Aufschwunges unter allen Umstanden verhangn'svoll wer
—X überhaupt eine ein—
schneidende Wirlung ausüben müßte. Eben deshalb ist es
nu befonderer Besrsedigung zu begrüßen, daß sich die
skegierung endlich entschlossen hat, der mehriach an sie er
gangenen Aufforderung nachzukommen, einen Vermittel—
ingsvecsuch zu machen Hossentlich gelingt e hierbei, doch
och in letzter Stunde eine Einigung zu erzielen, so da?
er drohende Kampf falls er nicht üͤberhauve vermieden
verden kenn, wenigstens lokal beschränkt wird. Nicht nur
n ihrem eigenen, sondern im aligemeinen Interesse soll—
an beide Parteien das alte, aber noch inmmer wahre Wort
beherzigen, das auch für den wirischaftlichen Kampf gilt:
Friede ernähbri 1nfiriede verrebhrt1
zales und Vermischtes.
Dudweiler, den 9. April 1910.
Theater. Im NMassauerhof findet morgen Sonntat
mittag 4 Uhr große Familien- und Kindervorstellung statt
Es gelangt für unsere Kleinen das reizende Märchen „Prin—
zeß Dornröschen“ zur Aufführung, ein sehr belehrendes
Werk von Görner. Die Direktion, die nur sehr wenige
Kinder-Vorstellungen veranstaltet, hat eigens zu diesem
Märchen die Kostüme und Ausstattung neu dazu hersteller
lassen, ebenfalls den Eintrittspreis so gering gesetzt, das
arm wie reich seinen Kindern das schöne Vergnügen
erlauben kann. — „Ella, die Seiltänzerin“ geht abend?
Zeinhalb Uhr über die Bretter. Ella ist eines der besten
Volksstücke, das Willhardt je geschrieben hat, das Stück hat
in Frankfurt, Mannheim, Saarbrücken usw. diesen Winte:
hunderte von Aufführungen erlebt. Tas Stück spielt ir
Akten und einem Vorsfpiel: „Der Schwur der Treue“
Näheres über das Stück: der reiche Gutsbesitzer Willberg
hat einen Sohn Oskar, derselbe ist in einer Universitätsstad!
Als Student, dort gibt ein Zirkus Vorstellung, der Studen
lernt die schöne Ella, die Seiltänzerin kennen und lieben
Doch der Zirkus reist ab und beide schwören sich ewig
Treue. Oskar sieht seine Geliebte 4 Jahre nicht und sol.
eine andere heiraten. Ella trifft am Tage seiner Hochzeit
mit ihrem, seinem Kinde, in dem Ort, wo ihr Geliebter
wohnt, ein. Herzzerreißende Szenen spielen sich vor der
xirche ab, wo gerade Oskar mit seiner Braut zur Trauung
will, aber Ellas Liebe ist so groß, daß sie die Trauung
nicht unterbricht und Oskar wird der Mann einer anderen.
Doch sie sehen sich wieder und die alte Liebe erwacht und
siegt wieder, trotzdem er Ella, heruntergekommen durch Un—
gluͤck, arm und verlassen, in seinem eigenen Hause bettelnd
antrifft. Nach 3 Jahren kommt ein Zirkus wieder in dem—
selben Orte an und der Direktor erzählt Oskars Vater und
Frau das Verhältnis mit Ella. Es entstehen dadurch
feindliche Familienszenen. Ella stirbt später und auf dem
Friedhof, am Grab Ellas, trifft Oskar seinen Sohn, sie er—
kennen sich beide, Oskar will ihn als seinen Sohn aner—
kennen, doch Hugo antwortet ihm — Sie haben zum ersten
und letzten Male Ihren Sohn — und ich meinen Vater
gesehen. Das Stuck ist noch mit herrlichen Melodranen
PaSdestactet und dürfte jeder Theaterbesucher am Sonntag
abend auf seine Rechnung kommen. Ebenfalls sind recht
humoristische Szenen im Stück und Frau Ochernal als Pe—
cTonella, und Herr Direktor Reuß als Hans werden die
Lachmuskeln der Befucher sicher schon wieder in Bewegung
bringen. Die Titelrolle spielt Frl. Granzius, den Oskar
Herr Steinmayer, ebenfalls sind alle andern Rollen aufs
beste besetzt. Wünschen wir der rührigen Direktion für die
Mohe und Arbeit ein recht volles Haus. Wir versichern
nochinals, daß wir in Dudweiler wirklich noch kein besseres
Enfemble hatten, und daß das Unternehmen jeder Groß⸗
stadtbühne gleichkommt. Wir weisen noch darauf hin, daß
die Vorstellungen von iekt ab abends erst um deinhalb
Uhr beginnen.
Eine Regierungs-Erklärung über die Mosekanali—
sation. In der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhau—
ses vom 7. April gab der Minister von Breitenbach eine
Erklärung über die Frage der Moselkanalisierung ab. Er
sagte: „Die Entscheidung der Staatsregierung in Sachen
der Moselkanalisierung ist erfolgt. Durch die Resolution
des Abgeordnetenhaufes vom 17. Februar 1905 ist die
Staatsregierung ersucht worden, die Frage der Zweckmäßig—
keit und Durchführbarkeit einer Kanalisierung der Mosel
und Saar zu prüfen. Inzwischen haben die Vertreter der
Eisenindustrie vom Niederrhein und in Westfalen die Be—
fürchtung ausgesprochen, daß durch die Kanalisierung die
Konkurrenzfähigkeit ihrer eigenen Betriebe durch Verschiebung
der Konkurrenzverhältnisse zugunsten der lothringischen ernstrich
in Frage gestellt werden würde. Die Vertreter beider
gruppen haben erklärt, daß nur durch eine einwandfrei
Festftellung der Selbstkosten der Eisenindustrie im Nord—
westen und Südwesten eine Grundlage für den wirtschaft—
lichen Einfluß der Kanalisidrung gewonnen werden könne.
Es wurde dazu eine Kommission von Interessenten einge—
setzt unter dem Vorsitz eines Staatsbeamten. Ihre Ver—
handlungen haben zu einem praktischen Ergebnis nicht ge—
ührt. In zweiter Linie kommt auch für die Regierung die
Ruͤckwirkung auf die Einnahmen der Staatseisenbahn in
Frage. Nach den Ermittelungen der Regierung würde die
Kanalisierung der Mosel und Saar so große Ausfälle in
den Einnahmen der Staatseisenbahnen herbeiführen, daß sie
hei der jetzigen Finanzlage ohne Erschütterung der Staats—
anten nicht ertragen werden können. Die Staatsregie
Hande in Unschuld, wenn zZyr
führt!“
Der überzeugende, ruhige Ton verfehlte seine Wirkung
nicht. Lothar, der Alice nicht aus den Augen gelassen hatte,
glaubte zu bemerkern, daß, die junge Frau nachdenklicher
wurde. Es siel ihm erst jetzt ein, daß er in der Aufregung
ganz vergessen hatte, nach Siegfried zu fragen. War der⸗
selbe etwa gestorben oder krank? Vor allem Dingen mußte
er sich darüger Gewißheit verschaffen.
„Was veranlaßte Sie denn eigentlich zu diesem Schritt?“
frag?e Lothar, die junge Frau aufmerksam betrachtend. „Sie
mußten doch immerhin auf eine Abweisung gefaßt sein.“
„Ich sagte Ihnen schon, ich kann die Kinder nicht er—
ziehen. Mein Beruf hindert mich daran, denn er hält mich
viel vom Hause fern.“
„und — Ihr Gatte, — billigt er Ihren Entschluß?“⸗
Ich konnte ihn leider nicht darnach fragen.
So ist er tot?“
Geistig tot — — — er befindet sich im — — Irren⸗
bause!“
„Ja,“ nickte Alice, „traurig für ihn und mich! Seit un⸗
serer Verheiratung heftete sich das Unglück an meine Fer⸗
sen. Mein Gatte trug die Sehnsucht nach der Heimat immer
mit sich herum, er konnte nie ewwas verdienen, was sollte
er auch arbeiten? Das viele Grübeln, dem er sich nach und
nach hingab, war nicht gut für ihn, was habe ich alles
durchgemacht! Zuletzt ging er den ganzen Tag umher und
sang, — nichts anderes, als sein Heimatlied. Ich glaube,
ich wäre selbst noch verrückt geworden, wenn ich es noch
länger hätte mit anhören müssen .
‚Ich sah mich gezwungen, einen Wärter zu engagieren,“
suhr Alice nach einer kleinen Pause fort, „da ich selbst mich
ihm nicht widmen konnte; ich mußte doch Brot schaffen;
denn alles kostet Geld, viel Geld, umsomehr, als auch die
Kinder jemand zur Pflege brauchten. Ich fühlte, daß das
nicht so weiter gehen konnte, daß ich Abhilfe schaffen mußte
jollie ich nicht selbst dabei zuarunde gehen
zu
rung hält daher die Kanalisierund der Mofel und der Saar
ur Zeit nicht für zweckmäßig.
Personalnachrichten aus dem Bergwerksdirektionsbe—
irk Saarbrücken. Der Bergmann Georg Keller ist von
. April d. J. ab zum Hilfskohlenmesser bei dem Stein—
vhlenbergwerk Dudweiler ernannt worden. Der Bergmani
Zeinrich Trompeter ist vom 2. April ab zum Hilfskohlen
nesser hei dem Steinkohlenbergwerk Reden ernannt worder
Amistierärztlicher Feststellung zufolge ist unter den
Pferdebestand der Firma Philipp Creutzer u. Co., Spedi
ionsgeschäft Saarbrücken, Ludwigstraße 58 die Brustseuch
usgebrochen.
Der heutigen Nummer liegt eine Beilage bei. Die«
Erzählung „Eine Tornenkrone“ beginnt im Hauptblatt, Fort—
etzung in der Beilage.
Die Arbeitslosigkeit im Tabakgewerbe wird mit
edemn neuen Monat uümfangreicher. Als im August 1909
»er Andrang am Arbeitsmarkt der Tabakindustrie plötzlich
en 100 auf 400 hinaufging, nahm man zuerst an, daß
jes nur die Reaktion auf die übermäßig flotte Tätigkeit
hor der neuen Steuer sein würde, die sich bald wieder ver—
jeren würde. Nun hat sich aber der Andrang am Arbeits—
markt nicht allein während der zweiten Hälfte 1909 gar
nicht abgeschwächt, so daß das laufende Jahr schon mi
einein Andrang von durchschnittlich 860 Arbeitsuchendern
zuf je 100 offene Stellen begann, während der Andrang im.
Januar v. J. nur 205,24 betragen hatte. Und während
bon Januar auf Februar gewöhnlich eine Abnahme des
Andranges einzutreten pflegt, ging er in diesem Jahre trotz
er außerordentlichen Höhe im Jannar im Februar noch
eiter hinauf und erreichte einen Umfang von nicht wveniger
Is 1364,49. Im Februar 1909 hatte der Andrang da—
gegen 192,79 betragen; er ist demnach in. diesem Jahre
aft siebenmal so groß als im vorigen Jahre. Vor allew
st die Arbeitslosigkeit in der Hamburgischen Tabakindustric
rapid gewachsen. Das Angebot Arbeitsuchender geht über
das vorjährige über das Dreifache hinaus. Zugleich ist
iber auch die Zahl der offenen Stellen empfindlich zurück—
gegangen. Nicht viel besser sieht es in den anderen Be—
— ä die
Zrovinz Sachsen, ferner die Königreiche Sachsen und Würt—
emberg mit einem außergewöhnlich hohen Andrang hervor.
Verlorenes Geld. Von den seit Jahren bereits außer
durs gesetzten Banknoten der Frankfurter Bank sind' noch
mmer Noten im Gesamtbetrag von 221002 M. und zwar
32 800 M. in Mark lautenden Noten und 128 202 Mart
zleich 74 788 Gulden Noten nicht eingelöst. Wertlos sind
diefe Noten nicht, doch dürfte der größte Teil dieser ganz
infehnlichen Summe, namentlich was die Guldenscheine an—
etrifft, als Verlust zu betrachten sein, denn im letzten Jahre
st nur ein einziger Fünfguldenschein und 4300 Mark in
Zanknoten eingelöst worden. Wo mag dieser Fünfgulden—
chein hergekommen sein? Im übrigen kann man aus
iesem Fall entnehmen, daß im Laufe der Zeiten ganze
zermögen in Papiergeld verloren gehen.
Kommende Hungersnot in Rußland. Der bekannte
Meteologe Gribojedow veröffentlicht auf eine streng wissen—
schaftlicher Grundlage beruhender Untersuchung, nach dem
er zu der Ueberzeugung gelangt, daß Rußland im kommen—
den Erntejahr eine beinahe vollständige Mißernte im Win—
tergetreide zu erwarten hat. Der Ausfall an Winterweizen
ind -Roggen kann leider nicht durch eine stärkere Sommer—
getreideernte wettgemacht werden, denn an der Hand von
Zeobachtungsreisen muß Herr Gribojedow diese Hoffnung
»ernichten, — er sagte eine Periode der Dürre voraus, die
n die für die Kornbildung wichtigen Monate Juni und
Juli fallen soll. Das Ansehen, das Herr Gribojedow ge—
nießt, ist so groß, daß seine Ankündigungen keinen Zweife!
erfahren, sondern die größte Besorgnis erregen. Seine
Beobachtungen sind der Gegenstand ernster Beratungen in
wirtschaftlichen Vereinigungen und parlamentarischen Ver—
bänden, die schon jetzt auf Maßnahmen seitens der Regierung
dringen. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß die
Witterungsverhältnisse sich unversehens ändern können, doch
hleiben die Befürchtungen Gribojedows zum großen Teile
njedem Falle bestehen. Mit einer solchen Mißernte hätte
uch das Ausland zu rechnen, soweit es russisches Getreide
erbraucht oder überhaupt auf ausländische überseeische Märkte
ingewiefen ist. Ganz prekär gestaltet sich natürlich die
Lage in Rußland nicht nur in staatsfinanzieller Hinsicht,
ondern auch im Hinblick darauf, daß die Industrie und
der Handel in hohem Grade von der Gestaltung der Ernte
abhängen. Eine Mißernte kann auch nicht ohne erheblichen
Sinfluß auf die im Gange befindliche Agrarorganisation
bleiben, sondern diese wird in einer nicht wünschenswerten
Weise aufgehalten werden. Aus allen diesen Gründer
vird den Voraussagen Gribojedows namientlich in parla—
nentarischen Kreisen die ernsteste Aufmerksamkeit geschenkt.
Der Zusammentritt der Bergbaudeputation wirt
och im Tause dieses Jahres erfolgen können. Gegenwär—
ig finden Verhandlungen zwischen der Regierung und der
nappschaftsberufsgenossenschaft statt, die zum Ziele führen
dürften. Es sollen bei der Zusammensetzung der Bergbau—
deputation Angehörige des staatlichen und privaten Berg—
haus, Werksbesitzer oder ihre Vertreter, Beamte und Ar—
deiker in angemessener Weise berücksichtigt werden. Die
Deputation foll drei Abteilungen umfassen, und zwar für
erawirtschastliche Fragen, die das Verhältnis der Arbeit—
eber zu oen Arbeitnehmern betreffen. Während früher ir
Ermangeluug eines ständigen Organs, das den Bergbe
sörden, namentlich auch der Zentralinstanz, als begutach
endes Organ für bergbauliche Fragen aller Art zur Seit
tehen kann, besondere Kommissionen gebildet werden muß—
en, die einzelne Gegoistände zu begutachten hatter
Schlagwetterkommission, Steinfallkommission und Seilfahrt
ommission) können diese jetzt in Fortfall kommen. Die
iach dem Vorbilde der „Technischen Deputation für Handel
ind Gewerbe“ einzurichtende Bergbaudeputation soll eir
tändiges beratendes Organ werden, das nicht nur zur Be—
intwortung einzelner Fragen, sondern vielmehr zur laufen—
den bequtachtenden Bearbeitung geeigneter Materien be—
rufen sein soll. Hierdurch glaubt man, am besten ein
virklich ausgiebige Nutzbarmachung der Kenntnisse und Er
tahrungen der betreffenden Fachmänner herbeiführen 3à
önn
Deutscher Kohlenbergbau in Südafrika. Wie der
Deutsche Bote“ von zuverlässiger Seite erfährt, steht eine
deihe angesehener deutscher Kapitalisten soeben im Begriff
in Gewinnungsbereich der besten Natalkohlen auf Kohlen—
armen, die einen Gesamtgehalt von 100 Millionen Tonnen
„ersprechen, die Ausbeute dieser reichen Bodenschätze in die
dand zu nehmen.
Herrensohr, 7. April.“ Der Kriegerverein Herrensoh'
Mttglied des Deutschen Kriegerbundes) hält am Sonntag
den 10. d. M. nachmittags 4 Uhr seine Versammlung in
Lereinsheime ab.
Saarbrücken, 8. April. Vor dem Schwurgericht stand
gestern der Italiener Carlo Gilardi aus Lecco, angeklagt
vegen Raubmordes, begangen am 25. Mai v. J. an der
Zaar gegenüber dem Brebacher Bahnhof. Die Verhand—
ung, die sich infolge der Uebersezung von Rede und Ge—
gsenrede etwas langwierig gestaltete, wird auf Montag nach—
nittag vertagt. An diesem Taa ist das Urteil zu erwar—
en
Saarbrücken, 8. April. Am 11. April wird vor dem
Schwurgericht außer der Verhandlung gegen Schmerer aus
Neunkirchen auch gegen den Erdarbeiter Karl Brockhaus aus
Bübingen wegen Straßenraubs verhandelt. Als Verteidiger
ungiert Herr Justizrat Leibl. — Samstag, den 9. April
Zementeur Karl Berg, Maler Gustav Ring, die standeslose
ẽsa Heil und die Kellnerin Philippine Klemens, sämtlich
u Saarbrücken, Straßenraub. Verteidiger: die Herren
Kechtsanwälte Fleisig, Dr. Fourman, Dr. Scheuer und
Bessenich. — Dienstag, den 12. April: Jakob Schlichter,
Bergmann von Derlen, Katharina Lux, ohne Stand, und
Johann Kreutzer, Bergmann aus Schwalbach, Meineid. Als
zerteidiger fungieren die Herren Rechtsanwälte Dr. Weiler,
zteegmann und August. — Mittwoch, den 13. April: die
Tagelöhner Ludwig Anstadt, Philipp Kollmann und Hrch.
orenz, sämtlich zu Saarbrücken, wegen Straßenraubs.
zerteidiger: die Herren Rechtsanwälte Abraham. Auausi
ind Dr. Zillessen.
Bölklingen, 8. April. Im Schlafhaus 2 erbrach ein
irbeiter zwei Schränke von Kollegen und entnahm den—
lben Geldbeutel mit zusammen etwa 16 Mark;, Inhalt.
der Bursche wurde festgenonmen.
Saarlouis, 8. April. Die heute hier verhaftete Mör—
erin des Scherenschleifers Waldner, Johanna Breitgoff,
durde heute Vormittag dem Untersuchungsrichter vorgeführt.
zie leugnete anfänglich, bequemte sich aber schließlich zu
inem umfassenden Geständnis.“' Auf ihre Ergreifung waren
000 Mark Belohnung ausgesekt
* Koölu, 8. April. (Jugendliche Diebe) Zwee
Brüder im Blier von 15 und 16 Jahten echrelten von
hrer Schwe er orn Aufirag, 300 Wark nach der Spar—⸗
sasse zu er nan cus ein Spariassen uch, das aber 1400
Mark lausee. Bie Fungen erhoßen yrervon noch 700 Mi.,
sandten das Ruch der Schwesier zurnck und machten mit
den 1150 Mart eine Vergnügungssatect. Hu Trier mach—
en sie sich durch ihre vienen ESerdausgaben verdächtig und
vurben deshasb verhaztet.
* Bonn, 8. Apral. Vertreter des deut—
chen Gesanges.) Der Bonner Männergesangverein
vurde berusen, wayrend der Deuischen Woche auf der
Brüsseler Weltausstellung im Juni den
zeutschen Gesang zu verrrelen. Der genannte Verein ist
»on 33 Verenen, die sich für die Vecanstaltung gemeldet
atten, gewählt. Er wird in Brüssel ein großes Konzert
seben. Bekernnnilich hat der Bonner Gesangverein bei der
zröffnung des Kaiser Wilhelm-Kanals 1895 in Kiel
leichfalls den deutschen Gesang vertreten.
* Mülheim a. Rh., 8. April. (Jur Eisenbahn—
datastro phe.) Ter kommandlerende General des 16.
Armeekorps, General der Insanterie von Prittwitz und
Baffron, ist hier eingetroffen und hat in Begleitung des
Bouverneurs der Fessung Kölhn, General der Infanterie
bon Sperling, die verwanoeten Soldaten in den hiesigen
Krankenhäusern und Lazaresten besucht. Den verunglück⸗
ten Soldaten geht es bis auf einge, die noch immer in
Lebensgefahr schweben, ziemlich wohl. Aus dem Drei—
dnigenhospital konnten sechs verunglückte Soldaten, die
ransportfaͤhig waren, nach dem Deutzer Garnisonlazarett
gebracht werden. Im Dreikönigenhospital befindet sich
ioch ein Soldat, der einen Schädelbruch erlitten hat.
* Elberfeld, 8. April. SchülerSelbstverwal—
ung.) Am hissigen Kgl. Realgymnasium sind während
des verflossenen Schuljahres Versuche mit der Einführung
er Schüler-Sclestverwalung gemacht worden. Nach dem
Zahreszbericht der Anitalt haben sich die Versuche bewährt
9 jelsen, da habe ich geseuszt und geweint wie ein Kind,
ine d nenkrone. da hrach mein Herz sür diese Welt, da begrub ich den
Historijher Roman von Freiherr von Winterfeld. zlücklichen Ludwig. Nun war mir alles gleichgiltig und
5König Ludwig blickte wie aus einem schweren Traum ch war Wachs in der Hand meines Bruders. Ich ge
aacht auf. jorchte ihm, als er mir befahl, seine Stieftochter Horten
„Ja, ja, mein lieber Graf, Sie wundern sich, solche ie zu heiraten; ich nahm aus seinen Händen die Kron
Worte aus dem Munde eines Mannes zu erfahren, der dollands. Die Jahre haben lindernden Balsam in meir
oehen zu der höchsten menschlichen Würde emporgestiegen Zerz geträufelt — mein Gott, die Königin ist gut, sie
st,“ suhr der König sort, »„und doch nicht aujhört, ein emühl sich, ein treues Weib zu sein — aber die Liebe
P.ensch zu sein? Ich fühle mich glücklich, eine treue — mein lieber Graf — die Liebe erstarb schon vor Jah
Scele um mich zu haben und ich weiß, daß Sie mir reu en in meinem Herzen, ich kenne nur noch die Pflicht
rgeben sind. Also warum Ihnen gegenüber mein Herz diese hat mich gufrecht erhalten bis hierher. Als ich aber
uicht ausschütten, da es zum Überlaufen voll ist? Diese den Schrei eines Weibes heute Abend horte, da wandelt«
trone drückt mich! Ach, hätte mein gewaltiger Bruder 8 mich so seltsam an — ich kann mir keine bestimmte
ir meine Bitte erfüllt und mir diese Aufgabe erspart.“ Kechenschaft geben; ich weiß es selbst nicht, was es zu
„Eure Majestät werden noch anders denken lernen bedeuten hat, aber ich muß wissen, wer das Weib war,
enn es ist eine hohe Aufgabe,“ wagte Graf von Kall vas ihre Worte zu bedeuten haben!“ g
inzuwenden. „Es wird Eurer Majestät sicher gelingen, Der König hatte sich erhoben; er ergriff die Hand
»ie Holländer mit dem neuen Regiment auszuüsöhnen und des Grafen, wie die eines Freundes, nicht wie die eines
dieses Volk glücklich zu machen.“ Antergebenen.
„Wollte Gott, daß mir dies gelinge, mein lieber Graf, „Haben Sie mich begriffen, mein lieber Graf? Ich
nein Wunsch und mein Wille ist es. Aber die Schatten muß wissen, wer jenes Weib war!“
der Vergangenheit, sie wollen nicht weichen. Immer König Ludwig begann mit großen Schritten das Ge—
nuß ich daran denken, wie ich aus Agypten zurückkam, nach zu durchschreiten; er schien die Anwesenheit des
nit dem sesten Entschluß, mich von meinem Bruder zu Srafen Kall ganz vergessen zu haben.
rennen, mich aus seinen Ketten zu befreien, nur allein Es ist schon schon sehr spät, lieber Graf,“ fuhr der
»em Wesen zu leben, welches der Inbegriff all meines zönig nach einer Weile fort. Sein Antlitz war uͤnend
ßzlückes war, welches das Ziel all meiner Wünsche aus ich bleich und verstört; das Haar hing wirr um sein
nachte — da ... da ... o, entsetzlich!“ ummervoll gefaltete Stirne; die von tiesen Schatten um
„Majestät!“ unterbtach Graf von Kall den König, völkten Augen schwammen in feuchtem, düsteren Glanze
rschrocken über dieses Geständnis. Lassen Sie uns scheiden; forschen Sie nach dem Weibe
„Sie staunen, mein lieber Graf, über dieses Geständnis? — scheuen Sie kein Mittel und keine Kosten und ˖ lassen
Nir tut es wohl, zu einer vertrauten Seele darüber zu Sie mich wissen, sobald Sie etwas entdeckt haben. Gute
»rechen. All meine Hofsnung war vernichtet, zerrissen Racht!“
des Band, das mein Herz umschlungen — jenes Wesen Er reichte dem Grafen die Hand und schlug die Vor—
ꝛar tot. An den Ufern des Cholo, unter den korsischen hänge zu seinem Schlafgemach zurück. Vaudreur. des
Oie kameradschaftliche gegenseitige Erzieyung der Schu.
wird der Schule dienstbar gemacht, das Gefühl für Ehre
Wahrheit, Pflicht und Selbstverantwortung geläutert un
gestärkt und das gegenseitige Vertrauen zwischen Schülern
und Lehrern an und in der Schule zu erhöhen und den
Mangel an Vertrauen zur Schule beim Publikum zu be—
seitggen VBuch soll durch die praktische Betätigung von
ppflichen und Rechten im Schulstaat die Erziehung zum
Staatsbürger vorbereitet werden nach dem Stein'schet
grundsatz: „Zutrauen veredelt, Bevormundung hemmt di—
Reife.“ An der Realschule in der Nordstadt, die zurzei—
nmer derselten Leitung sieht wie das Realgymnasium
vurden dieselben günstigen Beohachtungen gemacht.
* Hagen, 8. April. (Wehlrechtsversamm—
ungen. Am nächsten Sonntag halten die Sozialdemo,
raten im rhein.westfäl. Industriegebiet wiederum eine
Anzahl Wahlrechtsversammlungen ab. In Elberfeld sollr
eine Kundgebung der drei Reichstagswahllreise Elberfeld,
Barmen, Lennep-Mettmann und Solingen stattfinden. In
Dortmund wird der Verein der Fortschrittlichen Volks.
partei gemeinsam mit den Sozialdemokraten und den De—
mokraten eine Wahlrechtsversammlung unter freiem Him—
mel abhalten.
* Münster, 8. April. (Werurteilung wegen
Zweikampf.) Wegen Herausforderung zum Zwei—
kampf verurteilte die hiesige Strafkammer den Dr. jur
Schuiten aus Ahlen zu 4 Meniten Festungshaft und den
Referendar Kamp wegen Kartelltragens zu einer Wocht—
Festungshaft. Der Forderung war eine tätliche Beleidig
ung am Spieltisch vorangegangen.
* Trier, 8. April. (TollIwut.) In meyreren Ort,
haften des Kreifes Prüm wurden sieben Personen von
nem tollwutkransen Hunde gebissen. Die Sperre wurde
n ausgedehn em Maßfe verhängt.
* Stuttgart, 8. April. (Die Heimarbeit iä
Württemberg.) Ueber die Verbreitung der Haus.
ndustrie in Württemberg machen die „Mitt. des Statistischen
dandesamts“ auf Grund der Zählungen vom 12. Juni
1907 Angaben. Tanach hat die Anfrage bei den Unter—
nehmenn ergeben, daß von 1114 Betrieben am Zähltag
im ganzen 23623 Hausgewerbetreibende und Heimarbeier
beschäftigt wurden.
A Deutsches Turusest. Der Rat der Stadt Leip.
zing hat sein Einverständnes für die Abhaliung des näch
sten deutschen Turnsestes im Hahre 1913 in vVeipzig ga
zesren. Zwar hat das Stadlverorrnean Kollegium noc
die Zustimmung zu gesen, doch steht diese in sicherer Aus
sicht, zumal da die dentsche Turnerichaft mit dem Turnfe
den 100jährigen Völierschlacht-Gedenttag begehen will.
JNachklang zunm Bunderz Sthizerusest. Vor der
damburget Sirüininer haste ach der Farbereibeiber H
Dankwart cus Hiloesjem unter der Beschuldigung z3u.
erantworten, daß er wahrend des vorjährigen deuischen
zun esschieicns in Hamourg den Kausmann A. Schmid
ahrlässig getotet habe, indem er sen Gewehr nicht vor
—B —
pruch, weir dem Angellagnn dahrlässigleit nicht nachat
viesen werden kinne.
J Prozeßz Kluge. Der Prozeß gegen den Defraudan
en Kluge wurde in Berlen sortgefuhrt. Von den Ver
eidigern wird mehrsach die Frage aufgeworsen, ob Klug.
zielleicht nicht geisteskrant sei. Ven verschiedene
Zeugen wird das bestritten. Sie halten ihn nur für sehr
secvös, was sie auf seine großen Arbeitsleistungen zurüch
führen. Ueber die Unterschlagungen und uüber die Ge
chaͤfse der Berlener Filiale der Firma Arthur Koppel gib
der Kausmann Benno Schüler dlustunft, der in diese
Filiale zusammen mit dem Angeklagien tätig war und de
chließlich auch hiner die Unterschlagungen gekommen ist
die Vernehmung der Geliebten Kluges erfolgt hinter ver
chlossenen Türen. Einigçe medizinische Sachverständige
die den Angeklagten bereits ir her behandelt haben, e.
klären, daß Kluüge sehr stert nervös und Reurastb
ailer sei. —E
Raubmord. Zu dem Raubmord im Spreewald be
Berlin wird gemeldet, daß es gelungen ist, die 19 Jahr
alte Mörderin Breitgoff festzunehmen. Die Vermutung
daß sie sich von Frankfurt aus nach ihrer Heimat bege
ben habe, hat sich bestätigt. Die Polizei ermittelte sie in
Zaarlouis. Sie wird jetzt nach Kottbus gebracht werden.
Dynamitattentat. Die Bürgerschaft in Lünen is
durch ein Dynamitattentat in große Erregung versetzi
vorden. An den Wohnhäusern der Besitzer der Fabril
yon Potthoff u. Fluhme wurden mit Zündschnüren ver
ehene Dynamitpatronen niedergelegt. Die eine Patron
rxplodierte mit surchtbarem Knall und richtete an der Vor
„erfront des Hauses große Zerstörungen an. Die Zünd
chnur an der anderen Patrone ist anscheinend erloschen
Nenschen sind zum Glück nicht verletzt worden. In de
zotthoffschen Fabrik sind die Former ausgesperrt wor;
en. Es ist jedoch nicht anzunehmen, daß sie mit den
zerbre hen in Zusammens)ang siehen, da sie als friedli
ende Leute bekannt sind.
Frau Toselli. Aus gut unterrichteter juristisch
Zue le in Flolenz verlautet, daß die Ehescheidung de
frau Toselli cuf un berwindliche Schwierigkeiten stoße
hird. Der sächsische Hof sei aufs tiessie indignert un
erde weder die Rücktehr der Frau Toselli dulden, no
estatien, daß sie von ihrer Apanage einen Teil al
weigt. Es scheint vielmehr, daß er der Hof energisch
Naßnahmen gegen die ehemalige Gräfin Montignoso er
reifen werde Und zwar Maßregeln finanzieller Art.
Ein brennender Dampfer. Auf dem aus London
iach Portland im Staate Maine fahrenden neuen Passa
rierdampfer „Cairurona“ brach mitten im Aermel-Kang
m Kohlenlager Feuer aus. Der Dampser hatte 90
Zassagiere an Bord. Das Feuer drohte das Schiff »
erjtören. Infolgedessen nahm der Passagierdampfer „Ka
Kontgs alter Diener öffnete in dem Augenblicke die Tür
zu dem Kabinett, als der Graf die Schwelle überschrit!
um sich nach seinem Gemach zu begeben.
Nur wenige Gemächer trennte das unruhig schlum
nernde Königspaar Hollands. Zwischen ihnen aber la
zerte eine Welt unlösbarer Verkeltungen, unseliger Ver
hältnisse. eine Welt tiefen Grames und Seelenleidens,
1. Kapite
Wenden wir uns nun der Person zu, die mu chrer
ätselhaften Worten einen solchen Aufruhr in dem Ge
müte des Königs von Holland hervorgerufen hatte. E—
var ein noch, junges Weib, die einst von großer Schön
jeit gewesen sein mußte, die aber jetzt wahrscheinlich durd
Kummer und Krankheit abgezehrt und deren Gesicht voꝛ
eiiner geisterhaften Blässe bedeckt war. Wie ein paa
jeurige Kohlen funkelten die tiefliegenden Augen, welch
Haß und Verachtung zugleich sprühten und wenn Blich
u töten vermöchten, so würde König Ludwig wohl da
»on getroffen worden sein, als das Weib sich mu den
Kinde auf dem Arme durch die Menge drängte, bis sie
endlich das junge Königspaar bei der feenhasten Beleuch
tung auf dem Altan voll ins Auge fassen konnte. Ver
bens suchte sie ein Mann, der sich dicht an ihren
Zeite hielt, zurückzuhalten, denn die Menschen wurben
auf sie aufmerksam.
Zu diesem Begleiter hatte sie auch diese Worte, die
Aufforderung, Rache zu nehmen, gesprochen and hatte
ie dabei mit ihrem dürren, abgezehrten Arm nach dem
König gezeigt. Ihre Worte hätten Wer den übrigen
Ldärm und Jubel so laut übertönt, daß fie vom —XW
ernommen worden waren. Die zur Aufrechterhaltung
'berall postierten Polizisten waren natürlich auch auf die⸗
es seltsame Gebahren des Weibes aufmerksam geworden
ind wollten sie verhaften, als ihr Begleitet dagwischen. trai
ind bat. iie steiaulassen da lie kranß · ——