Full text : Dudweiler Zeitung

pinmer 237.
n ———— — — *
———— J den e —D————— ——— α Postschlietzfach Nr. 14.
Postschließzfach Nr. 14. — 7 7 7 J E 5 7 * E ———————— AI—————
—— — — — — — * F * * F c 7 Ar —
iglich it Ausnahme der Sonn⸗ und —3 — J 828 * — 18 —48 2 3 e auswãriige 16 4
. Amssiches pubsikanonsorgan
Abonnemnentspreis r die Bür ermeist Dudweiler
aonatlich 20 ⸗ srei iu's Haus 2 e ẽ germe erel 1575
.* debracht, g de Re —9. J 7 ꝓrp J M—
der Post bestellt 225 vierteljahrlich. Fernsprech⸗Anschluß Saarbrücen e . Bo, a.
—
arent ist mit 30 0 Mgegen Ted durch Unfall bei der Nuruberger Lebenaversicherung 8bauk in Nürnberg versichert
25 — 0 o 0 spẽt⸗n⸗reinnerhalb 48 Stunden nach dem Eintritt zur Anmesdnna ge
— — — — — — —

Freitag, den 14. Oktober 1910.

23. Jahrgang.
— —⸗ ——— ng—

Zedaknlon, Oruca uns Beriag von 3 unrernenet · Vnd weller Bel Jahres⸗Abonnement hochster Rabati
— — — 2 — — — — —
we eben Tedesfüsle müutsen sofor
S—:
ů———————— — — — ———— —
Der Kommers, der sich bald in zwanakose Gruppen
der verschiedenen Verbände auslöste, dauerte noch bis in
die frühen Morgenstunden fort.
— —
Die Vorgänge in Portugal.
Paris. 13. Okt. Der Sonderberichterstatter des „Ma—
tin“ hatte eine Unterredung mit dem nach Lissabon zu⸗
rückgeiehrten Kapilän der Jacht „Amalia“, mit der sich die
poriugiesische Königsfamilie nach Gibraltar geflüchtet hatte.
Der Kapitän erzählte u. a.: Das Schiff nahm zunächst eine
nordwestliche Richtung. Der König hatte nämlich er
baß er nach Oporto gehen werde, wo er Ann
treue Truppen finden werde, mit denen 4
Lissabon marschieren zu können. * F
hätten sich aber diesem Ver er ztzgrs —*
6
sei beschlossen worde ‚Vie beiden Koͤniginnen
Madrih Aryaben widersetzt und darauf
mit Ne— n. nach Gibraltar zu fegeln.
13. Okt. Die telegraphi
ctugal ist neuerdings eedrerwe
untisch kommentiert wird Der Gouverneur von
neldet, daß die portugiesischen Nonnen bei ihrem Ei
apihn eeene —
es, besonders in Barcelona Di —
rwartel, daß der Senal di a A Regierung
Eides genehmigt. Senat die Abschaffung des reugissen
London, 13. Ott. Der Herzo
e sich mit König Manuel auf der köni
Jacht Vilnorig ud ibetrdei vdchen
riag gleich nach deren Ank
ibraltar einschiffen und sich fof unft in
nen i t nach England b
ben, wo sie die Gastf vy gla ege⸗
rgze annehmen ebhast des Letzogs in Wood
u neue Friedensmuseum in Luzern.
er durch verschiedene hochherzige Stiftungen bek
RI Philantrop Sliaatsrat en ——
im Jahre 1901 in der Schweiz ein ßzügi
geleg es Kriegs⸗ und Friedensm —
335 schönen Sammlung des iee
indurch lein passendes Heim beschieden, bis endlich durch
—

—

plom⸗Ingenieure und Invaliden⸗
versicherung.
n den nächsten Tagen wird sich die 16. Nommissiol
zeichscages mit der Invaliden- und Finterbliebenen
ung zu beschäftigen haben. Es dürfte daher an
sein, nochmals darauf hinzuweisen, daß das heu
esetz und auch der neue Entwurf den Diplom
teuren gegenüäber eine Ungerechtigkeit in sich
Bekanntlich ist für den Begriff „Techniker“ im
der Arbeiterversicherungsgesetze der 8 1334
eichẽ geworbeordnung maßgebend. Dieser 8 1330
Anfang der 9er Jahre geschaffen worden. Inzwi
aben aber die technischen Berufe eine ungeahnt.
elung erfahren. Seit Ende des vorigen Jahrhun
„urden die ehemaligen Polytechnischen Schulen zu
hen Hochschulen erhoben, deren Absolventen, die
aungenieure, genau dieselbe Vorbildung aufweisen
e Absolventen der Universitäten. Obschon alle maß⸗
m Kommentatoren der Gewerbeordnung die An
ctraten, daß zu den Technikern im Sinne des 8
deses Gesetzes Personen „mit wissenschaftlicher oder
rischer Tätigkeit“ nicht gehören, und daß solche
gebildete Personen auch dann nicht unter diesen
raphen fallen, wenn sie bei einem gewerblichen Un
men angestellt sind, zum Beispiel Assistenzärzte von
enanstalten, Redakteure, Rechtskundige usw., betrach
e Praxis den Diplom-Ingenieur fast durchweg al⸗
den 8 1334 gehörig. Die Folge war, daß der
mm⸗Ingenieur nur als „Techniker“ unter alle Zwangs
herungsgesetze gestellt wurde. Diese Gesetze sind
Wesen nach für die arbeitenden Klassen und die
wirtschaftlich und sozial nahestehenden Gruppen be
Es ist nun richtig, daß auch der junge Diplom—
runit bescheidenem Gehalt seine Laufbahn begin
7rr ist darin nicht besser gestellt, wie der junge
ner oder Jurist, die in diesem Stadium der prak
Aausbildung vielfach überhaupt nichts verdienen
d ist es aber bis jetzt eingefallen, diese deshalb
nirtschaftlich Schwachen zu rechnen, welche der
ersicherung bedürftig seien. Um einen klaren Ein⸗
zie Dauer der Beitragspflicht des Diplom-⸗Inge
vekommen, hat es der Verband deutscher Di—
iieure unternommen, eine Enquete zu veranstal⸗
it sich dabei ergeben, daß die erdrückende Mehr—
ler Oiplom⸗Ingenieure schon nach ganz kurzer Zeit
ch nicht einem Jahre — bereits ein Gehalt bezog,
e vom Versicherungszwang befreite. Damit dürsie
ich ergeben, daß der Diplom⸗Ingenieur nicht zu jenen
mm Sinne des Gesetzes gehört, die dauernd un
u1Mark Jahresverdienst bleiben. Der Diplom-In
jat also, da er die vorgeschriebenen 200 Beitrags
aicht erreicht, praktisch gar keinen Nutzen von de
gsleistung, und auch dann nicht, wenn die bei—
oflichtige Grenze auf 2500 Mark erhöht wird; er
deshalb in der Erhebung von Beiträgen für die In
nversicherung eine Sondersteuer erblicken, die durch
»begründet ist und die waͤhrend der ersten Zeit der
ildung erhoben wird, in der alle andern Akademi
icht besser und nicht schlechter gestellt sind, als er
lönnte entgegenhalten, daß es dem Diplomingeniem
ommen sei, seine Beiträge über die beitragspflicht g
tze hinaus weiterzuzahlen, und daß er dadurch in der
»einer Rente gelangen könne. Darauf ist zu erwi
daß der Diplomingenieur durch seine Vor⸗ und Aus
ig die Anwartschaft auf die leitenden Stellen in der
itrie, im höheren Staats- und Kommunaldienst ——rnd
?elbständigkeit erwirbt, sodaß er in der Lage ist, in
jällen, in denen er nicht pensionsberechtigt ist, selbst
herantwortung für sich zu übernehmen; mannwiultet
damit nicht mehr und nicht weniger zu, als jeden
*
bem Angehörigen eines freien, wissenschaftliche m Beru
ud er wird in diesem Falle ebenso wenig leine Ver
ing in der Invalidenversicherung suchen, wite dies der
oder der Anwalt tut. Die Diplomingenic aure wün—
daher mit Recht, daß der 8 1221 des Er awurfs ver
woersicherungsordnuung, der bestimmte Personen für
überunasfrei ertlärt. unter Zifier 3 einen Zusatz er—

hält, enwa der Fassung, daß Rersonen, die nach abge—
chlossener Hochschulbildung zu ihrer weiteren praktischen
Ausbildung vorübergehend gegen ein geringeres Entgeld
ils 2500 Mark tätig sind, der Versicherung nicht unter—
tehen.

Ausdruck gebracht, daß um so we
ee te
ändern, als ihre
heben oder auch nur an ihr zu e einen wesenmche,
ing in die Gesetzesvorlage senerz und deren
Bestandteil d ciricans ———
die Geldmittel für erdings gleichwoh⸗
eien. In beteiligten Kreisen sind neu aͤgli esei
Ztimmen laut geworden werche ode ese
iung de eer r betont werden, da⸗
egenüber kan schrift bewenden muß, die de
8bei der Gesetzesvorschrift be rung de—
Staatsregierung die ren n n ne
über die Einzelheiten einem Ausfün Wasserstra
zalt, welches nach nochmaliget Anhörung des Wa
senbeiraies dem Landiage zugehen wird.
Hof und Gesellschaft.
— e—Galatafel beim gaiser—
hatte zahlreiche Einladungen u gener G Ler Kaise
donnerslag Abend 7 Uhr im kön AAuatafel au
assen. Es waren hierzu die vichen Schloß ergehe
ennten, Rekttor und gochsten Reichs⸗ und Staals
»ollzählig, sow⸗Senat der jubilierenden Universitä
Lehrkörne58 einige weitere berühmte Mitglieder des
d8 unter ihnen Professor Harnack, eingeladen
A der ganze Jubiläumsausschuß und ferner als Ver
reter der Studentenschaft der Vorstand des studentischen
Jubiläumsausschusses mit seinen Vorsitzenden cand. phit
„chöpe und Heyl an der Spitze, waren mit Einladungei
edacht worden.
Das Jubilaum der Berliner Universität
Der Festkommers.
BerAin, 13. Ott. die Hundertjahrfeier der Ber
iner Universität brachte das eigentliche Studentenfest, der
Festkoramers in den Ausstellungshallen des Zoologischei
Sarsens, zu dem fümtliche farbentragenden und schwarzer
Ko orationen mit ihren auch von auswärts herbeigeeit
tem Alten Herren in äußerst starker Zahl erschienen waren.
Es mögen an die 7000 Studierende und ehemalige An
zehörlge der Alma Mater gewesen sein. Auch fast saͤmt
iche Professoren, sowie die auswärtigen und ausländi—
chen Ehrengäste waren anwesend. Die Regierung ver—
rat der Kultusminister von Trou zu Solz mit den Vor—
ragenden Räten seines Minifsteriums. Der Hof, der er
variet war, fehlte ganz. Im Saale enwideli⸗ sich bald
ein echtes studentisches Treiben. Lieder stiegen, Anspra⸗
hen folgten dazwischen und Salamander auf den Kaiser
ind die Gäste wurden gerieben.
Auf die Studentenschaft sprach der Dekan der philo
ophischen Falultat, Prof. Dr. Rothe, der namentlich die
ikademische Freiheit pries. Aber diese Freiheit, so meinte
⁊ unter stürmischem Applaus, ist nicht die Gleichheit, is
ticht die Herrschaft der Masse. Die akademische Freihei
st eine schwere heilige Pflicht, ist die Pflicht, den We⸗
zur Wahrheit zu erstreben und dabei als deutscher und alẽ
eußischer Student das Valerland nicht zu vergessen. Die
Freiheit muß verbunden sein mit dem Geist echt preußi⸗
scher Zucht. Die deutsche Freiheit und die preußische Zucht
sind ein gutes Ehepaar, das treu zu einander hält, und
wir können nur wünlchen, daß süddeutsche Kommilitonen
n Berlin eine andere Vorstellung vom Preußentum be
ommen als durch die „Jugend“ und den „Simplizissimus“
Dann fuhr der Redner min deutlicher Anspielung auf di
erngebliebene Finkenschaft unmler stürmischem Beijall fort:
ẽͤis sehlen zwar Studenten. die Einigkeit war vor den
Fest nicht inmer da, aber wer da, wo es sich um das
Zelingen einer großen Sache handelt, schmoͤllend bei
Seite steht, ist immer im Unrecht. Zum Schluß forderle
der Redner, der in seiner Einleitung erwähnte, daß er
—A Kommerse gefeiert hätten — und solche
zäbe es in Berlin — kaum noch als Studenten ansehen
önne, die anwesenden Professoren und Gäste zu einem
on den Gelehrten begeistert aufgenommenen Salamande;
rtf die Gtudentenfc

— — —
Politische Rundschau.
Deuntsches Reich.
* Staatssekretär a. D. Dernburg gab wegen eines
rankheitssalles in seiner Familie die beabsichtigte Reise
nach der Provinz Schantung auf. Er reist über Schang—
zai und Sibirien zurück und trifft am 30. Oktober in
Berlin ein.
*Ueber das Befinden des Staatssekretärs von Linde—
suist gingen neuerdings beunruhigende Meldungen durch
ie Presse, die nach Erdundigungen an zustendiger Stelle
ibegründet sind. Der Staatsfekretär verbringt seinen
ürlaub in einem südfranzösischen Badeort. Von irgent
iner Verschlimmerung in seinem Befinden ist keine Rede
*Das Pensionierungsgesuchs des seitherigen
ellvertretenden Leiters des badischen Finianzministeriums
veheimrat Göller, ist unter der ungewöhnlichen Aus
eichnung der Ernennung zum Wirklichen Geheimrat mi
em Prad kat Exzellenz mit besonderem Dank für die ge—
eisteten erfolgreichen Verdienste vom Großherzog geneh—
nigt worden. Der neue Finanzminister Riheinbol'd
ibernimmt die Geschäfte in enigen Tagen.
*Die Foruschruiliche Voltspartei nomnier ae Der, Sar
angschen Zeitung“ zufolge; den BürgermeisterWagner in
apiau als Kandidaten firr die Reichsa arg s err sra tz⸗
ahl im Wahlkreise La biia u⸗Weehh lsa u — 25
Desterrech⸗ A n garn.
* Ein den österreichischen Delegaironen unterbreitete⸗
dotbuch enthält 201 diplomatische ein suen welch⸗
ie Zeit vom 13. Oltober 1908 bis 26. Mai 1909 ung
assen. Die Veröffentlichung beginnt; mit der⸗ Nocifierun
er erfolgten Annerlon von Bosnien und der Herzego
»ina und behandelt alle mit der Pforte, fowie den Groß
rnächten in der Angelegenheit der Anerkennung der An
iexion geführten Verhandlungen, wobei insbesondere die
enigen über die Abhaltung einer europäischen Konferen
nen weiten Raum einnehmen. Zahlreiche Schriftistück
eziehen sich auf die türlische Boykottbewegung geon
esterreich Ungarn und deren Beilegung, auf die wieder
olte Intervention der europäischen Großmächte in Ser
ien zur Vermeidung eines kriegerischen Konfliktes und
adlich auf die Verhandlungen, welche sich, nach her In
erzeichnung des Ententeprotokolls zwischen den Turke
nd Oesterreich Ungarn, auj die Aufhebung des, Artitels 2
nnd die Modifizierung des Artikels 29 des Berliner Ver
tages bezogen.
* Zurzeit werden größere Truppentre asvporte auf de
Züdbahn durchgeführt. Die Truppengerden zur verfiär
ung der Garnisonen in Kroatien oerwendet da mal
mläßlich der bevorstehenden krratischen Wahlen Un
u h en xbefürchtet.
ien Rußl And.
Der Finanzminister Korow zow reiste mit kaiser
— — 5— x8 Ausland ab. Waͤhrend seiner
esenhei Gehilfe rdi ã
»es, Ministeriums fülrren. hilse Wesber die Geschafte
a23. Griechenland.
*Der Könng hatie min dem Ministerpräsidenten eine
angere Unter cedung über die Demission des Mimfieriums
danis, behielt sich vor, zunächsi die Parteiführer 32
ragen.

Das sitaatliche Schleppmonopol.
Die offiziöfe „Berl. Korresp.“ schreibt: Auf den neuen
im Westen der Monarchie zurzeit im Bau begriffe
nen Schiffahrtstraßen ist nach 8 18 des Wasserstraßenge
setzes vom 1. April 1905 ein einheitlicher staatliche
Zchleppbetrieb einzurichten. Bei den im Frühjahr statt
gehabten Beratungen des Gesamtwa'serstraßenbeirales. fo
vie bei allen anderen geeinnefen Anslässen haben i me

*8
ð
C
3

Wieder gefunden.
Sdwester ist mit ihrem wemayt und Herrnv. Brandi
8 herausgefahren — sie wird warten, Helbig, — und
vissen, so schöne und verwöhnte Damen werden leicht
uldig; wir bekommen kein freundliches Gesicht und
st es mit dem Vergnügen vorbei.““
lber was ist dir, Cva?“ wandte er sich erstaunt an die
und blaß dasitzende Tochter, „du siehst ja so traurig
3 wären alle deine Beete auf einmal verhagelt. Habt
m Endo wohl schon geaankt in eurem iungen Braut⸗
un, nun, das kommt bor,“ rief der Bankier beruhi⸗
go etwas bleibt ja niemals aus. Was sich liebt, das
ich auch — bis wir in Tegel find, it alles wieder
en und vergeben ·· AVVVV
elbig sah Evahan, jetzt erst fiel es ihm ein, daß die
haftliche Erzühlung seiner ersien Liebe ihr Schmerz
thaben könnte, Rasch ging er auf sie zu und drückte
nd an seine Lippen. . 8. J
ain hodes Radchen, hab' ich dich beleidigt?“ fragke
1 e 4 n
hüttelte den Kopf und sah ihm innig in's Auge.
d Tranen ihre Wangen beneßten. 7 —
verzeih flüsterte sie, ich bin ein törichtes Kind; ich
fast, ich din schon bei der Erzahlung deiner Liebe
dtig geworden.“
lüßte jhr die Tränen von den Augen, sie lächelte jetzt
der Schmerz war überwunden. Er liebt mich
ß iubelnd in ihr, er üebt michte
er die rechte Lust wollte doch nicht mehr kommen.
er heiteren Gefellschaft. welche die Ankommenden in
nbpfing, wurde der trübe Hauch, der auf dem jungen
e3 Brautpaares lag, nicht gang verwischt. Selbst die
y Zinfälle des Herrn v. Brandt vermochten nicht
tein heiteres Lachen guf Evbas Lippen zu rufen.
terer war die schöne Kommergienrütin. Seitdem
an jenem Verlobungsabend Herr v. Brandt hatte
u lassen und Freund ihres Hauses geworden war,
e onst so kalle Frau von neuem Leben erfüllt zu
5 Sie bewegte sich freier, heiterer, zwangsloser als
hre Unterhaltung hatte an der beißenden Schärfe
odie sonst jede Annäherung zurückscheuchte. Brandt
de schöne Frau jedenfalls nur von der liebenswür⸗
deite, — dennoch bestätigte er nach näherer Bekannt⸗
es Freundes, des Malers Burgau Urteil, daß Frau
dleuheres mehr Sympatbie erreate als die Eigen⸗
ro3 ECharoktors — 7

„Aoer vet alledem,“ hatte er hinzugesetzt, als er m.
Burgau über dieses Thema gesprochen, bei alledem ist sie
ein reizendes Weib, klug und interessant genug, um sich gern
nit ihr zu unterhalten und dabei gerade durch die kühle
herständigkeit ihrer Natur geeignet ein freundliches Ver—
sältnis mit einem Manne einzugehen. — Ihr ganzes Wesen
chließt jeden Gedanken an ein wärmeres Gefühl aus. Ware
s anders — dann hätte sie mir gefährlich werden können
und ich wäre bei Zeiten geflohen, das glaube nur. Daß ich
o oft in Villa Simon verweile, sei dir ein Zeichen, daß keine
Gefahr für mich vorhanden. Ich und Frau Simon, wir sind
ein Paar gute Kameraden und verstehen uns ganz prächtig.“
„Das beruhigt mich!“ erwiderte Burgau — „offen ge⸗
standen habe ich es auch nicht anders erwartet; hast du doch
auch zuweilen etwas von der kalten Fischnatur, die der
schönen Simon eigen, und an ruhiger Ueberlegung und Ver⸗
ständigkeit fehlt es dir ja auch nicht.“
„Ich will hoffen, daß es mir nie daran fehle,“ rie
Brandlt, dessen lebhaft blißende Augen dem, Ausspruch des
8 über seine Kälte und Verständiakeit etwas wider«
prachen.
Burgau hatte an der Vergnügungsfahrt nach Tegel
obwohl dazu aufgefordert, nicht Teil genommen — drin
gende Arbeiten dienten ihm zur Entschuldigung. Brand
vußte es besser. Seit Evas Verlobung hielt sich Burgar
nöglichst von den geselligenZusammenkünften der Famili—
Herzberg fern. Er fühlte sich nicht stark genug das Glück mi
anzusehen, das die von ihm seit Jahren mit stiller Hoffnun
Geliebte in den Armen eines andern genoß. Er hatte e
nicht gewagt dem reichen begehrten Maͤdchen seine Gefühl
gzu entdecken, bevor er eine Stellung in der Hunstwelt er
rungen, die ihn zu solchen Ansprüchen berechtigte. Helbi—
var ihm zuvorgekommen; dieser hatte die treue Liebe Bur
Jaus, die fich in schüchterner Zurückhaltung noch nicht an
Taageslicht aewaat. wohl kaum bemerkt. Burgau litt, abe
er Uir mit jenem resignierten Schmerze, der, obwohl vauern⸗
r als der leidenschafiliche, doch nicht dersibrend auf dag
emüt wirkt. Burgau hatle eine Trosterin zur Seue, d
ihm Niemand nehmen konnte, die Kunft ihr gab er sann
poller Seele hin gus ihrem ewig jrischen Queu sodrttee
Sinan und ne *. —
elbbig war voll Aufmerksamkeit gegen Eva — er nahm
lebendigen Anteil, an ver Ümerhauung emant
nicht Eva, ahnle, daß er weit davon entfernt war, innerlich
so ruhig zu sein, als es den Anschein hatie. — GSenne
hlung hatte nur zu sehr vergangene Kampfe, vergandenes
id In ihm wachgerufen. Tange wandelle er noh er
mũt in der Nacht nachhause gero mimen. in seinen 33

Ab T.Aner rrat thm das bleiche Frauenbild mit
»em starren Blick und dem abgemagerten Antlitz entgegen
AInwiderstehlich zog es ihn zu ihr hin, ja er mußie sie sehen,
mußte erfahren, — ⏑
eine ernstliche Hilfe für sie denken. Aber wo, iwo für die
Unglückliche einen Ausweg aus diefem Labyrinth des Jam.
mers finden? Sie war an einen Mann gefesselt, von dem
anzunehmen, daß er immer tiefer in den Vfuhl des Laflers
inken würde. Wie konnte sie von ihm befreit, wie aus diesen
Banden erlöst werden? Und selbst wenn dies gelänge, was
dann? Mittellos und ohne menschlichen Hau siand se dann
in der Welt, gänzlich vereinsami.
Belbig barg den Kopf. in den Händen, ihm wollte kein
dichtschimmer dieses Dunkel erhellen.
Nach einer unruhigen Nacht erwachte er früh. Der Ge
danke an Johanna hatte ihn keinen Augenbüc verlassen
Ich muß sie heut noch sehen, muß sie selvst ihre Wuůnsche
hre Pläne für die Zukunft entwickeln lassen,“ sagte er sich
„vielleicht wird es dann ruhiger in mir werden.“
Fraͤulein Menzel hatte eben zum zweiten Male mit
ihrem Haste gefrühstückt und saß jeht in hrem Zimmer mi
einer Arbeit beschaͤftigt, als Helbig eintrat.
Sie begrüßte den jungen Mann herzlich.
»Sie wollen wohl nach unferem Vflealing sehen?“
kragte sie. ..
Sie haben recht geraten, wertes Fräulein,“ entgegneke
zr. Ja, die Sorge für die Zukunft der armen Verlaffenen
trieb mich her. Doch ehe ich weiter eiwas für fie zu kun
Rrmag, uß ich ihre augenblickliche Lage genau kennen.
Hat sie Ihnen vielleicht etwas über diefelbe mitgeleiit?“
Sie ist bis jetzt noch sehr schweigsam und verschlossen
gjegen mich gewesen,“ erwiderte Fräulein Menzel, „und ich
mag Vertrauen nicht erzwingen. Vielleicht wird sie gegen
Sie, Herr Helbig, offener sein, sie kennt Sie ja von fruher
Sie blickte ihn forschend an. .
Er stand rasch auf.
Ich werde es bersuchen,“ sagke er, „wo ist die Baronin?“
Sie lustwandelt jeßt eltwas im Garten, ihr Ausfehen
at sich schon in diesen wenigen Tetgen bedeulend gebeflert.“
„Das macht Ihre Pflege, Sie gütige edle Seele,“ sagte
Zelbig gerührt und drückte der alten Dame die Sand, der
dimmel mag Sie dafür segnen, was Sie an dieser Unglück.
lichen tun. Möchte es Ihnen nur gelingen, auch die Seele
der Kranken auf die richtige Bahn zu lenten.“ — ..
„Was an mir ist, soll geschehen,“ entgegnete Fräulein
Menzel mild, „den Ersolg muůß ich indessen in eines Höheren
Hand legen.“
Johanna ging mit langsomen Schrikten den Seckengangß

im warren auf und ao. zzyr Auge ruhte am Boden, sie be—
merkte es nicht, wie Helbig auf sie zu kam, wie er plötzlich
ttehen blieb, sie lange betrachtete und sich dann nur zögernd
und sehr langsam näherte. Es war ihm bei ihrem Aublid
gewesen, als müßte er zurück, als müßte er fliehen und doch
zog es ihn auch wieder mit innerer Gewalt zu ihr hin.
Jetzt sah sie auf, ihr Auge begegnete dem seinen, sie er—
bebte, Röte und Blähle wechselten auf ihrem Gesicht: Herr
Helbig!“ rief sie.
„Wie geht es Ihnen?“ fragte Helbig mit weicher
Stimme und ergriff ihre Hand. Haben Sie sich bereus
etwas gekräftigt?
„Es geht mir körperlich besser,“ sagte sie mit niederge⸗
schlagenen Augen neben ihm hergehend
Es entstand eine peinliche Paͤufe, dann ermannte sie sich
und sagte rasch: „Ich bin Ihnen viel Dank schuldig, Herr
Helbig, Sie haben mich hierher gebracht, durch Sie wird
mir alles Gute zu Teil, was ich hier genieße.“
*u »Sie haben nicht mir zu danken,“ entgegnete Helbig ab⸗
——D6
nahme gefunden.“ —
3. Johanna lächelte bitter.
Der Wohltäter verschmäht den Dank! Nun wohl, ich
will nicht weiter davon sprechen. Aber eins fühle ich: ich bin
Ihnen eine Erklärung schuldig, wie ich in die entsesliche
Lage gekommen, in der Sie mich gefunden.“
Ihre Stimme bebte.
Wenn eine solche Mitteilung Sie nicht zu sehr aufregt,
möchte ich allerdings darum bitten“ entgegnete er.
8 „Es muß ja doch geschehen,“ sagte sie ernst, „und wer
peiß⸗ ob wir uns noch oͤfters sehen werden.“
So setzen wir uns,“ sagte Helbig, „ich sehe an der
Blässe Ihrer Wangen, Sie sind anñgegriffen.“
**x Sie nickte und ließ sich von ihm nach der schattigen Hol—
underlaube führen, die einsam am Ende des Gartens lag.
Er fetzte sich ihr gegenüber, sein Auge schmeifte über die zarke
Bestalt, über die feinen leise bebenden Hände und das bleiche
AUnnale Antlitz
„Wir haben uns nicht gesehen, seitdem ich Braut war,“
begann sie mit matter Stimme.
..O bitte, regen Sie sich nicht unnötig durch diese Er—
innerungen an Ihre traurigen Lebensschicksale auf!“ unter—
brach sie Helbig mit innigem teilnehmendem Tone. „Einen
Teil derselben habe ich bereits erfahren.“
„Durch wen?“ fragte sie rasch aufblickend.
„Durch Frau Henzel — sie war hier“
Ein bitteres Lächeln zuckte bei der Nennung diosee
Namens um die Qiphen NRnhonnase
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.