Full text : Dudweiler Zeitung

anrnzn Gens einen Fongreßz zusammenries. 16 Machte wa—
xn ——niesc Delegierte vertreten und schlossen einen
eg R Vertrag, die Genfer Konvention genannt.
Jer Jahre später waren bereits alle europäischen Staa—
en der Genfer Konvention beigetreten und heute zähll
Staaten als Mitglieder.
Enant hat dieser selbstlosen Sache sein Vermögen ge—
— verlor spaͤter noch den Rest dieses Vermögens
von serner Tätigkeit für die Genser Konvention
3 ijt. und geriet in tieses Elend. Er zog
n der Welt zuruck und fand Unterkunft in Heiden
ee bis ihm die Nobelpreisstiftung im
Ax zufiel und ihn vor noch grö—
wennt Elend bis in seine letzten Lebensstunden reliele.
7 war am 8. Mai 1828 in Genf geborer
— aus einer angesehenen Paitrizierfamilie
—AX —
Erhöhunnug der Sektpreise. Aus Berlin kommt die
dante daß die deutschen Seltkellereien, besonders die
stitglieder des „Verbandes deutscher Sebtkellereien“, vor—
hlagen, daß samtliche sogenannte Kartenpreise“ um 25
Jentug erhöht werden.
Gsuna⸗ rnsuhranes gelchihte Eine mysteriöse Ent⸗
——— bildet in München das Tagesgespräch.
X unt wird, wurde dieser Tage ein 16iähriges
sadchen aun aliabliger Familie, wie man hört, aus gräf⸗—
schetn Hause. von einem buͤrgerlichen 21jährigen Lieb—
p entsahrt. Das romantisch veranlagte Maͤdchen rich—
kie c jein Elterun von einem Münchener Hotel aus, in
et;z das Paar die erke Nacht zugebracht hatte, einen
*2 m dem ße sich postlagernd die Einwilligung zur
ital miii ihrem Gellebten erbat. Bis jetzt soll der Briej
o —8 abgeholt worden sein.
STodlicher Absturz. Bei einer Klettertour über den
38 am Uniers berg Wege nach einer Meldung aus
Shurg der Chemiler William Fielding aus Manchester
—D————
Schweres Dampferunglück. Auf der Wolga stießen
: Damnpfer „Graf“ und „Jaroslawa“ zusammen. Eir
delseuder wurde getdtet nuud acht schwer verletzt; zwei Per⸗
onen werden vermißt. Sie sind wahrscheinlich ertrunken.
deide Dampfer wurden schwer beschädigt.
Vierfacher Mord. In dem russischen Grenzorte
Blozimg ermordeten zwei Einwohner aus Rache die vie
öchter des Kolonisten Brezinski. Die Eltern wurden vor
ʒchreck wahnsinnig.
Ein beitechlicher Richter. Aus New⸗-York wird be
wr Der Proͤzeß gegen den Millionär Rosenheim ij
nsolge Liner wichtigen Entdeckung unterbrochen worden
kiner der Richter hat sich nämlich bestechen lassen. Er ha
ine Summe von 2500 Dollar angenommen und verspro
hen, dafür für die Freisprechung des Angeklagten bemüh
u dog Von der genannten Summe sind ihm bereit⸗
000 Hollar gezahlt worden. Von dieser Tatfache wurd
em Gericht durch den Advolaten des Angeklagten seibs
Nitteilung gemacht. Derselbe Richter hatte schon einmal
a einem Mordprozeß durch eine ähnliche Affäre die Ver
Ieluna eines Aungellagten verhindert.
Judenverfolgung. Anus Tehesan wird berichtet.
Zei dem kürzlichen Ueberfall des Iadenmete s in Schiras
uud u Juden getötet und 15 verundet, sowie alle Häu—
ar vollstaͤrdig ausgeplündert worden. Zur Linderung der
dot der etwä 8000 Personen zählenden jüdischen Bevöl—
erung haben die Ortsbehörden und der brit sche Konsul
Zammilungen veranstaltet.
Ueber das Sparen der Dienstmadchen bringt du
Sparkasse“ interessante Angaben. Danach bilden dienn
en Familien beschäftigten Dienstmädchen einen sehr be
eutenden Prozenisatz sämtlicher „kleinen“ Sparer, währent
ie Verkäuferinnen und sonstigen in Gewerbebetrieben an
estellten weiblichen Personen im Vergleich dazu an der
zparkasseneinlagen nur äußerst bescheiden beteiligt sind.
der Aufsatz in der „Sparkasse“ führt zum Belege hierfür
zahlen aus Württemberg von Ende 1899 an. Danackh
anden die weiblichen Dienstboten, vor allem die im Haus
itigen, an der Spitze der Sparer sowohl nach dem Pro—
entsatz der Beteiligung wie nach dem der Einlagen. Etwas
ber 837 000 „Hausmädchen“ machten 14,4 Prozent allen
kinleger aus und hatten zusammen ein Sparguthaben vor
614 Millionen Marlk, während etwa 19 500 hauptsächlich
u der Landwirischaft tätige Dienstmädchen ein solches Gut—
saben von 74 Millionen Mark aufwiesen. Die Verkäu—
erinnen und fonstigen weiblichen Angestellten bildeten dew
nmur 0,2 Prozent aller Sparer. Ihr Spargut
aben vermehrte sich von 1899 bis 19050 nur um 0 ,66
zrozent, während das der weiblichen Dienstboten in der
leichen Zeit um 8,39 Prozent zunahm und sich insgesam
uf er 48 Millionen Mark erhöhte. Ein solches Ver—
zaͤltnis gibt zu denken, zumal die Ermittelungen in ande
en Bundesstaaten das gleiche Ergebnis zu Tage brachten
der Beruf des Dienstmädchen in einer guten Familie is
ind bleibt nach den verschiedensten Seiten hin eine der
orzüglichsten Gelegenheiten, sich für den späteren Berus
ls Gattin und Mutter auszubilden. Hat doch schon im
Jahr 1899 Georg Hansen in seinem Buche „Die drei Be—
ölkerungsstufen“ den Nachweis erbracht, daß beispielsweist
u München von 1887 Bräuten im Jahre 1884 nicht we
uger als 840, d. h. 44 Prozent, dem Dienstbotenstand
maehnßrtoee ——

„Ich muß auch nach Hausel“ sagte der Knabe auf
einmal öngstlich, weil ihm nun plötzlich die Erinnerung
m feine Eltern und an sein Haus wie eine Zentnerlasi
uss Herz fiel.
„Wo wohnst Du denn?“ fragte Ingeborg. „In der
jroßen Stadt“, entgeghete der Knabe, dessen Augen sich
nit Tränen füllten, da er sah, daß die Sonne lange
mtergegangen war und nur die glühende Röte des
Abendhimmels über ihnen lag. Angst und Furcht vor
Ztrafe überwältigren das Herz des Knaben und er fing
Hitterlich zu weinen an.
„Du sollst nicht weinen, Berthel“, sagte die kleine
Fuagebora. sonst fange ich auch mit an.“ F
„Aber ich weiß nicht, wie ich nach Hause kommen
oll!“ schluchzte er.
Mit diesen Worten ergriff Ingeborg Berthel bei der
dand und zog ihn ins Haus hinein, wo die silberhelle
ztimme des Kindes nach ihrer Wärterin riei —
Eine alte Frau trat zu ihnen und als sie den frem⸗
»en Knaben sah, machte sie ein gar böses Gesicht. ‚Was
villst Du hier, Junge?“ fragte sie strenge und mujsterte
eine ärmliche Kleidung mit tadelnden Blicken. Aber die
leine Ingeborg faßte ihre Hand und sagte bittend: „Sei
nicht böse, Christiane, wir haben so schön zusammen ge⸗
pielt, aber jetzt kann Berthel fich nicht nach Haufe
inden. Sag' Du es ihm!“
Die alte Frau fragte hin und her und als sie aus
römenden Tränen gegeben wurden, das nöttgste entnom—
nen, schellte ste einem Bedienten und befahl ihm, das
dind seinen Eltern zurüctzzubringen, indem sie ihm die
ztraße nannte, in der d'iese wohnten und ihm bedeutete,
daß in dieser angelangt, der Knabe das Haus wohl fin—
den werde.
„Wann kommst Du wieder, Berthel?“ fragte die kleine
Ingeborg und hielt ihn an der Hand fest, „so schön habe
ch noch nie gespielt, wie heute.“
„Morgen“, rief der Knabe mit Zuversicht, „morgen
omme ich wieder und dann sehen wir die schönen, wei—
zen Menschen von Stein wieder zusammen an, die sind
zoch viel schöner, als alle Engel im Theaterl!“
Daß nichts daraus wurde, versteht sich von selbst.
NRie Mutter hatte in Todesangst auf die Heimkehr des
enahen dewartet, und als der Voter kam umd Porikal

BGeruchlose Auspuffgase der Automobilmotoren.
in technischer Mitarbeiter schreibt der „Fr. 3.“. Schon
hlreiche Versuche sind unternommen worden, die Aus—
uffgase der Automobilmotoren so zu reinigen, daß sie
eruchlos werden. Daß diese Versuche bisher keinen gro—
en Ersolg hatten, davon kann sich jeder täglich auf der
ztraße selbst überzeugen. Der „blaue Dunst“, der bei
ielen Autos dem hinteren Abzugsrohre ensströmt, ist durch
einen unangenehmen Geruch für den Fußgänger eine
roße Belaästigung, die nur wenig von der Staubent—
icklung durch die Automobile übertroffen wird. Wie man
en Straßenstaub in der letzten Zeit mit steigendem Er—
»lg bekämpft, sa, wird vielleicht ein kürzlich patentiertes
ierfahren auch die Belastigung durch die Auspuffgase end⸗
iltig beseitigen. Nach diesem Verfahren soll es möglich
in, diese Gase geruchlos zu machen, wenn man sie durch
ne Lösung leitet, die einen Stoff enthält, der aus den
blaugen der SulsitzellstoffeFabriken durch Behandlung
it Kochsalz gewonnen wird. Da diese beiden Materia—
in sehr billig sind, steht einer weiten Verbreiuung des
erfahrens nichts im Wege,

Sturm und Auwetter.
DRosnabrück, 2. Nov. Aus dem RNordwesten wer
den schwere Stürme gemeldet.
München, 2. vwov. In Südbayern, besonders in
er bayerischen Hochebene haben schwere Stürme gehaust,
ie großen Schaden anrichteten und namenilich auch den
Rrahtverlehr vieifach unterbrochen haben.
Hamburg, 2. Nov. Ueber die Verheerungen des
züdweststurmes, der in einer Stärke von 8 bis 10 im
anzen Nordseegebiete herrschte, liegen vorläusig noch sehr
»enig Nachrichten vor. Bei Seharhörn sind drei kleine
zegler mit der ganzen Besatzung untergegangen. Die
damen der Schiffe sind noch nicht festgestellt. Bei der
elgoländer Düne kenterte das Schiff „Johann“. Die Be—
atzung wurde von einem Helgoländer Reitungsboot ge—
ettet. Auf der Unterelbe ging das Kohlenschiff „Hansa“
nter. Es riß sich am Ufer von seinem Anker los und
eriet darauf auf Grund. Die Besatzung brachte sich auf
em eigenen Rettungsboot in Sicherheit. An der West—
üste von Jütland stieg das Wasser in mehreren Häfen
o stark, daß es die nächstgelegenen Stadtiteile über—
hwemmte. In Thisted wurden zwei Männer, die sich
uf die Hafen-Mole begeben hatten, von einer Sturz⸗—
oelle erfaßt und ins Meer genommen. Fünf Schiffer, die
‚ersuchten, die beiden zu retten, wurden gleichsalls von
»en Wellen erfaßt und stürzten ins Meer. Drei von ihnen
etteten sich, die vier übrigen ertranken. In Süd-Bahyern
esonders in der bayherischen Hochebene haben sehr schwere
jöhnstürme geherrscht und großen Schaden angerich'!et.
Bremen, 2. Nov. Die Rettungsstation Helgoland
»er Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger tele—
zraphiert: Am 1. November wurden von dem auf der
dordspitze der Düne gestrandeten deutschen Leichter „Jo—
ann“ drei Personen durch das Rektungsboot „Dora“ der
ztation geretiet. Es herrscht schwerer Sturm aus Nord-Dest.

Paris, 1. Nov. Nach Meldungen aus Privas sind
ie Wasserläufe im Departement Ardeche infolge des hef—
igen Gewitters stark angeschwollen und machen in zahl—
eichen Orten Landstraßen und Eisenbahnen unpassierbar.
der Schaden ist beträchtlich. Wie aus Nimes berichtet
dird, sind die Rhone und der Gard an vielen Stellen
ber ihre Ufer getreten.
Paris, 2. Nov. Die aus Saigon eingetroffene Post
teldet, daß Wirbelstürme und Springfluten in verschiede—
en Teilen Annams und Tonkins große Verheerungen an—
erichtet haben. Die Stadt Donghoi sei fast vollständig
erstört worden.
Paris. 2. Nov. Gestern nachmittag ging über die
ztadt ein wolkenbruchartiger Regen nieder.
zn vielen Stadtteilen und Vororten ist großer Schaden
ugerichtet. Ein 150 Kg. schwerer Eisenmast der draht—
osen Telegraphen-Station des Eiffelturmes wurde zur
erde geschleudert. Personen wurden nicht verletzt. In der
lvenue Parmentier stürzte ein 1.50 Meter hoher Schorn—
tein auf die Straße und traf einen Passanten, der schwer
erletzt ins Hospital geschafft werden mußte.
Brüßsel, 2. Nov. Nachdem in der Nacht ein
RArkan von seliener Stärke, begleitet von einem unge—
euren Wolkenbruch über Belgien hingezogen war,
rat ein mehrere Stunden dauerndes schweres Gewitter auf.
Nau befürchtet Unglücksfälle an der Küste.
Mailand, 2. Nov. Der Fluß Parma erreichte
Meter über Normalstand. Er zerbrach an vier Stellen
ei Colorno die Dämme. Der Schäden an der Wasser—
eite, und einzelstehenden Gehöften ist sehr groß. Schwe—
en Wasserschaden melden auch die Landschafien um Ra—
enna und Riminf. —W
— — — 7
Gerichtszeitung.
Prozeß; Bruhn.
Die weitere Verhandlung gegen d'ie „Wahehe't“ nimmt
eiter einen sensat'onellen Verlauf. Der Zeuge Hugo
zakobsohn, genannt Jackon schildert, wie er die Be—
inntschaft des Herrn Jandorf und später der Angekiagten
Vilhelm Bruhn und Weber gemacht hatte und fährt fort:
6b80 sro Maaste i an *

ioch nicht da war, da wußten die betrübten Eltern sich
nicht zu raten in ihrer Angst. Als spät am Abend das
dind wieder kam, und von all der Herrlichkeit erzählte,
ie es gesehen und von den schönen, weißen Steinmen⸗
chen und von der kleinen Ingeborg, die es für einen
Engel vom Theater gehalten, da wurde freilich aus der
hm zugedachten Strafe nichts, aber es war auch das
etztemal, daß es allein zum Vater geschickt wurde.
Den Abend aber vergaß Berthel nie. Wenn er den
oten Abendhimmel durch die grünen Bäume schimmern
ih, glaubte er stets die weißen Menschen von Stein zu
hen, die unaufhörlich vor seinen Blicken schwebten, wie
——0
ner übergossen hatte. Und dann trat auch der Enael
m weißen Kleide und dem rosafarbenen Band in den
unklen Locken vor seine Seele und es war ihm, als
odinkte er ihm.
Aber der Knabe wurde größer und größer und der
Frnst des späteren Lebens verwischte die bunten Traum⸗
gestalten, aber freilich doch nie so ganz, daß nicht eine
eise Grinnerung daran geblieben wäre

* R
Es war im vor'gen Jahrhundert. In einem der
zrächtigen Säle des Vatikans, wo die tausend Jahre al⸗
en Meisterwerke der Bildhauerkunst noch heute die Be—
zunderung und das Entzücken des Kunstfreundes sind,
and in einer späten Nahmittagsstunde ein junger
Nann im Anschauen der schauria-schönen Laokoon-Gruppe
ersunken.
Es war still rings um ihn her, kein Fußtritt frem—⸗
zer, schaulustiger Menscher, die die Schätze des Vatikans
u bewundern kommen, störte seine Gedanken, welche sich
anz im Anschauen verloren zu haben schienen.
Es war ein hoher, schlanker Mann; auf den weitzu—
ückfallenden, weißen Kragen fielen lange, goldblonde Lok⸗
en, die eine edelgefoemte Stirn frei ließen, unler der
wei helle, blaue Augen in seltsamem Entzücken leuchte—
mn. Hier im Süden, wo die heiße Glut der Sonne die
jaut bräunt und Haar und Augen nächtig schwarz sind,
zar es ein selten gesehener Anblick, dieses bleiche, bloude
zesicht mit dem echt nordischen Typus. Eine geraume
eit stand der junge Mann so da, schweigend mit ver—⸗
ränkten Armen umd hegeisterten Rlicken im Geiste sisch

steurs in dien Redaktion der „Wahrheit“ eingeschlichen und
nit Bruhn in Berliner? Mundart gesprochen, sodaß dieser
yon mir nicht den Eiudruck eines Gentlemen erhielt, son
ern einen wirklichen Inseratenagenten vor sich zu haben
zlaubte. Ich fragte Bruhn: Kann ich Ihnen Inferate ver
orgen, darunter auch große vom „Kaufhaus des We—
lens?“ Vor allen Dingen aber muß ich wissen, was ich
abei verdienen kann. Ich sagte weiter: Ich kann Ihnen
znserate bringen von Warenhäusern, aber unter der Be—
ingung, daß Sie nichts gegen das „Kaufhaus des We—
tens“ und Jandorf schreiben werden. Der Zeuge erzählt
veiter, daß Bruhn ihm gesagt habe, er habe aͤuch eben
eine Veranlassung, gegen die Warenhäuser zu schreiben.
dann erzählt er von einer angeblichen Schacherszene, die
Gegenwart! von Weber statigesunden und den Zwed
ehabt habe, ihm von seiner? ehrlich verdienten RProvision
twas abzuknapsen. Bruhn hat auch, als das Kaufhaus
es Westens eingeweiht wurde, ersucht, dafür zu sorgen,
aß er eine Einladung zur Eroͤffnungsieier erhielt. Es ist
ann auch ein Artikel über die Eröffnung in der „Wahr
ert“ erschienen. Angeklegker Bruhn trtt dea Behaup⸗
ingen des Zeugen sehr scharf entgegen und ecrklärt, daß
on dem Geschwätz des Zeugen nicht ein Viertel wahr
i. Er sei nach wie vor Gegner der Warenharser. Er
abe sich auch nur schwer entschlossen, die Inserate aufzu
ehmen. Er habe es schließlich erst nach Rücksprache mi
reunden getan. Wenn er sich aber zu diesem Schritt
atschlossen habe, so habe er auch eine gewisse Anstands
flicht gegen die Inserenten zu erfüllen. Es sei durchaut
blich, daß bei solchen Eröffnungsfeiern die Presse einge
iden werde und nicht er, sondern Paul Bruhn habe ar
er Erössnungsfeier teilgenommen. — Der Angeklagte be
ift sich auf den Sachverständigen Kluge und dieser bestä
gt ihm, daß es Sitte sei, bei solchen Eröffnungsfeiern
e Presse einzuladen, und daß die Zeitungen darüber
erichten. Der nächste Zeuge ist Kommerzienrat Adoll
zandorf. Er belundet. daß gegen ihn in der „Wahr
eit“ Artikel erschienen sind, und daß er sich nicht besin—
en könne, Insera“e aufgegeben zu haben, um Bruhn zum
5Ichweigen zu bringen. Er habe nur erwartet, daß, wie
as bei anderen Zeitungen üblich ist, sobald Angriffsma—
erial e'ngeht oder sonst Behauptungen über unsere Firma
usgestellt werden, dies nicht einseitig geschieht, sondern
nan beide Teile hört. Auf Frage des R.A. Meyer be—
ätigt der Zeuge, daß Paul Bruhn bei senen Nachfragen
iach Inseratenauftrögen niemals drohend aufgetreten sei
er nächste Zeuge Ludwig Reuter ist Annonecenchef vor
tudolf Hertzog. Er bekundet, daß seine Firma keines
vegs aus Furcht vor etwaigen Angriffen der „Wahrheit“
zuserate gebe, sondern weil Bruhn persönlich bekann
var und die „Wahrheit“ eine nationale Tendenz verfolger
oslte. R.A. Bredereeck: Ist es nicht üblich, daß die
zeitungen auf Großinserenten eine gewisse Rücksicht neh—
nen, indem sie, wenn ihnen Mitteilungen über die Firmen
ugehen, zunächst einmal bei diesen anfragen. ob die Tat—
achen richtig sind. Zeuge: Das ist üblich. Es wird dar—
uf der inzwischen nachträglich erschienene Beuge Louis
sch aurte zu dem Fall Jandorf vernommen. Der Zeuge
estätigt die Angaben Bruhns, daß dieser bei ihm tele—
honisch sich erkundigt habe, ob Jackson ein Mensch sei,
tiit dem man in Verbindung treten könne. Er habe dies
eiaht und Bruhn sogar noch zugeredet, das Geschäft zu
achen. Der Zeuge bricht hierauf in schwere Anschuldig⸗
agen gegen die „B. Z3. am Mittag“ aus. Mit erregter
ztimme und 'ast weinend beschuldigt er das Blatt, ihn
uiniert zu haben. Als die „B. 8.“ seinerzeit, so fähri
„euge fort, den Artikel „Die Flucht des Hoftraiteurs 8.
chaurte“ vor dem Monopolhotel ausbrüllen ließ, war ick
siit einem Schlage ruiniert. Die „B. 3.“ hat noch vie'
hlechter gehandelt als Bruhn. Meine Frau und ich, wir
nd damals völlig zusammengebrochen. Darauf wird die
derhandlung vertaot

. .
Arbeiterbewegung.
— Der Ausstand in New-York Der New-Yorker
ZzZpeditionsstreik, der fortdauernd viele Ruhestör
ingen zeitigt, ist viel umfangreicher geworden, indem das
blieferungspersonal der großen Warenhäuser streikt. Fer
ner sind die Kraftdroschken-Chauffeure, sowie die Kutsche
treikbereit. Die Versuche der städtischen Behörden zur Bei
egung des Streils sind fehlgeschlagen, da die Expreßge
e lichaften die Anerkennur der Arbeiter⸗Anion verweigern
———
Von der Luftschiffahrt.
*Flugmaschinen für das deutscheHeer
Fünf Kriegsflugmaschinen hat die deutsche Heeresverwal
ung auf Grund der Prüfung auf dem Döberitzer Mili
ärflugfeld nun in Auftrag gegeben. Es werden fest ange
auft ein Albatros-Farman, ein Albatros-Sommer, eir
lviatik⸗-Doppeldecker, ein Wright-Doppeldecker und eir
stumpler⸗Etrich-Cindecker. Ein sechster Apparat soll nock
estimmt werden. Die Entscheidung über den Ankauf is
on einer Jury getrofsen worden, die sich zusammensetz
us den Herren Generalleutnant Freiherr von Lyncker.
Iberst Schmiedecke, Oberst von Vosgis-Rheetz, Obersi Mes
ing und Obersteutnant Ludendorff. — Nach einer unbe—
tätigten Heroldmeldung aus Wien soll die deutsche Hee
esverwaltung bei dem Ingenieur Etrich 20 Etrich-Mono
Uane hbeftelsstt hahor

anbetend beugend vor dem Genmus, der dem toten Stein
Leben und mit ihm diesen herzzerreißenden Ausdruck der
jöchsten Verzweiflung gçegeben. *
Er war so versunken im Anschauen, daß er nicht
leich gewahrte, wie aus dem Nebenzimmer Stimmen und
Tritte hörbar wurden, die Tür sich öffnete und zwei
—DD
talienischer Lebhastigkeit und Zungensertigkeit den Erze
enzas die Kunstschötze des Vatikans zeigen wollte. Es
varen ein Herr und eine Dame, letztere von einer selte—
ien Schönheit. Sie war äußerst lieblich anzusehen, nach
er reizenden Mode damaliger Zeit gekleidet, welche Ma⸗
‚ame Bonaparte, dieses Prototyp der Anmut, Eleganz
ind des raffiniertesten Geschmaks so sehr en vongue ge—
racht und mit Madame Tallien und Madame Recamier
ast immer krug: das weiße Kleid, für welches der weib⸗
iche Körper wie geschaffen scheint; — das selbst den min—
er hübschen Frauen besser kleidet, als all' die bunsen
rarben unserer heutigen Mode, — den hübschen, aber
inen eigenen Zauber verleiht. Auch ihr Begleiter war
in schöner, stattlicher Mann, der mit vornehmer Eleganz
»ie junge Frau sührte. Die Blicke derselben ruhten einen
lugenblich auf dem jungen Manne, der bei dem Geräusch
er Stimmen, welche jetzt ganz in seiner Nähe erklangen,
us seinem begeisterten Sinnen auffuhr und ohne die
zremden mehr als flüchtig anzusehen, sich umwandte und
en Saal verließ. w J—— *
Die junge Dame strich ein paarmal mit der Hand
ber die Stirne, wie um einen Gedanken festzuhalten, der
nklar ihrem Geiste vorschwebte, dann aber wandte sie
ich diesen Gebilden aus Marmor zu, der mit ihrer Groß—⸗
irtigkeit und Schönheit ihren kunstversiändigen Geist faif
iberwältigten.
Den Laokoon, den vatilanischen Apoll, die Musen hat⸗
en sie bewundert, vor der Nilgruppe standen sie ijest,
aunten über die kolossalen Verhältnisse des Flußgottes,
nd eben wollte der Herd seine VBegleiterin auf einen tleinen
lmor aufmerksam machen, der in einem Füllhorn saß
ind garn reizend aussah mit seinen langen Loden und fei
iem schelmischen Lächeln, als diese plötzlich ausrief: Aber
as ist ja Berthel!“
Der Hers blickte fragend, wie um Erklärung bittend
u ihr auf, als sio leise, die Hand auf feinen Arm
⸗nend saate Soß- ich Die nicht dieses Maärchen wen

sNMeuer Höhen-Weltrekord. Aus New⸗Mo
dird gemeldet: Der Höhenweltrekord für Flugmaschine.
vurde bei dem Flugmeeting von Belmont Park durch de
lmerikaner Johenstone aberma's verbessert. Johnsto
jatte den alten Weltrekord erst vor wenigen Tagen in Be
nont Park auf 2823 Meter emporgeschraubt und nun il
s3 ihm geglückt, mit einer der neuen kleinen Wright-Renn
naschinen als Erster die drei Kilometer im Höhenflug z3
rreichen. ja sogar noch um einige 100 Meter zu uͤbe
ieten. Der Amerikaner erreichte eine Höhe von 322
Neter.

Kredit!
Kopf an Kopf — so steht eine Hundertköpfige Meng
or einem großen, statt'ich herausgeputzten Kaufhaus „Ko
ithaus X. Y.“! Oben von einer Galerie herab erisne
chmetternde Marschweisen einer Musikkapelle zu Ehre!
er Eröfsnung. Die Pforten tun sich auf, die Menschen
nasse beginnt hinein- und hinanszufluten. Die Groß
tadt besitzt einen neuen Beweis dafür, daß jenes schein
»ar richtige und wahre Wort in der Gegenwart wenig
lens ein albernes Paradoxon geworden ist: „Wer Kred
at, der braucht keinen, und wer Kredit braucht, der ha
einen!“ Mag es noch gelten vielleicht im höheren Geld
erkehr oder in der größeren und kleineren Welt der Dar
ehensgesuche, im sonstigen Geschäftsverkehr scheint der
imgekehrte Grundsatz zu herrschen: Wer Kredit braucht
ꝛat Kredit, und wer ihn hat, braucht ihn erst recht.
Es soll hier nicht untersucht werden, inwieweit folch
in „Kredithaus“ ein Bedürsnis, ein Segen oder Unsegen
st, sein kann oder werden muß. Daß Abzahlungsgeschaͤft
unserer schnellebigen Zeit, wo rasch zu befriedigend
daufbedürsnisse oft recht plötzlich herantrelen und min der
bbe und Flut in der Kasse zumal des Mittelstandes, des
leinen Beamten keineswegs Schritt halten, eine gewifft
erechtigung haben, ist nicht zu verkennen. Ueberdies: ihn
asein beweist bis zum gewissen Grade ihr Existenzrecht
enn gerade auf diesen Gebieten gelten im letzen Grunde
e Gesetze von Angebot und Nachfrage. Das Wirkliche if
ernünflig.
Uns beschäf int im Augenblick meht Anr der Gedmile
eben wir nicht zu sehr auf Kredet? Tet Einzelne — di
ßemeinden — ganze Völker? Ziehen wir nicht in tan
end Dingen Wechsel um Wechsel auf die Zukunft, oft rech
inbesorgt um die Frage: wer sie einlöien soll. einlöse
vird?
Was ist eigentlich Kredit? Ohne Zweisel eic komplu
ierter Begriff, den man verschiedentlich defineren lann
ohne ihn zu erschöpsen. Wir möchten einmal so sagen
sredit ist das Ergebnis, die Summe moralischer, sinan
zieller, geseltschaftlicher Wertschätzung — gewonnea au—s
den Werten der Vergangenheit, Gegenwart und Zickuns
eines Menschen wie eines ganzen Vol'es. Am guünstigiter
teht die Rechnung, wenn diese Werte von der Vergaugen
heit aus über die Gegenwart hin nach der Zutunft zu
vachsen, größer werden; beruhigend ist es noch, weunn fi
zleich bleiben; kritisch, wenn der oft nur vermutese Ge—
senwartswert überwiegt; bedenklich, wenn der Faktor der
Lergangenheit weit größer ist als der der Gegenwart oder
wenn beide gering sind; unheimlich, wenn Alles auf de'
darte der Zukunst steht — Ausnahmen zugegeben, wie 3
B. die Zukunst eines genialen Charalters oder die Fi
ianzaussichten eines Schwiegersohnes, der einen Milliongn
Is zuverlässigen Schwiegervater besitzt. Am überraschend
ten wäre oft vielleicht das Ergebnis, wenn man im
Finzelfalle von einem Menschen ganz wahr und klar und
»ffen darüber Auskunft erlangen könn'e, wie viel oder wie
venig Kredit“ er sich selber geben würde. Aber aus
diesem völl'g unzureichenden Gedanlen schon geht hervor
daß Kredit in tausend Fällen mehr Schein als Wahrheit
ein wird, eine Suggestion der privasen oder öffen lichen
Neinung, auf die mitunser ein tabenißzmmert'h Erwachen
olgt.
Aehnlich ist's bei den Börsenpapieren. Da unterschei
et man einen dreifachen Wert: den Nom' nalwert, den
durswert und den inneren Wert. Ein Papier von 100
Mark Nominalwert steht vieleicht zu 90 im Kurs, hal
ber nur 60 Mark an immerem Wert. Das ist nicht gut
Venn's aber unter sonst g'eichen Verhältn'ssen einen Kuͤrs
vert von 200 aufwiese, das wär noch schlimmer.
Unser „Kurswert“ darf etwas höher sein, als der
Nominalwert. aber er darf nicht so weit künstlich getrie—
ben werden, daß der innere Wert nicht meyr imstand
wäre, den Ansprüchen, die der Kurswert bedingt, einiger—
naßen zu entsprechen. Beim einzelnen Menschen und vor
illem mit Rücksicht auf moralische und soziale Qualitäten
sties am geratensten, wenn alle drei Wertarten sich mög—
iichst decken, oder noch viel besser, wenn das Konto des
nneren Wertes mit einem Ueberschuß abschließt. Danm
st der „Kredit“ gut fundiert.
Leben wir nicht zu sehr auf „Kredit?“ Einzelne wie
zanze Völker? Hausen wir nicht geradezu auf unseren
dredit hinein?
Von der Galerie am „Kredithaus X. Y“ ecklingen
ustige Fanfaren. Herein, wer Kredit braucht — Ihr
nüßt nur fordern, der Kredit ist da!
Ist da — auch vor unserem tiefen, tiessten Gewissen?
— Micht 2au vies Anf Gredit fohens«

w2
irllhesten Kindheit erzählt, das dennoch kein Märchen istr
Sieh, dieser kleine Marmorgott mit den langen Locken
st das treueste Ebenbild jenes Knaben, mit dem ich einen
Abend lang gespielt, dann nie wieder gesehen und doch
nicht vergessen habe, wie Du stehst, obwohl mehr als
wanzig Jahre zwischen heute und damals liegen.“ „Wer
var denn dieser Knabe?“ fragte der Herr, mit einem fei—
ien, fast unmerklichen Lächeln um seine Lippen. „Weiß
ch's? entgegnete die junge Frau. ‚Berthel hieß er. Er
zatte lange, goldgelbe Locken und helle, blaue Augen,
gerade wie der junge Mann, der vor der Laokoonsgruppe
tand, als wir eintraten und gleich darauf den Saal ver—⸗
ieß. Es ist seltsam, wie ich heute zweimal an dieses
dinderabenteuer erinnert werdel“ ι
Der Führer wollte jetzt die Erzelenzas auf den Per⸗
eus aufmerksam machen, aber die junge Dame war offen⸗
har zerstreut. Nach einer Weile bat sie ihren dan
leise, das übrige ein anderes Mal zu sehen, weil das
olele Herrliche, was sie heute schon bewundert, für einen
Tag mehr als genug sei. — Schweigend, in augenschein⸗
icher Zerstreuung verließ sie den Vatikan.
Mehrere Tage waren seitdem verflossen; auf dem luf⸗
igen Balkon ihres Hotels finden wir die junge Dame
und ihren Gemahl wieder und zwar in dem Moment, in
»em sie mit heiterem Lächeln forschend zu ihm aufblidt
ind er sie fragt: „Errätst Du es noch nicht, Ingeborg?“
Eine kleine Weile darauf unterbricht der junge Mann
hr fröhliches Plaudern. „Die Stunde ist da, Ingeborg',
pricht er, sich erhebend, „komm, wir dürfen die Zeit nicht
‚erfäumen; sonst entgeht Dir der Genuk. den ich Dir be
eitet habe.“ —D[0 —F 1*
„Wie Du mich neugierig machst!“ lächelte die junge
Fzrau und das glückliche Paar verließ heiter ihr Gemach.
Folgen wir ihm im Geiste nach, so sehen wir unsere schöne
Ingeborg am Arm ihres Gemahls die Schwelle eines klei⸗
ien, unscheinbaren Hauses betreten, die Türe öffnet sich
und mit einem halb unterdrückten Schrei der höchsten
leberraschung tritt sie einen Schritt zurück. Ihr Gemahl
ächelt dazu. Der Gegenstand dieses freudigen Schreckens
it den Bewohner dißes Hauses der dem ZFremden die
            
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