Der Frühling.
Hoch jauchzt das Herz in meiner Brust,
Seh ich die Felder, Wald und Flur,
D, welche Freude, welche Lust,
FIEs keimt und sprosset die Natur.
Der Winter floh, hin ist die Zeit,
Der Stürme, Kälte und des Regens.,
Es kommt die Zeit der Seligkeit,
Der Frühlingsblüte, des Segens.
O Menschenherz, kannst fröhlich sein
Frischen Mut hast du gefunden,
FEin neues Leben stellt sich ein,
Lerschwunden sind die trübe Stunden
O zieht hinaus in Wald und Flur.
Hört an der Vögel Singen,
Dort grünt die herrliche Natur,
Die Rehe und Hirsche springen.
Horcht im Feld dem Jubilieren
Der Lerche unterm Himmelszelt,
Es ist ein echtes Triumphieren
Zum Einzug in die Frühlingswelt.
Ein Loblieb singt zu Gottes Ehr'
Mit der gesamten Vogelschar,
Dem Herrn, der Erde schuf und Mecr
Sei Preis und Dank auf immerdar.
Alle Sorgen lasset schwinden,
Freut euch im hellen Sonnenschein,
Milde Lüfte tun euch künden,
Daß wieder kehrt der Frühling ein.
Von Nah und Fern.
Camphausen, 9. Apru. Bei der am 6. d. M. veran—
talteten Verlosung der diesjährigen Bauprämien haben ge—
vonnen: Peter Jost, Wilhelm Lander, Karl Haas und
Karl Jung 7. aus Fischbach; Adolf Klesen, Georg Joh.
Naumann, Jak. Nikl. Schwirz und Peter Schirra aus
Fppelborn; Franz Bach aus Habach; Jakob Naumann aus
Bubach; Heinrich Weyand aus Herrensohr; Johann Bach—
mann aus Hüttersdorf; Andr. Schneider aus Thalexweiler;
Andre Schwinn aus Lebach; Joh. Fries 8. aus Aschbach;
Jriedr. Klein 5. aus Holz und Jak. Dörr aus Wustweiler
(Brgmsfrd.)
sSulzbach, 9. April. Den Betrieb der hiesigen Grube
Hrube beabfichtigt man in nächster Zeit wieder mehr nach
den Mellinschächten zu konzentrieren. (Sbr. Ztg.)
Altenwald, 9. April. Auf der hiesigen Grube wird z.
3. eine neue Grubensicherheitslampe eingeführt. Die neue
Lampe ist mit doppeltem Drahtzylinder und Reibzündvor—
richtungen persehen. Vorläufig sind 1000 Stück dieser
Lampen im Gebrauch. Da die Lampe sich gat bewähren
und eine erhöhte Sicherheit gegen Schlagwetterexplosionen
garantieren, so soll die ganze Belegschaft damit ausgerüstet
werden.
Altenwald, 9. April. Der neue Grubenbahnhof hinten
»em Futtermagazin der hiesigen Grube, welcher zum Ab—
aden von Futter und Grubenhölzern dient, wird in nächster
Zeit dem Betrieb übergeben. (Sbr. Ztg.)
Spiesen, 8. April. Der taubstumme Sohn einer hiesi—
zen Bergmannsfamilie hat bekanntlich im Streite seinen
Stiefvater mit einem Beile den Schädel zertrümmert. Der
unglückliche Vater ist jetzt seinen Verletzungen erlegen.
Aeber die Tat erfahren wir noch folgende Einzelheiten:
Beim gemeinschaftlichen Mittagstisch geriet der pensionierte
bergmann Jakob Bayer, mit seiner in zweiter Ehe ange—
rrauten Ehefrau in einen heftigen Disput, der zum Schluß
m eine Schlägerei ausartete. In der Hitze des Gefechtes
prang der Ehegatte in den nahen Stall und ergriff die zu—
nächst stehende Mistgabel, mit der er auf die Frau ein—
)rang, die an Händen und Leib verletzt wurde. Der aus
erster Ehe stammende taubstumme Sohn, der Tagelöhner
Wilhelm Schaum, eilte seiner Mutter zu Hilfe. Kurz ent—
schlossen ergriff er ein Beil und schlug es mit solcher Wucht
seinem Stiefvater auf den Kopf, daß der Schädel zertrüm—
nert und das Gehirn blosgelegt wurde, worauf der Schwer—⸗
verletzte zu Boden sank. Die sofort benachrichtigte Gen—
darmerie nahm darauf den sich wie wild gebärdenden Bur—
chen fest. Wiederholt ist es in der genannten Familie zu
helichen Zwistigkeiten gekommen.
Elversberg, 8. April. Die Riethsche Gastwirtschaft
zeht demnächst an einen Käufer aus Louisenthal zum Vreise
yon 100.000 Mk. über.
Groß⸗Rosseln, 8. April. Aus Schacht St. Joseph der
de Wendelschen Bergwerke wurde vergangene Nacht der 39
Jahre alte Hauer August Reichert von hier, Vater von 5
Kindern im Alter von 11 Jahren bis 10 Monaten, schwer
berletzt. Derselbe war im Begriffe einen leeren Wagen
bom Geleise zu heben, wobei er jedoch ausglitt und von
dem Wagen mitgerissen wurde. Reichert hat schwere Quet—
schungen und schwere Rippenbrüche erlitten, sodaß an seinem
Aufkommen gezweifelt wird.
Trier, 8. April. Auf der heute fortgesetzten Frühjahrs—
weinversteigerung wurden 84 Fuder von der Freiherrlich
von Schorlemerschen Gutsperwaltung zu Trier ausgeboten
VDas Mädchen eilte davon. —5
Lothar schien in tiefe Gedanken versunken zu sein, denn
er überhörte die schüchterne Bitte Frau Bettys, einstweilen
ins Haus zu treten, vollständig und rührte sich nicht, als
die Bitte wiederholt wurde.
Erst das leise Knarren des Gittertürchens, welches hin⸗
ter dem Hause auf das Feld hinausführte, riß Lothar aus
einem Brüten. Jetzt erblickte man die behäbige Gestalt
Trautmanns, der seinem Hause zuschritt.
„Ah, da bist Du ja schon,“ sagte Frau Betty und fuhr
mit der Hand glättend über ihre blendend weiße Schürze,
um ein Fälichen fortzustreichen. Eben wollte sie wieder in das
Zimmer zurücklehren, als Lothar sie anrief: „Bleiben Sie
doch, setzen wir uns hier auf die Steinbank, so ist's recht.
Was ich mit Ihrem Manne zu reden habe, geht auch Sie
an, Frau Betty!“
Der Angeredeten, blieb vor Verwunderung der Mund
fen. Hatte der gnädige Herr wirklich „Sie“ zu ihr gesagt?
Oder hatte sie falsch gehört, was bedeutete das nur?
Der Verwalter, ein Mann in den fünfziger Jahren,
war ebenfalls nicht wenig erstaunt über die Anrede Lothars.
Er blieb, den leichten Hut in den Händen drehend, in re—
speltvoller Haltung vor seinem Herrn stehen und schaute bald
diesen, bald seine Frau an.
„Ach was, Trautmann,“ rief Lothar, „machen Sie doch
nicht so viel Umstände, hier,“ dabei rückte er noch ein we—
nig zur Seite, „sehen Sie, da ist gerade noch Platz —, so,
jetzt laß ich mirs gefallen. Und nun — ich habe mich Euch
beiden zu reden, mit Euch beiden.“
Dev Verwalter bat Lothar im stillen ab, daß er ihn
jo oft in Gedanken hochmütig und stolz genannt hatte, der
junge, gnädige Herr“ gewann im Sturm die Herzen dieser
biederen, gutmütigen Leute durch ein paar freundliche Worte,
Frau Betty war nicht wenig stolz darauf, daß der sonsi
so strenge Herr so leutselig zwischen ihr und ihrem Alten
saß. Sie ließ ihre hellen, blauen Augen überall herum—
schweifen, ob nicht jemand sie sähe und sie deshalb beneide.
Zie fühlte sich hoch geehrt und nahm sich vor, es allen Be—
'annien au erzählen.
Es erlösten: 7 Fuder Graacher 13802700 Mark, zusam⸗
men 13 990 Mark, durchschnittlich 1933 Mark. 5 Fuder
Brauneberger 16602010 Mark, zusammen 9290 M.
durchschnittlich 1838 M. 17 Fuder Zeltinger 2110 -6400
Mark, zusammen 59240 M., durchlchnittlich 3485 Mark
10 Fuder Wintrichter Ohligsberger 1890 2840. M., zu—⸗
sammen 21830 M., durchschnittlich 2183 M. 23 Juder
Lieserer-Niederberger 1720— 3000. M., zusammen 54580
M. durchschnittlich 2274 M. 15 Fuder Mürtzberger 2050 bis
1110 M., zusammen 41 870 M., durchschnitttich 2791 M.
Fuder Geisberger 1930—5 2200 M., zusammen 14850
M., durchschnittlich 2122 M. Das ganze Ausgebot er⸗
rachte 215 540 M., das entspricht einem Durchschnitts—
»reise von 2122 M. pro Fuder.
Köln, 6. April. In einem Straßenbahnwagen ent—
»eckten Angestellte eine Aschenurne mit verletzter Plombe.
Fine kleine Metallkapsel ließ erkennen, daß die Urne die
Asche eines verstorbenen Neuwieder Schreinermeisters ent—
siell. Sie sollte von den Angehörigen von Mainz nach
Neuwied überführt werden und wurde auf der Eisenbahn—
ahrt gestohlen. Der Dieb scheint später zur Erkenntnis
gekommen zu sein, welchen Wert er sich angeeignet hatte,
und setzte dann die Urne in einen Straßenbahn—
vagen.
Detmold, 7. April. Als Entschädigung für eine un—
chuldig verbüßte Gefängnisstrafe erhielt, der „Lipp. Lan—
»esztg.“ zufolge, der Reiter Jöstingmeier in Detmold einen
zetrag von 3400 Mark ausbezahlt. Jöstingmeier war
inerzeit wegen Gehorsamverweigerung zu einer Gefäng—
isstrafe von 12 Jahren verurteilt, und nachdem er Zeinh.
ahre verbüßt hatte, im Wiederaufnahmeverfahren freige—⸗
rochen worden.
Vom Algäu, 6. April. Ein neuer Frauenberuf rritt
n Kempten in die Erscheinung, wo der landwirtschaftliche
berband Südschwaben einen Mustergeflügelhof errichtet,
essen Leitung vom 1. Mai ab einem Fräulein übertragen
sein wird. Es werden alljährlich im Frühjahr und Herbs'
durse für Frauen und Töchter von Laudwirten mit An—
veisung für Aufzucht, Pflege, Mast und Schlachtung des
seflügels, Behandlung der Eier, Buchführung eingeführ
verden.
Bochum, 7. April. Nach der Aufstellung des Allge—
neinen Knappschaftsvereins waren im vergangenen Jahre
m Bereich des genannten Vereins insgesamt 129 008 Ar⸗
deiter aus den östlichen Provinzen tätig, gegen 130 079 am
l. Januar 1909. Hiervon stammen aus Ostpreußen 16329
16680), aus Posen 50656 (560 893), aus Oberschlesien
Oppeln) 9051 (10 130)0. Aus den übrigen Teilen des
»eutschen Reiches stammen von der Gesamtbelegschaft der
dohlen⸗- und Erzbergwerke 200 725 (189 578). Ausländen
varen insgesamt 28 160 (31 875) beschäftigt. Davon ent—
ielen 18 691 (21 075) auf Oesterreich-Ungarn, 1042 (944)
uuf Rußland, 5132 (5423) auf Holland, 252 (190) au
zelgien, 2814 (3890) auf Italien, 329 (353) stammter.
us dem sonstigen Auslande. Die wenigsten Ausländer
»aren in dem Bergrevier Werden beschäftigt (220); die
neisten in den Bergrevier Duisburg (6285), hierunter
3484 aus Oesterreich-Ungarn. Die meisten Arbeiter aus
)en östlichen Provinzen waren in den Bergrevieren Ost—
ind West⸗Recklinghausen tätig (11 630 bezw. 12034)
iußerdem in den Revieren Herne (10 820), Gelsenkircher
10 818) West⸗Essen, (10 316).
Kiel, 8. April. Die durch den Etat für 1910 bewil—
igten neuen Kriegsschiffe sind jetzt bis auf das Schlacht
chiff „Ersatz Odin“ und den kleinen Kreuzer „Ersatz Con
dor“ in Bau gegeben, und zwar haben erhalten die Ho—
waltwerft in Kiel das Linienschiff „Ersatz Hagen“, die
zchichauwerft in Danzig das Linienschiff „Aegir“, die Werf
zlohm u. Voß in Hamburg einen Linienschiffkreuzer, die
Veserwerft den kleinen Kreuzer „Ersatz Kormoran“. Dem
zernehmen nach wird der kleine Kreuzer „Ersatz Condor“
er —* Werft in Wilhelmsbaven in Bau gegeben
verden.
* Bonn, 9. April. Gerurteilte Studenten.,
das Schöffengericht verhandelte heute gegen die Studen
en Konrad Fink von Finkenstein aus Marienwerder und
dans Werner v. Quistorp aus Crenzow im Kreise Stral—
und, die sich wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs
u verantworten hatten, den sie mit andern Studenten
ind Einzährigen nach einer Abschiedskneipe für den Prin
zen Oskar von Preußen in der Nacht zum 27. Juli vo—
igen Jahres durch widerrechtliches Eindringen in die
Wohnung des emährigen Unteroffiziers Feith begangen
saben, wo sie einen sogenannten Budenzauber veranstalte
en. Sie wurden zu je 15 Tagen Gefängnis
»erurleilt. Der Erste Staatsanwalt hatte nur 8 Tage Ge—
öngnis beantragt. Zur Verurteilung zweier weiterer an
jeklagten Studenten, die inzwischen zum Militär überge—
re!en sind, erklärte sich das Gericht unzuständig. Das
Ztandgericht hatte die militärischen Teilnehmer an den
Ausschreitungen bei Feith von der Anklage des gemein—
chaftlichen Hausfriedensbruches freigesprochen.
* Elberfeld, 9. April. Gerichtliche Nach—
piele zu den Wahlrechtsdemonstratio—
nein.) Auch hier werden die Wahlrechtsdemonstrationen
ge ichtliche Nachspiele im Gefolge haben. Nach einer im
Thaliatheater abgehaltenen Wahlrechtsversammlung haben
die Sozialdemokraten am 13. Februar einen Umzu—ç
»urch die Stadt veranstaltet. Jetzt ist dem Genossen Drö
ier, der als Leiter des Zuges angesehen wird, ein Straf
nandat über 50 Mark zugestellt worden. Außerdem ho
»er Genosse Fritz Trappmann ein auf eine Woche Hafi
autendes Strafmandat erhalten, weil er in der Kaiser—
———— Ene DPornenkrone. —VV J
Historischer Roman von Freiherr von Winterfeld.
) „Ich verlange dies auch durchaus nicht; es genügt
mir, zu. wissen, daß Ihr kein Freund des Usurpators
seid. Geht und erfüllt Euer Versprechen; die Kleine dort
steht unter meinem Schutze und auch Ihr findet zu jeder—
zeit Schutz in meinem Hause. Für ein christliches Be—
gräbnis der Toten werde ich sorgen.“
Petron warf einen sorschenden Blick auf Mynheer van
Weren; unzweifelhaft gehörte dieser zu den Holländern,
die dem neuen Königstum direkt feindlich gegenüber stan—
den und so hatte er von dieser Seite keinen Verrat zu
besürchten.
„Ich nehme dieses Anerbieten mit großem Dank an,
Mynheer,“ entgegnete nach einigem Überlegen Petton.
„Ich sehe augenblicklich keinen anderen Ausweg. Noch
zins, Mynheer; ich bin von Gefahren umringt, wenn auch
neine Vorsicht und das Glück mich bisher vor Schlim
nen bewahrt, mich aus aller Bedrängnis gerettet haben
Ich folge einem heiligen Schwur und gehe einen Gang.
Rer mich in die Rähe meiner Feinde bringt. Sollte mir,
ras Gott verhüten möge, ein Unglück zustoßen, so appe—
iere ich an Sie als Edelmann, als Christ, meine kleine
IANabella nicht schutzlos hinauszustoßen. Hier dieser Beu—
„er enthält ein Bermögen und reicht vollständig zum
nterhalt der kleinen Isabella für Jahre aus und dann —“
Petron wollte noch etwas hinzusetzen, aber der eigen
ümlich lauernde Blick des Holländers ließ ihn einhalten
und er reichte demselben nun einen ziemlich schweren
Beutel.
„In längstens einer Stunde bin ich ja wieder zurück
ch werde Euch später Aufschluß geben,“ fuhr Petron fort
„Die Zeit verrinnt, ich muß mich beeilen.
Trotz seiner offen baren Enttäuschung und Mißmutes,
traße durch Uübermäßig lautes Rusen, insbesondere ver
Worte: „Nieder mit dem elenden Wahlrechtssystem, Hoch
die Sozialdemokratie!“, sowie durch Nichtbefolgung der
viederholten Aufforderung der Polizeibeamten, sich zu ent—
ernen, ungebührlicher Weise ruhestörenden Lärm erregt
»ezw. groben Unsug verübt haben soll. Gegen beide
Strafbefehle ist Einspruch erhoben worden. Das Gericht
wird sich also demnächst mit der Sache beschäftigen.
* Essen, 9. April. (Krupp'sche Geschützpro—
»en für Italien.) In Gegenwart des General-In
pelteurs der Artillerie und zahlreicher Offiziere aller Waf
jengattungen fand auf dem hiesigen Schießplatz ein Probe
chießen mit dem italienischen Feldartillerie-Material Typ
arupp statt, welches die Güte des neuen Rohr-Rücklauf—
geschützes glänzend bewies. Es wurde auf ein über 3000
Meter entserntes in Doppel-Kolonne aufgestelltes Batail—
lon geschossen, das durch dichtes Gebüsch völlig verdeck!
war. Nach kurzen Granaten-Schrappnell-Feuer war das
Ziel bis auf wenig Scheiben vernichtet.
* Worms, 9. April. (Der Eismangel.) Seit 30
Jahren zum ersten Mal wieder wurde heute ein Schiff
mit Eis für die hiesige Brauerei Werger im Handelsha—
fen entladen. Das Schiff kommt aus Norwegen und war
ungefähr acht Tage auf der Reite —*
8 8
*
Aus aller Welt.
Die Folgen des Butterboykotts in Berlin machen
iich in außerordentlich starker Weise bemerkbar. In den
Markthallen lagern große Mengen von Weichkäse, die we—
Jen des Boykotts der Butter nicht abgesetzt werden kön—
ten und die man nun zu Schleuderpreisen an den Mann
u bringen sucht. Der Engrosverkauf in Butter und Käse
st so bedeutend zurückgegangen, daß zahlreiche Molkereien
on außerhalb die Lieferungen eingestellt haben. Die be—
eits abgesandte Ware ist zum großen Teil dem Verder—
en preisgegeben, sodaß die Molkereien dadurch großen
Schaden erleiden.
Autounfall. Bei Markrode ftürzte ein Auto in ei—
nen Straßengraben. Der Chauffeur erlitt einen Schädel—⸗
hruch und wurde tot unter dem Wagen hervorgezogen.
8 175. In Bremen ist wegen Vergehen gegen
175 gegen eine große Anzahl von Personen der Gesell⸗—
schaft eine Untersuchung eingeleitet worden. Bisher wur—
den 6 Personen verhaftet und zwar neben dortigen Kauf
euten und höheren Beamten auch ein Arzt aus Hamburg
»wei Personen sind ins Ausland ageflüchtet. eine aroße
anzayr andere ijt ourch veschiagnaymn vriesschaften ftar—
ompromittiert, darunter auch viele auswärtige Herren
zu den Zusammenkünften gab ein technischer Beamter seine
Vohnung her, in welche die Opfer, Schüler und andere
unge Leute verschleppt wurden. Bisher sind etwa 70
junge Leute und Knaben vernommen worden. Sie sagten
aus, daß sie in die betrefssende Wohnung gelockt wurden,
durch Opium-Zigaretten oder durch mit Opium versetzten
Vein und Kuchen berauscht wurden. Unter ihnen befand
ich auch der Sohn eines hohen Bremer Polizeibeaniten,
urch den die Anzeige erstattet wurde. Im gingen ver—
chiedene Briefe zu, in denen ihm mit dem Tode gedroht
vurde. Die Ermittelungen werden noch fortgesetzt.
Iswolski in München. Der russische Minister des
Aeueren, Is wolski, ist in München zum Besuche sei—
ier seit längerer Zeit dort erkrankten Schwiegermutter, der
Bräfin Toll, eingetrofsen. Er geht nächste Woche zu ei—
ter ärztlichen Konsultation nach Franksurt a. M. und
dann bis zum Schlusse seines Urlaubs in die Südschweiz,
im schließlich wieder nach München zu kommen, um seine
Bemahlin, die dort bei ihrer kranken Mutter bleibt, zur
zeimreise nach Petersburg abzuholen.
Eisenbahu⸗sUnglück. Bei einem schweren Zusam—
nenstoß zweier Güter- und des West-Expreßzuges der
sew-York Zentral-Bahn in der Nähe von Rome wurde
in Heizer getötet und etwa 20 Personen verletzt. — Der
zchnellzug zwischen Milwauke und St. Paul wurde von
Räubern angehalten, die die Passagiere aller Wertsachen
»eraubten. Die Banditen entkamen.
Vom Aetna. Ter Ausbruch des Aetna dauert im—
ner noch an. Am gefährlichsten ist zurzeit der beinahe
300 Meler breite Strom bei Regina Cisterna. Die Be—
vohner treffen Anstalten, um ihre Habseligkeiten in Sicher—
szeit zu briugen.
* Der Halleysche Komet. Der Halleysche Komet ist
»on der Sternwarte in Kapstadt zum ersten Male wieder
eit seinem Vorübergange an der Westseite der Sonne ge—
ichtet. Er konnte 10 Minuten lang beobachtet werden.
Frau Toselli.
J Ueber die neue Ehescheidungsäffäre der ehemaligen
ächsischen Kronprinzessin soll auch der Dresdener Hof ent⸗
rüstet sen. Wie aus Florenz mitgeteilt wurde, habe er
zie Absicht, energische Maßregeln gegen die augenscheinlich
une zur Ruhe kommende Frau zu ergreifen und zwar soll—⸗
en das Maßregeln sinanzieller Natur sein, wenn sie etwe
hrem jetzigen Gatten Toselli eine Apanage zahlen wolle
Die „Frkf. Ztg.“ kann auf Grund einwandfreien Informa—
ionen versichern, daß dieses alles nicht zutrifft.
Der fächsische Hof hat bisher keine Veranlassung und nicht
zie geringsie Absicht, sih in die neue Ehescheidungsge—
schichle der Frau Toselli einzumischen oder in irgend
einer Weise von deren Angelegenheiten Notiz zu nehmen,
—DV—
ächsischen Hof erfüllt. Nach dem am 16. Mai 19085 zwi⸗—
chen dem König Friedrich August von Sachsen und der
damaligen Gräfin von Montignoso abgeschlossenen Ver—
rage erhält die jetzige Frau Toselli jährlich eine Rente
»on 40 000 Mark. Diese kann ihr nur nach 8 4 des Ver—
rages entzogen oder geschmälert werden „falls sie ver—
etzende Aeußerungen in der Presse von sich çebe oder
venn sie etwas unternehmen sollte, was geeignet wäre,
dem königlich-sächsischen Hof und dem sächsischen Volk ge—
renüber öffen liches Aergernis zu erregen“ Die damas—
wveil Petron sein Geheimnis noch nicht preisgehen wollte,
zeigte Mynheer van der Weren doch ein freundliches Ge—
sicht, aber mit der größten Spannung verfolgte er jede
Bewegung desselben, als dieser jetzt noch einmal an die
Tote herantrat, deren Busentuch ein wenig löste und dar—
aus einen Brief hervorzog, den er in seine Brusttasche
harg. Dann drückte er einen Kuß auf die kalte Stirn
»er Toten, nahm das schlafende Madchen aus ihren Ar—
nen und reichte es dem Diener, den Mynheer van der
Veren wieder herbeirief, da er während der Unterhaltung
er Männer sich diskret entfernt hatte.
Mynheer van der Weren gab Petron selbst das Ge
eite bis an das eiserne Tor. Die Heftigkeit des Gewit—
ers hatte sich zwar etwas gemindert, Blitz und Donner
jatten aufgehört, aber es regnete noch immer stark.
„Ein vortreffliches Werkzeug,“ murmelte Mynheer van
der Weren, als Petron sich von ihm verabschiedet hatte
ind er wieder in das Haus zurückkehrte. „Ich hätte
doch noch mehr aus ihm herausholen sollen. Nun, hof—
entlich kehrt er heil zurück. Diese Franzosen haben vor⸗
reffliche Spurhunde und wissen eine unbequeme Person
eschickt verschwinden zu lassen
Petron hüllte sich sest in seinen Mantel und drückte
jen breitkrämpigen Hut tief in die Stirne, dann eilte er
uuf demselben Wege zurück, den er vorhin gekommen
var. Er fand das Fahrzeug noch in dem Schlamm des
Ufers festsitzen. Rasch hatte er denselben wieder flot!
emacht und ruderte über den Kanal.
Im Schlosse zuz Haag hatte unterdeß das glänzende
fest seinen programmmäßigen Verlauf genommen und
hon war der Zeitpunkt nicht mehr serne, wo das Kö
igspaar sich zurückziehen würde. Vor dem Portale des
chlosses begannen die Wagen aufzufahren, um nach
»chluß des Festes die Gäste wieder aufzunehmen und
hrer Behausung zuzuführen. Die Militärposten schritten
rrorgte Ethöhung der Rente von 30 000 Mark auf Woborn
Nark wurde davon abhängig gemacht, daß die Gräfin au
hre Staatsangehörigkeit in Sachsen verzichtet und nie
nals die Aufnahme in den Verband eines anderen deut
chen Bundesstaates nachsucht. Dieser Verzicht ist geleistet
zisher hat Frau Toselli den Vertrag erfüllt und der säch
sche Hof erblickt in ihrer gegenwärtigen Affäre eine reine
zͤrivatangelegenheit, die ihn bis zu ihrem gegenwärtigen
zerlauf nicht berührt. Daraus ergibt sich auch seine Stell—
ing zu ihr.
Gerichtszeitung.
IJ Prozeß Kluge. In der weiteren Verhandlung ge
en den Defraudanten Kluge wurden weitere Sachver—
iändige vernommen. Medizinalrat Dr. Störmer er—
lärte, daß Kluge ein degenerierter und hysterischer Phan—
last sei, in dessen ganzem Benehmen eine große Menge
jon Auffälligkeiten zu finden sind, eine Menge von son—
»erbaren Fähigkeiten, aber eine große Disharmonie. Der
Schuz des Paragraphen 51 sei ihm aber nicht zuzubilli—
zen. Es liege eine konzentrische erblige Belastung vor.,
bie eine gesteigerte Erkrankungsmöglichkeit in sich schließt;
aber für eine schon eingetretene geistige Erkrankung sei
ein Anhalt gegeben. Gegenüber zahlreichen Vorhaltun—
jen seitens des Justizrats Wronker und des Rechts—
ainwalts Dr. Ehrhardt hält Medizinalrat Dr. Störmer
unter eingehender wissenschaftlicher Begrundung sein Gut—
ichten aufrecht und betont zum Schluß, daß der Ange.
lagte zweisellos minderwertig ist. Medizinalrat Dr
doffmann schließt sich diesem Gutachten voll an. Sachver-⸗
tändiger Nervenarzt Dr. Paul Abraham kommt zu einem
Gutachten, das schließlich dahin geht: Der Angeklagte ist
geisteskrank und unzurechnungsfähig im Sinne des Para—
zraphen 51 des Strafgesetzbuches. In seinen Darlegun
gen betont der Sachverständige einzelne Vorgänge, die be
weisen, daß der Angeklagte unter einem Beeinträchtig—
ungswahn gehandeit habe, wie er Geisteskranken eigen sei
und weist andererseits auf den Größenwahn hin, an dem
Kluge zweisellos leide. Das Urteil des Gerichts ging
zahin, daß der Angellagte, der ein Defraudant und ein
3pieler sei, nicht als geisteskrank im Sinne des Paragra
»hen 51 anzusehen sei und zu fünf Jahren Ge
rängnis, sowie fünf Jahren Ehrverlust unter Anrech—
iung von einem Jahr drei Monaten Untersuchungshaft
erurteilt werde
—8
3 252*
Arbeiterbeweguug. *
— Kein Bergarbeiterstreik in England. Infsolge Ab
timmung der Bergarbeiter, welche eine gFroße Mehr—
deit gegeneinen Streitl ergeben hat, haben die
zerschiedenen Kohlengrubenbesitzer und Arbeiter von Süd—
wales ein neues Abkommen unterzeichnet. Damit ist die
jefahr eines Streiles von kolossalem Umfange endgültig
baewendet.
Zur französischen Flottenvorlage.
O Der Senat hat den Gesetzentwurf, durch den die
Regierung ermächtigt wird, in diesem Jahre zwei Pan—
zerschiffe auf Stapel zu legen, einstimmig angenommen.
Aus der Beratung sei noch nachgetragen, daß der
Marineminister betonte, es handle sich gegenwärtig nicht
im das Flottenprogramm, sondern darum, der Marine
„ie Mittel zu geben für den Ersatz der beiden ältesten
Zanzerschiffe. Frankreich habe nur 16 Panzerschiffe, von
»enen neun veraltet seien. Das genüge nicht sfür die Si—
herheit des Landes. Im Wirklichkeit müßten nicht zwei,
ondern drei oder vier Panzerschiffe angefordert werden.
Beifall.) Der Marineminister suhr fort, die Regierung
erfolge keine ehrgeizigen Absichten, es hanole sich nur
zarum, nicht noch weiter zurückzukonimen. Er teile nicht
zie Meinung von Destournelles de Gonstant, der nicht on
zie Gefahr einer feindlichen Landung glaube. Eine solche
ei in Frankreich sehr wohl möglich. Em Feind, der Ort
ind Zeit vorsichtig wähle, könne in 21 Stunden eine Di—⸗
bision landen. Unter diesem Vorbehalt sei die Gefahr ge—⸗
viß, und derjenige sei schlecht beraten, der sich ausschließ⸗
lich auf Landtruppen glaube verlassen zu können, die eine
olche Landung unmöglich machen sollten. (Beifall.) Im
Namen der Finan kommission ersuchte Monis, dem Gesetz⸗
Iitwurf zuzustimmen. Die geplanten Schiffe seien beinahe
allen ausländischen überlegen. Er bedaure jedoch, daß
man sie nicht mit Kanonen von 340 Millimeter ausrü—
ten könne. Er ersuche den Minister, diese Kanonen, die
Frage der Geschützturme und das Turbinenproblem einem
eingehenden Studium unterziehen zu lastsen Der Marine—
min ster bestätigte sodann, daß die für einen Vergleich in
Betracht kommenden ausländischen Schiffe, genau wie die
Frankreichs, nur zwölf Geschütze von 305 Millimeiter hät—
en und ein Unterschied ihnen gegeitiiber nur in der Auf—-tellung
dieser Geschütztürmen besteyen könne, Die beiden
Zentrartürme, wie Frankreich sie vicwende seien den eng—
lischen und amerik nischen Geschütztürmen überlegen. Er
werde die von seinem Vorredner genan iten Probleme un
tersuchen lassen. Der erste, seiner Vollendung enigegen
gehende Kreuzer werde vorsuchswerie Turbinen erhalten
Die Neuwahlen in England lassen doch länger au
ich warten, als man anfänglich anzunehmen glaubte. Es
cheint, daß hinter den Kulissen eine andere Lösung her—
eizuführen versucht wird. Ist dem so, dann würde es
lerdings um das Ministerium Asquith geschehen sein,
iachdem es sich bezüglich der Oberhaus-Reform festgelegt
at. Die Verfassungskrise unseres britischen Vetters scheint
hon so festgewurzelt zu sein, daß eine Lösung ohne
hwerwiegende Folgen kaum mehr möglich sein wird.
sangsam auf und ab, die Diener waren schläfrig und sehn⸗
en den Augenblick herbei, wo der Dienst zu Ende war.
Das Schloß aber erstrahlte noch immer in vollem
Festglanze, als Petron vor demselben ankam und vor⸗
schtig umherspähend, hineinzugelangen suchte. Einer der
Bachtposten vertrat ihin aber schon den Weg.
„Guter Freund, ich habe hier nur ein Glückwunsch⸗
chreiben für die Königin, welches mir ganz besonders
aufgetragen worden ist und noch heute Abend in die Hünde
Ihrer Majestät gelangen soll!“
Der Soldat musterte Petron mißtrauisch, doch dereue
ah so unverdächtig aus und sein Verlangen war durch⸗
us harmlos. Aber seine Instruktion gestattete ihm doch
ucht, demselben Einlaß in das Schloß zu gewähren.
„Dann müßt Ihr sehen, wie Ihr dasselbe anbringen
zönnt,“ entgegnete der Posten. „Vielleicht kann es ein
Bediensteter besorgen.“
Gewiß, wenn Ihr mir mir gestatten wollt, einem sol⸗
hen meine Bitte mitzuteilen.“
Ehe der Wachtposten es hindern konnte, war Petron
chon in das Portal hineingeschlüpft, hatte dort schnell
einen der reich livrierten Diener bei Seite genommen und
ihm dieselbe Bitte wie dem Wachtposten vorgetragen, die
ꝛr noch heimlich durch ein Goldstück unterstützte. Der
Diener nickte verständnisinnig und versprach, den Glück⸗
wunsch sofort zu besorgen, denn Petron hatte nicht unter⸗
lassen, ihm noch ganz besonders ans Herz zu legen, daß
die Königin sich sehr darüber freuen werde.
„Fluch über sie; möge dem heutigen Tag bald das
Ende folgen,“ ˖knitfchte Petron als er seinen Zweck er⸗
reicht hatte und sich eilig aus dem Lichtkreis des Schlosses
u entsernen suchte.
Er war aber noch nicht weit gekommen, da tauchte
vie plötzlich aus der Erde gewachsen ein Mann vor ihm
iuf und vertrat ihm den Weg.
Ha, Freund Petron B. — — —