burgte und ihrer Barschaft beraubte, trieb sich nach seiner
zlucht in mehreren österreichischen Städten herum. Im
raufe der letzten Woche kam Dick, der nach einer irrtüm—
chen Meldung in Galizien verhaftet sein sollte, nach St.
Zölten, mietete sich in einem Hoiel dort ein, verschwand
ber nach mehreren Tagen, ohne seine Rechnung beglichen
u haben. Jüngst kam er wieder zurück und logierte sich
meinem anderen Hotel unter anderem Namen ein. Als⸗
resich von der Polizei entdeckt kab, flob Dick. Doch ea
wurde am Bahnhof von St. Pölten von einem Wach.
mann erkannt und verhaftet. Er versuchte zu fliehen iss
iber wieder eingeholt worden und gab auf der Polizei⸗
wache zu, der gesuchte Raubmörder aus Nürnberg zu sein.
sr wurde dem Kreisgericht eingeliesert.
Hinrichtung. Der Lustmörder Koszeol wurde am
dienstag morgen 634 Uhr auf dem Hose des Gesfängnil⸗
es in Lissa (Posen) hingerichtet.
Negerfrechheit. Aus Hamburg wird berichtet: Der
uglische Vizekonsul Gandell wurde, als er mit einem
Neger wegen der Höhe der Heuer Auseinandersetzungen
Jatte, von diesem mit einem Holzhammer überfallen; er
züßte dabei mehrere Zähne ein und erlitt Wunden im
Vesicht. Der Täter wurde verhaftet.
Todesurteil. Aus Kiel wird berichtet: Der Arbei—
er Basner, der am 8. Dezember 19090 den Tagelöhner
darl Kräger ermordete und beraubte, ist vom Schwurge—
richt zum Tode und zum dauernden Verlust der bürger—
ichen Ehrenrechte verurteilt.
Die Cholera. Um eine weitere Ausbreitung der
Tholera in Oesterreich-Ungarn zu verhindern, hat die Re—
lierung die Einfuhr und Durchfuhr bestimmter Waren und
ßegenstände aus Ungarn bis auf weiteres verboten. —
das „Petit Journal“ meldet, daß in Marseille unter den
ius Italien kommenden Einwanderern mehrere Cholera—
älle vorgekommen feien.
Mord und Selbstmord. In Zabrze erstach der Ar—
jeiter Rassel serne Geliebte Schachta und dann sich selbst.
Russisches. In der Gegend von Czenstochau wurden
eit einer Woche acht junge Mädchen von Mädchenhänd—
ern entführt.
Mißhandlung eines Arbeitswilligen. In einem
Tunnel der im Bau begriffenen Pariser Nord-Süd-Unter—
zrundbahn griffen ausständige Arbeiter einen Arbeitswil—
igen an und mißhandelten ihn in rohester Weise. Auj
eine Hilferuse eilte ein Schutzmann herbei, worauf die
Ztreikenden die elektrischen Drähte durchschnitten und in
»er Dunkelheit mehrere Revolverschüsse abfeuerten. Schließ—
ich entflohen die Angreifer.
Schwere Stürme. Schwere Stürme an der engli—
chen und der irländischen Küste haben sowohl auf dem
MNeer, als auch auf dem Lande schweren Schaden verur⸗
acht. Der Dampfer „Welholme“, von Grimsby nach Li—
perpool unterwegs, ist in der Nordsee gestrandet und un—
ergegangen. Mit Ausnahme eines Matrosen konnte sich
die gesamte Besabung retten. In der Nähe der Selsey—
Bill⸗Inseln ist eine Fischerbarke gesunken. Zwei Insassen
tranken. Zahlreiche Jachten und Fischerboote sind durch
den Sturm schwer beschädigt worden.
In seiner Wohnung überfallen. Aus Lissabon
wird berichtet: Professor Bombarda, Direktor eines Irren⸗
vbᷣospitals, ist von einem Leutnant durch einen Revolver—⸗
schuß tödlich verletzt worden. Der Leuinant befand sich
zur Visite im Privatkabinett des Professors. Rach einer
urzen Unterredung zog er einen Revolver und gab vier
Schüsse auf den Professor ab, die diesen an Kopf, Brust
und Hals schwer verletzten. An seinem Aufkommen wird
zezweifelt.
Großfeuer. Das größte Feuer, welches in New.
VYork seit Jahren wütete, zerstörte an der elften Avenue
ind der 24. Straße zwei Holzniederlagen, zwei Hotels
ind eine Menge anderer Gebäude. Der Schaden beläaufl
ich auf 154 Millionen Dollars. Fünfzig Feuerlösch-Ap
»araten gelang es erst nach vielstündiger Arbeit. des
Feuers Herr zu werden.
Kessel⸗-Erxplosion, Der Dampfer „Chiriqui“ von der
Paeifie Steam Navigation Company ift uͤnweit Panama
nfolge einer Kesselerplosion gesunken. Fünfzig Menschen
nd dabei umgekommen; dreizehn Ueberlebende langlen
n einem Rettungsboot in Jarachine an. Ueber den Ver—
ee eines weiteren Bootes mit zehn Personen ist nichts
annt
I Koloniales.
R Der seue Gouverneur von Südwesiafrika, Dr. Seih,
tudet in den Windhuker Nachrichten eine rech
ühle Begrüßung: „Herrn Gouverneur Dr. Seitz geht der
stuf eines sehr tüchtigen Beamten voraus, namentlich soll
r ein hervorragender Etatsmann sein. Dies läßt uns
war hoffen, daß der neue Herr sich als der geeigneie
Mann für unsere Kolonie erweisen werde, indes ist zu
edenken, daß die Bewährung eines Beamten auf dem
inen Posten noch keine Gewähr dafür bietet, daß er auch
en Aufgaben eines neuen, schwierigeren Posten gewach
en sein wird. Kamerun als Pflanzer⸗Kolonie mit gün—
tigen Arbeter-⸗Verhältnissen, mit emer kleinen, wenig bo—
enständigen und daher viel wechselnden weißen Bevölke—
tung ohne eigentliches Verlangen nach Selbstverwaltung,
mit einer unter ihren oingenen —
zjesprochene Worte, uno Forner war vier zu eingenomen
jon seinem Freunde, als daß er diese Worte nicht einfach
ür Scherz gehalten haben würde.
Doklor Born führte Körner in die Gesellschaft ein —
ind kehrte ihn, wie er sagte, das Leben kennen und genießen.
War Körner erst nur scheu dem Andringen des Freundes
jewichen, so fand er doch selbst bald Gefallen an dem ab—
bechslungsvollen Treiben und gab sich dem Genuß der Ge—⸗
elligkeit mit um so größerer Lust hin, als er ihn bas dahin
aum gekannt haite. Wochen und Monde vergingen so —
dörner war wenig zu Hause — und wenn er am Abend bei
nir einmal den Tee einnahm, so war er stets in Gesell⸗
chaft des Doktor Born.“ .
Die Alte hielt einen Augenblick inne und fuhr, als wolle
ie ihre Gedanken sammeln, mit der Hand über die Stirn.
„So war es auch an jenem Abend gewesen, fuhr sie
nach kurzer, Pause fort. „als mich Körner, nachdem ung
Born verlassen und ich gute Nacht sagen wollte, bei der Hand
ergriff und mich bat,, einen Augenblick noch zu verweilen.
er habe mir etwas mitzuteilen. Ich war überrascht, folgte
wber seiner Aufforderung und setzte mich zu ihm aufs Sofa.
Zeine Augen leuchteten in ungewöhnlichem Glanze, er schien
rufs SGöchste erregt, — Einen, Augenblick zögerte er, als
müsse er eine gewisse Scheu überwinden. dann saate er
»lößlich rasch: U
Ich werde mich verheiraten, Susanna.“ — Ich fuhr
dor Erstaunen von meinem Sitze auf. Das hatte ich nicht
erwartetet. Daß der schüchterne Körner so rasch seine Scheu
vor den Frauen überwinden würde, wer hätte das auch ge⸗
dacht? Mehr aber überraschte es mich noch, daß er, der ein
o wenig empfehlendes Aeußere hatte, in so kurzer Zeit ein
veibliches Herz sich hatte erobern können. Ich üherwand
indessen vasch diese auftauchenden sorgenden Gedanken, und
der Freude allein Raum gebend, ergriff ich seine Hand und
wünschte ihm herzlich Glück, indem ich zugleich nach dem
Namen seiner Erwählten fragte.
Wieder senkten sich seine Augen mit augenscheinlicher
Zefangenheit zu Boden.
„Du wirst dich über meine Wahl vielleicht wundern,
agte er, „aber sie ist eben eine Wahl, nach dem Herzen und
— O0
obte ist Elise Krause.“ 5
„Die Schauspielerin?? rief ich und diesmal stand mir
er Schreck nur zu leserlich auf dem Gesicht geschrieben. Ich
annte Elise Krause von der Bühne her. Sie spielte an der
zniglichen Bühne zweite und dritte Rollen — man traute
hr wenig hervorragendes Talent zu — aber sie war schön
ind diese Schönheit sicherte ihr eine gewisse Beliebtheit.
dörner fah mich an und versuchte zu Iächheln was ihm in—
ehenden Eingeborenen-Bevölkerung bietet für eine Kolo—
ial⸗Regierung nicht derartige Schwierigkeilen wie nuser
)eutsch-Südwestasrika. Daher w'ird sich der neue Gouverneu
ier Aufgaben und Problemen gegenüber gesiellt sehen
yelche an seine Fähigkeiten bedeutend höhere Anfsorderun—
en stellen, als es in feiner b'sherigen Stellung der Fall
⸗ar. Unsere Bevölkerung wird Herrn Gouverneur Seit
war ohne jede Voreingenommenheit und mit wohlge
nutem Herzen empfangen, im übrigen aber sich gänzlich
bwartend verhalten. Von dem Auftreten und der Wirt
amkeit des neuen Herrn wird es abhängen, ob er sick
uch allgemeine Zuneigung und Vertrauen erwerben wird
)as dies geschehen möge, ist, wie wir wohl glauben ver—
chern zu dürsen, der aufrichtige Herzenswunsch eines
eden redlichen Südwestafrikaners.“
— ö ——
Lokales und Vermischtes.
Der Kaiser uund die Armee.
Am 16. September vor 26 Jahren war es, als der
»amalige Prinz Wilhelm von Preußen, nachdem er vorhen
nmittelbar zuvor als Bataillonsführer peim 1. Garde Re
iment zu Fuß Dienst getan hatte, von Kaiser Wilhelm 1.
um Obersten und Kommandeur des Garde⸗Husarenregimente
uu Potsdam ernannt wurde. In diesen 25 Jahren hat der
berste Kriegsherr dem deutschen Heere in demselben Maße
ind mit derselben Hingebung die im preußischen Königs⸗
ause seit Jahrhunderten Tradition sind, unermündliche Fuͤr⸗
orge gewidmet; stets und ständig hat unseren Kaifer da—
ei die Ueberzeugung geleitet, daß nichts so sehr unserem
ßolke und Vaterlande die Segnungen und Bürgschaften
es Friedens erhalten kann als ein starkces, gefürchtetes und
ederzeit schlagbereites Heer. Dank seiner unbeugsamen
bnergie, mil der er dieses vornehmste Ziel seiner landes—⸗
serrlichen Aufgaben verfolgt hat, ist das, was seit einem
Menschenalter des Kaisers Ueberzeugung ist, nach und nach
vemeingut der öffentlichen Meinung Europas geworden.
Ift genug ist in der ausländischen Presse, und zwar in sol
nen Organen, von denen man gewiß sein darf, daß ihre
Ansichten mit den dort an den maßgebenden Stellen herr—
henden Auffassungen übereinstimmen, ausdrücklich ausge⸗
prochen worden, daß die militärische Macht, die Deutsch—
and im Ernstfalle in die Wagschale zu werfen hätte, als
er stärkste Faktor für Erhaltung des Weltfriedens anzusehen
—
ind den Erfolg der Arbeit, die Kaiser Wilhelm 2. zur Ver⸗
ollkommnung des deutschen Heeres aufgewendet hat. Be—
rade jetzt wieder ist Anlaß gegeben, sich diese Leistungen
u vergegenwörtigen, sie und ihre Wirkungen in ihrer gan⸗
en Bedeutung für die politische Machtstellung und Sicher—
jeit des Reiches kennen zu lernen. In allen größeren Or—
janen der Tagespresse begegnet man jetzt, nachdem die
roßen Herbstmansver in Ostpreußen soeben beendet sind,
ingehender Kritik der Manöverereignisse und sachlicher Be—
dertung der Mansövererfahrungen. Aus diesen fachmänni⸗
chen Berichten geht hervor, daß der Kaiser sich im allge—
neinen mit höchster Anerkennung über die Führung und über
as Verhalten der Truppen äußern konnte, und das er ins⸗
esondere die soldatische Erziehung und Durchbildung, den
og. Gefechtsdrill, der die Mannschaften im hestigsten Feuer
illes außer dem gegebenen Befehl und dem versolgten Ziel
ergessen lassen soll, durchaus zu loben vermochte. So
chreibt einer dieser Kritiker: „Der Kaiser war besonders
vohltuend davon berührt, daß das Exerzierreglement in
einem wichtigsten Teile das richtige Verstaͤndnis bei den
ruppenteilen gefunden hatte. Der Monarch hielt diese
5atsache für die wichtigste Errungenschaft, die das Manöver
ezeitigt hat, jedenfalls für noch wichtiger als die techni—
che Vorführungen da erstere für einen Zukunftskrieg von
inberechenbarem und siets gleichbleibendem Werte ist.“
der Mansöverberichterstatter der demokratischen „Frankfur—
er Zeitung“ faßt feine Beobachtungen in folgendem Ge—
amturteil zusammen: „Die Kolonnen waren mit Ausnah—
ne der Ungeschicklichkeit der 36. Division am Abend des
weiten Mansvertages durchweg sehr gut geführt. Ihre
Narschordnung war ausgezeichnet, und überall, wo man
sie antraf, herrschte die größte Ordnung. Neu war, daß
in diesem Manbver die Bagagen ebenfalls als Feind zu
»ehandeln waren, so daß also die Begleitmannschaften mit
»em Gewehr in der Hand jeden Augenblick zur Abwehr
ines feindlichen Angriffs bereit sein mußten. Es ist fer⸗
ier wirklich als überaus segensreich zu begrüßen, daß nun⸗
nehr alle Regimenter mit fahrenden Feldküchen ausgerüstet
ind. Man erhält die Truppe am besten scblagfertig, wenn
nan ihr alle Nebenarbeiten, bei denen früher das Abkochen
ine Hauptrolle spielte, nach Möglichkeit abnimmt. Sehr
raktisch und kriegsgemäß war auch die Unterbringung der
Truppen soweit es irgend möglich war, in Notquaruieren
Venn man eine Truppe nach möglichkeit schonen will, so
st das Biwakieren tunlichst einzuschränken. Wenn wir uun
urz das Refumee der gesamten diesjährigen Kaisermanöver
iehen wollen, so können wir unser Urteil nur dahin zusam⸗—
paetoen dacz «e— — — 874
d. geiang — er war augensa ntet, dae
Bewegung peinlich berührt. —
gSatt du auch Vorurteile gegen die Schauspielerinnen?“
ragte er.
„Gott bewahre mich,“ entgegnete ich, „ein Geschöpf zu
erdammen, weil es um sein Brot zu verdienen auf die
Bretter geht — aber ich kann mir nicht denken, daß solch'
F Theaterprinzessin für einen bürgerlichen Haushalt
aßt.“
„Nun, wir wollen es probieren,“, sagte er rasch und
tand auf, als wolle er damit alle weiteren Einwendungen
neinerseitz abschneiden. „Ich liebe Elise — alles andere
ommt nicht in Betracht.“
Ich senkte traurig den Hopf, mir schien diese Ver⸗
obung unüberlegt und unheilverkündend.
„Hast du denn auch Gelegenheit gehabt, deine Braut
ennen zu lernen?“ wagte ich noch zu fragen.
vBorn kennt sie seit Jahren,“ antwortete er. — „Durch
n bin ich bei ihr eingeführt. — Er kennt ihre Vergangen⸗
eit — ihr Leben ist rein und, untadelhaft. Sie ist eine
daise, deren Eltern wie die meinen der Tod frühgzeitig da⸗
ingerafft — Neigung sowohl wie die herantrelende Not
aben, fie bewogen zur Bühne zu gehen ⸗—2
y nd sie will deinetwillen diesem glänzenden Leben
atsagen?“
Er blickte mich halb lächelnd, halb erzürnk an. Welche
rage?“ rief er. „Hörst du denn nicht, daß sie mich hetraten
n F ich denke, daß sich alles andere da von selbsi beant⸗
ortet.
Was sollte ich noch mehr sagen? — Meine Einwendun⸗
en waren zu Ende — ich schwieg und Körner verließ das
mer *
in A anoern Lage schon fuyrte mir, Korner seine Brau
u —ich selbst war entzückt von ihrer reizvollen Erscheinung
— Sie sprach sehr freundlich zu mir, ihre Neigung zu Kör
ier schien herzlich, wenn auch nicht gerade glühend zu sein
— Und doch leuchtete in ihren Augen zuweilen ein Feuer
zas mich erschreckte. — Wenn sie sich über sich felbsttaͤuschte
ind diese in ihr schlummernde Leideuschaft dereinst erwachte
— für einen anderen erwachte als für Körner?
„Doch was half all mein Sorgen und Denken! Körner
var bis über die Ohren verliebt. — Er fand alles vollkom
men an seiner Braut und war über die geringfte Reußerung
non Zuneigung ihrerseits über alle Maßen beglückt. — Der
Arme hatte sich bisher der Frauengunst noch nicht viel er⸗
freut — vielleicht wäre er sonst klarer in seinem Urteil ge—
vesen und manches wäre ibm an Elisen aufgefallen was er
etzt unbeachtet ließ.
„Die Verlobungszeit war sehr kurz — es stand ja auch
— r Noermelr—⏑——— —2 ERXIBIMXI
nigkeiten in der Leitung von Blau, beide Korps einen ganz
außerordentlich hohen Grad militärischer Ausbildung hoben
erkennen lassen. und daß alle Mitglieder vom General bie
zum Soldaten vom besten Willen geleitet waren, ihr Bestes
zu leisten. Mit dem Begriff eines Grenzkorps verbindet
ich stets die Vorstellung außerordentlicher Gewandtheit und
Schlagfertigkeit Die diesjährigen Manöver haben erkennen
lassen, daß das 1. und 17. Korps es verstanden haben,
diese Tradition hochzuhalten und im vollsten Maße zu recht⸗
fertigen.“ Es bedarf nicht der näheren Ausführung, daß
das Hauptverdienst an diesen überaus hefriedigenden Zu—
tänden im deutschen Heere dem deutschen Kaiser beizumeffer
st. Er als der oberste Kriegsherr ist es, von dem all
Unordnungen uud Befehle ausgehen, jeder einzelne hähere«
Befehlshaber weiß, daß er unter den Augen seines Kaifers
rüher oder später einmal zu zeigen haben wird, was er
uu leisten vermag, und so steht über der ganzen dienstli—
hen Arbeit und Beschäftigung des deutschen Heeres die mah—
iende wachsende und sorgende Tätigkeit des Deutschen Kai—
ers, eine Tätigkeit, die allein mehr als hinreichend wäre, den
Inhalt eines ganzen Lebens auszufüllen und ihm bleiben—
den Wert zu geben.
Aergerlicht Zustände herrschen zur Zeit anf den Flu—
ren. Niemand ist mehr seines Cigentums sicher. Weder
Biez⸗ noch Tafelobst, weder Halm- noch Feldfrucht, weder
Vemüse noch Fulterknollen ist vor den Spitzbubereien sicher
und dabei wird mit wahrem Vandalismus gehaust, die
Väume nicht nur in ihrem Astwerk schwer deschädigt, neir
sogar total vernichtet. So erntete ein Bürger aus seinen
mit hohen Mauern umfriedigten Garten von seinem Spa—
lierobst, Pfirsiche und Aprikosen, nicht eine einzige Fruch
und ein volltragender Hochstamm Birnen edelster Art wurd
mit den Wurzeln aus der Erde gerissen. Derartige Ge
meinheiten stehen aber nicht vereinzelt da. Jeder, der et—
was draußen hat, besser oder weniger geschützt, das ist gleich
at mit derselben Kalamität zu rechnen.“ So schreibt das
Ehranger Wochenblatt.“ Leider ist es anderwärts ähnlich
venn auch nicht ganz so schlimm. Abhülfe tut überall
ot.
Ordensverleihung. Herrn Stationsvorsteher Mang,
rüher in Dudweiler, jetzt in Saarbrücken, ist der Kronen
»)den 4. Klasse verliehen worden.
Ausstellung in Saarbrüchken. Der Garlenbauverein
Ddudweiler erhielt für seine Ausstellung in Obst, Gemüse,
Zlumen und landwirtschaftlichen Produkten einen 1. Preis
Geldpreis von 28 Mk.) Wir machen nochmals an dieser
Ztelle darauf aufmerksam, daß die sämtliche Gegenstände
zenau wie in Saarbrücken im kleinen Saale des Herrn P.
Bayer ausgestellt und heute zu besichtigen sind.
Gartenbauverein. Den Mitgliedern des Gartenbau—
ereins zur Mitteilung, daß heute Mittag von 3 Uhr ab
m kleinen Saale von P. Bayer eine sogenannte Nachaus—
tellung der von Saarbrücken aus der Hauptausstellungç
urückgebrachten Gartenerzeugnisse stattfindet. Zu dieser
zonderausstellung haben alle Interessenten freien Zutritt
Um 7 Uhr ist Schluß.
Von 8 Uhr ab ist Preisverteilung — verschiedene
Baben — für die Aussteller, zu welcher die Vereinsmit—
zlieder mit Damen eingeladen werden.
Der Verband der Berg⸗Unterbeamten der Saar
fruben hält am kommenden Sonntag, nachmittags 3 Uhr
m alten „Münchener Kindl“ zu Saarbrücken seine Viertel⸗
ahresversammlung ab.
Zusammenstoßz. Zu einer Karambolage, die noch rech
lücklich abgelaufen ist, kam es gestern mittag zwischen der
ztraßenbahn und einem Automobil-Lastfuhrwerk der Park—
rauerei Zweibrücken. Der Bierwagen, voll beladen mit
Bierfüssern, kam von der Scheidterstraße und bog in die
Saarbrücker Straße ein. Im selben Moment kam ein
Wagen der Straßenbahn und fuhr auf den vorderen Teil
»es Bierwagens auf. Dieser Zusammenstoß lief noch recht
zlücklich ab. Die Insassen der Straßenbahn erhielten
war einen gewaltigen Stoß, doch keinerlei Verletzungen,
benso die Führer der beiden Wagen. Der Straßenbahn—
vagen konnte nach kurzer Zeit weiter fahren. Nur der
Bierwagen war durch den Stoß defekt geworden und steht
ioch vor dem Hause des Herrn Matthes. Es wird jedoch
ingestrengt gearbeitet, um das Auto mobil zu machen.
Zigeunerplage. In Jägersfreude wohnen viele dieser
Männlein und Weiblein. Die Leute scheinen jetzt warm
n ihrem Neste geworden zu sein. In der Nacht vom
Montag zum Dienstag suchten sie sich dadurch Abkühlung
u verschaffen, daß sie sich gegenseitig gehörig „vermöbelten“.
Die Streijerei wurde so laut, daß eine Anzahl Jägers—
reuder Bürger dem Spektakel dadurch ein Ende machte,
daß sie bei Gesellschaft kräftig eingriffen. Gestern morger
zog die ganze Gesellschaft nach Dudweiler und setzte dor!
hre Streitereien fort. Daß die Leute dabei einen Heiden—
ärm vollführten, kann man von Zigeunern nicht anders
rwarten. Zwei Mann mußten mit zur Wache. Auch
vurde ihnen. da sie wahrscheinlich Steuern schuldeten. eine
Routine, die ssie nur auf ver Buhne gelern.
dieser Bewegung wieder Herr zu werden.
„Man sieht,“ äußerte sie mit erzwungenem Lächeln
Doktor Born ist ein praktischer Mann; selbst bei der Wah
einer Frau behält er das Interesse im Auge.“
VBorns Braut ist aber, außerdeni daß sie sehr reich ist
auch noch schön und liebenswürdig.“ sagte dein Vater.
„Elise sah ihn scharf an.
Hennst du die Dame?“ fragte sie so ruhig als es ihr
möglich war — doch bemerkte ich deutlich. wie ihre Liyper
hei der Frage zitterten.
Gewiß kenne ich sie,“ war Körners Antkwort, „Boru
Jat mir schon vor längerer Zeit, als ich in deinen Bander
noch schmachtete, Elise, seine Neigung anvertraut und mich
nit der jungen Dame bekannt gemacht. Ich freue mich auf—
richtig, daß es ihm so nach Wunsch geglückt ist.
Elise stand mit gebeugtem Haupte da — einen Augen
zlick schien sie wie erstarrt von dem Gehörten. — Dann er
'aßte ein Beben ihren ganzen Körper, ihre Brust hob und
enkte sich heftig unter dem schweren Seidenstoff ihres Kle'
des — sie vermochte sich nicht länger zu bemeistern und mi.
em halb unterdrückten Ausruf: „Also schon damals!“ stürztt
ie aus dem Zimmer.
Angstvoll blickte ich auf Körner — welchen Eindrud
mußte das Benehmen seiner Frau auf ihn machen? Er er
chien mir auch wirklich bleich und ein Zug des Schmerzes
Hen ich noch nie an ihm gesehen, lagerte um seinen Mund
— Er merkte, daß ich ihn beobachtete — und als wolle er ei,
weileres Gejpräch oder Eingehen auf diesen Gegenstand
——
Ob er mit seiner Frau gesprochen, ob sie ihm genügende Er
klärungen gegeben — sch weiß es nicht, das Ganze schien
aber keine weiteren Folgen zu haben. Borns Besuche wur
den natürlicherweise, da ihn die Braut fast ganz in Anspruc
nahm, eingestellt und das eheliche Verhältnis schien ung—
trübter zu jein, als vordem. Außerdem versprach die bevo⸗
tehende Geburt eines Hindes die Ehegatten noch fester un
inniger aneinander zu binden. Leider starb das Kind, ba
nach der Geburt und Elise, körperlich und geistig durch der
Kummer um den Verlust des Kindes angegriffen, fing z
kränkeln an. Jetzt konnte ich erst recht exrkennen. mit wi
heiher Liebe Körner an Elisen hing., Mit der größten
Sorgfalt und Singebung pflegte er die Leidende und sucht:
sie zu erheitern, ja trozdem es ihm unendlich schwer wurde
ich bon feiner Frau zu trennen, schickte er sie doch in meine
Begleilung in ein Ostseebad, zur Stärkung ihrer Nerver
Vn selbst hielt seine Praxis in Berlin zurück, nur von Zei
u Zeit kam er auf einige Tage herüber, um seine Frau 3
Aen Elife blüßte denn auc wieder in neuer Schön
edle Rosinante (Rohmaterial für Wiener Würste) mitsan
anhängendem Karren gepfändet, später jedoch wieder fre
gegeben.
Sulzbach, 3. Okt. Gestern morgen kurz nach 83—
ereignete sich an der Kath. Kirche ein Unfall. dem beinat
vier Menschenleben zum Opfer gefallen wären. Der n
einer Hochzeitsgesellschaft besetzte Landauer des Her
Konrad Tröß kam von einer Traufeier gefahren und fu
über das Straßenbahngeleise. In demselben Moment ke
die Straßenbahn von Friedrichssthal und, da bei d
starken Gefäll an dieser Stelle an ein sofortiges Halt
nicht zu denken war, fuhr der Straßenbahnwagen in
hinteren Teil des Landauers. Das eine hintere
wurde dadurch vollständig zertrümmert und der Landau
mit Besatzung noch ein gutes Stück von der Straßenbab—
mitgenommen. Der Straßenbahnwagen konnte erst an d
unteren Treype, welche zur Kirche führt, zum Stillstar
gebracht werden und es ist ein Wunder, daß bei dir.
Fahrt die Insassen des Landauers keine ernstlicheren Ve
letzungen erlitten haben. Die in großer Gefahr schwebe
den Perfonen kamen milt dem Schrecken und einigen leichte
Verletzungen davon. Wen die Schuld an dem Vorfe
trifft, konnte noch nicht festgestellt werden. (G.⸗Anz.
Saarbrücken, 4. Okt. In der Nähe der Kaiser⸗Wi
helmsbrücke ereignete sich gestern abend kurz nach 97
an der Saar ein schrecklicher Vorgang, der den Tod ein
blühenden Menschenlebens zur Folge hatte. Der achtzeh
jährige Falkenhäuser aus dem Stadtteil St. Johann befa—
sich mit zwei jungen Mädchen an der Saar, darunter
17jährige Maria Valerius aus Malstatt. Der junge Men
hatte eine Browning-Pistole bei sich. Im Laufe des «—
spräches wollte angeblich der junge Mann dem Mädch
die Pistole erklären, dabei entlud sie sich unversehens à
die Kugel traf die 17sährige Valer:us in die Schlé
Blutüberstrümt brach sie zusammen. Bei dem Anbl
dessen, was er angerichtet, erfaßte den jungen Man
bleicher Schrecken und machte er den Versuch, sich das Lebie
zu nehmen, wurde aber durch hinzukommende Leute oau
gehindert. Die Erschossene wurde zu Herrn Dr. Esser
der Breitestraße gebracht. Als die Mutter des erschossen
Mädchens von dem schrecklichen Vorfall Kenntnis erhie.
siel sie in Krämpfe. Die Leiche wurde nach dem Mao—
statter Friedhof gebracht. EGbr. Volksz.
sssaarbrücken, 3. Okt. Unter dem Vorsitz des Herr
Landgerichtsdirektors Heidermann begannen um 101,, u.
die Verhandlungen des Schwurgerichtes gegen den früher:
Postgehilfen August Schneider aus Altheim, geboren «d
16. Oktober 1888 zu Fischbach in der Pfalz. Die Anklag
hehörde war durch den ersten Staatsanwalt, Herrn Figg
vertreten, als Verteidiger des Angeklagten war He
Rechtsanwalt Kurtz aus Zweibrücken zugezogen. — Schn—
der ist angeklagt als Postgehilfe zu Schiffweiler Geld—
die er in Gewahrsam hatte, unterschlagen, die ihm unte
stellten Postbücher unrichtig geführt, Geldanweisungen, bez
Briefe unterdrückt zu haben, und zwar in der Zeit vo
Angust 1909 bis 10 Mai 1910. Die Anklage enthält di
Positionen: Die Gesamtsumme der von Schneider begangene
Unterschlagungen beläuft fich auf rund 800 Mk. Schnei
ders Vater ist ein alter braver Lehrer, dessen Geha
nicht ausreicht, den Söhnen, von denen fich noch zwet o
dem Gymnasium zu Saarbrücken befinden, allzugroßen,
kuniäre Opfer zu bringen. — Wir müssen vorausschick
daß die Unterschlagungen von 800 Mk. der Koaiserlich⸗
Post erfetzt worden sind, und zwar von der Mutter v
Angeklagten. Letzterer selbst gibt zu erkennen, daß in
irrige Ansichten über Rechtsbegriffe uber Dein und Me—
usw. untergelaufen sind. Er sagt: Ich war gezwunge—
Schulden zu machen. Zuerst mußte ich den Ausbildungs
dienst versehen — ohne Gehalt. — Später erhielt ich p
Monat 30 Mk. Mich drückten die Schulden — wegen d
letzteren wurde mir meine Entlassung aus dem Postdie;
vor Augen gestellt — da griff ich in die Kasse, eignei
mir das Geld für eine Postanweisung an und deckte de
Betrag. Vor meinem Geist erschieaen die entwendete
Beträge wie ein Darlehen, und hatte ich den festen Vo—
satz, alles wieder zu ersetzen! Da Schneider tägl
Kassenabschluß zu machen hatte, erhöhten sich die Fa—
falscher Buchung auch täglich — Von den Geschworen
wurden außer sämtlichen Schuldfragen auch dle nach enm
dernden Umständen bejaht. Vom Staatsanwalt wurde e
Gefängnisstrafe von 7 Monaten beantragt. Das Ger—
entschied gemäß 88 360 im einheitlichen Zusammentref
mit 8 154 des Str.«G.⸗V. aus die beantragte Gefängnisstre
von 7 Monaten. Das jugendlicher Alter des Angeklagte
dessen bisherige Unbescholtenheit, sein umfassendes Geständr
und der erfolgte Ersaß der Schädigung waren die Faktor
zu einer milderen Anschauung des sonst gemeingefährlich
Handelns des Angeklagten. (Sbr. Volksz).
Brebach, 3. Okt. Vergangene Nacht gerieten zu
Arbeiter von hier in einer hiesigen Wirtschaft in Wo
wechsel in dessen Verlauf einer dem andern das Messer
T
der toniglichen Buyne war schon vorher gelost worden, we
fie derselben nicht genügte und so war die junge Schauspi—
slerin schon nach wenig Wochen Frau Doktor Körner.“
Johannas Augen hingen mit brennender Aufmerksom
keit an Susannens Lippen.
„Weiter, weiter!“ bat sie
Die Alte seufzte tief auf.
„Mit der jungen Frau,“ fuhr sie fort, „kam ein neu
Geist in das stille Haus deines Pflegevaters. Die noch vi
der Mutter Körners her sorgsam ausgeschmückten und
schonten Räume füllten sich vald mit einer bunten Gese
schaft von jungen lebenslustigen Frauen und Männern,
wie Elise das Vergnügen suchten und liebten. Körner
wegte sich, wie es schien, mit großem Vergnügen in dien
Kreise, obwohl solch‘ ein Leben seinen sonstigen Gewot
heiten gerade entgegengesetzt war. Zu den Gästen, di—
AWufigsten das junge Ehepaar besuchten, gehörte Do—
rn, der jetzt in doppelter Eigenschaft als Freund
Rannes und als Freund der Frau die Gastfreundschaf!
seres Hauses in Anspruch nahm. — War ich vorher u
trauisch gegen Born gewesen, so wurde ich es jetzt noch me
als ich den Verkehr ———— mit Elise zu beobachten
legenheit hatte. Es lag etwas Verstedctes, Heimliches
diesem Verkehr, das mich erschreckte. Zuweilen sah ich
mit Elisen Blicke wechseln, die mir ein Verhältnis verrie
das anders war, als es äußerlich erscheinen sollte.
döpfle Verdocht und beobachtete genau — da plöslich e
siellen wir die überraschende Nachricht von der Verlobu
horns mit einem reichen Madchen aus einer der angesehe
ssen Kaufmannsfamilien in Berlin. — Körner lächelte,o
däre er schon lange von der Sache unterrichtet. — Ande
ẽlise, sie vermochte ihre Bewegung nicht zu bemeistern un
purde totenbleich. Ebenso rasch aber wußte sie mit e
in dem Bade auf und erregte bald durch ihre Erscheinun
lgemeines Aufsehen. Das Unglück wollte, daß sie ein
Tages auf einem Spaziergange dem Doktor Born beget
nete, der seit kurzem berheiratet mit seiner jungen Frau!
Verwandten derselben auf einem nahe gelegenen Gute zu
Besuch sich aufhielt. Anfangs empfing ihn Elise sehr ki
TDdann aber nach einigen Tagen — er hatte Gelegenht
Fefunden sie allein zu sprechen — schien alles Vergange
bergessen und ausgeglichen zu sein. Von nun an kam
sehr oft und nach kurzer Zeit brachte er noch einen Fret
mit, einen jungen Grafen Hochberg, der Elise auch sch
von der Bühne her kennen wollte, dessen sie sich indessen m
mehr erinnerte. Der Graf war ein schöner Mann, groß u.
stattlich gebaut, mit arisiokratischen Manieren, schwaree
Haar und dunklen feurigen Augen—