Full text : Dudweiler Zeitung

Lokales und Vermischtes.
Vorträge. Auch in diesem Vierteljahr werden im hie—
igen evangel. Waisenheim wieder wissenschaftliche Vorträge
yon allgemein interessierendem Inhalt gehalten werden, deren
zrtrag dem Waisenheim zugute kommi. Wie aus dem
Anzeigenteil ersichtlich ist, wird der erste dieser Vorträge
chon am Montag den 10. Oktober abends 8 Uhr darge—
voten und zwar von Herrn Pfarrer Rosenberg aus Kempen
n Posen. Er wird in sachkundigster Weise uͤber „Ostmär—
ische Siedlungsarbeit? reden. Möchte schon dieser erste
zortrag eine zahlreiche Zuhörerschaft finden. Er verbreitet
ich über eine im Westen noch viel zu wenig bekannte, für
nser Vaterland überaus wichtige Bestrebung und Betätig—
ig. — Die Eintrittspreise für diesen Vortrag und für die
nachfolgenden sind dieselben wie auch in früheren Jahren.
Unser Waisenheim hat jetzt 20 Kinder zu unterhalten und
u ziehen, die bis auf 3 sämtlich unserer Zivilgemeinde
ingehören. T.
Knappschaftliches. Vom Saarbrücker Knappschafts⸗
erein wurde im Monat August an Krankengeld an die Mit—
steder des Steinkohlenbergwerks gezahlt:
Kronprinz.. ... 3424,12 Mk.
Herhardt... 3416,62 F
Lon der Heydte. 697,76
Dudweiler. .. 928,66
5ulzbach ... 316,64
steden... 311198,87
»einißz.... 122,27
dönig.... 3971,89
Friedrichsthal. 394, 20
Böttelborn .. 2191,07
Lamphausen .. 1311,90
Fürstenhausen . 974,87
Faktorei, Hasen p.p.. 373,46
traft⸗ und Wasserwerken. 100,30
Zusammen: 63 271 Mk.

Eingesandt. Von den Arbeiterausschußmitgliedern der
doniglichen Saargruben wurde folgende Eingabe an den
Minister sür Handel und Gewerbe auf dem Dienstwege
ingereicht:
Saarrevier, im September 1910.
Ew. Exzellenz!:
Die ergebenst Unterzeichneten gestalten sich dem obersten
-hef der staatlichen Vergwerksverwaltung vertrauensvoll
zjachstehendes zu unterbreiten;
Auf den staatlichen Gruben des Saarreviers sind
eit etwa Jahresfrist in größerem Umfange die Löhne her—
mtergegangen. Im laufenden Etatsjahre haben die Lohn⸗
eduzierungen größere Fortschritte gemacht. Auf mehreren
zruben des Saarreviers sind vielfach Hauerlöhne unter
„60 Mark ausgezahlt worden, oft solche von 4350 bis 4
Nark, ja sogar nicht selten unter 4 Mark. Dazu kommt
och die Einlegung mehrerer Feierschichten im Monat. Im
öchsten ——— in den letzten Monaten 23 Schichten
erfahren worden. Hierdurch wird der Monaisverdienst
oeiterhin sehr heruntergedrückt. Wenn ein Hauer, um nicht
ie ganz geringen Verdienste herauszugreifen, mit 4330 M.
ro Schicht entlohnt wird, beträgt daher bei der Höchstzahl
on 283 Schichten der Lohn im Monat 98,90 Mark. die⸗
er Bruttolohn gelangt aber nicht zur Auszahlnng, da von
emselben noch die Beträge für die Knappschaftskasse, für
zeleuchte, Lampenunterhaltung, Gezähekosten usw. abgezogen
derden. Durchschnittlich betragen diefe Abzüge etwa 10
Nark pro Monat, oft noch mehr. Es bleibt so ein Rein⸗
ohn von zirka 88290 Mark. Für Miele bezw. Zinsen
ind Amortifation hat der verheiratete Saarbergmann
urchschnittlich 13 18 Mark monatlich zu zahlen. Hat er
ine größere Familie und wohnt in einem Bel⸗ mit hohen
Vohnungs preisen, oder ist sein Häuschen hoch verschuldet,
ie dies sehr häufig der Fall ist, dann sind die Ausgaben
ür Wohnung noch höher. Für die im sogenannten Hin⸗
erland wohnenden Arbeiter kommen noch mehrere Mark
luslagen monatlich für Eisenbahnsahrten hinzu. Es bleibl
nithin für den gesamten Lebensunterhalt der Familie nur
ie Summe von kaum 70 Mark. im Monat übrig Hiervon
ollen die Ausgaben für Lebensmittel, Kleidung und was
onst noch unentbehrlich ist, bestritten werden. Dieses ist
nter den heutigen Verhältnissen, bei den teuren Lebens⸗
nittelpreisen im Saarrevier unmöglich, namentlich wenn,
vie solches im Saarrevier ost zutrifft, eine große Anzahi
von Kindern vorhanden ist.
Die natürliche Folge dieser unzureichenden Entlohnung
it, daß Bergmannsfamilien mit größerer Kinderzahl bei
er größten Sparsamkeit nicht mehr auskommen“ können
nd sie infolgedessen den Kredit der Geschäftsleute, soweil
r ihnen offensteht, ungebührlich hoch in Anspruch nehmen,
der Hunger leiden muͤssen. Es ist eben rein uͤnmöglich,
aß eine Familie von 8 bis 7 Köpfen oder noch mehr mii
inem Betrag von 2,40 Mark pro Tag, oft noch weniger,
uch nur notdürftig leben kann. Dieses wird auch die
königliche Bergwerksverwaltung einsehen. Aus der schlechten
entlohnung entstehen auch allerlei Schäden für die all—
semeine Volkswohlfahrt. Vie Kaufkraft des Arbeiters sinkt,
ie Ernährung wird bedeutlend schlechter, namentlich bei
inderreichen Familien, und führt schließlich zur größten
interernährung, weil auch die Geschaͤftsleute nicht in der
age sind, größeren Kredit zu gewähren. Dies geht aus
nehrenden Klagen und Anträgen auf Lohnbeschlagnahme
eutlich hervor, so daß schon einzelne Grubenverwaltungen
urch Anschlag denjenigen Arbeitern mit Kündignng drohten,
ie wiederholt gepfündet werden. Der Arbeiterschaft bleibt
aher vielfach nichts anderes übrig, als zu darben. Dadurch
eigt einerseits die Krankheilsziffer, anderseits leidet da—
unter auch die Wehrfähigkeit des Volkes. Beides dürfte,
»enn auch nicht sofort, so doch später bestimmt zum Aus⸗
ruck kommen. Dann liegt es unseres Erachtens auch im
lationalen Interesse, daß eine mit den Verhältnissen zu⸗
mieden sein könnende Arbeiterschaft vorhanden ist. Mit den
eutigen Verhältnissen kann aber die Saarbergarbeiterschaft
amöglich zufrieden sein. Der Lohn der Saarbergleute war
den letzten Jahren bedeutend niedriger wie 3. B. im
uhrrevier, wo ungefähr diefelben Lebensverhältuisse wie
ier bestehen. Noch in dem wirischafluͤch schlechten Jahre
309 betrug die Differenz 114 Mark zu ungunsten der
aarbergleule. Während im Ruhrrevier der Duͤrchschnitts⸗
ohn sämtlicher Bergarbeiter im 2. Quartal dieses Jahres
m 13 Mark stieg, ist derselbe hier um 2 Mark Wwaiter
efallen. Zu unserm größten Bedauern lesen wir nun in
en letzten Tagen in der Tagespresse noch, daß Ew. Ex—⸗
ellenz einigen Inspektionen, die wenig Ueberschüsse erzielt
aben, wegen zu hoher Löhne Vorhallungen gemacht hätte
ind der Koͤniglichen Vergwecksdirektion ertärt haben sollen,
aß es zurzeit selbstverständlich nicht angängig sei, mit
ohnerhöhungen vorzugehen. So sehr wir auch wünschen,
aß die fiskalischen Gruben dem Staat einen angemessenen
ʒewinn abwerfen, so glauben wir doch auch mit Recht
arum ersuchen zu können, daß der Saarbergarbeiterschaft
enigstens foviel an Lohn gezahlt wird, daß sie einiger⸗
naßen anständig leben kann. Wir können und mollen nicht
lauben, daß Ew. Exzellenz die Folgen der nicht zu ver⸗
unenden gegenwärtigen schwierigen Lage, womit die
rubon des Saarrepiens zu kämofen hahen auf die Saar⸗

ergarbeiter abzuwälzen gedenkt, sondern hoffen zuversichtlich
naß Sie den Bedürfnissen derselben vollstes Interesse ent—
egebringen. Kein rechtdenkender Mann in Preußen wird
vünschen können, daß staatliche Arbeiter bei schwerer Ar—
eit und großer Gefahr so schlecht bezahlt werden, daß sie
nit ihren Familien in Not und Elend geraten müssen
Wir sind vielmehr überzeuat, daß man auch dem Saar—
hergmann einen angemessenen Lohn vergönnt, selbst wenn
ie etatsmäßig vorgesehenen Ueberschüsse dängst nicht erreicht
verden.
Die ergebenst unterzeichneten Arbeiterausschußmitglieder,
»eren Pflicht es ist, fuͤr ein gutes Einvernehmen zwischen
»en Grubenverwaltungen und der Arbeiterschaft bestrebt zu
ein, wenden sich daher vertrauensvoll an Ew. Erzellenz.
zie hegen die Zuversicht, daß Sie als oberster Chef der
aatlichen Gruben einer weileren Lohnkürzung ein Ziel
ebzen, daß sie im Gegenteil die Löhne im Saarrevier auf
ene Höhe bringen, die es der pflichtbewußten Berg⸗
irbeiterschaft an der Saar ermögliche, ohne schwere Sor—
sen sich und ihre Familie von dem Verdieust ihrer an—
treugenden und gefahrvollen Arbeit entsprechend ernähren
u können. Gleichzeitig bitten wir auch, das jetzt befolgte
„ystem der Einlegung von Feierschichten nach Möglichkeit
u beseitigen.
Es zeichnen Ew. Exzellenj ergebenste
Arbeiterausschußmitglieder.
Die Folgen des Petroleumkrieges. Die Ankündig⸗
ng einer Preisermäßignng von seiten der Standard Sil
'o. hat gewoltiges Aufsehen hervorgerufen. Zwar hat
nan etwas ähnliches erwartet. Aber dan plötzliche Ein—
ceten der Tatsache hat auf der Börse doch mancherlei
hwerwiegende Folgen gehabt. Die Kurse der Papiere
ahlreicher mit der Standart Oil Co. in Verbindung ste⸗
ender Transyortgesellschaften gerieten ins Schwanken. In
nterrichteten Kreifen versichert man, das Vorgehen Rocke⸗
llers sei vor allem gegen die russischen Petroleumgesell⸗
haften gerichtet, die seine mächtigsten Konkurrenten sind.
doch hält man den Schritt für verfehlt. Gewiß wird ge—
enwärtig der niedrige Preis das Absatzgebiet des ameri—⸗
anischen Trustes etwas erweitern. Viel bedeutsamer isi
ber, daß durch die Billigkeit des Steinöls für dieses ganz
ieue Verwendungen gesunden werden können. Und hier⸗
on werden auch die gegnerischen Gesellschaften ihren Nutzen
yaben. Der Preisunterschied wird nicht lange bestehen.
denn der scharfe Konkurrenzkampf muß ganz naturgemäß
ine Regulierung bringen. Da dieses nicht zu Ungunsten
der Gesellschaft geschieht, dafür sorgt schon Rockefeller selbst.
150 Martk für eine leere Flasche! Als eine War.
aung für Flaschenbierhändler kann der am Dienstag an
der Mannheimer Strafkammer verhandelte Fall dienen. Der
Verein der Flaschenbierhändler, welche vor einiger Zei
ine Austauschstelle für fremde Bierflaschen gegründet hat
velche auch Nichtmitglieder gegen eine mäßige Gebühr be
rützen können, beaustragte ein Detektivburean mit der Fahn
ung gegen mißbräuchliche Benutzung der Flaschen, und seine
ormiltelungen fuͤhrten ein ganz überraschendes Ergebnis zu
age. Unter 100 Vierflaschen waren 10 fremde heschütt
ind noch mehr ungeschützte fremde Flaschen. Auf die An—
eige des Vereins der Flaschenbierhändler wurde Anklage
egen die „Freibeuter“, neun Flaschenbierhändler, wegen
zergehends gegen das Markenschutzgesetz erhoben und diese
u Geldstrafen von je 160 Mark verurteilt, außerdem wurde
nuf Urteilspublikationsbefugnis erkannt, Die verlangte Buße
vurde den Nebenklägern nicht zugesprochen.
Saarbrücken, 7. Okt. In ver heutigen Sitzung des
„chwurgerichts wurde folgendes verhandelt: Der 1883 zu
zoscante in Italien geborene Verkäufer Luigi Vitali, zu—
etzt in Neunkirchen, Reg ⸗Bez. Trier, bei dem dortigen
dändler August Piva, steht uüter der Anklage, am 22.
juni 1910 den Händler Piva vorsätzuich zu töten versucht
u haben, und zwar mittels einer Waffe. Er seuerte 8
evolverschüsse auf Piva ab. Als Dolmetscher fungierte
err Hotelier Silvio Menghini. Nachdem Vitali von
»iva aus dessen Geschäft entlassen worden war, promed⸗
ierte er bfters in der Nähe desselben. Am 22. wurde
zitali Zeuge eines Gespräches zwischen Piva und dem
ändler Lenzoni aus Saarbrücken. Es war an der Ver—
zufsbude des Piva zu Neunkirchen am unteren Markt in
er Nähe der Königsstraße. Vidali hörte da vieles, das
iicht gerade schmeichelhaft für ihn klang, die Wut pakte
jn und er beleidigte Piva mit einer Reihe von Schimpf
vorten. Piva hatte u. a. gesagt, er werde „Masse“, das
»ill sagen, „Gehacktes“ aus Vitali machen. Auch des
diebstahls hatte Piva den Vitali bezichtigt. Die Ehefrar
kiva, die auch von Vitali schwer an ihrer Ehre angegriffer
vurde, machte Versuche, den Piva aus der Nähe zu schaffen
ꝛeider gelang ihr das nicht. Piva warf den Gewichtsteir
iuf Vitali und versetzte ihm einen Schlag ins Genick
bitali trat einige Schritte zurück, zog mit der rechter
»and den Revolver, den er sich erst feit kurzer Zeit ver—
chafft hatte, aus der linken inneren Brusttasche seines
Rockes und feuerte bei der nächsten Annäherung Pivas
einen Schuß auf letzteren. Piva packte den linken Arn
des Vitali und drückte ihn nieder, daß V. in eine knieende
Ztellung geriet, in der er noch zwei Schüsse auf Piva
ibgab. Piva, schwer verleht, stürzte zu Boden, und der
Angeklagte Vitali flüchtete bis zur Kirche, von sämtlichen
Zeugen der Bluttat verfolgt. Bei der Kirche richtete Vitali
den Revolver auf seine Verfolger mit den Wocten: Ich
chieße!“ Durch das Einschreiten des Polizeisergeanter
Blaser wurde weiteres Unheil verhütet. Ver Beamt
agte unmittelbar nahe bei Vitali den Namen „Piva“.
Bitali erschrar, Glaser nahm ihm den Revolver ab und
nahm den Vitali fest. — Der linke Arm des Piva war
ouchstäblich zerschmettert. Nach dem ärztlichen Gutachten
des Sachverständigen Hrn. Dr. Hermann Gustav Engelker
zu Neunkirchen ift bis heute noch der Nerv des Armes
insbesondere der linken Hand, schwer behindert. Eine Ku—
el drang durch den Unterleib bis zur Wirbelsäule und die
ritte mußte uͤnter dem Brustbein hervorgeholt werden.
Der Angeklagte stellte die Tötungsabsicht entschieden in
Abrede. Das Verhälnis zwischen Piva und Vitale wurde
iach dem 30. Mai, an welchein Viali von Piva aus dessen
veschäft entlassen worden war, immer gespannter. Vitali
vill, als er schoß, nicht Herr uͤber diefe Hand gewesen sein,
veil ein anderer dieselbe gepackt gehabt hätte. Er selbst
ei in Angst gewesen und hätte nur Schreckschüsse abgeber
vollen. Der Vorfall, wie er hier mitgeteilt wird, wurd
on den Augenzeugen Kaufmannslehrling Albert Lauer
Dienstmagd Hermann, Hans Ludwig und dem Hüttenar
deiter Christian Ebelshäuser, bis auf kleine Abweichungen.
in gleicher Weise bekundet. — Seitens der Geschworenen
vird die erste auf Tötungsversuch lautende Schuldfrage
verneint, die Frage auf Körperverletzung sowie diejenige
auf mildernde Umstände bejaht. Der Staatsanwalt bean—
tragte gemäß 8 2234 drei Jahre Gefängnis sowie auf Ein—
iehung des Revolvers.˖ Das Urteil des Gerichtshofeẽ
exgeht wegen gefährlicher Körperverletzung auf Gefängnis—
trafe von zwei Jahren und auf Einziehung des Revolvers.
Völklingen, 7. Okt. Die Röchlingschen Eisen⸗- und
53tahlwerke erhielten auf der Brüsseler Wettausstellung den
sßroßen Preis in Gruppe 11, Klasse 64.
Wehrden, 7. Okt. Einem Arbeiter von hier ist ein
ohr undgngenehmes Mißgeschick vassiert: nachdem er am

Lohntage aus der Lohndüte den Inhalt entnommen hatte
zerriß er die Düte in Stücke. Zu seinem Schreck mußte er
aun bemerken, daß er einen Zehnmarkschein total zerrisser
Jatte. Bei der nächsten Gelegenheit wird der Geschädigt
orsichtiger sein.
Merchweiler, 7. Okt. Einer der zur Kirmes am Sonn⸗
'ag hier weilenden Budenbesitzer machte schlimme Erfah—
ungen. Zwei Kinder erreichten eine Flasche, worin sich
Salzsäure befand, und tranken daraus. “ Das seine spucktt
die Flüssigkeit wieder aus, während das andere bis abend⸗
in den schrecklichsten Schmerzen lag und dann starb.
Forbach, 7. Okt Die erste Vame hat hier vor der
dandwerkskammer in Metz die Photographengesellenprüfungç
ibgelegt. Nach vollendeterLehrzeit unterzog fie sich derselben
Sie übernimmt das väterliche Geschäft, das lange Jahre
gier schon besteht.
St. Ingbert, 6. Ott. Aus Angst vor der Niederkunft
hat sich heute morgen die Frau des Tagners Eifler ertränkt.
Saarwellingen, 7. Okl. Aus Rache hat ein von sei⸗
iem Arbeitgeber entlassener Putzarbeiter drei ganz neue
Flaschenzugseile durchgeschnitten. Durch einen Zuͤfall wurde
S zeitig gemerkt, fo daß ein Unglück vermieden wurde.
Der Mann ist bereits festgenomnen.
Von der Nahe, 7. Okt. In völlig verhungertem Zu⸗
tande und bis zuin Gerippe abgemagert wurde der Inva⸗
ide Kohler von Fischbach durch einen Feldhüter in eincm
Versteck aufgefunden. Er hatte sich vor einiger Zeit aus
inbekannten Gründen entfernt. Der Kranke, der zwei
dolzbeine hat, kam ins Krankenhaus.
Saarlied. Das von der Presse sehr günstig desprochene
ind vom Publikum so begeistert aufgenommene Saarlied
t auch jetzt in einer billigen Ausgabe für Männer⸗-Chon
rschienen (die Stimme 10 Pfg.) und vom Verfasser Rob
raugs in Saarbrücken 1 zu beziehen.

Neueste Nachrichten und Telegramme.
Berlin, 10. Okt. Wie die Morgenblätter melden, er—
regen neue Goldfunde in der Eifel großes Aufsehen. In
der Nähe der Ortschaft Iweldingen wurden an 4 Steller
Funde gemacht. — An der sächsisch-böhmischen Grenz—
vurde ein großer Juwelenschmuggel aufgedeckt. Ein Prage—
Juwelier schmuggelte von Berlin Goldwaren von bedeuten
»em Wert und versetzte sie in einer Pfandleiheanstalt. Di
Behörde verhängte über den Juwelier eine Geldstrafe vor
31 000 Kronen und ordnete seine Verhaftung an.
Berlin, 8. Okt. In dem Genossenschaftshause Wat
traße 13 ist gestern durch eine Gasvergiftung die Frar
Werkmeistrr Nehl mit ihren beiden Kindern im Alter vor
3 Jahren und 7 Wochen ums Leben gekommen. Es lieg
weifellos ein Unglücksfall vor.
Trier, 9. Okt Der Referendar Ludwig, der von den
iesigen Schwurgericht wegen Betrugs, Urkundenfälschunç
ind Beseitigung von Akten und Sparkassenbüchern stand,
st nach längerer Verhandlung durch Gerichtsbeschluß der
Irrenabteilung des Gefängnisses Moabit bei Berlin behufe
Zeobachtung seines Geisteszustandes überwiesen worden.
Trier, 8. Okt. In Gegenwart der Spitzen der Mili—
är⸗ und Zivilbehörden hielt heute hier der Regierungsbe—
irks-Kriegerverband Trier in Gemeinschaft mit einer Ab
»rdnung von Vertretern des Souvenir Francais die vier
igjährige Gedächtnisfeier sür die 1870/71 in Trier begra
»enen deutschen und französischen Soldaten ab. Im Don
var vorher ein feierliches Hochamt. An den vier Denk
nälern des Friedhofs hielt Steuerinspektor Schmitz die Ge—
Ȋchtnisreden. Die Vertreter des Souvenir Francais legter
in den Denkmälern der französischen und deutschen Kriegen
nit ihren deutschen Kameraden Kränze nieder. Vierzi
Fahnen waren vertreten.
Breslau, Okt. Heute früh ist der 26jährige Bauge
verksschüler Rudolf Schmidt aus Biberteich (Regieruugsbe
lirk Frankfurt a. d. Oder), der mit einer Briefträgersfrai
unerlaubte Beziehungen unterhielt und den Vriefträger in
der Nacht zum 1. Oktober ermordete, von der Kriminal—-polizei
 verhaftet worden.
Leipzig, 10. Okt. Der freikonservative Reichstagsab—
zeordnete Heinrich Friedrich Dürr hat sich in einem Anfall
»on Geistesgestörtheit erschossen. Er stand im Alter von
44 Jahren.
Pest, 8. Okt. Die Polizei hatte gegen eine hiesige
Apotheke eine Untersuchung eingeleitet, weil gestern zwe'
Zersonen nach dem Genuß eines dort gekauften Medizinal
veins gestorben sind. Die Untersuchung ergab das Vor—
handensein von mehreren hundert Flaschen solchen Weines
der größere Mengen Sirychnin enthielt.
Wien, 8. Okt. Wie dem „Reuen Wiener Tageblatt“
aus Belgrad gemeldet wird, sind gestern, am Jahrestaç
der Annexion von Bosnien und der Herzegowinga die Zei
tungen mit Trauerand erschienen und haben heftige Artik—
gegen Oesterreich-Ungarn gebracht
Chamonix, 8. Okt. Bei der Besteigung des Mon
olanc starb der englische Professor Pogson infsolge Ueber—
müdung. Der Leichnam wurde von den Führern zi
Tal gebracht.
Paris, 8. Okt. In der Nähe des Bahnhofs von Bour
nes zermalmte ein Schnellzug zwei Kinder, die auf dem
Bleise spielten, sowie deren Eltern, die ihnen zu Hilfe ge
eilt waren.
Paris, 10. Okt. New NYork Herald meldet aus Ma—
drid die Minister hielten gestern einen Ministerrat ab und be—
Ichen sich mit der Frage der Einberusung der Reser—
aisten.
Paris, 10. Okt. Bei einem Reubau erfolgte ein Eiu—
turz. Zwanzig Arbeiter wurden unter den Trümmern be—
zraben. Bis gestern abend 11 Uhr wurden sechs Schwer
erletzte geborgen.
Paris, 10. Okt. Bei der Ankunft eines Transporte⸗
»on Afrika kommender Soldaten der Strafbataillone ent
vichen zehn Sträflinge, von denen nur zwei wieder einge—
angen werden konnten.
Lissabon, 10. Okt. Die Gefechte zwischen Jesuiten und
»en Anhängern der Republik dauern an, obwohl die Re—
ierung jedes weitere Blutvergießen verhindern will. Das
zloster von Eshella, von dem aus die Jesuiten Bomber
zeioorfen hatten, wurde nach mehrstündigem Gefecht einge—
iommen. Die Brüder entkamen indes durch einen unter—
rdischen Gang, der mit andern Klösterr in Verbindun
teht. Dort setzten sie den Widerstand fort. Von den
Aoster Merres ans warfen Jesuiten mehrere Dynamitbom—
»en auf die vorüberziehenden Truppen. Gestern wurden
twa 50 Jesuiten gefangen genommen, die in verschiedenen
Lerkleidungen herumzogen. Sie wurden in einem Zuge
zefesselt durch die Straßen geführt. 200 Nonnen, die sich
gleichfalls der neuen Staatsgewalt widersekt hatten, wur—⸗
den gefangen genommen.
Funchal (Madeira), 10. Okt. Nach heftigem Straßen⸗
ampfo marrde hier dio Momimblifk rnflainiert

— —
A⏑—

Sofia, 8. Okt. Die vulgarische Regierung beschlof
tine Gesandtschaft in Brussel zu errichten.
Bukarefst, 8. Okt. v. Kiderlen⸗Wä ch teir früb
tückte beim Ministerpraäsidensen. Heute Samstag reist
nach Wien ab.
New-York, 8. Ott. In Boston, der Haupistadt vo
Massachusells, ereigneen sich wüste Praͤgellzenen zwischer
den Mitgliedern des demotratischen Staatskonvents.
San Frauzisko, 8. Okt. Man glaubt einem An
Ischlag gegen den Prinzen Tfaihsun durch di
irfolgte Verhaftung mehrerer bis zu den Zähnen bewaff
necer Chinesen auf dem Paketdanpser „Chy“ vorgebeug
zu haben, auf dem sich der Prinz und sein Gefolge nac
hrna eingeschifft hat.

Aν àäA ôOO SX

Hof Schwege. In der Nähe von Oznabrück ist ein
recht inte essante Beispielswirtschaͤft für erfolgreiche Heide—
kultur. Diese Wirtschaft können fich auch sokche Landwirt
zum Vorbild nehmen, die in der glücklichen Lage sind.
bessere Böden zu bebauen. — Das, was jeder Landwir—
vom Hof Schwege lernen kann, ist, daß man sich nich—
den Ratschlägen und Erfahrungen der modernen Landwiri—
schaftswissenschaft verschließen soll, daß man aber auel
nicht blindlings alles nachzumachen brancht, was an anden
Stellen von Nutzen gewesen ist. — Probieren geht über
Studieren. Nur durch fortgesetzte Versuche ist in Schwegt
ermittelt worden, welche Kuͤltur- und besonders welche
Düngungsmaßnahmen nötig waren, um die Wirtschaft all⸗
mählich in die Höhe zu bringen.
Man staunt, wenn man sieht, wie dort auf leichtesten
Heidesandboden, der früher kaum für anspruchslose Heide—
schnucken die notdürftigste Nahrung hervorbrachie, jetzt nack
erfolgter Bodenbereicherung duͤrch jährlich wiederholte starke
Thomasmehl⸗Kainit⸗Düngung mit je 824 Ztr. pro Mor
zen zahlreiches, wohlgenährtes Rindvieh vom Mai bis ir
hen Spätherbst hinein ohne ein Pfund Beifulter ausschließ⸗
ich auf den Grünlandskulturen geweidet werden kann.

—

7 *
Z3wanqsversteigerung.
Im Wege ver 8wangsvollstreckung sollen die in de
Bemeinde Dudweiler belegenen, im Grundbuche von Dud
weiler Blatt 460 zur Zeit der Eintragung des Versteiger—
ungsvermerkes auf den Namen der Ehefrau Ludwig Lang.
Bergmann, Katharine geb. Kannengießer zu Dudweils
eingetragenen Grundstücke, nämlich:
1. Flur 24. Nr. 405 — 196 am Engelwirksberg
Acker, groß 14,73 Ar, mit 0,88 Taler Reinertrag
2. Flur 24, Nr. 406— 194, daselbst, dito, grof
14,73 Ar, mit 0,67 Taler Reinertrag,
Flur 23, Nr. 814- 120, Bismarckfiraße 22
Geb. Rolle 2053, Hofraum und Hausgarten
groß 6,28 Ar, a Wohnhaus mit 120 Mor
Nutzungswert
am 28. November 10910,
vormittags 11 Uhr
durch das unterzeichnete Gericht zu Jägersfreude-Dudweile
Wirtschaft Brückener versteigert werden
Dudweiler, 7. Oktober 1910.
Königliches Amtsgericht.

—

Danksagung.
Für die vielen Beweise innigster Teilnahme, sowie die zahlreicher
Blumen- und Kranzspenden bei dem Hinscheiden unseres innigst
geliebten, unvergeßlichen Gatten und Vaters sagen wir allen Freunde
und Bekannien herzlichsten Dank.
Familie Steiger Hild.

*

A. T. V. D.

—ãù
Zöglings-Abturnen.
Am Sonntag, 16. ds. Mts. findet unser
diesjähriges Zöglingsabturnen auf der
Kitten statt. Hieran anschließend
Turnen der Schüler und ak—
tiven Turner, sowie Vor
führen von Freiübungen und
Spielen.
Abends im Vereinslokale
Preisverteilung und Kommers.
Freunde und Gönner unserer edlen Turnsache find hierzu freun
ichst eingeladeu.
Der Vorstand.
—EO —
JV D ⸗»
Apfel! G Apfell
Heute eingetroffen ein Waggon schöne Tafeläpfel:
Rabauäpfel — Goldparmäne — Goldreinett—
Wachsäpfel usw.
hat zu billigen Preisen abzugeben
Frau Kouise Erlmenger Frau Kouise MWol—
vis⸗a⸗vis dem Wasserwerk.
A10 pfd. Aevfel 75 Pfg.

mit dem Kreuzstern
*
ciie besten unc wosilscümeckencsften!
Sie geben, nur mit Wasser wenige Minuten
gekocht, ebenso Kräftige Suppen, wie mi Fleisch.
brühe hergestellte. Mehr als 80 Sorien, wie
Reis, Riebele, Rumford, Pilz, Kartoffel usw
Fin Würfel für 222 TJolsor 10 Pfq.

Man verlange usdrücklich Maggi's Suppen.
            
Waiting...

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