Full text : Dudweiler Zeitung

Aran ten, um einen runden Tisch sihend, auf dem xar—
en urch Atlanten ausgebreitet sind. Jeder Vortrag isi
zuf die Dauer einer Stunde berechnet, doch wird diese
zeit meist erheblich überschritten, namentlich, weil der
kronprinz es nicht an vielen Fragen fehlen läßt, die eine
roße Wißbegier und auch die Tatsache bekunden, daß ihm
zie Gebiete, die der Vortragende behandelt, keineswegs
vemb sind. Die Vorträge werden dann durch Lichtbilve
riutert. fim die ein an das Arbeitszimmer stoßender
loiner Saal benndi wird. Inhalt und Sioff der Vor
raga, denen die Obrer mit der gespanntesten Aufmert.
amkelt folgen, ist dem Reiseplan des Kronprinzen ent
prechend angeordnet. Indien macht den Anfang, danrn
88 Slam und Java, und China und Japan bilden der
zeschluß. Die Verhältnisse der einzelnen Länder werden
ausführlich und systematisch in geographischer und ethno
raphisch historischer Beziehung von der Vergangenheit vis
ur Gegenwart geschildert, die großen Probleme der Na
sonalitäten und Rassen erörtert, den wirtschaftlichen Fra—
un — eingehende Aufmerlsamkeit zugewendet. Es
—* hßden Kronprinzen die Verhaͤlinisse in Indien
om politischen und militaͤrischen Gesichtspunktte ans be—
onders tnteressteren. Mit der Literatur uͤber den fernen
ften macht er sich ebenfalls vertraut, eine kleine ausge
pählte Bibliothet wird ihn auf der Fahri begleiten vag
Lehseprogramm ist im wesentlichen fesigesetzt, doch sind
mnzelne Abänderungen noch moͤglich. So ist es nicht aus—
eschlofsen, daß der Aufenthalt auf Ceylon, für den vier
Lochen in Aussicht genommen waren, durch einen Besuch
zũüd⸗Indiens unterbrochen werden wird. Größere Jagd—
xpeditionen sind für Ceylon, Siam und Java geplant,
nd der Kronprinz, der ja ein lesdenschaftlicher Weidmann
t, foll auf Ele'anten und Tiger zu Schuß gelangen. Die
jestlegung der Reiseroute ist, wie man weiß, durch das
luswärtige Amt geschehen. Dessen Vertreter, Gesandte
nd Konsuln, vereinbaren an den einzelnen Orten mit den
aländischen Behörden das Nähere und unterbreiten dem
ronprinzen bei seiner Antumftt die gemeiniamen Vorschläge

Die französischen Eisenbahner.
Die Kolner Eisenbahndirektion ist benachrichtigt wor—
en, daß Frachtgüter für die französische Nordbahn
dieder unbeschränkst angenommen werden.
Trohdem die Eisenbahnlinien von zahlreichen Mili—
ärposten abpatrouilliert werden, sind doch neue verbreche—
ische Anschläge auf der Eisenbahnlinie Paris-Mittelmeer
u verzeichnen. Es wurden Leitungsdrähte abgeschnitten
ind versucht, Züge zur Entgleisung zu bringen. Nach—
orschungen nach den Urhebern der Alttentate sind eingeleitet.
Bisher wurden über den Eisenbahnerstreit
on Deputierten verschiedener Parteien 25 Interpellatio—
jen angekündigt. Die Gruppe der geeinigten Sozialisten
at eine gemeinsame Interpellation eingebracht, die haupt⸗
ächlich von Jaures vertreten werden wird. Um ein end—
oses Hinausziehen der Debatte zu verhindern, beabsichtigt
»er Ministerpräsident, gleich in der ersten Sitzung das
Vort au ergreifen

Die Vorgänge in Portugal.
Das Amitsblatt veröffentlicht Dekrete über die Ab—
chaffung aller Ausnahmegesetze, u. a. des Anarchistenge—
etzes und des Gesetzes zur Unterdrückung der Preßfreiheit.
der Minister des Innern, Almeida, will, auf zahl
eiche Republikaner gestützt, einige Verordnungen erlassen,
ie gewissen Forderungen der sozialistischen Partei ent—
prechen. Die Prälaten haben sich sämtlich der Republitk
ingeschlossen. Den Soldaten, die für die Revolution ein—
jetreten sind, wird als Belohnung u. a. ein viermonati—
ger Heimatsurlaub unter Fortbezug des Soldes bewil—
igt. Truppenfontingente aus den Provinzen werden die
Arlauber ersetzen.
Aus Lissabon wird dem. ‚Matin“ gemeldet, daß
ahlreiche Portugiesen freiwillig dem Finanzminisier mehr
»der minder bedeutende Geldsummen anbieten, die dazu
ienen sollen, die äußere schwebende Schuld zu tilgen.
Ztaatsbeamte und Militärpersonen hätten den Finanzmi—
nister schriftlich gebeten, einen Teil ihrer Bezüge sür diese
Zchuldentilgung zu verwenden
— — ———— ——
Lokales und Vermischtes.
Ueber Redakteurs Leiden und Freuden.“ Diese
ind offenbar überall so ziemlich die nämlichen. Wenigstens
esen wir im „Brixener Anzeiger“ folgende Betrachtung
ie ebenso gut bei uns geschrieben sein könnte: „Hat das
Zlatt viel Anzeigen, beklagen sich die Leser wegen Stoff—
nangel. Hat es wenig Anzeigen, so sagt man, es ist nichts
vert. Läßt sich der Redakteur viel auf der Gasse und im
Virtshaus sehen, dann heißt es, er bummelt herum. Ar⸗
eitet er fleißig zu Hause, dann ist er ein fauler Mensch
»er sich um keine Neuigkeiten bekümmert und keine Fühlung
nit dem Volke hat Nimmt er einen langatmigen WBericht
icht auf, macht er fich Feinde; nimmt er ihn aber auf,
ann heißt es, der bringt jeden Quark. Unterdrückt er
einliche Nachrichten aus gutmütigem Herzen, sagt man: er
st feige, bevorzugt gewiffen Klassen; bringt er aber den
zericht, dann gibt es Krawall mit der betreffenden Familie
ind deren Frennden. Nennt er in einem Berichs
iber die Gerichtsverhandlung auf Bitten der Familienan
gehörigen des Angeklagten die Namen nicht, so läßt er sich
estechen; nennt er die Namen, so, begeht er eine Gemein⸗
seit. Macht er eigen Witz, dann ist er bissig, anmaßend
ind unverschämt. Bleibt er mil seiner Schreiberei steis im
Schatten kühler Denkungsart, dann' ist er ledern und' ge—
zraucht er eine scharfe Schreibweise, so ist er klotzig und
zrob. Schreibt er gemäßigt und zahm, dann ist der Re—
zakteur zu rücksichtsvoll. Deckt er Mißstände auf so ist er
in Frechling, ein Saukerl; unterläßt er es, für andere die
Tastanien aus dem Feuer zu holen, so ist er ein Feigling.“
. Haftpflicht des Gastwirtes bei hinausgeworfenen
zästen. Die Frage, ob ein Gastwirt, wenn er einen un—
iebsamen Gast etwas unsanft ver die Türe gesetzt hat, für
ie Folgen haftbar gemacht werden kann, die aus einer
berletzung des Gastes bei dem Hinauswurf eintreten, hat
etzt vor dem Oberlandesgericht in Celle als Berufungsin—
tanz Erläuterung gefunden. Der Tatbestand war folgen⸗
der: Ein Wirt in Linden hatte einen angetrunkenen Gast
jor die Türe gesetzt, wobei der Hinausgeworfene das Bein
rach. Die Folge dieser Verletzung war eine Blutvergif⸗
ung, an der der Hinausgeworfene starb. Die Witwe ver—
angte nunmehr eine lebenslängliche Rente und machte
jeltend, daß es dem Wirt nicht zustehe, Gewalt anzuwenden,
ie Schaden mit sich zu bringen in der Lage sei. Das
randgericht wies die Klage ab und das Oberlandesgericht
rkannte als Berufungsinstanz, daß ein Gastwirt zur Wahr—
ing seines Hausrechtes renitente Gäste auch mit Hülfe
iner kleinen gewaltsamen Nachhilfe hinausschaffen dürfte.
Es könne daher nicht als widerrechtlich angesehen werden,
vaß der Beklagte den Aufsässigen vor die Türe stieß, wobei
»er Beinbruch mit den höchst seltenen Folagen eintrat. Die
Tlage sei daher abgewiesen.
Die Reformen der Wehrmacht in österreich. Wie
ereits gemeldet, beabsichtigt die österreichische Heeresver—
oaltung eine Reihe einschneidender Reformen der Armee.
zor allen die zweijährige Dienstzeit und die Erhöhung des
dekrutenkontingentes, wodurch der Friedensstand eine Ver—
ärkung von etwa 30 000 Mann erfahren würde. Die
dosten hierfür werden natürlich sehr beträchtlich sein und
Hen ungefähr 800 Missionen KOronen Mehßrausagaben ver.

irsachen, eine Summe, die sich allerdings auf eine Reihe
von Jahren verteilen dürfte. Doch verlautet an maßge—
ender Stelle, daß sich die nächste Delagationstagung nur
rundsätzlich mit diesen Fragen zu beschäftigen haben wird,
vährend die notwendigen Kredite selbst erst von den De—
egationen für 1911 angefordert werden sollen. Das neue
Lehrgesetz, welches natürlich von den Parlamenten der
seiden Delegationen die notwendigen Kredite verlangt wer—
en können, wird erst nach Beendigung der nächstjährigen
Relegationstagung im österreichischen Reichsrate und un—
arischen Reichstage eingebracht werden.
Die Psfycholole des Schlafes. Die Wissenschaft
om Schlaf steht noch in den Säuglingsjahren, der größte
leil ihrer interessanten Probleme harrt noch der Entschlei—
rung, wie von den hervorragendsten Psychiologen und
zsychologen zugegeben wird. Sogar die Grundbegriffe
om Wesen des Schlafes sind noch nicht sichergestellt. So
verden in den meisten Betrachtungen über den Schlaf, wie
er Hamburger Nervenarzt Dr. Trömmer hervorhebt, Schlaf—
»edingungen mit Schlafursachen verwechselt. Ermüdung ist
Zweck des Schlafes, Ermüdung ruft den Schlaf hervor und
ꝛeeinflußt seine Tiefe, aber ebenso gewiß erscheint es, daß
er Schlaf nicht selsst Eimüdung ist, denn es schlafen z.
3. Säuglinge fast den ganzen Tag, obwohl sie keine Ge—
egenheit zur Ermüdung haben. Es folgt auch der Schlaf
»er alten Lente, die z. B. das ruhigste Dasein haben,
urchaus den Regeln der Gewohnheit. Bei Gesunden pflegt
anges und häufiges Schlafen das Schlafbedürfnis zu stei—
jern, wie es andererseits rastlose Arbeiter gibt, die sich
rotz ununterbrochener Tagesarbeit auf sehr geringes Schlaf⸗
edürfnis trainiert haben. Bei nervös Veraulagten bewirkt
lebermüdung pflegt sich langsam zu entwickeln. Das Ein—
hlafen geschieht jedoch bei Gesunden rapide, mitunter in
venigen Sekunden. Wenn Tagesarbeit und Mühe den
Iganismus ermüdet haben, ruft die Schläfrigkeit einen
Halt“ zu, es tritt das Einschlafen ein, dessen Wesen im
odesentlichen anf Hemmung der Hirnfnnktion beruht, eine
hemmung, die um so energischer einsetzt, ie gesunder der
dörper ist.
Ueber die Gesundheitspflege im Bergwerksdirektionsbe—
irk und die hierfür getroffenen Einrichtungen berichtet der
zaarbrücker Knappschaftsverein in feinem Jahresbericht für
909 folgendes: Im Berichtsjahre waren 48 Aerzte in
bensoviel Revieren bei Ausübung der Gesundheitspflege
itig. Von der Wahl eines anderen Arztes haben 1674
Nann, das sind 3,21 Prozent der durchschnittlichen Mit—
zliederzahl Gebrauch gemacht. Die Verrichtungen der nie—
eren Chirurgie wurden teilweise von zweizfestangestellten
deilgehilfen, zum greßson Teile von Leuten mit ähnlicher
Lusbildung gegen Bezahlung der Einzelverrichtungen be—
orgt. Außerdem waren 88 Bergleute, die größtenteils
ildet worden waren, mit der ersten Hilfeleistung bei Un—
lücksfällen auf den einzelnen Grubenabteilungen betraut.
die einer besonderen Pflege und Wartung bedürftigen
kranken, sowie Augenleidenden fanden in den drei Ver—
inskrankenhäusern zu Völklingen, Sulzbach und Neun—
irchen, bezwutn den Kliniken der vier knappschaftlichen
lugenärzte in Saarbrücken 1, Saarbrücken 3, Neunkirchen
ind Saarlouis Aufnahme und Behandlung. Für die einer
pezialistischen Behandlung bedürftigen Ohren⸗, Nasen⸗ und
alskranken ist der Spezialarzt Dr. Lindemann in Saar—⸗
rücken 1 bestellt. 138 lungenkranke Bergleute sind im
Jerichtsjahre während durchschnittlich 420.9 Tagen in der
eilstätte Sonnenberg bei Saarbrücken behandelt und ver—
flegt worden. Für die Behandlung zahnkranker Vereins—
aitglieder sind 8 approbierte Zahnärzte bestellt. 2930
zergleute haben im Laufe des Jahres zahnärztliche Be—
andlung erfahren; 333 Mitgliedern sind künstliche Zähne
ewilligt worden. Auf den Kopf der aktiven Vereinsmit—
lieder kommen 0,59 Krankheitsfälle, 11,42 Krankheitstage
ind 20,86 Mark Krankengeld.
Die Alarmpfeife auf dem hiesigen Gaswerk, die dazu
ingebaut wurde, um in Feuersnot und bei sonstiger Ge—
ahr die Feuerwehr zu alarmieren, ist gestern probiert wor—
en. Sie war deutlich vernehmbar und die einzelnen
zignale gut zu unterscheiden.
. Brockensammlung. Wie aus einem Inserat zu er—⸗
»hen, wird auf dem hiesigen Rathaus durch den Sekretär
er Armen-Verwaltung, Herrn Kammer, eine sog. Brocken⸗
inmmlung eingerichtet. Es ist mit Freuden zu begrüßen,
aß Herr Kammer sich dieser immerhin nicht kleinen Mühe
nterzieht, um die Fürsorge für die Armen und Bedürfti—
en der Bürgemeisterei Dudweiler auch auf Kleider, Mobilar
sw. auszudehnen. Wir bezweifeln nicht, daß Herr Kam—
ijer hierbei eine kräftige Unterstützung der bessersitutierten
Irtseingesessenen zuteil wird. Es gibt ja so viele Gele—
enheit, auch hier werktätige Nächstenliebe zu üben — des—
alb ihr lieben Hausfrauen, frisch auf zu löblichem Tun
ind einmal Nachschau gehalten: wie Vieles wird sich da
och finden, das hier verwertet werden kann!
Eine Versammlung von Leimpeters und Genossen fand
estern im Lokale Baptist Fuhrzstatt. Die Tagezordnung
autete: Stellungnahme zu den erfolgten Maßregelungen
er dem deutschen Bergarbeiterverband angehörigen Mit—
lieder. Bekanntlich sind auf den Königl. Saargruben ver—
chiedene dem sozialdemokratischen Verbande anagebörige
zergleute entlassen worden.
Die Abkehr von Bergleuten von einzelnen Gruben
es staatlichen Saarbergbaues ist in den letzten Monaten
ine nicht unerhebliche. Wie schon gemeldet, muß die Berg—
verksdireltion wegen schlechter Absatzverhältnisse in diesem
Jahre ganz ungewöhnlich viele Feierschichten einlegen. Der
Lerlust ist für die Bergleute ein recht fühlbarer. Die Leute
aben zum größten Teile auf den benachbarten lothringischen
hruben Arbeit genonmmen. — Wegen ihrer Zugehörigkeit
um alten (sozialdemokratischen) Bergarbeiterverband wurden
erschiedene Bergleute der staatlichen Gruben ohne Hün—
igung aus der örbeit entlassen.
Eingesandt. Die gestern nachmittag 4 Uhr im Lokle
huber tagende Versammlung beider Zahlstellen des Ge—
»erkvereins christl. Bergarbeiter Deutschlands, die von über
00 Mann besucht war, wurde vom Vorsitzenden Savel—⸗
ouls mit einer Ansprache eröffnet, in der er treffend klar
egte: „Warum haben wir christl. Gewerkschaften?“ Da—
auf wurde zur Tagesordnung über vier sehr wichtige Punkte
zeschritten: 1. Petition an den Landtag, 2. Hausagitation,
„ Beerdigung verstorbener Mitglieder und 4. Unterrichts⸗
ursus, wobei sich die Mitglieder sehr lebhaft an der Dis—
ussion beteiligten. Betreffs der Petitiou wurde von einem
Lorstandsmitgliede erwähnt: „Es seien mehrere Geschäfts—
eute an ihn herangetreten, er möge doch anregen, daß auch
ür sie eine Petition an den Landtag ausgearbeitet würde,
a durch die schlechten Löhne der, Bergarbeiter auch sie schwer
etroffen würden. Er habe ihnen geantwortet, daß müßten
ie selbst machen und sich geschlossen wie wir an die Land⸗
agsabgeordneten wenden!“ Betreffs der Beerdigung wur—⸗
e beschlossen, bei Katholiken nach dem Todtenamt an der
dirche, bei Protestanten am Hause anzutreten.“ Nachdem
er Vorsitzende und mehrere Kameraden noch darauf hin⸗
iesen, den Kursus am Dienstag recht zahlerich
abesuchen, wurde die Versammlung mit einem
och aufzdie christl. Gewerkschaften geschlossen.
Der junge „Saarbrücker Aviatiker“ Jungbluth ein
chwindlor Sun don loizten Mochen war miodorholi

nden Zeitungen die Rede von einem Saarbrücker Avia—
ker, der einen Fallschirn-Aeroplan erfunden haben sollte.
der junge Mann, der sich auf die Reklame sehr gut ver—
land und mit Autoritäten auf dem Gebiete des Flugsports
u renommieren wußte, fand anfänglich eine nicht unsym—
athische Aufnahme, solange man der Ueberzeugnng sein
onnte, daß seine Angaben wahr seien. Das Blättchen
bendete sich, als Hr. Jungbluth in einem Vortrage im
hotel „Monopol“ seine Erfindung erklären sollte. Wie uns
erichtet wurde, kam er über einige Phrasen nicht hinweg,
ind wußte den Fachleuten auch nicht über die notwendig
ten Punkte Auskunft zu geben. Das ließ den Verdacht
rufskommen, daß man es mit einem Schwindler zu tun
jabe, der das Interesse für die Luftschiffahrt zu persönlichen
Zwecken ausnutzen wollte Herr Patentingenieur Zweigle
ertrat in einem „Eingesandt“ in der „Saarbrücker Volksr
eitung“ lofort den Staudpunkt, daß Hr. Jungbluth die
Jeffentlichkeit düpieren wolle, und der „junge Saarbrücker
lviatiker“ schwieg auf die fachtechnischen erhandlungen
eharrlich. Das bestärkte den Verdacht, daß man es mit
inem Schwindler zu tun habe. Jetzt wird der Volksztg
emeldet, daß der „junge Aviatiker“ in der Freitags-Nacht
as Weite gesucht hat. Er wird bereits von der Krimi—
njalpolizei wegen Zechprellerei und Diebstahls verfolgt.
Riegelsberg, 21. Okt. Die ersten Bewohner des neuen
drankenhauses im Fischbachtale, die auf Grube Von der
deydt verunglückten Bergleute, wurden am Mittwoch in
as genannte Krankenhaus gebracht. Es waren dies die
zergleute Maschinenwärter Johann Schmidt aus Heus—
»eiler und der Schlepper Philipp Ettelbrück aus Burbach.
zeide erlitten gestern vormitag bei Ausübung ihres Berufes
hwere Fußquetschnngen. (WVölkl. Ztg.)
Louisenthal, 22. Okt. Wegen Vergehens an der
igenen 14jährigen Tochter wurde gestern abend um 8 Uhr
in Arbeiter von zwei Polizisten auf der Straße verhaftet
ind sogleich nach dem Amtsgericht Völklingen überführt.
Jor 3 Monaten starb erst die Mutter des unglücklichen
dindes unter Hinterlassung einer Anzahl kleinerer Geschwister.
den armen Kindern wird allgemeine Teilnahme entgegen—
ebracht Sbr. Voklsz.)
Spiesen, 21. Okt. Einem Fahrraddieb gelang es dieser
kage, im hiesigen Gasthof „zur Glocke“ von Arnold Oster⸗
vald ein noch neues Fahrrad zu stehlen. Kurz vor dem
diebstahl ließ der Bestohlene noch einen Freilauf von 18
Nark einsetzen. Trotz eifriger Nachforschung konnte der
dieb noch nicht ermittelt werden.
Saarbrücken, 22. Okt. Einem Pensionär aus dem
ztadtteil Malstatt, der seit Jahren Armenunterstützung be—
ogen hat, wurde in Trier zauf einer Bierreise ein auf
000 M. lautendes Sparkassenbuch gestohlen. Durch die
son ihm erstattete Anzeige kam unsere städt. Verwaltung
ahinter und stellte fest, daß dieser von der früheren selb—
ändigen Verwaltung Malstatt-Burbachs übernommene
ztadtarme ein ganz respektables Vermögen besitzt, das er
ei verschieden Sparkassen angelegt hat. (Sbr. N. N.)
* Vom Rhein, 23. Dti. Rheinschiffahrt.) Die
age des Frachtenmarkes hat eine wesentliche Befestigunç
fahren, und Kahnmieten, sowie Frachten schlugen auf
härts strebende Bewegung ein. Die Ursache hierfür lieg
mden schwierigeren Verhältnissen, die sich durch den Was
rrückgang neuerdings herausgebildet haben. Die Zah
er Transporte hat abgenommen. Die Schiffahrt nackt
em Straßburger Hafen kann als eingestellt betrachtet wer—
en, da die erforderlichen Ableichterungen so starle fseir
tüssen, daß sich die Fahrten dahin nicht mehr lohnen.
im Frachtenmarkte der Ruhr gingen die Schiffsfrachten
euerdings stark in die Höhe. Die Aufwärtsbewegung der
ichlepplöhne geht langsam vor sich, weil das Angebot von
ichleppkraft doch noch viel zu groß ist gegenüber der
dachfrage. Die Fracht belief sich zuletzt für größere Eisen
tzladungen nach der Ruhr auf 90 bis 102 Tts., je nach
er Dauer der Löschfrist, und für Holzsendungen ab Rot—
rdam nach der Ruhr bei voller Ausladezeit auf 173 bis
80 Ets., je nach Ladung, pro Last von 2000 Kilo. —
n Mannheim gingen die Talfrachten gleichfalls in die
öhe. Für Holzsendungen nach Köln-Düsseldors, Mülheim
m Rhein und Duisburg wurden ab Mannheim 21 Mari
er 10 Tonnen zuletzt genehmigt. Bei letzten Verladun—
en von Schwergut ab Mannheim nach dem Mittelrhein
ellten sich die Frachtsätze auf 5 bis 6 Pfg. pro Zentner
e nach der Dauer der Löschzeit.
* Friedberg, 23. Ott. (Meuer Besuch.,.) Die Groß
ürstin Sergius ist zum Besuche des Kaifers und der
kaiserin von Rußland im hiesigen Schlosse eingetroffen
* Kempten, 24. Olt. (Kirche n die b) Hier würde
er 64 Jahre alte Hilfsdiener Georg Gab verhaftet, als
r sich an einem Opferstock der St. Lorenzkirche zu schaffen
nachte. Er gab zu, in den letzten Wochen wiederholt die
Rpferstöcke der Kirche beraubit zu haben. Ein
zolizeibeamter, der sich in einem Beichtstuhl versteckt ge
alten hatte, erwischte ihn auf frischer Tat.
* Freiburg (Breisgau), 23. Okt. (Brand.) Nach
ner Meldung aus Adelsberg (Amt Schönau) brach ein
zrand aus, dem sechs Häuser zum Opfer fielen. Eine
rau ist tot und ein Kind wird vermißt.
*Munchen, 24. Oflt. (Die Pocken.) Bei einem
ber Wien aus Warschau zugereisten russischen Studenien
ourde der Ausbruch von Pocken amisärz nich fesigestellt:
ie Erkrankung ist leichter Art. Alle Desinsettionsund
bsonderungsmaßregeln sind agetroffen.
*Bonn, 23. Oktt. (Im Beruf getötet.) Ein
erheiratetet Güterbodenarbeiter aus Alfier wurde am hie⸗
igen Güterbahnhof von einem Rangierzuge überiabhren
ind getötet.
*Bonn, 23. Olt. Studentenschießerei.) We—
en Zmeikampfes mit tödichen Waffen hatten sich die S.u
enten der Geodäfie, Karl Bastian aus Trarbach, Hugt
zcholz aus Poppelsdorf und Heinrich Letzepfand aus
rangenschwalbach, letzterer wegen Kartelltragens, vor der
5trafkammer zu verantworten. Das Gericht verurteilte die
eiden ersten Angeklagten zu je drei Monaten Fesiungs—
aft, den dritten wegen Kartelltragens zu drei Tagen
jestungshast.
* Düsseldorf, 23. Ott. (Jusammenstoß.) Be
er Fesmahme einige Zigeuner, die große Ruhestörungen
eranlaßten, kam es zu einem Handgemenge mit der Po⸗
zzei. Ein Zigeuner stürzte zu Boden und erlitt einen
zlutsturz. Gerüchtweise wurde verbreitet, er habe einen
zäbelhieb erhalten.
*Elberfeild, 238. Okt. GErtrunkenes Kind,
die Samariterabteilung der Feuerwehr zog einen etwan
zahre alten Knaben hier aus der Wupper, der in dern
8 gefallen war. Wiederbelebungsversuche hatten keiner
rfolg.
* Dortmund, 23. Olt. Gergmannslo 3.) Her
inbrechende Kohlenmassen begruben auf Zeche Boruffia
wei Bergleute. Einer war gleich tot, der andere wurd—
ur leicht verex⸗
Ehrung Kaiser Wilhelms. Der Stadtrat von Wien
eschloß, an beiden Enden des Kaiser Wilhelm-Ringes
Narmortafeln anzubringen mit der Inschrift: Dieser Tei
er Ringstraße, ursprünglich Parkring, erhielt seinen Na—
ten zur bleibenden Erinnerung an den Besuch Sr. Maje
ät des deutschen Kaisers Wilhelm 2. im Wiener Rat
aus am 21. September 1910.
Das Nachspiel. Wegen des Moabiter Aufruhrs in
ereits gegen 17 Personen Anklage vor der Strafkammen
nd gegen neun Personen Anklage vor dem Schwurgerich
hoben. Voraussichtlich werden sich etwa vierzig Perso
en vor der Strafkammer und etwa zwanzig vor dem
Hmurgericht au verantworten Babers

„Graf de la Rammee“. Das Gesängnis in Monn
eherbergt jetzt den Pseudografen Rammee, der in einen
bteil erster Klasse in Berlin eintraf. Im selben Zuge be
ind sich feine Gattin, Alice Hecht.
Automobilunfall. In Potsdam führ ein Automobr
egen einen Baum. Der Techniker Wünsche, der die Ma
hine führte. war sosfort tot. Der Besitzer von Strass
iußte schwer verletzt in das Potsdamer Krankenhaus ge
racht werden.
Erpresserbriefe. Der in Leipzig verhaftete jund
dann, der an den Inhaber des Weberschen Verlagsinst
uts einen Erpresserbrief sandte, hatte sich zunächst de
zolizei gegenüber als Friseur ausgegeben. Nunmehr ij
estgestellt, daß es sich um den 18jährigen Sohn eine.
ochangesehenen Leipziger Professors handelt.
Hinrichtung. Der frühere Volksschullehrer Jako!
zchadt, der am 8. April d. J. die Besitzersochter Gerp
ide Rohlmann aus Piwnitz durch Revolverschüsse getöte
sat, wurde durch den Scharfrichter Schmitz, Breslau, i
em Hofe des Thorner Landaerichtsgefängnisses hinge
ichtet.
Zur Fleischnot. Aus Wien wird berichtet: Auf der
ffentlichen Fleischständen begann am Sonnabend der Ver—
uuf von argen. chem Fleisch. Der Ansturm der Käufen
»ar ein derartiger, daß sich verschiedentl'ich unliebsame
zenen ereigneten und die Sicherheitsmannschaft mehrma'«
nschreiten niußte.
Luccheni. Professor Megevand hat in Genf die Au—
opste der Leiche Lucchenis vorgenommen. Die Autopsie
at nichts Besonderes ergeben. Als Todesursache wurde
liphyrie infolge von Strangulation festgestellt. Die Or—
jane waren nomal und aut entwickelt. Das Gehirn soll
och einer besonderen Untersuchung unterzogen werden.
das Skelett und die Totenmaske werden dem hiesigen
Nuseum übergeben. Der österreichische Konsul hat den
zeichnam besichtigt, um seiner Regierung zu berichten.
Attentat. Aus Paris wird berichtet: In das dem
)eputierten Allasseur gehörige Haus am Quai d'Orsay,
icle des Marsselds, welches Dr. Poin'ot bewohnt, wurd—
zamstag Abend eine Bombe durch ein Fenster des Erdge—
hosses geworfen. Die Bombe explodierse, ohne schwerer
ichaden zu veranlassen. Personen wurden nicht verletzt.
Ehedrama. In Brüssel tötete ein von seiner Frar
erlassener Mann diese, welche sich in Begleitung ihres
zaters befand, indem er ihr eine Kugel in den Kopl
hoß. Die Frau siel tot zu Boden. Hierauf jagte sich der
Nörder eine Kugel ins Ohr und war gleichfalls auf der
zielle tot. Das Ehepaar hinterläßt ein vieriähriges Gind
SDer Gernegroßzz. Die Regerung von Chile he
»esch osen, die Verhand' neen über den Bau zweier Dread
oughts, sowie einiger lleinerer Kricgsschisse, die am 30
RNtober in Saniago de Chise, New-York, London un
zer in beginnen sollten, auf den 30. Dezember zu ver
gagen

Gerichtszeitung.
Ein Weberprozeß. Vor dem Amisgericht Berlin
Ritte kam am Samstag eine Klage des Schriftsteller—
Veber, des Gatten der Frau von Schönebeck, geger
en Schriststeller Ste gemann, einen Mitarbeiter de
Wahrheit“, zur Verhandlung. Der Verteidiger Stege
nanns beantragte, die beiden geschiedenen Frauen Weberz
u laden, wobei sich herausstellte, daß Weber zweimal vor
derselben Frau geschieden wurde. Ein Urteil ergina his
ang nicht.
Vielversprechende Früchtchen. Eine aus den 16
ährigen Arbeitsburschen Paul Kawitzke, Willi Loesche uns
Erich Bohlmann bestehende Räuberbande, die unter de
Führerschaft des erwachsenen Karl Mohr eine zeitlang di,
Umgegend Berlins unsicher machte, hatte sich vor der 4
Strafkammer des Landgericht 2 in Berlin wegen banden
mäßigen Diebstahls, Pompadourraubes und versuchten
sRaubmordes en dem RKüster Roesener in Friedenar
zu verantworten. Die Angeklagten waren geständig und
sührten zur Entschuldigung nur an, daß sie durch Mohr,
der erst später wegen seiner Taten vor das Schwurgerich
estellt werden wird, auf Abwege gekommen seien. De—
Berichtshof nahm bei Loesche an, daß er nicht mit de—
Nöglichkeit einer Tötung des Roesener gerechnet habe,
jielt dies aber bei Kawitzke f'r nachgewiesen. Ka witzk
vurde zu sieben Jahren sechs Monaten, Lo esche zy
ier Jahren sechs Monzaten. Rhsmann 2 zwei Ma
gaaten Mefänanis ver—*

Trier, 21 Okt. Der Zeuge Hotelier Heck⸗-Gerolsten
sat die am Tatort gefundene Browning-Pistole entladen
inter den Patronen befand sich eine kleinern Kalibers. Sach—
verständiger Dr. Wellenstein-Trier erhielt einen Hautfetzen
des Mattonetchen Schädels, um daran chemische Pulver⸗
este nachzuweisen. Durch Schüsse aus einer Browning-⸗
bistole, selbst wenn sie noch in einer Entfernung von 26
»is 30 em. abgegeben werden, wird stets eine Schwärzung
urch Pulverschleim hervorgerufen. Da bei diesem Haut—⸗
etzen Pulvereinsprengungen weder im Schußkanal noch um
ie Einschußstelle festgestellt werden konnten, so muß der
dodesschuß aus einer Entfernung von mindestens 30 i
5 em abgegeben worden sein.
Gerolstein, 22. Okt. Zu der auf heute festgesetzter
Atsbefichtigung im Prozeß Breuer begab sich das Gerich
nit dem Angeklagten Breuer morgens nach dem Ort der
zdat in Gerolstein. Zunächst wurde der Briefbote Schend
ernommen. Die Vernehmung des erkrankt zu Betr
iegenden Haupttatzeugen gestaltete sich wegen seiner häu—
gen Hustenanfälle sehr schwierig. Schend sagte aus: Ich
egegnete am 14. Okt. 1908 Mattonet und Breuer hinter
zerosßRtein auf dem Wege nach Bewingen. Als ich etwa
5 Schritte von ihnen fort war, hörte ich plötzlich einer
-„chuß fallen. Ich drehte mich sofort um und sah Matte
iet am Boden liegen. Breuer stand an seiner Seite, da
zesicht nach dem Felsen zu gekehrt und gab einen zweite;
zchuß nach dem Felsen ab. Zwischen beiden Schüsse:
ig soviel Zeit, als eine Uhr Tik tak macht. Jedenfalls
dar es nicht Zeit genug, daß man dazwischen eine Pistol
om Boden aufheben konnte. Ich ging auf die Leiche zu
Zreuer rief um Hilfe. Ich sagte: Ich komme gleich
zreuer hob den Toten in demselben Augenblick auf um
agte: „Ferdinand, du stirbst doch nicht.“ Anf mein
zrage antwortete Breuer, der Tote sei ein guter Freund
on ihm. Während ich mit ihm sprach, hielt er ein
chwarze Waffe in der Hand. Alsdann rief ich die Poli—
ii herbei. Nach der Vernehmung des Briefboten Schem
»egab sich das Gericht an den Ort der Tat, der hinte'
zerolstein liegt, da, wo sich der Weg nach Bewingei
bzweigt. Hier wurden mit den Tatzeugen alle Vorgänge
oweit das möglich war, wiederholt. An einem Mann
»er am Boden liegend, die Leiche Mattonets darstellen
ollte, bekundeten alle Zeugen ihre damalichen Wahrnehm—
nungen. Nicht sicher war die Feststellung der einzelnen
Zeugen, wo die Leiche Mattonet's gelegen habe. Auch
tat der Angeklagte Breuer den bestimmten Angaben
nehrere Zeugen, daß der Mantel und der Schirm Matto
iets zur Rechten der Leiche gelegen hätten, mit große.
krregtheit entgegen; er behauptete bestimmt, der Hdantel
sabe an der linken Seite des Toten gelegen. Alsdann
vurden eine Anzahl Schüsse abgegeben, um festzustellen,
ib der zweite abgegebene Schuß vielleicht das Echo des
ersten Schusses vom nahen Felsen hätte sein können. Von
»eitem war eine Täuschung durchaus ausgeschlossen, aber
uch von dem Standpunkte des Zeugen Schend aus war
e IJSufchkauniig —Kalich oGeöaßs hier das Gicho deute
            
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