Full text : Dudweiler Zeitung

Preßtßzstimmen.
Die „Post“ verlangt gleich den Belaprrungs,
irses Vorgehen der Gerichtsbehörden bezw. der Staats
waltschaft, damit derartige unerhörte Greueltaten, wi—
in der Reichshauptstadt passieren konnten, in Zukunf
tht mehr zu befürchten find. Die fozialdemokrausch
esse schiebt alle Geschehnisse dem Mob der Großstad
Nur der Janhagel häite die Krawalle provoz'ert um
rchgeführt; dagegen seien organisierte Arbeiter nicht dar
beteiligt gewesen. Nun, die Gerichtsverhandlungen
xden schon Licht in die Sache brinaen. Zu wünschen
are es, wenn die Arveiterorganisationen auch ihrerseit
it allen ihnen zu Gebote stehenden Mite!ln sich gege
ne derartige Schildbesleckung wehren und etwaige über
hrte Rowdies von sich abschütteln würden. Sonst könnt
nen leicht ein Makel lleben bleiben, der sich nimmer al
aschen ließe.
Die „Post“ verlangt gleich den Belagerungs
urst an d für Mosabit. — Die Kreuzztg.“ rügt es
iß die Polizei das Milltär, wenn es auch nicht hätt
nzugreisen brauchen, ganz abgelehnt habe. Man hab
mit planmäßigen soz alistischen Gewaltdemonstratione;
miun. — Die „Vollsztg.“, die von der Voraussetzun.
isgeht, daß kein organisierter Arbeiter an den Exzesse
teiligt sei, verlangt, daß die Polizei rücksichtslos de
anhagel zu Leibe gehe. D'e Schüler der Gemeindeschu
n Moabits, die mit dem heutigen Tage in die Herbsi
rien gehen, sind beim Schulschuuß von den Lehrert
nstlich gewarnt worden, während der Unruhen auf di
traßen zu gehen oder bei Eintritt der Duntelheit au
in Straßen zu spielen, sich auch nicht an Erzessen zu be
il'gen. Die Lehrer haben in ihren gebundenen Anspra
en auf die damit verbundene Lebensgefahr hingewiesen

Gerichtszeitung.
Auch ein Kulturbild. Ein trauriges ländliche
ittenbild entwickelte eine Verhandlung in Dresden ge
enu den Bauern E. O. Wendisch aus Altleis be
roßenhain. Dieser und sein geistig minderwertige
necht Weichelt haben eine kranke Magd, weil sie mit de
ebeit nicht recht fortlonnte, regelmäßig furchtbar geschla
n; namentlich der Knecht hat sie mit Peitschenstiel uͤnd
distgabel mißhandelt, ohne daß der Dienstgeber dagegen
ugeschrititen ist. Die schwerste Mißhandlung fand am
bend vor Weihnachten statt. Das Mädchen brach nack
r zusammen; man ließ es stundenlang an der Erdeé
egen, brachte es jedoch schließlich zu Bett und ließ e—
ort liegen, ohne einen Arzt zu holen. Erst am 31. De
zinber kam es auf Veranlassung des Gemeindevorsteher
imdas Großenhainer Krankenhaus, wo es am anden
age starb. Das ganze Dorf wu ie von den rege mäßis—
iederlehrenden Mißhandlungen, die Bauersrauen spra
en beim Kaffeeklatsch von ihnen, aber niemand besa
viel Menschlichkeit einzuschreiten. Auch der Gemeinde
orstand ließ die Sache bis zum letzten Tage gehen
erztlich wurde zum Glück für die beiden Rohlinge sesi
estellt, daß das Mädchen an eitriger Gehirnhautentzün
ung und nicht an den Mißhandlungen starb. Der Baue
zurde daher nur zu 6 Monaten Gefängnis, der Knech
hon früher, in Anrechnung seiner Minderwertigkeit, zu
Zzochen verurtein

Handel und Herkehr.
Die Kohlenproduktion Deutschlands hat sich so
»ohl im August als auch seit Jahresbeginn gegen da
zorjahr in allen Sorten gehoben. Im einzelnen wurde
n August 13 358 759 6i. V. 12 714 100) To. Steinkoh
n, 5 920 287 6 665 179) To. Braunkohlen, 1 985 53
1826 681) To. Kolks, 401342 (343 720) To. Preßkoh
n aus Ste'nkoh'en, 1365 574 (1304 644) To. Preßkoh
en aus Braundkohlen gefördert respektive produziert. Sei
toffenen Firmen, die von Schutzleuten eskortiert werden,
erner die Verhaftung e nes Hauptattentäters. Es steht zu
rwarten, daß trotz der umfangreichen Maßnahmen del
zolizei die Krawalle ihren Fortgang nehmen werden.

Nenue Exzesse.
Das Moabiter Unruhegebiet wurde Mittwoch und
onnerstag Abend streng abgesperrt. Die Zulassung er
olgte nur gegen den Nachweis als Anwohner. Die Be
oohner haben sich innerhalb ihrer Häuser zu halten und
ie Fenster haben geschlossen zu bleiben. Troßdem ist es
isher an fünf Stellen, wo aufreizende Ansprachen ge
alten wurden, zu Zusammienstößen gelommen, wobei ei
sige Verwundungen vorkamen und auch Verhastungen vor
senommen wurden. Da die Tätigkeit der Polizei beson
ers durch die Dunselheit der Straßen gehemnit war, so
at sie sich jetzt reichlich mit Magnesiumfackeln ausgerüstet
die in der Emdener- und in der Turmstraße
uf dem Rückzuge in das innere Moabit befindliche
Nenge sperrte den Verlehr in diesen Straßen vollständig.
lls wieder gejohlt, geschimpft und mit Steinen geworfen
ourde, hieben die Beamten scharf ein. Auf beiden Sei—
en der Straßen sah man Verwundete liegen. Viele Per—⸗
onen wurden überritten. Eine Anzahl Echwerverle tzict
urde in das Mα ιι ναααα

„Vicht wahree jaget ein iuuger hagerer junger Mann.
er neben ihm stand und sich Heibig als Staatsanwaltsge.
ilfe Angler vorgestellt hatte, nicht wahr? Schön Haun—
hen 73 sohald ihres Gleichen nicht? Ich habe noch nie
ine so vollendete Schönheit gesehen.“
Helbig nickte nur, sein Auge haftete wie gebannt auf
er reizvollen Gestalt, welche sich mit Anmut und Gewand
eit auf der Bühne bewegte. Träume ich oder wache ich?“
ragte er sich. Kann denn ein Weib von Fleisch und Blut
oirklich alle Reize in sich vereinen, von denen die Künftler
qum zu träumen wagen?“ Ja, sie war schön — diese Klein.
tädterin, von einem Reiz, der berauschte und verführte und
as Blut in den Adern der jungen Maͤnnerwelf rascher tis
en machte.
Eine hohe, schlanke Gestalt mit den elastisch schwellen—
v Formen der ersten Jugend, ein Kopf von idealer kraum
after Schönheit. Nußbraune Augen von tiefein Feuer und
chmachtendem Verlangen glänzten unter schattigen dunkeln
zrauen und, Lidern dräumerisch hervor; üppiges, blonde
aar wand sich in dichten Flechien um den anmutig getrg
jenen Kopf. Das Profil ihres Antlitzes war regelmäßle
ind edel, ein zartes wie angehauchtes Rot leuchtete auf ihren
dangen, ihr kleiner üppia schwellender Mund wußte so ver
ührerisch zu lächeln und zeigte dann eine Reihe der klein
ien, weißesten Zähne. Schultern und Arme schimmerten
lendend aus dem luftigen weißen Hleide hervor. Wa'
bunder, daß Helhig das Blut zu Kopfe stieg, daß fein Aug
eder Bewegung des schönen Mädchens folale. dak er imoe
uldĩg den Schluß des Stückes herbeiwünschte, nach welchem
er Baron ihm versprochen ihn Fräulein Qurner vorau—
ellen.
Helbig atmete auf, als der Vorhang fiel.
Nun, Herr Kollege,“ hörte er, die lachende Stimme
—
ziebhabertheater? Nicht wahr, es ist gar nicht so übel?
Zie waren ja ganz Aufmerksamkeit, ganz Feuer —
„Sie ist ein bezauberndes Geschöpfl“ rief Helbig, nock
anz in der Erinnerung an Johanna befanden, „Hert
zaron, ich erinnere Sie jetzt an Ihr Versprechen, mir einen
Tanz von der schönen Dame zu erwirken!“ ⸗
Des Barons Augen ruhten einen Moment auf dem
ingen Manne, der mit den geröteten Wangen und dem
ellen Glanz seiner dunklen Augen ein nicht zu unter⸗
hätzender Gegner im Werben um die Gunst der Frauen
—
„Gewiß, ich halte mein Versprechen!“ entgegnete er
mn rasch, und, mit leichtem Lächeln setzte er hinzu: „Aber
onst erfordert Gegendienst, nicht wahr, Herr Referen⸗
Sio norshrochon mie fir den ersten Tona mil

zahresbeginn betrug die Produktion an Steinkohlen etw—
9719729 (97 895 931) To., an Braunkohlen 43 948 171
43 887 316) To., an Kols 15 373 605 (13 991 259) To.
in Preßlohlen aus Sieinkohlen 2872 700 (2 560 566) To
Sozialpolitische Rundschau.
RKongreßß für gesetzlichen Arbeiterschutz. Die In
rilacivnalẽ Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz he
mihrer Schlussißzung in Lugano einen Antrag ange
ommen, den schweizerischen Bunresrat zu ersuchen, «
nöge die Industeiestaaten einladen, eine Konserenz zu be
chicken, auf der durch Staatsverträge das Verbot de
tachtarbeit der jugendlichen Arbeiter, sowie der Zehnstu
„entag für Frauen und Jugendliche in Gewerbebetrick
u beschließen sein werde. Außerdem sollen die Lander
eltionen bei ihren Regierungen auf die Bekämpfung de
gistgesahren in den Betrieben, auf Schutz für Arbeite
n Drucllufl, auf die Beschränlung der Nachtarbeit Jugend
icher in Wirtschasten, Lüden und Bureaus, auf Aotürz
ing der Arbeitszeit in gefährlichen Betrieben und Ein
ührung der Achtstundenschicht in den Kohlenbergwerke
inwirten. Endlich ist als eine neue Ausgabe ausersehe.
ie Gleichstellung ausländischer Arbeiler mit den Inlän
»ern in der gesamten sozialpolitischen Versicherung unz
ine Umsrage über Kinderarbeit. Der nächsie Kongrej
indet im Herbst 1912 in Zürich statt.
Aus aller Welt.
Begas erkrankt. Professor Reinhold Begas ist sei
iniger Zeit erkrankt. Das Befinden des 80 iährigen ha—
ich, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, bis jetz
eider immer noch nicht gebessert.
Wegen Nahrungssorgen. Der Kaufmann Kladow
m Baumschulenweg in Berlin hat sich, seine Frau und
eine vierjährige Tochter mit Leuchtgas vergiftet. Nah
ungssorgen sind die Ursachen zur Tat.
Bestrafte Redakteure. Aus Konstanz wird de
ichtet: Im Bele digungsprozeß der 39 katholischen Geist
ichen des Bezirks Konstanz gegen den Redakleur de⸗
leberlinger „Seeboten“ wurde letzterer von der Strafkam
ner Konstanz, unter Aufhebung des freisprechenden Ur
eils des Schöffengerichts, zu 50 Mark Geldstrafe und
rragung der Kosten verurteilt.
Zum Wiener Beleidigungsprozeßz. Der in Wei
nar verhandelte, umfangreiche Prozeß gegen den, der Be
eidigung des Offizierlorps angeklaglen Professors Lab—
nann-Hohenberg, hat belanntlich ein überraschendes End
zefunden. Profsessor Lehmann ist zur Beobachtung seine;
geisteszustandes auf sechs Wochen einer Anstalt überw
sen worden; der Professor hat noch vor Gericht erklär
daß er in diesem Falle nur der Gewalt weichen werde
Prosessor Lehmann-Hohenberg, welcher gegenwärt'g in
z9. Lebensjahr steht, hät schon wiederholt die Oeffen

Prof. erranreHohenberq
ichleit beschäfsigt. De letze, in der vorigen Woche ver
jandelte Anelegenheit führte Lehmann unter der An
chuldigung der ein achen und verleumderischen Beleidigun
es preußischen Offizieckorps und des Sachverständigen in
dortmunder Hügerprozeß, Obersten Wischer Naumbucg vo
Bericht. Unser heutißges Bild zeigt den Projzessor, der jetz
ein hochgewachsener stattlicher Mann mit schneeweißen
daupt- und Barkthaar, srüher in Bonn, Breslau und
eiel tät'g war.
Millionenbetrug. In Paris wurden drei Finan
ners namens Paul Breittmeyer, Jan Stevens und Maen
erhaftet, die beschuld'gt sind, im Verein mit zwei Ban
iers namens Friedlang und Demourey, durch Ausgab
iktiver Altien zahlreiche Personen, namentlich in de
Schweiz, um mehrere Millionen geschädigt zu haben. Ge
gen die beiden Bankiers, die gegenwärtig nicht in Pari
ind, wurde der Befehl zur Verhastung erlassen.
Eisenbahnunsall. Ein neuer schwerer Eisenbahnun
all ist auf der Staatsbahn in Paris zu verzeichnen. De
Zchnellzug von St. Nazaire nach Daris sollte bei de
Ztation Sable sur Sarthe für kurze Zeit halten. De
Naschinenführer vermochte jedoch nicht die Bremse in Tẽ
igkeit zu setzen, und der Zug rannte mit voller Geschwin
iigleit in cinen auf dem Gleise stehenden Güterzug. De
zusammenstoß war furchtbar, zehn mit Waren beladen
Büterwagen wurden zertrümmert. Im Schnellzuge ent
tand unter den Meisenden eine nomensoase Wanit Zoht

Fraulein von Fernow zu tanzen, der ich mich verpflichtet
halte, Tänzer zu besorgen —“
„Tut mir sehr leid,“ rief Helbig, „für den ersten Tanz
habe ich mich mit meiner Tante engägiert.“
„Ahl“ sagte der Baron spöttisch. „Nun ja, das konnte
ich mir ja auch denken; natürlich, die Frau Tanle — das is
ja Pflicht. Doch das schadet nichi, kommen Sie nur, ich fielle
—A
noch einen anderen Tanz frei haben.“
Er faßte bei diesen Worten Helbig unter den Arm und
schritt mit ihm in das anstoßende Zinimer, wo während des
Ausräumens der Sitze aus dem Saal die ganze Gesellschaf
zusammengedrängt war.
„Da ist ja auch Schön-Hannchen!“ rief der Baron beim
Hereintreten, „dann kann ich Sie ja gleich beiden Damen
vorstellen und auch noch mehreren andern. wenn Sie es
wünschen sollten.“
„Ich bin ganz zu Ihrer Verfügung, Herr Baron,“ sagte
velbig artig, während seine Augen qauf der Gestalt des schö—
len Mädchens hafteten, die in der entgegengesetzten Ecke des
Zimmers stand und von einer Maner von Herren und
Dauen umringt war. Jedensalls wurden ihr Artigkeiten
ihres Spieles wegen gesagt, so glaubte Helbig wenigstens
ie schien indessen die Huldigungen, die ihr gezollt wurden
ehr gleichmütig wie einen gewohnten Tribut hinzunehmen
Jedenfalls war ihre Aufmerksamkeit nicht sehr gefessell
denn ihr, Auge schaveifte gedankenlos über die sie umtingend.
Menge hinüber und blieb plötzlich auf Helbig und“ den
Baron haften. Der Baron hatte Helbig eben dem gnädige
Fräulein vorgestellt und bog sich jetzt zu der auf einen Stih
anmutig, hingegossenen Dane nieder, um scherzend un
ächelnd, ihr etwas ins Ohr zu flüstern. Helbig sland feit
värts, sein Blick war dem der schönen Johanna begegnet
deren Wangen plötzlich mit dunklem Purpur übergoössen
vurden. Der Baron richtete sich wieder auf und verneigt
ich tief vor Fränlein von Fernow. Auch Helbig verabschie
dete sich von den Damen und schritt mit dem Baron an
Schön-Hannchen, oder besser — Fräulein Johanna Körne
zu, die eben jetzt sich lebhaft mit einer großen üppigen Frau
unterhielt, deren glänzende Augen sprühend und sümmerni
zuf den beiden Herankommenden ruhten.
„Erlauben die Damen, daß ich Ihnen meinen jungen.
xreund, Referendar Helbig aus Berlin, vorstelle,“ sagte der
baron rasch nähertretend, „Fräulein Körner, Frau Henzei
7 BSerr Referendarius Helbig. Fräulein Johanna, der
derr Referendar wünscht die Ehre zu haben, mit Ihnen der
Valzer zu tanzen.“
Johanna wandte sich um und warf dem Baron einen
alz2on falten Rlig au. n vrnne S x548

Reisende erlitten Verleßungen. Die Reisenden sprañger
uis dem Zuge und liefen in wilder Angst nach allen
Richtungen. Der Verkehr ist voliständig unterbrochen.
Schiffskollision. Der von Grimsby kommende eug
ische Dampfer „Chester“ kollidierte mit dem durch de
Kdaiser Wilhelm-Kanal nach der Nordsee bestimmten schwa
dichen Dampfer „Hugin“. Der englische Dampfer wurd
schwer beschädigt, daß er auf Strand geseßt werde
nußte. Hugin, der über der Wasserlinie Schaden auf
veist, liegt bei Brunnsbüttel vor Anter.
Cholera. In Konstantinopel wurden 15 Erkrankun
gen und fünf Todesfälle an Cholera festgestellt; außer
dem ist ein Soldat eines Redifbataillons unter verdächt
zen Ericheinungen erkrant

Schöne Namen In der illustrierten Zeilischrif
„Der Weltcourier“ veröffentlicht Hans Fischer allerlei er—
Jötzliche Erlebnisse aus Deutsch-Südweit Asrika, darunter
uch folgenden Beitrag zur deutschen Namengebung: Wäh
end meiner Anoesenheii auf Okombahe sand die kommis
sarische Vernehmung mehrerer Eingeborenen in einer Dieb
tahlsaffüre statt. Die Siationsbesatzung hatte den an
Platze ansässigen Bergdamaras oder „Klippkafsern“ teils
us dem Bestreben heraus, die deutsche Sprache einzufüh
den, teils aus einem Anflug von Humor, den die rasfende
Langeweile an dem Orte zeitigte, die absonderlichfter
stamen beigelegt. Zudem waren aber ihre Nama-⸗Namen
vie: Kaiki, Tsawaffe, Numnawatere uswe, mit ihren Zisch
ind Schnalzlauten fast unaussprechliche Sachen. Ein Ge
ichtsassessor eröffnete die Sitzung. Acht Kafsern und dre
dottentotienfrauen waren versammelt, und als erster vos
hnen wurde der „Dorfschulze“ vernomnmen.
„Wie heißt du?“ srug der Assessor.
„Schafskopp!“ antwortete der Kaffer.
Was, Schafskopp?“ srug lächelnd der Gerichtsherr
Heißt du wirklich so und bist du mit diesem Namen zu
rieden?“
Schafskopp, der Häuptling, warf sich in die Brust und
sagte in fließendem Deutsch: „Das ist mein deutscher Name
a jetzt deutscher Kaiser Herr im Lande ist!“
Dann solgten die anderen Eingeborenen: „Trampel
ier, Penner, Doktor, Dickwanst, Faultier, Waschweib, Ver
in und Fußlappen.“
Die Namen der Hottentottenschönen lauteten „Servus
zchrulle und Padde.“
Es mußte sein; man nahm diese Namen in dem Pro
okoll auf. Später wurde Remedur geschaffen und di
reute offiziell umgetauft. Indes weiß ich, daß „Schafs
opp“ und auch die „Schrulle“ nie selbst von ihrem „ver
jiehenen“ Namen abgingen.
Bismark als Haushaͤlter.
In der Forlseßung seiner „Erinnerungen eines Ver
valtungsbeamten“, die H. v. Gerlach in dem Blatt „Da—
Freie Volk“ veröffentlicht, gibt er eine Schilderung übe
Zismarck als Haushalter, die auf Mitteilungen des Bis
narckschen Oberförsiers Lange beruht, mit dem Gerlac
ich in seiner Ratzeburger Zeit bereundete. Er erzähl
vie schlecht bezahlt Lange für seine recht umfangreiche Ta
igkeit wurde. Aus der welteren Schilderung geben w
olgendes wieder: Einmal, als der Fürst verreist war
ührte mich Lange vom Boden bis zum Keller durch je
»en Winkel des Friedrichsruher Herrenhauses. Frappie
var ich von der spartanischen Einsachheit des Schlafzin.
ners. Die anderen Zimmer waren gefüllt mit Geschenten
Im Keller standen noch riesige Kisten mit Wein, Likö
isw., unausgepackt. „Wein braucht der Fürst überhaup
nicht mehr zu kaufen. Er kriegt mehr, als trotz des gri
en Konsums verbraucht wird. Wenn Sie wüßten, wa—
n Schinlen, Wurst, überhaupt an Lebensmitteln einge“
ja, ein angenehmer Haushalt!“ So berichtete mir Lan—
jch fragte ihn, ob sich der Fürst denn auch gelegentric
evanchiere. „Da kennen Sie den Alten schlecht“, erwi
erte er, hell auflachend. „Den Menschen soll man er
iuftreiben, der sich rühmen könnte, von Bismarck ein Ga
chenk erhalten zu haben. Nein, dafür und für Woh
ätigkeit darf kein Pfennig ausgegeben werden. Als ih
verschiedene Vereine um ein Andenken baten, da hat
mich ein für allemal angewiesen, nur Eichen aus den
Sachsenwalde für solche Fälle zu versenden. Aber rech
kleine Bäume und von solchen. Stellen, wo sie so en
stehen, daß so wie so welche entfernt werden müßten.“
Mit peinlicher Sorgfalt sah Bismarck die Wirischafts
rechnungen durch. Selbst als er noch Kanzler war un
doch einigermaßen zu tun hatte, prüfte er selbst alle Ein
zelheiten. Eines Tages ließ er Lange rufen: „Es fehl
der Nachweis über zwei Klafter Holz! Es sind zwei Klaf
ter mehr geschlagen als verrechnet. Woran liegt das?
kine peinliche Unersuchung solgte, und Bismarck ruhl
aicht eher, als bis festgestellt war, daß die beiden Klafte
zjestohlen waren. Nun erst hatte Lange Ruhe.
Die schwierigste Sache von der Welt war, Bismar«
ur Ausgabe von barem Gelde zu veranlassen. Bei den
zroßen Wildstand im Sachsenwald mußte im Win er star
zefüttert werden. Die Futtermittel wurden natürlich au
en fürstlichen Besitzungen selbst gebaut. In einem be
onders harten Winter reichte jedoch das felbstgewonnuen
Futter nicht aus. Lange kam deshalb zum Fürsten und
bhat ihn, etwas Lupinen und Kleeheun kaufen zu dürsen

om Annango einer Herzogin. Heldig wohle eiwas sagen
aber Frau Henzel schnitt ihm mit vieler Gewandtheit das
Wort ab. Ihre Rede ergoß sich so fließend und in ununter
brochenem Strom über Berlin, Kunstleben, Kuͤnst, Theater
Musik usw., daß Helbig fast erdrückt von all den Fragen, zu
deren Beantwortung ihm keine Zeit gelassen wurde, sich
nicht anders als durch ein Engagement zum ersten Contre
tanz von der Dame zu befreien wußte. Die Musik beganr
scchon die ersten Takte des Galopps und die Herren eilter
urch die dichtgedrängten Gruppen hindurch auf die vor
hnen engagierten Damen zu, um sie in den geöffneten Tanz
saal zu führen. Auch der Baron schritt mit Fräulein Jo—
hanna Körner am Arm der Türe zu; von ihrem Antlitz war
die Wolke gewichen, die vorhin auf demselben gelagerkt, und
helle Lust lachte aus ihren Augen, als sie den Ball eröffnete
Dem Baron als dem vornehmsten Kavalier wurde diese
Ehre stets ohne Widerrede zugestanden.
Helbig suchte nach seiner Tante, der Direktorin. End—
ich fand er sie; sie saß in einer Ecke des Zimmers ziemlich
Alein, denn alles drängte sich schon dem Saal zu, uͤnd ein
Ausdruck hellen Mikmuts lagerte auf ihrem hübscher
Besicht.
„eEil ich dachte schon, Du hättest Dein Engagement mil
mir vergessen, Oskar.“ sagte sie verdrießlich. „Vein Mann
hjat mich auch verlassen, um im anderen Zimnier eine Partie
u spielen und ich sitze hier ganz allein.“,
„Verzeihung, liebe Tante,“ rief Helbig ihr seinen Arm
reichend und mit ihr dem Tanzsaal zuschreitend, „der Ba—
con Wilberg hat mich bis jetzt nicht losgelassen. Er stellte
mich verschiedenen Damen vor. die ich zum Tanzen enga
vweren sollte —“
„Und da wulde an die Tante natürlich nicht gedacht!
interbrach ihn vorwurfsvoll die Direktorin. „Ist es ir
Zerlin etwa Sitte, daß man Fremden mehr Aufmerklamkeit
rwelst als den nächsten Angehörigen? Ven ganzen Abend
jast Du Dich noch nicht um uns gekümmert.“
Der jiunge Mann suchte den Vorwürfen seiner Tankt
u entgehen, indem er sich mit ihr sogleich in den Strude!
es hin- und herwogenden Galopps stürzte. Der Direltorir
vesicht erhellte sich wieder, und als sie nach beendigten
Tange die erste in der Reihe stand und alle Blicke sich auf sie
ind den iungen eleganten Fremden richteten, dessen gewand
es Wesen und hübsches Tanzen allgemein auffiel, lächelt⸗
ie befriedigt. *
Auchl!“ seufzte sie, mühsam nach Atem ringend, „Dr
tanzest wirklich recht gut, aber zu rasch, lieber Oskar, zu
rasch für mich!“
Oskar versprach das nächste Mal ruhiger zu tanzen und
her Friede war vollständig wieder hergestelt.
rra dor lnn — ünß fol

einl“ Die Fürstin stand dabel und sagte: „Bitte, Ot
ridube es doch. Sieh einmal, die armen Tiere komme.
a vor Hunger bis an den Garlenzaun.“ „Nein!“ Um
abei blißten seine grdßen Aitgen in der bekanuten Weist
ie jedem, auch jedem Familienmitgliede, es geraten se.
ießen, das Thema zu verlassen.
Der einzige Mensch,“ von dem der Fürst sich etwa—
sagen ließ — seine Söhne zitterten geradezu vor ihm! —
var Schwenninger. Er war oft in Friedrichsruh, um de
Besundheitszustand des Fürsten zu koͤntrollieren und di
Vefolgung jeiner Anordnungen zu überwachen. Sein
dauptsorge war die Neigung Bismarcks zu Diätfehlern
Deshalb hielt er seine Anwesenheit am 1. April imme
sür besonders wünschenswert. Von. dem 4. April, den ic
im Herzogtum Lauenburg verbrachte, erzäͤhlte mir mei
Landrat folgendes Geschichtchen: Er war nach Friedriché
uhe zur Gratulationscour gefahren. Vom frühen Mon
jen au wurden Deputrationen empfangen. Plö tzlich erschie
Zchwenniuger auf der Bildfläche und erklärte: „Durch
aucht werden jetzt keine Deputationen vor dem Frühstiü
neht empfangen. Durchlaucht haben bereits drei Flasche
Zelt getrunken, und da Sie doch jeder Deputation Bé
heid sun wollen, so muß die Sache ein Ende haben. Be
em Frühstück wird doch wieder genunken.“ Und Bi—s
Rarck deborchle. obne en Wort des Widerspruchs.

Landwirtschaftliches.
Saatenstand in Baden. Die Einbringung der Ge
dreideernte halte unter der foritgesetzten Ungunst de
Wirsterung stark zu leiden. In vielen Bezirkten, und zwa
iicht nur in höheren Lagen, konnte der Haser bis jeß
ioch nicht eingeheinist werden und erle det dadurch erheb
iche Einbuße an Gate und Menge. Die Verzögerung de—
Erntearbeiten hat auch von der Bestellung der Felder fü
»ie Herostsaat, von vereinzelten Fällen augesehen, noc
abgehalten. Die in viclen Bezirken, namen lich im nord
jstlichen Landes eil, herrschende Mäuseplage bringt für d'.
jungen Saaten viel Schaden. Auch die Dehmdernt
und die Gewinnung der zweiten und weiteren Zutter
schnitte von Klee und Luzerne wird durch fortwährend;
Niederschläge erheblich gehindert. Die in den mieisten Be
zirlen reichlich vorhandenen Mengen können kaum zun
Dörren gebracht werden, und es durfte bei längerem An
dauern dor ungünstigen Witterungsverhältnisse, ähnlich w
bei der Heuernte, ein erheblicher Teil der Erträge min
derwertig werden, Unter den Kartoffeln greift das Fau
len der Knollen immer mehr um sich, so daß stellenweis
wohl nur das Saatgut für das nächste Jahr gewonne!
werden wird. Zudem wird von verschiedenen Seiten di
Befürchtung laut, daß die Kartoffeln im Keller nachfau
len werden, wodurch die ohnehin unzenügenden Erträg
noch mehr zusammenschrumpfen würden. Der Stand de
Tabaks und des Hopfens hat sich seit dem Vy
monat im allgemeinen wesentlich gebessert; namentlich
dem Hopfen sind auch die Erträge der zur Zeit im Gam
befindlichen oder vielerorts bereits beendigten Ernte meis
befriedigend; nur wäre auch hier warmes Wetter für ein
rasche Dörrung sehr nötig. Die Hopfenpreise haben ein
ansehnliche Höhe erreicht, so daß der Produzent diese
Jahr seine Arbeit belohnt sieht. Die Herbstaussich
ren sind fast im ganzen Lande und in allen Weinbau
gegenden sehr ungünstig. Außer Odium und Peronospor—
ist vielfach der Sauerwurm aufgetreten, sodaß mancher
orts kaum Trauben zur Bereitung eines Haustrunks vor
handen sein sollen. Um die Mitte des Monats wurd
der Saatenstand bei Hopfen auf mittelmäßig, bei Kar
offeln und Tabak noch schlechter, teilweise als gering, un
»ei Reben als sehr gering geschätzt, während Klee und
deu wesentlich befser bewertet werden.

Von der Lujstschiffahrt.
*Graf Zeppelinim Parsevals“. AIn
Anschluß an seine Hochgebirgsfaährt veranstaltete der Fuh
cer des „P. 6, Ober eutnant Stelling, noch erne Jahr
über Munchen, an der Graf Zeppelin und Prinz Lud
wig von Bayern teilnahmen. Nach e ner Fahrt von 20
Minuten erfolgte glalte Landung. Prenz vudwig und
Graf Zeppelin sprachen dem Fuhrer des Lustschisses ihr
große Freude aus. Graf Zeppelin richlete sodann an de
Major von Parsevalem Berlin sogendes Tele
gramm: Gelegentskich der Jahresversamm ung des Deu
schen Museums war es mir vergönnt, mit Sr. HK. H. den
Prinzen Ludwig eine Fahrt in Ihrem Luftschiff auszu
jühren, und ich möchte Ihnen fur diee Freude meine
herzlichsten Dank zum Ausdruck breingen. Graf Zeppernn
*“ueberlandflug TrierWietz. Als Einzige
stieg am Mittwoch nur Thelen auf; er pa sierte in
glatter Fahrt Wellen a. d. M., mußte dann vbei Nie de⸗
Yeuz infolge Verlust eines Ventildeclels landen. Théc
blieb unverletzt. Sein Apparat ist leicht beschädigt
Jeannin unternahm in Mentz auf der Friedyofsinse
einen Flug von eiwa sechs Minulen Dauer und gewanr
damit den vom mililärwissenschaftlichen Verein für diest
Fahrt ausgesetten Preis von 500 Mark. — Nach einen
uverläfssigen Merdung aus Trier soll der Avilatiker
Plochmann seinen Verlebungen erlegen sein, ohne
»as Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Seine Frau is
in Begleitung eines Verwandien in Trier einderoffen

auf ihren Plas — diesmal aber Ueß sie ihn nicht so rasck
wieder los. 57
„Ich muß Dich auf eins aufmerksam machen, lieber
Oskar,“ sagte sie leise und eindringlich, „schließe nicht zu
große Freundschaft mit dem Baron — man sagt ihm nicht
biel Gutes nach.“ 3
„Wie, nicht viel Gutes?“ fragte überrascht Helbig. „Er
scheint hier doch der angesehenste Kavalier zu sein.“
„Nun ja, ich sagte es Dir ja schon, man duldet ihn
weil er Baron ist. Sein Adel deckt Vieles zu — und dann
weiß nicht jeder das, was ich weiß. — Doch frage nu—
meinen Mann.“
Helbig erwiderte nichts, — seine Gedanken beschäftigker
lich schon mit dem kommenden Walzer, Endlich sollie er sic
dem reizenden Mädchen nahen, mit ihr sprechen, mit bi
tanzen dürfen.
Die Musik begann. Helbig beurlaubte sich eiligst von
seiner Tante, die ihn auch freundlich entließ, da sie ihren
Walzertänzer bereits nahen sah. Er schritt auf Fräulein
Körner zu — ihm klopfte das Herz so seltsam wie noch nie
und mit befangenem Exröten faßte er ihre Hand und stellle
sich mit ihr in die Reihen der Tänzer. —
„Mein Fräulein!“ sagte er, fast verlegen wie er das
Zespräch beginnen sollte, wenn Sie auch gewiß schon viel
»es Lobes heute über Ihr Spiel gehört haben, so werden
Sie mir, dem Fremden, dem Großstädter doch wohl noch
jestatten Ihnen die volle Bewunderung auszudrücken, mi
»er Ihr Talent ihn erfüllt hat.“
„Sie spotten, Herr Helbig,“ erwiderte das junge Mäd.
chen leicht. „Ein Berliner, der die ersten Buͤhnentraäfte der
königlichen Theater gesehen hat, kann doch nur mit großer
Itengichabuna auf unsere schwachen Bemühungen her—
absehen.“
Ich versichere Sie, mein Fräulein,“ rief Helbig, „Sie
könnten sich ohne Scheu neben die besten Künstlerinne
Berlins stellen.“
Das junge Mädchen ließ ihre Augen einen Moment
fragend auf Helbig ruhen. Es lag etwas ungemein An—
ziehendes in dem Blick dieser klaren rehbraunen Augen.
„So glauben Sie wirklich: ich hätte Talent?“ fragte sie.
„Gewiß, mein Fräulein, ein großes unbedingies Ta—
ent, das nur der, Ausbildung bedürftle, um seine ganz—
draft zu entfalten.“
Der Tanz unterbrach die Unterhaltung. Helbig um
chlang die schöne Gestalt und graziös flogen beide in ra
Hom Walser dobin.
            
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