Full text : Dudweiler Zeitung

,

in Legat des polnischen Gurowsti und unter Beihilfe der
Stadtgemeinde in dem malerisch gelegenen Luzern eir
igenes prächtiges Gebäude für das Musenum errichtet we
en konnte. Unser beistehendes Bild zeigt dasselbe, we.
hes in durchaus würdiger Ausführung in der Nühe de—
erühmten Luzecner Löwendenkmals einen Platz ge
unden hau
Fisenbahner⸗Ausstand in Frankreich
Paris, 13. Olt. An der Börse, welche in eine!
auffallend feften Simmung war, war das Gerücht ver
breitet, die Regierung habe bei den Bahngesellschafter
durchgesetzt, daß sie die Löhne ihrer Bediensteten erhdhen
Dafuͤr seien die Gesellschaften zur Erhöhung ihrer Trans
porttarife ermächtigt worden.
Paris, 13. Okt. Einzelne Lebensmittel namenilid
kier, Milch und Butter haben weiter eine Preisstei
gerung von etwa 20 Prozent erfahren. In der Be—
bölkerung gibt sich auch dieser Hinsicht lebhafte Beum
ruhigung kund und die großen Geschäfte sind mit Kunder
uͤber üllt, welche sich für längere Zeit mit Nahrungsmit
deln versorgen wollen. *
Paris, 13. Okt. Nachmittags verließen alle Hei
ser den Invalidenbahnhof. Der Zugverkehr iß
inolgedessen eingestellt. Die Telegraphen⸗ und Telephon
finien sind durchschnitien. Der Inval venbahnhof und der
Bahnhof St. Lazare gehören zum Netze der staatlicher
Bestbahn.
Parris, 13. Okt. Auf der Station Batignolles sini
drei Ausständige verhaftet worden, weil si
Zersucht hatten, Arbeitswillige zur Niederlegung der Ar
heit zu veranlassen.
Paris, 13. Okt. Privatunternehmer haben einen
Automobilverlehr nach den Großstädten Ost- und West
rankreichs eingerichtet, doch wird derselbe wegen der über—
mäßigen Preise nur wenig in Anspruch genommen. Eir
Amerikaner zahlte einem Automobilchauffeur für die Fahr
von Boulogne-sur⸗Mer 3000 Franks.
—Becon, 18. Okt. Die Ausständigen der staatlichen
Westbahnen ließen eine Lokbomotive gegen eine
Weiche los, wodurch die Strecke unfahrbar gemacht wurde
Mehrere Züge erlitien Unfälle.
Paris, 13. Okt. Die Angestellten der Pariser Un—
lergrundbahn haben beschlossen, die Arbeit einzustellen.
Paris, 13. Olt. Eine siark besuchte Versammlung
der Eisenbahner in der Arbeitsbörse faßte eine Protest—
resolution gegen die militärische Einberufung
der Eisenbahner und beschloß, diesem Befehl nicht z
gehorchen.
Lille. 13. Okt. In einer von 4000 Eisenbahnern
besuchten Versammlung wurde beschlossen, der Einberuf
ung unter die Fahnen nicht Folgezuleisten.
Paris, 13. Ott. Der Polizeichef Lepine und
der Sicherheitschef Hamard begaben sich in die Re
balktion der Humanite“ und verhafteten dort 5 Sireit
führer, die sich den Beamten zur Verfügung fiellten. Der
Abgeordnete Weilland protestiert energisch gegen die Ver—
haftung der Führer. Man erwartet infolgedessen groß
Straßenktundgebungen.
Paris, 13. Olt. Die erste Folge des Eisenbahner—
streils ist die eingetretene notgedrungene Aussperr.
ung der Hälfte aller Bergleute in Courbiere. Es sint
etwa 4500 Arbeiter zum Feiern gezwungen. Man glaubt
daß ein großer Teil der Ausge perrten sich nach Paris
begeben wird, um sich dort der Streikbewegung anzu
schließen. — Bis etzt sind in Paris zirka 12 000 Mau
Truppen zusanmengezogen, die auf die verschiedene;
Bahnlinien verteilt werden, um den Bewachungsdienst zu
versehen. Es ist die höchste Zeit zur Ergreisung einen
folchen Maßregel. denn die Fälle von Sabotage nehmer
immer größeren Umsanz an, sodaß das Reisen, soweit es
— exmöglicht werden kann, mit Lebensgefahr ver
nden ist

Berlin, 14. Ott. Der direkte Verkehr zwi—
schen Berlin und Paris war auch heute morgen vollstän
dig unterbrochen. Die Brie post aus Frankreich komm
schon jetzt mit 136 tägiger Verspänung an. — Die neueste
Nachrichten wissen zu melden, daß sich die allgemeine Ver
kehrslage in Franlreich noch weiter verschlech
bert hat.
Berlin, 13. Okt. Nach einer sämtlichen Berliner
Sisenbahnstationen zugegangenen amilichen Mitteilung mach
die Direktion der französischen Nordbahn-Gesellschaft be
kannt, daß wegen des Streils die Annahme von Eil
frachten einzusiellen ist. Auch die Beförderung vor
Personen lann nicht mehr gewährleistet werden.
Aachen, 13. Okt. Die Annahme von Postpatke
bein für die Stationen der franzöfischen Nordbahn und
im Transit derselben wird von den hiesigen Postanstalter
bis auf weiteres abgelehnt.
Brüssfel, 13. Okt. Seit gestern gehen die Erpreß
züge KölnParis nur bis an die Grenze. Nach Er
quelinnes werden überhaupt keine Billetis mehr fur di—
Orte jenieits der Grenze verkaust.

„Schon wieder diese Fraul!“ sagte sie. „Wie ein böser
Dämon ist sie mir immer nahe, wenn mir Unglück wider
fährt. Herr Helbig, ich weiß, was Ihnen Frau Henzel über
mich gesagt haben wird; ich kenne diese eitle hohle Seele
fie hat über mich abgeurteili, mich verdammt, wie alle, alle
die mich in B. gekannt. Der Unglückliche ist ja in den Augen
der Welt stets selbst an seinem Unglück Schuld. Doch nein
Herr Helbig, durch diesen Mund allein sollen Sie meine Ver
gangenheit, die Geschichte meiner Leiden nicht kennen lernen
Sie sins mein Retter, Sie sind der einzige Mensch auf mei—
nem Lebenswege, von dem ich nur Gutes erfahren, ich
wünschte, daß Sie wenigstens eine gerechte Meinunag von
mir erhielten.“
Tränen rollten über ihre Wangen, sie reichte ihm die
Zand, er ergriff sie und drückte sie bewegt an seine Lippen.
Ich glaube das Beste von Ihnen!“ sagte er leise.
„Frau Henzel wird Ihnen von Glanz und Schimmer,
»on einem frohen, vergnügungsreichen Leben am Anfano
meiner Ehe erzählt haben —“ fuhr sie fort, — „dem ist nich!
o. Allerdings habe ich in den ersten Jahren meiner Ver
Jeiratung viele Gesellschaften besucht — aber was mar
GGlück nennt, das habe ich nie kennen gelernt. Ich gestehe es
Ihnen offen, die Neigung bestimmte mich nicht allein zu der
Verbindung mit Wilbers; die Gründe, die mich mit zu der
Heirat bestimmten, lassen Sie mich verschweigen. — Es ist
ein Geheimnis, daß über meine Lippen niemals kommer
darf und wird. Nur eins kann ich Ihnen mitteilen, daf
diese Gründe keine unedlen waren, und daß mich der Glanz
des Namens, wenn er mich auch ich gestehe es offen, eine
kurze Zeit geblendet, mich ohne diese Gründe doch nie dazu
bewegt haben würde, Wilberg zu heiraten.“
Sie hielt inne, Helbig blickte schweigend zu Boden.
„Aber wenn ich Wilberg auch nicht aus Liebe gewählt
habe.“ fuhr sie fort, „so kann ich doch mit Genugtuung sagen,
ich habe meine Pflicht, sobald ich seine Gattin war, treu zu
erfüllen gesucht. Man hat mich eine Verschwenderin genannt,
ich bin es nie gewesen, man hat mir den Ruin meines
Mannes zugeschrieben — er war bereits ruiniert, als ich ihn
heiratete —
Das weiß ch. sagte Helbig ernst.
Ich wußte es nicht, ich ahnte es nicht einmal. Sorg—
los genoß ich das, was sich mir bot, um so mehr, da mir im
Zause die Befriedigung fehlte. Wilberg liebte es, mich zu
schmücken, er war stolz darauf, wenn man mir huldigte. Ich
lat, was er wünschte, ich tat es vielleicht zu gern. Durch
Zerstreuungen suchte ich mir über die Oede des häuslichen
debens hinweg zu helfen, es gelang mir indessen nur halb
Stunden kamen mo ich es bitter empfand, daß ich nich

Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
“Düsseldorf, 13. Olt. (Freund lich geeinigu.
Im hiesigen Steinmetzgewerbe ist zwischen Arbeitgeberr
ind Gehülfen ein neuer Tarispvertrag abgeschlossen wor
den, der für die drei nächsten Jahre Gülugkeit besitzt. Et
»eträgt danach der Minimalsftundenlohn 68 Pfg. Die Alk
ordlöhne wurden um 10 Prozent erhöht.
*Kenpen (Rhld.), 14. Okt. (Bom Zuge getö
et.) Der hiesige Bahnhofswirt Wolters, früher in Köln
Deutz, wurde bei Willich von einem Güterzuge überfahre
and sofort getötet.
*M.⸗Gladbach, 13. Ott. Gesuch englische.
Arbeiter.) Zum Studium der deutschen Verhältnisse
peziell der Lohn⸗ und Wohnungsverhältnisse der deut
chen Arbeiterschaft, trasen vierzig Arbeiter aus England
hier ein. Sie besichtigten unter Führung von Assessor Dr
dipping den Volksgarten und die dort gelegenen Arbei
erwohnhäuser der Aklienbau Gesellschaft, ferner das Mäd
henheim und das Rathaus.
*Borken, 13. Ott. Eine interessante Rat
ausgeschichte) hat jetzt ihren Abschluß gefunden
Die Stadtverordneten des Kreisstädtchens haätten s. Zt
instimmig beschlossen, das Rathaus nach den Plänen de⸗
portigen Architekten Büning uner Erhaitung der Fron
nit den Lauben wieder herstellen zu lassen. Nun hatt
aber der als Gutachter gehörte Königliche Baurat Schul!
uus Recklinghausen erklärt, daß das Mauerwert nicht meh
est sei und den Borkenern alle Augenblicke auf den Kop
allen könne. Daraufhin ließ Büning die Grundmauen
reilegen und konnte feststellen, daß diese durchaus star
ind kräftig genug seien, den Erweiterungsban zu tragen
Auch ein Sachverständiger der Königlichen Regierung in
Münster erklärte, daß die Mauern wohl noch 300 Jahr
halten würden Kurz darauf hat man nun — wer ve—
Taäͤter war, ist bis heute nicht bestimmt aufgeklürt — ein
zigenmächtige gewaltsame Lösung der
Frage herbeigeführt und die Lauben in stiller Nachtstund
ꝛbgebrochen. Zwar wollte man den Anschein erwecken
als ob das Rathaus von selbst zusammengestürzt sei, abe
man hatte in der Eile vergessen, die Win
den und Hebebäume wieder wegzuschaf
ken. Nach diefer Nachtarbeit blieb nichts anderes meh—
ibrig als der vollständige Abbruch, der jetzt erfolgt. Da
hei hat sich denn wiederum gezeigt, daß das alte Mauer
werk eine bedeutende Siärke besibt, die jede Erweiterung
gzetragen hätte. Aber man hatte hier anscheinend kein«
eust, denkmalsfreudig zu sein.
* Großenbaum, 13. Olt. Bluttat.) In einer hie
igen Wirtschaft gerieten die Arbeiter Schatzka und Kindscha
»ie Schwäger sind, miteinander in Streit. Auf dem Heim
vege schlug Schatzla seinen Gegner mit einem Hentkel
nann hinterrücks nieder und brache dann dem bewußt
os am Boden Liegenden noch acht Mesiserstiche bei, vor
enen einer die Halsschlagader traf und den Tod herbei
ührte. Der Ermordete mird als ein ruhiger. fleiki ae
Mensch geschildert, während Schatzka dem Truuke und den
Müßiggang ergeben sein soll. Dex Täter wurde in seiner
Wohnung verhaftet und zum Amtsgericht in Ratingen ge
bracht.
Wen a. d. Mosel, 13. Okt. (Berduftet.) Der
Begenbuchführer der hiesigen Sparkasse wird vermißt. Man
pricht von Unterschlagungen in Höhe von 25000 Mart
Der Flüchtige genoß allseitig größles Vertrauen.
* Koblenz, 13. Ott. Todes urteil.) Das hiesig
Zchwurgericht verurte ite den 20jährigen Peter Toönges
us Grenderich bei Zell an der Mosel wegen vorsätzlicher
krmordung seiner Stiefmutter zum Tode und wegen vor
ätzlichen Tötungsversuches an seinem Vater zu drei Jah
ten Zuchthaus.
* Hachenburg (Nassau), 13. Oktt. Automobil—
unglück.) Ein schwerer Kraftwagenunfall ereignete sich
auf dem Wege nach Oberhattert. Der frühere Renn—
jahrer Henney, der Sohn des Lederfabrikanten Thewald
und ein Angestellter dieser Fabrik trugen eine Wette aus,
wonach die Fahrt nach Oberhattert hin und zurück in
einem Zeitraum von wenigen Minuten ersolgen sollte.
der Wagen stürzte mit voller Wucht in einen Graben.
khewald und der Angesiellte der Fabrik wurden sofort
getötet, Henney erlitt schwere Verletzungen und dürfte
'aum mit dem Leben davonkommen.
* Friedberg, 13. Okt. (Fürstenbesuch.) Prinz
Heinrich von Preußen traf von Kiel kommend per AMuto—
mobil hier ein.
* Frankfurt, 13. Okt. (Far und Großherzog
in Franukfurt) Der Zar und der Großherzog von
hessen trafen im Automobil von Friedberg hier ein und
tiegen im Englischen Hof ab. Nach dem Diner fuhren
ie Fürstlichkeiten durch die Stadt und machten in einigen
roßen Ladengeschäften in der Kaiserstraße Einkäufe.
*Offenbach, 13. Okt. (Werbrüht.) Das zweißäh—
ige Töchterchen des Fabrikarbeiters Berg in der Ziegel⸗
traße zog ein Geschirr mit heißem Wasser vom Herd
ind verbrühte sich derart. daß es an den Verletzungen ge—
iorben ist.

Aus aller Welt.
Maiestätsbeleidigung. Auf Grund mehrerer Arii—
kel Voun Gottes Gnaden“, die in der „Zeitschrift „Deu—

Jlücklich war. Wiein eyerres vVerhaurnis gewayrte 6.
seine Befriedigung, aber ein Kind, das Gott mir schenkte
ersetzte mir alles, ich lebte und webte in ihm und das Glück
zas ich so lange schmerzlich vermißt, es zog in mein Her?
in. Alle Liebe konzentrierte sich auf das liebliche, hilflost
geschöpf. Ach, ich besaß es nur ein Jahr — es starb — mil
hm war meine einzige Lebensfreude dahin — kurz vorher
jatte ich den Verlust meiner geliebten alten Susanna zu be—
rauern gehabt, sie war ihreni Leiden nach schwerem Kamp
erlegen, ich hatte ihren letzten Seufzer, ihren letzten Wunsck
mpfangen. Ein Jahr darauf starb auch mein Pflegevater
r hatte stets, wenn auch nicht ein warmes, so doch ein teil⸗
iehmendes Herz für mich gehabt, mit ihm verlor ich meinen
etzten Freund. Das kleine Vermögen, das ich erbte, nahm
nein Mann in Empfang. Es ging bald wie alles dahin
die Verhältnisse waren schon so derangiert, daß es nicht
genügte, die Schulden zu decken. Dennoch blieben eine kurze
Zeit die pekuniären Sorgen von mir fern, desto traurigen
vurde von Tag zu Tag meine Häuslichkeit. Schon lange
var mein Mann nur waͤhrend der Essenszeit zu Hause. Sa
sange das Kind lebte, vermißte ich ihn nicht; als ich aber so
insam und traurig war, da sehnte ich mich nach einem mit
ühlenden Herzen; ich suchte ihn an mich zu fesseln — ver—
geblich; Spiel und Trinigelage nahmen ihn ietzt mehr als
onst in Anspruch — ja er blieb stets einen großen Teil der
Nacht fort und wenn er nach Hause kam, war er gewöhnlich
in einem Zustande, der jede Unterhaltung unmöalidk
nachte.“
„Armes Weib,“ sagte Helbig mitleidia, „wie müssen
Zzie gelitten haben.“
Sie lächelte bitter.
.„Das ist nur der Anfang meines Leidens, saqte sie
hören Sie weiter. Ich hatse wohl bemerkt, daß es, mil
inseren Finanzen schlecht stand, aber jede Frage meinerseits
eder Vorschlag zu größerer Einschränkung wurde mit den
urzen Worten zurückgewiesen: Das ist meine Sache, darum
ümmere dich nicht. Ich, schwieg von, nun an. Da, eines
ages, ich sehe ihn noch mit seinen bleichen verzerrten Zügen
ürzte mein Mann in mein Zimmer und warf sich wie ver⸗
richtet auf das Sofa.
Was ist?“ frage ich erschreckt, „was ist ageschehen?“
e Ist aus ⸗ alles auß ⸗ allez berloten! schrie ð
dild. „Johanna ich bin ruiniert, entehrt für immer.“ Und
un erzãhlle er mir mit vor Ausreauns erstickter Stimm⸗
aß die Rot ihn veranlaßt habe, von den ihm anvertrauto
heldern einige hundert Taler zu nehmen. Er hatte eine im
zpiel gemachte Ehrenschuld bezahlen müssen, hatte aber
mmer vehnftte 2 Grnamene bald wieber æiehen 39

chet Metallarbeiterr aus der Feder des Anarcho oziar
ten Wiesenthal erschienen sind, ist Anllage wegen Maje
tätsbeleidigung erhoben worden. Die betrefsenden Num
nern und auch das Manuskript, soweit es noch vorhander
var, wurden beschlagnahmt.
Attentat. Auf der Strecke Beuthen (Oberschlesien)
ckhorzew erfolgte unter der Lokomolive des Eilzuges 32
echtsseitig der äußeren Schiene mit weit vernehmbarem
zeftigen Knall eine Explosion. Die Fensierscheiben des
Frührerstandes der Lokomo!ive, sowie der folgende Pack
vagen an der rechten Seise wurden durch heranfliegenden
Zteinschlag und die Gleisbestung gleichzeitig zerirümmert.
der Lokomotivfihrer wurde durch Glassplitter am Kopf
merheblich verietzt, sonslige Verletzungen der Reisende!
und des Zugpersonals, sowie Beschädigungen am Zuge
änd nicht entstanden. Da das Gleis noch betriebsfähig
besunden wurde, fuhr der Eilzug, der vom Führer sofori
wieder zum Halten gebracht worden war, nach etwa zwei
Minuten weiter. Die auf die Meldung des Blockwärters
der Blockstelle Roßberg, fowie des Lokomotivführers vom
Eilzuge von der Eisenbahn sofort angestellite weilere Un
tersuchung ergab unzweiselhaft, daß ein Aulenlat auf den
Eilzug mit einer Dynamitpatrone beabsichtigt war.
Ersoffene Grube. Die Eisenerzgrube Floras Glück
bei Vibiella (Kreis Tarnowitz), die zum größten Teil
der Oberschiesischen Eisenindusirie Aktiengefellschaft gehört,
ist durch Wassereinbruch dem Breslauer „Generalanzeiger“
zufolge teilweise außer Betrieb gesetzt. 250 Arbeiter wur
den entlassen. Man hofft, des Wassers Herr zu werden
und den Vollbetrieb bald wieder aufzunehmen.
Geborgen. Das infolge Kollision mit „S. 32* in
der Kieler Bucht gesunkene Torpedoboot „S. 76 ist glück
lich vom Grund abgebracht und zunächst nach der Eckern
förder Bucht eingeschleppt worden.
Ans Tageslicht! Die seil Dienstag nachmittag im
Bullerbaschacht in Barsinghausen bei Hannover eingeschlos
senen dreiundzwanzig Bergleute sind gesund zutage ge
ördert worden.

Ein Wunderkind. Aus Wien wird geschrieben:
Seit mehreren Monaten schon hält ein Wunderkind die
musttalischen Kreise Wiens in Atem, das meteorgleich gan—
plötzlich am Horizont erschienen ist und mit einem Schlag
im Mittelpunkte des Interesses nicht nur bei Fachleuten
sondern auch in den Salons des hohen und des höchsten
Adels, ja selbst bei Mitgliedern des Kaiserhauses stand. Es
st dies der dreizehnjährige Erich Wolfgang Korngold, der
Sohn des bekannten Kritikers der „Neuen Freien Presse“.
Der Knabe ist ein Phänomen. Nicht etwa, weil er ir
seinem Alter schon komponiert. Das tun viele ander
Wunderkinder auch. Das Unfaßbare an ihm ist der Cha
rakter seiner Musik. Darin liegt nichts Kindisches, wie
wohl manch kindlicher Einfall, nichts Nachempsundenes,
keine Nachahmung gehörter oder erlernter Musik. Es ij
ein eigenartig starles Talent, das seinen eigenen Weg gehi
unbekümmert um einengende Schulmeisterei, die ihm ga
Manches dabei verbieten möchte. Seine Harmonik befrem
det im ersten Augenblick, sieht man aber näher zu, dam
merlt man eine unbedingt zwingende Logik, die das ganze
Sebäude errichtet. Auch von einer Alterserscheinung ar
dem Kinde kann man nicht sprechen, denn nicht einzeln
Würfe glücken ihm auf diesem Wege, ein ionsequenten
kẽntwidlungsgang tritt in seinem Schaffen zutage. Vor
einem letzten Werle, einem Trio für Klavier, Violin
ind Violoncell, das soeben in der „UniversalEdition“ er
chienen ist, liegen die ersten Keime schon in der Panio
nime „Der Schneemann“, die jüngst in der Hofoper ihr.
AIraufführung erlebte. „Der Schneemann“ ist schon vor
nehreren Jahren geschrieben, also ein „Jugendwert“ des
leinen Komponisten. Auf eigentümliche Weise ist er ent
tanden. Die Phantasie des kleinen Erich lebt in Musik
Aeußere Vorgäuge, Stimmungen gewinnen in ihm musi
alischen Ausdruck; was ihn innerlich anregt, malt er
Hhantasterend am Klavier. Da gab ihm einst ein Freunt
bder Familie die Aufgabe, eine Schneelandschaft musikalisch
zu schildern, darin Kinder einen Schneemann bauen Dies
Vorstellung ließ nun den Kleinen nicht mehr los. Der Ge—
danke wuchs, spann sich weiter aus, nahm immer fesiere
Formen an, dieser und jener gab ihm einen guten Ra—
zur szenischen Ausgestaltung, und so entstand parallel
dandlung und Musik der Pantomime: Pierrot, der arme
Musiker, liebt Colombine, das Mündel seines Onkels Pan
talon, der selbst ein Auge auf das Mädchen geworfen hai
In seiner Verzweiflimg verkleidet er sich als Schneemann,
platzt so in das Haus des erschreckten Oheims und neckl
diesen in seiner Herzensangst durch tol'e Sprünge. Selbf
die zu Hilfe gerufene Dienerschaft nimm entsetzt Reißaus
der Onkel fällt in Ohnmacht, und diesen Augenblick be
nutzt das verliebte Paar zur Flucht. Der alie Pantalor
hat das Nachsehen. — Dies ist der Grundgedanke der mi
viel mimischem und choreographischem Beiwert versehener
Handlung, die unverkennbar den Einfluß Erwachsener zeigt
Zanz allein gehört aber dem kleinen Erich die Musik
Sraziös, chara'teristisch in ihrer Zeichnung der Personer
und Szenen, dabei verblüffend in ihrer technischen Reife
Die Instrumentation stammt allerdings von seinem Leh
rer, dem Kapellmeister der Hofoper, Alexander von Zem
linssy, doch hätte auch dies der kleine Tausendkünstler zu
wege gebracht, er hat das Studium der Orchestration be
seinent Lehrer schen beendet, doch die Eltern ließen es
nicht 2u. daß der o 3 ůα;

onen. BVaß wur — ãndessen von Stund an a
jold gewesen, er hatte beim Spiel immer nur verloren, war
mmer tiefer in Schulden geraten und pt war undvor
ereitet und Plötzlich die Kalse revidiert und der Defekt end
eckt worden.
Johanna schwieg eine Weile, als musse sie sich ersl—
ammeln, ehe sie fortzufahren fähig sei.
„Was weiter geschah, werden Sie sih denken koͤnnen
das hat Ihnen auch Frau Henzel erzählt. Wilberg wurde
oerhaftet und vor Gericht gestellt. Was ich dabei gelitten
as weiß nur Gott. Zuweilen war es mir erlaubt, ihn in
einer Haft —I — — iedesmal fand ich ihn in einem
erzweiflungsvollen Zustande. Die Schmach, die der Prozef
uf ihn lud, drohte den adelstolzen, ehrgeizigen Manne den
berstand zu rauben. Um so mehr schien es mir Pflicht, bei
hm auszuharren, so schwer ich auch unter diesem Leben litt
o verging die Zeit. — Wilbergs Prozeß war schon durd
lle drei Instanzen gegangen, er war zum Zuchthaus ver⸗
teilt, jede Hoffnung war vernichtet. Da erhielt ich eine?
dages einen Brief von der einzigen Schwester meine?
Nannes, die an einen wohlhabenden adligen Gutsbefitzen
n Preußen verheiratet ist, sich aber wenig um uns gekümmer
zatte. Sie übersandte mir Geld, forderte mich auf, mi
hilfe desselben eine Reise nach Berlin zu unternehmen; i
sollte versuchen, vor dem Könige einen Fußfall zu tun, und
so das letzte Gnadenmittel Fe Wilberg in Anspruch zu
nehmen. Ich suchte sogleich Zutritt zu meinem Gatten zu
halten und teilte ihm das Geschehene mit. Er war wie neu
belebt, diese unerwartete Hilfe schien ihm der Anfang einer
besseren Zukunft, er hoffte auf einen Einfluß seiner Ver.
vandten in Berlin und daß man seinen Namen nicht be
schimpfen lassen würde. — Mit vor Hoffnung We
ugen nahm er Abschied von mir; es sollte — es mußte mir
gelingen.
Du trägst mein Leben in deiner Hand!“ das waren
leine letzten Worte.⸗
Ich verließ ihn, wenn auch nicht so voller Hoffnung
z er selbst, aber doch gefaßter und mutvoller als seu
ange.“
Wieder atmete sie hoch und wie nach Falsung ringend
M J *
Ich reiste nach Verlin,“ fuhr sie dann mit leiser ge⸗
dämpfler Stimme fort, ich mietete mir ein bescheidenes
Stühchen in der Schüßenstraße. Meine Wirtin war eine
dehähige Frau, die mir freundlich entgegen kam und sehr
gefällig war. Das Leben kostete mich aber mehr als ich
erwartet hatte und mein Geld nahm zum Erschrecken schnek
ab. Ich wandte mich u0oleich an Me Noermondten metr—e

seine Ferlen verbringe und schigten ihn unterdessen zu.
Erholung an den Lido. Nun hat das Wert ver Klein
war bei allen Proben anwesend und saß selbst am Kla
»ier — mit Franz Schalt am Dirigentenpusi, Frl. Wopa
ensky und Herrn Godlewsky in den Haͤußtrolten in aus
ezeichneter Wiedergabe an der Hofoner feine Urauffüh
ng cxlebt. eine Tatsache, die allein schon den Fall we
iber das Alltägliche emporhebt. Und diese Uraufführunc
jatte einen Riesenerfolg, immer und immer wieder wur
en die Mitwirkenden gerufen Auch das begische Ksö
ligspaar war bei dem mußsikalischen Triumph des Drei
ehnjährigen anwesend

Von der Luntschiffahrt.
*Berliner Flugwoche. Oer vierte Flugtag
war vom Wetter begünstigt. Die größte Höhe erreicht
mit 770 Meter Jeannin, der wegen mangelbater Oelzu
fuhr auf einer Wiese bei Rudorw landen mußte, dort abe
wieder ausstieg und zum Flugplatz zurückkehrte. — Lind
paintner, der dem Luftschiff „P. 6“ bis Rudow entgegen
geflogen war und mit ihm nach dem Flugplatz zurück
kehrte, war, ohne zu landen, 1 Stunde 37 Minuten ir
der Luft und erreichte eine Höhe von 415 Meier.
Wiencziers flog 1 Stunde 5 Minuten und erreichte ein
döhe von 345 Meier. Den kürzesten Anlauf mit 37,
MNeler machte Oberleutnant Mente auf einem —A
eug.
*Schaufliegen in der Schweiz. In der
Tagen vom 8. bis 10. Oktober fand in Bern auf den
heundenfeld ein Schaufliegen schweizerischer Aviatiker statt
Alle drei Tage waren von der herrlichsten Witterung be
zünstigt, doch konnten eigentlich nur zwei Flieger der
Erde entschweben. Taddeoli erreichte auf einen
dufaur⸗Zweidecder Höhen bis zu 600 Weter, während de
Waadtländer Fai lloubaz ouf einem Bleriot-Apparal
den Preis für die beste Gesamtleistung errang. Der längsie
Flug Taddeolis dauerte 82 Minusen. —
—n——— —— -
Arbeiterbewegung. —
Von den Werften. 67
Hamburg, 13. Okt. Die Situation hat sid
so sehr kompliziert, daß mit der Wiederaufnahm
der Arbeit auf den Wersten fürs erste kaum noch gerech
net werden kann Der Widerspruch in der Auffassung de
Werftbesißer und der Arbeiter über die Frage der Atkoird
iberschüsse hat sich iett einigermaßen afneklärt

Neueste Meldungen.
Wien, 14. Olt. Der „Neuen Freien Presse“ zufolge
hatte der ungarische Finanzminister eine Besprechung, in
der die Verhandlungen vorbereitet wurden, die in de
Bank⸗ und Währurgsfrage zwischen den beiden Finanz
ministern statttinden werden. In den maßgebenden unga
rischen Regierungskreisen werden jedoch die Aussichten au
eine Einigung in der Barzahlungssrage pessimistisch beur—
teilt; man hält es nicht für ausgeshlossen, daß in die
ser Frage in absehbarer Zeit eine kritische Wendung ein
tritt, die auch von weittragenden politischen Konsequenze;
bealeilet sein könnte.
Madrid, 13. Olt. In der Deputierlenkammer en
lärte der Sozialisft Iglesiars, die Sozialisten wün
den sich einem neuen kriegerischen Vorgehen Spaniens i
Marotko mit allen Mitteln widersetzen. Ministerpräsider
Lanalejas antwortete, man müsse den Weg gehen, de
alle zivilisierten Völker einschlagen, und sich bemühen, d
Zivilisation selbst mit Gewalt zu verbreiten.
Madrid, 12. Olt. Amtiüch verlautet aus Melilla
Auf den umliegenden Anhöhen werden die bekannten
Feuersignale der Kabylen gesehen. Gleichzeitig erhält ‚
Nundo“ die Meldung, daß eine starle Koronne unte
Führung des Oberbefehlshabers von Melilla, Genera
Aldave, gegen die Position Jazama ausgerückt.
Konstautinopel, 13. Ott. Die dreistündiçe Unten
redung des französischen Botschafters Bompard mit der
Finanzminister betraf hauptsächlich die Garantieformel, di
die französische Regierung hinreichend finden könnte, n
die Kotierung der türkischen Anleihe zu gewähren. Bo
schafter Bompard teilte mit, daß die franzesisee Regie
ung geneigt sei, sich mit der Ernen iung ernes französische
Beamten bei der Ober-Rechnung⸗kanmnier zu begnügen, de
den Titel eines Gehilfen haben müßte. Die Frage de
Bestellung von Kriegsmaterial wurde besprochen; ein Ein
pernebmen scheint geüchert. J
Tegueigalpa, 14. Okt. Die Gerüchte von Unruhen
'n Amapalo sind grundlos. Die Regierung settte ledig
lich den Stadtkommandanten ab wegen seiner drohender
Haltung gegenüber den Fremden: fremde Kriegsschiffe lie
gen nicht vor Amapala.
Kapftadt, 14. Okt. Ein aus Lüderitzbucht eingetrof
fener Reisender erzählt, die Unruhen hätten damit begon
nen, daß 250 bis 300 Kasfsern das Hotel angegriffen hät
len, worin ihnen geistige Getränke verweigert worden wa
ren. Sie warfen die Fenster ein und wollten das Hote
türmen. Als ein Dutzend Soldaten auf sie mehrere Schüsse
abgab, wodurch zwölf Kaffern aetötet wurden, erarifse
die anderen die Fluch—t

— —
annes, die zum Teil einflußreiche Stellen berleideren
Man lieh mir die Hand, aber man ließ mich bei jeder Ge
legenheit merken, daß meine Person selbst eine unerwünschte
ei. Was man tat, geschah für Wilberg aus Rücksicht für
—*— Adel, um die Schande von dem aͤlten Namen Wil
rg“ abzuwenden. Für ihn selbst hatte man nur vVer—
achtung, dehnte sie auch auf seine Gattin aus.“ —
Wieder hielt Johanna inne, die Stimme aitterte voꝛr
innerer Erregung. —
„Der König war gütig gegen mich, aber meine Bitte
um Gnade für, meinen Gatten wurde mir abgeschlagen
Die Mittel zur Rückreise hatte ich nicht mehr, ich schrieb da—
her an meine Schwägerin, teilte ihr das Resultat meines Be—
mühens mit und bat um Zusendung von Geld, um nach B
u meinem Manne zurückreisen zu können. Wilberg selbsi
wagte ich das traurige Ergebnis nicht ohne Vorbereifuné
mitzuteilen, ich wollte damit warten bis ich zurückgekehr!
war. Aber Woche auf Woche verging und, ich erhielt keine
Antwort. Auch mein Man schrieb nicht — ich entschloß mid
endlich und schrieb an einen mir bekannten Herrn in
ihn bittend, Wilberg von dem Mißerfolg meiner Reise mög
lichst schonend zu benachrichtigen. Trotz meiner Sparsamkei
war ich bald mit meinem Geld, zu Ende. Die Wirlin be
merkte meine Not, sie kam mir freundlich entgegen un
sa ich solle mich nicht beunruhigen, sie würde mir kredi
ieren, bis ich Geld erhielte. Und wenn Sie keines be
kommen, seyie sie ι hinzu, „eine so hübsche Frau
wie Sie wird hier in Berlin nicht umkommen.“ gSierbe
muß ich noch bemerken, daß ich mich bei der Frau unter den
Nomen Körner eingeführt hatte, da der adlige Name un
Titel mir wie ein Spott auf mein Elend vorkam. Wiede
dergingen zwei Wochen, ich hatte noch immer keinen Briet
leine Nachricht, kein Geld. Die Wirtin hatte bis dahin nicht
gesagt, jetzt aber kam sie eines Tages zu mir und fing mi
in, vertraulich Rat zu geben. Ich habe so lange mit der
Bezahlung gewartet,“ sagte sie, ‚und ich kreditierte Ihnen
auch gerne noch länger, aber Sie müssen doch an Ihre Zu
kunft denken, da rate ich Ihnen: Nehmen Sie eine Stelle an
es gibt deren hier viele. Sie eignen sich gewiß sehr gu
dazu, die Repräsentantin in einem großen Hause abzu
geben. Ich kenne gerade einen Herrn, der jetzt eine solch
Dame sucht — das würde Ihnen vorläufig aus der No
jelfen, später können Sie ja tun, was Sie wollen.“ Jo
hankte der Frau für den gutgemeinten Rat und erklärte mic
hereit, auf ihren Vorschlag einzugehen. Was sollte ich aut
nst tun? Mein Mann im Gefängnis, ich arm und freunt
in einer fremden Stadt. Ich 8 keinen andern Auswe—
ie nicte mir lächelnd zu und sagte, der Herr würde et
Iindern Tage au ibr kammen ann würde sie ibn mir lender
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.