Nummer 238. Samstaa. den 15. Oktober 1910.
⏑ÑV — ——— — — — — — — — — — —
Postschließfach tx. 14 — 2a * — 46 αO —. Postschliefach Nr. 14.
— ZRRRÜEXfX *25 7 * b — —— — — — ——
J 4 RRV I 8 2 797 J—
Ersheint J8332 J 9 9 — J —838 Auzeigen
UAgliqh uiit Ausnahme der Sonn⸗ und — —18 AA — 4 * — J kolen 10 3 pro Gspaltig Petitzell
Feiertage. —⸗ n 6 ⸗ dn —AM 3 auswãrige 184
Mit zwei Bellagen. ααν
Sonntagsblatt und heitere Blatter. W xxo Apaltige Patitzele
XEXEXEEEEECXVCCGSAI 8el Jahres⸗Abonnement hoͤchster Rabati
* 4 3 dem el in nr geben. Todesfulle —A
a , OB ”α ι —.
— —X
glückliche Förderung der so entwickelungsfähigen Bezieh—
uingen zu diesen Staaten. Wie seinerzeit die Erhebunç
Bulgariens zum Königreiche, so haben wir auch die Er
höhung Montenegros, welche kürzlich anläßlich des fünf
zigjährigen Regierungsjubiläums feines verdienstvollen
Herrschers erfolgte, mit Sympathie begrüßt und gerné
gleich den anderen Mächten anerkannt. Der Ministen
schloß: Wir wollen unverdrossen an unserer inneren Er
starkung und an der Erhaltung un erer Machistellung nack
außen weiter arbeiten. Dieses Ziel wird aber nur danr
ils sichergestellt betrachtet werden können, wenn wir übern
ine schlagfertige Armee und Flotte verfügen. Die Aus
ührungen wurden mit lebhaftem Reifall aufaenommen
Aüü——
Fisenbahner⸗Ausstand in Frankreich.
Die Verwaltung der französischen Nordbahn schein
ich auf eine lange Dauer des Ausstandes einzurichten; si—
hat all ihr Betr'ebsmaterial, das sich gegenwärtig au
belgischem Boden befindet, und dessen ist nicht wenig, ein
mal wegen der Zusammengehörigkeit mit dem Nord Belge
dann wegen der Art der Zusammensetzung der direkter
Züge Aniwerpen oder Brüssel-Paris, den belgischer
Staatsbahnen zur Verfügung gestellt, damit sie es im in
neren Dienste gebrauchen. Diese Maßregel ist der Nord
bahn bequemer als die Anhäufung ihres Materials in der
eigenen Grenzbahnhöfen. Die Industrie im Becken vor
Charleroi beunruhigt sich fehr, namentlich im Hinblic
auf den drohenden Ausstand auch an der Ostbahn. In
Antwerpener Hafen macht sich gleichfalls das Stocken de—
Verkehrs nach und von Frankreich empfindlich bemerkbar
da täglich per Schiff Massen von Waren für Nordfrank
reich einneffen und nun auf unabsehbare Zeit Lagergelt
bezahlt werden muß. Das sozialistische Hauptblatt Peuple
gibt einen eigenartigen Einfall zum Besten. Sie verlangt
nämlich eine Unterstützung des Ausstandes in Frankreich
dadurch, daß die be!gischen Staatsbahnen keinerlei An—
chlüsse herstellen für etwaige Reisende aus Frankreich und
fordert die Staatsbahnbeamten auf, den streikenden Fran—
zosen gegenüber nicht die „Gelben“ zu spielen, also den
Dienst auf solchen Hülfszügen zu verweigern. In Be—
racht kommen hier hauptsächlich die direkten Züge von
htons über Brüssel nach Antwerpen und Holland. Viel
eicht wird diese Forderung auch noch auf jeden Wagen
ausgedehnt, den die Nordbahn der belgischen Staatsbahr
zur Nerwendung im inneren Zienst nühersfassen B
. , Amssiches Pubsskanonsorgan
— sur die Blrgermeislerel Dudweiler
— —⏑——— — ie Burg derel Dudr
doebracht. J ——.. —— F
vhei der Vost bestellt 225 vlerieljahrlich. Fernspreqh· Anschluß Saarbricken e aa xq. s .
deder Abonnent ist trit 300 Mugegen Tod durch Unfall bei der Nürnberger Leben sversicherungabank in Nurnberg versichert. Jed
—X — —8 — v spãtestens aber inderhalb a4ß Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldnna gebracht wer
u— 27
Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
* Bei der bevorstehenden Ankunft Kaiser Wilhelms in
Brüssel sollten deutschfeindlicheKundgeb—
ungen veranstaltet werden, doch scheinen mittlererweil
die besonneneren Elemente Oberwasser bekommen zu ha—
»en. Jedenfalls wird der „Voss. Zig.“ jetzt aus Brüsse
elegraphiert: In der Angelegenheit der Machenschaften
gegen den Besuch des deutschen Kaisers bläst der sozial—
demokratische „Peuple“ jetzt zum Rückzug. Er erklärt, daß
es niemanden eingefallen sei, die sozialdemokratischen Ge
nossen aufzufordern, Demonstrationen während des Kai—
serbesuches zu veranstalten. Es würde sich lediglich darum
handeln, in einer Versammlung am Vorabend der An
lkunft des Kaisers die Solidarität mit den deutschen Ge—
nossen zu erklären, die gegen die autokratischen Gelüste
des Kaisers zu kämpfen hätten. Das sozialdemokratische
Organ widerspricht sich selbst, wenn es weiterhin bemerktt,
daß die Stellung der deutschen Genossen zum Kaiser die
be gischen Sozialdemokraten nichts angehe. Aus diesem
Widerspruche schließt man, daß die sozialdemokratischen
Führer, besonders Vandervelde, mit dem gesaßten Be—
schlusse nicht einverstanden seien.“
* Die Reichstagskommission für die Reichsversicher
ungsordnung nahm nach längerer Diskussion unter Ab—
lehnung gestellter Anträge mit 18 Stimmen die Bestim—
mung der Regierungsvorlage an, wonach die Versiche
rungsanstalten mindeslens ein Viertel ihres Vermögens in
Anleihen des Reiches oder der Bundessiaaten anlegen müf—
sen. Die gleiche Bestimmung wurde für die Sonderanstal
ten eingefügt.
* Mit Bezug auf eine Zeitungsnachricht, der zufolge die
stosten der Reise des Kronprinzen nach Ost⸗
zisien aus Reichsmilteln verlangt werden sollten, wird von
interrichteter Stelle erklärt, es sei nie fragsich gewesen,
aß die Kosten dieser Reise vom Kaiser uͤnd vom Kron—
rinzen selbst bestritten würden. Nur für einzelne befßons
dere Akte der Repräsentation, die dem Kronprinzen au
dieser Reise zufallen, werden die Kosten aus dem kaiser
lichen Dispositionsfonds bestritten werden.
Oesterreich⸗Ungarn.
*In der Thronrede, die der Kaiser Franz Josef be
dem feierlichen Empfang der Delegationen gehalten hat
heißt es u. a.: „Mit Beruhigung kann ich Ihnen mit
leilen, daß unfere Bündnisse mit dem Deutschen Reich und
dem Königreich Italien womöglich noch fester und innigen
geworden sind. Sehr befriedigend sind auch unsere Be—
ziehungen zu allen anderen Mächten. Die von mir ge⸗
hegte Erwartung einer günstigen Entwickelung des Verhaͤlt
nisses Oesterreich Ungarns zum ottomanischen Reich erfüllt
sich infolge des im Frühsjahr 1910 zusiande gekommenen
Ententeprotokolls. Gleich den anderen Mächten verfolgen
auch wir mit unseren besten Wünschen die auf die Be—
festigung dieses Staates gerichteten Bestrebungen. Mein
Kriegsverwaltung wird nachträglich die verfassungsmäßige
Genehmigung der Delegationen für die außerordentlichen
Ausgaben einholen, die während der vor ährigen äußeren
srise unvermeidlich waren. Dank der hierzu bewirkten
zrößeren Bereitschaft von Heer und Flotte wurde meine
Regierung in die Lage versetzt, den Boden der friedlichen
Politik nicht verlassen zu müssen. In dieser Erfahrung
iegt der Ansporn, der Verwaltung von Heer und Marine
die unumgänglich nötigen Mittel zur Erhaltung der Wehr⸗
raft und der Schlagfertigkeit zur Verfügung zu stellen und
sierdurch der Monarchie die Möglichtei zu geben, neben
hren Interessen auch die des europäischen Friedens wirk
am vertreten zu können.
China.
*500 Mann Grenztrupoen meuterten und besetzten
nit Parteigängern des Lama Tschungtien im nordwest
ichen Teile der Provinzen Yunnan. Truppen zum Entsatz
»er Stadt sind abgesendet; man erwartel keinen ernsten
Viderstand.
Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften
Die Gründung der Gesellschaft zur Förderung de
Wissenschaften in Berlin unter dem Protektorat des Kai—
ers, die dieser bei der Jubelfeier der Berliner Universitä—
erkündet hat, hat natürlich eine längere Vorgeschichte. Die
zdee einer gewissen Trennung des Betriebes der wissen
chaftlichen Forschung von dem Lehrbetriebe reicht au
Wilhelm von Humboldt, also in die Gründungszeit der
Universität zurück. Der praktischen Ausführung hat sich u
a. Althoff, dieser auch in der Beschafsung der Mittel für
solche Zwecke erfindungsreiche und ungewöhnlich tatkräf—
ige Mann jahrelang gewidmet. Es war ein Thema, das
er oft und gern in Gesprächen erörterte. Seine Freunde
ind Vertrauten, vor allen Harnack, haben nach seinen
Sode weiter daran gearbeitet. Das Programm dieser Ge—
ellschaft enthält auf Grund der bisherigen Beratungen
in denen neben privaten kapitalträftigen und fürdie
Wissenschaften interessierten Kreisen auch das Kriegsmini
terium teilgenommen hat, folgende Beftimmungen:
Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist die Stiftung
eines Kapitals oder eines festen Beitrags für mindestens
jehn Jahre. Ueber die Verwaltung und Verwendung dern
Ztiftungsbeiträge bestimmt der Senat der Gesellschaft. Die
ser soll sich erstens aus Mitgliedern der Gesellschaft zusam⸗
mensetzen, die in einer Mitgliederversammlung gewähl
und dann dem Kaiser präsentiert werden; ferner aus sol
chen Gelehrten, Freunden der Wissenschaft und besonderẽ
verdienten Mitgliedern der Gesellfchaft. die vom Kaiser
rnannt werden.
D αααXXιααääααX.
Graͤf Aehrenthal über Balkaupolitik
und Dreibund.
In den Ausführungen, welche der Minister des Aeu
beren, Graf Aehrenthal, dem Ausschusse für auswärtig
Angelegenheiten der ungarischen Delegation vortrug, heiß
es u. a.: Gleich den anderen Mächten haben wir lebhaf
tes Interesse an der Konsolidierung der Türkei. Wir be
dleiten die Bestrebungen des neuen Regimes mit aufrich
tigem Wohlwollen und erwarten davon die Schafsung eine
guten Verwaltung und die Befestigung der Machtstellung
des Reiches nach innen und außen. Unter den Angele
genheiten, welche den nahen Orient betreffen, steht in letz
ter Zeit wieder die Kretafrage im Vordergrunde, die sei
Jahren das Sorgenkind der europäischen Diplomatie wan
Wir gedenlen diese Zurückhaltung auch fernerhin zu beob
achten, wobei wir stets bereit sind, jede Lösung, welche
die Aufrechterhaliung der Souveränitätsrechte der Türkei
zum Ausgangspunkt nimmt, im gegenseitigen Einverneh
men der vier Mächte mit der Pforte ersolgt, gleichviel, ob
ñe provisorischen oder definitiven Charakters ist, auch un⸗
serseits ohne weiteres zu akzeptieren.
Mit Befriedigung kann ich mitteilen, daß die Monar
hie mit allen Maͤchten gute Beziehungen unterhält. Die
letzten Ereignisse taten dar, daß in unseren Bündnissen
realer Wert liegt. Meine diesjährigen Begegnungen mil
dem deutschen Reichskanzler und dem italienischen Ministen
des Aeußern boten mir den erwünschten Anlaß, mit der
heiden Staatsmännern intimen Gedankenaustaufch zu pfle
gen, um die völlige Uebereinstimmung unserer Ansichte!
neuerlich zu konstatieren. Die Erhaltung dieser Bündniss
wird, ich brauche es wohl nicht ausdrücklich zu betonen
die unverrückbare Grundlage unserer Politik bilden. Wi
werden aber darüber die Beziehungen zu den andere!
Mächten nicht vergessen, sie vielmehr, so viel von uns ab
hängt, sorgfältigst pflegen. Der Dreibund richtet gegei
aiemand dic Spttze. Wir beurteilen die Gruppierung de
anderen Mächte mit derjentgen Unbefangenheit, wovon wi
wünschen, daß sie uns gegenüber zur Anwendung gelange
Wir wollen den Frieden und die Erhaltung des Gleich
gewichts, das war und bleibt fürderhin eine Aufgabe der
Donaumonarchie, welche seit Jahrhunderten in den Be—
ziehungen des Okzidents zum Orient eine wichtige Rolle
zespielt hat.
In dem Zustandekommen von Handelsverträgen mit
inseren südöstlichen Nachbarn erblicke ich auch vom rein
zu danten sei. (7)
Bordeaux, 14. Okt. Die Angestellten der Süͤd
bahn beschlossen, in den Ausstand zu treten.
Metz, 14. Olt. Bis jetzt wickelt sich der Personer
verlehr mit Frankreich wie zu normalen Zeiten ab. Al
Züge sind fabrvlanmäßig angekommen und abgegangen
— XEEööü&&—&
Die Vorgänge in Portugal.
Madrid, 14. Olt. Aus Gibraltar wird gemeldet, da
König Manuel damit beschäftigt ist, seine eigene Version
über die Lage in Portugal, den Ausbruch der Revolu
tion usßw. zu Papier zu bringen, um diese Aufzeichnunge;
dann zu veröfsentlichen. Die Königin Amelia, so heiß
es, hilft ihrem Sohne eisrig bei der Arbeit. Abschrifter
sollen der Presse der ganzen Welt zugesandt werden. J.
Portugal will man die Schriftstücke als Flugblätter ver
breiten, da man befürchtet, daß die Regierung ihre Ver
öffentlichung durch die Presse verbieten wird.
Gibraltar, 14. Okt. Eine amtliche Note teilt mir
daß die englische Königsjacht am Samstag abend hie
eintreffet wird, an deren Bord die portugiesische Köniage
familie nach England reisen wird.
London, 14. Okt. Von einem hohen Beamten au—
der Umgebung König Manuels wurde einem Vertre
ter des „Daily Telegraph“ bestätigt, daß der König keiner
lei bares Privatvermögen besitze, es gehören ihm nur einig
nicht besonders wertvolle Güter in Portugal. Diese sim
aber, wie der Präsident Brag a wiederholt erklärte, vor
der republikanischen Regierung mit Beschlag belegt wor
den, und wenn dieses Eigentum des Königs auch respet
tiert werden sollte, so wurden doch die Republikaner 1
Millionen Franken davon abziehen als Rückvergütung fü—.
die Schulden, die der Konig angeblich bei der Natior
gemacht habe. Der neue Premierminister von Portugal er
Järte dem Vertreter des „Standard“ in Lissabon, daß den
zertriebenen König keinerlei Pension ausbezahlt werde
vpürde. Der Minister erzählte dem Journalisten weitẽ
aß König Manuel die Absicht habe, nach Deutschlande(
gehen und in der deutschen Armee Dienste zu nehwien.
E — —
Arbeiterbewegung.
Von den Werften. —
Hamburg, 14. Okt. Die Aussichten für die Bei
legung des Konflikts bei den Werften sind jetz
wieder günstiger geworden, da die Werftbesitzer Neigun
zeigen, in dem wichtigsten Punlt, nämlich in der Frag
der Akkordüberschüsse, nachzugeben. Die Kommission, de
zwei Vertreter des Gesamtverbandes deutscher Metallindy
strieller und zwei Vertreter der Arbeiterorganisationen ar
gehören, hat ihre Beratungen fortgesetzt, deren Ergebni
die Zustimmung der Werften zur Anerkennung des Ar
Ppruches auf die Atkordüberschüsse ist. Ueber die weitere
Differenzyunkte, nämlich die Zeit der Einsiellung der A
beiter, wird in den nächsten Tagen noch weiter verhande!
werden. Es wird jetzt offiziell von den Arbeitgebern e
lärt, daß die Wiederaufnabme der Nrshoit ç α α-.
an Aus aller Welt. —
Booisunglück. Beim Kentern eines Bootes des X
nonenbootes „Panther“ sind in Kamerun ertrunlen: di
Obermaschinistenmaate Ehrenberg und Renner, die Ma
schinistenmaate Müller und Franke, Wachtmeister Max Ziw
mermann und Matrose Wilde.
— Ein WWitz ves Zufalls. ür das eidgensössi
Schützenfest in Bern, das kürzlich hedee de n
die Stadtschützen von Neuenstadt als senkrechte Patris
en eine Ehrengabe gestiftet, vestehend in 50 Flaschen gu
em Wein aus dem EStaͤdtkeller ihrer Vaterstadt; in einen
Anwandlung edlen Mitgefühls knüpften sie an ihre Ehren
abe die Bestimmung, daß je 25 Fiaschen in ven Ka
orien A und B derjenigen Sektion als Troͤstung ded
iert werden sollten, die den erflen Rang von hinten“
rungen. Aus dem Wetttampf ging, wie die Berner
blätter berichten, als glückliche Gewinnerin der 25 Fla—⸗
chen in der Kategorie B hervor die Schübengesellt haf ea
— Guttempler non Morni
—
Paris, 14. Okt. Die Minister hielten eine Be—
ratung unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republil
ab. Der Ministerpräsident berichtete an der Hand der of
fiziellen Ziffern über die Ausstandsbewegung unter den
Eisenbahnern. Er stellte fest, daß diese Bewegung in sehr
fühlbarer Abnahme begriffen ist, und daß die Zahl der
Arbeiter, welche zur Arbeit zurückkehren, stetig wächst.
Paris, 14. Olt. Auf der Nordbahn verkehrte
heute die doppelte Zahl von Zügen wie gestern. Auf der
Ostbahn ist der Verkehr durchaus nor mal. Nur ir
der Gegend der Ardennen haben einige Rüage ausfaller
müssen.
Paris, 14. Okt. Das Zentralkomitee der Streikenden
hat einen Brief an den Ministerpräsidenten gerichtet. Der
Ministerrat hat den Ministerpräsidenten ermächtigt, die von
dem Syndikat der Heizer und Lokomotivführer vor Aus
bruch des Streiks eröffneten Verhandlungen wieder aufzu
nehmen. Der Selkretär des Syndikats der Elektriker, Pa—
taud, welcher verhaftet werden sollte, ist geflüchtet.
Paris, 15. Okt. Verschiedene Akse von „Sabotage“
wurden aus der Provinz gemeldet. In Maison Alfor
wurden sechs Sianaldrähte zerschnitten. — Ein verbreche
rischer Anschlag wurde auf der Paris-Lyon-Mittelmeerbahr
bei Villeneuve verübt. Von bisher unbekannt gebliebene
Missetätern war auf den Schienen eine Weichenschraub
festgeschraubt worden. Glücklicherweise zertrümmerte di
Lokomotive die Scheibe beim Darüberfahren. Die Reiser
den verspürten nur eine starke Erschütterung.
Paris, 14. Okt. Die meisten Blätler stiellen mi
Befriedigung fest, daß der Eisenbahnerausstand keinerle
Fortschritte gemacht hat, und geben der Ueberzeugung Aus
— — — * 2
Wieder gefunden.
vo gejchay es auch wirrlich. Vegen ein uhr vormirtags des
arauf folgenden Tages trat ein sehr elegant gekleidetet
iltlicher Herr, der etwas jüdisch aussah, zu mir ins Zimmer.
Ir betrachtete mich gleich beim Eintritt mit einem sonder⸗
baren impertinenten Lächeln, das mir das Blut heiß in die
Wangen trieb.
rr — wünschen eine Repräsentantin für Ihr Saus?“
agte —
Ja, gewißl“ erwiderle er, indem er sich sehr ungeniert
nufs Sofa warf und mich auf dasselbe zu ziehen suchte. Ich
vich zurück — er betrachlete mich noch immer mit demselben
mertwürdigen Lächeln. Eine innere Angst ergriff mich.
Wollen Sie iir die Bedingungen sagen und mir die
Pflichten mitteilen, die ich zu erfüllen habe?“ fragte ich. —
Bedingungen?“ lachte er. „Sie haben nur zu befehlen,
chönes Kind, ich ordne mich Ihnen ganz unter, und was
Ihre Pflichten anbetrifft,“ fuhr er fort, „so werden diese
darin bestehen, mir Gesellschaft zu leisten, mit mir ins
Theater, ins Konzert zu gehen — ich miete Ihnen eine
hübsche Wohnung mit allem Komfort, schmücke Sie so schön
und gut Sie es wollen und verlange nur das Eine,“ er rückte
mir rasch, näher, suchte mich zu umschlingen und flüsterte
leise; daß Sie mich lieben! / ⸗ ———
** Ich sprang auf und stieß ihn mit Abscheu zurück.
BGinwegl“ rief ich, „Sie sind gekommen, um mich zu be⸗
leidigen das ist keines Ehrenmannes wurdig, verlafsen Sie
sofort mein Zimmeri⸗
Er sah mich einen Augenblick verblüfft an, dann nahm
er seinen Hut und ging: „Vielleicht besinnen Sie sich eines
Bessereni“ rief er mir noch im Abgehen zu — ‚die Rot wird
Sie schon kirre machen.“ .
Er machte eine tiefe spöttische Reberenz und die Tür
schloß sich hinter ihm“ Johanna schöpfte gepreßt Atem —
Scheu und Schmerz bei der Erinnerung an die ihr angetane
Schmach drohle ihr fast die Stimme zu ersticken. — Helbig
hatte mit steigender Erregung zugehört, dunkle Röte bedeckte
seine Stirn, er ballte vor innerem Grimm die Gände: Der
Elendel“ murmelte er.
Vernichtet sank ich aufs Sofa,“ fuhr Joßanna nadh
iner Pause fort „so tief war ich gesunken — auch diese
demütigung mußte noch zu allem Leid kommen, das meine
Zeele durchwühlte. Da trat die Wirtin in mein Zimmer,
Aber statt des erwarteten Essens legte sie mir eine lange
Nechnumg auf den Tisch. Ich sah sie erstaunt an. „Ich kann
nicht bezahlen, Sie wissens ja,“ sagte ich. — Ich weiß es,
erwiderie sie. „aber ich dachtke Sie würden verminftiga Lein
und das unerwartete Glück benutzen, das sich Ihnen vor
Der Herr hat Sie erzürnt verlassen, sie sind stolz. Sie wollen
mich um mein Geld bringen. Unter diesen Umsländen kann
ich Sie nicht länger behalten, Sie müssen noch heute die
Wohnung räumen. Ihre Sachen aber bleiben mir, al—
Ersatz für Ihre Schuld.“ Sie ging ruhig an den Kleider
chrank und die Kommode und zog die Schlüssel ab. „So,
agte sie, „entweder habe ich bis zum Abend mein Geld, ode
Sie verlassen das Haus; ich raten Ihnen, seien Sie ver
8 bis abends haf Bhnen der Herr noch Boedenkzeif ge—
assen
ESie ging, ich starrte ihr fast ohne Bewußlsein nach.
Eines hatte ich von der ganzen Rede der Frau behalten, daß
ich fort sollte, und fort mußte ich, es trieb mich ardentlich
aus dem Zimmer, mir war es als stürzten die Wände über
mir zusammen. Bis es dunkel wurde, wartete ich, dann
»and ich mir den Schleier um den, Kopf, das einzige, was
mir die Wirtin gelassen, und ging die Treppe hinunter auf
ie Straße. Wohin wußte ich nicht, mir war es auch gleich
halb träumend irrte ich durch die Straßen und kam endlich
inaus nach dem Tiergarten. Stunden waren so vergangen,
er Tag begann zu dämmern, ich fühlte mich so matt, mein
inziger Wunsch war, zu ruhen, zu schlafen ohne zu träu—
nen. Seltsame Gedanken wirbelten durch mein Gehirn, es
var an der Zeit, dem Jammer ein Ende zu machen. Wozr
noch länger ein Leben fristen, das so aussichtslos elend war!
Ich kam an das Wasser. Es schien mir eine Weisung des
dimmels: hier sollst du enden. Da kamen Sie“ Sie
chwieg.
„Johanna!“ rief Helbig in überströmendem Gefühl
Gott führte mich zu Ihnen, Sie arme schwergeprüfte Frau,
im Sie zu retten, um Sie mit kräftiger Hand vor aller wei—
zeren Not, vor allem weiteren Elend zu schützen. O, könnte
ich Ihnen den verlorenen Frieden wiedergeben — einst hoffte
ich, Sie glücklich machen zu können, Sie wollten es damals
nicht — vbergönnen Sie mir jetzt wenigstens, Ihr Rat, Ihr
Freund, Ihre Stütze zu sein.“
. Tief erregt beugte er sich zu ihr nieder und preßte ihre
Hãnde an seine Lippen.
Site entzog sie ihm rasch.
Esderr. Helbig,“ sagte, sie, „ich habe Ihmen jetzt alles,
was mich in's Elend getrieben, so klar und ohns Hehl er—
zählt, als hätte ich vor Gott gestanden; i5, glaubte das
mir, das meinem Angedenken schuldig zu dein,. Was ich
auch gegen Sie gefehlt, Helbig, ich glaube kurch das Leid
meines Lebens die Schuld gesühnt zu haben“
Sie neigte schmerzlich das Haupt, ihre Sränen flossen
auf die weißen abgemagerten Hände die sich matt auf der
Tisch stützten. Ein unnennbarer Schmerz vreßte Helbigs
zerz zusammen 5
längk
ver rtef
mi gessen er —
ch, denken Si und Vo Sie ——
An mei ie alle en, d mir
o mIe aae —A e n
Ihnen erza —8 ung.⸗ nicht und
Wegi erzählt Sie wirkli erholte g. an 1 lasen —
g isted noch ei irklich, sie mi *— Sie int ven Ton
ane phen der 3 — — egundung —— —e —
ute noch ei ruft mi e des El ür mich em, was i vregune dej er Zuunß wenn au — —
er so lan einmal ich zu ere und gibt? Ihr vVerspreche igle schme uft Sorge 2 nur in XW —
gefüh ge eeün sderg zurü der ScSü ein hrem Lebe — 9 rzlich das tragen virett fü
rt, viellei iegen — n, wer w zurück — ünde * richtigen.“ n zu tun ir, kein Haupt. zu dürfen.“
auseaane eee — stee —FX ——— inih wetest ——
veg Joha auderte. —— wde und y nege ce sacte gitens da it
ü ẽr preßte si sagt s davon zu ir
gannn nein!“ ri auern des fort inen Blick e sie stü gte fie zu benach
d rief Helbi 2 J — stürmi ernst
6 a A— ee W
e e ———— — e en *
——— ne —— A nie iend das ———— flüß
und n Sie mi iff ihre Hä üßte. die i— — in hei üsterte sie lei
Nen — inr Wed und — —* znwenn Rh — N ———— sie leit
t. Werd mtergeh e ihn fi eged e sie i ß erdach Rhein) 2
wird rden Si en, so finden. es Heils in⸗ haben, i ht, sein . O A
pirdacehedere Wir nceey — 3 — —— 43 hne ——8 d
sein ——— wieder rperhe Ien in Dr worden seit JF dꝰ) Unte
J t zu sch en, dan genug sei räftig, d ir em Arzt Das Ki Zeit stell e woh rgiftet
schenvᷣ —— een sein den' — — B
I se her gen— —— ann bat rden gesi e, einige Tah nachd aufmann verwi
„Jagte sienleiß ee eues D tete e itten h ge Tage em es ann ver
bpuue e ẽund shoui alles . bescht ie e — va
en A ugenbli chaute tun, was Si aanahinte de ee nd reree er Vat
er ————— di ick schi ihm inni as Sie wü er wurd mte und ei er Poũ rzt Ve ud Ta e
—8 bebe e Welt zu en Helbi ig in's A wün⸗ vorg rden auch eine H olizei, di rdacht scho armbe
— „Johan znd auf. verschwi g beim Bli uge. gefunden dersede aus⸗ suchũ ie dar wöpfte,
- de A htt cr mit zitt men iii Vateg WMienvorauf —* n —RX g
— — itternd ran Zu den ie Raiei riunter ei die
Er'b welche P nachdem wi er Sti a wiege en Aus inoi r Morphi
lange arg das ein!“ ir für b ð scha den Aus oscyreitu KRerßa phium
leise nd bange Gesicht in ewia mon Iohanns ft vorgefü sschreitun ugen in ftung v⸗
die Pau den Hã den und rati gefuüͤhrien7 gen iĩ Moabi
— —— Es entsto — oabn opit wh
——— e 57 an ———— 53 en *8 ae d ren 38
i Um J eht 5 ür e in rma Ku inen wiede em
— — —— en —————
wie ein nmoal Jh en Sie ni uhe will n, wie es h Eisenb ——— und auch erhaften
i —* d
mein 355 — I Fried icht mehr en bitte ich eben wird beri ahnunglü d ie Wer
non zwische den gestö an die Unwü Sie Stati richtet: D ück. M erticha ici⸗
Ex sta hintritt, ist n Sie und tärt hat und ünwürdige ion Welin Der Silgü us Fr —*
Sie nd zulernd Unglück — Ihr Glück jetzt — erzug 7739 mitz das v nkfurt
nüssen haben R vor ihr fuͤehen Si rit — maotivfüh Ein Si Haltesign 55 über a. d.
Rauben scheiden, decht,“ sa ie — Wo schwe rer, der ilssbremse al und sti fuhr be 25
664 aberni ale er lei ere Verl Haͤzer ser wu stießz a ei d
— — eie mußz sein, w ne epogee nd der —— Fa
innen zu —5— ir weni uhe. ð ung Joha ir Wod Ar en. Die omotive ster erlitt dt
nd wyeen. Ei ich peun Dynami hmftei —IA en seh
ren ie hab „Mut fuů e mei Cham it⸗ A gen aufree ist ges Wage
—— — es ———— eu
en Sie s en Per hen ein orn
— üanen — —
2 57 —7 i 78 6
nitommen archistisches erlett — eruͤbt. All
tont⸗ an agl zertrü—
Mane aubt, daß munen
piuune
Tã ter d
— —