Nummer 229.
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Iswolskis Rücktritt.
Iswolstkis Rücktritt ist schon seit mehr als Jahres
ist wiederholt als sicher und unmittelbar bevorstehend
emeldet worden. Man war deshalb den neuen Rücktrittserüchten
gegenüber sehr mißtrauisch, zumal bei der gegen—
härtigen gespannten Lage der internationalen Beziehun—
en eine Schwenkung in der russischen Politik unwahr—
heinlich, um nicht zu sagen, fast unmöglich ist. Es konnte
ch also bei einem Wechsel in der Hauptsache nur um
ine Personenschiebung handeln. Wenn Iswolski tatsfäch
sch trotz der vielfachen mächtigen und berechtigten Geg
erschaft, die er in Rußland fand und die in den Rück—
titisgerüchten zum Ausdruck kamen, sich immer wieder
ielt, so war das schon ein Beweis, daß ein Wechsel imn
er gegenwärtigen Richtung der russischen Politik nicht
eabfichtigt, jener Politik, die die russischen Machtmittel auf
en nahen Osten konzentriert und hier bei dem Versuch
iner wirtschaftlichen und politischen Abschnürung der
zentralmächte vom nahen Osten in einen Gegensatz zu
iiesen Mächten geraten muß.
Mit kaum einem Mann hat sich die europäische Oes⸗
entlichkeit in den letzten Jahren so eingehend beschäftigt,
»ie mit Iswolski. Es knüpft sich doch an seinen und
lehrenthals Namen die Geschichte einer der schwersten
drisen, die der europäische Friede seit 1815 durchgemacht
at. Die beiden Staatsmänner scheinen dabei so in den
zordergrund geschoben, daß man manchmal von einer per⸗
znlichen Verärgerung zwischen beiden glaubte sprechen zu
oͤnnen. Auch die heutige ernste Lage ist mit Iswolskis
Lerk. Man hat Iswolski Eitelkeit und Ehrgeiz und au—
erdem Leichtsinn und Oberflächlichkeit vorgeworsen. Nach
em bekannten Ausspruch Bismarcks, daß ein Mann das
bert sei, was er an Arbeit leisten könne, abzüglich seines
zhrgeizes, käme man da wohl bei Iswolski auf den Wert
dull. Wir bezweifeln, ob diese Charakteristik das Wesen
es Mannes erschöpst. Gewiß, seine Politik hat nach au⸗
en hin, gerade soweit sie gegen die Zentralmächte und
ie Türkei gerichtet war, Niederlagen auf Niederlagen er—
itten. Wie weit ist England und Rußland von dem ma—
edonischen Reformprogramm der Revaler Kaisertage zu⸗
ückgelommen! Damals schien man nur eine Uebergangs⸗
orm zu suchen, wie man Mazedonien verselbsiändigen
önnte, um es dann, wie man es mit Kreta beabsichtigte,
m die einzesnnen Freunde, Bulgarien, Serbien, Griechen⸗
and, aufzuteilen. Heute ist Mazedonien in den starken
zänden der Türkei, Albanien zum ersten Male wirklich
mterworfen, und ein eisernes Band umklammert die sla—
vischen Unruhestifter und russischen Vorposten Serbien und
bulgarien. Die Niederlage Rußlands aber in der Ein—
erleibungsfrage Bosniens und der Herzegowina ist be—
annt. Der an und für sich unbedeutende Vorgang wurde
„eshalb von so grundlegender Vedeutung, well er die ge—
»lante Demütigung Oesterreichs, die geplante Sprengung
»es Dreibundes, in das Gegenteil verwandelte.
Aber trotz dieser Niederlagen hat Iswolskis Polit“
in Rußland gesiegt. Der Verständigung mit England im
bertrag über die Abgrenzung der Ineressensphäre in
lsien 1907 ist die wichtigere Verständigung mit Japan
in diesem Jahr gefolgt, ja letztere hat erstere in den
hintergrund geschoben. Beide aber gestatten das Interesse
kußlands auf die Wesigrenze und dem nahen Osten zu
onzentrieren. Heute rüstet Rußland mit allen Kräften zu
der großen Auseinandersetzung um die Vormachtstellung
in Europa, um den Besitz des Ausfalltors des Schwar—
jeu Meers. Und die russische Politik, die russische Macht⸗
entfaltung, ist so einseitig nach dieser Seite konzentriert,
hat im eigenen, wie befreundeten und feindlichen Land so
viel Mißtrauen, Unruhe und Aufregung hervorgerufen,
aß eine Schwenkung aus psychologischen wie aus politi—
chen Gründen kaum mehr möglich erscheint. In dieser
kinseitigleit der Iswolskischen Politik, einerlei, aus wel—
her Quelle sie auch siammen moͤge, liegt die wichtige und
ielleicht noch verhängnisvolle Bedeutung Iswolstis
Der Rücktritt Iswolskis, der sein Beglau—
igungsschreiben im November in Paris überre'chen wird,
indet in der russischen Presse un geteilten Beéei—
—
Wieder gefunden.
iever Onten, rier Vrroiu, ie tanngt du nur den⸗
en, ich würde Bali gehen, wenn Ihr in Sorgen
um euer krankes Kind seid.“
Konrad ist, Gott sers gedankt, außer Gefahrl“ ent⸗
jegnele der Direktor mit freudig zitternder Stimme. „Eben
var der Doktor hier, er hatte Gehirnentzündung befürchtet;
voch nach den Eisunschlägen hat sich die Hitze so bedeutend
elegt, daß nichts mehr zu besorgen ist.
EGott jei danti rief Selbig aufspringend. Jeden
alls werden ader die Eisumschlaͤge noch nicht eingestellb
xrden dürfen.“
ein, wir müssen damit noch die ganze Nacht lortahren.“
entgegnete der Onkel.
ünd oͤn digubst ich würde gauf den Vall gehen,“ rief
helbig und dich allein wachen lassen?
ch bleibe gern bei meinem Kinde.“ sagte der Direktor
anft. Es ift ja eine süße Pflicht für mich meinen Jun⸗
en zu pflegen, eine um so füßere, da ich seiner baldigen
benesung freudig entgegensehen darf.“
BWir werden uns in die Rachtwache teilen. lieber On,
elries Seibig des Direktors Hand ergreifend. „Nicht
oahrẽ Du vestattest mir die Freude, mich dir auch einmal
rützlich machen zu důrfen. Jebt gehe ich an das Bett Kon⸗
ads und du iegst dich nieder, Gegen Morgen wecke ich dich
ind du löseft mich dann für einige Stunden, ab, da ich mor⸗
en um acht Uhr auf dem Gerichte sein muß.“
„Du guter Junge, so willst du dich eines Veranügens
nd deines jugendlihen Schlases berauben, nur damit ich
dlafen kannk? F
Der Dotior drückte dankbar und gerührt seines Neffen
and und schrut dann mit ihm die Treppe hinunter. Hel-4
fühlte fich so leicht und glücklich wie noch nie. Seitdem
ie Sorge um Konrads veben von seiner Seele gewichen,
var der etzie Schatten, der über seinem Glück noch geschwebt,
Atflohen Er fuhlle sich so reich sein Serz wurde so weit.
F Nichts wãre ihm heute zu schwer geworden, es trieb ihn
ie Fulle seiner Liebe guf andere, cuszuströmen, er hätte
In Gluck der ganzen Veit mitteilen mögen. Istes doch
s der schonsten enschlichen Gekühle, das den Glücklichen
cnat. alez um sich gleichfalls glüdlich zu machen. Nur
dere Seelen lassen sich an ihrem eigenen Glücke genügen
fragen nicht nach dem ihrer Nebenmenschen.
aignten hatrte der beiden Serren die dampfende Kaffes
—* Die direktorin war im Bett geblieben, sie lieh
entschuldjigen Auf dem Antlitz des Direktors leuchtete
haull. Die Presse der Rechten hebt dervor, mit Iswolski
cheide der direkte Feind einer russischen Freundschast mil
deutschland aus dem Amte; an ihm „pverliere“ Rußland
einen unbegabtesten Minister, der aber eben'sowenig zum
zotschafter tauge. Fürst Meschtschersti gratuliert in der
eitung „Graschdanin“ Iswolski nicht ohne herbe Jronie
ur „wohlverdienten Erniedrigung“. Das Kadettenblatt
Retsch“ charakterisiert die fast fünfjährige Tätigkeit Is⸗
volskis au einer „Reihe glänzender Mißerfolge“.
— —
Politische Rundschau.
Leutsches Reich.
*Zu der von der Kölnischen Zeitung aus Tanger ge—
zrachten Meldung, nach der Frankreich, Span'en und Eng⸗
and richterliche Beamte für die Vizegerichtsin—
tanz nach Marokko gesandt hätten, Deutschland in die—
ex Beziehung aber noch im Rückstand geblieben sei, und
omit die Gefahr nahe läge, daß unsere Interessen in
Rarolko nicht gewahrt würden, erfährt die „Rh. W.⸗3.
yon zuständiger Seite folgendes: Die Meldung ist dazu
ugetan, Irrtümer zu erregen. Es handelt sich nicht um
chiedsgerichtsbeamte, sondern nur um Obniänner. Nach
en beftehenden Vorschriften sind für jeden Streitfall zwei
Zchiedsrichter notwendig. Falls diefe sich nicht einigen,
st ein Obmann zu entsenden, der aber einer anderen
dationalität angehören muß. Zur Vertretung der deut—
chen Ansprüche ist bereits ein deuischer Schiedsrichter
ätig. Dazu kommt, daß unsere Forderungen zum größ⸗
en Teil schon bewilligt sind, sodaß zur Zeit für Deutsch⸗
and nicht die geringste Veranlassung zur Entsendung
ines Beamten vorliegt. Sollte im Laufe der sich hin—
iehenden Verhandlungen die Entsendung eines deutschen
RAbmannes auf Wunsch anderer Nationen notwendig wer⸗
en, so wäre hierzu noch immer Zeit genua.
s Der vollsparteiliche Landtagsadgeordnete Amtsge
ichtsrat Wagner, Vertreier für den Wahlkreis Hirschberg⸗
Schotenau, ist an einem akuten Nierenleiden hoffnungslos
rlrankt. ——
* Bei den Wahlen von Ersatzwahlmännern für die
evorstehende Ersatzwahl im vierten Berliner Landtags⸗
vahlkreis wurden im Ganzen 88 sozialdemokratische und
5 freisinnige Wahlmänner gewählt. In der ersten Klasse
erloren die Freisinnigen ein Mandat durch das Los an
»ie Sozialdemokraten, in der zweiten Abteilung verloren
„ie Freisinnigen 11 Mandate, in der dritten Abteilung
wei, die einzigen, die sie zu verteidigen hatten. Insge—⸗
amt stehen sich jetzt 296 freisinnige und 194 sozialdemo⸗
ratische Wahlmänner gegenüber.
* Der „Reichsanzeiger“ veröffentlicht einen allerhöchsten
erlaß betreffend die Verleihung des Promotionsrechts
n die Tierärztlichen Hochschulen.
Italien.
Der durch seine jüngste Duellkomödie „berühmt“ gewor⸗
ene radikale Deputierte Chiesa will den Ministerpräsi—
enten Luzzatti darüber interpellieren, ob es der
nationalen Würde“ entspreche, daß dem Grafen
Uehrenthal die höchste Auszeichnung Italiens, der An⸗
unziatenorden verliehen worden ist. Die meisten Blätter
eigen sich entrüstet über dieses Auftreten Chiesas.
die „Tribuna“ hält die Nachricht überhaupt für unwahr—
cheinlich; sie kann nicht glauben, daß Chiesa in dem Wol—⸗
enkuckucksheim völlig abgebrauchter Idealitäten sitze. Der
Popolo Romano“ möchte von Chiesa erfahren, warum er
en Ministerpräsidenten nicht interpelliert habe, als der
teutsche Reschskanzlser von Bethmann⸗Holl—
veg den Annunziatenorden bekam, der doch erst ein Jahr
m Amte sei. Dasselbe Blatt bezeichnet die Turiner Zu—
ammenkunft als eine positive Demonstration für die wirk—
iche Besserung in den Strömungen der öffentlichen Mei—
ung der beiden alliierten Staaten. Nach der Annexion
zosniens und der Frage der italienischen Universität, in
er die Wiener Regierung alles Mögliche tat und tun
erde, nach allen adriatischen Phantasien mit „Dread—⸗
oughts“ und fingierten Landungen habe die Reealitä
er Dinge zur Feststellung geführt, daß nichts wünschens
erter sei, als den hestehenden Beziehungen den Stemvel
Rfto— G2l 24 —
Nneder voie uue, greunduche Gure, oie Ieven, ver ium in
reue Auge blickte, unwillkürlich zu ihm hinzog. Gib.
och nichts Schöneres, nichts Ergreifenderes auf Erden, als
in Menschenantlitz, aus dem uns eine edle, liebenswürdige
&eele sympathisch entgegen leuchtet. Helbig achaute in solch
ein liebes treues Antliß und ihm wurde so weich, so ver⸗
rauensvoll zu Mute; er hätte dem teuren Verwandten um
en Hals fallen, hätte ihm alles gestehen mögen: seine Liebe,
eine Wünsche, seine Hoffnungen. Aber sein Zartgefühl
ielt ihn zurück — nein, heute war dazu nicht der richtige
Moment. Sah er doch, wie heilige Freude des Vaters Herz
janz erfüllte, wie der Dank gegen den Schöpfer für das ihm
uufs neue geschenkte Kind aus seinen Augen leuchtete; heute
urfte er nicht mit seinem Liebesgeständnisse die hochge—
timmie Seele des Onkels beunruhigen. Der ältere Freund
oürde doch vielleicht vicht gapz nu seinen eigenen Augen
ie Verbindung mit der —3 Zohanna betrachten; er
oürde vielleicht diese oder jene Bedenken haben, die Helbig
war leicht und bald zu überwinden hoffte, aber heute hier
eben dem geöfffneten Schlafzimmer, in dem der kleine
konrad noch immer kurz und schwer, wenn auch ruhiger als
im Vormittage, atmete, war nicht der Ort dazu. Helbig
interdrückte deshalb das stürmische Gefühl, das ihn an das
Herz des Onkels trieb — und verließ ihn bhald, um sich an
as Bett des Knaben zu setzen. Der kleine Konrad lag noch
mmer mit halbgeschlossenen Augen und offenem Munde da;
iber die hochrote Farbe war einer milden Röte gewicher
ie Haut war seucht und der Puls ging nicht mehr v.
jeftigen Schlägen.
WBald.“ dachte Helbig, als er einen neuen Umschlag aul
des Knaben Kopf legte, bald wird es mit ihm viel besser
geben!“ Ein glückliches Lächeln trat auf seine Lippen:
.Und bald wird auch mir das schönste Glück erblühen!“
10 653p1te—
Die alte Susanne mußte lange auf die Nückkehr Jo⸗
annas warten. Schon hatte das Mädchen den ganzen Ball⸗
taat ihrer Herrin auf dem Bette zur Besichtigung ausge⸗
reitet. Der Rosenkranz und das von Rosenknospen ge⸗
chmückte weiße, duftige Kleid, das heute Abend Schön⸗
dannchen“ auf dem Balle des Adels schmücken sollte, lag
um Anziehen bereit. — Johanna kam nicht, selbst das ein⸗
ache Mittagessen hatte die Alte mit dem Voktor allein ein⸗
enommen —. das Fräulein hatte sich entschuldigen lassen —
ie habe Kopfschmerzen und hätte sich niedergelegt, um am
lbend frisch zu sein Der Doktor ichittelte verdrieklich den
Griechenland.
»In einem sehr aufgeregten Telegramm schildert de!
Athener Korrespondent der ‚Times“ die augenblickliche Be
orgnis in Griechenland über die angeblichen Kriegsge
üste der Jungtürken, die durch die Haltung Rumänien
iur noch gewachsen seien. Aus dieser Besorgnis herau—
abe Griechenland die einzig mögliche Enischuldigung fün
inen Krieg aus dem Wege geräumt, indem es die Wah
en der drei Kretenser für in konstituierende Versammlung
ür ungültig erklärte. Nachdem dies geschehen, würde ein
Lerletzung griechischen Gebiets einen Akt internationale
Brigandage“ und gleichzeitig eine Herausforderung fü.
ie vier Schutzmächte bilden. Es sei daher zu hoffen
»aß diese auf eine Zurückziehung der türkischen Trupper
;on der Grenze und auf eine Milderung der getroffene!
staßregeln hinwirken würden, die bei der Entwaffnun
er christlichen Bevöllerung in Mazedon'en in Anwendun,
äümen.
— — —
Arbeiterbewegung.
Zum Werftarbeiterstreifk. Die Abstimmun
der Werstarbeiter über die Vorschläge der Arbeitgeber er
folgt am Mittwoch. Die Verhand ungen der Kommissio
nen haben, wie verlautet, die Partelen einauder X
zebracht. Es heißt sogar, daß die Vertreter der Arbeile—
die Annahme der am Dienstag neu for nulierten Vor
schläge der Werfibesiter empfehlen wollen.
— Keine Einigung. Aus London wird berichtet
die Schritte, die zur Regelung des Konflilts der Baum
vollindustrie unternommen wurden, sind gescheitert, da di
Arbeitgeber die Vorschläge der Arbeitnebmet ablehnten.
Von der Luftschiffahrt.
*Europäischer AeroplanRKundflung. Fü
den europäischen Aeroplan⸗Rundflug 1911, für dessen ecst
kẽtappe Paris-Berlin die „VB. 3. am Mittag“ einci
Preis von 100 000 Mart ausfehte, Negen bereite 34 Ar
neldungen vor, die zwar noch nicht ols de initiv anzr
hen sind, aber doch beweisen, welch außerordentliches In
eresse der Veranstaltung schon jetzi entgegen gebrach
pird, obwohl die Propositionen noch nicht festgelegt un
eröffentlicht werden konnten. Von den bekannieren Flie
ern erklärten sich zur Teilnehme bereit: Bleriot, Leetan
»enry und Maurice Farman, Legagneux, Gebrüder Vo
in, Graham Whbite, Sommer, Aubrun, Latham, Wey
iann, Morane, van den Boen, Paulhan, Bielopuccis
yck, Cattanco und von deu schen Fliegern Lindpaintner
sorner, Emil, Jeannin, Lochuer Thelen. Graͤde um
zichtner.
*Der Ueberlandflug Jeannins. Ober
pon Falkenhayn, Chef des Generalstabes des 16. Armee
orps, unternahm mit Jeannin einen Ueberlandflug ar
inem Militär-Doppeldecker der Avealik G.m. b. H., Müß—
ausen; der Flug ging in einer Höhe von elwa 200 Me
ern von statten und erstreckte sich über die in der Um
egend von Metz gelegenen Forts. Ohberst von Falker
ayn sprach sich sehr besrledigt über die Sschecheit de
lpparates und der leichten OÖrientierrna s
zBetsetzung des Aviatikers Haas. Mi
nilitärischen Ehren wurde in Trier der unter einer Füll.
oon Blumen und Kränzen verschwindende Sarg des ver.
inglückten Aviatikers Haas beigesetzt. Kinter der Bahr«
chritten die Spitzen der militärischen und städtischen Be
hoͤrden, zahlreiche Offiziere, der Bruder und der Schwa—
er ves Verunglücklen. Divisionspfarrer Brandao biel
eine ergreisende Grabrede.
*Die Mailänder Flugwoche. Das Flug
meeting von Mailand ist jetzt zum Abschluß gelangt. Dat
ioo Knomelter⸗Rennen um den Geschwindigkeitspreis ge
vann Cattaneo Gleriot) in 1St. 7 Min. 44 Sel
Zzweiter wurde Simon (Bleriot) mit 1: 09: 06 vor den
deutschen Wincziers (Bleriot) mit 1: 12: 42. Den Di
tanzpreis des letzten Tages gewann mit 560 Km. Bregy
er auch aus einer Gleitflugkonkurrenz als Sieger hervor
ing. Legagneux gewann den Höhenpreis mit 2180 Me
ter vor Cattaneo mit 1750 Meier
oe — ιn ο am Bormitrag YeWbig
mnpfangen und ganz gesund gewesen war — ihr Kopfschmer—
war also nichts als eine der gewöhnlichen Weiberlaunen.
Doch er sagte nichts, und der alten Susanna Gedanken weil—
ten heut anderwäris. — Sie glaubte zu wissen, was Jo—
hanna so bewegte, daß sie einsam sein müsse — es war der
Jedanke an das ihr angedeutete Geheimnis, das ihr heute
noch gelöst werden sollte. — Als Johanna endlich in der
Dämmerstunde hereinkam und sich ohne ein Wort zu sagen
zu ihr auf den Schemel setzte, wußte Susanne was sie wollte
und ohne sich lange zu besinnen, nahm sie sogleich das Wort.
Sie sah nichi, wie des jungen Mädchens Wangen in dunklem
Feuer glühlen, wie der Blick scheu und befangen sich zu Bo⸗
en senkte, — In Johannas Seele wogte und tobte es —
zelbig hatte in ihr etwas wachgerufen, was bis dahin ge—
hlummert — die Stimme der Leidenschaft. — Erschreck
bebte sie vor ihr zurück. — Mit aller Gewalt fuchte sie da⸗
gegen anzukämpfen; aber es war ihr, als habe sich in ihrem
Iunern ein Feuermeer erschlossen, das hell emporlodernd
ille anderen Empfindungen zu erlöschen drohte. 5 in
IXꝛ Gedanke nahm ihre Seele gana ein. der Gedunke
in ihn. E
IIch weiß, warum du gekommen,“ hub die Alte an —
du willst mich an mein Wort mahnen — ich bin bereit es
u halten. — Doch wird das, was ich sage. wenig zu dem
eiteren Schmucke passen, der hier deiner harrt, um dich in
inem glänzenden Kreise zu schmücken.“
Johanna sah auf.
Saß dich das nicht kümmern,“ sagte sie ernst. „Er⸗
ähle und schon mich nicht. — Wenn ich dir auch manchmal
schwach erscheine, sobald es Not tut. habe ich Kraft — das
veißt du!“
Susanne nickte, sie lehnte sich in den Stuhl zurück, und
die Augen fest auf einen Punkt gerichtet, als erhöbe sich vor
ihr das Bild vergangener Tage, begann sie mit leiser ge—
hreßter Stimme zu erzählen. — Johanna bemühte sich ihre
ufgeregten NRerven zur Ruhe zu zwingen und aufmerksam
zuzuhören. Erst brauste es noch in ihren Ohren wie das
entfernte Rauschen des Meeres. dann aber wurde es all
mahlich stiller in ihr, sie hörte immer aufmerksamer zu und
mit flammendem Blick sog lie auleßt die Worte von der
Alten Lippen.
Dein Pflegevater.“ so erzählte Susanna F „ist der
einzige Sohn angesehener, nicht unbemittelter Eltern. Et
war der, Stolz derselben; denn er war fleißig und tüchtig
und in seiner Wissenschaft geachtet und geehrt. — Ich war
ine arme Waise, die Tochter einer entfernten Verwandten
her Mutter Körners, und wurde von dieser aus Barmherzig⸗
kejt ins GFous genommen Ich unterstützte die gütige Frav
Hundertjahrfeier des Münchener
Oktoberfestes.
Das Münchener Oktoberfest, diese Pflegestätte ech
bajuvarischen Humors, sah in diesem Jahre auf ein hun
dertjähriges Bestehen zurück. Ein respektables Jubilaäͤun
immerhin, und so ist es denn erklärlich, daß „Minka“ in
diesem Jahre alles aufgeboten hatte, um die diesjähri
gen Attraltionen der Ottoberwiese so glanzvoll als mög
lich zu gestalten. Ganz München war an diesen Tage
hinausgepilgert, um diesen Rückblick auf die Vergangen
heit zu einem Nationalfest von kulturhistorischer Bedeuium
werden zu lassen. Am 17. Ottober 1810 war es, als di.
Bewohner der Haupitstadt Bayerns zum ersten Mal —n
AI
4
*
9
J
—
Oltoberwiese hinauspilgerien, um bei herrlichsten Wetie
im Sonnenschein Maß um Maß zu leeren und in de
mannigfaltigsten Unterhaltungen, Schaubuden ꝛc. augenehm.
Stunden zu verbringen. Die auf Anregung des Münche
ner Baumgartners ins Leben gerufene Veranstaltung fant
derartigen Anklang. daß man beschloß, das im Olktobe
gefeserte Fest alljährlich um diesen Zeitpunktt zu feiern
Ungeachtet aller politischen Umwälzungen hat das Okto
Doeh nichts r seiner Anziehungslraft eingebüßt und
geht nun in altem Glanze in das zweite Jah der
dres Veitelen — Jahrhunde
— —
Aus aller Welt
Leutnant Helm. Leutnant Helm wurde einem Tele
zramm der Zentral⸗Rews aus Winchester zufolge gegen
——A
senen Kaution bis zu der gegen Mitte November an
tehenden Hauptverhandlung auf freien Fuß gesesbt.
Endlich verhaftet. Der Raubmörder Heinrich Dick.
der am 13 Muanfsted Rin Mürukberg seine Geliebte er—
r in Wir schast uU quchre mich vei ihr so nützlich zu
machen als es mir bei meinen einfachen Kenuntnissen, die
ich besaß, möglich war. Dein Vater, Johanna, war, wie du
dir denken kannst, niemals hübsch; aber sein freundliche?
Wesen, sein Geist und seine Lebendigkeit machten ihn ange
nehm. Gegen den Willen seiner Mutter, die von Natur
heiter und gesellig war, schloß er sich fast ganz von der Ge—
sellschaft ab und lebte nur seinen Studien. Oft sprach sie zu
mir die Befürchtung aus, daß ihr Sohn, so unbekannt mil
der Welt und besonders mit den Frauen, leicht böse Erfah—⸗
rungen machen könne. — „Denn“ sagte sie, „er wird die
wahre Tugend und den wahren Wert der Frau nie von dem
gemachten unwahren zu unterscheiden vermögen.“ — Sit
hatte nur zu recht! — Gott aber hat sie davor bewahrt, daf
fie nicht selbst noch Augenzeuge seines Unglücks wurde.“
Die alte Susanna seufzte und faltete still die Hände.
„Die Cholera brach in Berlin aus,“ fuhr sie fort, „beide
Eltern Körners wurden im Verlauf von wenigen Tagen
dahingerafft. Mit aller seiner Kraft vermochte er sie nich
zu retten. — Verdüstert und einsam blieb er zurück — ich
war seine einzige Stütze in dieser schweren Zeit. Da er e⸗
wünschte, blieb ich bei ihm — durch die Liebe der Mutter
berwöhnt, war er unfähig für sich allein zu sorgen. — Sc
führten wir denn vor wie nach in dem ererbten, wohl ein
gerichteten Hause der Eltern die Wirtschaft fort. — Damals⸗
dar Körner noch nicht so still wie jetzt, und wenn er auch seht
leißig arbeitete, so liehte er es doch, wenn er des abendt
aach Hause kam, mit mir ein wenig zu plaudern, wie er es
ontt mit der Mutter getan. — Damals hatte er einen sehr
mrimen zzreund, der Arzt war wie er und Sohn sehr reicher
ẽltern, Re ihm alles gewaährten, was er wünschte und be—
gehrle. In seinem Wesen und seiner Erscheinung war e
her volle Gegensah, zu Koͤrner; aber es bewahrheitete sich
auch hier, daß gerade die Gegensätze sich anziehen. Korner
hatte fůr feinen schoͤnen, eleganten, lebenslustigen Freund
Ane schwärmerische Liebe und sah in ihm den Inbegriff gller
Tugenden. Fur so treu und wahr, wie er selbst war, hiel
er quch den Doktor Born. Ich dagegen traute ihm von An⸗
fang an nicht so ganz. In seinen grauen Augen las ich
oflmals eine kalte Berechnung — und zuweilen, wenn er ir
unbewachten Augenbliken — im Uebermaß der Heiterkeit
feiner sonstigen Vorsicht vergaß, machte er Aeußerungen
die mich erschreckten. Es lag ein so übermäßiger Egoismus
eine solche Verliebtheit in sich selbst in diesen Aeußerungen
daß ich innerlich überzeuat war, dieser Mann wäre imstande
alles, so Freundschaft wie Liebe zu opfern, wenn sein liebet
Ich wenn sein Vorleil es forderte. Doch bei der Befangen—
deii Körners wäre es Torheit, gewesen, meine Ansicht zu
erI xce keine Bebeile für dielelbe als leicht bin—