Full text : Dudweiler Zeitung

Nummer 231. 23. Jahrgang.
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dei der Post bestellt 228 vierteljaͤhrlich. Fernsprech⸗ Anschluß Saarbrücken Nr. o0, W0, 268 4. 1281. Redaktlon, Druca une veriag von J AnkerneneVudw eller. Bei Jahres⸗Abonnement hoͤchster Rabatt
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m innerhalf / A ESctuaden vac dem Uufeall in Arztliche Behandi
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Koloniales. —*
A Mit dem 1. Oktober tritt in Kamerun eine
reue Schulordnung in Kraft. Ihr zufolge wird
n Eingeborenenschulen als Unterrichtssprache und als Ge—
‚enstand des Sprachenun errichts neben der am Schulorte
errschenden Eingeborenensprache keine andere Sprache zu—
elassen als die deutsche.
A Den Uebergang samoanischer Pflan—
ungen in englilche Hände beklagt die Sa—
aoanische Zeitung. Das Blatt weist darauf hin, daß,
enn der Uebergang der Samoa⸗-Kautschulkompagnie und
zafata⸗Samoa⸗Gesellschaft in englischen Besitz zur Tat
ache wird, den beiden deutschen großen Pflanzungs⸗Ge⸗
ellschaften alsdann fünf englische gegenüber stehen wer—
»en. Damit würde bei weitem der größte Teil der auf
Zamoa angepflanzten Kakaobäume sich in englischem Besit
»efinden. Die Unterstützung, welche die deutsche Reichs
egierung den Kakaopflanzungen auf Samoa früher durch
kntsendung von Geheimrat Wohltmann, sowie einem mil
ner Rattenvertilgung vertrauten Sachverständigen lieh und
segenwärtig durch Entsendung des Dr. Dehrmann zur
beobachtung und Behandlung der erkrantten Kakaobäume
ju Teil werden läßt, würde alsdann in der Hauptsache
glischem Kapital zugute kommen.
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die Revolution.
HDas kleine Land im Südwesien Europas, das eins
nächtige Kolonialreich, jetzt aber zu ziemlicher Bedeutungs
osig'eit herabgesfunsene Portugal befindet sich in hel
em Ausruhr. Noch in aller Erinnerung ist das en setz
iche Drama, als vor wenigen Jahren König Carlo vor
zortugal und der Kronprinz Opfer der Volkswut wurden
der König haite eine Lotterwirtscha't schlimnster Art ge
ührt. Da fanden sich bald Meuchelmörder, die sich mi
em surchtbaren Verbrechen des Mordes, des Königsmor
es, befleckenn Nur einem Zusa'l war es zu danken, daf
licht schön damals die ganze Dynastie vernichtet wurde
der zweite Sohn Dom Carlos rettete damals sich um
en Thron. Für kurze Zeit nur, wie es den Anschein hat
die ebenfalls vom Mordblei verschont gebliebene Königin
lmalie und hr Sohn, der jugendliche König Manuel

—
—
—

—1 ilihai ue Amatie v. orfug oα3 / anuel vonsort
aben aus den furchtbaren Ereignissen wenig gelernt. Di—
cleren Zustände im Königsschlosse zu Lissabon besserten
ch nicht. Auch sitt ich war das Leben des jungen Kö—
igs nicht einwandfrei. Die Schulden- und Günst
ingswirtschaft wurde in gleichem, wenn nicht größerem
aßstabe fortgesetz, wie unter dem ermordeten König
die Frucht dieser Unheilssaat ist die Revolution, die nur
ielleicht der Dynastie und dem portugiesischen Königtun
ndgültig den Garaus macht. Als diese Zeilen in die
Zetzerei wandern, steht der Aufenthalt des Königs noch
icht fest. Die Meldungen widersprechen sich. Nach dei
inen befindet er sich in Sicherheit auf einem brasilian
chen Krieasschiff. die anderen lassen ihn noch im Schlossf—

Wieder gefunden.
. Helbĩg ankwortete nichts mehr — er stürzke ohne fid
veiter umzusehen, hinaus in das tobende Unwelter. We—
emals pon der Söhe des Glücks plöslich und unerwarte
g die Nacht der Verzweiflung gestürzt worden, wird sid
inen Begriff von dem Zustande machen können, in den
»elbig sich in diesem schrecklichen Moment befand. Je un
twarteter, desto entsetzlicher war dieser Schlag. Alle —
Ie Hoffnungen auf einmal begraben, verfunken in dimkl
acht und was noch bitterer war, er hatte sich getäuscht —
bar dieses Mädchen seiner Liebe wert? Sie, die er berech
igt hielt, nach den höchsten Gütern des Lebens zu greifen —
e die er selbst an seiner Hand in den Vollgenuß de
ealen Lebens führen wollte — sie reichte ihre Hand einen
Vilberg, einem kahlköpfigen, abgelebten. rohen Menschei
ind warum? — Vielleicht hatte Frau Henzel Recht gehabt
veil,er Baron war. — Pfui über diese Weit! Und das ta
in Mädchen, aus dessen Augen ihm noch gestern das Lich
es Verstaͤndnisses geleuchtet hatte. War es denn möoglich!
Var alles nur Schauspieikunft? Und wenn dies, kann de
densch denn etwas darstellen, was außerhalb. der Sphaͤr
Lines Empfindens liegt? Unmöglich! Die Fähigkeit einei
dlen reinen Empfindens lag in ihr, und mit leichtfertigen
Zinn opferte sie für einen leeren Titel ihr besseres Gefüh
gab sie sich einem Menschen zu eigen, den sie ja nicht lie
en, nnte und dessen abgebrauchtes Herz ja guch nicht meh.
vlieben imstande war. O, diese Kunft, solch einen Men
chen zu fangen — die Sinne ihm zu kitzeln, daß er in
dausch selbst die Mitgift vergißt! — Helbig iachte wiid aul
Jer war jetzt vor dem Hause Johannas angelangt, an dem
r. heute früh mit heiliger Scheu vorübergeschriflen war
in krampfhafter Schmerz preßte sein Herz zusammen
dicht daß er fie verloren, shmerzte ihn so unendlich — aber
aß er sie so verloren hatte, daß sie so tiefß, so lief sinken,
aß er ihr Bild auf ewig als unwürdig aus seiner Erinne
ung verbannen mußtel — Als unwürdig? — Unwürdig —
7 die ihm noch, vor kurzem als das Ideal höchster Voll⸗
ommenheit vorgeschwebt! Konnte so sein Herz irren? So
ein Verstand von der Leidenschaft sich umnachten lassen, daß
rdas nicht gleich erkannt? — Ohne aufzusehen, mit blaffen,
erzerrten Zügen ging er an dem Hause vorüber.
Oben am Fenfler neben dem Lehnstuhl Susannes stand
ohanna. Ihre Augen schimmerlen von Tränen, — sie
ar bleich wie der Tod: angstvoll griff sie mit der Hand
n dem Herzen. als presse ein ödsicher Sannera es zu
mmen.
Mit innerer Sorge schaute die Alte auf das in heftig
Errooduus ternae —ν⏑— * 72

z xissavon, beiagerr von der revstuttonaren Armee,
domizilieren. Wohl ihm, wenn er sich geborgen auf dem
Wasser befindet! Wer weiß, ob die aufgeregte revolutio
näre Menge der Parole der Führer, Leben und Eigen
um zu sfschonen. Folage leitte- wird

Die letzten Wahlen haben gezeigt, daß der Anhan—
er Republikaner in der Hauptstadt überwält gend grofß
st, aber es blieb unklar, wie tief die Bewegung geger
ie Dynastie auch in den Provinzen bereits ins Vol
edrungen. Zu den jüngsten Wahlen kamen Korruption
Vahlfälschungen und verwerfliche Mittel jeder Art ir
inem Maßstab zur Anwendung, daß das Parlament gleich
ach seinem Zusammentritt auf Monate hinaus bis zu
erichtlichen Erledigung der Wahlproteste vertagt werder
außte. So ist die Hoffnung nicht eben groß, daß die
ztimmung des Landes der Erhebung in der Hauptstad
ugunsten der Monarchie entgegenarbeiten werde. Went
licht die Regierung des Herrn Teixeira de Sousa wirk
ich auf einen großen Teil des Heeres zählen kann, was
uum mehr wabricheinlich ist. dann dürften ihre stolzen
drohungen, daß sie jeden Ausstandsversuch sofort nieder
verfen werde, vergebens gesprochen sein.
Die dreizehn Parteien des Parlaments sind des Lan
es Verhängnis gewesen, dann ferner noch Francos Dik
iturgewalt, die Ausbeutung der wirtschastrichen Kräft
»es Landes durch die Machinationen der Berufspolitiker
ie uaufhörlichen finanziellen und politischen Skandale
on denen der Zusammenbruch des „Credito Predial“ de
ngeheuerlichste war, die Zerstörung jeglichen Vertrauen
ur Rechtspflege und zur Verwaltung, das Bewußtsein
as sich tief in jedes einzelnen Portugiesen Brust einge
ressen, daß das Volk von allen, die zur Leitung seinen
jeschicke berufen sind, verraten und verkauft sei, alles da⸗
rachte die Volksseele zum Kochen. Was wunder, wenn
ver ijunge König, der in y 515tischer Hinsicht jeden

ib mir die Yano, mein Rindis sagte sie.
Johanna tat es. — Die Hand zuckte merklich unter der
gerührung der Allen.
„Was ist dir? sprichl“ fuhr Susanne fort. „Verkraue
air, was dich drückt! — mir, deiner besten, treuesten
zreundin!“
Statt aller Antwort neigte Johanna wie einer Ohn⸗
iacht nahe das Haupt und sank in die Knie.
„Um Gott, was ist dir?“ fragte angstvoll die Alte.
„O, Susanne, Susannel“, rief sie mit gausbrechendem
S„chmerze. — „Helbig weiß jetzt alles, er verachtet michl!“
Susanne sah sie lange traurig an:
„Gabst du ihm Veranlassung zu hoffen?“ fragte sie.
Johannqg nickte nur, kein Wort kam über ihre Lippen,
in schmerzliches Zucken durchzitterte ihren ganzen Körper.
Die Alte seufzte — sie hielt das schöne Haupt des jun—
jen Mädchens an ihre Knie gedrückt.
„Johanna,“ sagte sie ernst, ‚du liebst Helbig, warum
denn diefe rasche Verlobung mit Wilberqg, die dich unglück.
ich machen muß? — Ich verstehe dich nicht!“
Johanna fuhr heftig in die Höhe.
„Du verstehst mich nicht?“ — „nachdem du mir
jestern das ganze Elend meines Dasdins, die ganze Schande
nnthüllt hast, die meine Geburt umgibt? Muß ich mich nicht
»em zum Opfer bringen, der mir Jahre seines Lebens ge
pfert hat? Was an mir der fremde Mann getan, der nich!
nein Vater ist, ist so groß, so riesengroß, daß alles, was ich
uch tun mag, dagegen nur klein, erscheinen kann. Pflicht
st es mir aber, heilige Pflicht jetzt, da ich dieses Opfer
enne, was mir der gebracht, der mir, der Namenlosen, schon
urch die Geburt Befleckten, Namen und Ehre gegeben —
ieses Opfer nicht länger mehr anzunehmen.“ —
Susanne schaute schmerzlich zu Boden:
„Hast du auch wohl bedacht, daß du dich unglücklich, vor⸗
edacht unglücklich machst durch diesen übereilfen Schritt?“
ragte die Alte.
„Nenne diesen Schritt nicht übereilt,“ rief Johanna —
ind Susannes Hand ergreifend und ein Lächeln auf ihre
Lippen zwingend, setzte sie rasch hinzu: „Weißt du nicht,
Raß ich seit Monden den Gedanken gefaßt und hin und her
erwogen habe, Wilbergs Gattin zu werden?“
Aber, noch gestern verbanntest du diesen Gedanken
wieder, weil du erkanntest, daß du ihn nicht lieben könntest.“
Johanna schauerte zusammen; sie gedachte des gestrigen
Tages, gedachte der Wonne, als Helbigs Arm sie umschlun
en, als seine Blicke ihr das süßeste Geständnis gemacht. —
bich — erst seit dieser Stunde, da sie wie ein Blitzstrahl die
ssaomalt einer großen Leidenschaft Mran soei

faus ohne personuche Schuld iist, da er rkonstitutionell re—
gierte, sene junge Königsherrlichkeit zusammenbrechen
sieht. Er hat das warnende Menetekel der Weltgeschicht
undeachtet gelassen: „Gewogen und zu leicht befunden.“
*

* *
Lissabon, 6. Okt. Das brasilianische Kr'egsschiff
„Sao Paolo“, das mit Präsident Hermes da Fonseca nack
Brasilien in See gehen sollte, ist noch nicht abgefahren!
es liegt noch immer auf dem Tejo.
Lisffabon, 6. Oklt. Die aufftändischen Schiffe beschos
sen bestimmte staatliche Gebäude, besonders das Marine
arsenal. Die Zahl der Toten aus der Nacht ist groß. Al
lenthalben werden Rufe: Es lebe die Republik!“ laut.
Nachrschten aus der Provinz kommen nicht in die Siadt
Lissabon, 6. Olt. Die „Agence Havas“ me det: Die
sriegsschiffe der Aufständischen, die auf die Stadt, beson
ders auf die Ministerien, die die Praca do Commeceice
umgeben, und auf das Königsschloß Necessidades feuerten
richteten großen Schaden an; auch der Turm der Kirch
von Nece sidades ist zerstört. Gewehrsalven in der Untet
tadt tötelen mehrere Passanten. Man schätzt die Zahl de
Toten bis jetzt auf eswa hundert; die Zahl der Verwin
deten ist bedeutend größer. — König Manuel befinde
sich immer noch im Schlosse (7) ohne Schaden erlitten
zu haben. Die Königin Amelie und die Königin Pia sind
in Cintra. Man sagt, die Aufständischen seien im Verlus
und zögen sich nach Monsanto in der Nähe von Lissabo
zurück. Mit Ausnahme der Dörfer Barreiro und Setuba
auf dem anderen Ufer des Tejo, Lifsabon gegenüber, wer
den Unruhen aus anderen Orten Portugals nicht gemeldet
Paris, 6. Okt. Der „Information“ zufolge hat Mi
nisterpräsident Canaleijas in Madrid den Journalisten er
tlärt, daß König Manuel und die Königin-Mutier sich
nach England eingeschifft haben. Dir Kampf in Lissabe
dauert fort. Die Flotte und zwei Regimenter Infanteri
sind völlig auf der Seite der Revolutionäre. 8000 Bauern
sind in Lissabon eingezogen und haben die Republik ju⸗
belnd anerkannt. Nach den letzten Nachrichten hätten die
Republikaner nunmehr die Oberhand, uͤnd die Republi
proklamiert. General Gorjas beging Selbstmord, al
die Revolutionäre ihn im Palast gefangen nehmen woͤllten
Madrid, 6. Okt. Die „Correspondencia“ erhielt fol
gendes Radiogramm: Der König und seine Mutten
ind geflüchtet. Die Revolution ist völlig siegreich
Zämtliche Eisenbahnen sind abgeschnitten.
Madrid, 6. Olt. Aus Liffabon wird gemeldet: Di
Revolutionäre besetzten die Kaserne neben dem Palast un
öteten einen Oberst und mehrere Offiziere.
Lissabon, 6. Olt. Das 16. Infanterie-Regiment unl
die Artillerie revoltierte und verließ die Kaserne; es kam
zu einem Zusammenstoß mit der Munizipalgarde. dDi⸗
derluste sind groß. — Es haben die der Regierung bie
dahin treu gebliebenen Truppen, die sich auf dem Don
Pedroplatze befanden, mit den Revolutionären gemein
ame Sache gemacht und sind nach der Kaserne zurückge
ehrt. Die Menge brach in Beifallskundgebungen aus und
ief: Es lebe die Rpeublik! — Die Volksmenge hißte au
»en Gebäuden des Ar'enals und dem Rathause die repu
alikanische Flagge. Die Aufständischen stürmten alle be
„laggten Gebäude, zogen die alte portugiesische Fahne en
und zerrissen sie.
Badajaz, 6. Olt. Es besteht das Gerücht, daß dir
königliche Familie gefangen an Bord eineẽ
Zriegsschiffes sich befinde. Auf einem im Hafen ankerndern
Ichiff, das die republitanische Flagge hißte, hatten di
zeiter der Republikaner mehrere Konferenzen mit der
hefs der Armee und der Marine. In den Straßen vor
Lissabon tobt ein heftiger Kampf, wobri die AUriilleri
die Hauptrolle spielt. Die Aufsiändischen sind ausgezeich
net bewaffnet. Das Arsenal ist eingenommen und die doe
tigen Waffen unter die Bevölkerung verteili.
Lissabon, 6. Okt. Bis jetzt gehört der Sieg nach
über 24 Stunden Kampf den Aufständischen, ob
schon ein Teil königstreuer Truppen hohe Punkte de
Ztadt noch besetzt hält. Der Aufenthalt des Königs ij
inbekannt. Ein Gerücht sagt, er befinde sich in der eng
ischen Gesandtschaft; wahrfcheinlich ist er aber n
*krireira an Bord der Vant Danna ——

eler Srutiite e ne, daßtz sie an Wilbergs Seite elend
berden mußte. — Und dennoch — dennoch, als er das ent
cheidende Wort gesprochen, alz er die Sitternde gefragt
„Willst du mein Weib werden?“ hatte sie mit fester Stimmo
geantwortet: Ja“.
5 Susannes Augen ruhten forschend auf ihr ⸗
Das Opfer,“ sagte sie, „das du dir auferlegt hast, Jo
—A——
aran zu Grunde gehen.“
„Ich werde und darf das nicht!“ entgegnete Johanno
rnst. Ich werde mich bemühen, eine ghidliche Frau zu
verden, die glücklich maächend, sich selbst glücklich fühlt.“
Gott gebe, daß es dir gelingel!“ seufzte die Älte. —
Mero ist nicht der Mann, der dir das leicht machen
vird.“
„Er ist sitherzit und offen, das hast du selbst immer
ugegeben,“ sagte Johnna.
Aber dabei rauh und rücksichtslos! Du wirst did
chwer in sein Wesen finden!“
Und als sollten die Worte der alten Susanne fsogleick
zestätigt werden — schallte jetzt eine laute schmetternde
Stimme, die ihren Namen rief, durch das Haus, daß beid—⸗
Frauen erschreckt zusammen fuhren.
Die Türe wurde geräuschvoll aufgestoßen und die mäch
ige Gestalt Wilbergs erschien in derselben. Sein Antlit
var dunkel gerötet wie von eben genossenen starken Ge—
ränken, seine kleinen Augen blitzten vor sinnlicher Glut, als
er auf Johanna zuschritt und einen derhen Kuß auf ihren
Mund drückte.
Sie erschauerte unwillkürlich unter dieser Berührung.
s war ihr, als griffe eine eisige Hand nach ihtem Herzen
Zum Donnerwetter, wo hast du dich verkrochen. Sanu
ing? rief der Baron in augenscheinlich vom Wein ani
nierter Stimmung. — „Erst hat man mich zu Mitlag ein—
geladen und ijetzt ist niemand unten mich zu empfangen
Seltsame Wirtschaft das in diesem vermaledeiten —“
Er hielt plötzlich inne, als besänne er sich jetzt erst, wo
r war und wandte sich entschuldigend an Susanne.
, Verzeihen Sie,“ sagate er, wenn ich Sie erschreckl
jabe S aber ich beirachte mich jedt hier wie zu Haufe —
nit Baron Wilberg, werden ietze andere Geister hier ein—
iehen als bisher, so lange das alte Gemäuer nur zur Zwing⸗
urg für den Doktor, meinen jetzigen lieben Schwiegervater,
iente. Meiner Hansing wird es schon besser gefallen —
as wette ich — wenn der flotte Baron hier haust. als wem
loß Knochen und Schädel sie umgeben.“
Damit faßte er Johanna unter das Kinn und preßt
bermals seine breiten Lippen auf ihren Mund.
Und min komm. Liebnon fuhr er fort und zog 22*

tung der Auffständischen, des Mintars und des Boltes ij
tadellos; Ordnung herrscht überall. Unbeschreiblich ist de
Enthusiasmus der Bevolterung. Meldungen aus Port
stehen noch aus, Affonso Costa erklärte, das ganze Lant
hänge der Bewegung an.
Lissabon, 6. Okt. Der König, sowie die Königin
nen Amalie und Pia haben sich in aller Eile nad
Dafra begeben. Auf allen öffentlichen und auf vielen Pri
patgebäuden, ebenso auf der Bank von Portugal weht di
republikanische Fahne. Das Volk hat sich bewaffnet, sra
ternisiert mit den Truppen und zieht, die portugiesisch
Marseillaise singend, weiche zur portugiesischen National
hymne wird, durch die Straßen.
Die Proklamierung der Republik.
ELissabon, 6. Okt. Vom Balkon des Rathauses hie
der republikanische Führer Eusebio Leao eine Aufprach
in der er der Bürgerwehr die Polizei und die Aufrech
erhaltung der Ordnung anvertraute. „Schonet“, so rie
der Redner, „das öffentliche und private Eigentum; scho
det das Leben eines jeden, wer er aueée
e i. Ich wiederhole, wer er auch sei. Die Republik i
zroßmütig und großherzig.“ Eine gewaltige Menge ju
delte ihm stürmisch bee.
Sine provisorische Regierumng.
Lissabon, 6. Okt. Heer wurde erne provisorische Re
gierung gebildet, die wie folgt zusammengesebt ist: Ther
phile Braga Präsidentschaft; Affonso C'o st a Ju sti⸗
Bernadino Machad o Aeußferes; Brazilio Telles 5
nanzen; Antonio Luiz Gome,, oͤfsentliche Arbeiten
Oberst Barreto Krieg; Antonio Jose Almeida In
neres; Amaxae Azevade Gomes Marine und Zivilgou
verneur von Lissabon: Eusebio Leao. Die neue au
dem Stadthause gehißte Flagge wurde von der Ferdariil
lerie salutiert.
Berlin, 6. Olt. Die provisorische Regierung in Li
sabon hat durch ihren Präsidenten Theophil Braga de
aus wärtigen Ministerien der Mächte telegraphisch die Pro
klamierung der Republik und die Konstituierung der pr—
bisorischen Regierung mitgeteilt. Sie übernimmt die Ga—
rantie für Au rechterhaltung der Ordnung und Schutz de
Sigentums und versichert, daß die Provinzen mit ihr sol
darisch seien. Die Regierungen nehmen diese Mitteilunge
vorläufig zur Kenninis. — Ueber den Aufenthalt de
KTönigs Manuel liegen an Berliner amtlichen Ster
len auch jetzt noch keine weiteren Mitteilungen vor. E—
steht aber fest, daß er weder in den Händen der Repu
bliklaner ist, noch daß er an der Spitze irgend welcher fü
die Monarchie eintretenden Truppen sich befindet.
München, 6. Oklt. Aus Innsbruck wird de
„Münchener Zeitung“ berichtet, daß nach einer Meldung
die auf Schloß Mentelberg in Tirol bei Verwandten XF
Königs Manuel eingegangen ist, der Kön'g und seine Mut
ter, wie nun mit Bestimmtheit festgestellt sei, auf dem in
Hafen vor Lissabon liegenden englischen Kriegsschiff un
ter sicherem Schutze seien

Der überraschte König.
Eine Persönlichkeit, die vor einigen Wochen in Li
sabon mit dem Köneg gesprochen hat, berichtet einer Korre
spondenzt Der junge König ist offenbar von dem Au—
bruche der Revosution vorlständig überrascht worden un
war sich über den Ernst der Lage in keiner Weise klar
Auf den Versuch, ihm klarzumachen, daß für ihn un
seine Dynastie die Stunde der En schedung nahe bevor
stehen könnte, antwortete er nur mit einem ungläubige
Lächeln und auf den Hinweis, daß die Gärung in de
Bevölkerung nur durch Konzessionen, wie man sie in der
Nachbarlande Spanien gemacht habe, vielleicht noch be
ruhigt werden könnte, erwider e er mit Lebhaftigkelt, di
Vechältnisse in Spanien und Portugel ließen keinen Ver
gleich zu; die Poriugiesen seien für ein liberales Regi
nment noch nicht reif. Dabei verkauste man nur wenig
Schritte vom Königspalaste, unbehindert von der Polize
Post“?arten mit den Bildern der Königsmörder vom
Februar 1908, deren Andenken überhaupt wie das vo—
Narionaltheiligen geseiett wird, und wo die Führer de
Nuhlilanischen VPartei sich öffentich zeiafen. begrüße ma—
——
m seinen Armen Bebende zur Türe hin. „Der Varer war—
et schon unten auf uns!“
Die Tür flog hinter den beiden zu. — Susanne sas
nit gefalteten Händen im Lehnftuhl — gaus ihren alle
Augen stahlen sich helle Tropfen über die gefurchten Wangen
„Armes, unglückliches Kind!“ murmelte sie. Gottse
hbu ihr gnädig, und laß es so ein Ende mil ihr nehmen, da
8 gut wird lꝰ

12 64n4t

*

Helbig war nicht zum Mittagessen heruntergekommen
er hatte Unwohlseins halber entschuldigen lassen. Der
direktor saß allein mit seiner Gattin am Tische; der kleim
donrad mußte noch daz Bett hüten, obwohl sein Zuftam
großen Freude der Eltern ein ganz unbesorglicher war
ie Direktorin sah noch angegriffen aus, auch strich sie zu—
wveilen mit der schmalen Hand über die weiße Stirn, alt
volle sie dadurch die Kopfschmerzen bannen, über die fie nod
mmer klagte: aber sie laͤchelte doch schon, als ihr Gatle ih
die neueste Neuigkeit mitteilte, die Verlobung nämlich det
baron Wilberg mit Hannchen Körner.
„Gott sei Dank.“ rief sie. Ao ist die Gefahr für Oskar
dorüber!
„Ob er es schon weiß?“ fragte der Direktor.
Jedenfalls!“ entgegnete sie. Nein, Ihr Männer habt
och gar keinen Scharfblick. Als du mir die Verlobunc
darnchens mitteiltest, wußte ich mir sofort den Grund vot
Oskars Unwohlsein zu erklären. Hannchen hatte ihn durä
hre Koketterie gefangen. ich sagte es dir id bereits vor lam
der Zeit.“
Der Direktor sah seine Frau überrascht an.
„Sollte das so sein?“ sagte er traurig. „Armer Junge
- da täte er mir in der Tat sehr leid.“
Nun, nun!“, rief die Direktorin lachend, „den Kopf
vird es ihm ja nicht kosten. Junge Leute tröften sich balt
iäher so etwas. Und was veruert er denn? Ich betracht⸗
28 als ein großes Glück, daß es so gekommen ist.“
„Er macht eine der traurigsten Erfahrungen, die ein
unges Herz machen kann,“ entgegnete der Direktor. „Er
hat sich in seiner Liebe getäuscht und das ist hart, besonders
ür ein so empfindungsvolles Herz, wie das Oskars ist. Ja
will sogleich zu ihm hinauf und nach ihm sehen Teilnahm—
vird ihm wohltun.“
„Bedauere ihn nur nicht;“ sagte die Direktorin, „son
dern wünsche ihm Glück. das wird die bheste Kur für ihr
88 *
            
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