ver Zeuge eriarte auf die Frage des Verteidigers, daf
»as Pholographieren der Forts nicht, das Sktizzieren aber
treng verbosen sei. Die Fortsetzung der Verhandkung ist
nuf 28. Septeniber ver agt worden, ein Antrag auf Laaitutlassung
abgelehnt.
J9 Freisprechung. Die Oberkriegsgerichtsverhand!ung
a Berlin gegen den Sergeanten Tetzkaff, der lang—
ähriger Unierschleise beschusdigt wurde, endete mit der
Freisprechung des Angeklagten. Das Gericht war, wie es
n der Begründung hieß, wohl der Uebeczeugung, daß
rhebliche belastende Momente gegen den Angeklagten spre—
hen, doch wunde der Hauztbelassung zeuge nicht für so
laubwürdig erachtet, um eine Werurteiluna des VRnze—
lagten herbeifübren zu förnen.
Arbeiterbewegung.
— Zur Eisenbahnerbewegung in Frankreich. Der
disziplinarcusschuß der versigat ichten Westbahnen sprach
mit zehn gegen zehn Stimmen die Ansicht aus, daß de—
Sekreiär des Eisenbahnersyndikats Renauli wegen
einer revolutioniren Broschüre über den Syndikalismiu«s
aus dem Dienste entlhassen werden solle. Die zehn
em unteren Personal angehörenden Mitg ieder des Aus
chusses haben gegen diesen Beschluß Einspruch erhoben
stenault erklärte einem Berichterstatter, die Regierung
wolle durch seine Maßregelung offenbar die Eisenbahne.
eranlassen, zu einem ihr selbst genehmen Zeitpunkt in din
Ausstand zu treten. Die Eisenbahner würden sich hüten,
n die Falle zu gehen.
— Beendeter Ausstand. Der Ausstand der Bergar—
zeiter in Idaho ist auf Grund der von dem General—
apitän gemachten Vermittelungsvorschläge beendet.
Ddie Arbeit wurde wieder aufgenommen
— —ü—
Von der Luftschiffahrt.
*Deutsche Flugmaschinenführer. Drei
ieue deutsche Flugmaschinenführer haben ihre Piloten
zrüfung bestanden. Auf dem Flugfelde Johannisthal ab—
olvierte der erst 18jährige Pilot Bruno Jablonski die
zedingungen, während auf dem Flugfelde Mars bei Bor—⸗
um die beiden Grade-Piloten Ingenieur Kahm und In—
enieut Rande die vorgeschriebenen Flüge ausführten.
Ueber Feanenarveit im dreenst
ällt en Ponrenner in ba Bert. N. Nachr.“
in aufsalleed harres Ureil:
„Der vollige Maungel an Diensunteresse uno Diensteifer
ind es, die vei weioblichem Personal eine andauerud
nännliche Beaussichtigung ersordernich machen. —DE
iese sehlt, stoctt die Arbeit. Unter Schwasen, Kichern
ind Sireiteresken wiro dann alles vecgejen. Ueberalt vil
en Streitereien und Zäncerelen, gezenseitige Verreumdun—
sen und Angeberelen auscheinend ein verensbedurfnis fur
ie Frauen, welche durch außeren Zwang in gemeinsamer
rätigkeit gehalten 1den. Streitigleiten und Nieinungs—
mterschiede tomm «verall vor, wo eine gröoßere Anzahl
Nenschen auf einaner angewiesen sind. Abver unter den
veiblichen Beamten hundertmal mehr als unter minnli—⸗
hen Beamten. Bei den Frauen spielt in den menge.t dee
er Fälle die gegenseitige Eifersucht, der Neid wegen ir—
end welcher körperliicher Vorzüge, wegen Kleidung und
dutz eine sehr große Rolle, was bei den Männern fort
allt. Ein trefflicher Beleg für diese Mißgunst und Un
erechtigkeit ist es jedenfalls, daß vor einigen Jahren die
zariser Fernsprechgehilfinnen bei dem Ministerium um
lschaffung der weiblichen Aufsichtsbeamten vorstellig wur—
en und ihren Antrag damit begründeten, daß früher un
er den maͤnnlichen Aufsichtsbeamten Gerechtigkeit geyerrscin
sätte, dann aber unter den weiblichen Aufsichtsbeamten
ur Parteilichleit, Neid und Haß vorhanden und die
zerhältnisse unerträglich geworden wären. Ueber die Ar—
eit und die Leistungsfähigkeit weiblicher Beamten läßt
sch nicht viel Gutes sagen. Gewissenhaftigkeit, Grund⸗
ichleit und Ausmertsamkeit, diese Grundbedingung jeder
rdentlichen Arbeit und jeder Tätigleit, sehlen den Fraten
sänzlich. Sie sind nie vollständig bei der Sache, mit der
je beschästigt sind. Dazu kommt der Mangel an Uever—
egung und die Unsfähigleit zu intensiver Anstrengung. Aus
iesen Gründen können Frauen nur sehr einseitig ver—
vendet werden. Zu allen Arbeiten, die größere geistige
der körperliche Anspannung erfordenn, sind Frauen nicht
u gebraͤuchen, ebensowenig zu Arbeiten, bei denen es sich
uim Ueberlegung, um Nachdenken, um eigene Enischließaug
und um Entschlossenheit handelt, überhaupt zu allen
Iebeiten, die sich in einem gewissen Kreislauf bewegen
ind immer wiederholen, können Frauen beschäftigt wer.
en. Und wird dann der gewöhnliche und gewohnte Laus
er Dinge durch etwas un erbrochen, dann stehen die Frauen
atlos und hilflos da und wissen sich nicht zu helsen..
leber das persönliche Auftreten und Verhalten genügt eint
urze Bemerkung. Andauernd beherrscht sie das Gefühl
iid die Einbildung, daß sie Damen sind. Sie können
oder wollen nicht begreifen, daß sie seit dem Augenblick,
n dem sie als Mitbewerber in dem Kampfe des täglicher
Lebens als Konkurrenten der Männer auftreten, keinen
Anspruch auf irgendwelche Vorrechte mehr haben, daß sie
um die aleichen Rechte und ebenso die aleichen Pilichten
leine Gütchen, welches er gekauft, hatte ein in der —*
ohnender deenne in Verwaltung genommen, und Erns
sduuete nach wie vor seine ganze Arbeitskraft als Ine
eftfor dem Grofen Cossas. Mit diesem batte er sich raich
erstandigt, daß, bis zu Astrios voutger Genesung, nichts
n ihrem Verhältnis geändert werden sollte, daß er sogar
ie bisherigen Sonntagsdiners für sich aui seinem Zimmer
ehmen wollte.
Aus Berlin waren zwei renommierte Aerzte gekommen.
der eine, frühere Hausarzt des Grafen, verblieb einstweilen
m Schloß. Beide nahmen den Fall nicht unbedenklich,
ahen sich ernsthaft und im stummen Einverständnis an bei
er Untersuchung und hofften das Beste von vortrefflicher
8Rflege, größter Ruhe, ungestörtem Seelenfrieden und der
Aühend kräftigen Jugend der Komtasse.
7
z GKapitel. ——
Herbststütrme umbrausten die starken, roten Mauern
on Uhlenhaus. Die Kletterrosen waren abgeblüht und
raun und dürr hingen die letzten Blätter an Baum und
Ztrauch, traurig glitzernd im Regen oder feuchtkaltem Ne—
el, der meistens den Blick auf die Ebene, auf die fernen
dünen und den blaugrünen Streifen der See am Gorizont
erhüllte.
Die Ernte war unter Dach und hatte gehalten, was sie
ils gute Mittelernte einst versprach. Die dreijährigen
Fohlen waren bis auf zwei von der Remonte-Ankaufskom—
rission angekauft und sehr gelobt worden. Die Herren
atten einige Tage im Schloß logiert, aber wegen der
drankheit der so schwer verunglückten Tochter den Eindruck
er zwar größten, aber etwas düsteron Gastfroundschaft vononnen.
Mit Astrid ging es langsam besser nach einigen sehr
angen Tagen und angstvoll durchwachten Nächten, die oft—
nals Ernst Kern und die zagenden Eltern in gleichen
zẽmpfindungen sich vereinigen und am Lager der Leidenden
egegnen ließen, ohne die sonstige Fremdheit und Anti—
athie, und Trostworte, Befürchtungen, Hoffnungen tau—
chend in rein menschlicher Zusammengehörigkeit.
Dann freilich, als langsam, langsam der Morgen der
zenesung heraufzog, wurde dies vollständig ignoriert und
nan vermied sich. wie man fonnt—
aben wie die Manner.“ — Die „Braunschweigische Lan—
eszeitung“ vermutet freilich, daß ein „verlnöcherter Hage
lolz“ hier zur Feder gegrissen habe und sie schreibt zu
zerteidigung der Frauen im Postdienst:
„Der alte Herr wird gut tun, sich zertlebens hinler
ie Anonymität zu verschanzen, es könnte ihm sonst pas
eren, daß ihn das schöne Geschlecht, das ihm die Arbeil
o oft verbittert, einmal zur Rechenschaft zieht. Daß die
Zostverwaltung mit der Einstellung von weiblichen Kräf—
en schlechte Erfahrungen gemacht hat, wird durch die im
deichstage von den Vertretern des Reichspostamtes in ver⸗
hiedenen Sessionen abgestatteten, entgegengesetzt lautenden
zerichte widerlegt und auch durch die Tatsache, daß die
zerwendung von Damen von Jahr zu Jahr gewachsen is
ind immer noch wächst. Eür den Telephondienst sind sie
venigstens — aller ihnen anhafienden Fehler und Maͤn⸗
el ungeachtet — unentbehrlich geworden. Daß die weib—
iche Schwäche für Putz und äußeren Tand bei manchen
ich unangenehm geliend machen mag, ist schon zu glau—
en, auch spielt mitunter das Herz der Beanitin allerlei
ble Streiche, aber die Gefamtheit ist sicherlich brauchbar
nd der Durchichnitt brav —;
Aus aller Welt.
Feuersbrunst. Gine Feuersöbeunst zerstörte die große
donzerthalile des Stadtparres in Nugsbnrg, wo turz vor—
er das städtische Orchester een Konzert gegeben haite.
Joses Kainz. Wie die Wiener „Zeit“ meldet, sind
m Naächlaß von Kainz mehrere literarische Arbeiten ge—
inden worden, so eine Tragödie „Perikles“ von außer—
ewöhnlicher Pracht der Sprache, ein Fragment „Saul“
nd ein Entwurf „Helena“, der das Schicksal der Königin
ach der Zerstörung Trojas zum Gegenstand hat. — Jo—
fF Kainz machte am 15. Mai, also zwei Tage vor der
peration, sein Testament, worin seine Frau zur Uni—
ersalerbin eingesetzt wurde.
Eisenbahnkataftrophen. Auf der Staatsbahnsta⸗
ion Rottenmann stießen nachts zwei Schnellzüge in vol⸗
ꝛx Fahrt aufeinander. Beide Maschinen und mebhrere
Vaggons wurden zerirmmert, sieben Personen blieben
ot, 15 wurden schwer verletzt. Aach der amtlichen wiel⸗
ung wird der Personenverkeyr durch Umsteigen aufrecht
rhalten. Im Auftrage des Eisenbahnministers haben sich
on Wien mehrere höhere Funktionäre des Ministeriums
nd der Generalinspektion der Staatsbahn an die Unfail⸗
elle begeben. Es handelt sich um die Schnellzüge Wien—
zenedig bezw. Venedig-Wien. Die Schuld an dem Un—
lück soll den Lokomotivführer des aus Italien kommen—
en Schnellzuges treffen. — Bei Senhora da Hora, nörd—
ch von Oporto, en gleiste ein Vorortzug mit 300 Aus—
üglersi. Etwa 150 Personen wurden leicht verletzt. Ge—
ztet wurde nie nand.
Eiseubahnunßsall. Aus Turin wird gemeldet: Wie
ie „Stampa“ berichtet, ereignete sich in Bekla Vista ein
hwerer Eisenbahnunsal. Ein mit Malerial beladener
Atraßenbahnwagen, auf dem sich auch 13 Arbeiter befsan
en, geriet beim Herabsahren vom Vesuv in eine furcht
are Geschwindigkeit und sprang an einer Kurve aus dem
ßZleis. Der Wagen prallte gegen die Mauer einer Villa.
xin Arbeiter wurde getötet, drei tödlich verletzt unter den
drümmern hervorgezogen. Auch die übrigen Infassen des
Vagens wurden schwer verletzt.
Eine umgekommene Expedition. Der bekannte eng
sche Geograph Thomas Bellys, der eine Erpedition zur
rforschung von Südamerila leitete, ist, wie in einem in
rondon eingelrossenen Briese bestätigt wird, von Aliga—
oren aufgefressen worden. Das kleine Fahrzeug, in wel—
jem sich Bellys mit seinen Begleitern befand, schlug in
inem alidatorenreichen TIuß um
Sin Bürgermeister gegen die Klatschsucht der
zrauen. Der Bürgermeister Keßler in Hattersheim in
dessen hat gegen die Klatschsucht der Frauen fsolgenden
krlaß veröfsentlicht: „Die Klagen wegen Beleidigung und
zerleumdungen nehmen in letzter Zeit unter einem ge—
oissen Teile der Cinwohnersthaft einen bedenklichen Um—
ang an. Die Folgen sind bittere Feindschaften, schwere
)pser an Kostenzahlungen, Verdienswwerlusten usp. Die
lrsachen sind in der Regel stets die gleichen. Während
ie Männer tagsüber auswärts arbeiten, verschwenden
ie Frauen die Zeit zum Klatschen und zu Zänkereien, die
rinderzucht ist eine durchaus verkehrte; die Haushaltung
ber leidet Not. Dem müde heimkehrenden Mann wird
as Tageserlebnis falsch dargestellt, und nun muß der
Nann die verärgerie Frau schüßen, indem er zur Polizei,
um Schiedsgericht oder zum Rechtsanwalt läuft. Das
—
vahre Haͤuslichkeit sucht! Alle Belehrungen, die Frau
nöge in ihrem Haushalt bleiben, dort tätig sein und die
ind den Kindorn ein gemütliches Heim verschafsen, sindt
ei solchen Leuten vergebens. Armutsatteste werden des
‚alb in solchen herausbeschworenen Klagesachen in Zukunfsl
iur in ganz besonderen Fälsken noch erteilt. Die Polizeü
»eamten sind angewiesen worden, solche prozeß- Und jrrein
üchtigen Personen hier namhaft zu machen, um sie in ei—
ier Liste zu vermerken und Hausbesitzer und Mieter
or solchen Leuten zu warnen. Die von den Streitstif—
ern gewöhnlich noch veriange werdenden „Führungszeug—
riassa« mor oq dann demgemoß eingerichotr moron
Aente ung —8
Oer französische Psychialer Dr. Grasset hat eine sehr
eichte Fornm der geistigen Störung konstatiert, die er bei
ielen Menschen sindet und der er den Namen Halbwahn.
inn gegeben hat. Sie äußert sich in irgend einer Schrul—
e, einem bizarren Tick, einer Monomanie, und läßt sich
esonders haͤusig bei genialen Menschen beobachien, viel⸗
eicht nicht einmal, weil sie bei ihnen öfters anzutreffen
ind als bei Durchschnittsmenschen, sondern nur, weil auch
ie intimen Züge im Leben des Genies der Oeffentlich—
eit augehören und von der Wissenschaft stets von neuem
efammelt und erörtert werden. Eine französische Wochen—
VYrist fuhrt eintige solcher Seltsamkeiten großer Geister anu
ie vom Normalen ziemlich stark abweichen und jedenfalls
ie Bezeichnung „Halbwahnfinn“ verdieuen. Der groß
ewton war dem äußeren Leben gegenüber hilflos wie ei
lind. Er hatte daher eine richtige Gouvernante, welch
orgfältig über sein leibliches Wohl wachte, ihm regelmä
ig seine Mahlzeiten vorsetzte und genau acht gab, daß e
uch nicht zu essen vergaß. Eines Tages hat sie einein
dopf mit Wasser aufs Feuer gestellt, um dem Gelehrtei
in Ei zu kochen. Sie wird plötzlich abgerufen und bitte
den Entdecker der Erdgravitation, das Kochen des Eie;
nihrer Stelle zu beaufsichtigen. Sie gibt ihm das E
nudie Hand und eine Uhr und sagt ihm, er solle das
ẽi eine Minute im kochenden Wasser lassen. Als sie zu
ücktehrt, findet sie Newton in tiefes Nachdenken über den
rodelnden Kochtopfe versunken in genauer Beobachtun—
er aussteigenden Wasserblasen. Das Ei hielt er in der
dand und die Uhr hatte er dem kochenden Wasser über
intwortet. Die Zeistreutheit ist überhaupt das Erbübe
er großen Männer. Von dem großen Arzt Pasteu
vird berichtet, daß er an dem Wasser eines Giases, in
em er ein paar Kirschen abgewaschen hatte, ausführlich
lachwies, mit was für gefährlichen Mikroben die Frücht
edeckt gewesen waren, und ausdrücklich vor dem Genuj
es ungewaschenen Obstes warnte, um nachher den In
alt des neben ihm stehenden Glases in Gedanken verlo
en auszutrinken. Abenteuerliche Geschichten erzählt man
ch auch von der Vergeßlichleit des französischhen Mathé
natilers Heuri Peineure, der z. B. einmal groß
lnannehmlichkeisen hatite, weil er aus Versehen im Hoite
ie Bettwäsche in seinen Koffer packte. Der Mitendecke
es Radiums, Pierre Curie, ist durch Zerstreutheit umg
eben gekommen. Er ging in tiefer Versonnenheit mitien
if der Straße, als ein Lastwagen herankam und ihn
ersuhr. Fixe Ideen, die direkt an Wahnsinn grenzen
doen sich ehenfalla hoi arken α ———
Die häusliche Hygiene in England ovligatorisch.
Re von den englischen Behörden ausgearbeiteten Gesetze,
etreffend die häus iche Hygiene, werden demnächst bei den
auseigentümern und Mietern des Distrikts Nottingham
n Anwendung gebracht werden. Diese neuen Gesehee schrei
en jenen Mietern, die mindestens 25 Frank Monalsmiet«
zezahlen, vor, sämtliche Wohnräume mindestens einmal
äglich auslehren und mindestens einmal wöchentlich, am
jreitag oder Sonnabends vormittags, gründlich mit Was—
er aufswaschen zu lassen. Ebenso müssen alle Mieter de
Fenster ihrer Schlafzimmer vormittags und nachmittags
nindestens je eine Stunde ganz geöffnet halten. Jed«
lebertretung dieser Gesetzesvorichrikken wird mit inc
geloͤstrafe geahndet.
Die Belageruug von Straßburg 1870. Die Hoff—
iung. daß nach der Schlacht bei Sedan mit der Gefan—
zjennahnie des Kaisers Napoleont und seiner Hauptarmee
zer Krieg zu Ende sein werde, erfüllte sich nicht. Es kam
war zu Unterhandlungen, die Aber scheirerten, weil die
Franzosen keinen Fuß brei en La des, keinen Stein von
hren Festungen hergeben wollten, während deutscherseits
iuf Abtretung von Eisaß-Lothringen bestanden wurde. Sc
olgte auf den Krieg gegen das Kaiserreich der ungleich
angwierigere gegen die Republik. Unter den nun solgen
»en Kämpfen nimnmt die Belagerung Straßburgs, der
vunderschönen Stadt, eine hervorragende Rolle ein. Di
zinschließung der Festung durch General von Werder be—
ann am 13. August; die badische Division hatte hier die
ßorarbeiten zu leisten. Die harinäckige Verteidigung durck
en Kommandanten, General Uhrich, sowie der Wunsch
ie Straßburger Bürgerschaft einzuschüchtern, veranlaßter
ie deutsche Oberleitung zu einem Bombardement (24. bis
7. August), das die kostbare städtische Bibl othek zerstörte
uud das alte Münster, die Hauptsebenswürdiakeit der Siadt
2
F
—
peschädigte. Oéc dies Bombardement jedoch ergebnislo—
zlieb, wurde zur regelrechten Belagerung geschritten. Nad
chwierigen, durch tapfere Ausfälle der Bedagerten seh
»ft unterbrochenen Vorarbeiten war am 12. September di
zritte Parallele sertig. In den nächsten Tagen wurde in
zen Hauptwall eine Bresche geschossen und alles zum Sturm
»orbereitet. Da kapitulierte am 28. September die Fest
ing, in welcher in den letzten Wochen Hungersnot ge—
jerrscht hatte. Die noch 17 000 Mann starke Besatzung is
iriegsgefangen, 1200 Kanonen und zahlreiches Krieasma
terial erbeutet worden.
Bleu und rouge. Ein Leser teilt der „Frkf. Zig.“
ein kleines Einkaufserlebnis mit, wie es der eine odeir
der andere zu seiner Verwunderung wohl schon gehabs
hat: Ich will mir in einem deutschen Geschäft in einer
zeutschen Stadt eine Krawatte kausen. Eine Dame wird
»or mir bedient.
Verkäuferin: „Gnädige Frau, dieses Blau steh
Ihnen nicht schlecht.“
Dame: Ich möchte etwas Vesseres.“
Verkäuserin: „O, dann empsehle ich Ihnen die
es exquisite bleu.“
(Bei blau blieb sie unbeweglich; als sie bleu aus.
prach, machte Daumen und Zeigesinger die Vewegung
piefein! und ihr Mund rundete sich „distinguiert“.)
Dame: (schhwankt).
Verkäuferin: „Oder wünschen Sie den Stof
r4feicht torh er bon“
4 von der Pammeltkeule des Wyrolopyen Wale
ranche. Dieser klage Logiker bildete sich nämlich ein
venn man den über ihn verbreiteten Geschichten trauer
arf, er trage eine rohe Hammelkeule an der Spitze sei
er Nase. Wenn er sich dem Feuer näherte, so fühlst
rx, wie sie zu kochen anfing. Eine ähnliche Wahnided
chreibt man Hu yghens, dem Begründer der Wellen
heorie des Lichts zu. Er foll sich eingebildet haben, daß
r aus Butter bestehe, und hütete sich deshalb, sich jema“
u erhitzen, aus Furcht, daß er sonst schmelzen könn.
Rm älteren Alexander Dumas war es unmög
H, Samt zu berühren, während sein Freund, der Mäa
er Giraud, einen uniberwindlichen Abscheu dageger
zatte, seine Finger mit Federn in Berührung zu bringen.
Zola litt an einer Zählmanie: er zählte beständig au
er Straße die Gaslaternen, im Eisenbahnzug die Tele
zraphenstangen, im Zinumer die ausgehängten Bilder unt
erknüpite damit abergläubische Vorstellungen.
Landwirtschaftliches.
O Die Welternte. Das Internationale landwirischast
iche Instisut in Rom veröffentlicht über das voraussicht—
iche Ergebnis der Halmfrüchte in einer Anzahl
Länder folgende Schüzungen in 1000 Doppelzentnern:
Weizen: Itallen 45 000 gegen 52 758 im Jahre 1909;
Anzarn 54 018 (34 024); Bulgaien 25 400 (12 500); Ru
näunien 29 625 (15 023); Schweden 1812 (1881); Ver
iinigte Staaten 182 408 (200 630); Kanada 33 417
45 252)3; Roggen: Italien 1360 (1278); Ungarn
5 081 (12 002); Bulgarien 3200 (2100); Rumänien 2237
1784); Rußland 243 130 (228 078); Dänemark 4799
4836); Schweden 5795 (6338); Gerste: Italien 2085
2384); Ungarn 14 224 (16 159); Bulgarien 3700 (2500);
sumänien 6710 (4495); Rußland 117 375 (103 900); Dä
iemark 4462 (5071); Vereinigte Staaten 33 558 (37 075)7
danada 8 576 (21833); Hafer: Italien 4140 (6300);
Aingarn 12 037 (14 207); Bulgarien 2300 (2850); Rumä—
iien 4243 (4046); Rußland 162 737 6(166 450); Däne—
iark 6592 (7297); Vereinigte Staaten 153 601 (149 4150
udn Kanada 43683 (57 1579.
Kunñ und Wissenschaft.
* Arthur Schopenhauer. (Zu seinem 50. Todestag.)
ͤnter allen phisosophischen Systemen kann man eigent
ich nur von einem behaupten, daß es die Gegenwartbe
errsche: von dem Schoppenhauschen, das man kurz als
efsimiz mus 2u h,n—en ufleat. Deom 21. Gentor
(Au? Ehr' und Sel g'eit, blöher hat sie gesag
Ich wolte ihr eben aus Superlativ „am blödesiten“ vo
chlagen, da wande sie sich an mich.)
Verkäuferin: ‚Und Sie, mein Herrk“
Ich: „Eine Krawatte möchte ich haben.“
Verkäuserin: „Darf ich Ihnen in rouge etwa⸗—
eigen?
(Ich nahm die ersie beste und ergriff schleunigst du
Flucht, aus Augit, sie möchze mir am Ende mit no
Awas „rongeren“ auf den Leio gerückt komnmen.“
Der Schiffsretter. Um den Anthony⸗ollock⸗Prei⸗
on 250 000 Frants, der vor 15 Jahren für die —X
Korrichtung zur Lebensreitung auf See ausgeschrieben un
om Pariser Gewerbemuseum verwaltet wird, bewirb
ich neuerdings ein Erfinder aus Kansas City, R. M
zlark, der behauptet, mit einer von ihm etfundenen Vor
ichtung Schlachtschifse vor dem Sinlen bewahren zu kö⸗
en. Seine Erfindung beruht auf einem Luftpumpe
astem, das im Zusammen zang mit einer großen Röhren
Alung sieht, die rings um das Schiff läuft. Hiervon ge
sen doppeile Spieren in das Wasser, an denen schwer
einwand⸗ oder Gummisäcke befestigt sind, die aufgeblase
d versentt werden können und die größte Belastun
ushalten. Unter der Oberfläche des Wassers sind su
zann vollkommen sicher, und das Schiff ist, wenn es vor
ziesen Luftsäcken getragen wird, so lange vor dem Unter
lana bewabrt, wie der Rumpf nur zusammenhält.
Schwindeleien eines Pseudografen. Die Unter
uchung der unleugbar großzügigen, Hochstapeleien de—
geidagenten Joseph Margolin, der jetzt in den Gesfäng
uͤsmauern von Petersburg seiner Auslieserung au di
deutschen Behörden entgegensieht, hat auch den angebu
hen Grafen de La Rame in ihre Kreise gezogen
Zeine Verhaftung erfolgte im Haag. Bei der Un
ersuchung hat man in seinem Besitz Papiere gefunden, di
iuf den von ihm angegebenen Namen Adalbert de iq
same lauten. Man zweifelt aber sehr stark, ob er de—
gzrafentitel zu Recht führt. Der „Grafs“ verneinte aus
rücklich, etiwas von der Wechself ilschung des Agente;
Margolin über 50 000 Mark zu wissen, und beieuerte wie
erhost, er hete mit d'e'en Schwindeleien nichts zu schaß
. gehabt. Wie sich jetzt berausstellt, hat de la Ram
Schwindeleien in größ:em Maße verübt. Seine Heirat mi
der Tochter eines Kommerzienrates kam gegen den Willen
der Angehörigen der Braut zustande. Die Braut war zu
aächst vorsichtig Fensg, fich bei einem Rechtsanwalt nad
ihrem Zukünfsigen zu erlundigen. Zuletzt aber schlug si
die Warnung, die sie dort erhlelt, und die ihr insbeson
dere von der geplanten Trauung in London abriet, i
den Wind und suhr doch nach London, um Gräfin zyp
verden. Der jetzt in Petersburg verhaftete Margolin ver
Ichte schon vor zwei Jahren, für den Grasen Wechse
iber 100 000 Mart un erzubr n,en. Die Berliner Schie
erkreise aber trauien der Echtheit des Grafentitels nicht,
ind so konnte Margolin dama's die Wechsel nicht los
verden. Erst nach der Hochzeit mit der reichen Kommer
ienratstochter gewannen die Wechsel des Grasen in der
Augen der Geldmänner wieder Kredit. Nach der Ver
sjaftung reiste die Galtin nach Berlin. Sie hat den deut
chen Boden aber sogleich wieder heimlich und sluchtarti
oerlassen. Ihr hastiges Verschwinden ist wahrscheinlich
darauf zurückzuführen, daß sie fürchteie, auf Veranlassung
hrer nächsten Verwandischaft zwangsweile in eine Anstal
ibergeführt zu werden.
Die beraubte Silberkiste. Ein großer Silberdted
tahl beschaftigt die Berliner Krimsnalpolizei. Ansans
Zeptember siedelte der Konsal Fuchs von Berlin nac
Nürnberg über und überirug den Umzug einer Berline
Speditionsfirma. Dieser übergab er auch eine Kiste, die
für 25 000 Mark Silberzeug enthielt. Er machte de
Spediteur auf den kostbaren Inhalt der Kiste nicht be
sonders ausmerksam, und so kam es, daß die Kiste au
zinem ofssenen Eisenbahnwagen von Halensee nach Nürr
berg befördert wurde. Als die Sachen in der neug
inhnung des Konsuls ankamen, war die Kiste erbroche!
“res Inhalts beraubt. Wo das Silber gestohlen
st, ob schon in Berlin odder unterwegs oder en
cra. das ließ sich noch nicht festste den. Wahr
ist es, daß der Dieb verzuchen wird, bei Ber—
isteiebhabern und Antiquitätenhändlern soine Beuif—,
zu machen. Die Kunstgegenstände sind altjapani
he, siorrische, eagtische und sranzösische Arbeisen, zu
deil Geschense des Karsers von Japan. Es handelt st
int Silberzeug aller Art, Suppenlöffel, Kasseelössel, Tra
hierbestecke, Toileltesachen, Gabe'n und Messer. Vesonden
—— ist ein 14 Meter hoher altiaponiicher Bronz
uchter
Indirekt. „Unsere Post wird immer unzuverld
igen. Ich werde mich über die unpünktliche Bestellun
zeschweren.“ — „So? Liefert man Dir denn Deine Post
achen nicht pünstlich?“ — „Nein, so zum Beispiel sin
die hundert Mark, die du mir schon vor acht Tagen sen
»en walltest, immer noch nicht in meinen Besitz gelangt!
* —3
Eben deshalb. A.: „Also Sie wollen Sern
Schulze nicht zum Sozius nehmen?“ — B.: Nein, er ver
schwendet mir zuviel Geldl!“ — A.: „Das tun Sie ja abe
auchl“ — B.: Nun, eben deshalb vassen wir nicht wr
mmonle
— — —
zer 50 Jahre verstosen sind, eit denm Tode des Phyiloso
ohen, so dringen wir beute sein Vild. Archur Echopen
hauer war der Sohn der belanlen Schriftstälerin Jo
hanna Schopenhauer, de auch zu Goetee zu Weziehunger
rat und frühzeit g an den 20 Jahre ñu eren Bankier Scho
»enhauer verheirg et wurde. Am 22. September 1788
Danzig geboren, bildete sich der Sohn zunächst nach »
Vaters Willen in Frankreich, England und Haubun
sür den Kaufmannsstand aus und machte mit den Eleu
aingere Reisen aιο i — » —,k fir
7
2
*
35chopermoauor
jeschäft. Als daher der Vater frühzeitig starb, entscr
ch der 21jährige Jüngling für die Gelehrten'aufdas
ind zwar für die Philosophie. Er studierte in Goninger
zerlin und Jena, machte nach Beendigung seiner Studicy
ine Reise nach Italien und habilitierie sich dann in Bet
n als Philosoph. Aber er erlebte wenig Freude an scer
er akademischen Lehrtätigkeit, wohl, weü er durch fe
izwischen veröfsentlichtes Hauptwerk „Die Welt als Win
ud Vorstellung“ (Leipzig 1819) der damals herrschend
tichtung den Fehdehandschuh hingeworfen hatte. Erbitte
og er ich nach Frantfurt a M. zuruck, das er für Deuti
mds gesündeste Stadt erklärte, und lebte hier als Priva
genuer bis zu seinem am 85. September 1280 »riolo
n Tod.— ————