str. 250.
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Postschließfach Nr. 14.
ↄumstag, den 29. Oktober 1910.
23. Jahrgang.
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sonntagsblatt und beitere Blatter. —A
Erschelnt
Aglch mit Ausnahme der Sonn⸗ und
Feiertage.
37 Amisssches Pubslkanonsorgan
V—— fur die Burgermeisterel Dudmeiler
nonctlich —2 — krei inss Haus 7* *
Vvebraqht, . —
bel der Post bestelt 22 vierteljahrlich. Fernspreqh · Anschlaz Saarbrũcken Bei Jahres⸗Abonnement hoͤchster Kabatt
A in Nür seder Is 24 Stauden ven Unfall iu BSehandlung begeben. Tedesfalle mussen reit
X αα ι , αι α VαI *
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⸗olitische Rundschau.
Deutsches Reich.
*Die astatische Reise des Kronbprinzen wird
venn kein Zwischenfall eintritt, der die bisher getroffenen
zestimmungen umstößt oder wandelt, über einen Zeit
raum von nahezu sieben Monaten sich erstrecken. Davon
ommen allein zwei Monate auf den Aufenthalt in In
en und Ceylon. Da für den Seeweg bis Colombo zwe
is drei Wochen, für die Rückreise nach Wladiwostok au
em Landwege bis Moskau und Petersburg eine Reis
auer von mindestens einer Woche wird in Anrechnuneę
ebracht werden müssen, bleiben zur Durchführung des üb
igen Reiseprogramms, das nach einem kurzen Aufenthal
n Hinterindien den Besuch von Hongkong. Schanghai,
csingtau, Japan und Chiua vorsieht, eincchließlich der
peiten Reisewege nur etwa vier Monate übrig. Daraus
rgibt sich, daß allerdings als Hauptziel und Hauptzwed
er Retse der Besuch Oslasiens, in erster Vinte der deut
hen Kolonie Kiautichou und der Hauptstödie von Chinc
nd Japan, anzusehen ist, daß aber in dem Reisepro
ramm des Kronprinzen auch der Besuch der englischer
ronkolonie Indien eine Rolle spielt.
*Monsignore Pardini, der angebliche Sendbote de
zatikans nach Deutschland, erklärte einem Interviewer, en
abe eine harmlose Erholungsreise unternommen und sick
erchzehn Tage in Köln aufgehalten, ohne icegendwelcher
zweck zu verfolgen. Er bedaure sehr, unfreiwillig so viel
hantastisches Gerede betreffs des Kardinals Fischer ver
inlaßt zu haben. Pardini stimmt ein hohes Lied über
ie Rheinlande an, wo die Religion noch in Ehren ge
alten werde, und wo er sogar von Soldaten salutier!
ourde, als er sein Prälatengewand trug. Die Antunf
er Kardinäle Dr. Fischer und Kopp in Rom stehe bevor
*Die Reichstagskommi fion für die Reichs
ersicherungsordnung beendete die erste Lesung. Naf
ner Vereinbarung mit den Vertrelern der Verbündeler
segierungen wird die zweite Lesung am 10. November
nit dem Buch „Unfallversicherung“ beginnen.
* Die Strafprozeßz⸗Kommission des Reichstages hieli
totz lebhasten Widerspruchs der Regierung an dem Be—
hluß fest, daß Beschlagnahmen und Durch⸗—
uch ungen in Parlamentisräumen nur mit
eneh nigung des Präsidenten erfolgen d'rfen. Der Re—
ierungsvertreter in der Komm'ssion bezeichnete den Be—
hluß als sehr bedenksich für das Zustandekommen des
neemn Glieseßes
wischen Ausstandigen und Streikbrechern in den Straßen
gekommen. Der Zivil-Gouverneur hat den Kriegszustand
iber die Stadt verhängt. In Barcelona haben die Prin⸗
ipale der Eisenfirmen die Vorschläge des Minisiers des
zinnern zurückgewiesen. In der Rue Hospital kam es zu
inem sichweren Zusammenstoß, wobei mehrere Verhaftun
ten vorgenommen wurden. — Das Arsenal von Ferro
tt durch Feuer total zerstört worden. Glücklicherweise ge
ang es, einen großen Teil der dort lagernden Explosiv
toffe rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Von dem nie
ergebrannten Gebäude siehen nur noch die Umfassungs—
nauern
denderung ersahren und zwar sollen nach den neteren Be—
tintmungen im Rheinverbande Preußen 8, Baden 5, Bayern
ind Hessen je 4, Württemberg und Elsaß-Lothringen jen3
Ztimmen; im Weserverbande Preußen 4, Bremen 83, Ol—
»enburg und Lippe je eine und Braunschweig 2 Stimmen;
m Elbverbande Preußen 5, Sachsen 4, Hamburg 3, An—
jalt 2 Stimmen und Mecklenburg-Schwerin eine Sümme
saben. „Ueber die Frage“, so heißt es in der Begründ—
ing, „ob die neue Fassung des Artikels 54 eine Ausleg—
ing oder teilweise auch eine Aendernng der Verfassung
arstellt und wie weit etwa das eine oder das andere der
fall ist, bedarf es hier keiner weiteren Erörterung, da die
zorlage im Bundesrat einstimmig angenommen worden
t“. Die in der Vorlage gegebene neue Fassung des Art.
1 bezwecke die Beseitigung fämt icher Streitfragen, die an
en bishertgen Wort'aut sich geknüpft hten, und die
tus füllung aller Lücken, die in der alten Fassung sich dar—
ubieten schienen. Im übrigen wird in der Begründung
ervorgehoben, daß ohne Schiffahrtsabgaben bei den zu—
ehmenden finanzielsen Schwierigkeiten ein weiterer Aus—
au des natürlichen deutschen Wasserstradennetzes gefährdet
scheine. Von Preußen müsse jedenfalls gesagt werden,
aß es für die fernere Verbesserung seiner natürlichen Was—
erstraßen, abgesehen von etwaigen völkerrechtlichen Ver—
lichtungen, ohne Erhebung von Schiffahrtsabgaben keine
dittel mehr aufwenden könne. Der Stillstand in der bau
chen Entwickelung der preußischen Wasserstraßen würde
ber in anbetracht ihrer Lage zu anderen Schiffahrtswegen
innd ihrer bedeutenden Ausdehnung nicht ohne Rückwirkuno
uf die Verhältnisse des deutschen Gesamtwasserstraßen
etzez bleihen
Türkei.
»Wie dem „Daily Telegraph“ aus Konstantinoel
telegraphiert wird, hat der französische Botschafter
zompard plötzlich Konstantinopel auf einem Dampfer ver—⸗
usen und sich nach Panderma am Marmara Meer bege⸗
en. In diplomatischen Kreisen betrachtet man diese plötz⸗
iche Abreise des Botschafters als ein Zeichen dafür, daß
ie Beziehungen zwischen der französischen Regierung und
er Pforte sich in der letzten Zeit namentlich infolge der
Ublehnung der türkischen Anleihe verschlechtert haben. Man
rinnert sich, daß sich solche plötzliche Botschafterreisen häu⸗
iger unter der Regierung des Exfultans Abdul Hamid
reigneten.
* Nach einer Konstantinopeler Depesche des „Daily
lelegraph“ hat sich der erste Sekretär der englischen Bot
chaft in Kenstantinopel, Fitzmaurice, zu Tala'an Be
egeben, um ihm die Mißbilligung des englischen Bot
hafters wegen der in der Rede vom letzten Sonntag ge⸗
allenen England beleidigendenAusdrnde
uszusprechen. Diese Versammlung hatte bekanntlich den
zweck, gegen das Verhalten Euglands in Per
ten zu vrgygfestieren
Die Brüfseler Kaisertage.
Hie Abreise des deutschen Kaiserpaares erfolgte
hne große Förmlichkeiten. Es waren jedoch um' assende
Kaßnahmen auf dem Wege nach dem Louxembourg-Bahn—
of getroffen worden, um die Volksmenge in Ordnung zu
salten Die kaiserlichen Herrschasten und ihr Gefolge in
zegleitung des belgischen Königspaares trafen am Don—
rstag abend kurz vor 11 Uhr in Automobilen am Bahn—⸗
ofe ein. Der Abschied war ein sehr herzlicher. Der König
marmte die Kaiseren und die Prinzessin Viktoria Luise,
ser Kaiser die Königin. Bevor der Kaiser den Hofszug
estieg, drückte er König Albert lange die Hand und er—
lärte, daß er von seinem Besuch in Brüssel einen vor—
üglichen Eindruck mit nach Deutschland nehme. Um 11
ihr 5 Min. setzte sich der blauweiße Zug in Bewegung
)er Kaiser rief dem König noch im letzten Augenblick ein—
tal „Guten Abend“ zu. — Wie die Morgenblätter in
zrüssel hervorheben, hat der Kaiser während seines drei—
igigen Aufenthaltes sehr viele Fragen an seine Umgeb—
ng gerichtet, aus denen hervorging, daß der Kaiser über
lles was Belaien betrifit, vorzüglich unterrichtet war.
Die Potsdamer Monarchen-Begegnung.
Zu der bevorstehenden Begegnung zwischen dem deut⸗
hen Kaisser und dem russischen Zaren wird geschrie—
en: „Wie nunmehr endgülug feststeht, findet die Pots⸗
amer Monarchenzusammenkunft in der zweiten Hälste der
ächsten Woche statt. Ob an der Entrevue der Stellver
reter des Ministers des Auswärtigen oder der Minister—
räsident Stolypin selbst teilnimmt, ist noch unbestimmt;
ls gewiß aber darf gelten, daß der Zar in Potsdam
inen verantwortlichen Minister zur Seite haben wird.
ẽrklärt sich daraus schon die politische Bedeutung des Be—
uches, so erhellt sie noch mehr aus dem Umstande, daß
ie Begegnung in eine Zeit fällt, wo wichtige Problem
er internationalen Politit im Vordergrunde des Interes⸗
es stehen. Besonders hervorgehoben zu werden verdien
uch der Umstand, daß die Potsdamer Monarchen⸗Zusam⸗
nenkunft die erste seit einer Reihe von Jahren sein wird,
ie nicht unter der Aegide des bisherigen Ministers des
uswärtigen, Iswolstki, stattfindet. Kam schon in der
unientrevue des vorigen Jahres, kurze Zeit nach der
iplomatischen Niederlage Iswolskis, der Wunsch Ruß—
inds nach einer Annäherung an Deutschland und Oesten
eich zum Ausdruck, so kann die Potsdamer Zusammern
unft noch mehr als ein Zeichen dafür angesehen werden
»aß Rußland in den schwebenden Fragen des nahen
Rrients nicht ausgeschaltet zu werden wünscht. Kann aud
er Einsluß Rußlands heute und auf absehbare Zeit nich
iehr dem Oesterreich Ungarns gleichgestellt werden, si
at es doch ein erhebliches Interesse daran, sein Prestig
enigstens soweit gewahrt zu sehen, daß es auch da, wi
auf tabktische Erfolge nicht hoffen kann weniaftens nich
illig übergangen mirs
eion angewlesen. Die wenigen Borraie, vie se vom Bal
on mitgenommen hatten, waren bald verbraucht, so daß
ie sich ihre Nahrung mit der Flinte erlegen und im halb—
ohen Zustand genießen mußten. Indianer wiesen ihnen
en Weg nach Süden, bis sie in bewohntere Gegenden ka—
nen. Die zu ihrer Rettung ausgesandten Ballons des
merikanischen Luftschifser-Vereins sind inzwischen aurück
ekehrt
*AachenßBerhin. Unter Führung des Deuischen
euftschifferverbandes soll im Jahre 1911 ein Fernlbug
Aachen—ßBerlin stattfinden, der, von Aachen
Musgehend, die Städte Köln, Düsseldorf, Dortmund, Hamm,
Nünster, Os nabrück, Hannover, Braunschweig und Magde⸗
hurg berühren und in Berlin-Johannisthal endigen soll.
Frankreich.
*Wie das „Echo de Paris“ wissen will, stehen in der
rauzösischeu Tiplomatie große Veränderun—
ein bevor. Zunächst wird der Botschaster in Peters—
urg, Herr von Louis, von seinem Posten nach Paris
is Personalchef und D'rektor der auswärtigen Angelegen—
eiten im Ministerium des Aeußern berufen werden. Der
canzösische Botschaster in Konstantinopel, Bompard.
oll ebenfalls diesen wichtigen Posten verlassen, desglei—
jen der derzeitige Botschafter in W'en, Cro zier. Die—
er wird zum Mitglied des obersten Rases der Ehrenlegion
rnannt werden. Der gegenwärtige Botschafter in Mad—
id, Geoffrony, sol als Nachfolger Louis nach Pe—
ersburg gehen. Er wird in Madrid durch Herrn Taul—
andier, den derzeitigen Gesandien in Lissabon, ersetzt
verden. Als Nachsolger des Gesandten in Bern, Au—
tay, der in den Ruhestand tritt, wird der gegenwärtige
ran; ösiiche Gesandte in Brüssel, Besau. genaunt
Griechenland.
* Auch die Parteien Rallis und Mawromichalis be—
chlossen gleich der Partei Theotokis Enthaltung von
en Wahlen zur neiten Nationalversammlung. Die Par⸗
ei Rallis verfaßte ein entsprechendes Protokoll, in
em sie das jetzige Vorgehen der Krone und der Regie⸗
ung Veniselos als verfassungswidrig und alle künftigen
heschlüsse der neuen Nationalversammlung als null und
ichtig bezeichnet.
Spanien.
* Anläßlich des in Sabadell ausgebrochenen Ge—
seralitreiks ist es bereiis zu heftigen Kämpfer
II
Die Moabiter Krawalle.
Bei der Staatsanwaltschaft besteht der Wunsch, die
Noabiter Krawalle vor ein und derselben Strafkammer,
er dritten, deren Vorsitzender Landgerichtsdirektor Lie
er ist, zu behandeln und sie hat dementsprechend zu nächst
inklage gegen Hagen erhoben und die übrigen Anklagen
ls Nachtragsklagen derselben Kammer zugewiesen, waͤh—
end der Geschaftsplan alphabetische Reihenfolge vor—
hreibt. Als dagegen Widerspruch erhoben wurde, ver—
eille die Staatsanwaltschaft die einzelnen Sachen nach der
phabetischen Reihenfolge an die zuständigen Eröffnungs⸗
ammern und beantragte bei diesen Verbindung mit der
zache Hagen und Eröffnung vor der dritten Straf—
ammer. Ueber die Zulässigkeit dieses Verfahrens soll ein
zesprechung der Strafkammervorsitzenden stattfinden. Di
herteidiger der Angeklagten haben sich an den Justizmi⸗
ister gewandt. Es heißt in dem Telegramm: „Wir be—
ntragen, die Staatsanwaltschaft anzuweisen, nach Gesetz
innd Geschäftsplan zu verfahren und jede Maßnahmen zu
nterlassen, die die Angeschuldigten ihrem gese lichen Rich
er entziehen könnten. Selbst wenn ein Zusammenhang
er einzelnen Sachen bestände, was nicht der Fall ist,
däre eine Verbindung erst in der Hauptverhandlung nach
236 Sir.“P.“O. möglich. Wäre aber selbst jetzt eine
erbindung zulässig, so muß nach dem Geschäftsplan die
sphabetische Namensfolge der Angeschuldigten enischeiden.
das Nerfahren der Stac—t howirkt eine Wie—
Köln, 28. Ott. Der kaiserlbiche Sonderungetraf
heute früh 7 Uhr hier ein. Nach der Be—
ichtigung des Domes setzten die Maiestäten unt
ie Prinzessin Viktoria Luise die Reise nach Wildhad. fort
OQ
Von der Luftschiffahrt.
Die Sieger im Gordon-Benunett-Fliegen.
Die Ungewißheit über den Verbleib des dritten ame—
ikanischen Teilnehmers am GordonBennett-Fliegen, des
Ballons „Amerika“ ist jetzt gewichen. Nach Meldungen aus
dew-York ist der bisher vermißte Ballon, um dessen Schick
al man schon sehr beforgt war, endlich ge'unden. Die Pi—
tten haben nach New-York ein Telegramm aus Ambroise
tder Provinz Quebec gesandt, daß sie bereits am 19.
ktober bei Peribonka-River im Norden des Chilonga—
zees niedergegangen seien. Beide Piloten. Hawloy und
dost, befinden sich wohl Die inzwischen in Quebec ein—
zetroffenen Führer der „Amerika“ erzählen. daß die Lan—
zung am Niee des Vwribonka-Flusses ohne jelichen Un—
all von statten ging. Ihre Re'se durch die dichten Wäl—
er Nord-Quebecs war mit den größten Schwierigkeiten
ertnünft Mehrere Tage Maron siße volstonn uv“
der Gesetzentwurf über die Schiffahrtsabgaben.
Dem Reichstage ist der in der Oeffentlichkeit bere't
—D Erhebung vor
Ichiffahrtsabgaben und den Ausbau der deuischen Wasser⸗
traßen zugegangen. Der Inhalt der Vorlage dedt sich
bgesehen ven einigen unwesentlichen in der Hauptsache re
aktionellen Aenderungen mit der Mitteilung der Presse
n dem verflossenen Sommer. Nur die Zufanimensetzung
—— — “ a —— 4—— 34
Wieder gefunden.
„Ich bin, fuhr sie fort, „von fast allem unterrichret
orden, was Helbig betroffen; ich weiß, daß es ihm äußer⸗
ch gut geht, weiß aber auch, daß er einsam und,“ sie
zgerte. wie ich glaube, nicht glücklich ist. Damals, alg ich
is Band, das uns vereinte, mit entschlossener Hand löste,
rieb mich hauptsächlich der Gedanke dazu, ihn durch das
pfer meiner felbst. meines eigenen Glücks von einer
rückenden Fessel zu befreien, ihm den Weg offen zu lassen
ach dem zu ringen, was er so heiß begehrte. Was mich dies
pfer gekostet, drauche ich Ihnen nicht zu wiederholen.“
Sie hielt einen Augenblick inne, ein webmtiger
ichmerz umzuckle ihren Mund.
„Ich habe dieses Opfer vergeblich gebracht,“ fuhr fie
rt. das Schicksal begůnstigle die Wünsche Helbigs, die
au, die er liebte, wurde eher frei, als ich als irgend je⸗
and es ahnen kounte. Aber die beiden Vienschen die, so
ge sie durch Gesetz und Sitte getrennt waren, mit un—
berwindlicher Leidenschaft Juüͤr enander gluͤhlen, büeben
etrennt, sobald sie frei waren. — Ich faffe und begreife des
icht ich sehe nur das eine, daß dreiet Nenschen Lebensgiuc
erstört ist, ohne daß auch nur ein einziger das erreicht hut,
as er erfehnte. Beantworten Sie mir, ich bitte Sie, eine
rage, Herr Direktor. Sie kennen den Aufenthalt der Ba⸗
— baben Sie nicht Ihren Neffen derselben zu—
n ij r 2
Der Direktor ergriff bewegt Evas Hand.
33 Mädchen, Sie selbst, die Verratene können das
— en ⸗
„Die Bitterkeit des Schmerzes ist Jängst überwunden,“
tgegnele Eva mit wehmütigem Lächeln. „Ich selbst
unsche für mich nichts mehr.“
* Ah keine stzhnuna. keine Wiodoryereiniqung mit
—B
„Niemals!“ rief sie erregt. „Verstehen Sie mich nicht
Ihl wDie giebe, die ich für' Helbig empfaͤnd it he
orben. sobald ich die Ueberzeugung seaner Uümteue de—
nnen — doch der Schnitt war hief, die Wunde duͤttele
e und heilt vielleicht niemals mehr ganz im Leben. Ich
e den Schmers ausgekostet, aber mit Gottes Filfe hobe
nir das Herz von Haß frei zu halten gefucht; ich habe
h bemůht derer mit Gerechtigkeit zu gedenken, die mich
rankt. Deshalb, Herr Direklor, werden Sie mich ver
en, wenn ich Ihnen sage, daß es zu meiner Beruhigung,
Befriedigung meines Herzeng dienen würde, wenn ich
g glücklich wüßte. Es ist ein fortdauernder Schmerz
nich, ihn trotz des Opfers meiner felbftvom Ziele seines
Unch immor Io — 53—353
— derstehe Gie, Jagte der Mrerioe erunαιν, Cit sut)
in gütiges, edles Mädchen — Goit hat uns zusammenge⸗
ührt, damit noch alles gut werdel — Hören Sie mich an!
ie Baronin Wilberg hatte den gerechtfertigten Wunsch,
18, was, sie verbrochen, möglichst wieder gut zu machen.
ie glaubte das nicht befser tun zu können, als wenn sie
Ibst, gänzlich verschwände, um eine Wiedervereinigung und
ussöhnung zwischen Ihnen und Oskar zu ermöglichen. Um
ffen zu sein, liebe Eva — ich teilte diese Hoffnung auf eine
lussöhnung nicht. Ich kenne Oskar zu genau, um nicht zu
aissen, daßz eine solche nach dem Geschehenen fast unmöglich
»ar. Außerdem kannte ich auch die ganze Tiefe seiner
iebe zu Johanna, ich war Zeuge seiner ersten Bekanntschaft
nit ihr, Zeuge der erflen Leidenschaft gewesen, die sie ihm
l1s Mädchen eingeflößt. — Er glaubte sich von ihr getäuscht;
rst jetzt habe ich erfahren, daß ernstere und traurige Gründe
ohanna zu der Ehe mit Wilberg bewegt haben. Oskar hatte
hwer gelitten. Erst die Zeit hatte den Schmerz gemildert,
rglaubte sich einer gleich ftarken Neigung nicht mehr fähig.
da lernte er Sie kennen, Fräulein — WFoa er schätze Ihre
kigenschaften nach ihreni richtigen Werle. — Verzeihen Sie,
eures Mädchen, wenn ich hiermit einen Punkt berühre, der
zhren, Schmerz vielleicht auf's neue weckt; aber es treibt
nich, Ihnen die scheinbar so unverzeihliche Untreue Ihres
zerlobten in etwas anderem Lichte erscheinen zu lassen —
Als Oskar um Ihre Hand bat, war er, das bin ich überzeugt,
von der reinsten Absicht durchdrungen, Sie glücklich zu
machen. Er hätte jedenfalls sein Gelübde, so er Sie zum
Altare geführt, treuü erfüllt. — Das Schicksal wollte“ es
inders; er fand die Jugendgeliebte im tiefsten Unglück, ge⸗
eugt und verlassen wieder, das Nitleid, das ihre Lage ihm
inflößte, erweckte die alie deidenschaft auf's Neue Geifi
ind Herz wurden in boftige Kämpfe e
eit floh —“
Ich weiß das alles!“ unterbrach ihn Eva schmerzlich.
„Johanna,“ fuhr der Dircktor nach kurger Pause fort,
versicherte mir, nicht glücklich sein zu können, wenn sie das
ewußtsein in sich krüge, das Glüͤck eines andern, eines so
dlen Wesens,als Sie, liebe Eva, zerstört zu haben. Sie be—
hwor mich ihre Abfichten zu unterstützen, allen, die sie
innten, ihren Aufenthalt zu verbergen, und vor allete ver
)skar ihrer und ihres Schickfals nimmer zu erwaͤhnen. Auch
einer sollte in ihrer Gegenwart nicht mehr gedacht werden.“
„Und Sie hatten die Kraft, dieses Bershredet —
md dasselbe zu halien?“
„Ich habe es gehalten in der Ueberzeugung, daß die Zu⸗
unft doch endlich die Sösung diefer Herzenskampfe bringen
üsse. Ich hatte das Vertrauen, daß Oskar mil männlicher
raft den Schmerz bekämpfen, daß er das an Charakter ge
innen würde, was ihm die Zeit an Glück nahm. nn
ie ich gedacht, so ist es Jeee
chwantend in Ostar war, ist jetzt fest geworden; er ist, wa
er Mann sein soll, ein Fels, auf dem man bauen kann,
venn die Wetter ihn umdräuen. Er wird jetzt jedem Schick
alsschlage mit, edlem Mannesmut, mit christucher Ergebung
tehen koͤnnen.“
„So sei Gott gepriesen!“ rief, Eva mit leuchtenden
zlicken. — „Sie haben mich durch das was Sie mir eben
esagt, mehr beglückt als Sie es ahnen können. Was mit
isher als ein düsteres Rätsel erschien, als ein Schicksal
as ich mit dem Glauben an die Allbarmherzigkeit Gottes
aum zu vereinigen vermochte, erscheint mir jeht im ewigen
usammenhang als das Walien der göttlichen Liebe. Ver
err hat uns auf steinigem Pfade durch das Tal des
chmerzes geführt, um des Lichtes seiner Gnade uns um
»teilhaftiger zu machen. — Doch jetzt, würdiger Freund,.
uhr sie nach kurzer Pause fort, „jetzt lassen Sie uns vor
illem daran denken, der göttlichen Liebe nachzuahmen, wo
vir können: führen Sie Helbig seiner Geliebten au. macher
Zie beide glücktichl“
„An mir soll es wahrlich nicht liegen, liebe Eva,“ rie
er Direktor erfreut. „Doch ohne Jhren Beiftand werdé
ch kaum zum Ziele kommen. Johanna führt mit grau—
amer Strenge gegen sich selbst das aus, was sie ihre Vuße
jennt. Sie wird an eine Vereinigung mit Oskar nicht eher
enken, bis sie die volle Ueberzeugung gewonnen, daß hr
ʒlüch, liebe Eva, nicht mehr von dem Besiß skars ub⸗
ängig ist, daß Sie seiner nicht bedürfen, um den Frieden
chres Herzens, die Ruhe der Seele sich zu wahren, kurz,
aß Sie auch ohne ihn glücklich und zufrieden sein können.“
Epba sank in Nachdenken, ein sonniges, lange nicht an
ar gesehenes Lächeln erleuchtete ihr Anklitz.
„Vo ist die Baronin?“ fragte sie dann plötzlich.
„Augenblicklich uns allen sehr nahe; sie ist in Breslau
ind gastiert jetzt am dortigen Thealer.
Evba sah ihn staunend an.
„Sie haben vielleicht schon den Pmnen Frau Warburg
ennen hören?“ fuhr er lächelnd se
.Frau Warburg? — Gewiß, igch habe ihn mit Aus—
eichnung nennen hoͤren als den einer talentvolen und
trebsamen Künstlerin.“
„Frau Warhurg und die Baronin Wilbera ist ein und
ieselbe Person.“
z Eba sah den Direktor erfreut an. In diesem Augen—
lick öffnete sich die Tür und der Bankier und Burgau tra⸗
en ein. Der Direktor stand auf und begrüßte den Bankier
I18 alten Bekannten; dieser war höflich aber kuhl.
Burgau ging rasch zu Eba, er fah die Roöle auf ihren
angen. den freudigen Nusdruck ihrer sonit so ernfi blicen
in 1tnon
E
„Was ist Ihnen Glückliches geschehen?“ fragte er, „ich
abe Sie noch nie so freudig erregt gesehen. F
„Ich habe einen Augenblick der Weihe gehabt,“ sagte
e bewegt, „wie er uns selten im Leben zu Teil wird, ich
abe erkannt, daß doch alles gut war, was geschehen, so
hwer es mir am dnt daß es köstlicher ist glücklich
u machen, als glücklich zu sein.“
When doch wird auch dies Glück vielen versagt!“ enta
egnete Burgau traurig. „Wie mancher möchte gern sein
zerzblut für den geliebten Gegenstand hingeben und sieht
ein Opfer verschmäht.“
Evas e leuchteten auf, sie reichte dem jungen
Nanne die Hand. —
„Haben Sie Geduld,“ sagte sie leise, „und hoffen Sie
— Solt wird alles zu einem guien Ende führen.“
33 KapitelJ.
In einem der elegantesten Hotels in Breslau hatte die
Viener Schauspielerin eimige Zummer demetet Der Die
er servierie eben im Empfangszimmer das Frühstück: die
dammerzofe rückte den bequemen Lehnsessel an den Tisch
ind gotz die warme Schokolade in die silberne Taffe. Au
»em Tische stand in einer reichen Vafe ein prächtiger Blu⸗
nenstrauß, ein uneröffneter Brief lag daneben Dieee ür
des Schlafzimmers öffnete fich — Johanna trat herein Ein
legantes Morgennegligee umhüllte die hohe Gestalt. die in
en letzten Jahren, an Fülle gewonnen, ihr volles blandes
aar wurde von einem blauen silberdurchwirkten Netze ge—
alten. Auf ihrem ernsten, etwas blassen Antlitz lag Ruhe,
Festigkeit, aus ihrem Auge strahlte ein Glanz, den nur die
ortdauernde Beschäftigung mil der Kunst zu erzeugen
ermag, ein Glanz des schönen Empfindens, der idenlen Be—
jeisterung, welche die Seele über das Irdische hinaushebt.
Johanna setzte sich und winkte dem Mädchen ihr das
zuf dem Schreibtisch geöffnet liegende Buch zu reichen.
Sie liebte es, während sie das Frühstück einnahm, noch ein—
mal ihre Rolle durchzugehen, die sie des abends zu spielen
edachte. Sie sollte heute als Graͤfin Orfina in Leffings
Emilia Galotti auftreten; ihr Geift war sjchon völlig in
diese Aufgabe vertieft. Das Mädchen wußte, daß ihre Ge—
ieterin jetzt allein zu sein wünschte — sie wollte sich eben
eise entfernen, als ihr Auge auf den Blumenstrauß und
en Brief fiel. Sie trat noch einmal zu Johanna:
Ein Diener hat dieses gebracht, gnädige Frau!“
Johannas Augen richteten sich gleichgüllig“ auf den
trauß, sie nahm den Brief und vffneie ihn, eine plötzliche
iegende Röte bedeckte ihr Gesicht. Sie wändte sich zu dem