Lokales und Vermischtes.
Novelle zum Gerichtsverfassungsgesetz.
4 Die Justizlommission des Reichstages beschloß zu
aächst eine Ergänzung des in der Rovelle zum Gerichts
erfassungesgesetz nicht enthaltenen 5 101: Danach sollen
dor die Kammern für Handelssachen auch diejenigen der
bandgerichten in erster Instanz zugewiesenen bürgerlichen
Rechtsstreitigleiten gehören, in denen durch die Klage eir
Anspruch aus einem Scheck im Sinne des Scheclgese tzeẽ
uind auf Grund des Gesetzes über den unlauteren Wer
»ewerb vom 7. Juni 1909 geltend gemacht wird. Be
zen Bestimmungen über die Schöffen wurde von eine
Zeite beantragt, auch Frauen zum Schöffenamt zuzulassen
Ddieser Antrag fand jedoch auf fast allen anderen Seite
nischiedenen Widerspruch und wurde abgelehnt. Weiter
zjin wurde beantragt, Volksschullehrer, die nach der No
yelle nur zu dem Amte von Schoffen bei den Jugendge
tichten sollen berusen werden können, allgemein zuzula
en. Auch dieser Antrag wurde von mehreren Seilen be
ämpft und dabei mit Entschiedenheit betont, daß di
Ztellungnahme der Kommission nicht unter dem Gesichts
vunlt der Standesehre der Volksschullehrer zu nehmein
ei. Bei der Abstimmung wurde jedoch die odeschraͤntend
Bestimmung gestrichen. Es können danach in Zuluns
Bol'sschulle l 09i Schofsen als Geschworene werden
Die Liste der neht zu Schöffsen zu berusenden Persone
vurde durch Hisizufügung der Vortragenden Räte bei de
obersten Reichsbehörden erweitert. Der die Bildung de
Jugendgerichte betressende Paragraph rief eine länger
Debatte hervor und veranlaßte zu einer Reihe von Ab
inderungsanträgen, die aber alle abgelehnt wurden. Di
VBorlage wurde angenommen. Auch die weiteren Paragra
ohen über die Zuständigkeit der Oberlandesgerichte unl
des Reichsgerichts in Strafsachen blieben nach der Regi
unagsfassung bestehen F. 3.
9 Oktober⸗Bauernregeln. Im Oktober Frost unl
Zchnee, bringt im Winter vieles Weh. — Wie im Otkto
zer die Regen hausen, werden im Dezember die Stürm
zrausen. — Ist im Oktober das Wetter hell, so bring
s her den Winter schnell. — Oktober viel Nebel in de
hdöh', im Dezember großer Schnee. — Auf Sankt Gal
16.) bleibt die Kuh inn Stall. — Oktober und Mär
zleichen sich allerwärts. — Sankt Gallen läßt den Schne
allen. — Wolfgang (31.) Regen, verspricht ein Jahr vol
Segen. — Trägt's Häschen lang sein Sommerkleid, si
st der Winter auch noch weit. — Hat der Oktober vie
Regen gebracht, so hat er auch gut die Aecker bedacht. —
Nordlichtschein bringt Kälte ein. — Warmer Oktaber, kal
er Februar.
O Gesundheitspflege im Oktober. Der Monat Ok
ober bringt die richtige Herbstwitterung. Kühle Nächte
chöne, herrliche Tage, naßkalte Nebel und rauhe Abend
vinde wechseln miteinander ab. Da gilt's in gesundheit
icher Veziehung besonders vorsichtig zu sein. Die Klei
ung muß stets der Witterung angepaßt sein. Solang
s schön warm ist, kann man wohl noch mit leichter Klei
zung auskommen; sobald es aber kühl wird, muß mar
Anterkleidung anziehen. Diejenigen, welche schon früh hin
mus müssen oder spät heimkehren, werden auch an schö
jen Tagen die Unterkleidung nicht entbehren können, d
s frühmorgens und abends immer sehr kühl ist. Aller
ings ordentlich abgehärtete Menschen haben Unterklei
ung weniger nötig, weil ihr Körper widerstandsfähige
s. Um sich in der Ueberganaszeit gesund au erbalten
st es notwendig, dafur zu jocgen, daß der Stofswechse
mmer regelmäßig von starten geht. Wer leine genügend
Beschäftigung in Feld und Garten hat, muß die schönen
Tage durch Fußwanderungen ausnutzen. Wer an un
reundlichen Tagen im Zimmer bleiben will und muß, de
ollte sich hier die nötige Bewegung verschaffen. Beson—
ers Kinder sollen nie müßig herumsitzen, sondern körper
iche Uebungen durch Hanteln usw. pflegen. Zur Ver
neidung von Erkältungen muß auf das Schuhwerk große
Zorgfalt gelegt werden. Durchlässiges Schuhwerk dar
nan in der kalten Jahreszeit niemals tragen; denn nasse
Füße sind häufig die Ursache schwerwiegender Erkäl
ungskrankheiten. Wenn es kühler wird, muß natürlich
nich der Ofen wieder in Anspruch genommen werden. De
rfahrungsgemäß auch schon an schönen Tagen die Woh
tungen unter der Einwirkung der kalten Nächte sehr kühl
ind, empfiehlt es sich, au das Heizen zu denken. Namentlich
ür die Landleute, die sich den ganzen Tag über in der
varmen Luft aufhalten, ist das Heizen der Wohnung in
diesen Tagen rätlich, weil sie sich sonst darin abends leich
rkälten können. Beim Heizen ist aber wieder Vorsich
jeboten. Niemals darf ein Zimmer überheizt werden
Ztets ist darauf zu achten, daß die Temperatur 15—1
jrad Celsius beträgt. Gewarnt muß auch davor we den
en Ofen zu früh zu schließen. Wo sich noch eine Ofen
lappe befindet, muß sie entfernt werden. Bekanntlich ha
ie leidige Ofenclappe schon oft Kohlengasvergiftungei
servorgerufen. Diese können aber auch erfolgen, wenn
ie Oefen keinen gnügenden Zug haben oder schadhal!
nd Eine Prüfung der Oefen durch Sachverständige iß
Aaber aeboten.
die Millionen des Militärfiskus. Als in der letz
ten Session des Reichstages, dessen Budgetkommission sich
mit den einmaligen Ausgaben des Militäretats beschäftigte
erklarte auf eine entsprechende Anfrage hin der Kriegsmi—
mister, er hoffe die Mittel für die noch fehlenden Truppen—
übungsplätze aus Zzdem Verkauf des Tempelhofer Feldes zu
erhalten. Im weitern Verlanf der Debatte wurde daunr
das Schicksal des Tempelhofer Feldes näher erörtert. Die
Militärverwaltung erklärte dabei, daß eine Vorlage ir
Vorbereitung sei, und der Kriegsminister betonte
wer 'am meisten gibt, bekommi den Platz. Nunmehr ist
die Angelegenheit zum Abschluß gediehen: für mehr als
0 Millionen Mark will der Berliner Vorort Tempelho'
das Tempelhofer Feld erwerben.
Dem Militärfiskus gehören außer diesem so wertvollen
Gelände noch verschiedene Grnndstücke in Berlin, die gar
nicht mehr benutzt werden und längst schon verkaufsfrei
sind. Auch aus diesen wird der Miluͤärfiskus eine größert
Anzahl von Millionen lösen. Entschließt sich später einmar
ie Militärverwaltung dazu, die Kasernen und sonstiger.
nilitärischen Gebäude innerhalb Berlins aufzugeben, se
verden auch dabei Millionen für sie als Gewinn abfallen
Statt der so teuren Grundstücke in Berlin kann sich die
Militärverwbltung für ihre Zwecke weit billigere außersalb
Berlins besorgen. Einige Kasernen, namentlich der
n der Nähe des königlichen Schlosses gelegenen, wird der
Fiskus allerdings niemals veräußern, weil diese Kasernen
als unumgänglich notwendig zum Schutze für das Schloß
dehalten werden. Was das millionenschwere Tempelhofer
zeld anbelangt, so genießt es als Exerzierꝛ-und Paradeplabr
der Berliner Garnison seit mehr als leinhalb Jahrhunder
einen Weltruf. Zu den Sehenswürdigkeiten Berlins ge—
'on altersher auch eine Parade auf dem Tempelhofer Felde
Wie aktenmäßig feststeht, hat auf den Feldern der Gemeinde
dempelhof die Berliner Garnison seit 1722 Paraden und
Dandver abgehalten. 1888 kaufte der Fiskus das Feld
vobei er für den Morgen durschnittlich 30 bis 40 Taler
»ezahlte. Dieses so bilig erworbene Gelände wird heute,
ach 70 Jahren, für mehr als 70 Millionen Märk ver—
lauft. Das Feid hat eine bedeutende Ausdehnung. Seine
rößte Länge beträgt 8600, seine Breite 1600 Mieter. Es
st ausgerechnet worden, daß auf dem Tempelhofer Felde
as gesamte deutsche Heer selbst in Kriegsstärke Platz fin
on unter Friedrich Mishelm J rdon auf desort
Felde Parade abgehalten. Nunmehr sind seine Tage als
zarode⸗ und Truppenübungsplatz gezählt. Nur noch we—
rige Jahre und auf ihm wird sich eine rege Bautätigkeit
emerkbar machen.
Vor der Strafkammer in Saarbrücken kommt am
dienstag den 4. Oktober, nachmittags 4 Uhr, ein auch
veitere Kreise interessierender Fall zur Verhandlung. Die
„Neue Saarbrücker Zeitung“ bringt hierüber folgende Aus—
ührungen: Angeklagt sind der Grubenschreiner Ludwig
rorenz aus Dudweiler und die Schutzleute Karl Heine—
nann, Michael Schütz, Julius Kreuz, Hermann Eckert und
Laul Ernst, sämtlich aus Saarbrücken. Lorenz wird be—
schuldigt, Widerstand bei seiner Verhaftung geleistet und
den ihn festnehmenden Schutzmann körperlich mißhandelt zr
jaben, die fünf Schutzleute in Ausübungen ihres Amte
den festgenommenen Lorenz auf der Wache vorsätzlich kör⸗
perlich mißhandelt zu haben. Es handelt sich um folgen—
den Vorfall: Lorenz war am 10. August bis nach 11 Uhr
in der Wirtschaft Gitzinger in der Gutenbecgstraße. Da er
sich nach Verlassen der Wirtschaft in einen Toreingang
tellte, kam der Schutzmann Heinemann auf lihn zu und
ragte, was er dort mache. Auf die Antwort des Lorenz
daß ihn das nichts angehe, fragte ihn der Schutzmann nach
einem Namen, den Lorenz zunächst nicht nannte. Daraus
vurde Lorenz, wie er angibt, obwohl er darauf seinen
Namen nannte, festgenommen, gefessell und zur Wache ge—
racht. Dort hörten nun die Anwohner bald klatschende
Schläge und gellende Schreie. Nach Aussagen der vo—
der Wache sich ansammelnden Personen wurde Loren;
dann in das Hinterzimmer geschafft, von wo noch herzzer—
reißendere Schreie ertönten. Auch will man gehört haben
daß ein Schutzmann dem andern zurief: „Schlag' ihn
doch in die Schnauze!“ und ein anderer von Lorenz verlangte
er solle seine Hosen ausziehen. Lorenz selbst gibt an, daß
er, sobald er in der Wache war, von sämtlichen fünf Schutz
euten geschlagen, dann im Hinterzimmer zu Boden gewor
jen, mißhandelt und schließlich mit Füßen getreten worder
sei, sodaß er das Bewußtsein verlor. Die Schutzleute ge—
»en nur zu, den Lorenz mit der Hand, nicht mit Werk⸗
eugen geschlagen zu haben, und bestreiten die übrigen An—
chuldigungen. Der Verteidiger des Lorenz, Rechtsanwal
ODr. Zillessen, hat u. a. auch beantragt, Herrn Regierungs⸗
issessor v. Hagen aus Saarbrücken als Zeugen ꝛu lader
und ihn darüber zu vernehmen, daß häufig Klagen über
die Mißhandlungen auf der Polizeiwache eingegangen sind
kine Reihe von Zeugen soll bestätigen, daß sie ebenfalls
chon auf der Polizeiwache von Schutzleuten mißhandelt
vorden sind. Die Verletzungen des Lorenz waren nach
irztlichem Attest derart, daß nur von einfachen Schläger
ait der flachen Haud garnicht die Rede sein kann, sonderr
zorenz unbedingt gröblich mißhandelt und mit Füßen ge—
reten sein muß. Auf den Ausgang der Verhandlung dar
ian mit Recht gespannt sein.
Telegrammtafel. Die Nachricht von dem Tode des
lviatikers Has, sowie noch einige wichtige Telegramme
—V —
im dem Publikum Nachricht davon zu geben, weil Sonn—
ags keine Zeitung erscheint. Irgend Jemand muß ge—
zlaubt haben, wir hätten die Nachricht für ungezogen
rümmels ausgehängt, damit diese die Depeschen herunter
eißen und das Publikum nachher die leere Tafel ansehen
önne. Schade, daß solche Bengels nicht erwicht werden
— eine gehörige Portion ungebrannter Holzasche wär⸗
enen sicher!
Ausstellung in Saarbrüchen. Die Ausstellung is
estern unter zahlreicher Beteiligung eröffnet worden. Sit
t sehr gut beschickt, besonders die Abteilung Feld⸗ und
hartenerzeugnisse. Die Abteilung Dudweiler, beschick
»on Mitgliedern des Gartenbauvereins unter dem Arran—
jement des Gärtners Herrn Birkenmeier hebt sich gan;
iberraschend gut hervor. Man ist einstimmig voll der
robes sowohl über die ausgestellten Erzeugnisse, wie aud
iber das wirklich schöne und mit großer Geschicklichke.
zurch Herrn Birkenmeier ausgeführte Arrangement. Der
dartenbauverein beabsichtigt, um die Dudweiler Ausstelluncç
nuch dem größeren Publikum zugänglich zu machen, an
Mittwoch die sämtlichen in Saarbrücken ausgestellten Er—
eugnisse im kleinen Saale des Herrn VP. Baver nochmals
auszusiellen.
Der soziale Ausschuß nationaler Arbeitnehmer
Irganisationen beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung
neist mit den bevorstehenden Gewerbegerichtswahlen und
vurden die Vorschläge des Vorstandes, die Wahlvor⸗
zereitungen betreffend, gutgeheißen. Bis zum 26. Oktobe
ollen die Vorschläge der Kandidaten eingereicht sein und
wird erwartet, daß alle Vereine bei dieser wichtigen Arbei
nitwirken.
Am 26. Oktober soll eine Versammlung mit Vortracç
ines Berliner Redners über ,„Bodenreform und Wertzu—⸗
vachssteuer“ gehalten werden, worauf schon jetzt hinge
viesen wird mit der Bitte, für guten Besuch zu sorgen
Alles Nähere wird zur gegebenen Zeit durch Inserate usw
bekannt gegeben.
Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles entspann sic
eine angeregte Debatte über die herrschende Teuerung alle
Bedarfsartikeln, besonders des Fleisches. Es wurde gewünscht
daß die Stadtverwaltung energischer vorgehen sollte, un
Abhilfe und Erleichterung zu schaffen. Eine Aeußerung ir
der letzten Stadtratssitzung wurde lebhaft bestritten und fest
gestellt, daß die ärmere Bevölkerung sehr wohl die Fleisch⸗
rahrung zu schätzen wisse, wenn sie nur billig und gut ge—
»oten würde. Daß dies geschehe, solle die Stadt mit ver—
anlassen helfen. — Zum Schluß wurde noch angeregt, mi!
der Theaterverwaltung in Verbindung zu treten, um der
Arbeiterbevölkerung besondere Vergünstigungen zum Besuck
guter Vorstellungen zu verschaffen.
Bericht über die sozialpolitischen Unterrichtskurse fola
in der morgigen Nummer.
Saarbrücken, 1. Oktober. Die vierte diesjährig
Zchwurgerichtsperiode, welche am Montag, Iden 8. Oktobe⸗
beginnt, umfaßt bis zum 13. Okt. folgende Fälle: Montag
den 3. Okt.: August Schneider, früher Postgehilfe zu Schiff
veiler, jetzt zu Altheim, — Unterschlagung im Amte. Ver
leiger: Rechtsanwalt Bessenich. — Dienstag, den 4 Okto
»er, Ferdinand Götzinger, Bergmann zu Hühnerfeld
Straßenraub. Verteidiger: Rechtsanwalt Dr. Abraham —
Mittwoch, den b. Oktober, Math. Schmitt Bergmann zi
Zültersdorf, Körperverletzung mit Todesfolge. Verteidiger
kechtsanwalt Dr. Strauß. — Donnerstag, den 6. Oktober
rudwig Frey, Bäckermeister zu Dudweiler, Meineid, —
berteidiger: Rechtsanwalt Stegmann. — Freitag, den 7
IAktober Luigi Vitali, Berläufer zu Neunkirchen — Tot
chlags⸗Versuch, — Verteid.! Rechtsanwalt Dr. Zillessen
Samstag, den 8. Oktober Elisabeth Wirtz, Kellnerin zi
Zaarbrücken, — Meineid — Verteidiger: Rechtsanwal
Sensfelder. — Montag, den 10. Oktober, 1. Nikolau
Siffert, Taglöhner und 2. Peter Haupenthal, Fuhrknech
heide zn Sulzbach, — Straßenraub, — als Verteidige
ungieren die Rechtsanwälte Dr. Dietz und Dr. Fleißig
Dienstag, den 11. Oktober 1. Friedrich Quintus, Knech
u Heusweiler, Johann Joheé Wagenbauer und die Ehefrau
Johann Johè, beide zu Saarbrücken, — Meineid, — als
Zerteidiger in dieser Sache treten die Rechtsanwälte Dr
schmidthorn,. Auagaust Lund Giersberg auf. — Mitiwoch
den 12. Oktober: Franz Meiser, Bergmann in Wemmets⸗
veiler, — Notzucht, — Verteidiger: Rechtsanwalt Augnst J.
— Donnerstag, den 13. Oktober: Margareta Zeitz, ohne
ztand, zu Engelfangen und die Ehefrau Wilhelm Diehl
zuu Hostenbach, — Meineid, — die Verteidigung liegt in
»en Händen der Rechtsanwälte Dr. Fröhlich und August II
Friedrichsthal. 1. Ott. Die Beseitigung der alter
Arbeiterwohnungen, welche von der hiesigen Glashütteu—
verwaltung für die Arbeiter erbaut wurden, ist nun erfolgt
An ihre Stelle sind einige schmucke Wohnhäuser getreten
Der ganze Ortsteil erhält hierdurch ein freundlicheres Aussehen
Kindermund. „Wenn ein Kind immer ein so häßliche?
Besicht schneidet, läßt der liebe Gott es ihm einmal
tehen.“
„Nicht wahr, Tante, wie du klein warst, hast du ein
nal Gesichter geschnitten,“
*Aus „Großes illustrietes Wiß⸗ und Anekdotenbuch“,
kin humoristischer Hausschatz für lachlustige Leute Heraus—
zegeben von Hermann Seyffert. 16—20. Tausend. 172
Seiten. Preis nur 1.—. Verlag J. Gnadenfeld & Co.
berlin W. 30, Schwäbischestr. 26.
*Köln, 1. Olt. Gug Zusammenstorß.) In'olge
alscher Weichensteliung stießen zwei Güterzüge auf den
bBerschiebebahnhof Köln-Eisettor in der Naͤhe des Vollé
jzartens zusammen. Eine Maschine und 4 Wagen emn
gleisten. Ein Schaffner und ein Lokomotivführer wurde
versetzt. Der Betrieb ist nicht unterbrochen.
* Köln, 1. Olbbt. GBedeutendes Schaden
feuer.) Hier fanden bei einem größeren Schadenfeue
b0 wertvolle Hunde, sowie eine VNenge anderer Tiere
die sich in einem Part befanden, den Tod in den Flammen
* Dammerkirch, 1. Ott. (Meue Bahn.) Am Sams
age wurde die Nebenbahnlinie Dammerkirch-Pfetterhausen
dem Betrieb übergeben. Die Weiterführung auf schweize
ischem Gebiet bis Bonsol kann erst zu Ende Ottober in
Aussicht genommen werden. Die Einweihung hat am
dreitag stattgefunden.
—A—
ahrtsverein.) Nachdem schon in den Städien Kon
lanz, Freiburg und Mannheim Luftschiffahrtsvereine ins
Leben getreten sind, wurde hier der Badische Luftschiff
ahrtsvrerein gegründet, der im Gegensatz zu der hier scho
bestehenden, fast ausschließlich patriotische Zwecke verfo!
genden, Abteilung des Deutschen Luftflottenvereins di
beranstaltung von Freiballonfahrten in die Hand nehmer
ind den Vereinsmi gliedern entweder kostenlos oder doc
u bedeutend ermäßigten Preisen die Teilnahme an sol
hen Fahrten ermöglichen foll. Der Jahresbeitrag ist vor
erst auf 15 Mark festgesetzt, wofür jedes Mitglied An
pruch auf eine unentgeltliche Fahrt hat. Mitte Oktober
oll der erste Massen-Ballonaufstieg stattfinden; bis jetz!
ind schon drei Ballons: „Clouth“ (Führer Oberstleutnam
krnst), „Freiburg“ (Führer Major Zwenger) und ‚Baby
Führer Hauptmaun Siegert) dazu angemieldet.
*Mannheim, 1. Olt. (SeUbstmordk?) Der Kauf
tann Wilhelm Kölle, Inhaber eines der ältesten Hutge
chäfte, wird seit einigen Tagen vermißt. In einem an
eine Ladnerin zurückgelassenen Briefe spricht er die Ab—
icht aus, wegen drohenden Konkurses sich das Leben zu
ehmen.
—Grubenkatastrophe. Aus der Grube zu Whiteha
hen, in der am 11. Mai d. J. über hundert Arbeite
ouirch Explosion von Gasen ihren Tod fanden, wurden
fünfzig Leichen zutage gebracht.
Drohender Boxer-Aufstand. Der amerikanische
vregilerung sind aus Ostasien Telegramme zugeganger
worin die dortige Situation als äußerst kritisch bezeichne
und erklärt wird, daß man nicht überrascht sein dürfte
wenn eine Revolte ausbreche, die dem Boxer-Aufstand vor
1900 wenia nachstehbe.
Gerettet. Aus Kristiania wird berich et: Der Kapi
än des nach“ Merndal gehörigen Schooners „Thomas“
der zur Zeit noch auf Grönland weilt, merdete einer Ree
»erei, daß er die am 26. September v. J. verunglüchkt
MNannschaft des holländischen Schooners „Jan'ta Agahte
ergen konnte. Dieser Schooner war am 13. Seplenibe
). J. von Dundee ausgelaufen, am 26. September v. J
nit einem mächtigen schwimmenden Eisberge zusammen
zestobßen und zerschellt. Die ganze Mannschaft konnte sic
etten und hat unter furchtbaren Mühiseligkeiten in de
gegend des Bafffn-Landes überwintert. Unter den Geret
eten befindet sich auch ein deutscher Vogelforscher und ei
—
Ddie Geretteten werden in einiger Zeit mit dem Walsän
4. —— -—— a 44 merdo·
Neueste Nachrichten und Telegramme.
Saarbrücken, 3. Okt. Ein Straßenbahnwagen der elek
trischen Bahn Saarbrücken-Heusweiler entgleiste am Sams
tag abend 10 Uhr vor Riegelsberg. Der mit Fahrgäste—
zutbesezte Wagen fiel um, wobei fast sämtliche Insasser
berletzungen durch die zersplitterten Glasscheiben erlitten
Zwei Personen erlitten schwerere Verletzungen. Die Ver
vundeten fanden erste Hülfe im Direktionsgebäude in
Riegelsberg.
Metz, 1. Olt. Der Schaden, den die wild ge vordene
Kuh an Thelens Wright⸗Flieger angerichtet hat, ist beseitigt
Thelen wird entweder nach Trier oder Metz fliegen. Ebense
sind die Maschinen von Haas und Moßner in Trier flug
bereit. Kapitän Engelhardt kam im Kraftwagen nack
Meßt und holte seinen Monteur zur Landungsstelle, um
mit seiner Hilfe den Flugapparat an eine zum Aufstieç
zünstigere Stelle zu briogen. Er betonte die liebenswür—
dige Aufnahme und Unterstützung, die er nach Erlediguncç
der Förmlichkeiten in Frankreich gefunden hat.
Metz, 1. Okt. Der Aviatiker Engelhardt ist geger
Mittag im Aulomobil auf dem hiesigen Flugplatz einge—
troffen.
Metz, 1. Okt. Wie soeben bekannt wird, geriet Engel⸗
hardts Maschine bei einem Probeflug stark ins Schwanken
Er glitt nach hinten ab und überschlag sich. Einzelne
Holzteile zerbrachen, der Motor ist intakt; Enaelhardk bliel
unverletzt.
Meißz, 1. Okt. Der Flieger Haas, der um 4 Uhr 688
Minuten in Trier zum Fluge nach Metz ohne Passagier
Jestartet war, ist über Wellen gestürzt. Der Flugapparal
serbrach in 10 Stücke. Haas ist tot. Die Leiche is
chrecklich verstümmelt, namentlich am Hinterkopfe. Mar
ah den Apparat um b Uhr 15 Minuten über Welle
plötzlich sich überschlagen; es schien, als ob er in sich zu
sammenbreche. Man hörte einen Knall, wie von einen
Fxplosion, sah auch Rauch, aber keine Flamme. Dam
überschlug sich die Maschine mehrmals und fiel dicht unte
den Wellener Kalkwerken am Berg in einen Birnbaum
riß einen Ast ab und fiel zu Boden. Zwei Stabsärzt
kamen gleich darauf im Krastwagen an der Unfallstelle an
'onnten aber nur den Tod des Unglücklichen feststellen
daas wurde unter den Trümmern seines Flugschiffs her—
vorgezogen. Das Vordersteuer flog noch längere Zeit ir
der Luft herum. Ein Mechaniker aus Trier, der an de
Unfallstelle eintraf, sagte aus, das Gestänge sei gebrochen
und dadurch sei der Unfall herbeigeführt worden. Nac
dem Bekanntwerden des Unfalles wurde cçuf dem hiesiger
Flugplatze die Flagge halbmast gehißt. Kurz darauf tra
um 5 Uhr 46 Minuten Thelen von Hauconcourt ein und
wurde stürmisch begrüßt; er landete nach kurzer Zeit au
dem Flugfelde. Die morgigen Schauflüge fallen nicht aut
Frankfurt a. M.,30. Sept. Der Einbrecher Konra
dolland, der hei oinom Mansardeneinhruch in der Qörnor
viese Rr. 14 überrascht wurde, jagte sich eine Kugel u
»en Kopf, nachdem er von drei Schutzleuten über die dächer
inweg verfolgt worden war und er keine Rettung mehr
ah. Lebensgefährlich verletzt wurde der Einbrecher ins
krankenhaus gebracht.
Berlin, 1. Okt. Der 17jähr. Primaner, der Sohr.
ines Straßenbahnschaffners, verübte in der Wohnung sei—
ner Eltern Selbstmord durch Erschießen, weil er zu der
Ferien ein unbefriedigendes Schulzeugnis erhalten hatte.
Berlin, 1. Okt. Wie die „Nordd. Allg Ztg.“ erfährt,
wird der Reichstag am Dienstag, 22 November zusammen
treten.
Mörs, 30. Sept, Bei der Fütterung von Bären wurde
der Sohn des Besitzers der Menagerie Heinrichs von einem
wütenden Tier zerfleischt; sein Zustand ist hoffnungslos
Gera, 3. Okt. Heinrich 14. von Reuß-Köstritz ist gesterr
in seinem Schlosse Ernstbrunn gestorben.
Hamburg, 1. Okt. Der hier eingetroffene englische
Schnelldampfer „Sir Walter Scott“ kollidierte an der eng⸗
ischen Küste mit dem deutschen Schoner „Friedrich“. Der
Schoner ist gesunken. Drei Mann der Besatzung, unter
ihnen der Kapitän sind ertrunken.
Alkmaar, 1. Okt. Hier erhielt der Marktmeister eine
Torte in einem Postpaket zugesandt. Seine Frau und eir
Mädchen aßen von dieser Torte und erkrankten beide schwer.
Die Frau ist nach wenigen Stunden gestorben, wäyrend
das Mädchen hoffnungslos darniederliegt. Die Torte ent—
hielt ein starkes Gift.
Paris, 1 Okt. Der internationale Kongreß zur Ve—
tämpfung der Krebskrankheit wurde durch Minister Domer⸗
gue eröffnet. In seiner Rede pries der Minister die Führer
im Kampfe gegen die Krankheiten, besonders die Professorer
vͤhrlich und Ezerny. Deutschland ist auf dem Kongref
zurch die Prosessoren Kirchner, Kolb und Re. nbold ver—
reten.
London, 3. Okt. Bis jetzt haben 700 Baumwou
pinnereien in Lancashire ihre Betriebe geschlossen. E⸗
ind dadurch 45 Millionen Spindeln stillgelegt und 160 000
Arbeiter brotlos geworden. Sollte sich eine Verständigung
wischen den Webereiarbeitern und Fabrikbesitzern alh trü—
gerisch erweisen, so wird bald eine Reihe von Schwlster
industrieo, in erster Linie Webereieu, in Mitleidenschaft ge
zogen werden. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß vor
der drohenden Aussperrung gegen 300 000 Arbeiter betrof
fen werden. — Die Bergarbeiter von Süd Wales schlossen
sich gestern dem Ausstand benachbarter Distrikte an. In
ganzen streiken jetzt 27 000 Bergleute. — Heute beginn
Aussperrung von 50 000 Werftleuten.
Newyork, 3. Okt. Bei der Rückkehr der Landurlauber
des Kriegsschiffes Newhampshire kenterte ein großes, vor
ꝛiner Dampfbarkasse geschlepptes Boot mit neunzig Insassen
20 bis 30 Matrosen sind in den Wellen umgekommen
Die genaue Zahl der Ertrunkenen festzustellen, war nodckh
nicht möglich.
New VYork, 1. Okt. Eine Explosition in den Geschäfts—
zäumen der Times in Los Angelos in Kalifornien hat das
janze Gebäude zerstört und 20 Personen getötet. Wie dazu
ein Agenturtelegramm weiter mitteilt, sind außerdem auck
twa 20 Personen verletzt worden. Die Mehrzahl der Opfer
ind Mechaniker. Da die Zeitung nicht organisierte Leute
instellte, behauptet der Chefredakteur, Feinde der gewerb—
ichen Freiheit hätten morgens das Zeitungshaus durck
Dynamit zerstört. Der Schaden wird auf eine halb—
Million Dollar geschätzt.
s8burg, 8. Olt. Der Zustand des früheren
—E— E ite, der in einem Frankfurter Sa
alorium sich aushaͤlt, joll besorgniserregend sein. Es⸗
mußte an dem Patienten eine Schaͤdeloperation vorgenom
nen 8 3. Okt. Der Köning unterzeichnete ein De⸗
et, welches bestinmt, daß die Ergänzungswahlen für die
drei von Kretern nicht angenommenen Mandate am 27
November stattfinden sollen.
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9711