Full text : Dudweiler Zeitung

str. 201 23. Jahrgang.
Posischliettach xx. 14 — 25 Postschließfach x. ic.
naglich mit Ausnahme der Sonn⸗ und * * —3 9 3 —18388 52 —11 J —— nellen 10 3 pro Elpaltig Petitzell
Weiertage. ⸗ * — * m ⸗ we — v A— auswãrige 154
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Sonntagsblatt und Beitere Blutter. 20 4 pyre x·iana Pelitzeli⸗

Amfsiches Pubsshanonsorgan
Adrneeni prei F r die Bürgermeisterei Dudweiler
monatlich 70 frei is Haus
ebracht, —
hel der Post bestellt 228 vlerteljahrlich. Fernsprech⸗ Auschtuß Saarbrũch ⸗
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Redascttion, Deuch undo — von AIAnternener⸗Vudweller.
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innen einer Wohe nach Ciuntritt der Nürnberger Lebensyersicherungk⸗Bank auzuzeigen, auch wu der Berletzte innerhalb 2a Stunden nah dem Aufall in I tliche Bezandlungbde
er die VSorautahung der Bersicherng geben die —S—— — ec —8 238 ader von der Rurnberger Lebensversicherunge⸗Bauk zu — 253 find.
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eiretar gestanden hat. Wian sellte meinen, es müßte
berrn von Bethmann-Hollweg selbst nicebt eben angenehm
ein, daß seine Zurückhalinng gegenüber der von politi
chem Leben durchpulsten Oessenlichkeit die Meinung auf—
ommen lassen kann, es beiinde sich eine Art Geschästs—
n nisterium am Ruder, dessen Thef darauf verzichtet, weit—
zin eckennbare, keine Deutelei a Zlösende Zicle aufzustecken
ind d'e volle Regierungsautorität sür ein RFortschreiten
u dieen Zielen einzuse tzen.
„Der Kanzler soll sagen, was er will. Gelegentliche
Micteilungen in der „Nordd. Allg. Zig.“ genügen nicht“,
o erklärte dieser Tage ein konservativer Führer, und in
iesem Wunsche begegnen sich mit ihm wohl alle politi—
chen Partelen. Es wird in der Tat hohe Zeit, daß der
ersie Staatsmann im Reiche das Visier lüftet. Ist schon
iach dem Wort des größlen aller deutschen Dichter der
Erden!“inder höchstes Glück d'e Persoönlichkeit, so ist es des
Ztaatsmannes höchste Pflicht, sie offenbar werden zu las—⸗
en, in dem leidenschaftichen Hin und Her der Partei⸗
»olitik fone persönliche Note durchzusetzen, mit aller Ener—
zie zu versuchen, dem Geist der Zeit seinen Stempel auf⸗
zudrücken. Wo kein fester Wille hierzu erkennbar ist, da
vird man geneigt, an das Fehlen der erforderlichen Krafi
n glauben. Mz.
— — FgiMXαιινâOÔι
Politische Nundichan.
Deutsches Reich. 4
Der Direktor des Zentralverbandes des städtischen
zaus⸗ und Grundbesi zervereins Deutschlands, Justizrai
dr. Baumert, ist vom Reichsschatzfekretän
in Sachen der Reichszuwachssteuer empfangen worden.
den dabei geäußerten Wünschen gegenüber, solchen Steuern
»en Vorzug zu geben, die nicht allein den Hausbesitz tref
en, sondern auch das mobile Kapital mit erfassen, hob
er Schaßzselretär hervor, daß das Reich Geld brauche.
da der Reichstag Besitzsteuern haben wolle und die Reichs—
egierung von der Bewilligung des Reichstages abhängig
ei, können von der Reichsregierung eben nur folche
zteuern vorgeschlagen werden, die Aussicht auf Annahme
aben. Der Staatssekretär entgegnese ferner, daß eine Zu—⸗
oachssteuer auf das mobile Kapital in Deutschland doch
ioch nicht als möglich durchdacht sei und die Annahme
iner Besteuerung des Zuwachses beim Erbfalle nach Lage
er politischen Verhältnisse doch wohl ausgeschlossen er—
cheine. Justizrat Dr. Baumert hatte dann noch Gelegen⸗
seit, mit dem Unterstaatssekretär Twele und dem Regie—
ungsrat Conow die Einzelheiten der Zuwachssteuer zu
rörlern.
meIn der auslens hen Presse ist gemeldet worden, daß
her neue Regert ens Nasr el Molk die Absicht
zabe, in Berli e uche beim Reichskanzler und beim
Ztaatsselretär des Auswärtigen Amtes abzustatten. In
diplomatischen Kreisen findet diese Meldung keine Be—
tätigung.
* Der preußische Landtag wird, wie man in unter—⸗
ichteten Kreisen versichert, zum 10., spätestens 11. Ja—
mar einberufen werden.
* Durch Abstriche an den einzelnen Etats ist es gelun⸗
en, den Berrag der Anleihe, durch die im neuen Reichs⸗
aushaltsetat der Ausgleich zwischen Einnahmen und Aus
zaben hergestellt werden soll, erheblich herabzudrücken. Ei
eläuft sich dem Vernehmen nach nur noch auf etwas meht
18 100 Millionen, während man ihn bisher auf 150
Nillionen geschätzt hatte. Bedeutsam ist auch eine Unter⸗
edung, die der Direktor des Zentralverbandes der städti⸗
chen Haus⸗ und Grundbesitzer-Vereine Deutschlands, Dr.
zaumert, m't dem Reichsschatzsekretär in Sachen deir
deichs-Zuwachssteuer gehabt hat. Dem dabei geäußerten
Lunsche gegenüber, solchen Steuern den Vorzug zu geben
ie nicht allein den Hausbesitz treffen, sondern auch dads
mob'le Kapital, hob der Schatzsekretär hervor, daß von
zeiten der Reichsssregierung eben nur solche Steuern vor—
reschlagen werden könnten, die im Reichstage Aussicht au
lunahme hätten. Der Staatssekretär äußerte ferner, da
ine Zuwachssteuer auf das mobile Kapital noch nicht al
nöglich durchdacht sei und eine Besteuerung des Zuwachse
eim Erbfall nach Lage der politischen Verhaältnisse dod
»ohl ausgeschlossen erscheine

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282

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st gerade das seltsame. Ob keiner der in Betracht kom—
ienden Herren das Ehrenamt belleiden will?
Die Interpe lation über den Eisenbahneraus—
and in Frankreich beschäftigke in der vergangenen
Loche die französische Kammer. Ministerpräsident Briand
ing scharf mit seinen ehemaligen Genossen ins Gewicht
nd bezeichnete die vorgebrachten Gründe sür den Eisen—
ahnersteeik lediglich als Vorwände, der Streik in Wirk—
ichkeit sei nur ein Versuch revolutionärer Mobilmachung
Briand ist bekanntlich ein tüchtiger Redner und hat es
zuch jetzt wiederum verstanden, eine erdrückende Mehrhei:
ür sich zu gewinnen. Jaures und Genossen haben neben
em kläglichen Fiasko des Streiks selbst nun auch vor dem
Forum des Volkes die Schlacht verloren. Aber trotzdem
cheint im Kabinett Briand etwas faul zu sein. Es heißt,
aß verschiedene Minister amtsmüde seien und daß nur
»er Eisenbahnerstreik sie bewogen habe, vorläufig im Am
u bleiben. Daß nun dadurch Briands Stellung erschüt—
ert sein soll, ist wohl kaum aneunehmen.
In Griechenland haben sich überraschende Dinge
uagetragen. Der neue Ministerpräsident Veniselos hat die
est jüngst und unter sovꝛel Gefahren gewählten Abge
rdneten der Nationalversammlung schon bei der zweiten
zjitzung nach Hause geschickt, noch ehe mit den dringender
rbeiten begonnen wurde. Es heißt nun zwar, daß die
leuwahlen unverzüglich erfolgen werden, aber dann bleib
ie ganze Aktion erst recht unverständlich Eine wesentlich
ndere für das neue Kabinelt günstigere Zusammensetzungç
kaum zu erwarten und so muß man annehmen, daß der
eine Staa:sstreich, dem mit 50 viel Beifall aufgenomme,
ommenen Ministerium Veniselos lediglich eine kurzt
Panne Zeit das Leben fristen soll. Wenn die ewige
dinisterwechsesei im Hellenenstaat nicht bald ein End«
immt, so muß das Staatsgebilde eben nach und nach ar
er klafsenden inneren Wunde verhlufen —

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die Reise des Deuntzchen Rronprinzen
Am 4. November wird der Kronprinz des Deutschen
eiches seine bereits viel kommentierte Reise nach In—
ien und den ostasiatischen Reichen antreten. Die nunmehr
esigesetzte Reiseroute ist solgende: Der Kronprinz, welcher
is Aegypten von seiner Gemahlin begleitet wird, ver—
ißt Berlin am 1. November mit dem Gotthard⸗Erpreß,
en er bis Genuga benutzt. Dort ersolgt am 8. die Ein⸗
chiffung auf dem Reichspostdampfer „Prinz Ludwig“ und
sie Ausreise nach den indischen Gewässern. Die Ankunfs
nColombo erfolgt am 20. November; der Kronprinz
Jeibt dort bis zum 11. Dezember und trifft dann am 14.
dezember nach einem Besuch in Kandy in Bombay ein
vaͤhrend des auf zwei Monate berechneten Aufenthaltes
I asen küng solgende Besuche vorgesehen: Delbi Simla

agra und Benares. Von Kallutta ersolgt die Abreise
Nitte Februar, nach den Besuchen von Heiderabad und
Nadras läuft das Schiff am 20. Februar Singapur an.
stach kurzen Aufenthalten in Batavia, Bangkok und Hong-⸗
ong wird Schanghai am 31. März, Tsingtau am 4. April
rreicht; daran schließt sich iie Reise nach Peking. Am
5. April wird Jokohama nach einem Absiecher über
agasaki erreicht und darauf Toklo und Hiogo besucht;
m 16. Mai wird wieder das aßiatische Festland in Wla—
iwostok betreten. Im Sonderzuge der tremssibirischen
zahn wird die Reise über Irkutsk, Omsl Moska und St.
zetersburg angetreten. Die Reise des Kronprinzen hat
eben ihrer politischen auch eine hohe wirtschaftliche Be
eutung und dürfte wesentlich dazu beitragen, das Pre—
ige des Deutschen Reiches im asiatischen Krontinent zu
rdern.

Bethmarn', der Schweiger!
Die Reichslagskommnron für die Reichspesicherungs—
rdnung unterbricht ihre mühevolle Tätigkeit durch ein
jestessen, ein Entschluß, den man nur beifällig aufnehmen
in. Wenn frohe Reden bei Tafelgensissen über die Tagt
aurer Arbeit und grauen Ernstes einen verklärenden
zIchimmer breiten, dann kommt das auch der umstrittenen
zache zu statten. Würde ein philosßophisch veranlagten
dopf gleichzeitig in Menschenkenntnis hervocragend sein,
ann ließe Herr von Bethmann-Hollweg es sich angelegen
ein, die Reichstagssession einzuleiten durch Veranstaltung
ines parlamentarischen Abends. Im gastlichen Reichs—
nzlerpalais, in dem schon so manche geschichtlichen Er—
gnisse sich abgespielt haben, bei gemütlichem Plaudern
it Abgeordneten der verschiedensten Parteifärbung und
it Pressevertrelern lassen sich immerhin Schroffheiten der
uffassung mildern, die, wenn sie in Wort und Schrift in
rer ganzen Ursprünglichkeit öffentlich zum Ausdruck ge—
racht werden, den politischen Hader, der die gegenwärti—
en Zeitläuft!e so unerquicklich macht, vermehren. Doch der
h losophische Kanzler legt nur geringen Wert aus die von
renger „altpreußischer Gepflogenheit“ abweichenden kulina—
ischen Hilfsmittel der Politik; er ist kein Freund von
olitischen Tischgesprächen, am wenigsten dann, wenn sie
ls Mittel zu dem Zweck benu?t werden könnten, dem
anzler mit Fragen nach den Geheimnissen seiner Poliuk,
amentltch nach seiner Parole für die in längstens Jah—
esfrist stattsindenden Neuwahlen zum Reichssstaa auf den
eib zu rücken.
Man liest jetzt, der Kanzler habe, als unlängst ge—
prächsweise auf sein Programm angespielt wurde, dem
zinne nich erwidert: der Etat, den er in wenigen Wochen
em Reichstag vorlegen werde, sei auch ein Stück Pro—
ramm, und ein nicht unwichtiges. Die Zahlenkolonnen
er Reichstagsrechnung können doch aber schlechterdings
ichts anderes widerspiegeln als die Tendenz zur Spar—
imkeit, und hinter die er steht in erster Linie der Schatz—
kretär. Um den leitenden Staatsmann im politischen
ichte mit scharf umrissenen Konturen zu sehen, dazu ge—
äügt der Blick durch das Prisma der Etatsausstellung
icht, selbst wenn man ann nt. daß der Kanzler bei der
—— — — —— —

Wochen⸗Rundschau.
Unser Ka'serpaar ift mit der Prinzessin Viltoria Luife
n Erwiderung der erst kürzlich erfosgten Potsdamer An
rittsvisite des frischgebackenen belgischen Königspaares
rei Tage in Brüssel gewesen. Es entspricht dem inter
ationalen Brauch, daß der Empfänger des ersten Besu
es auch zuerst den Gegenbesuch macht, und so sind Kalser
zilhelm und seine Gemahlin die ersten auswärtigen Fürst
chleiten, welche seit dem Regierungsantritt König Alb
erts in dessen Residenz empfangen wurden. Die Brüsse
er Kaisertage haben sich zu einer glanzvollen Kundgebungç
er ungetrübten freundschastlichen Beziehungen zwischen der
eiden benachbarten Staaten gestaltet. Das Verhüältni⸗
wischen Deutschland und Belgien ist so trefflich, daß vor
rgendwelchen Differenzen, die ja die Grundlage der Poli
kubilden, kaum gesprochen werden kann. Vielen guter
zreumden im Auslande ist die Freundschast zwischen Be—
en und Deuischland ein großer Stein des Anstoßes, ud
o haben wir uns nicht wundern können, daß sie auch
etzt wieder die Gelegenheit benutzt haben, um einige Un—
uhestiftung zu versuchen. Diese „guten Freunde“, die das
elgische Volk mit der „dentschen Gefahr“ zu schrecken suchen,
tzen besonders in Paris und London, einige auch in Hol—⸗
and und in Belgien selbst. Hier sind es nämlich die
Französlinge“, deren politische Sehnsucht nach Frankreich
inüberblickt, wesche jede Annäherung Belgiens an Deutsch—
ind mit Mißgunst verfolgen. Erfreulicherweise haben alle
tten Vemühungen diesmal nichts gefruchtet. Die belgi—
he Regierung, w'ie die große Mehrheit des belgischen
olkes weiß n Mort dvos aunten Einveritänvnisseßs mi“

ennchtand wohl zu schaätzen. Wie groß dieser Wert ist,
afür sei nur die Ta sache angeführt, daß Deutschland in
em auslündischen Hadelsverkehr Belgiens an eister Stelle
eht. Deutschland hat in der Ausfuhrstatistik Belgiens
rankreich von dem ersten Platzen verdrängt. Die hohe
zedeutung der handelspolitischen Beziehungen der beiden
zänder gibt auch die Gewähr dasür, daß das gute Ein—
ernehmen zwischen Belgien und Deu schland, zwischen
errscherhaus, Regicrung und Volk erhalten bleiben wird.
Lenn die guten Beziehnngen noch eine weitere Förderung
rfahren können, dann wird es sicher der Kaiserbesuch tun,
em im übrigen eine politische Bedeutung nicht beizumes—
m ist. Der einzige Mißklang, der d'e Brüsseler Festtage
eeinträchtigte, ist das Verhalten der Sozialisten, die schon
orher in ihren Blaͤttern in der gehässigsten Form gegen
en Kalserbeßuch gehetzt haben. Aber erfreulicherweise wur—
sen die wenigen Zwischenfaͤlle in dem emeinca FTubel
interdrüickt.
Nur noch wenige Wochen trennen uns von der Wie—
ereröffnung des Reichstages. Gleich die ersten Sitzungs—
ige werden voraussichtlich unruhig verlaufen; steht doch
ie Neuwahl des zweten Vize Präsidenten auf der Ta—
sesordnung. Die Nationalliberalen beharren auf ihrem
blehnenden Standpunkt und so woren also dem Stärke—
erhaͤltnis nach die Sozialdemokraten an der Reihe, den
ritten Präsidentenposten zu belegen. Da aber diese Partei
ch den Repräsentationspflichten entzieht, kommt nur die
deichsspartei in Frage. Diese scheint denn auch gesonnen zu
ein, anstelle des Prinzen Hohenlohe, der bekanntlich sei—
erzeit ohne ihr Wissen zurückgetreten ist, einen nenen Ab—
— .. Man m— — —RV—

Wieder gefunden.
In einer Stunde merss v8 Twrlette machen, rufe mich
vann ab.“
ESie winkte, das Mädchen ging. Johanna überflog noch
inmal mit den Augen die wenigen Zeilen. Sie lauteten;
Hicht länger kann ich die Zweifel tragen, die mir Mult
ind debenskraft zu nehmen drohen. Ich weifz: Sie wollen
ur wohl, ich hoffte Ihre Liebe erringen zu köönnen — abet
eit jenem Abend bei meiner Schwesler, seit Ihr Blick mich
o zurückweisend strafte, als meinen Lippen das Geheininis
neines Herzens entfliehen wollte. seit dem Augenblichk sind
ausend Zweifel in mein Herz gezogen. Ich muß Gewiß⸗
Jeit haben, von Ihren Lippen will ich hören, ob ich hofsen
darf, oder ob meine trüben Ahnungen auf Wahrheit be—
gründet sind. Mein Schicksal, mein Lebensglück liegt in
hrer Hand — ich harre der Entscheidung mit Bangen. Ver—
eihen Sie, wenn ich Ihnen durch mein offenes Bekenntnis
ine trube Stunde bereiten sollte. — Aber ich kann nicht
nders. Noch beute vormittag hin ich hei Ahnen.
Ihr *
Theodor von Brandt.“
Johannas Augen hafteten mit, dem Ausdruck ticfen
chmerzes auf diesem Echreiben. Sie hatte Brandt hoch
chaͤßen gelernt, fie hatte an seiner Schwester, der Präsi⸗
entin von Höhn eine wahre Freundin, eine treue Rat⸗
eberin gewonnen, sie fühlte sich so wohl in dem angeneh⸗
nen häuslichen Kreist derselben — und jetzt drohte das
zchicksal wieder all' die zarten Vande zu zerschneiden, die
n so reiner Empfindung geknüpft worden -—- sie mußte den
zreund, als weichen sie VBrandt zu betrachten gelernt, tiel
nd schmerzlich verleßen, mußte dem Liehe Begehrenden
agen: Ich liebe dich nicht, ich kann dich nicht lieben, weil
ch üͤberhaupt nicht mehr zu sieben vermag, seitdem ich ihn
erloren — Für mich gibl es nur noch eines, was mir das
ꝛerlorene Gluͤckersehhen kann, und das ist, die Kunst — ohne
ie vermag ich nicht zu leben, sie allein kann mir Befriedi⸗
zung gewähren, kann mir mein einsames ee —
ertraͤglich machen.“
Ihre Gedanken schweiften in die Vergangenheit, in das
eben voll Leid und Jammer an der Seite ihres unwür—
gen Gatten, an den schrecklichen Moment, als er von der
cacht der, Verzweiflung umfangen sich selbst das Leben
hm. Ein Schauer durchrieselte bei dieser Erinnerung
re Glieder — fie hob die Augen mit stillem Dank zum
mmel, Gott hatte sie gerettet nicht allein vom leiblichen
auch von geistigen Tode. Seit ihr der teure väter
. ü A rOο⏑ Sanä

gereicht, hatte Gottes Segen sie sichtlich beschützt. — Alles
das fie unternommen, war gelungen, es war, alz wenr
zurch den Tod des unglücklichen Wilberg das Schicksal ver
vhni fei, als sollte sie durch ein tatenvolles Leben des Er
olges für die traurige Vergangenheit entschädigt werden
imter günstigen Verhältnissen hatte sich ihr Talent rasch
ntwickelt, sie hatte Anerkennung, ja endlich Ruhm und, Be
vundernng gefunden! — aber nicht das, nicht die Befriedi
ung eines Ehrgeizes, den sie kaum besaß, hatte ihr di
unere Zufriedenheit gegeben, die jetzt ihre Tage schmückte
ije sie nach keinem äußeren Wechsel mehr Begehr empfin
en ließ. Das tatkräftige Ringen nach Vervollkommnung
as ernste Studium der tragischen Kunst hatte ihr ein
Velt der idealen Größe eröffnet, die ihr bisher unbekanm
sewesen. Sie rang nicht nach Beifall, der Triumph der
titelkeit reizte sie nicht, sie war nur bemüht, sich selbst zu
senügen, den hohen Anforderungen zu entsprechen, welch
ie hohe Kunst an den Künstler stellt. Zwar erhob sich in
hrem Herzen, wohl manchmal auch der leise Wunsch, dat
einst der Geliebte Zeuge dessen werden möge, was fii
durch eigene Kraft errungen. — Aber sie verbannte diese
Vedanken, sobald er kam. — Mußte sie nicht wünschen, O
Ar nimmer wiederzusehen? — Vielleicht war er jetzt *
Alückliche Gatte Evas, ein Wiedersehen konnte dieses Gluͤc
a nur stören. — Sie erbebte — ach — sie durfte es ja nich
inmal wünschen, die Schuld ihres Lebens vermochte ja nut
ann getilgt zu werden, wenn Eva das Weib Oskars ward
Doch die Wuͤnsche des Herzens lassen sich wohl zeitweist
interdrücken, doch nicht auf immer hannen. Immer vor
ieuem stiegen sie mit gewaltiger Macht in ihr auf —, hun
ertmal war ihr schon die Frage nach Oskar auf die Lipper
retreten, aber selbst den liebreichen Blicken des Direktol
verner gegenüber, der treulich sein ihr gegebenes Ver
prechen hielt, seines Neffen vor ihr nicht mehr zu erwähnen
elbst vor diesen scheute sie angstvoll zurück. In solchen
Nomenten schien ihr die Ungewißheit erträglicher als ein
gewißheit, die jede Hoffnung vernichten konnte.
Der Eintrilt des Mädchens, das seine Gebieterin zun
Ankleiden ermahnte, entriß Johanna den sie bestürmende
Bedanken. Sie folgte sogleich der Aufforderung; in kurze
zeit, war ihre Toilette beendet. Sie hatte ein einfache
unkles Kleid angelegt, bescheiden in Form und Schniit
eine ernste Ruhe lag auf ihrem Antliß; — gedankenvol
chritt sie im Zimmer auf und ab, da tönte der helle Ton de
Glocke — sie fuhr zusammen —, das mußte Brandt sein
— Welch' schwere Stunde stand ihr bevor! Eine Stunde
zie um so schwerer war, da das Leid derselben nicht sie, son
arn hurch sie anοεπ Anbon roffon —tte Dises Jür zffnehb

ich, in ihr erschien die kräftige Gestalt des Herrn vol
Brandt. Seine hellen Augen leuchteten in der Aufregun—
der Erwartung — mit halb bangem, halb hoffnungsvollen
Zagen ging er ihr entgegen. Sie reichte ihm bittend beid
ßände hin.
„Zassen Sie uns so bald als möglich diese trübe Stund
überwinden,“ sagte sie ernst. Er sah sie an, ein tiefe
Schmerz durchzuckte sein Antlitz. J
„So bleibt meine Liebe unerhört?“ rief er.
Sie zog ihn sanft zu einem Divan hin.
BVergeihen Sie mir, sagte sie in rweichem Tone, „wenn
ch Jhnen Schmerz bereiten muß. Ich weiß, dab jede andere
Ftan mit Stolz Ihnen die Hand zum Bunde fürs Leben
teichen würde. Ich, aber, Herr, von Brandt — habe ein
ndes, ein lbrauerdolles deben hinter mir — der Stern der
ien ist für immer für mich untergegangen. Als höchsten
Zeweins des Vertrauens, der Hochschätßung, die ich für Sie
hege, wil ich Ihnen meine Vergangenheit enthüllen. — Sie
ind der Eingige, der Letzte, so Gott will. der einen Blick
dieses schwergeprüfte Herz, in die Gämnfs moiner ESeele
verfen soll.“
Er sah sie traurig an; „Sprechen Sie!“ sagte er
Idhanna stuühle den Kopf in, die Hand, mit leiser
ʒtimme begann fie zu erzählen. Brandt lauschte aufmerk.
am ihren Worten; vor ihm entrollte sich ein Leben voll von
nnerem und außerem Leid. Er blickte in eine Seele, die
chwer gekämpft und noch kämpfte, die durch Irrtum und
Fehler in die Nacht der Verzweiflung getrieben, doch zuletz!
um vichte durchgedrungen war. Aumählich gewannen die
hersonen des Bildes das in immer klareren Umrissen sich
or ihm enstwickelte, Gefialt und Leben — ja, er glaubte
ie zu kennen. — Eine plötzliche Unruhe erfaßte ihn —,et
prang auf und ging von heftigen Gefühlen bestürmt, im
Fimmer auf und' ab — Wie mit einem Schlage war ihm
Ales klar geworden — er gedachte der unerklaärlichen Be—
vegung Helbigs, als er bei der Aufführung des Don Carlog
»ie Eboli gesehen, — ohne daß Johannas Namen arnt
vußte er jetteden Ort, und die Perlonen, in deren Nähe si
as tragische Drama, der Abschluß ihres dunkelsten Lebens
bschnitkes zugetragen — Helbig, war es, den sie liebte —
helbig, der ahnungslos, daß sein Bild in ihrem Herzen
bohne, die Sladt geflohen, da er sie in derselben wußte
er von seiner, Braudts Neigung für die Schauspielerin
interrichtet ihn für den Auserwählten hielt, der bestimm
häre, das Bild des früheren Geliebten gänzlich aus ihren
herzen zu verdrängen. Brandt glaubte Helbigs, Charakte—
ichtig zu beurteilen, wenn er annahm, daß er unter den ob
Aseuden Upsänden Sohanna kein Lohbenszeichen von Fd

—— —
urommen ranen wurde — und Joyanna? Sie hatte kein
ihnung, wie nahe ihr der Geliebte sei. Sollte er sich dit
etzte Hoffnung nehmen und ihr das mitteilen, was ei
ouͤßte? — War das nicht eine zu starke Forderung an di
draft eines Menschen? — Er konnte schweigen und Helbit
ind Johanna begegneten sich vielleicht nie mehr im Leben
varum sollte er reden? Johanna folgte mit den Blicken
ingstlich seinen Bewegungen. Ein inniges, herzliches Mit
sesühl erfaßte sie — ach sie wußte ja, was es hieß, ein
diebe im Herzen tragen. die nimmer Erhörung finden
fonnte! Sie näherte sich ihm und eate sanft die Hand au
eine Schulter.
„Sie leiden!“ sagte sie mit vor Teilnahme leise beben
der Stimme. Können Sie mir verzeihen?“
Er konnte dem Klange dieser geliebten Stimme nich
viderstehen — aller Kampf war mit einem Schlage beendel
in leidenschaftlicher Erregung sank er ihr zu Füßen und be
heckte ihre Hände mit Küssen. —
„Johannal“ rief er, „ich weiß, ich habe dich für ewit
verloren. Aber du sollst glücklich sein!“ — seine Stimm
bebte. — „Der, den du liebst, ist nicht, wie du glaubst. au
ewig für dich verloren. Ich kenne Helbig — er ist frei —
r ist dir nahl“
Er sprang auf — Johanna starrte sprachlos in seu
'on innerer Erregung bleiches Antlitz.
„Leben Sie wohll“ rief er und ehe Johanna sich zt
'assen vermochte, war er fort.
Johanna sah ihm nach, fie preßte die Hände auf da
ctürmisch klopfende Herz. Dann sank sie in die Knie und
ein heißer Tränenstrom des Glückes überflutete ihr Antlitz
— Er ist frei — ———
Qapiter e
Selbig teilte seiner Mutter sogleich nach seiner Rück
ehr das in Salzbrunn Erlebte mit. Die arme Justiz
ätin war sehr niedergeschlagen; sie wußzte nicht, wie sie dief
nangenehme Nachricht in, milder Weise ihrer Tochter mit
eilen solle. Sie beriet mit ihrem Sohne hin und her, dod
he beide zu einem Resultat gekommen, trat die Kommer
ienrätin selber in das Zimmer. Sie kam von der Pro
nienade; in gewählter Toilette, die Wangen leicht gerötet
as Auge in Gesundheit strahlend sah sie ungewöhnlich gu
us. Erstaunt blickte sie auf Mutter und Bruder. dere
—X
Magßs ift?“ fraate sie in ihrer kurron Art
            
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