Full text : Dudweiler Zeitung

Vorchester. Es ist von einem prächtigen Park umgeben;
edoch von der Außenwelt streng abgeschlofsen. König
Manuel, der sich durch seine Reise nach Woodnorton vol
ends unter den Schutz der englischen Regierung gestelll
hat, ist von letzterer ersucht worden, während seiner Anm
wesenheit in England möglichft jede politische Kundgeb⸗
ung zu unterlassen. Das Maͤnifest, mit dem der König
an die Oeffentlichleit zu troten gedenkt, dürste daher auch
rft erscheinen, nachdem der junge Fürst eine längere See—
reise unternommen und sich für kurze Zeit nach einem an—
zeren Lande begeben hat.
*54. * w**
— Abberufung des Nuntius aus Lissabon.
*Der Bruch Poriugals mit dem Vatikan, welcher in
den lebten, Zagen wieder m milderenti— erschien, ha
durch die soeben erfolgie Abberufung des päpstlichen Nun⸗
sus Nonliguer Tonti aus Lissabon eine nene Verschärf⸗

*
d 8 8

Duruius lorri Sνο
mg erfahren. Der Nuntius wurde vom Vatikan auf Ver.
anlassung des Kardinalstaatssekretärs Merry del Val ab,
erusen, als Antwort auf das Verhalten der Machthaben
er neuen Republik gegen die geistlichen Orden. Zur Be
vachung der Nuntiaturarchive ist der Sekretär der Nun—
tatur, Monsignor Aloisi Masalla in Lissabon verblieben.

Ueber die Nationalschnld Portugals er—
ahren die Blätter, daß d'e GCesamtschuld sich auf rund
»28 Millionen beläust. — Dekrete werden erlassen, durch
zie die theologische Fakultät der Universität Coimbta auf⸗
elöst, die akademische Gerichtsbarkeit, somie der Eid der
—AV abgeschafft und
reie Vorlefungen geschasfsen werden sollen. — Mehrere
ausend Handlungsgehilfen erschienen im Ministerium dees
zInnern und forderten die strenge Durchführung des wö—
hentlichen Ruhetages. — dDer chemalige Diltalor Franco
st von seinen Funktionen als Finanz-Kontrol?cur enthoben
ind durch einen Republikaͤner ersetzt wurden. — Die Fuhr—
eute in Lissabon sind ansstaäͤndig, um eine Lohnerhöhung
—XL
Der aus LSissabon in Varis ingeirosffene päpfi
iche Nuntius Msgre. Tonti erllärte einem Mitarbeiter
hdes „Figaro“: König Mannel sei in ersier Linie als
aAn Opfer der Zugeständnisse anzusehen. die er einer Par⸗
ei gemacht habe, deren Mitglied er nicht gerade zu den
Ztützen seines Thrones gehärten. Dadurch sei unter den
Nonarchisten Unzufriedenheit entstanden und die treuesten
Inhänger des Königtums entmurtat worden

Gerichtszeitung.
— Der ‚Wahrheit“⸗Prozeß. In Berlin begann vor
ler ersten Strafkammer des Landgerichts der Prozeß ge—
zen den Verleger der „Wahrheit“ und seines Redakteurs.
Anter dem Publikum befand sich auch der bekannte all—⸗
»eutsche Publizist Paul Liman. Polizeirat Henninger, der
ils Zeuge geladen war, war nicht erschienen, da Polizei—
präsident von Jagow dagegen Einspruch erhoben hat,
angeblich weil durch die Aussage des Polizeirats das
Staatswohl gefährdet werde. Auch die Vernehmung eines
andeten Beamten konnte aus diesem Grunde nicht erfol—
gen. Es wurde darauf das Verfahren gegen den Redak.
teur wegen Verjährung eingestellt und die Verhandlung
zegen den Verleger und früheren Reichstaasabgeordneten
BRruhn beqonnen

Von der Luftschiffahrt.
„M. 30 beschädigt. Das Militärluftschiff „M. 3*
raf von Berlin an der Gothaer Luftschiffhalle ein. Bein
kinfahren riß eine vorstehende Schraube die Hülle voll
tändig auf, sodaß der Ballon entleert werden mußte.
*Das Magdeburger Flugmeeting wurd
im ersten Tage durch Regen und Wind beeinträchtigt
Feannin startete zum Höhenpreis, Grade unl
chelen bewarben sich um den Dauerpreis, doch erziel
en sie alle drei nur geringe Leistungen.
*Dasß GordonBennettWettfliegen. Dei
leroklub von St. Louis rüstet eine Expedition zur Auf
uuchung des verschwundenen Ballons „Amerika 2 aus
»er nach den Berichten des Hilisfübrers Blankertz von

J ve⸗ T —B 5
Wer verspütete fFrack.
Humoreske von Mat Roth. ip. 3
9 — —— CeRomlie- Nachdruck verbosen.d
*FBer finfunzwanzig Fennige Boomeel!“ Der Junge,
der diese Worte von sich gab und dabei eine Flasche auf
den Tisch setzte, blickte aus einem riesigen, um den Kopf
gewundenen Tuche hervor und sah auf der einen Backe
ehr rund und wohl aus. RF
.So, mein Sohnl“ sagte der Kaufmann Kersten, über⸗
relchte ihm etwas hastig die gefüllte Flasche und nahm
was hastig das Geld an. S —— —
7 Sie wünschen, Fräulein?“ “ ⸗
— Zwet Heringe!“ lautete die resolute Antwort der
dattlichen Köchin FF —F 1
NRogene oder milchene?ꝰ?: . —*8 In
— rogenen und einen milchenen.“ * x
AAlso ein Pärchen!“ sagte Herr Kersten und fuhr mit
kühnem Griff unter die in einem Fasse vereinte Herings⸗
Assemblee. „Hier, zwei sehr schöne Exemplarel Fast so
schön wie Ihre Augen“, fuhr er fort, in gewandter Weise
hdas Lob seiner Ware mit einer feinen Schmeichelei ver—
nüpfend. ay—
t „Was ist Ihnen gefällig?“ *12
RDie verrunzelte, kleine Frau, die so angeredet wurde,
vbünschte die nuͤhere Bekanntschaft von Leberwurst zu ma⸗
hen und verlangte ein halbes Pfund. Der Kaufmann
vog einige dieser grauen Schwestern ab und legte eine da⸗
yon auf den Tisch. 7
„Grade ein halbes Pfund.“
Die will ich nicht, da sind mir zuviel Zipfel dran.“
„Aber jede Wurst hat doch zwei Zip'el.“
Nein, ich will lieber ein Stück mit einem Zipfel.“
Aergerlich säbelte und wog der Kaufmann herum.
Als die Alte hinausgetrippelt war, kehrte der vltra⸗
ende Knabe zurüd. VVVVV—
Das ist ja Mohneel!“ sagte er. reee —F
Na jal Was denn sonst?⸗ ]
Ich wollte doch Boomeel.“ n
Zum Kucuckl Ein andermal ölst du dir deine
varher ein. daß du deutlich sprichst“

zallon „Germanias wahrscheinlich in die Ungava⸗Wildni—
on Labrador geraten ist. Blankertz und von Abercror
örten von Eisenbahn-Rottenarbeitern, daß ein große
elber Ballon in schneller Fahrt vorwärts gesichtet wor
en sei. Beide Aeronauten waren nach ihrer eigenen
andung in der Gefahr, zu verhungern, da sie mit weni
en Krusten Brot sich 32 Stunden durch ürwald durch
rbeiten mußten, bis sie endlich die Bahngeleise erreich
en. Auch Gericke vom Ballon „Düsseldors“ befand sick
wei Tage im Urwald. — Das diesjährige Flugmeeting
vird wohl ein Fiasko werden, da die Franzosen mit
hrem Rücktritt drohen.
*Ins Wasser gefallen. Der Ballon „Hilde
randt“, der in Berlin aufgestiegen war, ist in der Nord—
e verunglückt. Die Insassen des Ballons. A. Nikolai,
. Berliner und G. Gebauer wurden von einem Lotsen⸗
ampfer gerettet, der Ballon wurde durch den Schlepp—
ampfer „Cyclop“ geborgen.

Aus aller Welt.
Polizei und Rowdies. Zu einem Zufammenstoß
vischen einer Bande von 30 bis 40 halbwüchsigen Bur⸗
hen und zwei Schutzleuten kam es in der Nacht in der
beber- und Büschingtraße in Berlin. Als ein Bursche
uf einen der Schußzleute anlegte, kam ihm dieser zuvor
ind feuerte einen Pistolenschuß ab. Der Betroffene brach
usammen, wurde aber von seinen Genossen weggetragen,
odaß er nicht festgestellt werden konnte. Die Kugel des
ichutzmanns traf noch einen Bierfahrer, der sich in der
dähe befunden hatte und nach dem Krankenhaus am
riedrichshain verbracht wurde. — In der Nacht wurden
och 200 Verdächtige sistiert, von denen acht als an den
russchreitungen beteiligt wiedererkannt und verhafte
urden.
Ertrunken. Ein Segelboot mit fünf Personen ken—
erte auf der Weser in der Nähe von Bremerhaven. Vier
zerdonen sind ertrunken.
Der Zar in Hessen. Am Montag vormittag er—
olgte von Friedberg die Abreise des Zarenpaares im
»ofzug. Auf dem Bahnhof hatien sich die Spitzen der
zehörden und das Offizierkorps versammelt. Dann er⸗
chien zuerst der rote Leibkosak, darauf der junge Zare—
vitsch an der Hand seines Matrosen, dann die Prinzessin
ten. Zuletzt kam die Zarin mit der Großherzogin, welch
rstere am Stock ging. Ihnen folgten der Großherzog und
»er Zar. Mittags 12. Uhr traf der russische Hofzug in
Rarmstadt ein, wo die Herrschaften nach dem Mausoleum
uhren. — Ein wahrer Ordensfegen hat sich über Fried—
erg und Bad Nauheim ergossen, Kommunale und Poli⸗
eibeamte, sowie höhere Post⸗ und Vahnbeamte erhielten
Irden. Sämtliche Gendarme und Kriminalbeamte, welche
ach Friedberg kommandiert waren, erhielten eine Gedent
rünze mit russischer Inschrift, ebenso sämtliche Mannschaf—⸗
en des Wachkommandos.
Gegen das teure Fleisch. In Prag fand ein gro⸗
er Demonstrationszug der Arbeiterschaft als Protest gegen
ie Fleischteuerung statt, an dem mehr als 50 000 Men—
hen teilnahmen. Die Redner, die auf der Straße spra⸗
den, forderten die Oeffnung der Grenzen fürn, fremdes
zieh und eine antiagrarische Politiili. æ
Die Pest. In Bezug auf die » men aus den
züden von Rußland bedenkliche Mein. 4, Fälle sint
»nstatiert worden in Nikolajew, Ackermann Simferope
nnd Charkow. Die Presse verlanat die Absperrung von
dessa.
Ertappt. Die Gendarmerie in Firminy (Departement
doire) verhaftete einen Soldaten des 86. Infanterieregi⸗
jents, welcher als Wachtposten beim Bahnhofe aufgestelli
»ar und dabei ertappt wurde, als er mehrere Telegraphen—
rähte zerstörse. In der Nähe des Bahnhofs St Joseph
ei Marseille wurden 31 Dynamitpatronen auf der Bösch—
ing des Bahndammes gefunden.
Streiknachwehen. Die Bediensteten der verstaatlich—
en Westbahn, welche dem Mobilisierungsbefehl keine Folge
zeleistet hatten und von der Pariser Militärbehörde mit
wei⸗ bis achttägigem Gefängnis bestraft worden waren,
eschlossen, sich in geschlossenem Zuge nach der in deir
Nähe des Saint Lazare-Bahnhoses gelegenen Pionier⸗
daserne zu begeben, um dort ihre Strafen anzutreten.
Nan befürchtet, daß es hierbei zu Strakenkundgebungen
ommen werde.
Von Wellmann. Aus New⸗York wird gemeldet,
aß Wellmann eine Reihe von Vorträgen über seine aben⸗
euerliche Fahrt halten wird. Seine Begleiter sind zu
sohen Gagen von Varietees und sonstigen Theatern ver
flichtet worden. Großes Aufsehen erregt das in einem
Warenhaus ausgestellte Rettungsboot Wellmanns, und
ioch größere Sensation verursacht die berühmte Katze,
ie ebenfalls zu sehen ist.
Neuer Ozeanriese. Auf der Werft von Harland and
Volf in Belfast lief der neue Ozeandampfer „Olympia“ der
Lhite Star⸗Linie vom Stavel. Er ist der größte bisher
ebaute Dampfer, hat fast 900 FJuß Lange und wird mil
er Ausrüstung 45 000 Tonnen haben. Die „Olympia“
st für den Passagierverlehr nach Amerika erbaul und soll
esonderen Komfort gewähren, während sie an Schnellig
eit hinter anderen Schiffen 2Jαι—

Der Junge würdigte diese nicht unwitzige Bemerkung
»ines affenartigen Grinsens und verschwand.
* * * be Iee pr weg
Es ließ sich nicht leugnen, der Kaufmann Kersten be⸗
iente heute Nachmittag seine verehrten Kunden in einiger
oͤast und Aufregung. Und war es denn ein Wunder?
jiel nicht auf morgen ein Tag, der auch den Ruhigsten
was unruhig gemacht hätte, gedachte Kersten nicht mor—⸗
en seine Hochzeit zu feiern?
Jetzt, da schon der Abend nahte, überkam ihn plötz⸗
ich eine Angst. In einem freien Augenbliche sprang er
uf den Hof und rief: „Noch nicht fertig mit dem Kaf⸗
ebrennen?“
In der Tat widmete sich der angeredete junge Mann
ieser erwärmenden Beschäftigung. Zwei Gänse, die Herr
dersten in freien Stunden zu nudeln pflegte, lelsteten ihm
abei Gesellschaft und schienen seinem Wirken aufmerksam
uzusehen.
Der junge Mann wandte jetzt sein würfelförmiges
aupt und antwortete, er sei eben bei der letzten Trom⸗
iel. Bald darauf trat er in den Laden und löste seinen
zrinzipal ab.
Dieser warf seinen Hut auf den Kopf und schoß da—
'on. Hurtig und in Zickzacklinien wie ein Blitz, fuhr er
urch einige winklige Gassen und blieb endlich vor einem
ilten Hause stehen.
Dieses Haus war von einer Farbe, wie man sie in
diesem Leben nie wieder sehen wird, auch besaß es in
einer Gestalt bedeutende Aehnlichkeit mit einem hohlen
Jackzahn.
Kersten nahm sich indessen keine Zeit zu derlei Be—
trachtungen. Er zog seine Uhr hervor und bemühte sich
seim Scheine einer Gaslaterne, die Stunde zu entzifsern.
„Sieben Uhr!“ murmelte Kersten und trat in das
Ite Haus.
In der Beletage residierte, wie dies auch ein Schild
uuf der Straße ankündete, der Schneidermeister Dienegott
zämplein.
„Ah, guten Abend, Hert Kersten!“ rief der Schneider
»em Eintretenden entgegen und sprang von seinem Sitze
erab.
„Ihr Diener, Herr Kersten, Ihr Diener!“ rief die
nirende Schneidersfrau, indem sie sich in der Zubereitung
mner höchst rätselbaften Suppe unterbrach X

Eine Entführung der eigenen Frau. Eine eigen⸗
riige Entführungsgeschichte, die seinerzeit einiges Auf—
hHen erregt hatte, beschäftigte in dritter Instanz die 1. Straf—
mimer des Berliner Landgerichts. Wegen Freiheitsberaub—
ag und Hausfriedensbruchs mußte sich der Arzt Dr. Lo—
»ar Küppers verantworten. Der Angeklagte, der Hilfs—
rzt in einer bekannten Anstalt für Gemütskranke in
zchöneberg ist, ging im Jahre 1906 die Ehe mit der
lochter einer am Kurfürstendamm wohnhaften sehr ver—
nögenden Frau B. ein. Die Ehe war von Anfang an
niicht sehr glücllich und schon kurz nach der Hochzeiisreise
am es zu ernsten Difserenzen zwischen den Eheleuten. Als
X. K. im Jahre 1908 die Vertreiung eines Arztes in
zriedrichshagen übernommen hatte, kam es wieder zu
iner erregten Szene, die damit endete, daß die junge
Frau zu ihrer Mutter zurücktehrte. Der Angeklagte trach⸗
ete mit allen Mitteln danach, seine Frau wieder zur
stückkehr zu hewegen. Er ging mitunter stundenlang vor
er Wohnung seiner Schwiegermutter, der er die Schuld
un dem Zerwürfnis zumaß, auf und ab, um eine Ge
egenheit zu erfassen, seine Frau auf einige Minuten zu
„rechen. Als Frau Dr. K. eines Tages ahnungslos aus
em Hause trat, kam der Angeklagte plötzlich auf sie zu
—
ind hob die völlig Uederraschte in eiin gehaltene!
lutomobil, das sich im Schnellzugsten:een Bewegun⸗
etzte. Diese Entführung der eigenen Frau hatte nus der
erfolg. daß der Angeklagte am nächsten Tage die unan
jsennehme Entdeckung machen mußte, daß seine Frau wie
der ausgerückt war. Der Angeklagte beschloß nun unter
Anwendung jedes Mittels sich wieder in den Besitz seinen
Frau zu seten. Nachdem er mehrere Male vergeblich an
»er Wohnungstür seiner Schwiegermutter geläutet hatte,
erschaffte er sich am 19. Mai durch einen kleinen Trich
SFinlaß. Er nahm sich einen Arbeiter mit und ließ diesen
an der Tür läuten, während er sich so stellte, daß er durc
das Guckloch nicht gesehen werden konnte. Als geösffnet
wurde, sprang er vor und schob das Stubenmädchen un—
anft beiseite. In der Wohnung entstand nunmehr ein
fürchterlicher Spektakel. Das Stubenmaͤdchen flüchtete zu
her Köchin in die Küche, die Dr. K. von außen abschloß.
Frau Dr. K. flüchtete sich, als sie ihres Gatlen ansichtig
wurde, aunToilette, riegelte von innen ab und rief
aus dem r um Hilfe. Die Folge war, daß das
ganzen armiert wurde. Erst als man die Korri—
dortür 6 aim sprengte, gelang es, in die Wohnung
einzudringen und des Angeklagten, den man seinerzeit für
rrsinnig hielt, habhaft zu werden. In der ersten Ver—
andlung vor der Strafkammer wurde Dr. K. zu dre!
agen Gefängnis und 50 Mark Gelddstrafe verurteilt. Die—
es Urteil wurde wegen eines Formfehlers vom Reschs
jericht aufgehoben. In der erneuten Verhandlung wurd:
er Angeklagte von mehreren pfychiatrischen Sachverstän
igen zur Zeit der Tat als hart an der Grenze der Gei—
eskrankheit stehend bezeichnet. Das Gericht kam dem
lntrage des Staatsanwalts entsprechend auf Grund des
51 au einer Freisprechuna des Angeklaqieæ—
Broßstädte. In der ä — 2
900 000 Cuntn —E ode mehr als
pitze mit nicht weniger als 52; freilich ist bei 8 ger
cherheit der chinesischen Vollszählung die Zahl ag 8*
icher, und es gibt eine andere Schätzung, nach der
wären. Von den übrigen indens e 530
nit Städten über 100 6d0: Vereinigte Staaten 46,
and 44, Großbritannien und Iine — — Deee
ind 20, Frankreich 14, Italien 11, Japan 10 on
eich Ungarn 9, Tütkei und Spanien je Die eer,
änder haben weniger als fünf solcher Großslaͤdte —
Deim rurarzi. Millionär: „Bitte, Herr Dol
or, ich will während der Kur magerer werden, meine
xrau soll stärker werden, und meine Tochter soll so blei—
»en, wie sie ist Bitte, machen Sie das — ich bin ein
wicher Mann, ich lann's bezablen.“

— —
Wie Revolntionen entstehen.
Der „Vorwärts“ veröfsentlicht einen sehr interessanter
Zericht seines Korrespondenten aus Lissabon über die Pro
JIamation der portugiesischen Republit. Aus diesen gewif
mverdächtigen Mitteilungen geht klar hervor, daß nur
durch die unglaubliche Ungeschicklichteit, die auf seiten der
önigstreuen Truppen zu Tage trat, der Sieg der Revo—
ution möglich war. Ueber den Beginn des Kampfes wird
gesagt: „Als die Munizipalgarde (die königlichen Präto—
ianer) den Aufständischen den Weg zu verlegen suchte,
atten diese sich noch nicht organisiert. Es waren elvva
2000, darunter eine große Anzahl junger Leute aus dem
Volke ohne Führer und ohne gemeinsamen Plan. Wenn
n diesent Moment die Munizipalgarde sich mit aller Ge—
valt auf die Revointionäre geworfen hätte, sie würden sie
vahrscheinlich zersprengt haben.“
Der zweite Fehler wurde nach der Niederlage der
Nunizipalgarde von der Leitung der königlichen Arme
gemacht. Anstatt die zur Verfügung stehenden Truppen, 6
sRegimenter, gegen die Revolutionäre zu schicken, um zu
ersuchen, diese zu 3mzingeln, verwandten die Herren de—
ßeneralstabs diese Streltfräste zu ihrer eigenen Verieinia

„Bitte, nehmen Sie Platz!“ lud das Ehepaav ein und
chleppte zwei Stühle herbei.
„Danke. Wie steht es mit den Sachen?“ fragte
dersten.
„Gilet und Beinkleid total fertig, der Frach so gut
die fertig.“ J
„Schön, Meister schön!“ sagte Kersten erfreut. F,Ich
elomme alles wohl heute noch? —
„Nun —“ überlegte Lämplein. „Sagen Sie, Herr
dersten, um welche Zeit reisen Sie morgen ab zu Ihrem
ieben Fräulein Braut?“
„Ach ja, Ihrem lieben Fräule'n Braut“, rief Frau
Jämplein mit schmelzender Stimme und knirte mehrmals.
„Ruhig, Alte! mahnte Lämplein. — — — —
Kersten aber sagte: „Sechs Uhr dreißig.“ ———
„Ah schön, schön!“ jubelte der Meister, in die Höhe
pringend, als hätte er einen Haupttreifer gemacht.
„Also Gilet und Beinkleider sende ich Ihnen noch
zeute und den Fradk bringe ich Ihnen morgen früh punki
echs Uhrl“
„Kann ich mich aber darauf verlassen?“ fragte Ker—⸗
ten bedenklich.
„Aber, Herr Kersten, ganz gewißl! Es ist so gut, als
—
„Ich sorge ganz gewiß dafür“, fiel auch die Schnei—
dersfrau ein, „daß er fertig wirbd.“ —
⸗Nun gut. Aber punkt sechs, Meister!“
Bombenfestl Und wenn alles stürzt!“ ————
„Verlassen Sie sich sicher darauf!“ rief Frau Lämp
lein nochmals und fügte dann mit überströmender Weich
heit hinzu: „Nochmals meine herzlichen Glücwünsche 3
dem freudigen Schicsalsschlage, der Sie betrofien hat.
Herr Kersten!“
Der also Beglückwünschte wandelte darauf, vom leuch—
senden Schneider begleitet, die wurmstichige Treppe hinab.
Ein durch die Zähne pfeifender Lehrling brachte ihm
hald darauf Weste und Hose, die nicht verfehlten, auf
hren Besitzer einen —B— und zugleich beruhigenden
kindruch zu machen.
Zeitig legte er sich schlafen, doch unruhige Träume
törten seinen Schlummer. Kein Wunder, stand er doch
or der Hochzeit, und wer wäre Frosch genug, vor einem
olchen Garderobenwechsel des alten Adams, der doch
ahrlich kein Spaß ist. sanft zu schlafen? 8

ing und erlaubten dadurch den dievorutignären, ier
ormieren und sich mit der Flotte in Verbindung zu nr
lim Morgen bes 5. Oktober stand d'e Sache der Rev.
ion sehr kritisch. Der Bericht meldet: „Die Revolution
chlugen sich mit Aufopferung und Todesmut. Aber
erloren Terrain. Man erwartete neue revolution
Itreitkrüfte, d'e indessen nicht kamen. Um diese Zeit b.
en die wenigen Ofsiziere, die sich unter den Revoluͤ
ären befanden, einen Kriegsrat ab, um die Maßreo
u bestimmen, die in diefer kritischen Situation zu erg.
en seien. Einftimmig beschlossen sie den Rückzug, der
mgetreten wurde. Wären sie verfolgt worden, so w
ie Niederlage schrecklich und die Revolution gänzlich
oren gewesen. Ein Regiment Kavallerie, ein Regim⸗
Art'llerie und ein Regiment Infan erie um zingelten
eits die revolutionären Streitkräfte. Die Situation wr
vahrhaft verzweifelt. Noch ein Augenblick des Zögen
nd alles war verloren.“ Der Bericht schildert dann w
er, wie „in diesem kritischen Moment“ ein junger See
izier die Führung der Revolutionäre übernahm und unm
er Parole „Sieg oder Tod“ den Kampf gegen die könig
reuen Truppen wieder aufnahm, welche dann nach
zlucht des Königs kapitulierten. So wurde in Porlu—
„ie Dynastie gestürzt und die Republik errichtet.
Es war keline Bewegung, die das ganze Volk m
ich gerissen hätte. Ein Häuflein entschlossener Revoluu
äre brachte es fertig, den Thron der Braganza zu s
en. Aber ihr Sieg war nur dadurch möglich, daß
Zräger der Krone selbst die Flucht der Verte digung
es Rechtes vorzog und daß die Leute, auf deren Tre
r sich verlassen mußte, zum Teil diese Pillcht vergaßen.
ie Minister des Königs haben sich geradezu kläglich fen
enommen —. zum anderen Teile aber in dem Kam—
egen die Revolution eine derart große Ungeschicklich
nd einen solchen Mangel an planvoller Leitung bew
n, daß ihre Verteidigung so gut wie vollständig m—
»8 wurde. Daß, nachdem die Revolution gesiegt und d
stepublik proklamiert hatte, alsbald die Masse des —X
en neuen Machthabern zujubelte, das ist nicht weiter ve
vunderlich. Die Revolution in Portugal wäre unmõgli
jewesen, wenn die Regierung mit Umsicht und Energie d
Verteidigung ihrer Rechte unternommen hätte. Dies win
»or allem klar, wenn wir das Gegenstück des benachbe
en Frankreich betrachten. Der Streik der Eisenbahnang
tellten mit seiner anarchistischen Tendenz war gewiß eben
o gesährlich als der Handstreich der Lisfaboner Revolum—
näre. Aber die französische Regierung hat ohne Zauder
ind ohne Sentimentalität sofort alle Maßnahmen getro
en, die ihr zu Gebote standen, und sie hat es dadu
rreicht, daß die Ausständigen bereits nach wenigen Tage
edingungslos sich unterwersen mußten. Hätte die fran
ösische Regierung Schwäche oder Mangel an Umsicht 9
eigt, wer möchte sagen, wozu es in Frankreich gekomm—
⸗»äre. Die Regierung hat das Recht und die Pflicht, jed
zewegung, welche den Bestand des Staatswesens din
devolution und Aufruhr antastet, mit allen Mitteln im—
att rücksichtsloser Energie zu unterdrücken. Die Revolutio
nPortugal hat gezeigt, wie kleine und anfänglich schwa⸗
eweaungen zur Macht gelangen können
— — — — —

7*
d
*

E

——

Auhiger war der Schneider. Friedlich verzehrte
nit Weib und Kind die so rätselhafte Suppe.
Dann aber erhob er sich und sagte, stich mit Würde
ꝛeckend: „Alte, heute wird einmal ins Wirtshaus gegan
en.“ — — — —
„Aber Dienegott, der Frackk“ —**
„Wird morgen früh fertig gemacht. In einer Stund
st er fertig.“ r dech gich Lonhese V
„Aber Du bleibst doch nicht lange?“ 4
J bewadre Ich kenne mich ee
„Du mußt dann morgen um halb fünf raus.“
„Fretlich. Drum bleibe ich nicht lange, Du weibt
ich kenne mich.“
Und nun zog der Hausvater den langschößigen Aus«
ehroch an, nahm Mütze und Stock und wandelte mit dem
tillver znügten Schritte eines Mannes, der das Sein⸗
pollbracht, durch die winkeligen, holperigen Straßen
Nachdem er sich Zigarren gekauft, trat er in das Wors
haus zur „Amsel“ ein.
In diesem niedrigen und engen, aber für den de
Jeich Meister Lämplein Geld zum Kneipen besaß, »*
»ehaglichen Lokale war heute srohes Leben.
Mit würdigem Ernste setzte sich der hier wohlbekaunt
Meister an den Stammtisch. Doch bald schmolz die Rinde
ind er nahm an der allgemeinen Heiterkeil teil.
Es war heute auch wirklich ein Grund zu dieser ——
zen Lustigkeit vorhanden. Die meisten Anwesenden gehör
ten einem Pfeifenklub an. Bekanntlich gibt es verschie—
dene Vereine: künstlerische, wissenschaftliche, wohltätige umd
auch solche, die sich den gewiß sehr ehrenwerten 8wese
setzen, Tabak in Asche zu verwandeln und dabei einen
jehr dicken und angenehmen Rauch herzustellen, der höch
ingern zur Tür und zu den Fenstern hinausgelassen wird
Dieser zivilisalorischen Aufgabe widmete sich auch de
Bfeifenklub „Tubak“, dessen Mitalieder sich kente in de
Amsel“ versammelt hatten.
Eines dieser Mitglieder aber fehlte heute ganz gewis
daß wußte jeder der andern, und dies Fehlen war au
er Grund zu dem zahlreichen Beisammensein. Jenes Mit⸗
Mied war nämlich heute begraben worden, und die v
insgenossen benutzten die Gelegenheit zu einem ausgieb
en freilich nicht besonders stillen Gedanken
            
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