RNummer 233.
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vel der Post besteit 22 blerteljatcich F Fernsprech⸗ Anschluß 8· Redaktion, Oruca uno BVeriag von J Unternener⸗Vudweller. Bel Jahres⸗Abonnement höochster Rabau
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Montag, oen 10. Oktober 1910.
23. Jahrgang.
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Postschließfach Ve. 14.
Der Friede in der Metallinduftrie.
Mit einem Seufzer der Erleichterung wird man woh
berall in den Kreisen der Industrie und des Handels die
dunde aus Hamburg vernommen haben, daß eine Ver
fändigung zwischen der Gruppe deutscher Schiffswerften
ind den Vertretern der Werstarbeiter in letzter Stunde er⸗
ielt worden sei. Seit acht Wochen liegen die Seeschiffs
verften bereits still. Wie es so häufig bei solchen Aus—
einandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Arbeltneh—
mern geht, hatte der Lohnlampf einen immer größeren
Umfang angenommen. Erst traten einige Arbeiter auf
den Wersten mit Lohnforderungen hervor. Die
berbündeten Arbeitgeber antworteten mit der Aussperrung
bon 60 Prozent der Arbeiter, und die Arbeiter wieder
egten nun solidarisch die Arbeit nieder. So lagen die
zchiffs werften verödet da. An einen Ersatz durch Arbeits⸗
villige ist ja nicht zu denken. Die Werften müssen sich mit
hren geschulten Arbeitern vertragen, wenn nicht die ganze
Irbeit zum Stillstand kommen foll.
Schon aus diesem Grunde war es nicht recht ver—
tändlich, daß die Versuche, zu einer Verständigung zu ge—
angen, von beiden Seiten durch das Aufwerfen von al—
erlei Prinzipienfragen behindert wurden. Es war vor
mns zusehen, daß an eine restlose Unterwerfung des einen
»der anderen Teils nicht zu denken sei, und daß man sich
»eshalb hübsch vertragen müsse. Zunächst freilich wollte
nan auf beiden Seiten diese Mahnung nicht beachten. Ja.
»gs hatte einen Augenblick den Anschein, als sollte die
anze deutsche Metallindustrie in den Kampf um die Ar—
zeitsbedingungen auf den Werfeen hineingezogen werden.
zchon hatten die organisierten deutschen Metallindustriellen
ich bereit erklärt, zugunsten der Schiffswersten eine Sym—
athieaussperrung ins Werk zu setzen, und demgemaͤß war
bereits sechzig Prozent sämtlicher Metallarbeiter von den
oeteiligten Betrieben gelündigt worden. Wäre es zu die—
ser Aussperrung gelommen, dann hätte das ganze deui—
sche Wirtschaftsleben einen empfindlichen Rückschlag erlei—
»en müssen. Handelte es sich doch um nicht weniger alg
im etwa 400 000 Metallarbeiter. die entlassen werden
ollten.
Welche Antwort die Arbeiterorganisationen auf diese
Massenaussperrung erteilt hätien, das hat man bigsher
ioch nicht mit Vestimmtheit erfahren. Der ganze Schlachtlan
sollte erst in den zahlreichen, für den Abend der Ent
cheidung angesetzten Versammlungen der Metallarbeiter ent
züllt werden. Es scheint, als ob man zunächst nicht be—
ibsichtigt habe, die vierzig Prozent zurückbleibender Ar—
eiter gleichfalls zur Niederlegung der Arbeit zu veran—
lassen. Offenbar glaubte man die Last der Massenaus,
perrung dadurch etwas erleichtern zu können, daß man
die weiter arbeitenden Mitglieder zur Unterstützung der
Ausgesperrten heranzog. Ob sich diese Taktik hätte durch⸗
ühren lassen, das . so meint das „B. T.“, freilich
sehr dahin. Wahrscheinlich wäre, wenn erst die Aussperr⸗
ung der sechzig Prozent in Kraft getreten wäre, auch de
Rest sehr bald nach Hause gegangen oder geschickt wor—
den. Jedenfalls wäre es zu einem Lohnkampf in der
deutschen Metallindustrie gekommen, der die ganze wirt
schaftliche Konjunktur in der empfindlichsten Weise beein
rächtigen mudte. Und warum das alles? Nur weil es
uicht gelungen war, rechtzeitig eine Verständigung zwi—
chen den Wersten und ihren Arbeitern herbeizuführen, die
zach Lage der Dinge in absehbarer Zeit doch kommen
nußte.
Diese schlimniste Eventualität r glücklicherweise ver⸗
ütet worden. Kturz vor Toresschluß ist es gelungen, den
Frieden int Werstgewerbe wieder herzustellen. Man wird
nch konstatieren dürsen, daß die Schiffswerlien große
)pfer gebracht haben. Sie haben den Arbeitern eine Reihe
on Zugeständnissen gemacht, den Lohn etwas erhöht und
aie Arbeitszeit um eine Stunde in der Woche gekürzt.
Ferner kamen die Schiffswerften den Arbeiterorganisatio⸗
ien insofern entgegen, als sie die Wahl der Arbeiteraus.
chüsse nach den Vorschlägen der Arbeiterorganisationen
ugeftanden. Auf der anderen Seite haben auch die Ar—
zeiter einen erheblichen Teil ihrer ursprünglichen Forde—
ungen sallen lafsen. Es ist zu einem Kompromiß ge—
ommen. das bis au einem gewissen Grade eine Diaao—
nale zwischen den belderseitigen Interefsen zieht. Ganz zu⸗
sfrieden wird man weder auf der einen noch auf der an—
deren Seite sein. Aber ein magerer Friede ist immer
ioch besser als ein mit schweren Opfern erkämpfter Sieg,
umal wenn dieser Sieg doch an der wirklichen Lage nicht—
andern laͤnn. J
Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
* In der Bundesratssitzung wurde über die Wahl nicht
ändiger Mitglieder des Reichsssversicherungsamtes und
er die Wahl eines Mitglieds der Disziplinarkammer
ür elsaß-lothringische Beamte und Lehrer in Straßburg
zeschluß gefaßt. Mit der Ueberweisung des Antrage‘
zachsens, betreffend die Einreihung der Städte Dres,
en und Leipzig in die Klasse A. des Wohnungs
eldzuschußtarifs, erklaͤrte die Versammlung sich einverstan
en. Dann wurde über die Festfsetzung des Ruhegehalts
on Reichsbeamten, über den Rekurs von Reichsbeamten
‚egen die zwangsweise Versetzung in den Ruhestand und
iber verschiedene Eingaben Beschluß gefaßt.
vVerschiedene Blaͤtter hatten von Gerüchten über einen
u erwartenden Rücktritt des Freiburger Weihhischofs Dr.
dnecht Notiz genommen. Hierzu sendet Herr Weihbischos
kbnecht fsolgende Berichtigung: „Die Nachricht wegen
neines angeblich bevorstehenden Rücktritts, sowie deren
zegründung in allen ihren Teilen iß unwahr.“
—* Oie Abgg. Molthan und v. Brentano haber
nit Unterstützung der Zentrumsfraktion folgende dring
iche Anfrage an die hessische Regierung gerichtet: „Ist de
zroßherzoglichen Regierung der totale Fehlherbst des Jah
es 1910 und die dadurch erschöpfte Notlage de
essischen Winzerstandes in ihrem vollen Umfange be—⸗
anni? Was gedenkt die großherzogliche Regierung zur
zinderung der unverschuldeten Not dieses seit Jahren unm
eine Existenz ringendeͤn Erwerbsstandes zu tunf Zu die
zroßherzogliche Reglerung gewiutn, durch Steuernachtaf
und finanzielke Unterstützung der notleidenden Bevölkerung
u helfen?⸗
Schweißgz.
* Die Hochschüler von Bern veranstalteten anläßlich
es Jahrestages der Annexion Bosniens und der Herze⸗
wwina am Fürst Michael⸗Platze trotz Verbots der
egierung ein Meeting, dem fast nur Schüler beiwohn⸗
en. Nach einigen Reden über die Bedeutung der An—
niexion zerstreute sich die Menge in vollster Ruhe. Da—
zegen kam es in einem Gymnasium wegen des Verbots
der Teilnahme zu argen Ausschreitungen der Schüler ge⸗
gen die Prosessoren, so daß die Polizei intervenieren
nußte.
Serbien.
»*Bis Ende Sepiember betragen die eidgenössischen
zolleinnahmen 57 050 000 Franken und übersteigen da—⸗
nit den letztjährigen Ertrag für die gleiche Periode um
390 000 Franken.
Spanien.
* Der spanische Republikaner Ezquerdo, der kilrz⸗
sch eine politische Reise nach Lissabon unternommen hatte,
at in einem Juterview erklärt, daß ein Beschluß den
zlan einer gleichzeitigen republikanischen
zewegung in Portugal und Spanien angezet⸗
elt habe. Die Ermordung des Dr.' Bombardo habe je⸗—
och den Ausbruch der Revolution in Lissabon beschleu—
iigt und die spanischen Republikaner überrascht, welche
ür den Tag der Bewegung den 13. Oktober, den Jah—
estag der Hinrichtung Ferrers, in Aussicht genommen
„ätten. Die Erklärung Ezquerdos hat großes Aufsehen
ervorgerufen.
Amerika.
* Roosevelt wird auf seiner Reise nach den Südstaa⸗
en lebhaft begrüßt, doch fehlt der Enthusiasmus wie im
Westen. Vielfach verteidigte er, so in Bristol und Knor⸗
ille (Temnessee), seinen neuen Nationalismus, der nur
ine wirksame Anwendung alter Grundsätze auf die ver—⸗
inderten Verhältnisse sece. —
Die Veränderungen in der
russischen Diplomatie.
Die seit langen angekünbigten Veränderungen in der
russischen Diplomatie sind nunmehr vollzogen. Wir brin
gen unseren Lesern heute die Porträts der neuen, bezw
in neue verantwortliche Stellen gerückte Diploniaten des
Zarenreiches. Am meisten interessiert zweifellos der Rück
ritt des bisherigen Leiters der auswärtigen Politik Ruß
lands, ISwolski, von seinem Amte. JIswolski hatt
seinen nunmehr verlassenen Posten seit dem Jahre 1900
inne, geht als Batschafter seines Landes nach Varis. Eir
ztlikanischen Partei seines Landes seit langem eine be—
zeutende Rolle gespielt hat. Obwohl der nunmehrige Ju—
tizminister Alfonso Cosst a die Seele der Revolutionäre
war, haben doch Streitigkeiten zwischen Costa und dem
Minister des Aeußeren, Machgdo, die Wahl Bragas, der
seine Theorien bisher nur durch seine Bücher verbreitet
dat, während seine Versönlichkeit dem portugiesischen Volle
—2
neopnilo hrago. *
. erste Prõ⸗ai dent 4. porfug. Republise
zaicht allzu bekannt ist, verablaßt. Theophilo Brage u
am 24. Februar 1843 auf der Azoreninlel San Miguel
geboren und betätigte sich bereits in seiner Jugend schrift—
aͤellerisch. Bereits im Alter von 16 Jahren gab er einen
Band lyrischer Gedichte heraus, die außerordentliches Auf—
ehen erregten. Von 1861-67 studierte er auf der Uni—
hersität Coimbra. 1872 übernahm er den Lehrstuhl fün
moderne Literatur an der Universität Lissabon. Er har
sich besonders durch seine volkstümlichen Arbeiten einen
Namen gemacht
Sctqlos DSas anow εα—r
igenartiges Zusammentrefsen will es, daß dort fast zu—
gleichen Zeit auch der bisherige deutsche Minister des Aus.
värtigen, Freiherr von Schön eintrifft, um ebenfalls den
Boischafterposten zu übernehmen, als dritter im Bund«
vird sich der frühere Leiter der aͤußeren Politik Italien—
rittoni, den neuen Kollegen an der Seine vorstellen. —
der Nachfolger Iswolstis ist der bisherige Gehilfe des
selben, Sasanow,; er ist bisher nur in bescheidener
iplomatischen und Verwaltungsstellen taͤtig gewesen, so
Bericht über die Straßenkämpfe.
Der „Daily-Mail“Korrespondent schildert die Vor
gänge, denen er in Lissabon beiwohnte, folgendermaßen
Das erste Zeichen der Revolte war die Anwesenheit von
Meuterern Montag nacht auf den Straßen. Sie suchter
durch Erzählungen über die Ermordung des republikani
schen Abgeordneten für Lissabon, Dr. Bombardo, die Be—
bölkerung aufzureizen. Nach einem vorher getroffenen
Abkommen feuerten die Meuterer am Dienstag morgen
vor der Kaserne des 186. Insanterie-Regiments einige
Schüsse ab, womit der Aufruhr begann. Die Soldaten
ermordeten ihren Hauptmann Celestino Costa und brachen
in das Arsenal ein; sie verteilten die Waffsen unter das
Volk. Mit ihnen vereinigte sich das erste Artillerie-Regi⸗—
ment. Daraufhin wurden Nachr'chten des Aufstandes ar
die im Tejo liegenden Kriegsschiffe signalisiert. Es war
sehr schwierig, d'e Verbindung in den Straßen aufrecht
zu erhalten, da die königliche (jetzt Munizipal⸗) Garde
allen Verkehr verbot. Die Züge liefen nicht mehr, da die
Schienen von den sehr gründlich vorgehenden Republika—
nern aufgerissen waren. Meine Wohnung liegt in der
Mitte des Kampfplatzes, wodurch ich Nachrichten von den
Wachtposten unter meinem Fenster erhalte. Ich schreibe im
Morgengrauen des Mittwochs. Während der ganzen Nach
hat eine heftige Kanonade stattgefunden und nimmt jetz
an Stärke zu. Die Artillerie von Sanarem ist eingetrof
fen und hat sich den Republikanern angeschlossen. Gegel
das Carmokloster, wo die königstreuen Munizipalgarde
kasernlert sind, findet ein heftiger Angriff statt. Schrap
nAttugeln schlagen wie Hagel durch die Fenster. Unter der
Fenstern des republikanischen Blattes „O Mundo“ werder
soeben dee Munizipalgarden niedergeschossen. Die Ambu—
lanzen sind voll von Toten und Verwundeten; das Rote
Kreuz weht von allen öffentlichen Gebäuden, selbst von
den Zeitugsredaktionen. Die Strabden sind vollständie
den Trubpen überlassen; Zivilisten sind kaum zu sehen.
Die Bäckereien sind von den Soidaten geplündert. Um
8 Uhr werde ich benachrichtigt, daß die Royalisten di«
weiße Flagge auftiehen. Plötzlich füllen sich die Stra—
— — — —
seinsten Ton, Figuxantinnen, welcher Arr ne duch jein
mögen, zu ehelichen.“
In Wien — nun jsa — da mag es sein, Sie müssen's
ja wissen, da Sie erst vor wenigen Wochen der alten Kaiser⸗
sadt den Kuͤcken gekehrt haben. Doch Wien ist nicht Berlin.
In Berlin ist man so weit noch nicht gekommen. Gäbe es
sonst eine Eva Herzberg?“
Bei Golt, Sie jprechen in Rätseln, Gnddigsie“ rie
der Herr von Brandtich verkehe Sie nicht!“
Ruͤn wohl, so lassen Sie mich deutlicher seln. It es
aicht wunderbar —5 dahß ein Madchen von der Sellung
* —38 ba's sich einen obskuren kleinen Assessor
ira
Sun — rief Herr bon Braudt, „allerdinaß — lch
Zoldischchen hãtte 8 einen der Herren Gardeoffiziere
hefer gepaßt: aber Herr Selbig — ich habe bis jegt nicht
has Vergnuügen, ihn zu kennen, — genießt, wie mich dunkt,
eines ausgegeichneten Renommees und ist aus angelehener
und wohlhabender Familie..
Außerdem.“ fiel die Dame ein, „hak er noch eiwaß
pon dem sentimentalen Anflug, der zwar schon außer Nodẽ
ist. aber dennoch Frauen wie Eva stels gefällt.
ESie haben recht — das sage ich meinem Freund Burgau
auch immer — er ist mit seinen sanften blauen Augen und
seinem hübschen feinen Gesicht, seinem schwärmerischen
Desen ganz dazu gemacht, den Frauen den Kopf zu ver⸗
drehen; der arme Mensch weiß seine Vorteile nur nicht an⸗
zuwenden. Wäre ich an, seiner Stelle gewesen, als Kehrer
Framlein Herzberas — ich hätte lie Helbia ablpenstia au
machen gesucht.“ 3—
Die Baronin zuckte die Achseln. c⸗ V
Wielleicht ister zu schwaͤrmerisch, um Eva zu liehee
— wenn sie auch eine Millionärin ist.“
Im Gegenteil — ich glaube durchaus, er hat Feuen
gefangen — sehen Sie nur, wie er trüblelig an den Pfeilen.
zelehut steht und in den Tanz sieht, als wäre ihm der
Weizen verhagelt!“
In der Tatl“ sagke die Baronin und richtete ihre
goldene Lorgnette nach der, ihr bezeichneten Richtung. —
Der arme Mann, —.jetzt fange ich an, ihn zu bedauern
doch sagen Sie mir eins, Herr von Brandt, wie sind Si
Burgaus Freund geworden? — Es scheinen mir kaum zwe
Menschen weniger für einander zu passen, als Sie, der
jebensiuftige Herr von Brandt und der immer woltichmerz·
liche Burgau.“ —9.
Erteme berühren sich, meine Gnädige!“ war Brandte
Antwort, und außerdem ist Burgau einer der prächtigster
Menschen, die ich kenne. Wir reifien in Italien zusammen
ιι leine Studienreise mochte. nachdem er doer
V. Giẽr An.J
.heue russ.sesandf. ie
»aß man ein Urteil über sein staatsmännisches Können
iicht abzugeben vermag. Nur der Fürsprache des Pre
nierministers Stolypin soll er die Uebertragung des
hortefeuilles des Aeußeren zu verdanken haben. — Eines
»er größten Schmerzenskinder der russischen Diplomatie
er Botschafterposten in Wien, wird jetzt ebenfalls eine
teubesetzung ersahren; anstelle des ständig kranken und
zeurlaubten Botschafters Fürsten Urussow tritt der bishe—
ige Gesandte Nußlands in Bnukarest, von Giers, der
rnöou des bekannten verstorbenen russischen Staatsmaunes
Die Revolution.
Das nene Oberhaupt Poriugals.
Unser Bild zeigt den Präsidenten der neugebildeten
epublit Portuaals. Tbeophilo Braga,. der in der revu—
— — UEIAIIIEEEEZXAA
hren Willen offenhart, hatte ihn dazu vermocht, die Scheu
or der reichen Erbin zu üherwinden.
Helbig eroffnele mit seiner Braut den Ball, ihm nach
ürzle sich die junge Welt in den, wogenden Walzer, wäh⸗
end die aleen x9 d ge der älteren Herren
ichelnd der allgemeinen Lust zusahen.
Vit vor Freude glänzenden Augen schaute die Justiz⸗
itin Helbig auf das junge Paar, neben ihr stand der Vater
er Braut, der Bankier Seeberg Auch er, lächelte und
vergnůgt mit den reichen Berlogues seiner Uhrkette
e über die weiße Weste in reicher Fülle herabfielen.
Ein hübsches Paar, meine Eva und Ihr Oslar, nicht
nahr?“ scherzte er zu seiner Nachbarin. ——
Die Juftizratin sah ihm derzlich in die Lagen 3
Sie wissen gar nicht, wie mich die Verlobung Weß
ʒohnes mit Ihrer Tochter heglückt.“ fagte sie innig und er
riff des reichen Mannes Hand, der wohlgefällig schmui
And zu ihr hernieder schaule. „Jetzt wird Oskar erst dem
eben ganz wiedergegeben werden. Der Aermste hat bittere
—— gemacht, nur ein so edles Mädchen wie Eva
dird ihn danz verstehen, ihn ganz zu beglücken vermögen.“
„Ich glaub's, ich glaub's“ sagte der Bankier, „sie ist
in Krachtmädchen; feit dem Tode der Mutter war sie die
zeele des Hauses, meine ganze Freude; ich gebe sie ungern
as kann ich wohl sagen, aber es muß doch einmal sein!“
„Er gibt sie ungern!“ flüsterte ein eleganter Mann im
infang der Dreißiger mit geistvollem Gesichtzausdruck, der
e letzten Worte des Bankiers gehört, seiner Tänxerin der
Saronin Kirchheim, einer hübschen und in der Gesellschaft
ihres esprit wegen sehr beliebten, wenn auch nicht mehr jun—
aen Dame zu. „Glauben Sie das, meine Gnädige?“
Die Baronin lächelte spöttisch.
Verzeihen Sie dem alten Herzberg diese Redensart
Hherr von Brandt, sie ziemen einem Vater sicherlich, der nur
eine Tochter hat. Er bezeugt so der Welt seine Achtung und
Iaubt sich dann desto freier, wenn ihn die zierlichen Füß
chen einer Tänzerin locken, und ihre blickenden Augen ihm
Ve neshach Gewalt die Friodrichad'ore aus der Tasche
ziehen.“
Gerr von Brandt strich sich lachend den Bart.
Der arme Helbig kommt am Ende noch um die Erb
schaft. Wer weiß, ob den Alten sich nicht so ein Dämchen
jetzt, da er bald ganz frei sein wird, zum Gemahl kapert.“
„Das glaube ich nicht, denn Herzberg ringt nach der
Achtung der vornehmen Welt. Eine Tänzerin als Geliebt—
haben, gehört zum feinen Ton, aber sie heiraten — fi done!
„O, das sagen Sie nicht, meine Gnädige,“ entgegnete
Serr ß0n Rrau EAXxn Wion vwohßrt es ietzt sogar zun
Wieder gefunden.
agre ee re re Tirenrore auf die artegten
üge des jungen Mannes: „Ich oube zu diesen glän⸗
enden Steinen, welche du deiner Braut noch heute abend
ee willst, hätre besser das andere Lied von Heine
lepaßt:
„Du hast Diamanten und Irlen
Hast alles, was Menschenbegehr.“
darum sangst du nicht leber dieses? Du weißt, ich kann
as andere nicht leiden und mag, olh Schumansches
zerhimmeln in meinem Hause nicht hörent“c
Die Liebe, die aus dem
Interenne entspringt, t auein dauernd; denn das Inter⸗
6 allein verbindet Mann und Weib unlösbar. Die Leiden⸗
chaft dagegen fliegt in wilder Hast von einem Gegenstand
jum andern, deshalb sind auch die sogenannten aus Liebe
seschlossenen Ehen größtenteils die unglücklichsten ““
Helbig hatte mit finsterem Blicke zugehört.
Wie ein sezierender Arzt deckst du grausam alle Wun⸗
en de⸗ Menschenherzens auf!“ rief er erregt, „deine An—
icht ist wie Eis, das sich tötend über alle Blumen und
zlüten des Lebens leat. Aber du irrst, das kalte Interesse
—⏑⏑— lange noch
bahre Menschen mit warmem Blut und Herzen darin leben.
dir ist nur das Glück des idealen Empfindens noch nicht
ufgegangen, du weißt gar nicht, was reines, edles Lieben
t— deshalb läßt sich aber auch mit dir nicht streiten —
er Mensch gestaltet sich seine Welt immer ie nach seiner
individualitaͤt. Glaube mir aber, hätte ich in Eva nicht ein
hönes, reines Herzensleben, eine warme Liebe für mich
atdeckt, hätte ich sie dir in Anschauungen und Wünschen
leich gefunden, ich hätte sie nie gewählt, und wenn sie mir
ne Welt als Morgengabe gebracht hätte“
Er tand auf, earie gleichalss.
Ich danke fuür dein Kompliment!“ sagke sie kühl. Doch
h bin an derarlige Höflichkeiten von deiner Seite schon ge—
vͤhnt. Eius tröstet mich wur, daß deine Ansichten sich stets
ls wandelbar erwiesen haben. Hoffentlich reift dein Ver—
and noch einmal so weit, daß er die Nebel der Empfindinkeit
und Unklarheit zu verjagen vermag.“
Helbig erwiderte nichts mehr — er trat an den Flügel.
er geöffnet in dem Nebenzimmer stand, und spielte, wie
m sich zu zerstreuen, eine wilde Rhapsodie von Lilzt, die
ileßt in die Melodie seines Schumaunschen Sieblingsliedes
berging. Er präludierte und sang mit angenehmer, ob⸗
ohl nicht starker Stimme: 2
„Ich grolle nicht, und wenn das Hera auch bricht,
Fwig verlorenes Lieb! ich grolle nicht. Ne
Wie du auch strahlst in Diamantenprach.
saut den Strahl in deines derzens Racht.
Das weiß ich längst. Ich sah dich ja im Traum
Und sah die Nacht in deines Herzens Raum
And, sah die Schlang', die dir am Busen frißbe
Ich sah, mein Lieb, wie sehr du elend bist.“ 4
Marie hörte mit spöttischem Lächeln dem Gesange zu.
er Bediente hatte den Juwelier angemeldet, sie ließ ihn
eine Schätze aushreiten und als Qkar zu ihr au den Tilch
4 HKayitel
Dle gkoßen Spiegelschelben in der ersten Ekage des
n Bankier Herzbers Sranen Hauses Unter den Lin⸗
en strahlten im Glañz deller Gasflammen, und eine szahl
eiche eeeet bewegte sich in den reich geamicten
äumen desselben. Eben war man, von der Tafe guge
anden. Paar um Paar reich geschmückter Damen und Her—
mn schrilten dem Tanzsaal zu, aus dem schon heitere Tanz
usik ihnen entgegenschallte. Voran ging das Brautpaar
m zu Ehren das Fest heute gefeiert wurde. Eva Herz
rg, die einzige Tochter und Erbin der Firma Herzberg
id Comp. hing in seligem Vergessen an dem Arme Hel
g8 und ihr Auge blickle voll freudigen Glanzes zu ihm
if. Sie war nicht schön. Obwohl schon die Eltern ihres
aters zum Christentum übergetreten waren und ihre
dutter eine Christin gewesen, legten doch ihre etwas mar⸗
erten Züge, ihr rundes, volles Gesicht mit dem rötlichonden,
Haar, und die üppige Rundung des Körpers noch
nmer Zeugnis ab von ihrer orientalischen Abstammung.
ber ihr ganzes Wesen, ihr Gesicht, ihre Haltung hatten
was Angenehmes, Ansprechendes und ihre Vescheidenheit,
ie bei ihrem großen Reichtum um so anerkennenswerter
ar, machte sie überall beliebt und wertgeschätzt. Obwoh!
e erst zwanzig Jahre zählte, hatten sich doch schon zahl⸗
aiche Freier um die reiche Erbin beworben. Eva hatte viel
wählt, das Schoßkind des Glückes konnte es ja auch. —
elbig war der erste Glückliche, der das Herz dieses begehr⸗
en Mädchens zu gewinnen gewußt hatte. Gerade im
egensatz zu den anderen Freiern war Helbig durch das
jeld des jungen Mädchens lange von derselben fern ge⸗
alten worden; aber gerade diese Zurückhaltung hatte ihm
re Neigung zugewendet. Sie liebte Helbig mit der vollen
zärme ihres jungfräulichen Herzens und diese Liebe, die
heihm in einem Moment des Selbstvergessens faflt gegen