Full text : Dudweiler Zeitung

Wie aus Domodossola bexichtet wird, hat der Turi—
ier Professor Dr. Carlo den Aviatiker Chavez un
erlucht. Das letzte Bukletin lautet befriedigen—
Reir. Das Allgemeinbesinden ist gut, d'e St'mmung des
Patienten vorzüglich, die Pulsschlöge sind erhöht, die
Beinbrüche machen dem Verlebtzten leine allzuwoßen Ve—
chwerden. Es sind jedoch leichte Fieberanzeichen zu ver—
eichnen.

— — ——— — — — —
Vandwirtschaftliches.
Die Ernte in Preußen. Nach dem vom königlich
renischen statistischen Landesamt bei den landwirtschast⸗
ichen Verirauenomännern eingezogenen Eckundigungen wird
ich der voraussichtiiche Errag der Ernte im Rönigreich
Preufen nach dem Staude um Mitte September 1910 be—
ausen: für Winterweizen auf 2097 131 Tonnen gegenüber
em tatfächlichen Ernteererag 1909 von 18756 254 Ton—
ien, sur Sommerweizen auf 276 875 6388 538 Tonnen,
ür Wenterroggen auf 5 134 869 G 471 007) Tonnen, für
Zommerroggen auf 69 911 (70 597) Tonnen, für Som—
ergerste auf 1578 669 (1935 891) Tonnen, für Hafer
uf 5 265 307 (6 050 304) Tonunen, für Kartofseln aus
30276 074 G3 719 634) Tonnen. Die vorstehenden Er
gebnisse für Körnerfrüchte stellen sich gegen die vormonati—
igen bei Winter- und Sommerweizen, sowie Hafer etwas
jeringer, bei Sommerroggen und Sommergerste etwas
jesser heraus. Weitere vorlaufige Schätzungen werden mit
stücksicht auf die nahe bevorstehenden endgültigen Ernte—
schäbungen, die in der ersten Hälfte des November für
ille wichtigeren Fruchtarten und Fut ergewächse eingezogen
verden und Anfang Dezember zur Veröffenilichung gelan—
ten, in diesem Jahre nicht stattfinden.

Vergeshöhen und Meerestiefen.
Während auf der Erdoberfläche mit Ausnahme der
zeiden Polargebiete nur noch wenige gänzlich unerforschie
Länderstrecken aufzuweisen sind, und namentlich die geo—
ogische Beschaffenheit, Höhe der Gebirge, Ausdehnung
derselben ꝛc auf allen Erdteilen ziemlich genau bekanni
— in vie⸗
len wesentlichen Punlten noch unserer Kenntnis. Auch
hierin werden forigesetzt Forschungen veranstaltet, welche
aͤber naturgemäß viel schwierigere Aufgaben stellen, als
die Erkundigungen der Erdoberfläche. Zumeist scheiterte
die Tiefseeforschung an technischen Schwierigkeiten, und
erst seit neuerer Zeit war es möglich Apparate zu kon
struieren, die mit Zuverlässigkeit die größten Tiefen genau
angeben. Auf unserer beistehenden Illustration sind die
wichtigsiten Ergebnisse der Tiefseelotungen wiedergegeben
und zum Vergleich damit, um welch gewaltige Unter—
chiede es sich bei der Tiese des Meeresbodens handelt,
Durch Lotung wurde festgestellt, daß die tiefste Stelle au
dem Weltmeere 9636 Meier bei den Guam⸗Inseln sich
befindet; das ist rund 1000 Meter mehr als die höchste
—

9

——
—2—

—2

1535
A

such im Hause des Grafen Collas-Wolffenstein auf Uhlen⸗
aus:
„Es hat dem Herrn über Leben und Tod gefallen,
meine heißgeliebte Frau, unsere teure Mutter, in der
Nacht vom 23. zum 24. Dezember durch plötzlichen Tod
am Herzgschlage aus unserem Kreise abzuberufen. *
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen
Graf Collas-Wolffenstein auf Uhlenhaus.“.

9 6G4yitel“

Schwer war die Zeit, die in Uhlenbaus dem vlößlichen
dinscheiden der Gräfin folgte. —
Der Graf lag selbst noch auf dem Schmerzenslager und
illes, was angeordnet werden und geschehn mußte im Hause
und in den zerrütteten Verhältnissen, die weit hinaus aus
den Mauern desselben reichten, war nun selbstverständlick
in Ernsts Hände gelegt. Und da war es gut aufgehoben
Wenn Astrid je gezweifelt hätte, daß er ihr starker
Schutz und Halt auf Erden sei, daß ihr Glück und Frieden
allein in seiner Liebe ruhe, so konnte sie jetzt klar darüber
verden und stolz auf ihrem jungen Gatten sein.
Die Gräfin ruhte schon in der Gruft unter der Kirche,
als der kaum genesene Gatte erst imstande war, an ihrem
Sarge zu knieen, für ihren ewigen Frieden zu beten. Aber
Friede, milder, schöner Friede war in dem alten Schloß mil
seinen Zinnen und Erkern, seinen blumigen Wallgräben und
jrünumrankten Veranden eingezogen, als der Sommer
eine warme Sonne darüber strahlen ließ. Die furchtbare
Erschütterung, der tiefe, brennende Schmerz der Tochter, in
deren heiße Tränen sich ein Weh mischte, so herb, wie wenige
Töchter es am Sarge der heimgegangenen Mutter, welche
die Brautkrone ihnen liebend ins Haar flocht, empfinden
müssen, regte Astrids weiche Seele bis in ihre Tiefen auf.
Schwer litt sie, und die bange, angstvolle Frage: Habe
ich nicht an ihr gesündigt? Muß ich nicht bereuen, ihrem
Wunsch und Willen mein Glück nicht zum Opfer gebracht zu
haben? mußte der liebende, geduldige Gatte oft und oft
mit sanftem Trost aus ihrer zagenden Seele nehmen, mit
ernstem Hinweis auf das heilige Wort, das uns alle Kinder
nennt und uns allen Verzeihung zusagt, uns allen, die wir
ieben und ie Liebe zu Gott und den Menschen als höchstes
vebot ehren.
Und allmählich ist aus den Tränen das friedvolle
Eoaln omnrdan rit vom ci Tob 21 Sor f ——— 6G440

Erhebung von Geblrgen uver dem WMeerestspiegel (Oi
nalaya) beträgt. Eine ähnliche tiese Strecke, der Korma
dec⸗Graben (9427 Meter) befand sich nordöstlich von Neu
seeland zwischen dem 10. und 40. Breitengrad. Bis vo
urzer Zeit galt als tiefste Stelle des Stillen Ozeans das
Tuscaroratief (8613 Meter) im Osten des japanischen In
selreiches. Die mittlere Tiefe des Stillen Ozeans wirt
zuf 3900 Meter bemessen. Für den atlantischen Ozean
ind im allgemeinen auf diesem Gebiete niedrige Fifferr
estgestellt worden; die tiefste Stelle bildet jedenfalls de—
Portorico-Graben in Westindien mit 8340 Meter und das
Zrasilianische Becken mit einer durchschnittlichen Tiefe vor
7370 Meter. Nördlich des Nordafrikanischen Beckens in
»er Azorenrinne ist gleichfalls noch eine besonders tief
Ztelle von 6295 Meter beobachtet worden. Im großen
ind ganzen zeigt der Atlantische Ozean aber geringer.
diesen als der Stille Ozean; im Durchschnitt wird sie au
3763 Meter geschätzt. Verhältnismäßig am flachsten ijs
»er Indische Ozean, der seine größte Tiefe westlich Au
traliens bei den Koeling-Inseln mit 6459 Meter besitzt
Ruu Mitiel h der Indische Odean 3654 Meter Tieie

Aus aller Welt.
Teueres Geld. Die dReichsbank erhöhte den Diskont
von 4 auf 5 Prozent, den Lombardzinssuß von 5 aufté
Prozent.
Ehrung des Professors Ehrlich. Der Bundesra—
hat Professor Ehrlich, den Ersinder des Heilmittels „606*
zum Mitglied des Reichsgesundheitsamts gewährt. —
Aus Kopenhagen wiro ein neuer großariiger Ersoig mit
‚Ehrlich 606 gemedet. Ein junger Mann, der an völii—
ger syphilitischer Taubheit litt, erhiett vor zehn Tagen
eine Einspribung, die eine derartig guie Wircung harte,
daß der üNRrante jetzt laute Ruse vernehmen kann.
Neue Krawalle in Berlin. In Moabit fanden
wieder Zusammenstöße zwischen der Polizei und Ausstän—
digen statt. Die Schutzteute sind zetzt angewiezen worden,
auss schärfste vorzugezen. Amtlich wird vetdannt gemacht,
daß auf Frauen bei den Kämpfen teine diücsicht genom
nen werden wird.
Dichtender Messingputzer. In einem Berliner Wa
renhause ist ein Messingputzer angesteltt, der schon
nehrnials durch dramatische Dichtungen, die aufgeführ
voucden, von sich reden machte. Es ist Herr Reinh. Pop—
er. Er hat nun eine neue Komödie „Kinder der Pro—
eition“ geschrieben, deren Urauffuhrung demnächst in
Berlin ersolgen wird. Sein Voltsstück „Die Rechtlosen“
das bereits in Berlin aufgeführt wurde, ist soeben vom
Schillertheater in Hamburg-Alcona erworben worden.
Tumult beim Oktoberfest. Aus München wird be—
richtet Nach Schluß des Oktoberseshaupisonntages eut
stand abends auf der Festwiese ein gewalliger Tumult in
olge der Verhastung zweier Messerhelden. Bei der Poli
eiwache, auf welche die Letzteren verbracht wurden, pro
estierte eine 3- bis 4000kopfige Menscheunenge ducrch Lär—
aen und Johlen gegen die Verhaftung. Einem halben
Hundert Schutzleuten gelaug es, die Rendze zu zerstreuen
ohne daß das auf der Wiese bereitgehaltene Mulitäraufge—
bot hinzugezogen werden brauchte.
Ein Hochstapler. Ein gesährlicher Hochstapler ist in
Paris verhaftet worden. In mehreren französischen Garni⸗
onstaͤdten, zuletzt in Rambouillet, also in nächsten Nähe
des Siaatschefs, waren Mitglieder des Offiziertiorps und
ruch der Kommandant der 15. Insanterie-Division vor
einent Hochstapler, der sich den Namen eines Grafen vor
Follier beilegte, in schamloser Weise ausgebeutet worden
Auch auf die Marineoffiziere hatte er es abgesehen, in
dem er in der Uniform eines Schiffsleutinants an meh
rteren Torpedobootsfahrten teilsahm und unterwegs die
Ofsiziere zu allerlei Geschästen veranlaßlke. In dem Ver
hafteten erlannte man einen mehrfach vorbesiraften Gauner
Abgesftürztes Auto. In New-Orleanus ist ein Auto
mobil mit sechs Personen in einen Kanal agestüret all—
sechs sind ertrunken.
Eine Kugel kam geflogen... Der Che,monteur
des großen Metallhauses Clasfing u. Co. in Nottingham
der sich seit einigen Tagen in Calais zur Kur aufhält
unternahm mit seinem achtjährigen Sohn eine Spazier
fahrt auf dem Rade. Plötzlich stieß der Kuabe éiner
Schrei aus. Die Brust war ihm durch eine Kugel durch
bohrt. Das Kind starb auf dem Trausvort nach den
Krankenhause.
Sturz auf der Rennbahn. Bei dem Internatio
nalen Pferderennen bei KRlamenbong (Dänemark) stürzt
das deutsche Pferd „Conradi“ mit Freiherrn von Wangen
heim, der eine Gehirnerschütterung erlitt.
Der neue Lordmayor. In den nächsten Tagen wird
der neue Lordmayor von London gewählt werden. Als
aussichts reichster Kandidat kommt ein fanatischer Alkohol—
gegner in Betracht, der schon jetzt erklärt hat, daß er den
Trinkspruch auf König Georg mit Limonade ausbringer
verde, was, wie er sagte, gesetzlich zulässig sei.
Dr. Crippens „Memoiren“. Wie eine englische
zeitung zu berichten weiß, ist Dr. Crippen, der unter der
Antlage steht, seine Frau ermordet, die Leiche zerstückelt
und dann in seinem Lreller begraben zu haben, gegenwär—
tig damit beschäftigt, seine Memoiren zu schreiben, ein
Werk, das bei der trostlosen Sensationslust des englischen
Ruws: e seider sehr viese Güufer ünden dilrfte

aufsieht, während sie still neben ihm auf der Veranda sitzt
das Haupt an seine Schulter gelegt, nach dem Walde hin
ussieht, und das noch glücklicher wird, wie sie ihr holdes
chönes Antlitz dem greisen Vater zuwendet, der auf ihrer
inderen Seite im bequemen Korbsessel mit ruhevoll gefal
eten Händen und stillen, frohen Augzn in den Sommer
ibend blickt, der goldigrot über den leise rauschenden Bäu
men, den schimmernden Blumen und dom anftarünor
Rasen liegt.
Unten aus dem Waldpfade biegen jetzt zwei frische
seitere Gestalten, Frau Kern und Linga, denen ein schlanker
nabe mit ernsten, tiefen Augen folgt. Es ist Grothe, der
nit seinem geliebten Lehrer und dessen Familie die Pfingst
erien in Uhlenhaus zubringt, denn schon lange braucht die
Irdßmutter keine Pflege mehr und schläft den ewigen
Schlaf. Herr Kern hat die hohe Freude gehabt, daß sein
Woerk an der abirrenden Seele des Knaben kein vergebliches
war, daß dieser reichbegabte Geist von ihm den hohen und
edien Zielen für menschliche Kraft und Begabung zuge⸗
xendet und gerettet wurde.
Und was ihm noch nicht gelingen wollte, den verschüch—
erten, bangen Blick seines Auges strahlen zu machen, auf
zie allzuhart geschlossenen Kinderlippen Lein kindliches
rdachen zu zaubern, das gelinat nun Affrids umsglicher Giu—
ind Milde.
Auf, den Stufen der Veranda aber bleiben die vom
angen Wandern Zurückkehrenden in stummem, heiterem
Sruße stehen, denn Graf Collas winkt ihnen bittend mil
er Hand. Hört er doch gar zu gern die weiche, tiefe Män⸗
rerstimme, welche aus dem früheren Salon Astrids, dessen
Fenster weit geöffnet sind, von leisen, ernsten Accorden be—
zleitet, so rein und andachisvoll hinaustönt in den Sommer.
ibend. hinein in all die tief dankbaren, friedvollen Seelen:
„So jemand spricht: Ich liebe Gott —*
Und haßt doch seine Brüder, —
Der treibt mit Gottes Wahrheit Spott
Und reißt sie ganz danieder. V
Gott ist die Lieb und will, daß ich
Den Nächsten üche
Rleich Is michl“
*5̃ —

Was zu viel ist, ist zu virr Ein bekũmmerie
z5hemann erläßt in einem pfälzischen Sat: folgende trüb
elige Bekanntmachung: „Hierdurch gebe ich bekannt, dal
hh für überflüssig gemachte Schulden meines Weibes Ka
harina nicht mehr auskomme. Fünf Mark Bier pro Tag
ind einen Lot Schnunitahafk dor bhroaucht'æ nicht für ei
24 2 10

Furchtbares Verbrechen. Nach einer Meldung aus
Zan Francisco wurde dort ein surchtbares Verbrechen ent⸗
zeckt, das in sesnen Einzelheiten an den Mord des Dr
Crippen erinnert. Ein bei einem Arzt bediensteter junge
Bureauangestellter machte die Polizei darauf aufmerksam
daß in dem Keller des Hauses ein Leichnam vergräber
sei. Die Polizisten enideckten in der Tat uner einer
—RDV
nam eines Mädchens namens Swan, erner Lehrerin, die
seit dem 20. April verschwunden war Eine Untersuch
ung ergab, daß der betreffende Arzt an dem Mädchen
eine Operation vorzunehmen verfuchte, und daß bei die—
sem Versuch das Mädchen gestorben ist. Die Polizei nahm
den Arzt fest, ebenso seine kranke Schwägerin, ein Fräu—
lein Messerschmidt
Folgenschwerer Zusammenstosz. In Tipton City
(Indiana), stießen auf der elektrischen Siraßenbahn zwei
Wagen zusammen, wobei sechs Personengetöten
und sechs schwer verleßt wurden

Der deutsche Kronprinz, der vbekanntlich als Füh
rer des 1. Bataillon des 1. Garde-Regiments zu Fufs
im Herbstmanöver des Garde-Korps teilnahm, hat wie—
»er einmal köstliche Proben seines Humors gegeben. Das
Bataillon befand sich im Biwak bei Tremmen, wobei sich
vie üblich, auch viele Zivilpersonen der Umgegend ein
gesunden hatten. Die Nachricht, daß der Kronprinz eben
falls im Biwak weile, verbreite!e sich mit Bäüitzesschnelle
und namentlich die jungen Damen eilten in die Nähe de—
fronprinzlichen Zeltes. Nach dem Abkochen des Mittag
essens wird allgemein im Biwak Kurzweil geteieben. Auct
dronprinz Withelm ist kein Freund von Traurigkeit und
heteiligt sich an den Späßen der Mannschaft. Als er die
holde Mädchenschar erblickte, kam ihm ein guter Gedanke
Er proklamierte eine Schönheitskonkurrenz und beschenkt
die Preisträgerin mit Schokolade und andern Süßigkeite
uid, als der ganze Vorrat erschöpft, mit seinen Zigare!
ten. Galanter als s. Zt. Paris hatte er zum Schluß al
len Damen Preise zuerkannt... Eine ganz besonder
Auszeichung wurde drei jungen Damen zuteil, die de
Kronprinz bat, seinen gerade nicht anwesenden Küchenche
n vertreien und ihm auf dem offenen Holzfeuer für sie
ind seine Offiziere einige Eierkuchen zu backen. Die ‚Feuer
robe“ wurde glänzend bestanden. Dem Kronprinzen mun
beten die Eierkuchen so vorzüglich, daß er den „Biwak
dochkünstlerinnen“ ieine arößte Hochachtung aussprach. —*
Die Putzfrau am „Feuerschrein“.) Ein Geschicht
hen, das den Vorzug hat, wahr zu sein, ereignete sich
unlängst in Wiesbaden. Nach einer Verordnung des In
ttizministers sind die Testaments- und Nachlaßakten in ei
nem feuersicheren Schrank unterzubringen. Als kürzli«
über dem Schrank an höhere Stelle gemeldet wurde, das
er auf einem Holzpodest stehe, erging sofort die Verfüg
ing, sur eine feuersichere Unteriage zu sorgen. Dlese
Aufforderung kam man dahin nach, daß das Untergestel
mit einer feuersicheren Lösung versehen wurde, worau
man die Verbesserung im Instanzenweg vorschriftsmäßi—,
neldete. Als hierauf unlängst eine aufsichtsführende Per
önlichkeit sich von der Neuerung überzeugen wollte, ge
vahrte sie eine Putzfrau damit beschäftigt, in unermüdli
hem Fleiß mit Wasser und Seife auf dem jeuersicher her—
gestellten Untergestell herumzuarbeiten. Als diese in ein
niicht wenig erstauntes Gesicht schaute, meinte sie in ech
iassauischent Dialekt: „des is awwer e bös' Zeug, was
e do druff gemacht hawwe, awwer ab krieg' ich's doch.“
Unwillkürlich veränderte sich das strenge Gesicht des rich
lerlichen Herrn in ein mildes Lächeln.
Verhaftung eines Animierbankiers. Unter dem
Verdachte des wiederholten Betruges in Börsengeschäften
vurde der ungarische Staatsangehörige Otto Satt
ner, der Direttor des Bank-⸗, Kommissions- und Finan
zierungsinstituts „Merkur“ in seinem Berliner Bureau Oro
nienburgerstr. 26 verhastet. Sattlser kam vor etwa 3w
Jahren völlig mittellos nach Berlin und erregte zuerst da
durch einiges Aufsehen, daß er bei einer hiesigen Banm
firma, für die er KRunden zu gewinnen sruchte, eine Kun
denliste unterschlug. Wegen dieser Tat wurde er damal
zu einer Geldstrafe von 1000 Mark verurteilt. Spaͤte
gründete er eine Bank für Prämienhandel, die er „Mer
kur“ benannte und suchte durch eine umfangreiche Ani
miertätigkeit mit Hilse von vielversprechenden Jirkularen
ind Telegrammen unwissende Personen zu angeblichen Prö
niengeschäften an der Vörse zu verleiten. Da Sattle
elbst nicht zur Börse zugelassen war, so kamen die ihn
rteilten Aufträge naturgemäß niemals zur Ausführung
r steckte vielmehr das Geld einfach ein, und wenn di
Ipfer dann im Falle eines Gewinnes diesen heraushabern
vollten, so suchte er durch allerhand Manipulationen ins
esondere durch das Angebot von neuen Geschäften, der
gewinn solange zurückzubehalten, bis er völlig aufgezehr
var. Seine Praxis ist seit Jahren u. a. auch in de
Frankfurter Zeitung“ scharf verurteilt worden. In wel
hem Umsange es Sattler verstand, Kunden heranzuziehen
zeht auch daraus hervor, daß er in seinem in der Ora
nienbvurgerstraße belegenen Bureau etwa zwaäanzig Ange
stellte beschäftigte. Die Verluste, die ihm zuzuschreibeit
sind, dürsten sich auf viele Hunderttausende belaufen. Die
vielen Denunziationen, die sich in letzter Zeit sehr häuften
eranlaßten die Kriminalpolizei nunmehr die Verhaftun—
Zattlers vorzunehn—

Bermischtes.
der ortograhf. Seit einiger Zeit erscheint eine Zeit
schrift „der, ortograhf“, herausgegeben von „kand. der fil
f. mälis, sprahchlerer in noistat (holst.)“, die es sich zu
Aufgabe gemacht hat, die Deutschen mit einer neuen lau
reinen, das heißt angeblich genau die Aussprache der ein
zelnen Worte wiedergebenden Rechtschreibung zu beglücken
Als Probe dieser neuen Orthographie sei hier ein Al
schnitt aus der Zeitschrist ae n a u na * —
ainal wiedergegeben.
an unsre miig'ider unt leser richten wihr di drin
gende bitte, uns fortwärent genaue adressen son be
anten, denen die tsusendung aines probeheftes unsre
)xtografen unt ainladung tsum aintritt in den ferai
oder tsum abonmang erwünscht sain könte, mittsutailer
tsuglaich bitten wihr, uns mittailung tsu macher
ven inen in isaitungen erwänungen oder beschpechunge
des ortografen bekant geworden sind, uns womöhtlic
den betreffenden artikel mit angabe der tigitung unt d⸗
datums tsuschikken tsu wollen.
ich habe aine antsahl plakate hehrschtellen lasser
velche di wichtichsten angaben über den ferain füh
auttroie rechtschraibung enthalten unt tsum aushaͤnge
in öffentlichen orten, wi gastwirischaften, barbihrläder
chaufenstern fon buhchhändlerläden usw. beschtimt sind
allen herren, welche auf dise waise führ den ferain isr
wverben berait sint, wehrden si unentgeltlich tsugesant.
In dieser Wiedergabe haben wir nur die in jene:
Zeitschrift neu eingeführten Zeichen für sch und ng nich
angewendet, da unsere nicht „lautreine“ Setzerei sie nich
besitzt. Bis jetzt sind wir ohne sie ausgekommen, we
—
virt

Mahler-Intermezzo. Aus den Münchener Mahler
Tagen erzählen die „Signale für die Musikalische Welt“
Rustav Mahler eilte zur Probe zurück, die durch ein
Frühstückspause unterb hochen worden war. In den wei—
äufigen Nebengebäuden der Musikfesthalle hatte er di
Zrientierung verloren und wollte einen Raum durch
chreiten, in dem verschiedene Arbeiter beschäsftigt warer
Hier können Sie nicht durch“, herrschte ihn ein unisormie
er Diener an. „Aber ich bin doch der Mahler, ich wir
ur Probe“, wandte der Komponist ein. „Einerlei, ob S
Naler oder Lackierer sind, hier können Sie nicht durchve
eron“ oↄrsodingte der Korsorus die Kontraverẽ

BPreußzens reichste Städte. Nach den neuesten e
zebnissen der Einkomnmen- und Erganzungsveranlagung
die Frage, welche Städte in Preußen die reichsten sim
m statistischen Landesamte jetzt einer Bearbeitung unte
zogen worden, die demnãchst verössentlicht wird. Wir e
hren daraus: Während in Berlin auf je 10 000 En
vohner nur 8,4 Millionäre entfallen, betraͤgt die Zisse
bei'Bonn 185,3, bei Charlotienburg 17,8, bei Frankfurta
di. 177 und bei Wiesbaden 20,7. Die uralte, schon vo
den Römern bevorzugte Badestadt ist also diejenig
Stadt Preußens, die verhältnismäßig die meisten Milli
A vbederbergt. Es sind ihrer nach der letzten Zählu—
nicht weniger als 232 gegenüber 142 vor zehn Jahre.
Züsseldorf bat, obwohl es die doppelte Anzahl Einwol
net“ hat wie Wiesbaden, nar 196 Vlittionzre. Scheib
nan aber die Millionäre in zwei Klassen, in Mark— un
Talermillionäre, so verblaßt der Ruhen Wiesbadens. u
er seinen 232 Millionären sind nur 78 Talermillionäe
vährend in Düsseidorf auf 196 Millionäre 94 Talerm
ionire, in Charlotten urg auf 381 Millionäre 247 2
ermillionäre, in Fran surt auf 584 Millionäre 154 2
sermillionäre und in Berlin auf 1458 Millionäre 6.
Talermillionäre kommen. Zehnfache Talermillionäre
sitzt Preußen nach den letzten Feststellungen 353.
Journalist als Ehrendoktor. Es dürfte ein sei.
ner Fall sein, daz ein Doktordiplom die journalistisc
ind politische Tätigkeit eines Mannes in der Würdigu—
einer Verdienste der rein wissenschaftlichen gleichstellt. D
uum goldenen Doktorjubiläum erfolgte Erneuerung de—
diploms ˖ für den bekannten sihwäbischen Journalisten ur
Politiker Dr. Wilhelm Lang in Stut!gart durch die phi,
ophische Fakultät Tübingen, rühmt neben seinen Verdi.
ten um die iitalienische Literaturgeschichte und die den—
che Biographie, daß Dr. Lang seine ganze Kraft ein
setzt habe sü die Förderung des politischen und geistir

WVnh. a4 J
debens der Schwaben, daß er fast 45 Jahre mitien —
‚olitischen Kampf journalistisch tätig war und sich seine,
Nitbürgern und dem Staat nie versagte. Dr. Lang, de
1832 in Tuttlingen (Württemberg) geboren ist, war vor
860 bis 1904 Redakteur am „Schwäbischen Merkur“ in
AVD
ührende Rolle bei der Gründung der „Deutschen (natio
nalliberalen) Partei“, die in Württemberg den deutschen
Finheitsgedanken in Bismarcks Sinne verbreitete

Gerichtszeitung.
H Weinfälschungen. Die Koblenzer Strastau
mer verhandelte gegen den Winzer Fritz Bai aus Ern
wegen Weinfälschung. Er soll seinen 1907er Wein durd
Zuckerlösungszusatz erheblich vermehrt und ihm Sprit zu
gesetzt haben. Es handelt sich im ganzen um 19 Fuder
Der Angeschuldigte gab an, jedem Fuder 2 Zir. Zucke
und 80 Liter Wasser zugesetzt zu haben. Jedes Faß se
mit einer halben Dreiviertelliterflasche Weingeist ausge
pült worden. Ein Teil der Weine war zu 460 M. pr
Fuder verkauft worden. Der Preis wurde von mehrere
Veinkommissionären als angemessen bezeichnet. Ueber di
Qualität der Weine und deren Verbesserungsweise, gin
zen die Meinungen auseinander, ebenso widersprachen sie
die Gutachten der Sachverstäändigen. Das Gericht erkannt
auf Freisprechung. — Der Winzer Nik. Brauc
aus Schweppenhausen war ebenfalls wegen Ueberstrecken
von Wein angeklagt. Er hatte seinem 1908er Wein 25
Liter Zuckerlösung zugesetzt. Der Kellerkontrolleur bean
tandete drei Fuder, worüber sich bei der Beweisaufnahm.
Kontroversen ergaben. Das Urteil lautete nach Beweis
aufnahnme auf 50 Mark und 'Einziehung eines Fuders. —
Der Winzer Josef Stadtfeld aus Bullay war be
schuldigt, 1908er Wein erheblich vermehrt und gewerbs
näßig Tresterwein hergestellt zu haben. Stadtfeld er
lärte, jedem Fuder 152 Pfund Zucker in 100 Liter
Wasser zugesetzt zu haben. Tresterwein habe er nicht ge
hraucht. Die Sachverständigen sagten, der Wein schmed
arm, säurearm, habe überhaupt keinen Weingeschmack un
—
50 Mark und Einziehung eines Fuders

Vintentius von Vaul.
(Zu seinem 250. Todestage am 27. Septembe
Auf den 27. d. M. fällt der 250. Todestag von V—
zenz von Paul des Stifters der Bazaristen, sowie der
fellschaft der Barmherzigen Schwestern (Venzentinerinnern
jenes bekannten großen Wohltäters der Menschheit, der
Jahre 1737 heilig gesprochen wurde. Vinzenz von Po
(mißverständlich oft Vincenut de Paulo genannt) wur
am 24. April 1576 zu Pouy in der Gascogue als So
armer Eltern geboren. Im Jahre 1600 empfing er
Priesterweihe; mehrere Jahre später fiel er auf einer R'
in die Hände von Seeraͤubern und wurde als Sklaven
Tunise verkouiß Mach seiner Wefreiuna wurde er

rifius uW aub
Zausgeistlicher der Königin Margarete und dann sp—
n verschiedenen Orten als Pfarrer angestellt. Infolge
ier erfolgreichen Tätigkeit fuͤr innere Mifsion, sowie
ser Seelensorge unter den Galeerensklaven wurde er v
rönig Ludwig 8. vielfach und in hervorragender We
usgezeichnet. In den letzten Jahrzehnten seines Lebe
vidmete sich Vinzent von Paul fast ausschließlich den v
hm gegründeten wohltätigen Gesellschaften. Er starbe
»7. September 1660 in Paris; im Jahre 1885 wurde,
urch Papst Leo 13. Vatronalier Werte der chrittlid
24hesfatigteit
            
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