stummer 235. Mittwoch, den 12. Oktober 1910.
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lie RNr. 14. Wean — * J *
enaueas veh — 7 IJ 8 a — Posischließfach Nr. 14.
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23. Jahrgang.
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Portugal, England und wir.
Schon am Mittwochabend wurde in Berlin bekannt
aß die englische Regierung bereits Anfang Augrst dieses
zahres von dem bevorstehenden Sturz der Monarchie in
zortugal durch zwei hervorragende republikanische Füh—
er, die nach London kamen, in Kenntnis gesetzt und ge—
aissermaßen darauf vorbereitet worden war, daß sich Eng—
and somit in aller Ruhe und Heimlichleit in die ncuen
zeziehungen der Völker (nicht mehr der Monarchien) schon
orher gefsunden hat, und daß man an amtlicher deutscher
ztelle eine Aufklärung erwartet. Was ist aus dieser ein—
achen und klaren Tatsache über Nacht geworden? Man
öre und staune: das Gerücht, die deutsche Regierung
bolle zugunsten der bedrohten oder bereits gestürzten Dy—
astie Braganza in Portugal intervenieren. Mit diesem
zerücht arbeiten sich deutsch-feindliche Blätter in England
ind revolutionäre Salons in Lissabon in die Hände. Und
m Londoner „Daily Telegraph“, so wird soeben herüber
jsedrahtet, findet sich ein Artikel Dr. Dillons, der wäh—
end einer gerade vollendeten Rundreise in Portugal einen
eutschfreundlichen Zug am Hofe von Lissabon bemerkt ha⸗
en will. Im Gespräche mit den dortigen Hofleuten und
diplomaten hat Dr. Dillon erfahren, daß der deutsche
Zaiser ein besonders guter Freund König Manuels ist und
esen für Januar zum Besuche nach Deutschland eingela—
en hatte. König Manuel hätte dort viele Prinzessinnen
gesehen, und dabei hätte sich ja wohl auch das Gerücht
non seiner Verlobung mit einer deutschen Prinzessin be—
vahrheiten können. „Deutschland ist eine machtvolle Na—
ion“, so heißt es dann in dem Artikel weiter, „und Por—⸗
ugal bemüht sich um seine Freundschaft; daher kommt es,
aß der Koönig in seiner letzten Thronrede so warm von
deutschland sprach, und das ist auch die Ursache, weshalb
deutschland in dieser Rede vor England genannt wurde.
Deutscher Michel, merkst du was? Offensive ist die
este Art der Verteidsgung, so denkt man jenseits des
danals. Statt sich zu rechtfertigen wegen der auffallenden
daltblütigkeit, mit der man dem blutigen Umsturz in Por—
ugal zusieht, dreht man einach den Spieß herum und
erdächtigt das Deutsche Reich, daß es seine Hände im
Zpiele habe. Wir haben es nicht nötig (die dveutsche Re—
zsierung wird das wohl in ihrem offiziellen Organ dem—
iächst selber besorgen), zu versichern, daß man deutscher⸗
eits für so dreiste Behauptungen nur ein „verständnis—
olles“ Lächeln hat. Gerade umgekehrt aber erwartet man
mmer noch von England eine Erklärung über sein, sagen
oir ungewöhnliches Benehmen. Denn schließlich ist das
ritische Reich doch eine Monarchie und galt bisher als
ie Schutzhenne der portugiesischen Dynastie. Es ist doch
beraus merkwürdig, um immer wieder einen recht gelin—
en Ausdruck zu gebrauchen, wenn heute die „Times“
hreiben: „Unsere Freundschaft für das portugiesische Voll
ird sich nicht verringen, obwohl eines dieser Bande jetz
usfällt.“ Mit „Bande“ — wir sind unschuldig an der
weideutigleit des deuischen Ausdrucks — ist unter ande,
ent die portugiesische Königsfamilie zu verstehen. Dane
en zählen die „Times“ auf: Alte Bündnisse und die
zröße des englisch-portugiesischen Handels, die „bisher
in herzliches Interesse für portugiesische Angelegenheiten
ei uns wach erhalten haben.“ — Das britische Weltreick
reibt wieder einmal „praktische Politik“. Aber die Zeiten
nd vorbei, in denen es niemandem Rechenschaft schuldic
dar, niemanden von seinen Motiven Mitteilung zu ma
jen brauchte. Es gehört heute im Zusammenleben der
dationen mindestens zum guten Ton, sich bei auffälligem
zenehmen zu entischuldigen oder doch zu erklären, und
war möalichst umaehend D.G.A.
„Besonders schwer haben die Kinder unter dem Alko—
olgift zu leiden. Die Sachverständigen erklären überein
immend, daß für den zarten Organismus der heran
»achsenden Menschen jede Art und jede Menge geistiger
zeträn?e schädlich ist. Die Kinder bleiben in ihrem Wachs
im und in ihrer Entwicklung zurück; ihr Appetit leide
ot; Verdauung und Stoffwechsel werden gestört, und die
inder werden allzuleicht das Opfer von allerhand Krant
eiten, denen sie insolge der geringen Widerftandsfähig
eit ihres geschwächten Körpers oft rasch erliegen. Abe
uch die geistige Entwicklung wird durch den Alkoholge
uß schwer beeinflußt. Der Alkohol schädigt das Gehirt
ind das Nervensystem; die Kinder verdummen, werden
enkfaul und lernunlustig. Die Schüler, die regelmäßig
lUkohol genießen, gehören meist zu den schlechteften, lei
ungsunfähigsten einer Klasse. Ein berühmter Professor
igt: „Tausende von Müttern vergiften in regelrech—
r Weise ihre Lieblinge durch ein Mittel, welches sie
erdummt, schlaff und energielos und unter Umständen zu
örperlichen und geistigen Krüppeln macht.“ Aber auch
zeragen, Gemüt und Willen der Kinder werden durch den
lUkohol in unheilvoller Weise beeinflußt. Sie werden lau
isch, eigensinnig, reizbar, streitsüchtig, unfolgsam; auch
eidet sehr ost ihre Sittlichkeit not. Kinder, die von Ju
send an an den Genuß ge'stiger Getränke gewöhnt sind,
ehen nicht sesten in ihrem späteren Leben dem körper
chen. und sit lichen Untergang entgegen. Allzuhäusig en
igen sie in Retungsanstalten, in Arbeits- und Zucht
äusern.“ — Und der Schularzt schließt mit dem Aufruf:
Htüt?er, wenn ihr eure Kinder lieb habt, schützet sie vor
m Alklohol. auf daß sie, einst glückliche und gesunde Men—
hen, mit Liebe und Dankbarkeit ihrer elterlichen Pflege,
rrer Jugend sich erinnern!“
Kiderlen-Wächter bereits den Tttel vouer Zuständigteit für
sein verantwortungsvolles Ressort erworben. Er dars
nsbesondere insolge der reichen Ersahrungen, die er sie
uuf seinem speziellen Gebiet erworben hat, sich als ein her
orragender Kenner der orientalischen Angelegenheiten be
trachten
Von ganzem Perzen yosse er, das Vand werde ihm Ge
echtigkeit widerfahren lassen und werde seine Gefühle
derstehen. Seine Abreise stelle keineswegs den Alt einen
Abdankung dar.
Gibraltar, 11. Oktt. Der italienische Kreuzer ‚„Re
zina Elena“ ist hier eingetroffen; er wird die Königin.
saria Pia und den Herzog von Oporto an Bord
nehmen, um sie nach Italien zu bringen. König Manue
uind d'e Königin Amelia entschlossen sich nach England zy
gehen
Griechenland.
* Nach einer Meldung soll die Abdankung des Kö
nigs Georg von Griechenland bevorstehen
der König wird demnächst nach Kopenhagen reisen, wo e
Landgüter besitzt, die er zu beziehen beabsichtigt. (2)
* Vei der Präsidentenwahl in der NRationalver
ammlung erhielt der allseitig hochangesehene partei
ose Athener Rechtsanwalt Eßlin bei 334 Abstimmende,
nit 175 Stimmen als Kandidat der Parteien Theotoki—
ind Rallis die absolute Majorität. Für ihn stimmtel
erner 13 zur Partei Zaimis gehörige und 12 Unabhän
ige. Als Kandidat der Partei Veniselos und vieser Un
bhängigen erhielt Abgeordneter Raktiwar 103, als Kan
zidat der Partei Mawromichalis und der Radikalen Ab
eordneter Mopheratos 48 Stimmen. Die Minister en
ielten sich der Abstinmung. Präsident Eßlin betonte be
er Uebernahme seines Amtes, daß er jeder persönliche!
ßartei fernstehe und einen radikalen Systemwechlel, jedoc.
unerhalb der verfassungsmäßigen Grenzen, für nötig halte
daß Eßlin ein Gegner der Umwand'ung der National—
ersammlung zur Konstikuante ist, hat er letzthin mehrfach
rf4rt
24
Hannover und Preußen.
Imn deutsch-hannoverschen Vorein zu Sottrum (Han
nover) hielt kürzlich Landschaftsrat Major a. D. v. Has
sel-Clüversborstel einen Vortrag, in welchem er einen
historischen Ruückblick auf die Vorgänge des Jahres 1866
warf. Er wandte sich darin vom welfisschen Standpunkte
aus vornehmlich gegen die Darstellung, daß das Verhal
ten des Königs von Hannover das kriegerische Vorgehen
Preußens notwendig gemacht habe, und machte darüber
folgende Ausführungen, die m einigen Punkten Neues
hieten:
Der alte Ernst August (der Vater des Königs Geor—
5.) hatte lange Jahre in Berlin residiert und die freund
schastlichsten Beziehungen zu dem preußischen Hofe gepflegt
Seine Gemahlin Friederike war eine Schwester der Kö
nigin Luise, die gleich ihr in Hannover geboren war
Ernst August hat:e den damaligen Prinzen von Preußen
nachmaligen Kaiser Wilhelm 1., auf der Flucht vor der
Revolution im März 1848 in Hannover aufgenommen und
war ihm zu seiner Weiterfahrt nach England behilflich
gewesen. Die Einzelheiten dieser Flucht hat mir die Kö—
nigin Marie persönlich erzählt. Niemand hätte also au
den Gedanlen kommen können, daß Preußen und Hanno
veraner, die unzählige Male Seite an Seite gelämpf
hatten, sich jemals mit den Waffen ˖ in der Hand gegen
überstehen würden. Auch hat der König Georg 5., al—
im Frühjahr 1866 der politische Horizont sich verfinsierte,
nach nichts gestrebt, wie seinem Lande die Neutralität zu
bewahren. Es wurde bis zuletzt keine Rüstungsmaßrege
vorgenonimen. Man kann es daher nur als eine böswil—
lige Verleumdung bezeichnen, wenn man nachher behaup
set hat, der König habe sich durch die von Kaiser Fran;
Josef ihm eröffnete Aussicht auf eine Vergrößerung sei
nes Landes in das österreichische Bündnis hineinzieher
lassen. Ich habe den betreffenden Brief des Kaisers selbj
in Händen gehabt und kann versichern, daß er nichts wei
ter enthielt als die Mahnung, treu am Bundesrecht fest
zu halten. Ja, König Georg ließ noch wenige Tage vo
Ausbruch des Krieges die österreichische Brigade Kalik
deren Unterstützung ihm wiederholt angeboten war, ir
ihre Heimat ziehen, um seine friedlichen Absichten zu do
lumentieren. Er hätte daher eher des Himmels Einstur;
erwartet, wie die Sommation, die ihm der preußische
Gesandte, Prinz Ysenburg, am 15. Juni 1866 vormittagẽ
überreichte. Denn sie forderte nicht Neutralität, sonderr
Wdien aeen Wndwe unter Androhung des Krie
es, fa ni is zum Ende des Tages ein ⸗
Antwort erfolge. ẽ gulagend
Von preußischer Seite ist bekanntlich die Auffassunc
vertreten worden, durch den Frankfurter Bundestagsbe
schluß vom 14. Juni 1866 betr. Mobilisierung des Bun—
desheeres hätten die dafür stimmenden Staaten bereits
die Neutralität gebrochen, während umgekehrt dieser Be—
schluß — welcher der Gegenschlag gegen den preußische
Antrag auf Schließung eines neuen Bundes ohne Oesier
reich war — von Bayhern als auf die Wahrung der be
waffneten Neutralität gerichtet bezeichnet wurde, nachden
auf baycrischen Antrag darin die Hofsnung auf Erhaltuncç
des Friedens ausgesprochen und von der Ernennung eine?
Oberbefehlshabers Abstand genommen worden war.
Aus der Rede des Herrn von Hassel sei noch fol
gende Erzühlung von der Rettung der Geldvorräte der
öniglichen Generalkasse vor der preußischen Beschlagnahm—
wiedergegeben:
Es gelang, die Barbestände der Königlichen Gener
kasse an Gold und Silber, in 79
zirka 19 Millionen Taler in Wertpapieren rechtseitig nach
——
8 wohl, beit dir würde ich ein teilneymenoes Hergz, eine
dilfbereite, mitfühlende Seele finden — aber ich hätte dick
jern mit diesem Blick in das menschliche Elend verschont —
„Das ist nicht recht, Oskar,“ rief Eva erregt — neir
ein, du darfst mich nicht schonen, führe mich, ins Lebe
eige mir die Schattenseiten desselben, die mir bis jetzt ver
orgen blieben, an deiner Hand laß mich meine Pflichten
segen die Menschbeit kennen lernen. Ich habe mich schon
cange danach gesehnt, mict nuzuich zu machen — auer mo.
hat es mir bis jeßt versagt — deine Braut, deine Frau is
frei in ihrem Haͤndeln. Nun sprich, was kann ich tun?
Die Unglückliche in dein Haus aufnehmen, sie pflegen
— —
fuͤhle es wohl, ich bürde dir eine schwere Last auf, aber du
bist die einzige, an die ich mich noch wenden kann, sonsi
muß ich mich entschlietzen, das verlassene Geschöpf Fremden
anzuͤvertrauen. Meine Mutter hätte sie aufgenommen
aber sie ist heute durch einen Brief meines lieben alten
Onkels Werner an das Kranken- und Todeslager seiner
Frau gerufen worden, heute abend noch reist sie nach Gum⸗
binnen ab.“
Wie traurig für deine gute Mutter,“ sagke Eva beil⸗
nehmend, „a sie die Edle, hatte am besten helfen können?
haft du sie noch gesprochen, hat sie dir nicht geraten, was für
die Unglückliche zu tun?“
Sie wies nuch an dich,“ entgegnete Helbig, „auch fie
vertraute deinem edlen Herzen.“
Eva sah eine Weile sinnend vor sich hin.
waurde sofort bereit sein,“ fagte sie dann, „die
arme Frau bei mir aufzunehmen, aber ich bin nicht allein,
mein Bater müßte erst gefragt werden und wenn er auch
einwilligtte, der viele Verkehr, die Unrauhe, unseres Hauses
würde wenig für eine Reconvalescentin passen.“
Da hast du vollkommen recht, Liebe,“ sagte Helbig,
„aber von zwei Uebeln muß man das kleinste wählen, und
ich weiß keinen andern, Rat.“
HNein, nein,“ rief Eva, plötzlich freudig aufblickend,
„nun fällt mir eiwas besseres ein. Du kennst ja meine liebe
alte Goubernanle, die gute Menzel. Durch die Güte meines
Valers ist sie Besitzerin eines kleinen Haufes in Charlottenburg
geworden, sie bewohnt dasselbe allein. Ihre Sanftmut
ihre Bildung, ihr gottesfürchtiger Sinn befähigt fie ganz be⸗
foönders, ein krankes Gemüt wieder aufzurichten.
Aber wird sie eine Fremde aufnehmen? Wird sie ihre
Ruhe durch eine Kranke stören lassen wollen?“ warf Helbid
zweifelnd ein.
Spanien.
eMinisterpräsident Canalejas hatte eine läͤngere Be—
ratung mit dem Minister des Innern über die Lagesir
Katalonien, die eingestandenermaßen der Regierung
mmer ernsiere Besorgnisse einflößt. Anarchistische Elemen
trengen sich an, um den Generalstreik heraufzubeschwẽ
ren. In Sabadel wurde in einigen Fabriken die Arbe
wieder aufgenommen, aber die Gärung unter den Arbe
tern ist heftig. Der bevorstehende Jahrestag der Er—
chießung Ferrers, die Abhaltung des Freidenkerkon
gresses in Barcelona und der Zuzug vieler verdächtiger
Ausländer, das trägt alles zur Unruhe bei.
Brasilien.
* Es steht nunmehr fest, daß der Gouverneur vor
Manana ungesetzlich vorgegangen ist. Die Stadt Ma—
nanag ist durch die Flotte der Vereinigten Staaten vor
Brasilien auf Anordnung der Ulurpaiors bombardier
vorden. Das Fener wurde erst unterbrochen auf die ener
lische Intervention der Konsuln und Notabilitäten. Das
Ztaatsdepartement in Pecanha sandte sofort an die Usor—
patoren den Besehl, seine Waffen dem eigentlichen Gou—
verneur, Oberst Bettencourt zu überlassen.
Marokko.
* Neuerlich soll eine Drusenabteilung von Ab
dul Hamid Bey bei Kefr angegriffen worden sein
Der Kampf soll über vierzig Stunden gedauert haben
leber 2000 Tote und zaähllose Verwundete bevdeckten
angeblich das Schlachtseld.
Oů
Tie Vorgänge in Portugal.
Lissabon, 11. Olt. Nach einem Dekret über di—
kdongregation müssen die Jesuiten Portugal sofor
verlassen. Alle Klöster, Hospizien und andere geistlich
lustalten sollen aufgehoben werden. Die Güter der re
iösen Gemeinschaften werden versiegelt, inventarisiert und
bgeschätzt. Die Güter der Jesuiten sollen für Staats—
gentum erklärt werden; den anderen Ordensgesellschaften
ollen nach Maßgabe in Verhandlungen zwischen Staa
nd Kirchen entsprechende Summen angewiesen werden.
Lissabon, 11. Okt. Ein englischer Kreuze
nnd der amerikanische Kreuzer „Desmdines“ sind hie
ingetroffen.
— Gibraltar, 11. Ott. König Manuel schidte vor
—s Je Landes an den Ministerpräsidenten
igenhandigen Brief, in dem er erklärt, daß er, durd
mistände gezwungen, sich einzuschiffen, seinem Volke zꝛ
en wünsche, daß er sich nichts vorzuwersen habe. Er
Inen ter Portugiese gehandelt und imme—
zabe immer als gu pleihep
ieine Pflicht getan. er würde stets Vortugieiso
»·olitische Rundschau
Deutsches Reich. —E —
* Wle verlautet, soll eine verhältnismäßig große An⸗
ahl Persönlichkeiten aus Anlaß des Universitätsjubiläums
ut dem Titei „Exzellenz“ ausgezeichnet werden. Es wer—
en u. a. Prof. Harnack, Prof. von Schmoller, Prof. Fi⸗
her u. a. genannt. Der Rektor der Universität, Erich
chmidt, wird wahrscheinlich zum Ehrendoktor ernannt. —
er Kaiser hielt bei den Feierlichleiten eine Rede, in
er er die Oeffentlichkeit mit der Frage der Gründung von
»genannten Forschungs-Universitäten überraschte. Die er—
en Anregungen hierzu stammen bereits aus der Zeit
UIthoffs.
*z Der Reichskanzler ist am Montag endaültig nach
zerlin zurückgekehrt.
* Der „Straßburger Post“ entnehmen wir folgende
Jeststellung: Der Entwurf der Reichsregierung betreffend
ie Verfassung in Elsaß-Lothringen befindet sich
ugenblicklich im preußischen Staatsministerium. Derselbe
vird genau durchberaten werden, da der Entwurf dann
AUs Vorlage Preußens an den Bundesrat gehen wird
Nit den Bundesregierungen kann offiziell erst dann ver
andelt werden, wenn der Entwurf die Genehmigung des
Zztaatsministeriums erhalten hat. Daß die Bundesregie
ungen von dem allgemeinen Inhalt des Verfassungs- und
Vahlrechtsentwurses bereits Kennmis haben, ist, da ja
uuch die Oeffentlichkeit über d'ie Grundzüge unterrichtet ist,
elbstverständlich. Amtliche Besprechungen haben aber noch
nicht stattgefunden und werden vor Erledigung der Am
jelegenheit im Staatsministerium auch nicht statt inden.
)aß der Entwurf als Vorlage Preußens dem Bundes—
at unterbreitet wird, entspricht einer seit Bismarck bei al—⸗
en größeren Reichsgesetzentwürsen gehandhabten Regel;
on der Möglichteit, dem Bundesrat Gesetzentwürfe als
zraͤsidialvorlagen zu übergeben, ist nur selten und fast nie
n wichtigeren Fällen Gebrauch gemacht worden.
DODesterreich⸗ Ungarn.
* Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter ist in Berkin
vieder eingetroffen. — Das Wiener „Fremdenblatt“ ver
zffentlicht folgendes Kommunique: „Staatssekretär von Ki—
derlen-Wächter“, der dem Kaiser von früheren Gelegenhei
en belkannt ist, fand beim Kaiser eine auszeichnende Auf
iahme. Trotz der kurzen Zeit seiner Amtstätiakeit hat
— .O
Alkohol und Schulkinder.
Wir kennen keinen Arzt, der dem Alkoholgenuß der
uinder das Wort redet. Selbst die Gegner der Alkohol
ekämpfung sind sich darin einig, daß Kinder unter kei—
en Umstaͤnden Alkohol gereicht werden darf. In einem
zforzheimer Schulbericht, der sich ausführlich mit den
infsuß des Alkoholgenusses auf den Schulbetrieb einer—
eits und den Gesundheitszustand der Kinder andererseits
zefaßt, beißt es hierüber—
——
Wieder gefunden.
FIr ihn worilos vor staunender Ueber⸗
aice in Sie
FyErxzählen Sie.“ rief Sie rasch, ‚„wo und wie fanden Sie
die Wilbera?“
—AVII
Jegegnung mit Johanna.
Nun raten Sie mir, werte Frau schloß er, „wo kann
nan die unglückliche Baronin hinbringen? Hat sie keine
zerwandte, keine Freunde, die sich ihrer annehmen würden?“
„So viel ich weiß,“ entgegnete Frau Henzel, „hat Jo⸗
janna keine Verwandten, der Dr. Koͤrner war ihr einziger
lngehöriger auf Erden. Ihre Herkunft ist, wie Sie auch
pohl wissen, in ein undurchsichtiges Dunkel gehüllt.“
So bleiben uns nur noch ihre Freunde,“ fuhr Helbig
innend fort, „wenn wir sie nicht zu dem elenden Wilberg
urückschicken wollen, was nach meiner Ansicht das letzte
häre.“
Es wird aber doch das einzige sein, was Ihnen übriqg
leibt,“ sagte Frau Henzel achselzuckend — „Freunde hat
ich Schön-Hannchen micht viele erworben. In B. war meine
aura ihre einzige Freundin.“
Helbig sah freudig auf.
„D, ich habe schon daran gedacht,“ rief er, „aawohl, Ihr
zrãäulein Tochter und Schön⸗Hannchen waren Jja stets zu
ammen, und Angler war ja auch mein Freund — sie sind
ins beide so nah —
„Wo denken Sie hinl“ unterbrach ihn Frau Henzel mit
kntsetzen. Sie glauben doch nicht, daß eine ehrbare Frau,
pie meine Laurq, dieses heruntergekommene Geschöpf, diese
Vilberg in ihr Haus aufnehmen wird? Nein, davon kann
jarnicht die Rede sein, dagegen würde ich, selbst wenn sie es
vollte, entschieden protestieren!“ ,.
EFrau Henzels Wangen hatten sich zornig gerötet, Helbig
blickte sie einen Augendlick starr an und ein heftiger Un—
ville trieb ihm das Blut ins Antlitz, rasch stand er auf.
⸗vVerzeihung,“ sagte er bitter, „ich glaubte, Sie, die
Zie das arme Wesen seit ihrer ersten Jugend gekannt, die
n derselben Stadt mit ihr gelebt und jahrelang fie als
dast und Freundin Ihrer Tochter in Ihrem Hause empfan⸗
haben, Sie würden der armen Ihre Hilfe nicht ver⸗
en.“
Ich dieser Johanna helfen, dieser Kokette, die ich nie
eiden konnte?
Die eben jetzt so unglücklich, so beiammernswert ist!
doch lafsjen wir dos, Frau Senzel.“ sette er rasch Anzu, als
wärre. ÿ weitere wort unnutz, das er an viele Frau bea,
—— „Ich werde mir anders Rat schaffen.“
Er machte eine Verbeugung und wollte gehen.
Ich werde Sie doch wiederfehen?“ rief Frau Henzel,
iber seinen plötzlichen Aufbruch erschreckt, indem sie ihm
ersöhnlich die Sand reichte. Nicht wahr— diese kleine
Neinungseverschiedenheit vermag doch unsere Freundschaft
zicht zu erschüttern?“ F
Sie laͤchelte ihm mit ihrem süßesten Lächeln zu, er
ahm aber ihre Hand nur kühl in die seine und verließ
ann hastig das Zimmer.
Raͤsch eilte er die Treppe hinab, ihm war, als wenn
ie Luft in diesem Hause ihn ersticken sollt.
Gerzgloses Weib,“ murmelte er, „wie konnte ich auch in
einer leeren, eitlen Seele Erbarmen, Ritgefühl erwarten?
du dünkst dich so hoch, so erhaben über die arme Johanna,
ind stehst doch so tief, lief unter dieser Kolettel e
— —— —— ——— 8
u — — 1 4 *
17. Kapite
Die Nachmillagssonne brannte heiß auf den Fenstern,
Welterrouleaur waren tief heruntergelassen und blaue
amast⸗Gardinen dämpften noch mehr das Sonnenlicht,
elches in das reich ausgestattete Arbeitszimmer Eva Gerzergs
fiel.
Die junge Dame saß an einem Flügel und spielte eine
auschende Variation, von Chopin — aber sie war qugen⸗
heinlich nicht recht bei der Sache, denn ihre sonst so ge⸗
hhickten Finger griffen ab und zu unsicher, sie stockte und
ndlich sprang sie ungeduldig auf und machte den Flügel
u. Haflig ging sie ans Fenster, schlug die Gardine zurück
ind schhaute hinab auf die Straße — dann warf sie sich mit
inwilligem Kopfschütteln auf das Sofa und griff nach einem
zuche. Seit gestern abend hatte sie ihren Bräutigam nicht
vieder gesehen; Unruhe und Sehnsucht füllten ihr Herz, wo
veilte er? Was war geschehen, daß er, der sonst so sicher
ein Wort zu halten pflegte, ihr den versprochenen Vor⸗
nittagsbesuch nicht gemacht? Endlich, nach langem, bangem
harren ertönten Schritte im Nebenzimmer. Eva sprang
uf, sie preßte ihre Hand auf das klopfende Herz — er war
8. Mit einem Freudenschrei flog sie an seinen Hals:
„Oskar, du Teurer, Geliebter!)
Er drückte sie an sich und, preßte einen Kuß auf ihre
unpr sie sah ihm selig inz Auge — aber plötzlich beugte
ie Jein Haupt besorgt zu sich hernieder.
„Du bist blaß,“ rief sie, „ist etwas vorgefallen?“
Er fuhr mit der Sand über die Stirn uUnd aoa ohne au
j
intworten das Junge Wadchen zu sich aufs Sofa. Sein Arm
woquana sie, er drückte ihr jugendliches Haupt an leine
rust.
„Eva,“ sagte er ernst, „ich habe heute am ersten Tage
neines Brautstandes Wunderbares, Erschütterndes erlebt.
doch höre. Schon in früher Morgenstunde trieb mich das
anun meines Glückes in Gottes freie Natur. Ich
sing nach dem Tiergarten und kam dort an einen der ent⸗
egenen Orie desselben gerade zur rechten Zeit, um ein
Nenschenleben zu retten.“
Eoa sah ihm, gespannt ins Auge.
Er ffuhr mit leiser, fast tonloser Stimme fort:
— „Ein armes unglückliches Weib stand mit verzweif⸗
ungsvoller Geberde über das Geländer gebeugt, als zöge
der lockende Wafferspiegel sie unwiderstehlich in die Tiefe.
bon sonderbarer Angst ergriffen, faßte ich ihren Arm, sie
vandte sich um — und ich sah in ein mir bekanntes Antlitz.“
„Entsetzlichl“ rief, Eva und sah mit anastvoller Span⸗
ung zu ihrem Bräutigam auf.
„Und wer war sie?“
DZu kennsi sie nicht,“ beruhigte sie Selbig, indem er
ärtlich und traurig zugleich in ihre von innerster Erregung
ind Uefflem Milleid leuchtenden Augen blickte, „sie ist eine
Dame von Stand, die ich vor wenig Jahren, noch bevor sie
ich verheiralete, im vollsten Glanze jugendlicher Schönheit
ind vollendeten Liebreizes gesehen.“
Das muß herzerschütternd für dich gewesen sein!“
jef Eba und drückte sich näher an den Geliebten. doch er
ähle weiler, was tatest, du mit der Unglücklichen?“
„Ein heftiges Fieber schüttelte ihre Glieder,“ fuhr
Zelbig fort, „ich brachte sie in das nächste Krankenhaus.
dort ist sie jetzt, aber ihres Bleibens im Krankenhause wird
nicht lange fein der Arzt erklärte mir, daß das Fieber ball
ʒeseitigt sein würde, bedeutete mir aber zugleich, daß ich
ür ein Unlerkommen und für eine sorgfame körperliche
zflege zu sorgen habe, wenn an eine dauernde Herstellung
hrer Gesundheit überhaupt gedacht werden kann.“
Hat sie Verwandte in Berlin?“ fragte Eva weiter.
Siie steht allein,“ entgegnete Helbig traurig, „sie isl
ãnzlich fremd in Berlin; ich lernie sie in jener kleinen
Stadt B. kennen, von der ich dir wohl schon erzählt.“
„und wie heißt sie?“ .
Sie ist eine Baronin von Wilberg. Wie ich heute
zehört, ist ihr Mann wegen unehrenhafter Handlungen zu
iner ehrenrührigen Strafe verurteilt worden.“
Arme Frau,.“ rief Eva teilnehmend, „Was gedenkst
hu zů tun Oekar? Verfanalt du meine Hilfe? Sie ist be—
reit, verfüne über mich“
Du autes Kinde rief Selbia gerührt. „a ich wußt⸗