimmung getroffen ist, könnte Sen großen in—
ormatorischen Wert dieser Reise um ein ganz Bevbdeuten—
es erhöhen, indem sie zu einer Insormation des Kron—
rinzen über unsere eigenen deutschen Kolonien, deren Ver—
ältnisse. Möglichlerten und Bedürfnisse ausgenust würde.
z s hieß ja und ist wohl noch möglich, daß der Kron
rinz nach dem Besuch des fernen Ostens über Amerika
urückkonimen werde. Dabei künnte er auch manches ge—
oinnen. Dem Weg über Ameri?a scheint aber bis jec!
ie Rückfahrt durch Sibirien vorgezegen zu werden, auf
er kaum etwas zu sehen ist. Da drängt sich denn di
jtrage auf: Wie wäre es mit einer Rückfahrt abermals
ur See, aber auf neuem Weg? Die Fahrt um Afrika
vürde Gelegenheit geben, nacheinander unsere dortigen Ko—
onien dem Kronprenzen zu zeigen oder wenigstens die
vichtigsten und lehrreichsten, Deutsch-Ostaofrika und Süd
west. Jedensfalls ist das ein Gedanke, der einste Berüd—
ichtigung verdient. Zur Tat geworden würde er den Wer
dieser Weltresse sehr steigern.
* Die Justizkommission des Reichstags setzte die Be—
atung der Strafprozeßuovelle bei 5 156 fort. Dieser
vie der 8 157 blieben sachlich unverändert. In 8 159,
»er die eventuelle Beschlagnahme des Vermögens eines
lbwesenden behandelt, wird in Absatz 1 hinzugesügt: „Die
zollziehung der Beschlagnahme foll unterbleiben, wenn der
zeschuldigte oder ein Dritter genügende Sicherheit leistet
cuf die Sicherheitsleistung sjinden die Bestimmungen des
118 Mhiĩ. 1 entinrechendoe Anmondung AIn S8S 162 0r
Frankreich.
* Der Präsident der Republik, Fallieres, empfing am
Nittwoch zunächst den Präsidenten des Senats, Herrn Du—
sost und dann den Präsidenten der Kammer, Herrn Bris—
on. Unmittelbar darauf wurde Briand nach dem Ely—
ee berufen und erhielt den Auftrag, die Bil dung des
dabinetts zu übernehmen, den er unter der Vor—
ussetzung annahm, daß seine Schritte Erfolg haben wer—
»en. Er begab sich darauf sofort nach der Kammer und
iach dem Senat, wo er mit mehreren PVersonen Besprech
ngen hatte.
* Mehreren Nachrichten zufolge wurde nachstehende Mi
tisterliste als wahrscheinlich angesehen: Präsidium und
Inneres Briand, Justiz Monis, Aeußeres Pichon,
zinanzen Klhostz, Unterricht Ra y naud, Oeffentliche Ar—
eiten Millerand, Krieg General Brun, Marine
Admiral Boue de Lapeyrere, Handel Jean Du—
u y, Ackerbau Laferre, Kolonien Moulens, Ar—⸗
»eit und soziale Fürsorge Pusech. Ein Mitglied des
ünftigen Kabinetts erklärte einem Redakteur des „Echo
de Paris“, das Ministerium werde eine radikale Färb—
ing, jedoch ein ausgesprochen antirevolutionäres Proaramm
aben.
Eduard von Simson.
Ant 10. Nobvember jährt sich zum 100. Male der
X0
Frankfurter Nationalversammlung und späterer erster Prä—
ident des Reichsgerichtes das Licht der Welt erblickte
main Ghnard non Simfon aweifellos einer der beiter
Serbien.
*s In der letzten Sitzung der Skupschtina kam es zwi—
chen dem Altradikalen Dragowitsch und dem Na—
nretrMatoeno rrzch zu einem scharfen Wor
ßerihel oder die drei Begegnungen.
Sraähluna von Max Dost.
Nachdruck verboten.
Ueberwältigt von dem unverhofften Genuß, der ihr
uteil geworden, ermattet von der Aufregung, die steis
rit tiefgefühlter Bewunderung der Kunst verbunden ist,
hnte sich Ingeborg endlich heim in die trauliche Stille
hres Gemaches. —E —— zr
„Sehen wir uns noch wieder, Ingeborg?“ hatte der
unge Künstler leise gefragt, als er beim Abschied einen
ingen Kuß auf die schöne Hand drückte, die sie ihm ge—
eicht. Ja, wir müssen uns noch wiedersehen“, hatte sie
m ebenso geantwortet, „gewiß — einstl!“ .
Der folgende Tag war zur Abreise aus der heiligen
doma bestimmt, die jetzt eine so liebliche Erinnerunq in
jren Mauern barg.
Der Abend dunkelte, einer jener köstlichen Abendé
s Südens, wo die Natur nach der Schwüle des Tages
au zuatmen scheint in Schönheit und Dust. Auf dew
zalkon ihres Hotels sehen wir Ingeborg und ihren Ge—
nahl wieder; die Aufregung und das Entzücken des Tages
aben sie erschlafft, sie blict mit umwölkten, seuchtschim⸗
nernden Augen zu ihm auf und sagt: „Und nun, Du
rdieber, erkläre mir dieses Rätsel, das Du mir zu losen
ersprochen. Erscheint das Ganze nicht wie ein Märchen
oll Dust und Glanz, das mich umgaukelt und doch
eben und Wirklichteit ist?“ — „Schwärmerin!“ sagt der
unge Mann und streichelt lächelnd ihr schönes, dunbles
rockenhaav. „So ganz ein Mäcrchen ist es nicht; höre, wie
3 gekommen und bedauere dann, daß ich den poetischen
zauber abgestreift, den Deine Phantasie über dies Wie⸗
ersehen gebreitet hatte. Es aina aanz unglaublich natür—
ich zu:
„Gestern traf ich mit Deinem Berthel in einem Kaffee
ufällig zusammen: ich erkannte ihn segleich an seinen gel⸗
hen, langen Locken, ich suchtze und fand eine Gelegenheit,
in Gespräch mit ihm anzuknüpfen, und erstaunte nicht
venig, als er mir in unserer Muttersprache antwortete. —
An meinem Akzent habe er sogleich meine Nationalität er—
aten, sagte er mir später im Laufe der Unterhaltung,
velche bald in Fragen und Antworien ihren raschen Fort⸗
ang nahm. Der junge Künstler, als solchen erriet ich
yn schon bei unserem ersten Zusammentressen, nannte nun
einen Namen, ich erinnerte mich, ihn schon in Kopen⸗
agen gehört zu haben, als er in der Akademie der
q„Aron Gürrsto don orton Rroi& »rrang, der ihn hefkhinto
vier Jayre in Nom zu studtieren.
Der liebenswürdige, junge Mann lud mich darauf
ein, gelegentlich einmal sein Atelier zu besuchen, und wir
tetzten die Stunden auf den solgenden Tag fest.
AAUber ich bringe meine Ingeborg mit“, hatte ich hin⸗
zugefügt. Bei Nennung dieses Namens stutzte er, eine feine
Köte überzog einen Moment lang sein edles, blasses Ge⸗
icht; — ich lächelte, aber schwieg. Mein Plan war ge—⸗
nacht. Er sollte nicht minder überrascht werden, als Du,
denn ich Euch beide so unerwartet zu einander führte.
Das weitere weißt Du. Siehst Du nun, meine kleine
Poetin, wie Dein Märchen sich aufgelösft hat in die ein⸗
achste Wirklichkeit?“ —
Die junge Frau lächelte. „Doch noch nicht so ganz,
vie Du meinst, Lieber! Ist's nicht wie ein Märchen, daß
er arme Knabe Berthel und die kleine Ingeborg sich in
snem Saale des Vatikans wiedersehen, nach einer Reihe
on mehr denn zwanzig Jahren: der Knabe Berthel als
er talentvolle Künstler Thorwaldsen, der die glänzendste
aufbahn seiner Kunst mit festem Juß betreten und kühn
ie Hand nach dem goldenen Bließ ausgestrecht hat, dem
zorbeerkranz der Unsterblichkeit — ein zweiter Jason; —
ie kleine Ingeborg als ehrbare Gattin des edelgeborenen
zrafen Harald L. und über Berge und Meere hat ihr
debensweg die Zwei geführt, bis er sie in den Mauern
er heiligen Roma zusammenführt.“
Künstlerlos!“ würde ein Dichter oder eine Phanta⸗
in, wie meine kleine Frau hier, sagen, — Künstlerlos,
as immer von dem anderer gewöhnlicher Menschen ab⸗
veichen muß! — ich aber, als der große Prosaiker, der
sich bin, sage wieder: ganz naturgemäßl
Der Knabe Berthel wurde in der Hütte der Armut
jeboren, die kleine Ingeborg im Hause des Reichtums;
hre Wege liefen weit auseinander. Ein blinder Zufall
uͤhrte eines Abends den Knaben auf eine Stunde in
inen kleinen Garten, wo die kleine Ingeborg wapr, die
ich sehr freute, einmal mit einem Kinde ihres Altets zu
pielen, da sie selbst keine Geschwister hatte; daher ihr die⸗
er Abend so unvergeßlich blieb. Der Knabe, der spät
ach Haufe kam und um den die Eltern natürlich besorgt
ewesen, erhielt seine Strafe und wurde nicht wieder allein
usgeschict. Später kam er in die Zeichenschule und sie
urde in der Schweiz erzogen, wo die Schwester ihrer
Urton 640 k roltore in2wisfhon vestarhen myern
Da war es wiederum natürlich, daß sich die Kinder
aicht wiedergesehen haben. Nachdem der Knabe groß ge⸗
worden und den Preis errungen, pilgerte er nach Rom,
der Wiege seiner Kunst, rang lange vergeblich, verzwei⸗
felte fast schon und wollte heimkehren in sein Vaterland,
als das Glück in Gestalt eines reichen Mäcen sein arm⸗
seliges Stübchen betrat und die Anfertiaung seines kolos⸗
salen Jason verlangte.
Dies war das erste Blatt, das er vom Baume des
Ruhmes gebrochen, daran Blatt an Blatt sich reihen wird,
hpis ein voller Lorbeerkranz seine goldenen Locken schmüdt.
Meine kleine Ingeborg aber kehrte aus der Penston am
Tomersee heim in ihre Vaterstadt am grünen Belt, als
der Knabe Berthel nicht mehr dort weilte; — ein andered
armer Sterblicher geriet in ihre Nähe und hätte sich un⸗
fehlbar seine Schwingen an ihrem strahlenden Lichte ver⸗
sengt, wenn sie nicht barmherzig gewesen und ihn in ihr
Arme genommen hätte, um ihn durchs Leben zu trage
Der arme Staubgeborene aber fühlt göttliche Dankbar⸗
keit in seinem kleinen Herzen und liebt und segnet seine
kleine Wohltäterin. Wenn er ihr eine Freude bereiten
ann, ist er überglückllich, daher hat er, einem lebhaften
Wunsch seiner Gebieterin zufolge, sie nach Italien, in die
uralte Hauptstadt der Welt und hier ihrem Gespielen einer
Stunde wieder zugeführt. Das alles ist ganz natürlich und
keineswegs märchenhaft.“
Die junge Frau war froh bewegt. Sie sprang auf
nd schlang ihre beiden Arme um den Hals ihres Gatten.
Teurer“, sagte sie, unter Tränen lächelnd, „das natürliche
in dieser Sache ist, wie an den meisten, ja gerade das
vunderbade daran: das Menschenleben das seltsamste
Märchenf“
»or der Laokoons-Gruppe geseyen haben, dieselbe hohe,
tolze Gestalt mit den langen, goldgelben Locken und den
jellen blauen Augen, — aber in diesem Ausenblicke strah—
len sie heller vor Ueberraschung und Freude. — „Inge⸗
horg!“ ruft der junge Mann und „Berthel!“ die Dame
vie aus einem Munde. —
„Hab' ich Wort gehalten, als ich Dir eine frohe
leberraschung versprach?“ flüsterte ihr Gemahl ihr zu und
pricht dann laut: „Ich habe das Vergnügen, Dir hier den
ungen, talentwollen Bildhauer Thorwaldsen aus Kopenagen
vorzustellen“, und zu diesem gewandt: „Meine Frau,
ie Gräfin Ingeborg —B 3 νι— —8
Eine halbe Stunde später finden wir unsere drei Be⸗
innten im bescheidenen Arbeitszimmer der jungen Künst⸗
irs wieder. Die erste Ueberraschung, welche fast lähmend
uf die zarte Frau gewirkt, ist vorüber; Thorwaldsen bat
»Rin sein Atelier geführt.
Ingeborg schaut mit großen, verwunderten Augen die
Nossalen Modelle an, die Thorwaldsen ihr zeigt und er⸗
ärt, welche er in Marmor ausgefsührt hat oder erst aus«
hren will. „Hier, Frau Gräfin“, spricht er mit beschei—
ner Würde, aber mit funkelnden Augen, „hier ist das
odell meines Jason, welches mein erster, großer Schritt
der steilen Bahn der Kunst gewesen.“ —
Die ruhige Hoheit des Helden, der sein erbeutetes,
„idenes Vließ auf der linken Schulter trägt, während
mit der Rechten fest den Speer gefaßt hat, entzückte
ekunswwerständigen Beschauer. Sie fühlten mit stolzer
rhebung, daß hier eine Morgenröäöte am Himmel der
unst aufgegangen sei, der eine Sonne folgen müsse von
berwältigendem Glanze. Dann zeigte Thorwaldsen ihnen
ych andere Modelle und Zeichnungen, die er später in
armor ausführen sollte: seinen Achilles, ein herrliches
asrelief; Mars, kolossal, wundervoll auf seiney Lanze
hend, die Hand nach dem Oelzweig ausgestreckt; eine
chmung zu seinem Adonis, den Kanova später für ein
Morf B44
*
Eine Reihe von Jahren war seit jenem Tage ver—
lossen, an welchem der Graf Harald L. mit seiner Ge⸗—
nahlin in das bescheidene Atelier des jungen Bildhauers
zerthel Thorwaldsen getreten: — Jahre, in welchen die
veltgeschichte eine blutige Epoche aufzuzeichnen gehabt auf
re ehernen Tafeln, und für welche der sturm⸗ und wo⸗
engepeitschte Fels von St. Helena der Schlußstein ge—
orden; — Jahre, in welchen, fern von Schlachtenlaͤrm
E eeon Me —deisftoe Suinse r hearäton Vrt-