Full text : Dudweiler Zeitung

Lokales und Vermischtes.
K. Die Zahl der Kinder, welche zurzeit in unsern
kriegerwaisenhänsern Aufnahme finden koͤnnen, beträgt
120 (307 Knaben, 113 Mädchen.)4 Aus den Zinsen der
daiser Wilhelm- und Kaiserin Augusta-Viktoria Spende ist
is jetzt bei 21 von den Waisenhäufern entlassenen Zög—
ingen (16 Knaben und 5 Mädchen), für ihr weiteres Fort—
ommen gesorgt. Es erhielten oder erhalten noch eine
veitere Fortbildung 6 Knaben zum Lehrer, 4 zum Kauf—
nann, 1 zum Bürobeamten, 1 zum Konzertsänger, 2 zum
zaugewerk, 1 zum Drogisten, J zum Uhrmacher, 3 Mäd—
hen zur Lehrerin, 2 zum Haushalt. Ein 5. Kriegerwaisen—
jaus wird in Samter, Provinz Posen, exrrichtet. Es ge—
eicht uns Kriegervereinen zum Stolz, daß auch der deutsche
driegerbund die Ausübung der werktätigen Liebe sich zur
Aufgabe gemacht hat. Für ein Menschenherz kann es
doch nur eia wohltuendes und erhebendes Gefühl sein, das
zewußtsein, die Not der Dürftigen gelindert und die Tränen
er Unglücklichen und Verlassenen getrocknet zu haben.
den Armsten, die Vater und Mutter verloren haben, sollen
„ie Eltern erseßzt werden. Sie, die so einsam inmitten
des so wildumwogenden Lebens stehen, sollen das Vater—
jaus wiederfinden, das Vaterhaus mit der treuen Liebe
ind Fürsorge. Die Waisen unserer alten Soldaten sollen
n den Waisenhäusern eine trauliche Heimstätte und liebe—
»olle Pflege finden; sie sollen zu tüchtigen Menschen er—
ogen werden. Mögen die Kriedervereine bei der Ausüübung
ieser werktätigen Liebe auch in andern Kreisen Unterstütz⸗
ing finden! — Die auf den 30. Okt. festgefetzte Theater⸗
zufführung des Kriegervereins zum Besten der Kriegerwai—
enhäuser, wozu jetzt schon Eintrittskarten angeboten wer—
zen, weist folgendes reichhaltiges Programm auf: 1. Hei
natlos. 2. Ein lebendes Bild. 3. Kurmärker und Pikarde
. Im Frauenverein (6 Damen). Eine Instruktionsstunde
3. Der Herr im Hause. Für die Kindervorsieslung ist Nr
und Bb bestimmt.
5] Regelung der Saison⸗ und Inventur-Ausver—
zäufe. Seitens der Königlichen Regierung“ zu Trier ist
ur Regelung der Saison-Inventur-Ausverkäufe am 3. d.
M. folgende Verordnung erlassen worden: Auf Grund der
89 Abs. 2 und 10 HZiffer 3 des Reichsgesetzes gegen den
inlauteren Wettbewerb vom 7. 3. 1909 (Reichsgesetzblatt
5. 499) und des Erlasses des Herrn Ministers für Handel
ind Gewerbe vom 27. 8. 1909 (Ministerialblatt der Han⸗
»els⸗ und Gewerbeverwaltung S. 389) bestimme ich nach
Anhörung der Handelssammern zu Trier und Saarbrücken
ind der Handwerkskammer zu Saarbrücken für den Um—
ang der Stadtbezirke Trier und Saarbrücken, des Land—
reises Saarbrücken, des Landkreises Bernkastel, der Stadt
5t. Wendel, im Kreise St. Weudel, der Stadt Saarloms
m Kreise Saarlouis, der Stadt Merzig im Kreise Merzig
ind der Bürgermeistereien Illingen und Neunkirchen im
kreise Ottweiler folgendes: 1. Im Laufe eines Kalender—
ahres dürfen in allen Geschäften im ganzen nur zwei Sai—
on⸗ und Inventurausverkäufe stattfinden. Der eine dieser
Ausverkäufe darf nur in der Zeit vom 2. Januar bis 15.
Febr., der 2. nur in der Zeit vom 1. Juli bis 15. August
attfinden Sie dürfen die Dauer von je 11 Tagen nicht
iberschreiten. 2. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe
is zu 160 M. oder mit Haft bestrafl.
Bezirks Kommando. Mannschaften der Jahrgänge
907 und 1908, bei Kavvllerie 1906 und 1907, welche
jewillt sind, im November 1910 in die Schutzt uppe in
Züdwestafrika einzutreten, wollen sich am 25. Oktober 1910,
»ormittags 9 Uhr auf Zimmer 1 des Bezirkskommandos
Zaarbrücken melden wollen.
Allerheiligentag als Festtag. Die von der Handels—
ammer Düsseldoef beim Oberpräsidenten der Rheinprovinz
eantragte Aufhebung des Allerheiligentages als Festtag
vird in diesem Jahre noch nicht erfolgen, da nach einer
der Kammer vom Regierungspräsidenten zugegangenen
Mitteilung die Verhandlungen über diesen Antrog noch
nicht zum Abschlutz gebracht werden können, weil das Ma—
etiat zur Beurteilung dieser Frage noch nicht vollständia
orliegt.
Wetterbericht. Von Nordosten vordringender hoher
Druck hat der Vepression, welche gestern über der Nordsee
ag, den Abzugsweg nach Osien abgeschnitten und die De—
ressionz hat sich daher südwärts verlagert und bedeckt heute
Frankreich. Sie wird fich nur noch weiter verslachen und
um Teil füdostwärt; zurückweichen, sodaß starke Nieder—
chläge nicht mehr wahrscheinlich sind.
Voraussichtliche Witterung: Norden wieder besser, Süden
och nebelig, Truͤbung, allmählich kälter.
Der Verband der Kommunalbeamten im Saargebiet
sält am Sonntag, 23.d. M. nachmittags 2dreiviertel Uhr
eine diesjährige Herbstbezirksversammlung in Illiugen
m Gasthans „Zum goldenen Stern⸗ ab. Aus der Tages⸗
rdnung ist besonders hervorzuheben der Vortrag des
dreissyndikus Dr. Fuchz-Ottweiler über „Die Anwendung
es 8 53 des K.A.G. in der Praxis“. Der Verband be—
—V Laufe. dieses Winters für
eine Mitglieder eine Reihe fachwissenschaftlich r Vorträge
u veranstalten, die voraussichtlich in Saarbrücken uñd
deunkirchen stattfinden werden!
Sulzbach, 21. Okt. Gelegentlich des Bergfestes in
rriedrichtsthal am 15. Juli d. Is. entstand eine Schlägerei
iuf dem Festplatz, bei welcher der Bergmann Jakob Glock
us Landsweiler bei Lebach mit einem Messer tätlich
verden wollte. Der hinzuͤgerufene Gendarmerie⸗Wacht,
neister Schmidt aus Friedrichssthal suchte den erhitzten
vͤlock auf gütlichem Wege vom Festplatz zu entfernen,
och plötzlich wendete sich Glock gegen den Gendarmen
ind versetzte ihm von hinten einen Schlag mit dem ge—
chlossenen Messer auf den Kopf, und als Schmidt sich um—
rehte, erhielt er einen weiteren Schlag auf das Gute
luge. Die Verletzungen waren glücklicherweise nur ge—
ingfügig, so daß der Gendarm feinen Dienst trotzdem
ortsetzen konnte. In der gestrigen Schöffengerichts⸗
Sitzung hierselbst wurde dem schlagfertigen Burschen für
eine Heldentat ein Jahr Gefängnis bei sofortiger Ver—
aftung zudiktiert. Eine hübsche Erinnerung an das
zergmannsfest. (Srbr. Volksztg.)
Quierschied, 21. Okt. Gestern abend in Dunkelheit
erlor der Bote der Berginspektion X (Göttelborn) auf
er Hauptstraße hierselbst von der Wirtschaft Strauß bis
ur Wirtschaft Persch 2040 Mark Knappschaftsgelder.
zis zur Stunde hat mau trotz eifrigen Suchens das Geld
och nicht wiedergefunden. (Srbr. Vlksztg.)
Köln, 20. Okt. Oberrheinischen Meldungen zufolge
verden angesichts der distriktweise eingetretenen völligen
Weinmißernte seitens der Regserung Erhebungen angestellt,
m welchem Umfange die diesjährige Mißernte eingetreten
ind wie den geschädigien Winzern beizuspringen sei. Von
iiner Anzahl Abgeordneter wird beabsichtigt, einen Steuer—
nachlaß für die geschädigten Winzer herbeizuführen, wäh⸗
end aus Winzerkreisen eine Bewegung im Gange ist zu
em Zwecke, bei dem Ministerium zu beantragen, ein Geset
u erlassen, wonach das Speitzen und Schwefeln der Wein—
erge obligatorisch gemacht wird.“ Weiterhin soll der Staat
mdiesem Jahre den darum Nachsuͤchenden die hierzu be—
ötigten Materialien unentgeltlich zur Verfügung stellen.
in einzelnen Gemarkungen ist der Ertraa taffächlich aleich

dull. In Wachenheint wurde von 300 Morgen nicht
in einziges Stück Wein geerntet. Anch dort wurde vor
inem Weinbergschluß abgesehen. Ein Besitzer verkaufte
ine Kreszenz von 18 Morgen für nur 6 Mark.
*Xachen, 21. Okt. (Groß.e Spende.) Die Mün—
hener und Aachener Feuerversicherungsgesetlichaften haben
09 000 Mark fir die Ercichtung von Forschungsinstitu
en gestistet. Der Kaiser hat den genannten Gesel'schaften
ür die hochherzige Spende seinen wärmsten Dank ausge—
prochen.
*Boun, 21. Ott. (Flugwoche.) Die Ortsgruppe
onn-Godesberg des Teutschen Luftflo ten-Vereins beab—
chtigt eine Flugwoche auf der Hangelarer Heide zu ver—
insta ten. Mit den Fliegern der Johaunisthaler Flug—
yoche sind Verhandlungen angefnüpft worden.
*Bonn, 21. Okt. Erwischter Ausreißer.) De
cühere Rechtsanwalt Sperling aus Boun, der vom hiesi—
zen Ldentersuchungsrichter des Landgerichtes wegen Unter—
chlagung steckbriefsich gesucht wurde, ist in London festge⸗
onmen worden. Die Auslleserungsverhandlungen schwe—
en noch.
*Essen, 21. Okt. (Portugiesische Ordens—
ch western) In Münster i. W. sind aus Lissabon ver—
riebene Ordensschwessern eingetroffen und haben in einem
dloster Aufnahme gefunden. Unter den Schwestern befin
et sich eine Freisrau von Schorlemer.
*Elberseld, 21. Ott. Kinderheilstätten) „Die
ergischen Heilstätten für lungenkranke Kinder“ weihlen im
enachbarten, malerisch gelegenen klesnen Aprath ihre erste
ungenheitstätte für Kinder ein, die gleichzeitig die erste
hrer Art im westlichen Deutschland ist. Der Bauplatz
iegt in einer gesunden, von Bera- und Wa desluff binch
römten Gegend.
* Fraukfurt, 21. Okt. (Unschuldig verur—
e ilt.) Am 12. Juni 1907 wurde ein Kohlenhändler aus
er Bornheimer Landstraße vom Schöffengericht wegen
»ehlerei zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er solste
nehrere Zen ner Kohlen, die der inzwischen verstor bene
'agelöhner Johann Kopp gemeinschaftlich mit dem Tage
hner K. Berg entwendet hatte, in dem Bewustsein ange
zuft haben, daß sie gestohlen waren. Der Koh'enhänd
ruhatte seine Unschuld versichert, allein das Schössenge
cht verurteilte ihn auf Grund der Angaben des zwölf⸗
nal vorbesteaften Mitangeklagten Berg. Seitdem betriet
er Verurieilte das Wiederaufnahmeverfahren, dem ers
etzt stattgegeben wurde. Vor dem Schöffengericht wider
ief Berg seine belastende Aussege, die er früher und wäh
end der ganzen Dauer des Wiederaufnahmeverfahrens
ufrechterhalten hatte. Der Staatsanwalt beantrate die
zreisprechuna des Kohlenkändlers

Sne Bolftszählung. Hinsichtlich der Teilnahme der
ehrer an der Volkszählung am 1. Dezember hat der Un—
rrichtsminister in Preußen angeordnet, daß am 1. De
mber der Unterricht an Volksschulen nachmittags, am 2.
ezember gänzlich ausfallen soll, wenn die Lehrkräfte sich
ollzählig beteiligen. An den höheren VLehransiallen soll
ex Unterricht in dem Verhälmis ausgesetzt werden, wie
h Lehrkräfte an der Zählung beteiligen.
Berliner Takt. Die „Norddeutsche Allgemeine Zei⸗
ng“ schreibt: Das „Berliner Tageblatt“ bringt Erörite—
ingen über das Befinden der Kaiserin von Rußland, die,
on ihrer Unrichtigkeit abgesehen, jeder Frau gegenüber
is unangemessen zu bezeichnen wären. Wir bedauern die
zemerkung des Blattes umsomehr, als sie einer Dame
elten, die sich als Gast zur Erholung bei uns aufhält,
ind in deren Person die Gefühle eines großen befreunde
en Volkes berührt werden.
Riesen-Defraudation. Der 34jährige Buchhändler
ypriacus ist nach Unterschsagung von 800 000 Mẽ flüch⸗
ig geworden. Wahrscheinlich hat er Selbfimord began⸗
en. Er war Teilhaber der Firna BBachmann in
erlin.
Ein Aalglatter. Aufsehen erregt in Kassel die Ver—
aftung des Bergwerksdirektors August Buschmann von
er Gewerkschaft „EGraf Schwerin“, der von Kasseler Kri—
inalbeamten auf Anordnung der Staatsanwaltschaft zu
»annover verhastet worden ist, weil er in dem Verdachte
eht, einen Rechtsanwalt in Hamover durch Verkauf von
duren beirogen zu haben. Direktor Buschmann bewohnte
ine lururiös eingerichtete Villa vor dem Königtor, wo
raber in letzter Zeit nicht anzutrefsfen war, sondern er
purde stets als auf Reißen befind ich bezeihtet. Er sollte
a. auch wegen Nichtbezahlung von Gebandesteuern den
fenbarungseid leisten. Kurzlich wurde er in Faser vor
inem Kriminalbedamten deobachtet, der ihn veto'gte, wor
utf er dann verhaftet und auf Veransaisung der Staa's
inmaltschaft in Hannover nach dort transportiert wurde
zuschmann ist in Finanzkreifen bereits seit längecer Zei—
mliebsam bekannt, weil er zahlreiche Kure, die als fan!
ekannt sind, unter die Leute zu bringen verstand und da—
urch zahlreiche Personen in Kassel und auch auswärts
jeschädigt hat. Wegen dieser Transaktion kounte ihn al—
erdings die Staatsauwaltschaft viemals gerichtlich ver—
olgen lassen. Es sitell‘e sich immer heraus, daßz ein Be
rug nicht nachzuweisen war.
Fabrikbrand. In der Maschinenfabrit von Dehné
n Halle a. d. S. brach Feuer aus. Der Schaden ist be
deutend. Ueber 150 Arbeiter sind arbeitsslos. Die En—
tehungsursache ist unbekannt.
Gestrandet. Der französische Dampfer „Lonisiare“,
on Havre nach Weitindien unterwegs, ist in der Nähe
on Somhreiro gestrandet. Ungefähr die Hälfte der Pas⸗
agiere ist nach Keywest gebracht worden. Für die nock
uf dem Dampifer befindlichen Passaaiere besteht keine Ge
ahr.
Anarchistische Umtriebe. Im Arsenal von Toulon
und in den Schubfüchern mehrerer Arbeiter, die für den
isenbahnerausstand Propaganda gemacht hatten, Nach—
chumgen vorgenommen worden, die zur Beschlagnah
iung einer Anzahl anarchistischer Schriften, foppie vor
ommuniques der Consederation du Travail und des
treikausschusses betr. die Organisation eines Soatidgritaig
reiks geführt hästen.
Ein Weltrafsenkongreßß. Ende Zuli 1911 wird in
ondon im Hauptgebäude der Universitäat ein Weltrafsen
ongreß abgehalten werden. Es ist die erste Versammlung
ieser Art und sie verdient die Aufmerksamkeit aller
jörderer humanitärer und ethischer Bestrebungen. Zweck des
'ongresses ist, im Lichte der hohen Forschung und
Sittlichseit die allgemeinen Beziehungen zwischen Osten
ind Westen, zwischen sogenannten weißen umd sogenann—
en farbigen Vöikern zu erörtern. Politische Tagesfsragen
leiben ausgeschlossen. ebenso wenig sollen alle möglichen
Zeschwerden unterschiedslos behandekt werden, vielmehr ist
der Standpunkt ein prinzipieller, mit dem Bestreben,
inter den menschlichen Rassen hitmanere WRaeaeie unagen *8r
ustellen.
Trier, 20. Okt. Fabrikdirektor Weckler-Gerolstein: Ich
ih am Mordtage Breuer und Mattonet hinter Gerolstein
ach Bewingen zugehen, sah sie in der Nähe unserer Draht—
varenfabrik sehr lebhaft sprechen. Kurz darauf sagte mir
neine Frau, da habe sich einer erschossen. Mir gegenüber
sat Breuer bei meinem Hinzukommen zugegeben, den Toten
un kennen. Bei der Unterhaltung mit mir hatte Breuer
ine Pistole in der Hand. Die Zeuginnen Anna Schneider,
zrau Schäfer und Frau Stark aus Gerolstein sahen Breuer
ei der Leiche stehen. Bei ihrem Hinzukommen ging Breuer
inter die nahen Felsen, kehrte aber bald zurück, immer
och die Pistole in der Hand, die er später neben die Leiche
»Zte. Am andern Morgen fand man hinter den Felsen in
inem Mauseloch eine Anzahl Depeschen von Mattonet an
zreuer. Zeuge Ortsvorsteher Krämer stellte aus der Vrief—
ische des Toten den Namen Mattonet fest. TDem Zeugen
zolizeisergeant Huscht-Gerolstein sagte Breuer, der Tote sei
»n wildfremd, Mehen dem Toften laa sein Heberzieher

ein Stock und sein Hut. Die Leiche lag aus dem Rücken
zreuer wollte eiligst fort nack Köln, weil er viel versöume,
»urde aber noch in der Nacht verhastet. Breuer wurdé
hr aufgeregt, als Leute sagten, der Kleine hat geschossen
Trier, 21. Okt. In der heutigen Verhandlung im
Zrozeß Breuer sagte der Zeuge Gendarmeriewachtmeister
Vimmer aus Gerolstein aus, Breuer habe ihm bei der
eiche Mattonets gesagt, dieser habe ihn gebeten, sich ihm
»ei dem Spaziergange anschließen zu dürfen, er habe ihn
onst noch nicht gesehen oder gekannt. Auf seine (des Zeu—
gen) Frage, ob er geschossen habe, habe Breuer erwidert
er verstünde überhaupt nicht mit Wasffen umzugehen Die
lussagen der inzwischen verstorbenen Zeugen Bürgerm ister
zichruff und Polizeisergeant Küntzer aus Gerolstein wurden
ann verlesen. Daraus geht hervor, daß Breuer sich be
iner Vernehmung fortwährend in Widersprüche verwickel'
at, weshalb ihn Bürgermeister Schruff energisch zur Wahr
eit ermahnt hat. Zeuge Kriminalkommissar von Treskow
aus Berlin ließ sich sodann über die Frage aus, ob eir
dah- oder ein Fernschuß, und im Anschluß hieran, ob ein
zelbstmord oder Mord vorliegen könne. Charakteristisches
Nerkmal bei einem Schuß mit der Browingpistole, so fuͤhrte
er Zeuge aus, ist eine Schwärzung durch Pulverschmauch
um Schußeingang, nur nicht bei einem feste nAufsetzen der
Laffe durch einen Selbsimörder. Das würde aber der
zulverschmauch ins Gehirn treiben und dort cxplosio wir—
en. Hier war das nicht der Fall, auch liegt Ausschuß—
„ffnung höher als die Einschußöffnung. Die Verteidiger
rhoben Einspruch gegen die Bekundung des Befundes durch
den Zengen. Dr. Werthauer drohte, die Berteidigung nie
derzulegen, wenn Kriminalkommissar vou Treskow als Zeuge
Zachverständigen-Aussagen mache Der Staatsanwalt lehnt«
»arauf diesen Zeugen als Sachverständigen ab. Das Ge—
icht beschloß nach diesem Antrag, da v. Treskow 2. als
bolizeibeamter, der in dieser Sache tätig war, nicht Sach
verständiger sein könne. Zeuge Kriminalkommissar v. Tres—
ow 2. teilte darauf seine Erfahrungen mit, die er be'
zchießversuchen bei Selbstwördern gemacht hat. Tiese setz—
en die Waffe meist schräg an, bei einem Nahschuß träfer
ie sich ungeschickt und töteten sich meist nicht sofort und
bei Anwendung des Fernschusses träfen sie sich überhaupt
ucht. Die Sachverständigen Dr. Rehberg aus Trier und
Najor Weber aus Charlottenburg sprachen sich über ihre
erfahrungen bei Schießversuchen im allgemeinen aus. Mor—
jen findet eine Ortsbesichtigung in Gerolstein mit gleich—
eitiger Bernehmunga des Hauptzeugen, des Briefhoten Schend
—5

Neueste Nachrichten und Telegramme.
Berlin, 21. Okt. Der Gesetzentwurf über die Privat—
»eamtenversicherung ist soweit gefördert, daß der Bundes—
»at ihn im nächsten Monat beraten wird, sodaß er dann
ioch vor Weihnachten, wie die „Frkft. Ztg.“ hört, an den
skeichssstag gelangen könnte.
Cassel, 22. Okt. Der Bergwerksdirektor August Busch—
nann von der Gewerkschaft Genf Schwerin, dessen Ver—
saftung gestern auf Anordnung der Rechtsanwaltschaft in
dannover erfolgte und welche großes Aufsehen erregte, ist
vieder auf freien Fuß gesetzt worden, da sich die Beschul
igungen des angeblich betrogenen Rechtsanwaltes nicht auf
necht erhalten lassen.
Düsseldorf, 22. Okt. Bei der Festnahme einiger
Zigeuner, die große Ruhestörung verursachten, entstand hier
ein Handgemenge mit der Polizei. Vor dem Polizeige—
»äude im Rathause stürzte einer der Verhasteten zu Boden,
er wurde zur Wache gebracht, wo er kurz darauf starb. Ein
ofort hinzugezogener Arzt stellte fest, daß der Mann einen
zäbelhieb in den Rücken erhalten habe. der den Tod her—
eigeführt.
Breslau, 21. Okt. Das Schöffengericht in Rosenberg
). Schl. verhandelte unter großem Andrange des Publi—
ums gegen vier russische Grenzsoldaten, darunter einen
VLachtmeisten und einen Unteroffizier wegen Sachbeschädig—
ing, ruhestöhrenden Lärmes und Werfen mit Steinen.
die Angeklagten waren unbefugt über die Grenze gekommen
nd hatten in Kicken bei Bohanowitz mehrere Bäume aus—
erissen, andere beschädigt und Steine in ein Gehöft ge—
»orfen. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu je
Wochen Haft und eine Woche Gefängnis.
Berlin, 22 Oktt. Vizeadmiral Schröder wurde zum
hef der Marinestation der Ostsee ernannt.
Berlin, 22. Okt. Die eng ische Regierung schlug der
dächten bezüglich der Anerkennung der neuen Regierung
Portugal vor, pari passu vorzugehen; diese engtisch
demarche dürfte allerdengs eine günstige Aufnahme sin—
»en. Wie man hört, erklärte die deutsche Regierung be—
eits ihr prinzipielles Einverständnis.
Bremerhaven, 22. Olt. Der Norddeutsche Lloyd be—
villigte die geforderte Lohnerhöhung seiner Dokcarbeiter.
Ddie angekündigte Arseitäsniedertentnua findet deshalb nicht
tat
Petersburg, 22. Oft. Zu der englischen Note an
Persien führt die „Nowoje Wremja“ aus, Rudlauds Auf—
Jjabe sei nicht, Persien zu teilen oder das persische Reich
zu zerstören, sondern nur die gesetzmässigen Rech'e Ruß—
ands zu sichern. Wir übernehmen, so sagt das Blatt
veiter, nicht die Vormundschaft über Verfien, sind aber
jereit, die innere Umbi dung zu unterstüten. Wenn die
ʒersische Regierung die ihr entgegengestreckte Hand ergreift,
vleibt Perssenauf der Karte vonu gren
andernfalls nicht.
Belgrad, 22. Olt. Nach dem letzten Kranukheitsbericht
ist eine kleine Besserung im Befinden des Kronprinzen ein—
getrelen; das Bewußtsein wird klarer. Der Palient hal
die ganze Nacht geschlummert und versiel gegen Morgen
wieder in Schlaf. Die Temperatur beträgt 38,8 Grad.
NRKonstantinopel, 22. Ott. Die Verbandlngen zwi—
chen dem Botschafter Bompard und dem Finanzminister
Djavid, der die neuen sfranzösischen Vorichläne ablehnte.
ind jetzt gänzlich abgebrochen.
Pario, 22. Okt. „Journal“ meldet aus Rizerta, daß
as Einlauf der deutschen Korvette „Heriha“ mehrere Zwi—
chenfälle veranlaßte. So weigerte sich die französische
zost, die Aushändigung der Post für die Hertha vorzu—
ehmen, weil der sich vorstellende Schisfsbeamte sich nicht ge—
eügend ausweisen konnte, andererseits enthielt sich der
Schiffskommandant jeden Beschlusses bei den Zivilbehörden.
Lin ernster Zwischensall ist folgender: drei Offiziere des
chiffes, welche früher einfache Angestellte des Rettungs
ootes „Berger Wilhelm“ waren, erschienen in Uniform
ind spazierten, ohne ihre Identität zu verbergen, in der
Ztadt herum und besuchten ihre früheren Bekannten. In
ranzösischen Kreisen will man in diesen Hffizieron frühere
—pione erkennen.
Belfast, 20. Okt. Auf der Werft von Harland und
Zolff ist heute der für die White Star Linie gebaute
dampfer Olympia, der mit 45000 Tonnen zur Zeit das
‚rößte Schiff der Welt darstellt. alücklich vom Stape!
zegangen.
Peking, 30. Okt. Nach der Agence d' Extreme Orient
sat die japanische Verwaltung angeordnet, daß alle männ—
ichen Einwohner Koreas, die lange Haare tragen, sich
iese abschneiden lassen müssen, und daß auch das Tragen
es Zopfes verboten ist. Dieses Verbot hat bei der Be—
3sferung eine ftarke GGärung hervorgerufen, Die gebisdoeften

Stände, die Lehrer, die Studenten, die Fortgeschritte
ind die Anhänger Japans raten, der Anordnung
u leisten. Das Volk betrachtet aber die Ratgeber
zerräter, und da der Schutz der japanischen Polizei ung
lügend ist, so haben sie manchmal stark zu leiden, sodz—
doreaner ohne Zopf oder Haartracht in Ssoul am Aben
ich nicht über die Schwelle hinauswagen. Merkwürdig i
daß die hohen Mandarine Koreas, einst die konservativer
etzt die ersten sind, die der Aufforderung Folge leiste—
um die Gunst der neuen Regierung zu erwerben.
Sofia, 22. Oft. Nach Vlättermeldung hat dle Bürge,
chaft von Krakona unter Fürrung ihrer Bürgerme sster
ind unter Zustimmung des Gemeinderates, die Sepubli
»roklamiert. Die staatlichen Behöeden wurden abgeser
ind auf dem Rathaus die republikanische Flaggengehis—
ie Verhandlungen zwischen Staatsbehörden und den revo
ierenden Bürger Krakonas blieben erfolglos

Feuer-Alarm.
Auf dem hiesigen Gaswerk ist zur Alarmierung de
zeuerwehr pp. bei Brandfällen eine Alarmoorrichtun
Dreiklan pfeife“ angebracht worden.
Zur Orientierung der Feuerwehr und Bürger weise
arauf hin, daß
bei Brandfällen in Dudweiler ein langge
zogener Ton,
Brandfällen in Dudweiler-Herrensohr
2 kurze Töne,
Brandfällen in Dudweiler-Jägersfreud.
3 kurze Töne,
Brandfällen in auswärtigen Gemeinden
die etwa Hilfe begehren, ein langgezogenen
und ein kurzer Ton
bgegeben werden.
Die Signale werden nötigenfalls mit Unterbrechum
nehrmals wiederholt.
Den Ausbruch eines Brandes wolle man entwede
irekt auf dem Gaswerk, oder auf der Polizeiwache, die
zuch nachts besetzt ist, oder beim nächsten Feuerwehrhor
nisten melden. Die Polizeiwache und Feuerwehrhornilten
gjeben die Meldung auf dem kürzesten Wege, wenn möalich
elephonisch, weiter.
Jeden Sonnabend mittag um 12 Uhrfindet eine Probe—
Signalisierung, statt. Die erste Probe-Signalisierung die
zleichzeitig zur Orientierung der am Gaswerk versammel—
en Feuerwehr dient, findet am nächsten Sonntag, den 22
3. Mts., vormittags um 9 Uhr statt.
dudweiler, den 20. Oktober 1910.
Der Bürgermeister
F

Bekanntmachung.
Die Steuererhebung pro 3. Quartal 1910 findet siatt
in Herrensohr Mittwoch, den 26. Okt. 1910
nn Fischbach Donnerstag, den 27. Okt. 1910.
normittaas von 82511 Uhr.
Gem uindekasse

—

„Was trinken SsSie
zum Frühstück?“
Kathreiners Malzkaffee!“

1
„Warum?
„Weil er das bekömmlichste,
wohlschmeckendste und billigste
tägliche Getränk ist.“
Der Gelialà mackdol

Eovangelischer Gottesdienst.
22. Sonntag nach Trinitatis, den 23. Oktober 1910—
dollekte für die Instandsetzung der Kirche und des Meo
hauses in Heiligenwald.
Dudweiler:
10.00 Uhr. Pfr. Lic. Radecke.
Herrensohr:
9,30 Uhr.
10,30 Ubr KGändergottesdionst
Das 2. Gruppenfest
der Saargruppe des Evang. Bundes
indet am Sonntaqg den 23. Oktober in Dudweiler stot
10 Uhr Festgottesdienst. Prediger Pfr. Lic. Radecke-Köli
bUhr Nachversammlung im Saale der Witwe Riedschr
Redner: Pfr. Müller-Neudorf, Pfr. Reinhard-Binge
im Rh., Pfr. Lie. Radecke-Köhn Oboersehrer Irügken
Neunkirchen.
Mitwirkung des Kirchenchores und der Bergkapelle.
Die Mitglieder des Zweigvereins des Evangelische
zundes und des Evangelischen Arbeitervereins, der sein
deformationsfeier mit dem Gruppenfest verbindet, sowi
ille evangelischen Gemeindemitglieder werden herzlich ei
jseladen und dringend gebeten, sich zahlreich an dem Gru
enfest zu beteiligen.
Der Vorsitzende
des Zweigvereins des Ev. Bundes Dudweiler:
Schmidt, Pfr.
Der Vorsitzende
des Ev. Arbeitervereins Dudweiler:
R56 Ms111*

28
Thalio CTheater Saarbrücker
Direktion W. Viebeg.
zanntag, den 23. Oktober, nachmittags 1,24 Uhr:
Deborah, Schauspiel in 4 Akten von Mosenthal.
Abends 8,10 Uhr:
Lohengrin, Operette in 3 Akten v R. Wagner.
dienstag, den 25. Okt., abends 8,10 Uhr:
Marie, die Tochter des Regiments. Komische Ope
in 2 Akten v. Donizetti.
Mittwoch, den 26. Oktober, abends 8,10 Uhr:
Der dunkle Punkt, Lustspiel in 3 Akten v. Kadel—
burg u. Presber.
Donnerstag, den 27. Oktober, abends 8,10 Uhr:
Die geschiedene Frau. Opverette in 3 Akten var—
            
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