rondon, b. Okt. Hier verlautet, daß eine eventueue
cat König Manuels den Republikanern ein Dorn im
uge war, weil sie befürchteten daß eine Verbindung des
königs mit einem fremden Herrscherhause seiner Absetzung
rößere Schwierigleiten bereiten würde. Im Zusammenang
damit erinnert man an das Gerücht, der König
holle eine englische Prinzessin heiraten. Die englische
egierung habe aber abgeraten, weil sie schon damals
n den kommenden Ereignissen unterrichtet war.
Paris, b. Okt. Die revolutionäre Bewegnng in Lissa⸗
a wird nicht in letzter Linie auf die fortgesetzten Ver—
aftungen zurückgeführt, welche wegen der Entdeckung von
omben in Lissabon vorgenommen wurden. Das letzte
pfer der Verhaftungen war ein Student der Medizin,
er in Lissabon eine bekannte Persönlichkeit und beim
zolke sehr beliebt war. Man sagt duß diese Verhaftung
neä Gemeinschaft mit der Ermordung des Profeffors Bom—
arda dem Faß den Boden ausgeschlagen hat. Die In—
ervention der Marinetruppen bei den Tumulten ist erst
ann erfolgt, als die Straßenkrawalle eine große Ausdeh—
ung angenommen hatten.
Lissabon, 51. Okt. Mit Einbruch der Dunkelheit ent—
undte das vor Lissabon liegende brasilianische Kriegsschiff
»co Paolo eine Dampfbarkasse vor den königlichen Palast,
m die Königliche Familie aufzunehmen. Nach einigem
zträuben willigte Manuel und die Königin Mutter Amelie
in und begaben sich durch das Spalier der treu gerliebe—
en Truppen auf die Barkasse, die sie an Bord des Kriegschiffes
Sao Paolo brachte. Diese Nachricht, die in Wider⸗
pruch steht mit allen bisherigen, Meldungen kann als ver—
äßlich gelten. Es heißt, daß dasz revolutionäre Komite
denntnis von dieser Flucht hatte und sie stillschweigend
illigte. — Mit dem heutigen Mittagszuge verließ der
zarises portugiesische Gesandte mit zahlreichen Mitgliedern
er portugiesischen Kolonie Paris.
Paris, 5. Okt. Man erklärt sich in hiesigen Regierungs—
eisen die Sperrung aller von Portugal ausgehenden Te—
gramme damit, daß die fremden Regierungen nur von
‚ollzogenen Tatsachen unterrichtet werden sollen, sodaß ihnen
aur die Anerkennnng der vrovisorischen republikonischen
Regierung übrig bleiben soll. Beachtenswert ist eine jüngst
yon dem Deputirten Castro abgegebene Erklärung, daß die
ünftige Republick Portugal für alle Verpflichtungen der
Monarchie gegenüber auswärtigen Gläubigern aufzukommen
ereit sei. Castro gilt für den Fall des Gelingens der
devolution als Präsident einer provisorischen Regierung
ie aus 14 republikanischen Deputierten gebildet werden
oll.
Madrid, 6. Okt. Die hier vorliegenden Nachrichten
us Lissabon lauten noch unsicher und widersprechen ein—
nder. Als feststehend kann gelten, daß in den Straßen
eissabons blutige Kämpfe zwischen zwei Regimentern statt⸗—
inden. Ein Ariillerie-Regi. soll gegen ein anderes königs—
reues Artl.«Regt. gekämpst haben. Die Regierung riet dem
dönig sofort den Palast zu verlassen, da sein Leben dort
n großer Gefahr sei. Der König leistete dem Rat Folge.
HAie Gerichtstadt ist vollständig in der Gewalt der Revo—
utionäre. Der König soll sich an Bord eines im Hafen
legenden fremden Kriegsschiffes befinden. Nach einer Mel—
ung sei dies das brasilianische Kriegsschiff „St. Paulo“,
ach einer anderen Meldung ein englisches Kriegsschiff.
der König soll mit der Königin Mutter nach England ab—
ereist sein. Die Revolutionäre drangen in die Kaserne
ader Nähe des Königsfchlosses ein. Der Oberst eines
degiments, der noch königstreu war, sowie mehrere Offiziere
burden getötet. Die Mannschaflten, sowie der Rest der
ffiziere gingen zu den Revolutionären über. Diese er—
alten fortgesetzt Verstärkungen aus den Provinzen. Die
evolutionäre wechseln verabredete Zeichen mit den im
afen liegenden Schiffen. Gleich darauf begann die Be—
sießung des Königspalastes. Im Hafen von Lissabon
nd bereits mehrere englische Kriegsschiffe eingetroffen.
jede Verbindung mit Spanien und Portugal ist unter—
rochen. Ein spanisches Kavallerie-Regt. ist zur Bewach—
nng der Grenze ausgerückt. Die Regierung sandte uoch
iehrere Truppenwerbände an die Grenze. Der Marine—
ainister hat gestern abend die Absendung mehrerer Krieas—
hiffe nach Lissabon angeordnet.
Paris, 6 Okt. Die letzten Meldungen besagen, die Re—
ublik sei unter großer Begeifterung ausgerufen worden.
Ddie letzten königslreuen Regimenter sind zu den Revolu—
zonären übergegangen. Die Zahl der Toten wird auf 100
eschätzt. Der König und seine Mutter befinden sich auf
er Reise nach einem Schlosse des Herzogs Philippvon
)ranien. Die englische Admiralität sandte 2 Kriegsschiffe
ls Zwischenstationen für drahtlose Telegraphie von Vorihsouth
aus.
Madrid, 6. Okt. Das Blatt „Herold, veröffentlicht
nn Telegramm des Inhalts daß als der Königspalast
ingenommen- wurde, der General Jacao Selbstmord be—
ing.
Paris, 6. Okt. „Matin“ meldet aus Lissabon: Die
rovisorische Regierung ist wie folgt zusammengestellt:
tabinet Jos. Teophil Braga, Innens Antonio José
llmeida, Aeußeres Bernadino Machado, Finanz Brazilio
elles, Bautenmeister Antonio Gomez, Krieg Oberft Baoreto,
zustiz Alfonso Coste Marino Azovedo Eomes General—
ouverneur von Madrid Eusebio Leao. Eine Kompagnie
rtillerie begeisterte durch eine Salve die neue National—
agge rot grün, als diese auf dem Rathause aufaestellt
Paris, „Matin“ aus Lissabon der der Civilgouverneur
usebio Leao hielt eine Ansprache vom Balkon“ des Rat—
sauses nund fordert die Büger auf die aufrecht erhaltung
er Ordnung in der Stadk auf sich zu nehmen, sowie die
holieeiderwalt durchzusetzen. Er ecrklärte: Achtet das
sentliche nnd Privat Eigentum schont das Leben eines
den wer es auch sei; ich wiederhole wer es auch sei: die
epublik isi großnütia und arobpharr
Nokales und Vermischtes
Eine Neuerung, betr. die Entrichtung von Gerichts—
ten durch Verwendung von Kostenmarken, hat das Kgl.
indgericht Saarbrücken getroffen. Im Interesse der Ver—
nfachung und Verbilligung der Gerichtskosten⸗Einziehung ist
nn Parteien gestattet, Koften, welche aus Anlaß von An⸗
igen auf Erlassung von Zahlungs- und Vollsireckungsehlen,
auf Festsetzung der vom Gegner zu erstattenden
osten, auf Pfändung uͤnd Ueberweisung von Forderungen,
uf Erlassung von Arrestbefehlen und einstweiligen Ver—
gungen und bei sonstigen vorschußpflichtigen Parteihand—
ingen zu entrichten sind, im Voraus, also ehe der Partei
ine Koftenrechnung mitgeteilt wird, in Kostenmarken zu
ntrichten. In gleicher Weise können gerichtliche Geldstrafen
atrichtet werden. Der Verkauf dieser Kostenmarken ist für
en Bezirk der Bürgemeisterei Dudweiler der amtlichen
bempelverkaufsstelle Dudweiler Bürgemeistereiamt Kimmer
r. 8 übertragen worden.
3)] In letzter Zeit ist es wiederholt vorgekommen, daß
in der Umgegend herum wohnhaften Zigeunerbanden
F Zechgelage in Wirtschaften veranstalten und dabei
nistens nur Wein und andere teuere Getränke sich verab⸗
den lassen, bis eine hohe Zechschuld entstanden war Doös
—
Ende vom Liede ist dann meistens, daß die Wirte ihr Geld
von den betrunkenen Zigeunern nicht erhalten, oder daß
iese sich gegenseitig verschlagen und dann vor dem Hause
in großer Menschenauflauf entsteht, der jedenfalls nich
um Vorteil der betr. Wirte gereicht und dessen Ansehen
erabzuwürdigen geeignet sein dürfte. Es wäre daher im
igenen Interesse dem Wirtestand warm zu empfehlen, den
zigeunern nicht nur keine Getränke zu verabreichen, sondern
enselben auch den Aufenthalt in ihren Lokalen zu untersagen.
Eine etwas schwer verständliche Bitte. Das „Löchst.
dreisbl.“ schreibt; Einem Kreistag unseres Bezirks ging
»ieser Tage nachstehendes Gesuch zu, das uns anmutet, als
b es von einem Ausländer, nicht aber von einem deut—
chen Staatsbürger abgefaßt sei. Hier der Wortlaut nach
Weglassung des Ortsnamens: „Mein Ansuchen ist da ich
in Wohnhaus habe Straße Nr. 64. Ich bemerke nun hier—
nit, daß den Eingang nach demselben mit einem bedräng—
en Fußphat und eine Einfahrt zu Gunsten abhängt. Elex⸗
rizlicht beleuchtet diesen engen Phat nicht daß man beim
dunkeln allem Unfall anheim unterworsen ist. Da ich nnn
iicht in der Lage als armer Mann bin die Sache auszu—
ihren Bitte ich Gütigst Herrh Kreistag mir zu einer Ein—
ahrt und etwas Beleuchtung des Hausflurs Huldvolle Ge—
dährung zu Theil gütigst Bittend mir zukommen lassen
möchten. Ehrfurchtsvoll — —“.
Wieder eine neue Kohlenzeche an der Lippe. Der
bevorstehende Bau des Lippeseitenkanals wirkt schon jetzt
sehr belebend auf die gewerbliche Unternehmungslust ir
dem von ihm durchschnittenen Gebiet ein. Namentlich gil!
dies für den Kohlenberabau. In dem in der Bauerschaf!
deil an der Lippe gelegenen Steinkohlenfelde Haus Aden
oll demnächst mit dem Abteufen von Schächten begonnen
verden. Dieses Feld besteht aus 4 Einzelfeldern und lieg
nit seiner Längenachse parallel zum Streichen der Flötze
die Mehrzahl der Anteile soll sich im Besitz der Famili
hrimberg in Bochum befinden. Begrenzt wird das Feld in
züden von Zeche Monopol, im Westen von Viktoria, in
orden von Feldern des Essener Bergwerksvereins Köni—
Vilhelm und im Osten von der Zeche Werne.
Zum Stationsvorsteher in Dudweiler wurde Her—
Bahnhofsvorsteher Wiegand von Wemmetsmeiler ernannt.
Volksschullehrer als Schöffen. Bei den letzten Be—
atungen der Instizkommission des Reichstags wurde be—
intragt, Voiksschullehrer, die nach der Novelle zum Gerichts⸗—
derfassungsgesetz nur zu dem Amte von Schöffen bei den
Jugendgerichten sollen berufen werden können, allgemein
zuzulassen. Dieser Antrag wurde von mehreren Seiten
»ekämpft und dabei betont, daß die Stellungnahme der
dommission nicht unter dem Gesichtspunkt der Standesehre
er Volksschullchrer zu nehmen sei. Bei der Abstimmung
vurde jedoch die beschränkende Bestimmung gestrichen. Es
önnen danach in Zukunft Volksschullehrer sowohl Schöffen
ils Beschworene werden.
Eisenbahndiebstähle. Die Eisenbahndirektionen haben
ur Steuerung der in der letzten Zeit vorgekommenen Dieb—
ähle in D-Zügen das Zupersonal erneut angewiesen,
»ährend der Fahrt häufiger durch den Zug zu gehen und
uf das Eigentum der Reisenden aufmerksam zu achten.
Insbesondere ist angeordnet worden, daß sich das Personal
Ȋhrend der Mahlzeiten in den Speisewagen in den
zängen aufhalten soll.
Von Sckweinen gefressen. Eine fast unglaubliche
veschichte erzählen norodeutsche Blätler aus Pesersburg:
Als dieser Tage auf dem dortigen Güterbahnhof ein Wa—
jen mit Schweinen ausgeladen werden sollte, suchten die
zahnbeamten vergebens nach dem den Transport begleitenn
en Händler oder Schlächter. Erst, nachdem die Tiere aus
em engen Wagen gelassen waren, entdeckten sie in der
inen Ecke blutige Knochenüberreste. Auch Uberrefle mensch—
icher Kleidung wurden gefunden, und bald war es zweifel—
os, daß der Händler Saffranow während der Fahrt von
en Schweinen lebendigen Leibes aufgefressen worden war.
die Untersuchung ergab, daß Saffranow in Begleitung
eines Sohnes die Tiere zur Bahn gebracht hatte. Da er
ie Fahrkarte sparen wollte, stieg er heimlich in dem Wa—
een. Unterwegs hörten die Schaffner zwar wiederholl
ungstliches Schreien, untermischt mit dumpfem Grunzen, sie
laubten jedoch, daß es von den Tieren herrührte. Nicht
usgeschlossen ist es, daß auch der Sohn des Händlers auf
ieselbe Weise ums Leben gekommen ift. Die vorgefunde
en Kleiderüberreste ergaben keinen bestimmten Anhalt. In
inem Heimatorte befindet sich der Sohn des Händlers
edenfalls nicht.
Sagarbrücken, b. Okt. Der Bau der neuen Saar—
rücke im Zuge der Dudweilerstraße rückt allmälich
veiter vor, sodaß bereiis Anstalten zur Bebauung der Zu—
uhrstraße von St. Johanner Seite her in die Wege ge—
eitet werden. Die Preise, welche vou den Anliegern
zefordert werden, sind indeß ganz exorbitant hohe. Wie
uns berichtet wird, forderte ein ÄAnlieger den Preis von
350 Mark pro qm. Ein Spekulant, der sich dort anbauen
vollte, bot 300 Mark, fand jedoch bei dem Besitzer keine
vegenliebe. (Srbr. N. N.)
Saarbrücken, 4. Olt. In der heutigen Verhandlung
»es Schwurgerichts hat sich der am 9. März 1889 zu
Quierschied geb. Bergmanu Ferdinand Götzinger, wohnhaft
u Hühnerfeld, zuletzt auf der Grube zu Merlenbach be—
chäftigt, wegen Straßenraubes zu verantworten. — Der
Sachverhalt ist folgender: In der Nacht des 268. März de
Is. es war der Karfreitag, wurde der Bergmann Christ
Valter zu Freimengen, nachdem er in Gefellschaft einer
Anzahl junger Bergleute, unter denen sich auch der Ange—
lagte befand, eine Bierreise von Merlenbachüber Roßbrücker
und Naßweiler bis nach Emmersweiler gemacht, bei Emmers—
weiler zu Boden geschlagen und seiner Barschaft beraubt
Walter hatte Geld von der Unfallversicherung bekommen
und kargte nicht mit verschiedenen Bierrunden, die er frei⸗
villig auf seine Kappe nahm. In der Gastwirtschaft von
Freitag zu Emmersweiler will der Angeklagte mit Walter
usammengetroffen sein. Außer den erwaͤhnten Bierauflagen
vurde leider auch eine ordentliche Menge Schnaps uͤnd
Rum vertilgt und eine mehr als erhoͤhte Stimmung war
»ei den Teilnehmern eingetreten. — Götzinger war nach
Merlenbach gefahren, um noch einen Teil seiner lehten
Löhnung abzuheben, sein Bruder war ihm jedoch in diesem
Punkte entgegengekommen und hatte sich das Geld aus—
ahlen lassen. Götzinger will nun nur noch 80 Pf. Bar—
»ermögen bei sich gehabt haben. Seine Freunde bewegten
hn dazudleiben und versprachen für ihn zu zahlen. Am
neisten wurde Walters Kasse in Anspruͤch genommen. Der
Weggang aus Emmersweiler erfolgte kurz vor Mitternacht
Bötzinger, der den Eisenbahnzug von Forbach nach Saar—
brücken noch erreichen wollte, folgle den anderen, den Wal—
er hatte er an seinem Arm. Beim letzten Haus von
emmersweiler machte er eine kühne Schwenkung auf die
Viese. Walter war damit nicht einverstanden und ging
twa 50 Meter voraus auf der Straße, da traf ihn ganz
lötzlich ein Schlag mit einem schweren Holzknüppel; er
türzte jählings zu VBoden, laut klagend und um Hilfe
ufend. Die andauernden Hilferufe wurden im Hause des
Irtsvorstehers Peter Hector vernommen. Die Ehefrau Heec⸗
or, geb. Wagner, erkannte in den Hilferufen die Stimme
es Walter, auch hatte sie das Geräusch von schweren
zchlägen aebört.“ Sie eilte mit ihrem Sobhn au die e
telle. Oer Bergmann Weiler sagt aus: Walter lag vollig
dewußtlos da, ferner Götzinger sei am Tatort erschienen
und als er, GWeiland), demselben gesagt, das ist Walter
ätte Götzinger gesagt: „Den kenn ich nicht“. Erst nachden
Veiland ein Streichholz angezündet und dem Walter ins
ßesicht geleuchtet, habe Götzinger zugegeben, daß der Be—
vußtlose Walter sei. Götzinger soll bei der Gelegenheit ge—
veint haben. Der einzige Zeuge der Tat war der verleßzte
Walter. Seine Aussage mußte der Anklage zu Grunde ge—
legt werden. Das entleerte Portemonnaie des Walter wurd
einige Tage nach dem Vorfall von dem 'jährigen Schüler
derges auf der Wiese nicht weit vam Taitort gefunden.
Walter teilt noch mit, daß Götzinger auf seiner Brust ge—
niet habe. Götzinger schrie den Walter an: „Dein Geld
jer oder ich schieße dich kaput!“ Dem Walter wurde das
Lortemonnaie mit 19 520 Mk., eine Uhr im Werte von
28 Mk., ein Teil der Uhrkette und 1 Notizbuch mit der
Anfallversicherungspolize gewaltsam geraubt. Durch einen
kinigungsversuch der Familie Götzinger, sowie durch das
AUnbieten von mehreren tausend Mk. als Entschädigung
ronnte die Anklage aufrecht erhalten werden. Von den Ge—
schworenen wird sowohl die Frage auf Straßenraub als
auch diejenige auf gefährliche Körperverletzung bejaht. Eben⸗
so die in Plaidoyers des Herrn Staatsanwalts Kleinjung
und des Verteidigers, Herrn Rechtsanwalts Abraham, warm
empfohlene Frage nach „mildernden Umständen“. Seitensẽ
des Staatsanwalts werden gegen Götzinger 2 Jahre Ge
ängnis beantragt. Das Urteil des Gerichtshofes ergeh
vegen Straußenraubes gemäß 8 260 St.G.⸗B. gegern
Zötzinger auf Gefängnisstrafe von 2 Jahren, von dener
1Monate als in der Untersuchungshaft verbüßt angesehe
verden.
Brebach, 3. Okt. Der Erdarbeiter Jakob Anhaus vor
hier hat gestern abend nach vorausgegangenem Wortwechse
in der Wirtschaft Kiefer dem Hüttenarbeiter Joh. Mülle
aus Gödingen einen Messerstich in die Bruß versetzt, wo—
durch dieser schwer, aber nicht lebensgefährlich verletz
vurde. Der Täter wurde verhaftet.
Brebach, 3. Okt. Der am 23. vor. Mis. auf der Hal—
bergerhütte verunglückte Rohrformer Otto Ruppenthal aus
Feckweiler ist gestern nachmittag 2 Uhr im Kaifer Wilhelm-»ospital
hierselbst gestorben. Ruppenthal hatte,“ wie wir
»ereits früher berichteten, an seiner Arbeitsstelle schwer
Lerbrennungen erlitten. Seine Mutter, die Witw. Phil
kuppenthal in Feckweiler, Fürstentum Birkenfeld, ist da—
durch ihres einzigen Ernährers beraubt.
Saarbrücken, 6. Okt. Heute Vormittag gegen beinhalb
Uhr wurde in der Nähe der Luisenanlage eine unbekannt«
männliche Leiche aus der Saar gezogen. — Der Kauf—
nann Frankenhäuser aus Saarbrücken, der bekanntlich vor
einigen Tagen die 16einhalb jährige Valerius aus Saar.
zrücken 3 im Scherz erschossen hat, soll wie verlautet, geger
Stellung einer Kaution von 300 M. aus der Untersuch—
ungshaft entlassen worden sein.
Neunkirchen, 4 Okt. Am Samstag abend geriet den
in der Langenstraße wohnenden Arbeiter H. beim Essen
ein Knochensplitter in die Luftröhre, der leicht den Tod
des Mannes zur Folge haben konnte. Der herbeigerufen
Arzt entfernte unter schwierigen Umständen den Splitter. H
rang bereits nit dem Tode.
Essen, 8. Ott. Opfer der Unvorsichtig
e it.) In der Bahnhojstraße lief ein älterer Herr un
orsichtiger Weise gegen einen Straßenbahnwagen. Er
Inpe überfahren und so schwer verletzt, daß er alsbalt
arb.
*Darmstadt, 5. Ntit. (Furchtbarer Selbst«
norde) Auf schreckliche Weise verunglückt ist die Frau
»es Postschaffners Petry in ihrer Wohnung in der Feld
ergstraße. Ihre Kleider gerieten in Brand und die Fray
riin Teraruge Brandwunden, daß sie in der Nacht starb
Van vermutet, daß die Frau, die längere Zeit nerven
leidend war, ihre Kleider mit Petroleum übergossen un
danngngeundet dai ne
anuheim, 5. erhaftung.
Mitteilung des Polizeiberichts Sa. der Wa
zchneider aus Solingen wegen versuchten Mordes verh.
et. Schneider lauerte in der Jungbuschstraße der Kell
— gab auf sie fünf Revolver
chüsse ab, von denen zwei trasen. Die Verletzte wurde i
»as Allgemeine Krankenhaus verbracht. —
Neueste Nachrichten und Telegramme.
Annweiler, 4. Okt. Auf dem Wege von der Kirch
deih im Sarnetal wurde der 22jährige Ludwig Dausmann
»on zwei Männern ohne jeden Anlaß überfallen und ge—
cötet. Die Täter zwei Brüder Engelhard und Johannes
Bötz wurden verhaftet.
Siegen, 83. Okt. Auf der Charlottenhütte in Nieder⸗
schelden ist nachts von ruchloser Hand eine unter Dampf
stehende Werklo?komotive durch Aufdrehen des Regulators
in Bewegung gesest worden. Die führerlose Maschine raste
durch die Geleise des Werkes, die an die Staatseisenbahn
angeschlossen sind. Hier geriet sie glücklicherweise aus einen
toten Schienenstrang und fuhr in der Nähe des Ortes Bir—
cken gegen einen Prellbock. Die Lokomotioe wurde vollstän—
dig zertrümmert und der Piellbock tief in die Erde gebohrt.
Der Täter ist noch nicht ermittelt.
Berlin, b. Okt. Ein Förster in Pölenitz wurde von
drei Wilderern tödlich verletzt.
Berlin, b. Okt. In einem Lehrerinnen⸗Seminar er
trankten 80 Lehrerinnen noch dem Genuß von Fschen.
Dessau, 4. Okt. Bei Bernburg ift ein Sädelduell
wischen einem Offizier und einem Studenten ausgetrager
vorden. Der Offizier wurde durch einen Brusthieb schwe—
oerletzt. Die Ursache des Zweikampfes war ein Zusam
nenstoß bei einer Lompagniefeier am Herzogsgeburlstag.
Herdecke, 4. Okt. Ein 12jähriger Volksschüler is
»eim Tauklettern in der Turnhalle aus einer Höhe von 5M.
abgestürzt; er erlitt einen Schädelbruch und siarb sofort.
München, 5. Okt. Bei einem Zusammenstoß eines
Straßenbahnwagens mit eiuem Mannschaftswagen der
Feuerwehr wurde der letztere vollständig zertrümmert. 10
Feurwehrleute wurden leicht. 5 schwer verleßzt.
St. Gallen, 5. Okt. Bei den gegenwärtigen Brigade—
wanöpern der 7. Division im Kanlon St. Gallen wurde
gestern mittag der Füsilier Radler vom Landwehr—
bataillon 126 erschossen und sein Nebenmann am Beir
durch einen Schuß verlezt. Die Manöver wurden sofor
abgebrochen. Eine Untersuchung hat den Schuldigen be—
ceits eruiert. Ein Soldat vom Bataillon 12i hatt vor
Scharfschießen her noch scharfe Munition zurückbehalten.
Rom, 5. Okt. In einigen Dörfern Siziliens hat die
ꝛbergläubische Furcht vor der Cholera sehr bedenkliche Wir—
ungen. Die niedere Bevölkerung glaubt, daß die Cholera
von den besitzenden Klassen absichtlich verbreilet werde und
bedroht dicse mit den Tod, sobald die Epidemie ausbräche
In einem Dorf sind die Namen der angeblichen Cholera
verbreiter durch öffentliche Anschläge bekannt gemachi wor—
den, damit die Menge wisse, an wem sie sich gegebenenfalls
zu vergreifen hat, und in andern Orten werden nachts un—
unterbrochen Schüsse abgefeuert, um die bessern Klassen.
die „eivile* wie man dort sagt, einzuschüchtern, so daf
ich niemand mehr aus die Straße wagt.
Paris, 4, Oft Heute vormittaa wurde ein Kafsenhbot
auf demZBoulevard des Italiens von drei elegant geklei
deten Mäunern überfallen und seiner Geldtasche beraub—
die 17000 Franken in bar und Schecks im Betrage vor
140000 Franken enthielt Zwei Rauber wurden sofort fest—
genommen, dem dritten gelang es mit der Beute zu entkommen
Die Verhafteten sind Eugländer.
Gillespie, 5. Okt. Bei einem Zusammenstoß zwischen?
Straßenbohnwagen wurden 28 Personen getötet und 28
verletzt.
WWien, 6. Okt. Wie von hiesiger zustaͤndiger Stelle
mitgeteilt wird, ist von einem Besuch des Erzherzogs
Franz Ferdinand am Königshofe in Italien nichts be—
annt.
Paris, 6. Olt. Mehreren Blattern wird aus Tou—
lon gemeldet, daß der dort vor Anter liegende russische
Panzerkreuzer „Admiral Malkaroff“ den Befehl erhalten
habe, unvorzüglich nach Cherbourg abzugehen. Die Ur
lache des Besehls sei unbetannt.
Madrid, 6. Okt. Generalkapitän Weyler drückte
chwere Befürchtungen betreffend die zunehmenden Streit
bewegungen in Catalonien aus. Er sei davon unterrich
tet, daß anarchistische Elemente die Streits bis zum 13.
Oktober, dem Jahrestag der Hinrichtung Ferrers, hinzie—
hen; doch sei alles vorbereitet zu energischem Einschreite⸗
jegen etwaige Unruhen am genannten Datum.
Konstantinopel, 6. Ott. Bezüglich der Gerüchte über
die Abdankung des Khedive Abbas Hilmi erklärt ein her⸗
vorragendes Mitglied der ägyptischen Nationalpartei, daß
die Abdankung tatsächlich ensschieden und nur noch eine
Frage von wenigen Tagen fsei. — Der Khedive ist nach
Smyrna abgereist, von wo er später nach Aegypten zu
rücktehren soll.
Konstantinopel, 6. Olt. „Yeni Gazetta“ erklärt die
yceldung für unbegründet, nach welcher die Credit Mobi—
lier-Gruppe bezüglich der türtischen Anseihe sich mit der
Dttomanbank verständigte.
Wafhington, 6. Okt. Das Marinedepartement be—
schloß, den Kongreß um die provisorische Ermãchtigung
zu ersuchen, außer zwei Kriegsschifsen, die bereits gefor⸗
dert sind, zwei neue Kanonenboote, von denen eines di
Flüsse Chinas besahren soll, und zwei Schlepper zu er
dauen. —EE
Seit mehr als 40,Jahren ist in Hunderttausenden vor
Fällen die vorzügliche Verdaulichkeit und Nährwirkungdes
Nestle'schen Kindermehls, das die Kinder so gern nehmen,
gründlich erprobt worden. Immer gleichmäßig und ge
hrauchsfertig, stets bekömulich, nie säuernd oder sich zer—
setzend, bringt das Nestle-Mehl den Säugling durch di—⸗
hwierige Periode des FSommers glücklich hindurch
Dunonts Sorgenbrecher
ein ges under, vorzuꝗlioher Rauchfabek
Grobschnitt in Blou- feinschnitt in Broundruck
das Vertelpfundpaket 30 Pfꝗ gesetlaesch
A
—D *
Bruunkohlen Belbetz Unlon
sind 2zum Heizen und Kochen
Alllger u.hexzeruls kohlen
Lein duss! Lein Rauch! Leine Schlacken!
Vervwendhar in allen Oeclten
Langandaueende silull sueichrdscige Pitzel!
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