Felden. Nicht nur, daß sie auf andern Gebieten dem
deser wahllos das wildeste und krauseste Zeug aus Ame—
lla auftischen, auch in der Politik gehen sie häufig von
janz falschen, auf Unkenntnis der Verhältnisse beruhenden
soraussetzungen aus und kommen natürlich zu total ver—
eræen Echlüfsen.
— ————— —— —
Hof und Gesellschaft.
LOerr von Schon. Der neue Botschafter in Pa—
d von Schoön, s mir Gemahln in Verlin Lingetees
u nxd hal im Kaiserhof Wohmmig genommen.
—— Richard Koch 7. Der frühere Reichsbanfkpräsi⸗
Richard Koch ist in Charlottenburg ge—
·Koch war herzkrank; in letzter Zeit hatte sich
eia Zußand derart verschlimmert, daß er das Lagei
eecht mehr verlassen konnte.
Michard Koch war am 15. Sept. 1834 in Kottbus
xeboten, studierte in Berlin die Rechte und wurde 1862
nun Stadte und Kreisrichter in Danzig ernannt. 1868
dach Berlin versetzt, wurde er 1867 Stadtgerichtsrat, kam
G70 in das Hauptbankdirektorium, wurde ein Jahr spä—
er Juftitiar dieses Instituts und trat 1876 zur Reichs—
haul aber. Im Jahre 1887 ersolgte seine Ernennung zum
bigepräsidenten. Von 1890 bis 1907 stand Richard Koch
der Spitze der Reichsbank. Seine Verdienste um das
Ato⸗, Scheck und Abrechnungswesen sind bekannt, des—
fteichen seine Beiträge für Siengels „Wörterbuch des Ver—
waltungsrechts“ und Conrads „Handwörterbuch der Staatswlenichasten.“
Die Res
kisenbahner⸗Ausstand in Frankreich.
Paris, 15. Oklt. Es sind Anzeichen vorhanden für
atne lebhaste Agitation unter den anarchistischen Ele—
Zahlreiche Revolver und Totschläger wurden ge—
— spricht von einem neuen Fort Chabrol, in
von der Polizei gesuchte Elemente sich der behörd—
ichen Verfolgung entziehen wollen. In diefem Fall wür—⸗
den die schärfsten Gegenmaßregeln ergriffen werden. Bei
* Redakteuren der „Guerre Soziale“ wurden Hau s⸗—
uchungen vorgenommen.
Paris, 15. Okt. Im Ministerrat teilte der Minister
PUlerand mit, die zum Militärdienst einberufenen Eisen—
ey müßten dem Besehle bei Vermeidung von Ge—
angnisstrafe unverzügliche Folge leisten. Die Rekru—
serungsbureaus hätten die Gestellungsorder für die Eisen,
dahner bestätigt.
üe gegaeten tron gaschen kisenbahnen.
Paris, 15. Oklt. Auf den Linien der Sudbahn
eige Angestellte dem Dienst ferngeblieben. Für
Ausständigen wurde Ersatz geschafft. Die Lokomoliv—
fühne und Heizer sind zum Diensi erschienen, der sich in
der gewohnten Weise abwickelt.
Paris, 16. Oktt. Streikende Maurer ver—
sammelten sich auf dem Montmartre, um einen Demon
strationszug zu veranstalten, wurden aber auf dem Marsch
nach dem Clichyplatz von Polizei und Gendaͤrmerie zer⸗
treut. Bei dem senrnann e wisrde ein Gendarm durck
verren, Tehtete er sie plotzlich ut oas und Oskars bevor⸗
tehende Verbindung.
Iuf Lelbiqgs Stirn zogen dunkle Wolken auf — er suchte
as Gespräch abzulenken — vergeblich.
Du hast einen seltsamen Shatz an deiner Braut,“ fuhr
ꝛer Direktor fort und schaute Helbig fest ins Auge — „ich
abe mit näherer Bekanntschaft mit Eva eine Tiefe nud
steinheit der Empfindung entdeckt, der ich nur selten in
neinem Leben bei Frauen begegnet bin. Laß mich, lieber
Aekar, als dein älterer Freund eine offene Frage an dich
—— du auch den vollen Wert dieses Mädchens zu
ätzen?“
Ferbia blickte überrascht, ja fast erschreckt au seinem
Ontel auf.
„Zweifelst du daran?“ fragte er mit bebender Stimme.
—* weite insofern,“ fuht der Onket ruhig fort, „als
unge Leute am wenigsten geeignet sind, einen Charakter voll
nniger und ganzer Hingabe an den Gegenstand seiner
diebe, wie ihn deine Eva besitzt, zu würdigen. Dir traue
ch dies indessen eher zu als jedem andern; hast du doch
elbst en im Leben die bittere Erfahrung gemacht, daß
uller Feiz und alle Schönheit des Weibes wertlos ist, wenn
nicht ein hoher und schöner Geist die Hülle beseelt.“
Er hiest inne; Helbig sah stumm zu Boden. „Deine
Nutter hat mir erzählt,“ fuhr der Direktor nach einer
bause fort, während sein Blick noch immer forschend auf
einem Neffen ruhte, „daß du das verblendete unglückliche
ädchen, das einst deine Leidenschaft se sehr erregte, hier
m größten Elend wiedergefunden hast; von Marie habe ich
eute erst erfahren, daß durch die Güte Evas dieselbe jetzt
ei einer würdigen Dame, der Erzieherin deiner Braut
lufnahme und Pflege gefunden. Antworte mir nun aufichtig:
Haft du die beklagenswerte Frau äitors wiederesehen?“
„Oskar sah noch immer zu Boden, das Blut strömte ihm
eiß und glühend zum Herzen, als müßte es die Srust gewalt
am zersprengen. Ahnte der Onkel seine sündhafte Leiden.
chaft? Ich habe sie nur einmal in Charlottenburg auf-⸗
lesucht,“ erwiderte er dann sich gewaltsam zu fassen suchend
Einen Aucgenblick sah der Direktor ernst und trauriq
uuf das niedergebeugte Antlitz Helbigs, auf dem der —*
eines Inneren sich nur zu deutlich abmalte, dann ergriff er
es jungen Mannes Hand und sagte mit weicher lievreicher
ztimme: „Du hast recht daran getan, mein Sohn, diese Frau
u fliehen — du darfst sie auch um Evas willen nicht wieder⸗
ehen. Versprich es mir, stets daran zu denken, daß, die
uhe eines lieben edlen Wesens ietzt ganz allein in deiner
and lieat·
Oakor inh auf — Iumm roichto ar Som OEnkes dio Gond
inen Flaschenwurf verletzt. Als etwa 1000 Demonstran—
en sich wieder zu einem Zuge vereinigten und über die
due de Faubourg nach dem Montmartre zurückmarschier
en, wurden sie abermals von der Polizei zerstreut, wo
ei der Polizeiinspektor erheblich verletzt wurde.
Genf, 15. Okt. In einer gestern Abend stattgesun
enen Versammlung der streikenden Eisenbahner, die ohn
wischenfälle verlief, wurde die energische Fortfetzung des
treiks beschlossen.
Genf, 15. Olt. Die Lage, des Eisenbahnerstreiks ha
h gebessert. Wie man erfährt, will man in einer nicht⸗
fentlichen Versammlung, die soeben stattfindet, über
e Wiederaufnahme der Arbeit verhandeln
ARe Genjser Eisenbahner der Paris-Lyon-Mittelmeerbabhn
ihlen sich von ihrem Kameraden im Stich gelassen, de
berail auf der Linie der Dienst wieder anfangen werd
nd sie allein nichts ausrichten könnten. Sie schieben du
chuld am Schetiern ves Ausstandes allein auf die Ma—
hinisten, die als einberufene Soldaten den Dienst nicht
erlassen hätten.
Das Ende des Streikes in Sicht?
Paris, 15. Okt. Die Besserung der Lage des Aus
andes macht sich uberall fühlbar. Man gewinnt der
zindruck, daß der Ausstand seinem Ende naht, und daf
ie Wiederaufnahme der Arbeit in Kürze eine vollständig
ein wird. Das elektrische Licht hat in Paris wieder nor
nal' sunktioniert. In Vincennes sind mehrere Telegraphen
rähte abgeschnitten worden. Der Verkehr der Straßen
ahn ist in vollem Umfange wieder augenommen worden
Paris, 15. Olt. Der ministerielle „Petit Parisien“
hreibt: Die öffencliche Meinung wird der Regierung
ank dafür wissen, daß sie einerseits mit Festigkeit die
rdnung aufrechterhalten, andererseits eine versöhnliche
ätigkeit ausgeübt hat. Andere Blätter verlangen aber—
ials dringend ein entschiedenes Vorgehen gegen den all—
emeinen Arbeitsverband, der der Haupturheber der un—
ufshsrlichen Streils sei. — Der „Figaro“ schreibt: Es
eißt, daß die Regierung dem Parlamente unverzüglich
inen Gesetzentwurf unterbreiten werde, durch den das
5yndikatsgesetz von 1884 abgeändert werden soll. In der
lat ist eine solche Aenderung unumgänglich notwendig.
denn man darf nicht vergessen, daß der Eisen dahnerstreil
m Namen des Geseztes angeze telt wurde. — Die „Ac—
ion“ sagt, es erxistiert osenbar im Lande irgendwo eine
eständige Verschwörung gegen das Vaterland; diese muß
nit der äußersten Energie bis auf den ledtten Teil zerstört
erden.
——
Aus aller Welt.
Großfener. In dem Hause der neuen Friedrichtraße
gegenüber der Markthalle entstand in Bertin in—
olge einer Gasexplosion in einem Wäschegeschäst Groß—
euer. Durch das plötzliche Umsichgreisen des Brandes
ourde einer bei der Firma angesterlten Person der Wee
bgeschnitten. Sie ist verbrannt oder erstickt. Eine weib—
che Angestellte sprang neben das Sprungtuch, hat aber
ur leichten Schaden genommen. Der Brand ersreckte sich
uf das dritte und vierte Stockwerk, sowie auf den
dachsiuhl, der nach der Straße hin beinaht? ganz abge
rannt ist. — Das Brandunglück in der Reuen Friedrich
traße ist größer, als man bisher augenommen hatte. Am
zamstag wurden auf der Brandstärte noch 5 weitere Lei—
sen gefunden, die teilwesse bis zur Unkennilichkeit ver—
ohlt sind. — Die neuesie Meldung besagt: Wie sich jetzt
eim Aufräumen durch die Feuerwehr herausstelit, find
zeben Frauen und Mädchen verbrannt. Es werden aber
zoch einige Arbeiterinnen vermißt, Die Hauptursache die—
es Verlustes an Menschenleben soll darin zu suchen sein.
aß eine vom dritten Stockwerk zur Haupttreppe und auf
ie Straße führende Tür sest verschlossen war und zwa
ändig. Bei dem Versuch, die Hinsertür zu erreichen, sind
ffenbar die verunglückten Frauen von Trümmern getro—
en worden, durch den Qualm erstickt und dann verbrannt
die Feuerwehr hat die ganze Nacht in den Trümmern ge
raben, bis sie die Leichen fand, deren Aussehen dasu
pricht, daß der Tod nicht durch Verbrennung, sonderr
urch Ersticken erfolgt ist.
Zusammenstoßz. Auf der Chaussee von Charlotten
urg nach Spandau stießen zwei Straßenbahnwagen mit
olcher Gewalt zusammen, daß beide Wagen zertrümmer!
nnd drei Personen schwer verletzt wurden. Es finden auf
er Strecke Bauarbeiten statt, die zur Foge haben, daf
ie Bahn nur eingleisig ist.
Deutsche Einheitskurzschrift. Die Kurzschriftschule
ztolze⸗Schrey, die rund 70 000 Mitglieder zählt, hielt in
iesen Tagen in Berlin einen Vertretertag ab, der zahl⸗
eich aus allen Teilen Deutschlands und aus der Schweiz
eschickt war. Zur Frage der Einheitskurzschrift wurde
instimmig folgende Entschließung gefaßt: „Die Schule
tolze⸗Schrey hält nach wie vor die Vereinheitlichung der
eutschen Kurzschrift für wünschenswert. Sie dankt der
zorkonferenz der verbündeten Regierungen für die sach—
emäße Entscheidung, die ihr geeignet erscheint, die Ge
ahr eines Rückschrittes zu beseitigen und das Gelingen
es Werkes trotz aller ihm noch in neuester Zeit bereite—
Sindernisse vyerhür— —22 b6o0B R—
elche diefer fest in der seinen drückte: „So stärke dich Gotu,
lein Sohn!“ sagte er, „und nun eile zu deinem Mädchen,
as gewiß schon jehnsüchtig deiner harrt.“ ———
Ais Helbig zu seiner Braut kam, fand er diese in voller
oilelte und mit freudigem Antlit ihm entgegeneilend. Das
aftige blaue Muslinkleid stand gut zu dem rotblonden
aar und den weißen von einem Spitzentuche nur leicht ver⸗
üllten Schultern, ein Hülchen von gleicher Farbe wie das
leid machte die Toilette vollständig. —
Heibig küßle feiner Braut die Hand, ohne auf den kleid⸗
amen Schmug und das hübsche Aussehen Evas zu achten.
ß Sie wandie sich halb lächelnd, halb schmollend von ihm
„Du fragst nicht einmal, warum ich mich so geschmückt
abe?ꝰ rief sie. „Ist das schon die Erziehung des angehenden
—X der die arme Frau nicht zu sehr verwöhnen
bdill?“
Er versuchte zu lächeln. Erst jetzt sah er, daß sie zum
lusgehen sich bereitet hatte.
Run, wohin soll's gehen?“ fragte er freundlich. 9
Nach Charloitenburg ins Theater —“ tönte jetzt die
elle Suimme des Bankiers durch die nur angelehnte Tür
e3 Nebenzimmers, in der die wohlhäbige Gestalt Herzbergs
chtbar wurde: „Eva hat schon lange gewünscht, das Theater
ort einmal kennen zu lernen.“
„Nach Charlotlenburg?“ fragte Helbig unangenehm
berrascht —in dieses, Heine Theater? Lassen Sie uns
»o anders hinfahren —
„Nein, nein,“ rief Eva, „diesmal mußt du schon meinen
Vunsch erfüllen) Nach dem Theater besuchen wir dann
ieine liebe Menzel“ — sie schaute bittend zu ihm auf.
„Wenn du es wünschest, Liebe,“ entgegnete er freundlich,
so mags drum sein; aber du wirst mir verzeihen müssen,
jenn ich mich nach dem Theater gleich verabschiede,
ötige Geschäfte, die um so dringlicher sind, da in weniger
lagen bereits mein erbelener Urlaub beginnt. rufen mid
eute früher zurück als sonst.“
„O, das paßt ja prächtig!“ rief der Bankier, „dann
yandeln wir beide zusammen nach Haͤuse, lieber Schwieger⸗
ohn, auch ich mag die alte Dame nicht durch meine Gegen⸗
ari stören. Eva kann noch ein, Stündchen dort bleiben
nd fährt dann sicher in meinem Wagen heim.“
Ihr stört mir das ganze Vergnügen.“ agte Eva,
raurig zu Boden blickend, „ich hatte mir den Abend gerade
ei meiner lieben Menzel im engsten Fomilienkreise so
uůbsch gedacht; es ist doch wahrscheinlich der letzte Abend,
nich vor meiner Verheiratung hbei ihr aubringen kann.“
—
zorstande, insonderheit ihrem unermüdlichen Vorsitenden
sar Backler, für die tatfräftige und geichickte Forderung
er Einheilsbestrebungen ihre volste Anerkennung und
zilligung.“
Straßenbahnerstreik. Aus Bremen wird be—
ichtet: In einer Versammlung beschlossen die Straßen⸗
ahner, welche schon einige Tage wegen Lohndifserenzen
erhandelten, mit 437 gegen 11 Stimmen zu streken. Der
Betrieb ruht auft sämtlichen Linien.
Nette Geschichten. Nach fünftsgiger Verhandlung
vurde in Budapest det Prozeß gegen die ost genannte
Marie Haverda beendet, welche angeklagt war, ihre Ver—
ehrer, den gewesenen Postbeamten Aladar Janossy und
den gewesenen Postbeantten Johann Vojtha dazu verleitet
zu haben, ihre Mutter zu ermorden, um in den Besitz
iner mehrere hunderttausend Kronen betragenden Erb—
haft zu gelangen. Die Verhandlung war bereits die
uitte in dieser Affäre. Die Verhandlung in Szabadka
außte abgebrochen werden, weil konstatiert wurde, daß
er dortige Staatsanwalt der schönen Angeklagten nächt⸗
liche Bejuche in der Zelle abstattete. Die zweite Verhand⸗
lung in Szegedin endete trotz des vollen Gestandnisfes
Jancssys, daß er den Mord vollbrachte, mit einem Frei⸗
pruch der drei Angeklagten. Dieses Urteil wurde kassiert
uind eine dritte Verhandlung in Budapest anberaumt, zu
velcher sich die Freigesprochenen freiwillig meldeten. Die
iesmaligen Geschworenen erklärten Janossy der vor—
ätzlichen Tötung, die Haverda der Anstiftung und Vojtha
er Mitwissenschaft schuldig. Janossy erhielt zehn, die
averda zwölf, Vojtha acht Jahre Zuchthaus.
Rätselhafter Ueberfall. Ein Herr von Secar, ein
zerwandter des brasiliauischen Präsidenten, fuhr im Auto—
iobil in Begleitung zweier Herren von Paris nach Li—
eur. Unterwegs wurde das Gefährt durch ein über die
zandstraße gespanntes Stahlseil aufgehalten, worauf aus
inem Straßengraben mehrere Revolverschüsse auf die Rei—
nden abgegeben wurden. Die Kugeln gingen jedoch fehl.
intersuchung ist eingeleitet. Man glaubt, daß es sich um
in beabsichtigtes Attentat auf den Eisenbahnminisier han—
„elt, der ebenfalls auf dieser Strecke fuhr und den die
ingreifer vielleicht in dem Automobil vermuteten.
Eine griechische Bande versuchte bei Diskata die
grenze zu überschreiten. Sie griff die türkische Grenzwache
in und verwundete zwei Soldaten schwer. Einer herbei—
ilenden Patrouille gelang es, vier Griechen festzunehmen,
die übrigen flüchtelten. Eine Gendarmenpatrouille wurde
jei Stefanikoei von einer griechischen Bande überfallen
ind ein Gendarm schwer verwundet. Die Gendarmen
chlugen jedoch die Bande mit einem Verlust von zwei
koten in die Flucht.
Orkaneswüten. Ein Orkan hat die Städte Casilda
nd Santa Clara (Kuba) zerstört. Viele Menschen sollen
ms Leben gelommen iein. EF
— —
Von der Luftschiffahrt.
„*Verunglückter rheinischerFlieger. Als
er Aviatiker Steinmann sin Süchteln einen Flug
nit einer neuerbauten Flugmaschine unternahm, versagte
er Motor, worauf der Apparat aus einer Höhe von etwa
Metern herabstürzte. Steinmann erlitt schwere Verletz
ingen, während der Apparat vollständig in“ Trümmer
ling.
*Der Zar und ‚P. 7.“ Wie man hört, hat der
zar das für die russische Militärverwaltung bestimmte
zuftschiff P. 7* zu einem Besuch nach Friedberg bestellt.
—„RBESE
Lokales und Vermischtes.
Ein kaiserliches Mahnwort. Eine bemerkenswerte
aiserliche Aeußerung an den Borstand des Studentenaus—
husses bei der Universitäts-Jubelfeier in Berlin wird von
inem Berliner Bureau mitgeteilt. Der Kaiser hatte der
Jertretern der Studentenschaft sein Bildnis mit persönlicher
Vidmung überreicht nnd unterhielt sich mit den junger
Leuten aufs lebhafteste. Bei dieser Unterhaltung wurde
»om Kaiser wiederholt und besonders ausgeprägt betont,
»aß die akademische Jugend den Alkoholverbrauch etwas
inschränken und sich mehr dem Sport widmen möge. Eine
aiserliche Mahnung, der recht weitgehende Beherzigung zu
»ünschen wäre.'
Bahnprojekt. Wie der „Bernkasteler Zeitnng“ aus
werlässiger Quelle mitgeteilt wird, hat der Minister der
ffentlichen Arbeiten die Königliche Eisenbahndirektion Saar—
rücken mit den allgemeinen Vorbereitungen für das Bahn—
rojekt Liefer-MülheimMorbach beauftragt. — Man dar“
»obl annehmen, daß die neue Bahn durch das Veldenzer
kal über Veldenz, Talveldenz und Gonzerath nuch Mor—
ach geführt wird und daß man die Absicht hat, sie über
dempfeld und die Orte des Idartales nach Oberstein zu
erlängern.
Die Reichstagswahlen von 1911. Zu dem Strei—
im den Termin der nächsten Reichstagswahlen, der durch
ie sozialdemokratische Ankündigung einer vorzeitigen Auf—
zæssung des Neichstages ongeregt wurde, teilen jetzt zwe
ddeutsche Blätter, die „Straßb. Post“ und die „Karlsr
1wit daß sio von nνειναα RocbböOrfAhron habe
Die Räume des Charlottenburger Schloßtheabers waren
icht gefüllt. Ein neues Stück sollte gegeben werden, und ob⸗
ohl das Machwerk als dramatisierte Novelle nicht vielen
zert halte, so zog es doch eben der Beliebtheit dieser viel⸗
elesenen Novelle wegen ein großes Publikum an; zudem
har die in den Zwischenpausen erquickende Promenade im
chlohgarten, der kühle Theaterraum einladend genug für
ie Bewohner der heißen und staubigen Residenz.
Der vankier saß mit seiner Tochter und deren Bräuti-⸗
am in einer Prosceniumsloge — das Stück sollte eben be—
innen, das Orchester hatte schon zu spielen angefangen.
her Bankier griff zum Opernglase und ließ die versammelte
hamenwelt Revue passieren. Plötzlich blieb sein Blick wie
ebannt auf einer einfach gekleideten Frauengestalt haften,
e im Parkelt ernst dasaß ohne an der rings um sie her
vogenden Unterhaltung teilzunehmen. Eva begrüßte lächelnd
ind nickend diese und jene ihrer Bekannten, welche sie im
zuüschauerraum bemerkte, sie sah die dunkle Geftalt nicht;
ber ihres Bräutigams Augen waren dem Blick seines
chwiegervaters gefolgt und auch er konnte von dem An⸗
lick sich nicht losreißen.
Johanna — denn sie war es, welche die Aufmerksam⸗
eit der beiden Herren fesselte, — ahnte nicht, daß sie beob—
chtet wurde. Mit vollster Aufmerksamkeit folgte sie der
fütwicklung des Dramas alles, was nicht zum Stücke ge—
örte, war innerhalb der Theaterräume für üie nicht vor—⸗
anden.
Der erste Akt war beendet; alles erhob sich, um in den
jarten zu eilen. Eva ergriff Helbias Arm und zog ihn
inaus in die schönen schattigen Gänge: eine Schar junger
Nädchen kam beiden entgegen, Eva wurde kreudig in ihre
Nilte genommen: „Noch gehört sie uns, Herr Assessorl“ rief
nan neckisch Helbig zu.
Er ging in, Gedanken versunken neben ihnen her, man
uchte ihm absichtlich mit der schönen Beute zu entfliehen.
Zo ging es von Weg zu Weg, man hatte sich weit, vom
Thegter entfernt, plötzlich erschallte die Glocke. Alle stürz—
en hastig zurück —Helbig folgte langsamer. Es war schon
iemlich leer im Parke geworden. Er schlug einen Seiten—
deg ein, der ihm näher als der große däuchte und da dieser
ur wenigen bekannk war, ihn durch seine Stille und Sin⸗
mnkeit angog. Kaum dbaite er aber zehn Schritte gemacht
Slimmen an sein Ohr schlugen, Stimmen, die ihm. *s
nnt schlenen — er eiste vorwaärts -, da sah er auf eine
Lteckten Sieinbank zwei dunkle Gestalten sitzen — er blieb
ehen und horchle mit angehaltenein Atem, während das
G νO Sor α
„ie amtlichen Akten über die „Reischstagswahlvorbereitung
m Reichsamt des Junern trügen den Vermek „Res—
ꝛaswahlen Oklober 1811.“
Von der Grube. Die elektrische Wasserhaltu.
naschine, welche in diesem Jahre in der 5. Sohle
rbaut wurde, ist jetzt dem Betriebe übergeben wor
die angestellten Leistungsproben ergaben eine Leistung
Kubikmeter pro Minute aus einer Tiefe von 420 Me
Durch die Inbetriebnahme der neuen Maschine kommen
ämtlichen Einrichtungen zur alten Dampfwasserhaltun,
naschine am Gegenortschacht in Wegfall. Die Kesselam
zaselbst ist stillgelegt. (Brgmsfrd.)
Sozialer Unterrichtskursus. Ein sozialer Unterri—
ursus der christlichen Gewerkschaften findet im Lokale
ienbergrr am Marktplatz statt und beginnt am 18. Okto
Von der Nahe. Die allgemeine Weinlese begann
3. in einigen Orten des Guldenbachtales. Am näch
Nontag wird hier mit Rusnahme der besseren Gemark
jen die Lese zumeist beginnen. Die schönen Oktober
saben die Qualität der Trauben noch erheblich verbe
In den besseren Lagen zieht man daher die Ernte
nöglichst lange hinaus. Der Mosthandel zeitigt r
sohe Preise. Waldböckelheim erhielt 3,.90 M., Sar
döckelheim bis zu 6 M., Talböckelheim 4355 M..
»rnten diese Gemeinden einen zweidrittel bis dreiv
derbst. Einen sehr guten Behang weisen u. a. die 9
erge der kgl. Domäne auf.
Saarbrücken, 14. Okt. Angesichts des großen An
ses des Publikums hatte die Polizei am heutigen
inen schweren Stand, um die Eingänge am hiesigen
gericht freizuhalten, in dem sich heute der Kellner
kist aus Affaltern Gayern) vor den Geschworenen zu
intworten hatte. Bekanntlich hat der Angeklagte am in
sen des 31. Mai 1910 in der Oberlauerfahrt, einer
iindung der Mainzerstraße in Saarbrücken, seine Gels
ie Kellnerin Emma Reinfrank aus Hechingen ermorde
Nach Verlesung der Anklage wurde auf Antrag
ztaatscnwalts die Oeffentlichkeit bis auf die anwese;
ßertreter der Presse ausgeschlossen. Der Angeklagte
in 27jähriger, bedeutend älter aussehender Mann, der
eits wegen Körperverletzung und wegen Zuhälterei mil
wei Monaten Gefängnis vorbestraft ist. Die letzte Str
—R
zu und soll mit der Tat, die heute zur Aburteilung st—
m Zusammenhang stehen. Seit August 1909 hatte
ein Liebesverhältnis mit der ermordeten Kellnerin un
——
aahmen daher eine Rundreise durch verschiedenen Stä
züddeutschlands und der Schweiz. Nach Veendigungd
elben erhielt Rist auf die Aussage der Ermordeten hin
»orerwähnte Gefängnisstrafe wegen Zuhälterei. Nach E
assung aus dem Gefängnis lebten beide wieder zusamn
nFrankfurt. Von hier aus kam dann die Neinfrankr
zaarbrücken in Stellung, Am 28. Mai fuhr der Ar
lagte seiner Geliebten nach und traf mit ihr im Rest
ant „Traube“, wo die Reinfrank tätig war, zusammen
Während des Saarbrücker Aufenthalts hatte die
nordete ein neues Verhältnis mit einem Kutscher begom
dieser kam an demselben Tage in der „Traube“ mit se
zraut zusammen, als auch Rist in dem Lokal auf
dachhausegehen der Reinfrank wartete. Nach einer
edestellung seitens Rist war dann äußerlich wieder
äinigung zwischen beiden eingetreten. Sie gingen morg
egen halb 4 Uhr nach Hause und kamen hierbei auch dr
ie Oberlauerfahrt, wo die Reinfrank kurz nachher
urchschnittenem Halse tot gefunden wurde.
Die dort verübte Tat ist dem Angeklagten, wie er
ibt, völlig aus dem Gedächtnis verschwunden. Er
ur, daß er fortlief und ins Gasthans Uhlig, seiner B
ung, zurückkehrte, sich dort von einer größeren Hand
etzung reinigte und sich dann ins Bett legte. Borsiztzen'
Ist Ihnen denn dabei so ruhig zu Mute gewesen,
ie sich ins Beit legen konnten?“ Angeklagter: „Ichh
in guͤtes Gewissen gehabt. (Bewegung) Ich habe
ewußt, daß die Reinfrank tot ist. Das blutige Hand
nit welchem sich der Täter reinigte, wurde später in
zimmer des Angeklagten vorgefunden und führte auf
5pur des Täters. Eine blutbespritzte Weste stak im 8
ifsenbezug des Bettes. Beide wurden bei der Verh
auing vorgezeigt. Gegen 9 Uhr morgens fuhr der A
lagle dann nach Völklingen, wo er einige Tage vo—
aushilfsweise im „Rheinischen Hof“ in Stellung ..
Hier verkaufte er seinen Frack um mit dem erhaltenen G
ach Metz zu fahren. Einige Stunden vor der Tat sa
der Angeklaͤgte an seine Eltern, er wolle sich das Le
iehmen. Gleich nach der Tat schrieb er nochmal und
im Geid, da die Polizei ihn suche, auch an eine fri
veliebte wandte er sich von Metz aus um Geld, d
vegen Körperverletzung drei Tage abgesessen häite und
nittellos sei. Ehe das zugesandte Geld in seinen
.. e M⏑ —
αιιν ισ ιια — Iccr hörke er e
veibliche Stimme in bittendem Tone sprechen. Eine he
chlante Frauengestalt erhob sich von dem Sitze, aber
raflige Arm des Mannes neben ihr zoa sie aewalt,
vieder zurück. —
Nur einen Moment noch, reizende Fraul“ rief
Mann dessen Stimme Helbig, erbeben machte, er kan
iese Stimme nur zu gut — es war die seines Schwien
aters, des Bankier Herzberg — aben Sie Mitleid wr
ʒer verzehrenden Glut, die Fhre Schönheit in mir ert
ich habe schon ganz Berlin nach Ihnen durchsucht 24
chalt die Frou, die Sie so unvorsichtig, so berzlos fot
rieben — ich schwöre Ihnen, es war nicht meine Sol
Röchle ich Sie doch mit, allem schmücken, Ihnen allete
züßen legen, was Ihr, Herz sich wünscht! Ich bin
efehlen Sie und sch streue Gold auf Ihren Weg.
Diamanten in Ihr schönes Haar, lege aoldene Spangen
iese weißen Arme.
Er juchte ihre Hand zu erfassen und sie an die Aps
zu ziehen. Johanna riß sich mit groher AÄnstrengung
werilasfen Sie mich sofort — oder ch rute nach Lil
cief fie, wir sind nicht allein im Garten, ich bin hier
em Schutze königlichen Eigentums —“
Idhre Gestalt hob sich in zürnender Maiestät, ihre Auß
lammen sie aule sich um ihr Küchtraf Selbig
n höchster Erregung auf sie zukam. Auch der Bankier b
nerkte jetzt, daß er nicht mehr allein mit dem Gegenstn
einer Waͤnsche war. Sein erregtes Blut und das
unkel, das bereits in dem schmalen Laubengange herrich
zinderte ihn indessen seinen Schwiegersohn zu erkennen
zasch griff er nach dem Hut, der ihm entfalten, und v
chwand in dem seitwärts liegenden Gebüsch.
Zohanna fjlog angsivol auf Belbig zu, seine Atr
ffneten sich undlkürtch. er preßte die debende Gestaltm
chützend an sich er schaute ihr in das von Zorn und Sche
lühende Antlitz.
BSelbbig. rief sie in höchster Erregung, „wie ein En
ind Sie stels da, wenn, mir Gefahr droht — schützen
nich vor diesem Manne!“
Der Elende ist bereits entflohen,“ sagte er beruhigen
Johanna zittern Sie nicht mehr, sagen Sie mir nur ein
dar dies derselbe Mann, der Sie an jenem schreckli⸗
dage ins Verderben — in den Tod jagte?“ *
Sie nidle nur statt aller Answort schmerzlich er dri
ie fester an sich, ihr Haupt lag an seinem —
dergen r fühlte das rasche Seben und Sentken ihres woa
onn Niisonẽ