Full text : Dudweiler Zeitung

Nummer 81.
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Postschließfach Nr. 14.

23. Jahrgang.
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—* * —B ⁊a ÑÇ 7 Posltschließfach Nr. 14.
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*
Wochen-Nundschau.
Herr von Bethmann-Hollweg ist nach einem kleinen
Abstecher nach Homburg v. d. H., wo er dem Kaiser
uͤber seine Eindrücke und Erlebn sse in Rom Vortrag hielt
wieder in der Reichshauptstadt eingetroffen und hat seine
Amisgeschäfte wieder ubernommen. Ueber die Ergebnisse
des Besuches bei unserem italienischen Verbündeten ist in
Her letzten Zeit viel geschrieben worden. Wir meinen
Positives ist und war vorlãufig nicht zu erreichen, die
zauptsache ist die, daß der breiten Oessentlichkeit gezeigt
durde, vaß die Beziehungen zwischen Berlin und Rom
reinesfalls getrübte sind, sondeen einen hohen Grad von
derzlichteit ausweisen und daß somit auch der Dreibund
in seiner inneren Festigkeit trotz aller Bemühungen „gu—
er Freunde“ nichts eingebüßt hat. Von Zeit zu Zeit isi
ine derartige Kundgeoung zu begrüßen, wenn nicht er—
orderlich, um den Maulwurfsarbeitern mögen sie nun.
lecen wo sie wollen, vor Augen zu führen, daß das
lie Bollwert des europäischen Friedens noch ungeschwächt
dasteht. — Mit der Rückkeht des Kanzlers gehen auch die
Isterferien der Reichstagsabgeordneten ihrem Ende ent
jegen. In wen'g Tagen werden die Volkssendlinzge wie—
zerum zu einer kurzen Beratung zusammenkommen, un
zann endgültig bis zum Herbst zu pausen; Es ist zu er—
varien, daß die kurze Tagung ohne Zwischenfälle ablau—
en wird. Das Hauptinteresse wendet sich der preußischen
Wahlrechtsreform zu, über die ja in den nächsten Tager
m Abgeordnetenhaus und darauf im Herrenhaus abge
ummt werden wird. Von einer Einigung der ietziger
heehrheit mit den Nationalliberalen ist noch nichts be—
annt geworden und so wird die Aastimmung am 12. d.
Maller Voraussicht nach dasselbe Bild ergeben wie am
6. März. — Die Arise im Baugewerbe steht
zor der Entscheidung und bildet nachgerade eine Gefahr
ür unser ohnehin noch nicht gesundes Wirtschaftsleben.
Irbeitgeber wie Arbeitnehmer stehen sich kampfbereit ge—
jenüͤber. Ganz Deutschland verfolgt mit Spannung die
rinigungsverhandlungen im Reichstagsgebäude, bei denen
s sich weniger um ein Eingreifen der Reichsbehörde han—⸗
zeli als vielmehr um einen persönlichen Vermittelungs
ersuch des Staatssekretärs des Innern von Delbrück
Ils Vertreter des Staatssekretärs leitet der vortragende
stat im Reichsamt des Innern, Geh. Regierungsrat
Viedtfeld die Verhandlungen. Die Vertreter der bei—
en Parteien haben Regierungsrat Wiedtfeldt als Unpar—
eiischen anerkannt. Die Verhandlungen beschränken sich
araicf, noch einen letzten Versuch zu einer Verständigung
iber die hauptsächlichsten vier Streitpunkte herbeizuführen.
sNan geht wohl nicht sehl in der Annahme, daß versucht
verden wird, eine Einigung auf mittlerer Linie zustande
u bringen, sodaß also beide Teile sich auf halbem Wege
ntgegenkommen sollen. Ein solcher Vergleich würde wohl
llfeils begrüßt werden, denn dann bliebe die Macht.
robe im Baugewerbe, die weder den Arbeitgebern noch
en Arbeitnehmern nützen, dagegen aber unabsehbares Un—
zeil anrichten würde, erspart. Wir wollen die Hos,nung
iuf einer friedlichen Beilegung der Streitiakeiten nicht
migeben.
Die Balkanfürsten haben sich nun ziemlich alle ken—
nen gelernt und zwar am goldenen Horn. Sultan Mo—
hamed scheinen die neuen Zustände in der modernen Tür—
sei nicht schlecht zu gefallen, denn er hat seine Nachbarr
mit dem nötigen Pomp aufgenommen. Ein wahrer Or
densregen ging auf die Fürsten und die begleitenden
Minister nieder. Hofsentlich hät die Freundschaft auch
recht lange an.
Rußland baut sich eine neue Flotte. Und zwar will
es dafür nicht einmal den Geldbeutel des Auslandes in
Anspruch nehmen, wenigstens ließ-der optimistische Fi—
ianzminister Kolowzow es der erstaunten Mitwelt verkün—
»en. Woher das Geid kommen soll, weiß man sreilich
richt. Das russische Staatssäckel gähnt doch bekanntlich
»ox Leere! — Die Entrechtung Finnlands hat in der
zanzen gesitteten Welt berechtigte Entrüstung hervorgeru—
en. Der finnländische Landtag hat die bezügliche Vor
age einer Kommission überwiesen, doch steht fest, daf
oas Plenum sie demnächst einstimmig ablehnen wird. Ol
Bäterchen Zar den undequemen Landtag nach Hause

Redaktion, Druch und Verlag von J Unterkeller Dudweiler.

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schicken, oder zu noch größeren Gewaltmitteln greifen
wird?
Die Neuwaählen in England lassen doch länger auf
sich warten, als man anfänglich anzunehmen glaubte. Es
scheint, daß hinter den Kulissen eine andere Lösung her—
beizuführen versucht wird. Ist dem so, dann würde e
allerdings um das Ministerium Asquith geschehen sein,
nachdem es sich bezüglich der Oberhaus-Reform festgelegt
hat. Die Verfassungskrise unseres britischen Vetters schein
schon so festgewurzelt zu sein, daß eine Lösunz ohne
schwerwiegende Folgen kaum mehr möglich sein wird.
Politische Rundschaut.
Deutsches Reich.
*zAls das Prinzenpaar Gitel Friedrich vor
em Stiftengshause am Oelberg eintraf, wurden zum er—
enmal die Stiftungsglocken geläuret. Der erste Kurator,
Freiherr von Mirbach, übecreichte einen massiv silbernen,
nit dem Oelbergkreuze als Hauswappen sein verzierten
zchlüssel, eine prächtige Arbeit eines Schmiedemeisters in
zjaffa. Weiter wurde dem prinzlichen Paare als Geschenl
»es Kuratoriums ein Oelbergkreuz in Brillanten über
eicht. Nachdem der Prinz seinen herzlichen Dank ausge—
rückt, erfolgte die Besichtigung des ganzen Baues. Vom
zebäͤude wehen die Standarten des Naisers, der Kaise—
in, die Prinzenstandarte, sowie die türkischen, deutschen
r u zischen ud bayerischen Farben herab. Vom Fahnen—
tiast des Pförtnerhauses flatiern unter dem Heimatwim—
el die Johanniterstandarte die Flagge des Hauses mit
em Oelbergkreuz und die Standarte des Kerrenmeisters.
zor dem Hospiz liegt in Zelten eine türkische Injanterie—
achabteilung.
* Das preußische Herrenhaus beabsichtigt. die erste
jesung der Wahlrechtsvorlage am 15. Apceil zu
eginnen. Die Wahlrechtskommission des
»errenyauses wird ihre Arbeiten sofort in der dritten
prilwoche aufnehmen, so daß noch vor Himmelsahrt im
errenhause die Schlußlesung der Vorlage stattfinden lann
*Die Bekämpfung der Schund- und Schmutzlf
eratur dursch die Schulbe fordert ein Erlaß des Kul
Asministees von Trohtt zu Sol;z, dem wir folgende«
ntnehmen: „Die durch Schund- und Schmu zliteratur ent
tehenden Schädigungen der sittlich-religiösen Anschauungen
inseres Volles machen die Hilfe der Schule in dem geger
ie eröffne en Kampfe nötig. Ich habe das Vertrauen, daf
»as königl. Provinzialschulkollegium seine besondere Auf
nerlsamkeit bei Besichtigungen der Lehrerbildungsaustalter
und bei sonsaigen Gelegenheiten darauf richtet, daß die
Präparanden und Seminaristen Bücher lesen, die wahrhafi
zeistbildend und verede'snd wirlen können. Es wird dies
allein indes nicht genügen, um sie für den ihnen als Leh—
reen bevorstehenden Kampf gegen die schlechte Literatur
u befaͤhrgen Zu diesem Zwecke wird es vielmehr, abge—
esen von der gesam en erziehlichen Einwirkung auf die
Zöglinge, die betondere Aufgabe der Lehrer des Deut
chen sein mussen, bei der Aneignung einer ausreichender
dennutnis guter Jugend- und Voltsschriften namentlich die
Zeminaristsen des dritten Jahrganges auf die vorhanden
Zchmutz- und Schuudliteratur hinzudeuten und ihnen de
ten Charakter und Gefahren auch an einzelnen angemes—
enen Beispielen zum Bewußtsein zu bringen. Gegebe—
ten alls dürfte es sich empsehlen, wenn der Direktor des
Zeminars selbst sich dieser Aufgabe unterzieht, deren hoher
Zedeutung nur ein sehr taktvolles und besonnenes Ver—
ahren gerecht werden kann. — In entsprechender Weise
ollen auch die Direktoren der höheren Lehranstalten an—
jewiesen werden, daß namentlich die Verwalter der Schü—
erbibliotheken, sowie die Lehrer des Deutschen ihrerseits
nitwirken, die Bestrebungen gegen die Schundliteratur zu
interstützen.“
* Der Amtsvorsteher von Treptow, Bürgermeister
Schablow, hat der sozialdemokratischen Parteileitung die
Benehmigung gegeben, am Sonnag, den 10. dss. M. im
dreptower Park eine öffentliche Versammlung unter
reiem Himmel abzuhalten. Da der Magistrat Berlin
Grundeigentümer des Treptower Parkes ist, so muß al
lerdings seitens der sozialdemokratischen Partei noch um
die Erlaubnis beim Maaistrat nachgesucht werden. Es isi

nicht daran zu zweifeln, daß der Magistrat der Parteileit—
ing die Erlrubnis zum Betreten des Parkes zum Zwech
der beabsichtigzen Wahlrechts-Demonstration erteilen wird,
zumal er zu der Ausführung des Wahlrechts-Spaziergan—
zes vom 6. März sein Einverständnis bereits ausgespro—
hen hatte. Das Berliner Polizei-Präsidium wird seiner—
eits von jeder Stellungnahme bei der Veranstaltung ab—
ehen. Im Ganzen wird die sozialdemokratische Partei
im nächsten Sonntag 30 Wahlrechts-Verammlungen in
sroß⸗Berlin abhalien.
Italien.
* Das Blatt „Roma“ erhält aus Gaeta die Nachricht,
daß eine Meuterei an Bord des Kriegsschiffes „Amalfi“
zorgekommen sei. Schon seit einiger Zeit war die Mann—
chaft des Schiffes gegen den übermäßig strengen zweiten
Dffizier aufgebracht. Dieser hatte eine Anzahl der Mann—
chaften wegen geringfügiger Vergehen mit harten Stra—
en belegt. Der Kommandant des Schiffes hatte zwar
diese Strafe gegen einige der Leute aufgehoben, aber die
Härte des zweiten Offiziers blieb eine so hexausfordernde,
daß die Mannscchaft ihre Unzufriedenheit durch eine An—
ahl von Beschädigungen an Bord äußerte. Infolge die—
er Beschidigungen wurde eine eingehende Untersuchung
eingeleitet und cin Matrose, der von dem zweiten Offi—
zier als Anstifter zu den Meutereien bezeichnet wurde, ver—
haftet. Während sich ein Offizier dem Matrosen näherte,
im ihn zu rerhafien, versuchte dieser einen Zettel zu ver—
chlucken. Der Oif zier verhinderte dies noch. Der Zettel
nthielt eine Trohung mit weiteren Beschädigungen des
Zchiffes, wenn der zweite Offizier nicht enifernt würde.
Dieser Vorfall hat in Neapel große Beunruhigung her—
vorgerufen. Der Marineminister hat sich ausführlichen Be—
cicht über die Vorfälle an Bord des Schiffes erstatten
lassen.

jeben könne, die sich als eine schwere Beleidigung gegen
oben Papst charaktecisieren würde. Dieser Haltung ge⸗ en
über fei die Audienz unmöglich geworden. Es Fpe ig
aiso rein um eine Frage der Eöilichleit get ndele un
die Hoͤflichteit sei gewiß mit den diecht a And der Frei
heit der amerilonischen Bürger nicht unvereinbar.

— — *
“

VBur französischen Flottenvorlage.
O Der Senat hat den Gesetzentwurf, durch den die
stegierung ermächtigt wird, in diesem Jahre zwei Pan⸗
erschiffe auf Stapel zu legen, einstimmig angenommen.
Aus der Beratung sei noch nachgetragen, daß der
Marineminister betonte, es handle sich gegenwärtig nich
um das Flottenprogramm, sondern darunm, der Marine
zie Mittel zu geben sür den Ersatz der beiden ältesten
Panzerschifse. Frankreich habe nur 16 Panzerschiffe, von
„Men neun veraliet seien. Das genüge nicht sür die Si—
herbeit des Landes. Im Wirklichkeit müßten nicht zwei,
onoern drei oder vier Panzerschiffe angefsordert werden.
Beifall) Der Marineminister suhr sort, die RPegierung
»erfolge leine ehrgeizigen Absichten, es haudle sich nut
darum, nicht noch weiter zürückzukonimen. Er teile nicht
die Meinung von Destournelles de Constant, der nicht on
die Gefahr einer feindlichen Landung glaube. Eine solche
sei in Frankreich sehr wohl mögtich. Ein Feind, der Or!
und Zeit vorsichtig wähle, könne in 21 Stunden eine Di—
visien landen. Unter diesem Vorbehalt sei die Gefaäahr ge—
wiß, und derjenige sei schlecht beraten, der sich ausschließ—
lich auf Landtruppen glaube verlassen zu können, die eine
solche Landung unmöglich machen sollten. (Beifall.) Im
Namen der Finanzkommission ersuchte Monis, dem Gesetz—
intwurf zuzustimmen. Die geplanien Schiffe seien beinahe
allen ausländischen überlegen. Er bedaure jedoch, daß
man sie nicht mit Kanonen von 310 Millimeter ausrü—
ten könne. Er ersuche den Minifler, diese Kanznen, die
Frage der Geschütztürme und das Turbinenproblem einen
eingehenden Studium unterziehen zu iasten Der Marine—
min ster bestätigte sodann, daß die für einen Vergleich in
Betracht kommenden ausländischen Schiffze, genau wie die
Frankreichs, nur zwölf Geschütze von 305 Millimeiter hät—
sen und ein Unterschied ihnen gegeriiber unr in der Auf—
tellung dieser Geschütztürmen bestehen könne. Die beiden
Zentraltürme, wie Frankreich sie beewende seien den eng—
ischen und amerikanischen Geschütztürmen überlegen. Er
werde die von seinem Vorredner genag iten Probleme un—
tersuchen lassen. Der erste, seiner Vollendung enigegen—
Jehende Kreuzer werde versuchswerie Turbinen erhalten

Griechenland.
* Der Kronprinz Konstantin wird nach den griechi—
chen Osterseiertagen in Athen eintrefsen und wieder seinen
zauernden Aufenlhalt in Griechenland nehmen.
Türkei. LP
*Ter Ministerrat beschloß, in keine Verhandlung mit
den aufständischen Albanesen einzulrelen, den Aufruhr mit
Waffengewalt zu unterdrücken, den Belagerungszustand auf
ganz Albanien auszudehnen, sowie ein Kriegsgericht ein
usetzen und in Albanien den Mititärdienst, die Katastrie
ung ꝛc. durchzuführen. Die Behörden erhielten hierüber
ereits Anweisungen.
* Um gegen eventuelle Zwischenfälle in Mazedonien ge—
üstet zu sein, gingen drei weitere Bataillone nach Ipek
ind Pristina ab. Aus Wien wird gemeldet, daß Nach—
ichten eingelaufen seken, won ich der Aufstaud in Alba—
tien noch im Zunehmen und die Lage sehr ernt sei. Es
ei zu befürchten, daß alle Stämme an der Drina sich
ꝛ»em Aufstande anschließen werden, und daß es dort zu
lutigen Kämpfen zwischen den Albanesen und den Ser—
en kommen werde. Die Albanesen in Preschowa an der
erbischen Grenze befinden sich gleichfalis in aufrührerischer
Ztimmung.

Der Kampf im Baugewerbe.
Hatte die Vage im deutschen Baugewerbe sich schon
jisher in so bedrohlicher Weise zugespißt, daß mit dem
Iusbruch eines wirtschaftlichen Riesenkampfes am 15. April
rerechnet werden konnte, so hat der Verlauf der soeben in
berlin abgehaltenen Verbandstagungen der hierbei in
Frage kommenden Arbeitnehmerorganisationen die Hoff—
uung auf die Erhaltung des Friedens auf ein verschwin—
dend geringes Maß herabgeschraubt, es sei denn, daß es
der noch in letzter Stiunde — und zwar reichlich spät! —
eingeleiteten Vermittelungsaltion der Regierung gelingt.,
doch noch ein Kompromiß zwischen den beiden streitender
Parteien anzubahnen.
Offenbar rechnen die Arbeimehmer darauf, daß ihnen
durch lokale Einigungen der Kampf erleichtert
verden könnte, weil dadurch ungeheure Unterstützungsgel—
der frei würden. Aber diese Rechnung hat schon deshalb
ein Loch, weil der Lohnkampf ohnehin auf einer sehr
breiten Grundlage geführt werden müßte, denn er würde
ich nicht auf das Baugewerbe beschränken, sondern auch
die mit ihm zusammenhängenden Gewerbe der Maler,
Dachdecker, Ziegeleiarbeiter usw. erfassen, so daß er sich
unter Umständen auf Millionen deu scher Arbeiter erstrecken
önnte. Hierbei aber müßten zum Schluß auch die beste
zefüllten Kassen versagen!
Das sollten die Arbeitnehmer ebenso bedenken, wie
zie Arbeitgeber sich nicht der Erwägung verschließen dür—
en, daß en längerer Kampf für das Baugewerbe' ange—
ichts des erft sehr spärlich einsetzenden wirtschaftlichen

Roosevelt und der Papit.
Osservatore Romano“ veröffentlicht eine Kundmach—
ng des Staatssefretariats des Vatikans über den nicht
ustandegekommenen Besuch Roosevelts beim Papste, in
velchem gesagt wird, der Heilige Stuhl habe nach dem
edauerlichen Zwischensall mit Fairbanks allen Grund zu
»er Befürchtung gehabt, man könne Roosevelt ohne des—
en Vorwissen und bei vollkommen gutem Glauben sei—
ierseits dahin bringen, daß er offen seine Sympathie für
ie Methodisten in der Straße Venti Settembre belunde,
er den Mittelpunkt einer der katholischen Kirche feindli—
hen Bewegung im Herzen der katholischen Welt selbst
ilde. Als nun Roosevelt durch Vermittlung vertraulich
im eine Audien; beim Papste nachsuchte, habe man in höf⸗
icher Form der Hoffnung Ausdruck gegeben, er woerde es
u vermeiden wissen, daß er den beleidigenden Kampf
zegen den Papst innerhalb seiner Residenz offen unter—
lfützen wolle. Roosevelt habe in seiner Antwort jede Be—
ingung oder Einwilligung abgelehnt, und auf diese Weise
ie Möglichkeit offen gelassen, daß er eine Handlung be—

⁊

Das Heimadtlied.

„Ale aufzustellen. Hie und da rief Lothar einem der VBie—
ier einen kurzen Befehl zu und gab verschiedene An—
veisungen, die bereitwilligst befolgt wurden. Da bemerkte
ꝛr, wie eine dunkel gekleidete Dame von auffallend hohem
Vuchs langsam und wie unschlüssig die breiten Steinftufen
inaufstieg und sich dann fragend an den ihr zunächst ste—
jenden Bedienten wandte. Dieser blickte erst eine Weile die
remde Besucherin an und schien lebhaft mit ihr zu verhan—
deln, schüttelle mehreremale mit dem Kopf, nahm dann die
Karte in Empfang, die die Dame ihm reichte, und wollte sich
amit entfernen.
Wohin gehen Sie?“ rief Lothar.
„Diese Dame wünscht den Herrn Grafen in einer dring⸗
unden Angelegenheit zu sprechen!“ antwortete der Dienev.
„Der Herr Graf darf jetzt nicht behelligt werden,“ sagte
dothar und schritt die Stufen hinab. „Sie wissen doch, Ste⸗
an, daß es der Graf nicht liebt, wenn man ihn wegen je—
»er Bagatelle stört.“
„Ich sagte das der Dame bereits, aber sie bestand da⸗
auf, dem gnädigen Herrn gemeldet zu werden “·
Lothar stand jetzt dicht vor der Fremden, und ließ feine
Zlicke musternd über dieselbe hingleiten.
„Es ist auch wichtig genug, was ich mit Graf Düren
u besprechen habe,“ nahm die Fremde das Wort.
„So?“ lächelte Lothar ein wenig ironisch und nahm dem
diener die Karte ab, die dieser unschlüssig zwischen den
Fingern drehte. Doch hatte er einen Blick darauf geworfen,
ls sich sein Gesicht mit einer fahlen Blässe überzog, fast
chien es, als wollte er sich auf die Fremde stürzen; doch
esann er sich, überlas noch einmal den Namen auf der
oldumrahmten Karte, während eine finstere Falte zwischen
einen Augenbrauen sichtbar wurde. Inzwischen kam auch
die Präsidentin neugierig herzu, um au sehen, was es
zäbe.
LZothar hielt ihr wortilos die Karte hin.
„Alice Berhardi, Opersängerin,“ las sie halblaut, indem
ihre Augen sich unnatürlich vergrößerten, und Lothav den
Bedienten, der noch da stand, anfuhr: .4
„Was gaffen Sie hier? An die Arbeit!“
In gaͤnzlich verändertem Tone, sich gewaltsam zur
sttuhe zwingend, wandte er sich nun wieder an die Dame:
Was wünschen Sie vom Grafen?“
„Das läßt sich nicht so zwischen Tür und Angel ausinandersetzen,
 es wird wahrscheinlich längere Zeit in An—
pruch nehmen,“ war die Antwort.
„So erlauben Sie, daß ich Sie einstweilen nach meiner
Vohnung führe. Man muß den Grafen erst vorbereiten, ich
ürchte. er wird Sie überhaupt nicht empfangen wollen,

venn er Ihren Namen erfährt!“
Ein trotziger Blick aus Alicens Augen war die Ant
vort.
Lothar hatte vorerst nur die Absicht, die Besucherin von
zier fort zu bringen, denn der Graf konnte nun jeden Au—
genblick zurückkehren, und dann, — wer konnte wissen, was
zeschah.“
„Gestatten Sie, daß ich mich vorstelle, mein Name is
Loshar von Düren, dies hier ist meine Mutter,“ sagte er
erbindlich, um das Vertrauen Alicens zu gewinnen.
„Sie sind also Verwandte des Grafen!“ fragte sie miß—⸗
rauisch. „Und Sie wissen, daß mein Gatte der Sohn des
zrafen ist?“
Lothar schaute sich erschrocken um, ob keiner der Bedien—
en etwas von diesen Aeußerungen vernommen habe, doch
e waren zu weit entfernt, um etwas verstehen zu können.
„Ich bitte Sie in Ihrem eigenen Interesse, folgen Sie
nir und lassen Sie uns ruhig überlegen, ob das, was Sie
son dem Grafen wünschen, auch ausführbar erscheint!“
Alice folgte jetzt willig dieser Aufforderung.
Nachdem alle drei im Salon der Präsidentin Platz ge—
ommen, begann die junge Frau ohne Umschweife: „Der
Brund meines Kommiens ist einfach: Ich will den Grafen
itten, unsere Kinder aufzunehmen. Ich habe ein Recht, das
u fordern; er ist der Großvater, mag er für sie sorgen, —
ch sehe mich außerstande, dies ferner zu tun. Ich kann den
kindern keine richtige Erziehung geben, es fehlt mir dazu
an Zeit und Geld, und später, wenn sie erwachsen sind, wird
mir vielleicht ein Vorwurf daraus gemacht, daß ich mich nicht
rechtzeitig an den alten Grasen gewandt. Er hat Geld in
Fülle, und kann sich die Erziehung der Kinder schon etwas
osten lassen. Ich glaube so am besten für sie zu sorgen.
Wohl weiß ich, daß der Graf seinen Sohn verstieß um mei⸗—⸗
ietwillen, aber ich hoffe, die Jahre werden ihn milder ge—⸗
timmt haben, und er wird seinen Zorn nicht auf die Kim⸗
her übertragen, die ja unschuldig sind an all dem Unglück.“
Lothav war aufgesprungen und ging erregt im Zimmer
uf und ab. Tausend Pläne durchkreuzten blitzschnell sein
dirn, ohne daß er einen sestzuhalten vermochte.
Siegfried hatte also Kinder! Was bedeutete das für
hn selbst. Wenn der Graf dem Sohne verzieh, — und Lo⸗
har zweifelte nicht, daß er es unm würde, — dann war
as in so sicherer Aussicht stehende Erbe für immer verlo⸗
en, man würde immer nur Diener, niemals Herr sein. Und
as kam gerade jetzt, wo Beatrice endlich eingewilligt hatte,
ein Weib zu werden! Durfte er mit soicher Aussicht noch
eine Hand nach ihr ausstreclen? Und würse die Geliebte
u nach wollen⸗ — — ö αιαααOX X XRôO XX

—n oο war oas Lerament des Grasen schon zu ser
nen Gumsien abgefaßt; wenn derselbe heute oder morgen die
lugeun schloß, war er — Lothar — Herr des unermeßlichen
zefitzes, der rechtmäßige Eigentümer der Güter, die ihm
niemand streitig machen konnie. — Und nun? — Was war
u machen? — Nur Zeit gewinnen, — die Angelegenheit
jinausschieben, dann konnte noch alles wieder gut werden.
Alice beobachtete den Aufgeregten mit scharfen Blicken.
Hoffen Sie nichts von der Nachgiebigkeit des Grafen,“ sagte
Lothap, vor der jungen Frau jtehen bleibend. „Der Haß
»en der Graf auf seinen Sohn warf, hat sich mit den Jah—
en noch verschärft, ich sagte Ihnen schon vorhin, Sie wer—⸗
en garnicht vorgelassen, wenn er erfährt, wer Sie sind.“
„Das kommt eben auf den Versuch an, und den werde
ch auf alle Fälle machen!“ lächelte Alice ruhig.
„Ich rate Ihnen aut, ersparen Sie sich derartige De—
nütigungen, Sie würden es bereuen.“
„Unb wenn es so wäre, was kümmert Sie das?“ —
„Der Graf lennt sich selbst nicht mehr, wenn er in Wut
zerät,“ entgegnete Lothar langsam, „der Name seines Soh—
ies darf niemals vor ihm genanni werden, er hat es streng
zerboten, und Sie glauben, daß er Sie nur eine Minute
ang anhören wird?“
„O, er kann als Kavalier einer Dame gegenüber nicht
so handeln!“
„Graf Düren kann alles, wenn er in Wut gerät! Sie
kennen ihn nicht, wie ich ihn kenne.“
„Ich glaube nicht daran.“
Lothar fuhr sich aufgeregt mit seiner weißen, wohlge⸗
flegten Hand durch die Haare.
„Sprich Du doch ein Wort, Mutter!“ fuhr er die Prä—⸗
identin an, die stumm dabei saß. „Sage wenigsiens Deine
Neinung!“
„Ich begreife garnicht, was Du Dich so sehr ereiferst,
nein Sohn,“ antworiete die Präsidentin gelassen.
Lothar sah seine Mutter groß an. Begriff diese wirklich
nicht, was für ihn hier auf dem Spiele fiand? Was sollte
dieseo passive Ruhe denn bedeuten?
„Laß Du die Dame immerhin den Versuch machen“, fuhr
die Präsidentin gleichmütig fort. „Der Graf hat schon ein—
nal, nicht lange nach dem Auftriit mit seinem Sohne, ei—
nen Schlaganfall gehabt,“ wandte sie sich an Alice, „die
Aerzte behaupten infolge der Aufregung. Treten Sie jetzt
o unvermutet vor den leicht erregbaren Mann, so kann dies
licht nur eine Wiederholung jenes Anfalles, sondern sogar
einen Tod bedeuten. Jede Aufregung soll ängstlich von ihm
ern gehalten werden, so schärfen uns die Aerzte immer ein.
dun, Sie wollen keinen Rat hören, also auf Ihr Haupt die
tolaen! Wir taten das Menschenmöglichste, ich wasche meine

Wie ein Hauch drangen die Schlußworte des Liedes
herüber, dann ward es still. Beatrice liebte dieses Lied, sie
jang es oft und die Graͤfin lauschte der süßen, schwermüti⸗
gen Melodie immer aufs neue. Sie schien ihr wie ein letz⸗
ar Gruß des schmerzlich betrauterten Sohnes.
Wo er wohl weilen mochte? Ob er noch lebte? Keine
sunde war zu der sehnsüchtig harrenden Mutter gedrungen.
Wenn sie nuv wüßte, ob er glücklich geworden wäre, es
würde sie schon beruhigt haben, wenn sie irgend etwas übe
lein Schickfal erfahren loönnte.
Wie oft hatte ste heimlich Siegfrieds Bild, dus in ih⸗—
rem Zimmer an der Wand hing und ihn als kleinen Kna⸗
ven darstellte, von der Wand genommen, und es tränenden
Auges betrachtet, um es mit tiefen Seufzern wieder an je
ten Platz zu hängen. — —
Beatrices Verlobung mit Lothar wurde auf den beson⸗
»eren Wunsch der Braut ganz still in kleinem Kreise gefeiert,
vie man sich überhaupt in letzter Zeit von jedem Verkehr
eit der Außenwelt iait änastlich fern bielt. Die Gäste wa
An uorin es so stiun im Schlosse geworden, von sep
ausgeblieben, man lud auch niemand mehr ein.
Die Sache war freilich wenig nach dem Geschmack dern
Präsidentin, aber sie mußte sich fugen Wenn sie nich inner
ich auf das langweilige Leben schalt, das sie zu fuhren ge—
wungen war, so ließ sie den Verwandten gegenüber dod
elten dergleichen laut werden, und tröstete sich damit, dat
päter alles anders werden würde. — —
Es wadr an einem herrlichen Frühlingstag. Im Parke
proßte das erste Grün an Bäumen und Sträuchern, an ge⸗
chützten Stellen hinser den Hecen streckten die Veilchen ihre
duftenden Köpfchen schüchtern hervor, als wollten sie ers
)robieren, ob sie wagen durften, sich ganz zu entfalten. Mar
hatte den Rollstuhl des Grasen tieser in den Part hineinge
schoben, die warme Fruͤhungssonne lockte auch die Graͤfi
hinaus aus den dunklen Zimmern in die wonnige, laue Luft.
die satz mit Bearre oben am See und futterte p
Schwäne, die bis ans ufer herantkamen.
Die Präsidentin, die mit Lothar auf der Terrasse Platz
Jenommen hatte, schien in eifriger Unterhaliung mit dem
eb begriffen zu sein. Er hörte zerftreut zu und beobach
ete die Dienerschaft, die damit beschaͤftige war die maächn
. Kübel mit den Oleander und Lorbeerbͤumen aus den
armbausern au schaffen und in der aroen hsigen Vor
            
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