nglische Gesandtischaft geflüchtet. Der gestrige Ministerral
vährte drei Sunden. Die Regierung erhielt die Versiche—
ung, Engl'and würde nur zum Schutz seiner Untertanen
mid eventuell zum Schutze des Lebens des Königs ein—
reifen.
Lissabon, 7. Olt. Die provisorische Regierung hal
ereits für sämtliche Provinzen die Zivilgouverneure er—
lannt. Marschall Hermes da Fonzeca hat in Begleitung
'on Teofil Braga eine Automobitfahrt durch die Stra—
en von Lissabon gemacht. Auch der englische Kreuzer
Minerva“ ist eingetrossen. Die provisorische Regierung
zjat den fremden Gesandten die Protlamation der Repu—
lik notifiziert. Der englische Gesandte hatte um eine
luterredung mit Bernardino Machado nachgesucht.
Vigo, 7. Okt. Passagiere eines Dampfers, der hier
uus Lissabon eingetroffen ist, erzählen: Am Tage vor
hrer Abreise von Lissabon habe um 11 Uhr vormittags
in Regiment unter dem Besehle des Herzogs von Oporto
nif das Volk geschossen. Die Revolutionäre hätten das
stegiment gezwungen, sich zu ergeben. Das Geschütz⸗ und
vewehrfeuer sei schrecklich gewesen. Die Toten und Ver—
vundeten zählten nach Tausenden. Die Proklamierung der
sepublik erregte bei dem Volle unendliche Freude.
Madrid, 7. Ott. Vor der Redakunon der Zeitung
Mahana“ ist eine Depesche angeschlagen, besagend: König
Nanuel sei in die englische Gesandtichaft geflüchtet. (7)
- Die provisorische Regierung riet dem Volke, dem abge—
ebten Königshause ein ehrenvolles Andenken au bewobren
Paris, 7. Okt. Die englische Negierung will, wi
n Vertreter der republikanischen Partei in London nac
isabon telegraphierte, die neue Republit in Portugal an
lennen, vorausgesetzt, daß das Mncstecium Garxantie
ir den Bestand der neuen Verhälmisse biete.
Madrid, 7. Okt. Die Drahtverbindung mit Lissabo
wwiederhergestellt. Die Einschifsung des Königs Manue
ach England wird amtlich bestätigt.
Paris, 7. Olt. Es wird bestätigt, daß König Ma
uel, die Kön'gin-Mutter Amalie, der Herzog von Oport.
ud die Königin-Großmutter Maria Pia in Gibraltar an
ekommen sind und sich sofort zum englischen Gouverneu
egaben. Die Königs'samilie wird jedenfalls auf dem See
»ege nach England reisen.
London, 7. Okt. Mehrere hiesige Blätter sind de
nsicht, daß Portugal vor dem Ausbruch blutigen
zürgerkriege siehe. Der republikanische Gedank
i keineswegs allgemein. Nur die nördüche Bevölkerun⸗
i republitanisck
Lokales und Vermischtes.
Unglücksfall. In der Kiesgrube des Herrn Unterneh—
ers Micka passierte gestern ein Unglück, das den Tod des
»erunglückten zur Folge hatte. Ein Knecht des Herrn
Anternehmers Micka wollte mit einer Fuhre Kies ausfahren.
da der Weg gleich abfällt, mußte der Knecht an die
cchraube des Wagens gehen, um die Hemmschuhvorrichtung
nzudrehen. Der Tagelsöhner Gelzer half beim Ausfahren.
r war bei den Pferden. Man nimmt an, daß der Mann
abei einen Tritt von einem Pferde an das Bein erhielt
ind infolgedessen stürzte, leider so unglücklich, daß er unter
»en Wagen geriet. Das Rad ging ihm über Brust und
hals. Der Tod muß sofort eingetreten sein. Der Ver—
inglückte ist ein Mitte der fünfziger Jahre stehender Mann
amens Gelzer aus Fischbach.
Vorträge. Auch in diefem Vierteljahr werden im hie—
igen evangel. Waisenheim wieder wissenschaftliche Vorträge
on allgemein interessierendem Inhalt gehallen werden, deren
certrag dem Waisenheim zugute kommi. Wie, aus dem
lnzeigenteil ersichtlich ist, wird der erste dieser Vorträge
hon am Montag den 10. Oktober abends 8 Uhr darge—
oten und zwar von Herrn Pfarrer Rosenberg aus Kempen
nPosen. Er wird in sachkundigster Weise uͤber „Oeffent—
iche Siedlungsarbeit reden. Möchte schon dieser erste
dortrag eine zahlreiche Zuhörerschaft finden. Er verbreitet
ch über eine im Westen noch viel zu wenig bekannte, für
inser Vaterland überaus wichtige Bestrebung und Betätig—
ng. — Die Eintrittspreise für diesen Vortrag und für die
achfolgenden sind dieselben wie auch in früheren Jahren.
inser Waisenheim hat jetzt 20 Kinder zu unterhalten und
u ziehen, die bis auf 2 sämtlich unserer Kivilgemeinde
ugehören. T.
Erlaß des Landwirtschaftsministers. Der Land—
virtschaftsminister hat in einem Erlaß an die Regierungen
»arauf hingewiesen, daß bei ihm zur Sprache gebracht wor—
en sei, daß das zum Abfahcen des Holzes aus den Staats—
valdungen benutzte Pferdematerial vielfach sehr minder⸗
vertig und schwach sei und namentlich auf wichtbefestigten
Wegen die Arbeit nur unter Aufbietung der letzten Kräfte
urch grobe Mißhandlungen leisten könne. Das Augenmerk
er Oberförster und Forstschutzbeamten wird auf diese Tier—
uälercien zwecks Abhilfe des Uebelstandes gelenkt.
Ein Petroleum⸗Weltkrieg, Die Ankuündigung einer
Zreisermäßigung durch die Standard Oil Co. kommt der
zrklärung eines Petroleum-Weltkrieges gleich. Die Stand⸗
rd Oil Co. ist unter Führuug Rockefellers der mächtigste
merikanische Trust. Zugleich ist aber die Gesellschaft der
»edeutendste Petroleum-Lieferant der Welt. Durch die Preis—
rmäßigung versucht die Standard Oil Co. jetzt die Kon⸗
urrenten zu unterbieten und diese mirtschaftlich zu ver—
ichten. Der Kampf wird heiß sein. Während bisher
Kockefeller die Taktik verfolgte, sich mit seinen Konkurrenten
u einigen geht er jetzt scharf gegen sie vor. Nach drei
zeiten muß er gleichzeitig den Kampf führen. In dem pe—
roleumreichen Mexiko steht der Standard Oil Co. die Pe—
irson-Gesellschaft gegenüber. In Oestereich ist der Kampf
wischen der Regierung und der Gesellschast ausgebrochen,
ind der Vertrag mit der Asiatie Petroleum Co., der ein
semeinsames Zusammengehen beider Gesellschaften verbürgte
st gekündigt. Versteht es Rockefeller, seine Kongurrenten
nuUneinigkeiten untereinander zu erhalten, dann kann er
ie einzeln niederringen und die Standard Oil Co. eine ge—
valtige für die Abnehmer allerdings zugleich drückende
Monopolstellung zu erringen. Einigen sich dagegen die
leineren Petroleum-Gesellschasten und setzen den Millionen
ies Petroleumkönigs einen gewaltigen Wall entgegen. dann
es fraglich wer siegen wird.
Die Standard Oil Co. versendet gleichzeitig ein Pro—
ramm, das wichtige Angaben über den Petroleumhandel
n Europa enthält. Danach haben sich trotz einer gewal—
igen Oeberproduktion an ungereinigtem Steinöl in den letz—
en sechs bis sieben Monaten dies- und jenseits des Ozeans
ber 70 neue Gesellschaften zur Ausbeutung von Oelfeldern
ebildet. Es ist außer Frage, daß von diesen Gesellschaften
lur einige wenige zu einem Faktor auf dem Weltmarkte
berden können. In den drei Jahren von 1906 bis 1909
sat sich die Produktion von Steinöl in den Vereinigten
ztaaten allein um 60 Millionen Barrels vermehrt. Da⸗
nit liefert die Union zwei Drittel des Metroleums der
Vo
Vom süddeutschen Kohlenmarkt. Aus Mannheim
Okt. berichtet man der „Frankf. Ztg.“! Durch das wei—
sende Wasser wird Einschränkung der Kohlenbeifuhr zur
dotwendigkeit. Dadurch und durch steigende Rheinfrachten
ewinnt der Markt allmählich mehr an Stabilität, die ja
Sher oonr fehlfe Industriekohlen ꝛwar immer noch schlen—
dend, während Hausbrand mehr begehrt. Englische Kohlen
iuch etwas höher offeriert.
Grube Dudweiler, 8. Okt. Die Preise der an die
gergleute zu liefernden Kartoffeln stellen sich in diesem
Jahre auf 3 Mark und 3.40 Mark.
Saarbrücken. (Schwurgerichtssizung vom 6. Okt.) Der
danzleigehilfe Mart. Schmerler, als Beamter beim Amts—
jericht Sulzbach angestellt, ein Mann mit vorwurfsfreiem
Lorleben, hat sich wegen Unterschlagung bezw. Betrugs
ind wegen eines Versuches in demselben Sinn zu verant—
vorten. — Das Objekt um welches der Justiz⸗-Fiskus durch
—„ch. geschädigt wurde, betrug Mk. 1.51, buchstäblich eine
Mark und einundfünfzig Pfennige! — Wie kam der Ange—
lagte zu diesem Vergehen? Durch Krankheiten in seiner
Familie und durch den Tod eines seiner Kinder! Er war
o angestellt, daß er seine Schriftleistungen auf dem dazu
hestimmten sogenannten Monatszettel liquidieren mußte. Nach
dem Kanzleireglement soll dieser Zettel von einem Beamten
der Gerichtsschreiberei verwahrt bleiben. Da die Bestim—
nung sich jedoch nicht leicht ohne Weiterungen und Stö—
lungen in die Praxis übersetzen läßt, wurde sie nicht be—
folgt. Sch nahm im März die Gelegenheit beim Schopf
da er gerade in Notlage war, und notierte zu seinen Gun—
ten einige Posten höher. Die 564 Pfennige, die dabei zu
einem Vorteil (2) herauskamen, wurden ihm auch ausbe—
ahlt. In derselben Weise operierte Sch. im August d8s.
Is., um sich um 1 Mark reicher zu machen! — Bei der
etzten Manipulation irrte sich Sch. bei der Uebertragung
iuf die andere Seite des Monatszettels, wodurch das fälsch—
iche Plus herausgefunden wurde. Vom Gerichtshof wurde
zeben der Schuldfrage nach gewinnsüchtiger Unterschlagung
ind auf Antrag des Verteidigers Rechtsanwalt Steegmann
auch dieejnige nach mildernden Umständen gestellt. Von
den Geschwornen wird der Argeklagte nur der einfachen
Irkundenfälschung für schuldig erachtet und wurden ihm
zuch die mildernden Umstände zugebilligt. Der Staats⸗
inwalt Dr. Müller beantragt Gesamtgefängnis von 6
MNonaten. Der Gerichtshof entscheidet wegen gewinnsüch—
iger Urkundenfälschung im einheitlichen Zusammenhang
nit Betrug bezw. Versuchs in gleicher Weise auf Gesamt—
zefängnisstrafe von 83 Monaten. 8 Wochen Vorhaft kom⸗
nen in Antechnung. Ferner kommt der bisher unbeschol⸗
ene Angeklagte auf die Liste A, das heißt, die Vollstre⸗
kung der Strafe soll von dem Erfolg eines Gnadengesuches
nn den Kaiser abhänig gemacht werden. Der gegen Sch.
rlassene Haftbefehl wird aufgehoben.
Saarbrücken, 6. Okt, Gestorben ist der Kutscher des
tädtischen Sprengwagens, der kürzlich bei einem Zusammen⸗
toß seines Wagens mit einem Straßenbahnwagen in der
»ohenzollernstraße verunglückte. — Vermißt wird seit etni⸗
en Tagen der Rentner Zimmermann aus der Rotenberg⸗
raße; der Vermißte machte täglich seine Spaziergänge in
ie nächste Umgebung; von einem solchen ist er nicht zu—
ückgekehrt. Da der Vermißte immer größere Summen
Zeldes bei sich trug, ist ein Verbrechen nicht ausgeschlossen.
Saarbrücken, 7. Okt. Im Frühjahr dieses Jahres
vurde den Handwerkern der hiesigen Eisenbahnwerkstätten
ine Lohnaufbesserung zuteil. Nunmehr ist auch sämtlichen
dilfsarbeitern der Werkstätten Saarbrücken und Burbach
ind der Betriebswerkstätte eine Lohnzulage gewährt wor—⸗
en.
Merlenbach, 6. Okt. Wie bereits kurz berichtet, hat
ein Bergmann von hier gestern aus Eifersucht auf ein
Mädchen geschossen. Ueber den Vorfall wird uns berichtet:
Hestern morgen gegen 8 Uhr hat der ledige etwa 80 Jahre
alte Bergmann Bardenzick, aus Russisch-Polen stammend,
auf die ledige Barbara Dietsch auf dem Kartoffelacker,
Jjanz in der Nähe des Dorfes, geschossen. Als Grund der
dat wird Eifersucht genannt. Von glaubwürdiger Seite
vird über die Tat folgendes berichtet: Bardenzick war
rüher bei dem Fuhrunternehmer und Vater der erschossenen
dietsch in Kost. Seither soll Bardenzick mit der 18 jährigen
lochter ein Verhältnis gehabt haben. Letztere hat dies Ver—
ältnis an der hiesigen Kirmes, welche am 25. September
tattfand, gelöst und die Bekanntschaft eines anderen jungen
Mannes gemacht. Als nun heute morgen die Dietsch un—
jefähr 200 m. von ihrem Elternhaus (Forbacherstraße)
kartoffeln ausmachte, kam Bardenzick hinzu, und nach einem
urzen Wortwechsel stieß er ihr gegen die Brust, sodaß sie
ur Erde fiel. Bardenzick zog nun den Revolver und feu—
rte drei Schüsse auf die Dietsch ab, wovon zwei Schüsse
»as Mädchen am Kopfe und der dritte am Halse trafen.
dierauf ging Bardenzick gewöhnlichen Schrittes in der
ichtung auf Roßbrücken zu, indem er unterwegs den Re—
olver wieder lud. Erst als die Leute dem Tatorte zulie—
en und sich anschickten ihn zu verfolgen, lief er in den
Vald. Die Dietsch, die noch lebte, schaffte man sofort mittels
ines Automobils nach Saarbrücken in ein Krankenhaus.
Zie wird schwerlich mit dem Leben davon kommen. Ebr.
dolkstg.)
Aus Elsaß-Lothringen. In Mez hat sich ein Unter⸗
ffizier der 7. Komp. vom Inf-⸗Rgt. Nr. 98 mit seinem
dienstgewehr, das er mit einer Platzpatrone geladen hatte,
rschossen.
Dortmund, 7. Vrt. (SSchmieding gestorven.
dbeute früh starb der Oberbürgermeister Schmieding in
einer Villa in Kappenberg bei Lünen. Der Name Schmie
rng ist eng mit der Geschichte Dortmunds verbunden.
*Essen, 7. Ott. Gergwertsunglück) Mitlage
urz vor 2 Uhr ereignete sich auf der siebenten Sohle de
zeche „Friedrich Ernestine“ bei Stoppeuberg eine Explo
on schlagender Wetter. Drei Bergleute wurden verschüt
et. Im Laufe des Nachmittags wurden zwei Tole X
Zage gefördert. Die Arbeiten zur Bergung des dritten
Zerschütleien dauern noch fort. Bei den Retitungsarbeiten
jat ein Nann der Retturgskolonie sein Leben eingebüßt.
— RNach erner späteren Meidung wurde auch der dritt
erschüttete Bergmann als Leiche geborgen.
* Barmen, 7. Okt. GBluttat eines Vaters.)
der Heizer Richard Becker gab auf seine Frau und Kin
er drei Schüsse ab. Hierauf tötete er sich selbst. Seint
OViährige Tochter starb kurz nach ihrer Aufnabme in
drankenhause.
*Königswinter, 7. Otlt. Selbsmord.) Hier hal
ich am westlichen Abhang des Oelberges ein junges Mäd—
hen vergiftet. Es handelt sich unm eine Krantenoflegerin
es städtischen Krankenhauses in Düsseldorf.
* Aßmanushausen, 7. Ott. (Der Wächter auf
em Niederwald.) Nach mehr als 50jähriger Mi—
tärdienstzeit trat am 1. Ottober der weithin vbekannte
angjährige Hüter des Nationaldenkmals auf dem Nie—
erwald, Feldwebel-Leutnant Henrich Evert in den wohl⸗
erdienten Ruhestand. Im Feidzuge 1870 —71 wurde er
iit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse ausgezeichnet.
zm April nd. J. wurde er anläßlich des Kaiserbesuches
uf dem Niederwald dadurch besonders geehrt, daß ihn
er Kaiser sein Bild mit eigenhändiger Widmung und
interschrift überreichen ließ. Bei seinem Uebertritt in der
tduhestand wurde ihm das Kreuz der Inhaber des Koöng
ichen Hausordens von Hohenzollern verliehen.
*Fraukfurt, 7. Olt. Irrsinnsta't) Mittagẽ
urz vor 1 Uhr fand man den Kaufmann und Bezirts
orstand Louis Fontheim und sein Dienstmädchen Prand
aseiner Wohnung erschossen vor. Man nimmi an, daß
as Dienstmädchen, das schon verschiedene Male im Ir
mhaus war, den Dienstherrn und dann sich selbst er
spossen h4
Maunheim, «“. Olt. ngrücksfauui. Hier er
ignete sich ein schwerer Unglücksfall auf der Maudacher
traße. Das Pierd eines Einspänners scheute durch einen
dahertommenden Straßenbahnwagen. Zwei Frauen und
ein Kind, die sich in der Nähe befanden, flüchteten vo
dem daherrasenden Pferde in den Straßengraben. Der
Wagen stürzte jedoch unglücklicherweise an derselben Sielle
in den Graben und begrub die beiden Frauen und das
Kind unter sich. Die 48 Jahre alte Frau Vondung er—
litt schwere Verletzungen und starb nach wenigen Minu
ten. Die andere Frau und das Kind wurden schwer ver
setzt ins Ludwigshafener Krankenhaus gebracht.
Aus aller Welt.
Berlin docet. Zum Studium der hiesigen Polizei
cinrichtungen ist der schwedische Polizeidirektor Nelsen
aus Karlstad in Berlin eingetroffen. Er wird mehrere
Wochen bei der Kriminalpolizei und dann ebensolange be
ver Schutzmannschaft zubringen, um die Einrichtungen und
auch den praktischen Dienst kennen zu lernen.
Verhaftete Krakehler. Wegen der Streikausschrei
lungen in Moabit wurden am Donnerstag wieder ach
Personen, unter ihnen organisierte Arbeiter, verhaftet
Jetzt besinden sich 64 Angeschuldigte in Untersuchungshaft;
sie sind zum Teil geständig.
Zie Stadiväter wollen's anders. Trotz des Vor—
schlages des Ausschusses, Gerhardt-Halberstadi zum Ober
bürgermeister von Magdeburg zu wählen, stimmte die
Mehrzahl der Stadtverordneten in geheimer Vorwahl für
den Bürgermeister Reimarus-Magdeburg. Gerhardt dürfte
zurücktreten.
Ausweisungen; Die Ausweisungen russischer Slaatg
angehöriger aus den galizischen Industriezentren werder
fortgesetzt. Seit einigen Monaten wurden gegen 600 Rus
sen aus politischen Gründen ausgewiesen.
Absturz. Lehrer Oberender aus Lindau ist von
Canisfluh im Bregenzerwald abgestürzt; er blieb tot.
Brennendes Bergwerk. Aus Danville wird berich—
tet: Das Kohlenbergwerk pon Hartshorn steht in Flam
men, 150 Bergleute befinden sich unier Tage.
Ein Drama. In Casteltesino hat der Jäger Buiffq
seine Mutter aus Versehen erschossen. Das Gewehr ent
ud sich und die Ladung traf die alte Frau ins Herz. Si
war sofort tot. Der Sohn wurde tobsüchtig und mußtq
gefesselt werden.
Die Cholera. In Neapel sind binnen kurzen
wiederum sieben Erkrankungen und drei Todesfälle an
Chol!ra vorgekommen. — NAus Odessa wird berichtet
Der russische Minister des Innern wies den Stadtvorste;
her Tolmatschow an, die Pässe aller von Odeffa per
Bahn oder Schiff Abreisenden zu stempeln, damit sie am
Ziel ihrer Reise genötigt sind, Quarantane zu balten.
H Mordprozeß oppius. Vom Schwurgericht Leiep
zig wurde Karl Koppius wegen Doppelmordes
und Mordversuchs zweimal zum Tode, zu 14 Jahre!
Zuchthaus und zu dauerndem Verluste der Ehrenrechte ver
irteilt. Fritz Koppius wird wegen Doppelmordes
Mordversuchs ꝛc. zweimäl zum Tode, zu sieben Jahre;
Zuchthaus und au dauerndem Verlust der Ehrenrechte ver
rteilt
Arbeiterbewegung.
Friede in der Metallindustrie.
Der Friede in der deutschen Metallindustrie iss
gesichert. Die Vertreter der acht bei den Seeschiffs—
versten beschäftigten Gewerkschaften haben sich mit fol—⸗
zenden von den Arbeitgebern bewilligten Konzessionen
einverstanden erklärt:
Die Grundlöhne werden auf den Hamburger
Verften um 2 Pifg. pro Stunde erhöht und zwar mit der
Raßgabe, daß bei keinem erwachsenen Arbeiter der Mini
nallohn pro Stunde weniger als 40 Pfg. betragen darf
Die Arbeits zeitwird vom 1. Jan. 1911 auf den Ham
ourger Werften auf 55 Stunden pro Woche, auf den an
deren Werften auf 56 Stunden festgesetzt. Die Auszah
ung erfolgt in Zulunft am Freitag, und zwar zum er
tenmal in der ersten Lohnwoche des Januar. Arbeiter
usschüsse werden nach den gesetzlichen Bestimmungen und
unter Berücksichtigung der von den Arbeitern erhobener
Vünsche eingesetzt werden. Die Arbeit auf den Werf
en soll Montag, den 10. Oltober, wieder aufgenom
nen werden. Die Vertreter der Arbeiter haben die Ver
flichtung übernommen, in den nunmehr an den einzelne;
IArten einzuberusenden Vollversammlungen die Annahmé
ieser Beschlüsse und die Wiederaufnahme der Arbeit zu
mpfehlen.
Es ist als sicher zu erwarten, daß die Arbeiterschaft
diesen Abmachungen ihre Zustimmung nicht versagen wird
Vit diesem Friedensschluß sind Streik und Aussperrun
an den deutschen Werften, die nunmehr acht Wochen ge
»auert haben, zu Ende gegangen. Die Vorteile, di
zie Arbeiterschaft bei den Kampf errungen hat, werde
on den Arbeitgebern für sehr bedeutend erklärt. Di.
Mehrbelastung bedeute eine sehr ins Gewicht fallend
ẽrhöhung der Produltionskosten.
Stettin, 7. Okt. Eine große Werftarbeiterversamm
lung hat die Hamburger Einigungsvorschläg
angenommen und der Wiederaufnabme der Arbei
zugestimmt.
Neueste Nachrichten und Telegramme.
Berlin, 7. Okt. Der Magistrat hat heute beschlossen,
den Opernplatz künftig Franz Josef-Platz zu benennen.
Breslau, 7 Okt. In einem russischen Grenzorte brach
vährend des Gottesdienstes in der Nähe der Kirche Feuer
aus. 8 Gebäude wurden eingeäschert. Fünf Kinder fanden
den Tod in den Flammen. Meßhrere Personen erlitten
schwere Verletzungen.
Köln, 7. Okt. Einem raffinierten Betrugsmanöver ist eine
Bankfirma zum Opfer gefallen. Dort traf ein Brief mit
einer Anzahl Wechsel im Gesamtwerte von 25 000 M. ein,
mit dem Ersuchen um Diskontierung. Der Auftrag wurde
von der Bank prompt erledigt, da in dem Schreiben gleich—
zeitig bemerkt war, es würde ein legitimierter Bote auf der
Bank erscheinen und das Geld in Empfang nehmen. Wie
sich bald herausstellte, war dieser Bote ebenso wie die Bank,
das Opfer zweier Schwindler, die inzwischen mit dem Gelde
durchgegangen sein dürften.
Saarburg (Lothringen), 7. Okt. Gestern vormittag ge—
riet ein aus Essen stammender verheirateter Landwehrmann,
Vater von 3 Kindern, der bei dem hiesigen Feldartillerie—
Regiment Nr. 16 eine Uebung ableistete, während des
Lxerzierens unter ein Geschütz, dessen Räder ihm über den
Kopf gingen. Der Tod trat sofort ein.
Hayingen, 6. Okt. Am Ausgang des benachbarten
Kneuttingen wurde am gestrigen Morgen ein Mann mit—
ten auf der Straße tot und mit Staub besudelt aufgefunden.
Man vermutet, daß er von einem Automobil überfahren
vurde. Blut war an ihm jedoch nicht zu finden. Einige
Arbeiter, die von der Nachtschicht heimgingen, zogen thn
auf die Seite. Uhr und Portemannai trug er bei fich, je—
doch keine Legimationspapiere. Der Mann ist in Gusu⸗
tingen völlig unbekannt.
Recklinghausen, b. Okt. In dem schon seit langen
Jahren schwebenden Prozeß der Stadt Recklinghausen gegen
die Bergwerksgesellschaft Hibernia war seinerzeit vom Be—
irksausschuß ein Urteil dahin ergangen, daß die Berg—
verksgesellschaft Hibernria an die Stadt Recklinghausen an
Imsaksteuer für den Ankauf der Zeche General Blumenthal
167 964 Mzu zahlen habe. Hinzu kommen noch 4 Pro⸗e
Zinsen von 1804 bis zum heutigen Tage mit 40 868
sodaß die Stadt im ganzen 208,822 Muzu beanspruch
hat. Mit der Bergwerksgesellschaft Hibernia ist nunmeh
ein Abkommen getroffen worden, wonach Revision geger
dieses Urteil nicht eingelegt werden soll, sodaß olso de—
Betrag endgültig der Stadt zugefallen ist.
Goͤrlitz, 7. Okt. In Landeshut ist ein Nachtwächt,
von Einbrechern, die er gestört hatte, erschlagen worden.
Kattowitz, 7. Okt. Nach einer Meldung aus Sosno
wice ist an der russischen Grenze der Hungertyphus ausg.
brochen. In der Gegend von Insiorno kommen täglich 8
bis 40 Todesfälle an Hungertophaus vor.
Czenstochau, 6. Okt. Daniozy Maco, der seinen Bru
der Wenzel getötet und die Leiche in den Dorfteich vo
Zawady geworfen hatte, ist mit dem Kirchenräuber identisch
der vor einem Jahre in dem berühmten Wallfahrtso
Czenstochau den perlenbestickten Mantel des Marienbilde
im Werte von mehreren Millionen Rubel sowie die Dia—
mantenkrone des Muttergottesbildes nund Wertsachen ae
stohlen hat.
Paris, 7. Olt. Der „Agence Havas“ wird aus Sa
gun gemeldet: NMajor Rumilly, der Befehlshaber, der Zito
delle von Hanoi, seine Frau, feine drei Kinder der Ordon
nanzburche und zwei eingeborene Diener erkrankten unte
schweren Vergiftungserscheinungen. Major Rumilly star
einige Stunden später. Die übrigen Personen sind auße.
Gefahr. Ein anamitischer Koch, welcher tags zuvor en
lassen worden war, wurde verhaftet. Der Vorfall ruf
große Erregung hervor, besonders im Hinblick darauf, do
vor zwei Jahren eine Verschworung von Eingeborenen en
deckt worden war, die den Plan gefaßt hatten, sämtlich
französischen Soldaten der Garnison zu vergiften. Mehrer.
Anamiten wurden damals hingerichtet.
Paris, 7. Okt. Wie das Journal meldet, ist Genera
Maunoury, der kommandierende General des 20. Armee
dorps, zum Militär⸗Gouverneur von Paris anstelle des
Benerals Dalstein, der am 24. Oktober die Altersgrenz
erreicht, ernannt worden.
London, 8. Okt. Central News berichten aus Lissu
bon: Das Eigentum der königlichen Familie wird respeb—
tiert werden. Die Mitglieder desselben sollen aber ver—
bannt werden.
London, 8. Okt. Es verlautet daß ein Teleggram.n vo
önig Manuel aus Gibraltar in London eingeiroffen ist
Der König erklärt daß die Königin Mutter mit der Herzogi
Oporto und er selbst wohlbehalten in Gibraltar eingetroffe
seien. Er erwähnt die Revolution nicht und hielt aue
keine Andeilung über seine Zukunftsplaͤne. Man glaubt
daß er in Gibraltar bleiben wird solange bis er Naͤchrich
über die Lage in den portugiesischen Provinzen empfangei
hat und daß er falls die Revolution sich über das ganz—
Land ausgedehnt habe, nach England kommen werde.
Lissabon, 8. Okt. Nach den aus dem ganzen Land
eingehenden Nachrichten soll die Republik nahezu in gan
Portugal vom Volke anerkannt und der Widerstand de
önigstreuen Truppen, wo er sich zeigte, beseitigt sein. Di
Regierung ließ viele Polizei-Mannschaften und anch zahl
reiche Geistliche, die sich weigerten, die Republik anzuer
kennen, gefangen setzen. Die Haltung der Bevölkerung i
bei aller Begeisterung verhältnismäßig ruhig. Eine groß
Demonstration der Republik brachte der vorgestrige Rach
mittag. Unter ungehenrer Beteiligung und mit feierlichen
Zuge wurden die Leichen der beiden Helden der Revolu
tionstage zu Grabe getragen, die des Professors Bombard
und die des Contreadmirals Reis, des Führers der Mari—
bei dem Aufstand, der sich am Dienslag während de
Kampfes in einem Augenblick erschoß, in dem er die Sach
der Republik als verloren hielt. Die Leichen sollen spät⸗
nach dem National⸗-Panthorn übergeführt werden.
Kalkutta, 8. Otkt. An den Ufern des Ganges sin
gestern 700 brahmanische Pilger, die sich oberhalb vor
Agra niedergelegt hatten, von einer plötzlich eintretenden
Flut mitgerissen worden. Das Wasser stieg so schnell, daf
ein einziger Teilnehmer des Pilgerzuges sich retten konnt⸗
Alle ertranken in den Fluten des Ganges.
I— —
DuMMonts Sorꝗgenbrecher
ein gesunder, vorzüꝗglieher Rauchfabok
Grobschnift in Blau- feinschnilt in Broundruck
das Mertelpfundpaket 20 Pfo ceeletzlaesch.
füllt das Laub und steigt der daft
dann müssen, wie der Voltsmund behauptet, en
— pfindliche Leute sich ganz besonders vor Erkältungen
hüten. Unschätzbare Dienste leisten ihm dabe
—9— Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen, natstrlich nu
die ächten. Wer sie nach der erprobten Vorschrif.
anwendet, hat eine gute Gewähr dafür, daf
Witterungseinflüsse bei fonst nalurgemäßer Haltunt
ihm ntchts anhaben können. Fays ächte Sodene
kosten nur 86 Pfg. pro Schachtel, man achte abe
strena darauf. daß man keiune Machahmungen erhä
—Z
244⸗
assame Auen
ricket nur Sternwolle
ige— — —— —— ⏑⏑—⏑—
Orangestern
8 leinrte ⸗ eavoue
hotstern — **
Uioletstern oenteine on
Grünstern beste
Zraunstern s Konsumsternwollen
2trümpfe und Socken aus Sternwosie
Sind die bIIIAIgatem, weil an
—
Reklame-Piakate auf Wunsch gratist
Jorel & ammqernsainnoret, Altona-Bahrenfelé.
⏑ ——
Bekanntmachung.
Bei einem geschlachteten Schweine des pens. Bergmann⸗
Jakob Keller in Dudweiler, Bahnhofstrilße 39, wur—
Rotlauf (Backsteinblattern) amtlich feftgestellt.
Ueber das Gehöft habe ich die Sperre verhängt.
Dudw eiler, den 7. Oktober 1910.
Die Polizeiverwaltung
Der Bürgermeister.
J. V. Der Beigeordnete: Hübn
—— — — —— —— —
Evangelischer Gonesdienst.
Sonntag, den 9. Oktober 1910.
—
Dudweiler.
81/, Uhr. Pfr. Trommershausen.
10. Uhr. Pfr. Wick aus Saarbrücken 3.
Herrensohr.
i,,10.— Uhr.
101 — Thr. Ehristonlehre