Full text : Dudweiler Zeitung

Nummer 236.
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23. Jahrgang.

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Lei der Post bestellt A 220 vlerteljaͤhrlich. VFernspreqh-Anschlaß Saarbrũcen Ae . So. ⁊ a.

Rebaklon, Vruca une veriag von JVanrernener⸗vudweller. Bei Jahres⸗Abonnement höoͤchster Rabati
Uufall in che Behandlang begeben. Todesfülle müffen so forr
* in t lan dr e e z Ehtzitn ver Nhrendergee Seden ever si cerunge · Bank auzngeigen, auch uß sgeh der — ———
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— — Prjam⸗sverweigerung und zum tatlichen Widerstande gegey
die Offiziere kam. Die juͤngen Leute, von denen viel
noch nicht 17 Jahre alt waren, lehnten ab, weiter 3
narschieren, weil sie nicht weiter könnten.
Die Engländer brauchen sich zu ihrem Glück nicht au
ie Landarmee zu verlassen; sie haben ja ihre Flotte mit den
Two Power Standard“. Der eben geschilderte Verlau
er Manöver wird aber wohl nicht dazu dienen, den al
nn Traum von der Sendung von 100 000 Tommy At
us nach Nordschleswig wieder zu beleben. Eine aus
richende englische Armee kann mur geschaffen werden, wen
— wie es auch Lord Roberts ja vorgeschlagen hat —
ie allgemeine Wehrpflicht eingeführt wird, aber dazr
verden die freiheitsfiolzen Englander wohl niemals z31
ringen sein.

Jubel und Kater.
Es ist von großem Interesse, den Eindruck zu ver
tolgen, den die in Deutschland, Frankreich und Englant
tattgefundenen diesjährigen Mansver hinterlassen haben.
In Deutschland zeigt sich eine stolze Selbstzu—
riedenheit, die wenig Worte macht, aber des eigenen
Vertes gewiß ist. Daß unser Kriegsinstrument von der
rößtmöglichen Güte ist, ist eine Ueberzeugung, die sich
eit Jahrzehnten dem Volke wie dem Heere unauslösch
ich eingeprägt hat, und man ist nur neugierig darauf,
»b der eine oder andere Heerführer besser abschneidet.
Noch befriedigter als die Deutschen zeigen sich dies—
ial die Franzosen, obgleich dazu eigentlich gar kein
eeller Grund vorliegt. Man kennt, so schreibt man der
K. V.“ aus der Reichshaupistadt, an den maßgebenden
ztellen in Berlin die Schatienseiten der französischen Ar—
iee sehr wohl und fürchtet sie ganz bestimmt nicht. Wes
jalb jubeln a!so die Framfsofen jo? Komischerweise haupt
ächlich über ihre Luftschiffflottille, nach dem schon deir
iarktschreierische „Matin“ in der von ihm veranstalteten
toulurrenz der Aeroplane von einrem „neuen Austerlitz“ 1)
es siegreichen Frankreich gesprochen hatte. Ja, weni
rorbeeren, wie die von Austerlitz, so billig zu holen
dären, dann käme wohl alle Jahre irgendwo ein Auster—
itz vor. Wenn Frankreich in einen großen Krieg verwik
elt wird, dann kommt für die Entscheidung auch weniqg
arauf an, ob seine Luftschiffe und Aeroplane oder die
es Gegners besser sind. Bezeichnend für die phantastische
datur der Franzosen ist es aber, daß sie sich aus diesem
o wenig bedeutsamen Anlaß bereits in einen förmlichen
'aumel von Begeisterung hineingeredet haben. Einer ihrer
esten Dichter Rene Fauchois hat ein förmliches Triumph—
ed auf die französische Aeronautik gedichtet.
Ganz anders ist die Stimmung jenseits des Kanucs
a Esengland. Auf britischen Guitarren hört man keine
Nanöversiegeslieder, sondern aus ihren Saiten heult der
zammer der Katze. Die diesjährigen Manöver haben den
zeweis gebracht, daß die vielgepriesene große Reform des
zivillriegsministers Haldane völlig versagt hat. Alle kom—
elenten Beurteiler stimmen darin überein, daß die eng—
sche Landarmee nicht besser, sondern schlechter geworder
t. Und wie haben die Mitglieder der jetzigen Regie
ung mit dieser Reorganisation geprahlt, die an di
éztelle der alten Volunteers die „Territorialarmee“ setzte
llle diese zweifelnden Seelen wurden mit dem Hinweis
mif die diesjährigen Manöver abgetan, welche die gran
diosen Leistungen der Territorialarmee vor der ganzen
velt offenbaren werde. Heute nimmt kein Mensch sie
nehr in Schutz; alle Kritiker sind einstimmig der Ansicht,
aß die Territorialarmee ein ungeheueres Fiasto gemach
jabe. Am erbittertsten ist die Stimmmung in den englischen
Affizierkreisen selbst, wo lein gutes Haar an Haldanes
Schöpfung gelassen wird. Einen der zornigsien Rezenfen
en, den Artillerieoffizier Sutor — der wohl nicht das
Sprüchwort bedacht hat: Ne sutor ultra crepbidam — ha
nan sogar vor ein Kriegsgericht gestellt. Er hatte sein
kritik freilich auch mit dem Degen, statt mit der Feder
zeschrieben. So meint er, daß die jetzige Art der engli
chen Armeeführung die Beteiligten geradezu unfähig ma—
he, wenn es nicht schon seien. Wenn jemand längere
zeit britischer Offizier werde, müsse er notwendig dumm
verden; je länger er es sei, um so arößer werde sein—
dummheit.
Diese Art der Rezension ist allerdings ungehörig. Ir
edem anderen Lande würde ein Offizier, der die eigen
lrmee so herabsetzte, ebenfalls vor ein Kriegsgericht ge
lellt werden. Aber der Angeklagte hat eine große Stütze
efunden, indem er auf die Kritiken verwies, die über
iie diesjährigen Manöver geschrieben sind. Sie konstatie
en, daß sowohl die Führung wie die Leistungen der
kruppen in gleicher Weise miserabel gewesen seien, und
in Sachverstaͤndiger fügt noch bei, schließlich sei das
hanze wie eine Hammelherde durcheinandergelaufen. Di
söheren wie die unteren Kommandeure machten sich mi
hrer Führung förmlich lächerlich, während bei den So!
aten die körperlichen Kräfie nicht aus reichten und d
Asziplin so schlecht war daß es pieffak
—8BR

Niouug des zrabinenss und Beniselos, den auch die Par—
ei Theotokis zu unterstützen bereit scheint, sowie der Prä
ident der Nationalverfammlung, Esseden, für den die Par
ei Rallis eintritt. Erst nach dem Scheitern diefer beiden
dombinationen kommt die Bildung eines Geschäftsmini—
teriums oder die Umbildung des Kabinetts Dragumis
urch die Ernennung neuer Ressortminister in Frage.
Türkei.
EBewaffnete Montenegriner griffen abermals tür
ische Blockhäuser in Malkowatz und Erzernitza an. Hier
ei wurden zwei Soldaten getötet und neun Mohamme
daner aus den benachbarten Dörfern schwer verwundel
owie einer getötet Die Montenegriner wurden durch die
Zoldaten und die Bevölkerung in die Flucht geschlagen
China.
* Wie „New⸗-York Herald aus Peking meldet, haber
der Vizekoönig der Mandschurei und der Vertreter vom
Vaccey Hondaye-Syndikat ein vorlaufiges Abkommen über
eine Anleihe von 10 Millionen Taels unterzeichnet. Di
Vorsteher der Zentralbehörden bereiten der Durchführung
der Anleihe Schwierigkeiten, indem sie erklären, daß all
hrovinziellen Auñleihene durch sie vernittelt werden müßten

Die Vorgänge in Vortugal.
Klostersturm in Portugal.
Während in den ersten Tagen der portugiesischen Er
hebung nennenswerte Ausschreitungen nach den überein
stimmenden Berichten glaubwürdiger Augenzeugen nicht zu
verzeichnen waren, sind in den letzten Tagen oͤlutige A

VPolitische Rundschau.
Deutsches Reich.
*Wie verlautet, wird sich der Kaiser in der erster
dälfte des November nach Hessen begeben, um den Bejud
»es Zaren in Potsdam zu ewidern.
* Der Reichstags⸗Abgeordnete für Kreuzberg-Rosenber
Fürst zu HohenloheOehringen hat ertlär
daß er nicht mehr kandidieren werde
*Die dritte Versammlung des oldenburgischen Land
ags — im Jahre 1911 wird neu gewählt und zwa
um ersten Mal in direlter Wahl — ist für die Zeit von
. November bis zum 22. Dezember einberufen. Di
auptsächlichsten Verhandlungsgegenstände werden die Fra
en der Vereinfachung der Staatsverwaltung und der Er
öhung der Beamtengehälter fein, sowie eine Novelle zu
zermögens⸗ und Einkommensieuergesetzgebung.
* Die Gültigkeit dr Ausnahmetarife sfür fri
ches Fleisch wurde bis zum 31. Dezember 4913
.Oefsterreich⸗ Ungarn .. ,.
x VBlättermeldungen zufolge wird Erzherzjog „anz;
Ferdinand, der mit seiner Gemahlin, der Herzogir
Zophie Hohenberg, im Frühjahr dem belgischen Königs—
sofe einen Vesuch machen wird, diese Gelegenheit be—
uttzen, urꝛ auch dem deutschen Kaiser in Ber—
in einen Besuch abzustatten.
*Die ungarische Regierung beschloß, den Paßzwang,
»er von dem nach dem Orient reisenden Publikum als
ästig empfunden wurde, aufzuheben. Bis zum Erlaß ei—
ier diesbezüglichen Verordnung an die Grenzbehörden
leiben jedoch die gegenwärtigen Legitimationsbestimmun
jen in Kraft.
* Die Militärverwaltung beabsichtigt, infolge der all—
emeinen Teuerung, die Mannschaftsgebühren für jeden
zoldaten ohne Charge, sowie für die Gefreiten und Kor—
»orale um vier Heller und für die Zugführer um ach
deller zu erhöhen.
Aus dem Vatikan.
*Wie verlautet, hat der Papsft beschlossen, Mitie Novem⸗
er ein Konsistorium zu halten, umne ne Kardinäle
u ernennen. Die Kandidaten sind: der Pariser Erzbischof
lmette, der Erzbischof von Westminister Dr. Bourne, der
ẽrzbischof von VBologna Della Chiesa, der Wiener Nun—
ius Granito di Belmonte, der Erzbischof von Spoleto
zerafini, der Majordomus Bisleti, Monsignore Lugari
on der Inquisition, Monsignore Giustini von der Satra—
nents⸗Kongregation, der Dominikaner-General Cormier,
zater Ehrle, Präfelt der vatikanischen Bibliothek, Bello,
jatriarch in Lissabon, und vielleicht noch fünf andere,
arunter Erzbischof Connel von Boston und der apostoli—
he Delegat Falcon s in Washington. (Das Kardinals—
ollegiunt zählt gegenwärtig nur 52 Mitglieder, statt der
deie es zählen sollte. D. Red.)
Griechenland.
*Die verbreitelen und neuerdings mit Hartnäckigkeit
ehauptelen Gerüchte von einer Abdankung des Kör
igs werden von kompetenter Stelle aus als vollstaändig
nbegründet bezeichnet. (Wir haben gleich ein
ragezeichen hinter die Meldung gesetzt. D. Red.)
*Der Premierminister Dragumi's uncerbreitete das
Btritts ge such der Monue di dton 221

.
i.Lissabon.

Mädchenschulwesen.
Der Bund privater deutscher Mädchenschulen hat sid
auf seiner Tagung in Königsberg für ene ges etzlich.
Regelung sdes Privatschulwesens ausge
prochen. Dabei wurde gefordert, daß die Errichtun—
ieuer Schulen vom Nachweise enes Bedürfnisses abhängic
Jemacht werden solle. Diefser Grundsatz wird aber aud
heute schon von der Unterrichtsverwaltung befolgt, den
bei jeder Konzeßsionserteisiung wird auf das Vorhanden
ein ⸗doun Privatanstallen gebührende Rücksicht genommen
Die Unterrichtsverwaltung steht auf dem Standpunkt, daß
die gegenwärtige Verwaltungspraxis die Interessen der
Schulen besser wahrnimmt, als es nach einer gesetzlichen
Regelung möglich sein wird, weil bei einct Berufsung im
VBerwaltungsgerichtsverfahren gegen die Entscheidung der
Anterrichtsverwastung zweifel!los mehr Konzessionen zur
Errichuung von Schulen ertellt werden dürften. Dabei ist
zu berücksichtigen, daß Aniräge auf Errichtung von neuen
Anstalten in erheblich vermehrter Zahl eingehen würden,
venn die vom Bunde privaͤter deutscher Mädchenschulen
geforderte gesetzliche Festlegung von Staatszuschüssen all—
jemein zur Durchführung gelangte. Schon heute werden
m Staatshaushalt erhebliche Summen zur Unterstützunç
der privaten hoͤheren Mädchenschusen zur Versügung g90
tellt, und diese Beträge dürften auch weiterhin noch ver
tärkt werden. — Wenn schließlich auf der Königsberge
kagung auch eine gesetzliche Regelung für die Besoldung
es Lehrpersonals an den Privatschuen gefordert wurde
o ist nicht zu übersehen, daß durch den Erlaß bindender
orschriften auf diesem Gebiele eine ganze Reihe von
zchulen ohne weiteres in ihrer Existenz bedroht wären.
zierdurch würde aber den Inieressen der Lehrer und Leh⸗
erinnen au Privatschulen sehr wenig gedient sein. Aus
iesen Erwägungen hat auch der preußische Landtag eine
gesetzliche Regelung des privaten Mädchenschulwesens troß
erschiedener Anrequngen noch nicht gefordert.
Koloniales.
X Das Schutztruppengesetz. Der Entwurf zur Aen
derung des Schutztruppengefe bes, der auch Bestimmunger
über die Wehrpflicht und Militärgerichtsbarkeit in den Ko
onien enthält, ist im Reichskolonasant fertiggestellt wor
den. Er wird vermutlich nächstens Gegenstand kommissa
ischer Beratungen zwischen den zuständigen Reichsressort:
werden, so daß Aussicht besteht, daß eine entsprechend
zorlage dem Reichstage in der nächsten Session zugehen
ann. Vorgesehen ist, daß in sämtlichen afrikanischen Ko—
onien das militärische Kontrollwesen und für Südwest
frila speziell auch dze Mehrardnung neu neündert woer
en soll. Für Südwestafrika sind Vorschriften über d
Bildund eines Beurlaubtenstandes, sowohl für Offizier
Zanitätsoffiziere und Militärbeamte ausgearbeitet woir
den. Die Ableistung der Uebungen wird voraussichtlid
»Wwohl in der Sosanie. wie in der Heimot nιι.

.
&

erPatriarch von LisSobonmearale ůαα
griffe auf mehrere Jesuitenklösiter und deren Insassen vor
gekommen. Die neue Regierung Portugals hat die Order
gezwungen, sich aufzulösen, eine ganze Anzahl Ordens
brüder sind verhaftet worden. Mehrete Mönche, die über
Cadiz entflohen, erzählten, daß waͤhrend des Klosterstur
mes auf d'Estrella von der Menge 31 Mönche umgebrach

2
F

Ee—
werden seien. Auch der Patriarch von Lissabon, der
höchste Kirchenfürst Portugals ist von der wütenden Menge
insultiert worden. In dem herrlich gelegenen Schlojfe
del Pena bei Cintra, welches der päpstliche Muntius in
Lissabon gegenwärtig als Wohnsitz inne hat, haben um—
angreiche Haussuchungen stattgefunden, obwohl der Mun—
ius sich unter den Sattz der pänstlichen Iiaagge stellt⸗

Wieder gefunden.
„Wein Name ist
datalie Weenzel, ich din tange Jahre Erzieherin gewesen
nd meine Pflegetochter, Fräulein Eva Herzberg ein liebens
ürdiges und edles Herz ist, es die sich sür Ihr Schichsal
ateressiert und Sie zu mir bringen üeß. Sie bittet Sie,
z sich hier gefallen zu lassen.“
„Ich kenne die Dame nicht,“ sagte Johanna erstaunt.
, Aber ihren Bräutigam, den Assessor Selbig, kennen
ie, entgegnete das Fraͤulein.
Johanna zuckte zusammen, Röte und Blässe wechselten
iuf ihrem Gesicht.
So war es doch wahr?“ rief sie und verbarg ihr Ge⸗
cht in den Gänden, Zes war also kein Traum.
„Es war kein Traum,“ sagte Fräulein Menzel milde,
Assessor Helbig hat Sie gerettet, hat Sie ins Krankenhaus
gebracht — ihm, berdanken Sie alles, mein Kind. F
Johanna saß noch immer mit verhülltem Geficht. Plötz
ich sprang sie hastig auf.
„Ich kann nicht hier bleiben, ich kann von ihm keine
e annehmen — lassen Sie mich gehen!“ rief sie
rregt.
„Wohin?“ sagte Fräulein Menzel ruhig. „Wohin
vollen Sie? Haben Sie vielleicht Verwandte, Freunde hier.
ei denen Sie hieber sünd, als bei mir? Dann werde ich Sie
leinen Augenblick zurüchalten —“
Johanna sank stöhnend auf das Sofa zurück, große
Tränentropfen entroflten ihren Augen.
.„Ich habe niemand. niemand auf Gottes weiter Welt!“
lüsterle sie.
Fräulein Menzel schlank ihren Arm um die behende
hestalt und zog sie fanftan sich.
„Arme uünglückliche Frau,“ sagte sie liebreich, „wenn
em so ist, warum wollen Sie denn Menschen zurückftoßen,
je Sie lieben, die Ihnen ihre Fürsorge entgegentragen,
ie Sie bitten, diese Sorge, diese Liebe anzunehmen? Gotit
pill Sie retten, liebes Kind; nicht eines Menschen Wohltaten
ehmen Sie an, sondern Gottes, der die Menschen, nur zu
lusführern seines Willens moecht, der die Schritte des
ungen Helbig zu Ihnen leitete, um Sie zu retten. Stoßen
Zie die Hände nicht zurück, die sich Ihnen helfend, entgegen⸗
trecken danken Sie dem Alliebenden und schöpfen Sie
ieue Hoffnung fürs Leben — Er, der Sie vom Abgrunde
og, wird Sie auch weiter behüten.“ F
Johannas Tränen flossen reichlicher, ihr ganzer Körper
rbeble im Schluchzen. —
I „O, wenn ich es glauben könnte!“ rief sie schmerzlich.
sch halten Sie mich nicht für ichlecht. Lalten Sie Rich

Ar fur das eiendeste, unglucklichste Geschöpf auf Go
Erdboden, das an allem zweifeln gelernt hat. an allem. an
Bott, an Tugend, an Wahrheit —“
„Armes Kind,“ rief Fräulein Menzel mild und drückte
ie noch fester an sich, „Sie werden wieder glauben lernen;
Bottes Gnade ist groß, er verläßt keinen. Vertrauen Sie
zem, der Sie hierher gebracht hat, und wenn Sie eine
Freundin brauchen, eine Freundin, der das Leben auch
nanche Blüte an ihrem Lebensbaume geknickt hat, dann
ommen Sie an mein Herz. Glauben Sie mir, auch für Sie
vird das Leben noch wieder Reiz gewinnen!“
„Das kann, das wird nie geschehen.“
„Es wird geschehen, hoffen Sie. Doch jetzt brechen wir
ib,“ sagte Fräulein Menzel, „Sie regen sich sonst zu sehr
ruf, Liebe. Suchen Sie zuerst ihren Körper zu stärken und
ann — wenn Sie mir später einmal Ihre Lebensschicksale
zhre Hoffnungen, Ihre Zweifel mitteilen wollen, dann
assen Sie mich versuchen, Ihrem Geiste, Ihrer Seele die
erloren gegangene Kraft wiederzugeben.“
Sie ftiand auf, drückte einen Kuß auf Johannas Surn
und verließ leise das Zimmoer ————
AJ. Fabhite ——

‚artenden Boten übergeben. Eva warf eilig ein daa
Zeilen an Fräulein Menzel aufs Papier, um dieselben alß
Begleitschreiben mitzugeben. Es waren nur wenige Worte:
„Um zwölf Uhr bin ich bei dir und werde bis zwei Uhr
dort bleihen können. Um drei Uhr muß ich zuhause sein, da
Oskar bei uns zu Mittag ißt und ich ihm gerne über unseren
Pflegling Bericht erstatten möchte. Eva.“
Haum hatte der Bote mit Brief und Kiste das Zimmer
berlassen, als heftig an der Glocke der KHorridortüre gezoger
wurde. Gleich darauf trat der Bediente mit der Mesdung
dn r Hommerzienrätin Simon wünsche das Fräuleit
zu sprechen.“ 3.
r. Eva sah überrascht auf — ihre Schwägerin zu diese
frühen Stunde, was bedeutete das?
Ihr Herz pochte ängstlich, wenn nur Oskar nichts be
aegnet warl
Bastig trat sie in den Salon. Die schöne Kommerzien
ratin stand am Fenster, ihre Toilette war untadelhaft. Das
neergrüne Atlaskleid, der gleichfarbige Hut, der das rosig
Antlitz mit dem blonden Haar und den groͤßen kallgrauer
Augen umrahmte, gaben der ganzen Erscheinung etwa
igentümliches. Unwillkürlich dachte man bei dem Anblid
ieser ruhigen unbeweglichen Zůge, dieser schönen schwellen
den Formen, die von dem wogenden Grun des Krepps um
Atlasses umwallt waren, an die Rixen der Balladen, did
kühl bis ans Herz hinan den Slerblichen an sich loden, un
ihn mit sich in die kalte Flut zu ziehen.
Solch ein Gefühl ausstrahlender Kälte überkam Evt
stets, wenn sie mit der Schwesier ihres Bräutigams zu
ammen war. Heute aber waren ihr diese marmorgleichen
Züge ein Trost, denn mit solch einem Antlitz konnte Mari
Simon keine traurige Botschaft bringen. Sie lächelte auch
als sie Eva entgegen ging und in ihr blasses Antlitz schaute
Du bist überrascht, daß ich so früh komme?“ sagn
e freundlich und zog das junge Mädchen zu sich auf das
Sofa. „Du fürchtest, wohl gar, deinem Schatz wäre etwai
passiert?“ Sie strich Ebas müttersich beruhigend die
Wangen.
atbNein. Oskar ist frisch und gefund,“ fuhr sie fork, dar
über beruhige dich. Ich komme aus einem anderen Grunde
her. Du närrisches Ding, was hast du für Geheimnisse
welche verschwiegene Wohliäterin bift du geworden? Eber
als ich zu meiner Modistin fahre, begegne ich deinem Vate;
7 ich frage nach dir. — D bekomnme ich zur üniworß
sie hat mit der alten Menzel wieder ein gutes Werk voꝛr
und ist sehr beschäftigt· Wie hübsche rufe ich, auch im
zrsten Glück als Braut denkt sie ans Wohltuni —Doe
kommt daher, daß ihr Bruder auch dabei ist, antwortete nn
dein Vater. Mein Bruder? frage ich erffauu. IFcer *

Ane ðyrau aus seiner fruheren . ast hier im größten
Elende getroffen und beide, Eva und er haben fie jetzt be
Fräulein Menzel untergebracht. Wie heißt denn dies
frühere Bekanntschaft?' frage ich. »Eine Baronin von Wil
erg, glaube ich war deines Vaters Autvort, Ich staune
derabschiede mich von deinem Vater und fahre hierher.“
„Nun,“ fragte Eva, und was errtegte so dein Er
launen? Vielleicht, daß Sstar sie nicht zu die gebracht?
Marie Simon lachte hell auf.
„Nein, das habe ich nicht erwartet,“ rief sie, „er weihb
vohl, bei mir wãre er schlecht angekommen. Nein, ich ftaunte
aur darüber, daß er dier diese Dame zugeführt, daß er
zerade de ime Wohllätigkeit für sie in Anspruch nimmt.“
„Und aus welchem Grunde erstaunfi du darüber?“
ragte Eba, die bei Mariens halb spoͤttischen. halb ernsten
Worten unruhig zu werden anfing.
„Ganz im Vertrauen will ich dir ekwas mitkeilen,
uhr Marie rasch fort, Oskar hat diese Frau von Wilberg
inst schwarwerisch geliebt. Sie kokettierte aber nur mu
hm und zog den Baron Wilberg ihm vor Jahrelang hai
dokar den Schmerz über diese Täuschung nicht überwinden
—A— Fyrf ist — v von A doaß er an der Treu
osen Erbarmen übt, aber deine Hilfe hätte er d icht
n Anspruch nehmen sollen.“ 1 te ä t dazu nich
Epva war sehr bleich geworden. vw
warum nicht meine Hilfer sagte sie, sich zu fassen
Juchend. „Daß er sie mir zugeführt —DDD———
Vertrauens, welches er mir shenktt —
„Hat er dir mitgeteilt, daß er diese Frau einst gelieb⸗—
hat?“ fragte Marie.
„Bis jetzt noch nicht,“ entgegnete Eva zögernd — „obe
er wird es mir gewiß mitteilen.“
IJedenfalls wird er das, Liebe,“ sagte Marie, „davor
bin ich überzeugt; seine phantaftische Natur verlangt nun
einmal das seltsamste von denen, die er liebt. Aber eben des
halb, weil er so exzentrisch in seinen Anforderungen ist, kan
ich hierher. Laß dich nicht von feinen Edelmutsideen be
tören. Höre den verständigen Rat einer erfahrenen Frau
Gib dieser Wilberg Geld, unterstütze sie, aber entferne si⸗
aus deiner, aus Oskars Nähe.“
„So fürchtest du, sie könnte Oskar guf's neue gefährlid
werden, troßdem er mein Verlobtert ist?“
‚Das nicht, liebe Eval“ sagte Warie rasch und drücktt
beruhigend Evas zitternde Hand. „Nein, ich kenne meinen
Bruder zu genau, als daß ich nicht wüßte, daß er der edelstt
und reinste Mensch ist, und daß allein der Gedanke, daß keint
Gefahr für ihn borhanden, ihn dazu vermocht hat, die einst
„Geliebte dir zuzuführen. Aber Eba, du bist jung, bist noch
An halbes Kind. füblst du dich auch stark genug Zuf eine *

Am andern Tage schon in früher Morgenstunde war
fva in eifriger Tatigkeit. sie hatte soeben einen Brief von
zräulein Menzel erhalten, die ihr Pflegekind bat, ihr einige
zekleidungsgegenstände für die gestern angelangte nn
iche Baronin zu überfenden.
„Wie mir scheint,“ so hatte die alte Dame geschrieben,
geniert fie sich, Dir in ärmlicher Kleidung gegenüber zu
geten. denn sie wurde bald rot, bald blaß, als ich hr Deinen
ßesuch auf heute ankündigte. Schicke mir einige nötig
Käsche, liebes Kind und einen einfachen doch anständigen
Inzug, für unsern Pflegling. Aber sende mir das Be
reffende bevor Du kommsi, ich darf ihr vorläufig den Nomen
er Geberin nicht mitteilen, um sie Richt du sehr zu den
igen. Die Unglückliche besitzt Stolz und man muß den
elben schonen. Sieh nur erft dieses anmutsvolle, schöne
ind so tief gebeugle Geschöpf, dann wird in Dir der
iese geknidte Blume wieder aufzurichten, ebenso sebha
rwachen, wie er bei mir erwacht ist. Doch das a,
nündlich.“ .
Sogleich hatte Eva mit Hilfe ihrer Kammerjungfe
as nötige beforgt. Ein sertiger anftändiger Anzug von
hwarzem Tibet, Wäsche und all' die Kleinigkeiten, die so
nbedeutend erscheinen und doch für eine Damentoilette so
htia sind, wurden in ꝛine tleine Gifte — Und dat
            
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