Lokales und Vermischtes.
die Deutschen Manöver in frauzösischer Beleuchtung.
Von den franzosischen Kritikern über die deu schen Ma—
nhver scheint die des General A. C. zeichnenden Berichter⸗
tatters des Paris-Journal die sachliäͤste zu sein, da sie
dob und Tadel in ruhiger Darlegung verteilt. Es wird in
hr erklärt:
Zunächst ist es nicht zweiselhaft, und es ist gut, darüber
nachzudenken, daß die deutsche Armee, verzüglich das 1. und
das 17. Korps, sich durch ihre ausgezeichnete Haltung her—
ßortut. Disziplin und Ordnung herrschen in ihr, gleichzeitig
Ausdauer und Offensive. Eins der Elemente der Tüchtigkeit
der Armee ist das Korps der Unteroffiziere diese sind aus—
gezeichnet. Abgesehen von dem Generalstabe und dem Ober—
rommando, das tüchtige Führer liefert, kann men nicht das
Gleiche von den Offizieren behaupten, besonders nicht in der
Davallerie. Die Karikaturen, die man über sie in Berlir
indet, lassen ihre geistigen Fähigkeiten und ihre Gewohn—
Jeiten scharf hervortreten. Sie haben aber immer noch ihrer
Nutzanieil an der Achtung für die Uniform und den Rang
In taktischer Hinsicht ist der Offizier der niedtigen Grade
Jewiffenschaft und exakt; er hat aber keine Initiative. Das
silt besonders sür die Zugführer der Infanterie. Die Aus.
sebung der Soldaten ist schön. Die Deutschen haben ja
such die Zahl zur Auswahl. Die Leute machen einen sehr
zuten Eindruck, sind stark gebaut und kräftig. Zweiffellos
sjaben sie weder die Gewandtheit noch die Geschmeidigkeil
der Franzosen, aber sie sind deshalb keineswegs schwerfällig.
Wenn man die stattlichen jungen Leute sieht, kann man es
ur beklagen daß das Biertrinken und Kneipenleben sie früh—
zeitig in physischer und intelektueller Hinsicht verdickt Die
ieue blau graue Felduniform ist wenig sichtbar. Die Ir
ziesem Gebiete verstehen alle Bauern mit den Pferden schor
ehr jung umzugehen; sie reiten mit den Hosen in den
Zliefeln, felbsi wenu sie ihre Leiterwagen auf die Felde,
ühren. Die Stiefel sind von den Deutschen sehr geschätz
ind man muß sich wirklich fragen, wie die Infanterister
in ihnen lange Märsche in einem sumpfigen Terrain unter—
nehmen können. Die Kavallerie kämpft jetzt zu Juß und
greift nach Art der Infanterie au: sie liebt dieses Vorgehen
führt es auch ganz ordentlchzaus, übertreibt es aber vielfach
etwas. In Frankreich läßt fich der Kavallerieoffizier nicht
zu der Rolle des Infanteristen herab; die Reiterangriffe
leiben indessen in Ehren. Diejenigen von Preußisch-Hol⸗
and am 10. September, Ulanen gegen Dragoner und Dra—
zoner gegen Infanterie, waren in ihrer Schneidigkeit durch⸗
us lebenswahr. Am 8. September hatte diese Kavallerie
einen schwierigen Flußübergang mit zerlegbaren Fahrzeu⸗
gen ausgesührt. Die so schwierige und manchmal gefähr⸗
aͤche Operation ging mit einer Sicherheit vor sich, die eine
zroße Uebung verriet. Die Infanterie marschiert gut und
mmer in größter Ordnung. Sie gehorcht pünktlich und
manöveriert gewöhnlich wie bei der Parade. Aber sie weiß
das Terrain nicht gut auszunützen und ist nicht sehr mil
den Vorkchrungen vertraut, die der moderne Kampf fordert
But kommandiert und gut gehalten wird der französische
Zoldat stets das Manoͤver auf dem Schlachtfelde besser aus—
ühren. Der Infanterist weiß die Erde zum Schußwall
ür sich gut aufzuwerfen. Aber auch dabei wendet er nur
gewissenhaft die schematischen Vorschriften eines Reglements
ain. Die Artillerie ist sehr gut beritten mandveriert sehr kühn
Sie hot in der Kenntnis der Schießmethoden große Fort—
chritie gemacht. Sie verachtet das Desilieren, das sie viel—
eicht noch nicht gewohnt ist, und setzt sich so stork dem feind—
lichen Feuͤer aus. Der Train war gut bespannt und funk—
ionierte ordnungsmäßig. ebenso die neuen Feldküchen. Die
Fortschaffung der Kranken und Invaliden war so vorzüglich
organisiert, daß man gar nichts davon bemerkte. Nachzüg—
ler sind überaus selten. Was man von Lenkballons gesehen
hat, bestätigt die Ansicht, daß weder diese noch die Flugap—
parate vorläufig eine gute Kavallerie zu ersetzen vermögen
Zusammenfassend ist also zu erklären, daß die deutsche Arme«
diszipliniert und stark ist und daß sie arbeitet: sie vergiß:
nicht. daß die Disziplin die Hauptkraft der Armee bildet.
Neue Kohlenlager in Westpreußen. Wie der „Inf.
nitgeteilt wird, sind in Westpreußen bei Schwetz ergiebige
Braͤunkohlenlager entdeckt worden. Die Lage der Kohle
erscheint zum Abbau dadurch besonders günstig, daß die
Braunkohlenfelder in ausgedehnten Höhenzügen gelagert sind.
Bei den Probebohrverfuchen ist sestgestellt worden daß die
Hohenzüge wassersrei sind. Die Bohrungen sollen bis zur
Tiefe von 50 Metern unter der Erdoberfläche fortgesetzi
werden, da die Braunkohleniager auf ihre Ergiebigkeit hin
festgestellt werden fsollen. Die Kohle wird schon 5 Fus
uinter der Erde gefunden. Es hat sich bereits ein Kon
»rtium gebildet, das die Braunkohlenlager abbauen will
Personalnachrichten. Dem Bergassessor Jacobs, bis—
jeriger kechnischer Hilfsarbeiter beim Steinkohlenbergwer“
Herhard, ist vom 1. Oktober 1910 ab die Verwaltung eine
»rlediaten Beretmeatblrstollo u2 Mao koe bertron
dünnem, blondem Haar und Bart. Seine Gesichtszüge
varen, der Größe seiner Gliedmaßen entgegengesetzt klein.
ieine Augen verschmitzt, doch zugleich gutimütig, sein gan—
zes Wesen von einer barschen Gradheit, die nicht ganz des
aristokratischen Aires entbehrte. Er musterte mit den
Blicken seinen jungen Gefährten, der sich eben eine Zigarrt
angezündet hatte und in die Ecke zurückgelehnt den Dampf
der feinen Havanna in die Luft blies. Das Gesicht des
jungen Mannes war wohl geformt und zeugte von Intelli—
genz und Bildung. Er schien nicht viel über zwanzig Jahrt
alt zu sein, sein braunes Haar war kurz geschnitten doch gut
gepflegt, ein kleiner Bart sproßte auf der Lippe, die graue
Augen gehörten zu denen, in deren Anblick man sich gert
»ertieft, es sprachen Gesühl und Wärme aus ihnen, dit
hwungvollen Linien der Brauen, so wie die hochgewölbt
Ztirn zeugten von Idealität.
„Sie fahren wohl azum Liebhabertheater nach B.?“
nahm der Baron das Wort, nachdem er sich gleichfalls eint
Zigarre angezündet hatte. „Wollen wohl auch Schön-Hann—
hhen spielen sehen?“
Ich bin hier, ganz fremd, nmein Herr,“ erwiderte der
junge Mann lächelnd, und muß zu meinem Bedauern be—
tennen, daß mir Schön-Hannchen ganz unbekaunnt ist.“
— Nun zum Kuckuck, wer sind Sie denn und was wollen
Sie in B. wenn Sie nicht des Liebhabertheaters wegen
yinfahren?“ rief der Baron. „Sonst sieht man doch in un—
serm Nest nur fremde Herren Ihrer Art, wenn Hannchens
Schönheit sie anlockt.“
„Ich bedauere es sehr, Schön-Hannchen nicht 4zu ken—
ien.“ lächelte der Fremde etwas spöttisch, ohne die Frage
iach seinem Namen zu beachten.
Machen wir eine garoßen Präliminarien,“ fuhr der
erstere fsort, ohne sich irre machen zu lassen. „Ich bin der
Baron von Wilberg, Rechtsanwalt in B. und war eben in
Geschäflen bei dem Herrn von Fernow, dem Besitzer des
Gutes, zu dem die Posthalterei gehört.“
„Mein Name ist Oskar Helbig,“ erwiderte der junge
Nouun n 8 Adgene des Kopfes.
„Oskar Helbigl!“ brum 24
—8 brun mte der Rechtsanwalt, „aus —?
Al I — die kleinen Augen des Barons blitzten
„Dann habe ich ja das Vergnügen, der ehn⸗
en, so viel besprochenen neuen — — u ere
irüßen. Sein Sie herzlich willkommen, Herr Referendarl“
—— er des jungen Mannes Hand und schüt—
Dieser sah ihn ei ick ü
di hn emenn Aungenblie überrascht an.
Rtio ich woißere rief der Raron sahond Mrnu alauß—
den. Gleichzeitig ist der Bergassessor von der Malsburg,
isher techmscher Hilfsarbeiter üm Bergrevier Dortmund
„in gleicher Eigenschaft an das Bergwerk Gerhard ver—
etzt woörden. — Der Oberschichtmeister Schmelzer des Berg
verks Göttelborn tritt am 1. Oktober d. J. auf seiner
Antrag mit gesetzlicher Pension in den Ruhestand. — Der
Fahrsteiger Fischer des Steinkohlenbergwerks König ist vom
J. Oktober 1810 ab zum Obersteiger unter gleichzeitiger
Versezung an das Steinkohlenbergwerk Heinitz ernannt
vorden. “ Dem Steiger Johann Zentz des Steinkohlen—
»ergwerks Gerhard ist aus Anlaß seines Ubertrittes in den
Ruhestand der Titel „Königlicher Fahrsteiger“ beigeleg!
vorden. — Der Steiger Wilhelm Rauchholz ist vom 1
fIktober d. H. im Tausche mit dem Steiger Heinrick
rinnenberger vom Bergwerk Göttelborn nach dem Bergwert
deinitz verfetzt worden. — Dem Direktionskanzlisten Ender⸗
ing find die Geschäste des Vorstehers der Hauptkanzlei der
zergwerksdirektion zu Saarbrücken vom 1. Oktober d. J
ib endgültig übertragen worden. Gleichzeitig ist ihm der
Titel „Kanzleünspektor“ beigelegt worden.
Ordensverleihung, Dem pensionierten Bergmann
herrn Christian Schminke wurde das Allgemeine Ehren—
eichen von Sr. Majestät dem Kaiser verliehen.
—⸗* Für Reservisten und Weyrleute. Bisher mußten
in vielen Fällen bei geringen militärischen Vergehen durch
Reservisten und Wehreeute, wie z. B. Versäumnis vor
sontrollversammlungen, Nichtmelduug von Wohnungs
wechseln, Arreststrasen nach dem Milikärstrasgeseßbuch ver
hängt werden In Zukunft soll bei solchen Vergehen mil
ber vorgegangen wecden. Es sollen auch Geldstrasen zu
lässig sein, in ganz leichten Fällen kann von einer Be
trasung überhaupt Abstand genommen werden. Die Ein
ührung von Geddstrafen ist bei der in Aussicht genomme
ren Resorm des Militärstrafgesetzbuches auch für weiter
Pergehen geplant, soweit es sich nicht um Vergehen gegen
die Disziplin oder um Ungehorsam vor versammielte'
Mannschaft handel
Etwas vom Z3ahlnugsbefehl. Wann soll man
ezgen einen Zahungscesehl Widerspruch erheben? Fast ir
eder Ziviisitzung des Amtsgerichts kann man die Wahr
tehmung machen, daß über das Wesen des Zahlungsbe
ehls im Volte darchaus irrige Vorsteilungen herrschen
SErhält jemand einen Zahsungzsbefehl, und hat er gerad:
aicht die Mittel zur Zahlung, so erhebt er Widerspruch
Es kommt zur mündlichen Verhand.ung. Auf die Frage
ob er die im Zah ungsbesehl genannie Summe schuldi
sei, kann er nur mit ja antworten und es ergeht Ane.
enntnisurteil. Der Erfolg seines Vorgehens ist also nu
»er, daß er die für ihn meist tostbare Zeit am Sitzungs
age versäumt und außerdem noch die bedeutend hsheren
rosten des Urteils zu zahlen hat. Zum Beisßpiel, handel
s sich um eine Forderung von 100 Mart, so tostet der
Zahlungsbefehl in lusive Schreibgebühr 1.10 M., dageger
das Auerlenntnisurieil intlusive Auslagepauschalsatz und
Schreibgebühr 2. 10 M.; ist die Forderung 200 M., si
ind die entsprechenden Kosten 1.60 Mi für Zahlungsbe
ehl und 3 Mark für Anerkenntnesuarteil. Noch größe
vird der Unterschied, wenn der Schuldner im Termin
uicht erscheint und Versäumnisurteil ergeht. Dann berra
zjen die Kosten bei 100 Mart 5.30 M., bei 200 M. 8.50
Vet. Wegen Unzermögen zur Zahlung darf also unter kei—
ten Umstinden Widerspruch erhoben werden. Man lasse
die im Zahlungsbesehl bestimmte Frist von einer Woch
uhig ablaufen, suche aber sich mit dem Gläubiger in Güt
u einigen und die Bewilligung von Stundung oder Ra—
enzahlungen zu erlangen. Es liegt das ja auch im In
eresse des Gläubigers selbst; denn wenn er nach Ablau
»er Frist einen Vollstreckungsbesehl erwertt, pfändbares
Lermögen aber nicht vorhanden ist, so hat er das Nach
ehen. Er wird sich anso lieber mit Raten oder spätere
Zahlung begnügen. Die höheren Kosten für das Urtei
tehen in keinem Verhälmis zu der durch den Widerspruck
zewonnenen Zeit. Mau erhebe Widerspruch nur dann
wenn man gegen den Anspruch des Glaubigers Einwen
zungen zu machen hat, sei es, daß man den gesorderten.
Letrag überhanpt nicht oder doch nicht in dieser Söhe
chuldig ist.
Krankheiten. Ein berühmter Arzt schreibt: Ich will
uch kurz und bündig sagen, weshalb es so viele Krank—
Jeitlen gibt, die schwer oder gar nicht geheilt werden könneu.
die ersie Ursache liegt in der Völlerxei und Prasserei, und
daß die Leute mehr in den Magen stopfen, als sie ver—
zauen können. Die zweite Ursache ist der gereizte geistige
Zustand vieler Leute, welche sich über Dinge quälen und
bärgern, die sich nun doch einmal nicht ändern lassen.
eidenschaften aller Art, meist aber bösartige, und irdische
zorgen nagen an dem Geiste, stören die Verrichtungen des
zehirns und tun dem Körper einen Schaden, der gar nicht
u berechnen ist. Seid ruhig und lebt mäßig, dann werde
hr auch gesund bleiben.
Neunkirchen, 27. Sept. Daß eine Lampenmarke ihm
»erhängnisvoll werden könnte, ließ sich ein Bergmann aus
Zrücken, der des Nachts einen Zwetschen- und einen Birn—
»aum seiner süßen Früchte beraubte, gewiß nicht träumen
25 3·. 5 ** ?e
A benn nicht, daß es ein breignis ist, wenn bin eind-der
norddeutschen Residenz in unsere Mauern kommt. von dem
man sich noch dazu so romantische Dinge erzählt, wie z. B.
von väterlichem Zorn, Verbannung usw.“
Der junge Mann seufzte leicht.
„Aber, mein Gott!“ rief er, „ich begreife durchaus nicht.
wvie Sie überhaupt etwas von mir wissen können“
„Ei, da kennen Sie B. nicht. Die Frau Kreisgerichts—
Direktorin ist ja Ihre Tante.“
„Ahl!“ rief der junge Mann verständnisvoll.
Der Baron lachte:
„Trösten Sie sich, lieber Kollege, die Verbannung ist
nicht so schlimm, als Sie vielleicht denken. Haben Sie sich
chon jemals längere Zeit in einer kleinen Stadt aufge
alten?“ —V
„Nein, noch nie *
„Nun, dann werden Sie viel neues bei uns lernen.“
„Neues wohl.“ seufzte Helbia — „aber oh ⸗twats
Zutes?“
„Das überlassen Sie der Zukunft. B. gehört jeden
salls zu den angenehmsten kleinen Städten, die es gibt
Wir haben viel wohlhabenden Landadel in der Umgegend
uind ist man der kleinen Bürgermädchen müde, dann geh
man auf die Feste der Barone und adligen Herren unl
interhält sich mit“ — der Baron zögerte, — er hatte Seines
gleichen sagen wollen, besann sich aber, daß sein Gefährte eir
Bürgerlicher sei und setzte rasch hinzu — ‚mit den jungen,
aft sehr hübschen und wohlerzogenen Fräuleins auf dem
dande.“
Der junge Helbig war in Gedanken versunken; er
jatte kaum die Worte seines Begleiters gehört.
„Für's Erste,“ fuhr der Baron fort, „sehen Sie sich ein—
nal heute unser Liebhabertheater an. Wir sind um vier
ihr in B., bis sieben Uhr können Sie ruhen. Sie sind
och jedenfalls ein guter Tänzer?“
„Ich habe bisher die Tanzkunst gerade nicht zu meinem
ʒauptstudium gemacht,“ war die leicht hingeworfene Ant—
bort. „Andere Dinge haben mich zu sehr in Anspruch ge—
ommen.“
„Aha!“ lachte der Baron — „wohl Musikstudien,
Theater, Oper, zum Aerger des Herrn Papa?“
„Sie vergessen, Herr Baron,“ erwiderte der junge
Nann, indem eine helle Röte auf seine Stirn stieg, „daß ich
ereits zwei juristische Examia gemacht habe.“
„Ja wohll ja wohl!“ rief der Baron. „Nun Scherz bei
Seite, Sie werden doch heute die tanzlusftige Damenweli
eglücken, nicht wahr?
Helbig lächelte
——
arum nicht?“ entgegnete er, in den scherzhaften Ton seines
J—α—— IBDoäX*
Feld kam, um das Obst abzunehemnen, war dies bereits über
dacht geschehen. Bei längerem Zusehen fand er unter
inem der heraubten Bäume eine im Bergwerksbetrieb ge—
räuchliche Laufpenntarxfe mit der Aufschrift K. B. Insp
»Mr. 2259, die der Dieb bei der unsauberen Arbeit ver
oren hatte. Die Marke wurde der Polizeibehörde über
gjeben, die nach telephonischer Verständigung mit der Berg
nspektion 7 den Nummer-Inhabder mit Leichtigkeit ermittel'
onnte.
Sulzbach, 26.Sept. Der einzige an der Hauptstraß—
noch verfügbare Bauplatz, welcher der kathol. Kirchenge—
meinde gehörte ist in den Besitz der Firma Gebr. Gilsbach
zum Preise von 45 000 Mark übergegangen. Die Firme
Bebr. Gilsbach wird an dieser Stelle ein größes, modernes
Heschäftshaus erbauen. (Bergmsfrd.)e
Kreuzwald, 265 Sept. Gestern gleich vor Schluß der
Frühschicht verunglückte in hiesiger Grube durch herabfal—
sendes Gestein der verheiratete Bergmann Joh. Frisch von
sier. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. An seinem
Aufkommen wird gezweifelt.
Brebach, 26. Sept. Der 22 Jahre alte Rohrformer
Otto Ruppenthal aus Feckweiler verunglückte in der Frei—
ag Nacht auf der Halbergerhüute iun Brebach. An seiner
Arbeitsstelle wurde er durch Gas betäubt. Beim Fallen
kam er mit seiner Lampe seinen Kleidern zu nahe, welche
Feuer singen und ihn furchtbar verbrannten, sodaß an sei—
iem Aufkommrn gezweifelt wird. Er wurde sofort in das
Ja ser Wilhelm-Hospital in Brebach aufgenommen. Der
Lerunglückte war der einzige GErnährer seiner alten Mutter
einer Witwe.
Heinitz, 26. Sept. Anstelle des pensionierten Ober—
teiger Klein wurde Herr Fahrsteiger Fischer des Stein—
kohlenbergwerks König vom 1. Okt. zum Obersteiger der
hiesigen Grube ernannt.
Berbach, 26. Sept. Auf der hiesigen Grube konnte
eute mittag die Belegschaft nicht anfahren, da sich die
zrube plötzlich voll Wasser stellte. Ein Pferd ist ertrunken
die Leute konnten gerettet werden.
* Elberfeld, 27. Septbr. Autwomobilunsfsall.,
Die bergischen Kleinbahnen haben, um bei Unfällen au
hrem weitverzweigten Bahnnetz rasch mit Hilfsmannschaf
en zur Sie le sein zu können, ein Aucomobil angeschafft
Als auf der Chaussee Langenberg-Neviges mit dem Aute
Probefahrten unternommen wurden. wurde das Fahrze
on dem Chaufieur an einer Kurve so ungescheckt geseuert
aß der Krafuwagen in den Chaufeegraben suhr und d
ier Insassen hinausgeschleudert wurde. ꝛilie vler erli
en zwar erhebliche, aber zum Glüch nicht gefalhrliche Ve
ehungen. Tas Au!o wurde nicht underräch lich beschädig
* Tuisburg, 27. Sept. (UUntor schlei fe.) Der Priu
urist Suwalsti unerschtug seiner Firma 13 000 M. D
Interschlagung wurde während seines Urlaubs, den er
VLiesbaden verbrachte, entdeckt. Er wurde dann nach de
Miede rhein schen Nachrichten“ telephonisch zurückgerufen
Bei seiner Ansunft am Baynhof ersolgte seine Berhasnung
* Hagen, 27. Sept. (Ein Bubenstresch.) Als d—
Führer eines hesigen Verkehrsautomobiis nen Wag«
inen Augenblick verlassen hatte, um in einer Wirtscha
Beld einzusassieren, wurde das Auto von Bubenhände
ingestellt. Es sauste einen Abhang hinunter und wurd
voiestandig zertrümmert. Die Täter kfonnten noch nic
ermittelt werden.
* Koblenz, 27. S;:pt. (Berschwundene Karc
binerschlösser.) Bei dem Pionier-Bataillon Nr.
iind zwei neue Karabinerschlösser verschwunden. Man ver
mutet, daß die Schlösser an ausländische Interessenten ver
kauft worden sind. Mit Genehmigung des General-Kon
mandanten werden sämtliche Reservisten des Bataillon
erst entlassen werden, wenn die Sache aufgeklärt ist, au
e nen Fall vor dem 1. Oktober.
* Baden-Baden, 27. Sept. EhrenbürgerZep
pelin.) Der Stadtrat beschloß in seiner Sitzung die Ver
eihung des Ebrenhürgerrechts an den Grafen Zeppelin.
*t
Die Mosel—- und Saarkamnalisierung.
— Eine in Remich (Luxemburg) abgehaliene, au
allen Kreisen der Bevölterung zahlreich besuchte Veramm
lung betrefsend de Mosel Und Saartanatisierung nam
solgende Resolution an: „Die Versammlung redauert d
am 7. April im preußischen Abgeordnetenhaus belannige
gebene Entischließung des preußischen Staatsministeriums
wonach die Kanalisierung der Mosel und der Saar mi
Rüclsicht auf die Intesessen der rheinijch-westfälaschen Eisen
in ustrie und des preußischen Eisenbahnsisus zur Zei
nicht für zweckmäßig und durchführbar ecachtet wird. Vi
Versaunmlung ist der Ueberzeugung, daß die Kang'isierun
der Mosel sich von größtem Nuhhen far die wirtschafilie
Entwictling des ganzen Moselgebieses erweisen wird, un
pricht sich in Ueßereinsämmung mit dem verstandnisvo
len Beschuse des rhe nischen Provinziallandtages von
12. Dejember 1830 dahenn aus, daß die Ausführrmg deese:
Prosetes als eine der Landwirtschaft wie den Wernbar
in der Mosel und dem Rhein nützliche, Handel und Ge—
vere deter Gegenden in horem Grade förderrame um
„Sie werden staunen.. Sehen Sie nur erst Schön
Hannchen!“,
„Sie reigen meine Neugierde auf's Höchste,“ rief der
unge Mann. „Versprechen Sie mir, wenn ich Ihr Tanz
»ergnügen mitmache, daß Sie mich zuerst Ihrem Schön
dannchen zuführen.“
„Toppl! Ich verfpreche Ihnen, daß Hannchen einen der
ꝛrsten Tänze mit Ihnen tanzen soll.“
„Ich danke Ihnen.“ A
„Die Unterhaltung stockte. Der Schlitten glitt rasck
über die schneebedeckten Wege an kahlen Bergen und be
schneiten Schonungen vorüber. F
„Erzählen Sie mir etwas von den Verhältnissen in B—
herr Baron!“ nahm Helbig nach längerer Pause die Unter.
zaltung wieder gauf. „Da uns das Schicksal nun einmal zu
ammengeführt hat, so sehe ich es als ein Zeichen des Him
nels an, daß Sie dazu bestinimt sind, mich armen Berlinen
lücklich durch die Gefahren dieser kleinen Stadt mit Lieb
abertheater und Tanzvergnügen hindurch zu führen. Hof
entlich wird das Exil nicht so lange dauern, bis man das
illes satt hat.“ R
„Ei, ei, Herr Kollege,“ rief der Baron und strich sich
achend seinen dünnen Schnurrbart. „Sie stellen sich B
chlimmer vor als es ist. Ich, bin überzeugt, hätte Ihr Herr
Zater B. näher gekannt, er hätte Sie dorthin sicher nicht ir
die Verbannung geschickt.“
„Und wie ist denn B.“““4
„Das will ich Ihnen sogleich sagen. B. ist eine Stad
nit viertausend Einwohnern, von denen ein Drittel etwe
ich zu den sogenannten Honorationen zählt. Unter dieser
donorationen befinden sich vielleicht fünfzig junge Damen
zrauen und Mädchen, die alle nur einen Gedanken haben.
„Das ist allerdings eine anerkennenswerte Seltenheit,
iel Helbig ein, „solche Einstimmigfeit unter Frauen ist ein
Phãnomen.“
Hören Sie nur weiter. Dieser eine Gedanke ist —
ags Vergnügen. Sie sehen also, daß Ihr Exil nicht se
ichlimm ist. man amüsiert sich in B. alle Tage.“
„Aber womit amüsiert man sich? Das ist mir noch un—
fragte der junge Mann. Ohne Theater, ohne
onzerte —“ 4
Man tanzt und tanzt wieder. Zur Abwechselung fähr
nan auch wohl Schlitten, notaͤbene wenn Schlittenbahn ist
- dann spielt man Karten
„Doch nicht die Damenẽ .
Ja gewiß, die jungen Mädchen am eifrigsten. Es gib
ier unter d iungen —— 3 in welcher
en ganzen Aben ist gespielt wird.“
—— eraahblen dist gesp Wunderdinge,“ rief lachent
ovon der Industrie derselben dringend Bertehrs
berbesserung zu erachten ist. Die Vers. nung erwarter
daß, nachdem der eisaß-lothrengische Landesausschuß di
danalisierung der lothringischen Moselstrecle Metz-Dieden
hofen einmütig verlangt hat, auch die luxemburgische Kam
mer und die luremburgische Regierung das ihrige zu
Verwirklichung des großen Werkes ohne weitere Verzöge
rung tun werden“
— s—
Aus aͤller Welt.
Die Berliner Krawalle. Aus verlin-Moabit wir!
gemeldet: Die Stadt gleicht einem Kriegslager. Im Lauj
des Dienstag-Vornittags kamen neue Ausschreitungen vor
Besonders waren es Frauen, die die Masse zu neuen Ge
walttätigkeiten anstachelten. Ein Schußzmann wurde von
Tharlottenburger Polizeipräsidium sehr schwer verlebt auf
gefunden. Seine Uniform war vo—iständig zerfetzt, sei
Helnm zertrümmert. Der Mann schwamm geradezu im sei
nem Blute und dürfte den Verletzungen erliegen. Von de
Bersiner Schutzmannschasft waren am Dienstag morger
38 Mann dienst nsfählg. Ein Geistlicher von der Refsor
matiouskirche wurde von dem Mob aus einer Elekbhtrischer
herausgezerrt und verprügelt. Es geiang ihm mit Wüh
und Not, seine Wohnung zu erreichen. Hierauf wurde ein
Sturm auf die Kirche unte nommen. Durch die Stein
würfe sind in dem Gotteshause große Verwüstungen an
gerichtet worden. Besonders sind die Beleuchtungskörpe
lurz und klein geschlagen. Ein Gastwirt wurde bei den
Kampfe so schwer verletzt, daß er kaum mit dem Leber
davonkonimen dürfte. Seine Frau liegt ebenfalls mi
lebensgefährlichen Verletzungen darnieder. — Am Mitta—
herrschte Ruhe, die Stimmung ist jedoch eine äußerj
schwüle und die Lage für die Bewohner Moabits höcht
kriti.
Die Emdener Spionage-Affäre. Aus Emden wir,
berichtet: Außer den in der Bettmatratze des Unionhotel⸗
aufgefundenen 19 Zeichnungen mit Erläuterungsberichte;
kamen noch drei dicke Notizbücher, die genaue strategisch
Berechnungen enthielten, zum Vorschein. — Der Kano
nier, welcher seinerzeit in Borkum einen der Spione ver
haftete, ist zum Gefreiten befördert worden und hat au
sßerdem eine Belohnung von 60 Mark erhalten.
Gestrandete Torpedoboote. Aus Kiel wird berich
tet: Nach einem bei der ersten Torpedobooisdivision ein
detroffenen Funken-Telegramm des Kreuzers „München“ sind
die beiden Torpedoboote „S 67“ und „S 69* ausgelau
fen. Einzelheiten über den Unfall sehlen noch.
Zwei Knaben ermordet. Ungeheures Aufsehen er
regt unter der Bevölkerung von Kattowitz ein Doppel
mord, begangen an den beiden zehn und elf Jahre alten
Brüdern Woroz Beide Knaben verschwanden Mitte vori
ger Woche plötzlich. Alles Suchen nach ihnen blieb er
folglos. Jetzt fand man die gräßlich verstümmelten Lei
chen in einem nahen Teich. Die Untersuchung hat erge
ben, daß beide, nachdem sie in bestialischer Weise ermor
det worden waren, vom Mörder in den Teich geworie⸗
vorden sind.
Die Cholera. Bisher sind in Budapest neu—
Erkrankungen und vier Todesfälle an Cholera vorgekom
men, wovon bei drei tödlichen Fällen die Einschleppun—
erwiesen ist. In Mohaes sind bisher 48 Erkrankungen
und 25 Todesfälle vorgekommen. — Aus Rom wird be—
tichtett Wie die städtische Sanitätsbehörde mitteilt, wur—
den bisher vier Cholerafälle festgestellt, und zwar je einen
am 15., 23., 24. und 25. September. Die im lester
Falle erkrankte Person ist gestorben. — In Konstan.
bnopelin eine Erkrankung und ein Todesfall an Clo
era vorgelkommen, in Erzerum am 23. Septembe
neun Erkrankungen und drei Todesfale, am 24. Septem
er sieben Erkran ungen und drei Todesfälle, in den vie
Wilajets der Landichaft Yemen sieben Erlransungen und
brei Todesfalle.
Crippens Mord. Nachdem die amtliche Leichen
chau der in Hilidrop Crescent gefundenen Leichenteile ab
jeschlossen worden ist, gab die Jury ihren Wahrspruch al
zuff vorsältzlichen Mord gegen Crippen. Site fügte hinzu
daß die Leichenteile diejsenigen von Crippens Frau sind
und daß der Tod durch Vergiituna mit Hvoscin verus
adst wurde.
Revolverduell. Aus Pelham im Staate Georgu
wird von einem improvisierten Duell berichtet, in den
beide Kontrahenten tot auf dem Platze blieben. Ein Ehe
hpaar Marchant begegnete beim Spazierenfahren der ver
witweten Schwägerin des Mannes mit ihrem kurz zuvo
angetrautken zweiten Gatten, einem Herrn Tate. Da di—
iederverehelichung gegen den Willen der Marchans er
solgt war, kam es zu heftigem Worwechi'el zwischen der
veiden Damen. Auch die Männer wurden in den Zan
hineingezogen und schließlich sprang Herr Marchant von
Wagen herab, sorderte Herrn Tale auf, ihm zu folgen
im nichsten Augenblick haten beide ihre Revolver gezoger
und nach e nem Schnellseuer von wenigen Selunden le
gen zwei Tote anuf der Fahrstraße.
Untergegaungenes Schiff. Im Halen von Sebasto
pol ist ein Unterseehvot mit einer Schaluppe zusammen
gestoßen. Die Schosuspe ist untergegangen; ein Malroi
it er runlen.
Chineßsche Räuber. Ehmesen so len ein russische
Schit; auf deot Zunguari,. 29 Kilometer von Charbin en
— —
Helbig. Junge, Mädchen, vie den ganzen Abend Whis—
spielen, das sind für mich in der Tat ganz außergewöhnlich
Erscheinungen.“
„Da sehen Sie B. liegen,“ rief jetzt der Baron nad
kurzer Pause, als sie auf einer kleinen Anhöhe angelan—
waren.
Helbig schaute neugierig auf den Häuserhaufen, der ein
geklemmt zwischen kahlen beschneiten Bergen sich am Fus
der Anhöhe vor ihm ausbreitete. Die untergehende Sonn.
warf rote Lichter auf die weißen Dächer der niedrigel
häuser und färbte die Gipfel der Berge purpurn. Blauer
Rauch stieg langsam aus den Schornstein empor und verlor
ich in der klaren durchsichtigen Atmosphäre des Winter
himmels; — der Anblick war nicht ohne poetischen Reiz.
„Fahr' zu, Schwager!“ rief der Baron dem Postillon
zu. Vor Sonnenuntergang müssen wir in der Stadt sein!“
Der Postillon ließ sich das nicht zwei Mal sagen. Die
Pferde schüttelten munter ihre Glocken und nun ging es ir
schlankem Trabe den Berg hinunter. Gleich bei Beginn der
Stadt hielt der Postillon vor einem niedrigen langgeltreckter
Vebäude. Es war die Vosthalforoei von B
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„Mein lieber Junge, bist Du es?“ rief eine kiefe wohl
lautende Männerstimme, und zwei Armie strecklen sich den
aus dem Schlitten herausspringenden jungen Manne her—
lich entgegen.
„Lieber guter Onkel!“ rief Helbig und warf sich stür
misch an die Brust eines älteren Herrn, auf dessen freund
lichem Gesicht die hellste Freude leuchtete.
„Guten Tag, Herr Direktor!“ rief der Baron mit höf
lichem Gruße nähertretend. „Es war mir erfreulich au
so unverhoffte Weise vor allen anderen Bewohnern B.'s die
Bekanntschaft des so sehnlich erwarteten Herrn Neffen zu
machen.“
Der alte Herr lächelte und reichte dem Baron zum Gruf
die Hand, während seine Augen voll herzlicher Liebe auf der
stattlichen Gestalt des Neffen ruhten.
Der Posthalter, ein großer, hagerer Mann, stand mi—
einer langen Pfeife im Munde in der Tür und schaute auf
nerksam der Bearüßung zu. Als die Reisenden aber den
dause zuschritten, aing er ihnen einige Schritte entgeden
ind grü—te höflid—