Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
*Köln, 18. Olt. (EEr wis chet.) Die Krim nalpolizei
ꝛerhaftete einen jungen Kaufmann, der einer Dresdener
yarma nach und nach 90 000 M. untecschlagen hat!e.
Nachen, 18. Oti. (Der WolfimSchafpelz.)
luffehen erregt hier die Verhaftung eines angesehenen
kaufmannes als gewerbsmäßiger Einbrecher. Es handeli
ich um den Inhaber eines bedeutenden Delikatessen- und
kdolonlalwarengeschäftes, Laurenz Kaulhausen. Es wur—
en dem Verhafteten bisher etwa 20 Einbruchdiebstähle
achgewiesen, meist in der letzten Zei ausgeführt, darun—
er auch die schweren Einbruchsdiebstähle
eim Ersten Staatsanwalt. Ein ausgegebener
eltener Taler, der dem Ersten Staatsanwali gestohlen
durde, führte zur Entdeckung und Verhaftung des Täaͤters.
Us sein Spießgeselle wurde ein gewisser Josef Dormanns
erhaftet. Eine Haussuchung bei beiden Verhafteten för—
erte eine ganze Menge gesiohlener Sachen zutage. Kaul—
ausen ist verheiratet und hai drei oder viet Kinder. Er
var allerdings schon wegen dergleichen Delitten vorbe⸗
raft. seit 1896 aber nicht mehr. Aufsehen erregte
esonders der Einbruchsdiebsiahl im Hause des Ersien
taatsanwalts, wo das ganze Haus und Mobiliar be—
mutzzt und sehr stark beschädigt worden ist. Allein die
steparanuren des Hauses hatten 400 Mart gekostet, aber
ußerdem war fast das ganze Mobiliar des Siagisanwalis
erstoẽͤrt und zertrümmert.
Krefeld, 18. Ott. (Mord und Selbstmord.)
der fruhere Polizist, jetzige Werkführer Franken in Goch
rwürgte seine Ehefrau und beging dann Selbstmord.
v Herune, 18. Ott. (GGrubenunglück.) Die Ver—
valtung der Zeche Shamrock“ teilt mit: Auf Schacht 1
er Zeche Shamrock“ in Herne wurde aus noch nicht auf⸗
zellaäͤrter Ursache bei der Seilfahrt der aufgehende Korb
atrch die unten verjüngten Spurlatten unterhalb der drit—
en Sohle eingeklemmi. Bei dem Unglück büßten
rei Bergleute das Leben ein. Ebenso wurden neun Berg⸗
kitte schwer und eine Anzahl leicht verletzt. Sämtliche
zerungiückte sind geborgen. Ueber die Ursache des Un—
lücks gibt die Zeche folgende Darstellung: Auf Schacht 1
er Zeche Shamrock 122 stieß aus bisher nicht aufge—
ãrter Ursache der aufwärtsgehende Förderkorb gegen die
eilscheibe, während der heruntergehende Korb durch die
nten verdünnten Spurlaiten sich unterhalb der dritten
ohle festllemmte. Bei dem Unglück büßten drei Berg—
eute ihr Leben ein; außerdem sind neun schwer verlebt
ud eine Anzahl leicht.
As Hachenburg, 18. Oti. CTeufel Alkohol.) Zu
em Automobilunglück, bei dem die beiden Mitfahrer E.
dewald und Buchhalter K. Georg ihren Tod fanden und
wei audere Insassen schwer verletzt wurden, wird jetzt
ekannt, daß die Staatsanwaltschaft bereits einen Hastbe⸗
ehl gegen den ebenfalls schwer verlehien Chauffeur Ar⸗
hur Henneg erlassen hat. Es heißt, die Todesfahrt sei
uus einer Wirtshauswette entstanden, und ihr folle ein
krinkgelage vorausgegangen sein.
1 Efferen, 18. Okt. (Im Wasserkübel er—
runken) Bei einem pileptischen Anfalle fiel ein
enecht in einen in der Scheune stehenden Kübel Wasser
ind ertrank.
z *Neuenahr, 18. Ott. Werunglücktes Kind.)
Lin vierjähriges Nädchen einer Korbmacherfamilie fiel hier
mus dem Wagen und wurde überfahren. Der Tod irat
urz darauf ein.
⸗*Landau, 18. Olt. (Tot schla g.) Im nahen Göcklin⸗
J hat im Streit um gemeinsame Hofrechte der verheiratete
chuhmacher Jakob Roth der Ehefrau ves Malermeisters
Angel durch einen Schlag mit einer Weinbergshacke die Hirn⸗
chale zertrͤmmert. Der Täter wurde sofort verhaftet.
*Maumnheim, 18. Ott. (5 Jahre Zuchthaus.)
Der Kaufmann Wilhelm Wernz, der am 21. Juli d. J
»ie 16 Jahre alte Artistin Elifabeth Schmidt aus Mainz
us Eifersucht erdolchte, wurde vom Schwurgericht zu eine;
zuchthausstrafe von fünf Jahren verurleilt.
*Wuürzburg, 18. Olt. Glück im unn glück.) Uebe
in Ballonungluͤck der Miß Port wird folgendes berichtet:
Die Luftschifferin war von der in der Nähe des „Letzter
hiebes“, also nur ungeführ ¶ Stunde vor der“ Slad
Würzburg entfernt, aufgesiiegen und wollie offenbar au
em großen Residenzplatz niedergehen, blieb aber auf den
dache des Schlosses hängen. Der Ballon war sofort ent
eert und seine Hülle, die nach ungefähr einer halben
Stunde von der Feuerwehr geborgen war, hatte sich über
»ie zur Ausschmuͤckung der Fafssade verwendeten Figurern
zelegt, ohne irgendwelche nennenswerte Verletzung erhab
en zu haben. Die Luftschifferin, die dann rüstig Kam
n die Bergung legte, blickte inzwijchen rerzun ven der
»öhe der Plattsorm des Schlosses auf De zah reich zu
uumengeströmte Meanschenmenge herab.
*München, 18. Okt. (3 u gunghück) Der um 6
ihr heute früh von deir Stalion Dei enhofen abgegangene
rolalzug 32 stieß bei der Einsahrt in Thut irchen⸗ Un er⸗
aching auf den Gürterzua 2077. 12 Personen wunden ver—
et. Mehrere Weagen sind entzlest.
Aus aller Wolt
Gutachterkammer. Dem Vorbild einer Relhe deu—
hec Städte folgend, haben sich eine Anzahl inꝛ; Bezirt
er Berliner Gerichte beeidigler oder bei ben
J
eva mit Fraulein Weenzeĩ noch vorgefunden. Ein Blick in
zas bleiche tränenvolle Gesicht der jnngen Dame hatte sie er—
»eben gemacht. Eva hatte sich von ihr abgewandt, aber
ein Wort des Vorwurfs, der Klage war über ihre Lippen
gekommen. Nur Fräulein Menzel hatte Johannad für einen
Augenblick beiseite genommen und mit der niederschmettern—
den Nachricht: Eva weiß alles! hatte sie sogleich die Auf—
forderung verbunden, sie mit der schwor Miedergebeuaten
allein zu lassen.
Eva war die Nacht bei Fräulein Menzel geblieben, am
indern Tage hatte diefelbe sie nach Berlin begleitet.
In enksetzlicher Ungewißheit, in Bangen und Zweifeln
var Johanna die Nacht vergangen. Was war gefchehen?
— hatte man ihre Begegnung mit Helbig belauscht? fiei
zuf sie der Verdocht einer schmachvollen Schuld?
Endlich im Morgen des Tages da Holbia seine Vater«
adt für lange Zeit verlassen, kehrte Fräulein Menzel zurück.
ẽs war ein schwüler Tag — glühende Hitze lastete auf der
hmachtenden Natur — am Sorizonte dalten sich schwarze
Volken zusammen. Drückend und schwül war es auch in
er Seele Johannas — wie eine Ahnung bang, und schwer
astete es auf ihrer Seele, als müsse ein Unglück ihr nahen⸗
zohannas Wunsche entgegenkorumend ließ Fräulein Menzel
ie bald nach ihrer Fückkehr auf ihr Zimmer rufen. Zitternd
rat sie ein, ihre Knie schwankten unter ihr. Sqhüchtern
chaute sie auf die alte Dame und bebte erschreckt zurück. —
In den Augen Fräulein Menzels, die bis jetzt nur mit lie⸗
ender Milde auf sie geblickt und die heute so ernft und kalt
chauten, las sie ihre Verurteilung. In Tränen ausbrechend
ank die unglückliche Frau in die Knie und suchte in
lehender Geberde die Haͤnde ihrer Wohläterin zu ergtreifen.
kräulein Menzel machte eine abwehrende Bewegung:
Tränen,“ sagte sie strenge, können das nicht guimachen,
was sie getan. Sie haben Eva bitteres Leid zuͤgefügt, aber
nit, Gotles Hilfe wird sie diesen Schlag überwinden; ihre
Seele hat einen Stab und eine Stütze, die fie über das Leid
bieser Erde erheben. Wer Gott in sich trägt, den kann die
Welt und, wenn sie noch so grausam wäre, niemals ver—
nichten. Evas Seele wird nur reiner und edler aus dem
dampfe hervorgehen, den ihr diese Täuschung bereitet.“
„Helbig ist nicht so schuldig, als Sie glauben,“ unter⸗
hrach sie Johanna, einzig jetzt von dem Wunsche erfüllt
den Geliebten zu entschuldigen. „Fräulein Eva wird, si
nuß ihm, verzeihen, was eine flüchtige Schwäche ihn einen
Moment sündigen ließ.“
gLassen wir das!“ nahm Fräulein Menzel ernst wieder
as Wort. „Die Verbindung zwischen Eva und Selbia in
oroitz für immor Abnoßrone,. *
dandelskammern öffentlich bestellter Sachversländigen zu
nem Verein mit dem Namen Gutachterkammer in Ber—
n“ zusammengeschlossen. Diese Gutachtenkammer verfolgt
en Zweck, die berufliche und wissenschaftliche Tätig'eit
zrer Mitglieder und deren gemeinsame Bestrebungen auf
em Gebiete des Sachverständigenwesens zu fördern und
en Behörden und dritten Personen sachgemäßen Rat bei
er Auswahl geeigneter Sachverständiger zu erteilen, so
die die Berufs- und Standesinleressen der Milaliever zu
ahren.
Aus dem Elternhause verstoßen. In vollstaͤndig
erwahrlostem Zustande wurde ein neunjähriger Gymna—
ast in Steglitz von der Polizei aufgegriffen. Der Tauge—
lichts war von seinen in Groß-Lichterfelde wohnhasten El—⸗
ern verstoßen worden. Er trieb sich in den westlichen
Bororten umher, bis er schließlich in Steglitz festgenom—
nen wurde. Da sich die Eltern hartnäckig weigerlen, den
Lerwahrlosten wieder aufzunehmen, so wurde er einstwei⸗
en bei der Polizeibehörde untergebracht.
Schweres Unglück. Im Kalischacht der Gewerk—
chaft Siegfried bei Giesen vor Hildesheim ereignele sich
in schweres Unglück, dem mehrere Men chenleben zuͤm
Ipfer gefallen sind. Es verlauiet, daß von den 21 ein—
tefahrenen Bergleuten 13 Mann verschüttet sind. — Die
zerwaltung der Gewerkschast Siegfried teilt mit, daß auf
50 Meterßohle, 200 Meter vom Schacht entsernt, beim
Zprengen des Salzes mit Dynamit eine Dynamiterplosion
rfolgte. Ein Arbeiter wurde getötet; über das Schicksal
»er anderen vierzehn, die sich noch im Gange befinden,
ann die Verwaltung noch nichts sagen, weil die Weiler
heiben beschädigt sind und erft neu eingesetzt werden müs⸗
n. Der Schacht selbst ist volllommen intatl. Die König⸗
chen Revierbeamten in Sarstedt, die zufällig zur Besich—
zung anwesend waren, sind selbst in den Schacht einge
hren.
Gauner Duez. Der Untersuchungsrich'er hat die
ntersuchung gegen den K agregationsliquidator Duez ab
eschlossen. Duez wird im Monat Dezember vor dem
oͤchwurgericht erscheinen.
Von der Schweizergarde. Oberst Baron Leopold
Neyer von Schauensee, Kommandant“ der päpstlichen
Ichmeizergarde, der am Sonnteg gestorben ist, entstamm
iner alten und verdienten Lujerner VPatrizierfamilie. Alq
Najoratsherr bewohnte der Heimgegangene im Sommer
nin Schloß in Schauensee. Er wurde im Jahre 1852 zu
tom geboren als Sohn des Barons Franz Xaver, der
päter ebensalls Kommandant der päpftlichen Schweizer
jarde wurde, sich 1848 bei Vicenza, 1849 in Rom duͤrck
ein tapferes Verhalten rühmlichft ausgezeichnet hatte.
Die Mutter des Verblichenen war die geistreiche Francesca
Lantalamessa (aus dem Hause der Grafen Papotlti) au⸗
sscoli. Seine Erziehung genoß er teils in Rom, teils in
»er Schweiz und im Jesutenkolleg zu Feldtirch. Schor
rühzeitig kam er als Offiz'ier mit Hauptmannsrang in di
äpstliche Schweizergarde, der er seit ungefähr 40 Jahre*
ingehört, seine ganze Tätigkeit gewidmet hat. Das nächst
Anrecht auf die Kommandantenstelle dürfte der jetzi ge
Oberstleutnant Baron Karl Pfyffer von Altishofen haben
alls die Stelle unter den heutigen Verhältnissen über
jaupt wieder besetzt wird.
Die Cholera. In Belgrad ist ein Bahnarbeiter ar
holera erkrankt; es ist dies bisher der driti— Cholerafa
n Belgrad. — In Konstantinopel sind wieder zwei Er
rankungen und ein Todesfall an Cholera vorgekommen
Orkan. Aus Havanna wird gemeldet: Der Orkar
vütet weiter. Der Hasenort Batabano steht unter Wasser
ziele Menschen sind umgekommen. dDie größten Verheer
ugen richtete der Zyklon in Pinar del Rid au. Die Städ“
Nartinas, Guane, Grifa und Cortes sind zerstört. Di
abaks⸗ und Zuckerplantagen haben schwer gelitsen. Groß
zahrzeuge wurden im Hafen zerstört. Man schätzt die
Jahl der Umgekommenen auf 1000. Der verursachte Scha
en beträgt mehrere Millionen Dollars In den Provin
en sind Tausende obdachlos. Der Sturm ließ etwas nach
Ein Engros-Dieb. Aus New-York wird berichtei
die Regierung strengt eine Privatklage zur Erlangung ver
Million Dollar hinterzogener Zölle von Tuveen Bro
hers an. Außerdem wird Kriminalklage erhoben.
Der noble Rockefeller. Rockefeller stiftee dem New—
Horker Institut für medizinische Forschungen wei'ere
»820 000 Dolars, insgesamt jetzt 3 840 000 Dollars.
Schiffbruch. Der einer argen“ n'schen Reederci ge⸗
örige Dampfer „Pont Marnack“ hat bei Cap Fria Schiff—
ruch erlitten. Zwölf Versonen sind Umaekommen, Daq
—chif ist versoreä
Postpakete mit lebenden Tieren werden von v
zeulschen Post im allgemeinen als Sperrgut behandelt.
zür solche Pakete wird das Porto um die Hälste erhöht
dicht erhöht wird aber Portozuschlag und Versicherungs,
ebühr. Das Reichspostamt hat jetzt die Erhebung des
uschlags für Sperrgut bei Sendungen mit lebenden De—
in eingeschränkt. Palete mit lebenden Hunmern, Mu—
heln, Ausiern, Krebsen und dergl., sowie mit lebend⸗
lutegeln sollen nur dann als Sperrgut taxiert werden,
»enn der Inhalt aus der Postpaketadresse oder aus der
zendung selbst als lebende Tiere zu ersehen ist. Ale
zperrgut sollen derartige Sendungen auch dann behandelt
»erden, wenn sie nach Art ihrer Verpackung einer beson—
eren Bebandlung während der Mastbetfördetunag hedürien
Johanna fühlte, daß ein heftiger Schmerz ihr Her.
plötzlich zusammenpreßte. Sie war, keines Wortes mächtig.
— Fe⸗ eine Zentnerlast wälzte sich eine neue Schuld auf ihre
Brust.
Evas Verhältnis zu Helbig war gelöst — sie hatte
der Gütigen, die so barmherzig ihr die Hand zur Rettung ge⸗
reicht den bitterfsften Schmerz des Lebens bereilet. —Sie
chauderte vor sich selbst.
In Fräulein Menzels Augen leuchtete wieder ein
chimmer der früheren, Güte, als sie die Kniende erhebend
nit milderer Stimme fortfuhr:
„Es sei mir ferne, ein Richteramt über Sie ausüben
u wollen; eins aber sehe ich mich genötigt, Ihnen mitzu⸗
eilen, daß ein längeres Bleiben bei mir für Sie nach dem
zorgefallenen unmoͤglich ist.“ —
„Das weiß ich,“ sagte Johanna traurig. „Gestatten Sie
nir aber wenigstens, ehe ich gehe, mich vor Ihnen so viel es
aöglich ist zu rechtfertigen. Lafssen Sie mich Ihnen alles,
illes enthüllen, vielleicht verdammen Sie mich dann nicht
iehr ganz so wie jetzt.“
Fräulein Menzel neigte zustimmend das Haupt und
sohanna einen Stuhl hinschiebend, fagte fie ernst: „Sprechen
Zie!“ — Johanna erzählte der aiten Dame nun alles, was
hr im Schloßgarten begegnet war — den Angriff jenes, dem
räulein durch ihre frühere Mitteilungen schon bekannten
errn, Helbigs Dazwischenkunft und wie da gegen beider
Villen durch die Erregung des Augenblics das Geheimnis
hrer Herzen offenbar geworden.“
.„Sie lieben also Helbig,“ rief Fräulein Menzel, „ahnten
eine Gegenliebe und doch blieben Sie in feinet Rähe, ob⸗
»ohl Sie wußten, daß sein Wort einer anderen gehörtel!“
Johanna schaute au Boden Tranon riefelten über ihre
Langen.
„Konnte ich anders? — Ach — Sie selbst wissen ja, daß
h. gegen meinen Willen hierher gebracht worden — warum
ieß man mich nicht sterben? — Ach, mir ware wohler jetti“
„„Mit einer heftigen Bewegung sprang sie auf und
türzte aus dem Zimmer. Fräulein Nengels Augen folgten
hr mit trübem Ausdruck. Ja die Unglücliche hatte nur zu
echt; —es war nicht ihre Schuld; es war das Verhängns,
as sie in dieses Haus gebracht. dos sse zwischen Eva und
or Glück gestellt hatte. A
dor Simm vfksor geworden schwarze
——
Einen schlimmen Ausgang yat bei einem zwei—
hrigen Kinde in Wiesbaden fortgese Zies Lutschen an der
eitstelle genommen. Wochenlang stellte sich Erbrechen ein,
in, und endlich starb das Mädchen an Bleivergif⸗
ung. Die Beitstelle war von dem Vater, der Buchhalter
einer Farbenfabrik war, angestrichen worden. Auf 10
is 20 Zim. Breite hatte das Kind die Farbe am Beit⸗
and abgenagt und abgelutscht. Der Krankheitsfall hat,
vie Dr. Hirsch in der Klinischen Wochenschrft ausführt,
eine erhebliche praltische Bedeutung dadurch, daß ja häu—
ig Kinder, die sich selbst überlassen sind, oder sich lang⸗
veilen, an ihrer Bettstelle kauen und lutschen. Ist diese
Bettstelle nun zufälligerweise mit Farbe gestrichen, die
Bleiweiß enthält, so ist die Gefahr einer Vergifrung sehr
zroß. Das Lackieren der Farbe gewährt kenen „unbe
ingten Schutz. Es wäre deshalb wünschenswert, wenn
zie einschlägigen Gesetze aus dem Jahre 1887 über den
berkehr mit blei- und zinkhaltigen Gegenständen und über
ie Verwendung gefemndheitsschädlicher Farben bei der Her⸗
ellung von Nahrungsmittein, Genußmileln und Ge⸗
rauchsgegenständen dahin erweitert würden, daß es ver—
doten wäre, Kinderbetiste len mit bleibaltiger Farbe zu
treichen.
Sie Weltausstesllung in Tokio. Lie Vorbereit
agsarbeitsen sür de von 1912 auf das Jahr 1917 ver—
sobene große japanische Ausstellung, die den Chara!ier
ner Wertausstellung tragen soll, haben sich zwar in
»Ige der Vertagung entsprechend verlaug'amt, jedoch har
nie der Stündigen Ausstellungskommission für die deut
he Indusirie von zuverlässiger Seite berichtet wird, di
apanische Regierung an dem Ausstellungsplan nach w
or fest. Das ergißt sich nicht iur aus der fortdauernden
ätigkeit des Ausstellungskomitees, sondern auch daraus
aß die japanischen Budgets regelmäßig und so auch in.
iufenden Jahre einen Ausgabeposten für d'ie Vorarbeiten
orsehen. Nach der derzeitigen Lage der Dinge ist daher
nzunehmen, daß die Ausstellung im Jahre 1917 bestimmt
attfinden wird. Auch sind bereits der Generalkomm'ssare
zada Hikojiro und die Kommissare Okamoto Eitaro, PYa—
awali Haruti und Beppu Ushitaro, wie der japanische
taatsanzeiger geneldet hat, im amtlichen Auftrage nach
deutschland, Italien und Belgien entsandt.
Allerlei Kainz-Erinnerungen veröffentlicht Hans
Land in der „Schaubühne“: Kainz konnie wie ein Junge
urch die Zimmer tollen und im nächsten Moment, von
iner Lapalie tief verftimmt, sich schmollend in den Win
el setzen. Sein Seelenmekka, in dem er von allen Wid—
igleiten, die ihn quälten und zermürbten, sich reinbadete,
var Venedig. Dorthin pilgerte er am liebsten gegen Ende
Fuli. 35 Grad Reaumur, das war ihm die genehmste
demperatur. Wenn andere zerflossen, fühl:e er sich gerade
notlig. Dann saß man nachta von 2 bis 5 mit Bau
neisters bei Bauer-⸗Grünwalb. Ein imponerender Zug
n Kainzens Charakter war fein trotziges Sichaufbäumeß
zegen kleinliche und niedrige Machenschaften. Ein Bei
piel dafür erlebte Land, as er mit Kainz in Wien war.
Er hatte den Künstier zu seinem Gaftspiel auf Engage
nent am Burgtheater begleiten müssen, weil's ihm allein
zu grauslich“ war. Eines schönen Morgens schickt jemand
ine Karte zu Kainz herein. Da er den Namen nich
ennt, bitlet er Land, den Mann zu fragen, was er
dünsche. Es war der Chef der Burgtheater-Claque, de
ür seine Mithilse beim Gastspiel auf Enaagement 15
zulden forderte. „Schmeiß den Kerl die Treppe runter!
igte Kainz, und Land besorgte das. Als er zurücktam
ilte der Künstler ihm mit, daß der Claquechef am Burg
zeater allmächtig wäre, daß dessen erste Größen ihm
ibutãt waren und ihm sogar persönliche Freundlichkeiten
wiesen. „Wurscht!“ rief Kainz, „geht's nicht ohne die⸗
in dunkeln Ehrenmann, so soll's überhaupt nicht gehen.
zch will lieber nicht nach Wien, als auf solchen
chhmachvollen Umwegen!“ Und dabei blieb's auch dann
ls 15 Minuten später der damalige Burgtheaterdirelto
vehllagend telephonierte. Kainz habe das ganze Gast
piel durch dießen Gewaltstreich ruiniert, denn gegen Wes⸗
oly“ sei noch niemals irgendwer an der Burg durchge⸗
rungen. „Schön“, sagte Kainz, „so will lieber gegen
Vessely durch allen!“ Trotzdem wurde am Abend zu fet—⸗
er großen Verwunderung im Burgtheater nicht gepfiffen,
enn der Direktor hatte, wie wir später erfuhren. das
zluütgeld aus seinoöot Tasche horaut
—
Von der Luftschiffahrt.
*Einmilitärischer Ueberlandflug,. Al—s
Abschluß der Johannisthater Fliegerwoche fand ein Ueder—
andflug mehrerer Avialiker von Johannisthal nach Döbe—
itz statt. Es handelte sich dabei nicht um einen militäri
chen Erkundungsflug, sondern um vie Vorstellung von
Aeroplanen verschiedener Systeme. Das Kriegsministerium
zatte die Direktionen der Etrich⸗Rumpler-Werke, der Alba
ros⸗, der Wright-Gesellschaft und der Avatik⸗-Werke auf
efordert, ihre Apparate auf dem Truppenslugplatz vor
ühren zu lassen, und der Ueberlandflug sollte nun daß.
ienen, die Aeroplane in den verschiedenen Höhenlagen zꝛu
eobachten. Zu diesem Zweck wurden den Führern der
Naschinen Ofsizier-Piloten beiget. Als Erster stieg be
iemlich starkem Winde JIIner ri seiner „Taube⸗“
Svitom Etrich-Pumnsery um 25 unn — ⏑ —
Wolken vauren sich zujammen und die Winosdraut trieb sie
nn rasender Eile vor sich her. Die Wange bleich, die Augen
nn fieberhaftem Glanze strahlend starrte Johanna in den
lufruhr der Elemente. Den Arm um den Pfosten des ge⸗
ffneten Fensters geschlungen bot sie die brennende Stirn
em anprallenden Winde dar. Immer näher kam das Un—
vetter — schon fielen große Tropfen aus dem schweren Ge—
völk, gelblich grelle Blitze zuckten in rascher Folge zur Erde
nieder. Der Donner grollte immer näher, bdis endlich der
degen in Strömen herniederpeitschte und die Erde unter der
Vucht der gewaltigen Schläge erdröhnte; ein mattes Lächeln
tahl sich auf die Leppen der bleichen Frau, das Unwetter
armonierte mit der Stimmung ihrer Seele, sie hob die
rme zum Himmel, sie bot ihre Brust dem vernichtenden
ẽlemente. „Wenn es so auf einmal aus wäre, wenn es
hott gefiele, mich im Aufruhr der Natur von dieser Erden
ein zu erlösen!“ seufzte sic.
Ihr Gebet wurde nicht erbört, matt sanken ihre Arme
orab.
Minuten nach Minuten vergingen, das Unwetter zog
Imãhlig vorüber, die Wolken loösten sich, der Donner hallte
erner, die Blitze warfen nur noch matten Widerschein auf
ie heller werdende Landschaft, Johanna stand noch immer
n, derselben Stellung, den Ausdruck, hoffnunagslosen
-„chmerzes auf dem schoͤnen kummerbleichen Antlitz.
Jest brach die Sonne siegreich durch das dunkle Ge⸗
völk, in ihrem Strahle blitzten die Wassertropfen auf Buu—
nen und Sträuchen gleich strahlenden Juwelen, die nieder⸗
ebeugten Zweige der Bäume hoben sich, die Blumen öffne—
en ihre Kelche dem freundlichen Licht und erfüllten mit
alsamischem Dufte die feuchte frische Luft — die kleinen
zögel, die ängstlich vor dem Unwetter Schutz gesucht, flo—
en jetzt fröhlich singend von Zweig zu Zweig, Wonne und
rreude erfüllte die erquickte, wiedergeborene Erde.
Johanna faltete anbetend die Hände.
Gott,“ flüsterte sie andächtig, „der du nach Nacht und
Angewitter immer wieder Licht werden läßt — du wirst
auch in mein armes Dasein wieder einen Lichtstrahl der
vnade fallen lassen
Mächtig zog es sie hinaus in die erfrischende Luft, sie
and ein Tuch um ihre Schultern und verließ raschen Schrittes
das Zimmer. Draußen im Flur begegnete ihr Minna
und übergab ihr ein zusammengefaltetes Billett, das ein
derzbergscher Diener eben für sie abgegeben. Johanna
nahm es und ging hinaus. Sie öffnete und las. Das Bil⸗
ett war auf zaͤrtem rosa Papier geschrieben; es lautete also:
9 .— „Angebefete Frau“ F
an Sie wissen es jebt wer Sie his ur Noranfttorung
berleutnant Görtz; er schwang sich bereits nach oer
en Runde zu einer Höhe von 250 Metern auf, umkre
wa zehn Minusen lang die Bahn und verließ das 5.
mi 4.42 Uhr, seine Richung nach Westen nehmend. 1
.42 Uhr stieg Jeannien mit Leutnant von Thue,
uf seinem Aviatik-Doppeldecker auf, leg'e ebenfalls me
eꝛre Runden zurück und trat dann um 455 Uhr dv.
eberlandflug an. Als Dritter erhob sich auf einem
atros-Apparat der Militärflieger Leutnant v o n Ta
otz y; er verließ das Fesd uim 4.53 Uhr. Lin
„aintnuer wollte edenfalls den Ueberlandssug mitm
jen, mußte jedoch, naudem er eine Runde geflogen we
e'n Vorhaben aufgeben. da sein Apparat nicht richr
un'tionierte. Tie Flugroute war vorgeschrieben; sie gi
ber Buckow, Marien'e'de, Teltow, den Wannsee entlar
iach Döberitz. Die Leitung des militärilschen Ueberlan
uges lag in den Händen des Leiters der Fliegerschu
»er Luftschiffer-Abteilung der Verkehrstruppen, Haup
iann de le Roi.
*InternationaleBallonwettfahrt.«
uernationale Ballonwett'ahrt um den Gordon-Benn⸗—
zreis begann unter Beseiligung von zehn Ballons.
deutschen sollen sich, nach einer Meldung aus New-⸗Yo
un doch noch an der Veransta'tung beteiligt haben.
re Boschwerden ersediat worden sind.
Zur Fleischteuerung.
Die seit langem herrschende Fle'schteuerung hat w
»er einmal Dimensionen angenommen, die baldige
IAlfe dringend ratsam erscheinen lafssen. Während man
in Deutschland bisher mit paplerenen Protesten zur AMi
hilfe der das ganze Volksleben in so schwerer Weise sch
digenden Teurung unseres wichtigsten Nahrungsmittel
znügt hat, ist man in Oesterreich eifrig an der Arbeit, uw—
ie Oeffnung der Grenzen für argen inisches Fleisch zu
eichen. Das gewaltige, eindrucksvolle Massenmeeting ⸗
der Wiener Ringstraße, an welchem nicht weniger
300 000 Menschen teilnahmen ist wohl der befte Bep
—
g8
7
—E
2*
— 8
78 F
—— — —— — — I * — — J.
‚asür, wie stark die Fleischlenerung das Wirtschaftsleh
beeinflußt hat. Von Interesse für unsere Leser dür te
sein, wenn sie einen Blick auf die Bestünde an Schlach
bieh wersen, welche den einzelnen Ländern zur Verfügun
tehen. Wir verweisen auf unser heutiges Tableau, au
velchem dieselben in graphischer Darstellung aufgefüh
ind. Die Staaten, welche in den letzten Jahrzehnten ein
hedeutende Zunahme ihres industriellen Lebens aufzuwei
en hatten, weisen heute nur noch geringe Viehbeständ
uuf; so vor allem Belgien und Großbritannien. d
ztärleverhältnisse der größeren Schlachtvieharten der ei
elnen Staaten sind in der beistehenden Statistik durch Ve—
reter der drei Hauptarten in entiprechenden Größen va
Jestellt werden
Humoristische Ecke.
*Bibelfest. Simon Haschiweinn aus Bobylin
ach Berlin zum Einkauf gekommen. Es werden ihm be
iner großen Konfektionsfinma diverse Mäntel vorgelegt.
in besonders reich hearbeileler Mantel findet den Ber
all Haschiweinns und er sagt zu dem Verkäufer: „Nu,
eern Se, ich werd Ihn geben zehn Mark für das Man—
lchen.“ — Darauf der Verkäufer: „Nun, mein Lieber
as ist doch wenigstens schon ein Gebot. wir haben 44
— A α 2*8 *2——
ôαιαν
iebt. Ja, 1qone Fyrau, Sie waren, mir, naher als ich
hnte; aber Sie müssen, wie die Verhältnisse zetzt ehen,
mbedingt das Haus verlassen, welches Sie jetzt noc
chützt. Sie stehen allein, ich kenne Ihre Lage ganz genau
SBelbig hat Berlin verlassen, er kann — er wird nicht—
ür Sie tun. Nehmen Sie daher mein Anerbieten an—
as mir die Liebe Ihnen zu tun gebietet. Ein Wort —
ind ich mache Sie frei und unabhängig, unabhängih
elbst bon mir, Einer Frau gegenüber, die mich liebt
enne ich kein Gesetz, das mich binden konnte. Ihr, Ver⸗
prechen, mein zu sein, soll Sie zugleich in den, freien
Zesitz eines Eigentums setzen, das Ihnen eine sorgen
reie Existenz sichert, selbst dann, wenn Zeit und Um
tände uns auch wieder trennen sollten, Wünschen Si
s, so wird meine Hand die Ihre nicht eher berühren, bi
illes gerichtlich festgemacht ist. Sie werden hieraus er
ehen, wir groß und uneigennützig meine Liebe zu Ihnen
st. Erwägen Sie alles wohl und sagen Sie bald ei
VNort der Frmutiaung Ihrem Sie anbetenden
8. Herzberg.
Röte und Blässe hatten während des Lesens auf den
Vangen Johannas gewechselt, ihre Hände zitterten krampf
„aft und als sie den Namen Herzberg las, entrang sich ein
chmerzliches Stöhnen ihrer Brust. Lange starrten ihr⸗
lugen auf, die Buchstaben, die vor ihren mizkon ouf
ieder tanzten.
„Herzberg!“ stietz sie hervor — „er also ist mein Ver
olger, der Vater meiner Wohltäterin, der Vater Evas.“
J Hastig zerriß sie das Papier in tausend, Stücke und
ihergab es dem Winde zum Spiele, ein Gedanke, eir
Bunsch Füllte jetzt ganz ihre Seele — sie wollte fort au
iesem Hause, fort aus der Umgebung, in der sie nur nod
geduldet wurde, fort aus dem Gesichtskreise dieses Mannes
per sie durch seine Anträge so tief erniedrigte. Aber wo
hin? O Gott, sie wußte es nicht, für sie gab es keine Hei
nat, keine Siätte des Friedens, wo sie von dem Kampf
ausruhen konnte, der Leib und Seele ihr müde gemacht
Allein und einsam, verlassen von allen, auch von ihm, de
ie hatte retten wollen. Wie ein fremder Lichtpunkt tre
jer Gedanke an das Theater vor ihre Seele. Aber so rab
r gekommen verschwand er auch wieder — konnte sie darg
enken vor das Publikum zu treten, so lange ihr Gatte ei
zerbrecher unter Verbrechern im Zuchthause schmachtet
ürde dieser Gedanke nicht jeden Mut aus ihrer, Seel
des Lachen von ihren Lippen verscheuchen? Würde s
ragödie spielen können, während die ichrecklichsle Tragödie
3502 LVohons sich erfürrinßnne