Nummer 218.
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sSonntaꝗgsblatt und Bbeitere Blatter. O pro aspaltige Vetilzelle
23. Jahrgang.
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Blaͤtiern der Rechten kommt die Unzufriedenheit Uver die une. Dagegen ist zu bemerlen, daß die Arbencn der
Anbestimmtheit der Auslasfeng zumAusoruüci, unde die Veichsverficherun gstomuntision wohl kaum umn Abschluß
Deutsche Tageszeitung“ zieht sogar den Scheuß, daß die ommen 35 wann dan Plenum erst an Werhnachien zu—⸗
srtlaärung der „Nordo. Allg. Zid.“ nicht unmitietrar au, ammentreten würde. Man wird in parlamentarischen
herrn von Bethmann zurückzusuühren sei. Besonders un reisen jedenfalls gegen diese vermutlichen Ansichten der
zufrieden ist der konservative „ieichsbote“, der eine Wie iegierang stark opponieren.
derholung der Ereignisse zu furchten scheint, die sich vor * Der Großherzog von Baden verlieh dem Reichstags—
20 Jahren in Frantreich abgespiert haben. Er jchreibt bgeordnelen Bassermaun das Kommandeurkreuz zweiter
Der Reichskanzter erwartet die Hauptsache fur di— klasse des Zahringer Löwenordens.
leberwindung der Verbitterung und der dadurch en stan *In einer liberalen Versammlung in Nordhausen
denen Gefahren von der Arbeitstätigleit der Nation ung eilte Dr. Wiemer mit, daß sich der frühere Kolomialmi—
don den Machtmitieln des Staates; mit anderen Worten ister Dernburg zur Uebernahnte einer freisinngen
der 8* will di Dinge een aher und sich mit b vahlkandidatur bereit erklärt habe.
ien Machtmitteln schüßend daneben stellen, in der Hoff— * Der ne erstaatssekreß 83 6 nen
———
as enungt uichtl wie der ugensche in Zeigt. va die Un. Zarel angehere, daß Deaber semer botischen Gesmnn
nistiedenhent und die Uinsturzparrei meitten in der Arbeirns. Ach zumdrechten Flügel der Nadoniuberasen pr
ätigkeit und neven den starien Machtnuttieln des Staates en reikonserbanipen n elten werd,
tetig wächst. Die Geschichie aller Revolutionen lehrt, dae
die passive Haltung der Regierung — das Gehenlassen “
zegenüber der herrschenden wachsenden Unzufriedenheir,
vie dem Ueberhandnehmen der Umsturzbestcebungen die
tevontion nicht auszuhalten vermochte, daß vielmeyr die
assive Haltung der Regierung ihr zum Ausbruch verhol
en hat. Die Regierung muß in solchen Zeiten eingrei
en, allerdings nicht mit Schlagworten, sondern mit posi
iven Maßnahmen, durch welche die Quellen der Unzu
riedenheit beseitigt und die Entwicklung wieder auf ge
unden Boden gestellt wird. Wenn die Regierung sie
assiß der im Lande herrschenden Unzufriedenheitsbeweg
ing gegenüberstellt und sich auf die Erledigung der Ver—
oaltungsgeschäfte beschränkt, so werden wir bei der For:
auer dieser Agitation bei den nächsten Reichssstagswahlcr
öchst wahrscheinlich zu einer Katastrophe treiben, dem
ie sozialdemokratische Mehrheit wird dann das Zustande
ommen des Budgets verhindern und den Reichstag mi
misturzanträgen überschütten, unter denen jedenfalls de
uf Einführung des parlamentarischen Regiments in erste
einie stehen wird. Wir halten es für sehr bedenklich
denn die Regierung die Unzufriedenheitsbewegung lau
en lassen will, in der Hoffnung, sie werde durch d'ie
rbeitstätigkeit der Nation überwunden werden, und sin
nit ihren polizeilichen und militärischen Machtmitteln da
ieben stellt, um im geeigneten Moment zum Schutze für
»as Erwerbsleben gegen den Umsturz einzugreifen. Diese
Ztellungnahme mit der Versicherung, es liege der Regie
ung jeder Gedanke an eine Reaktion sern, während die
Inzufriedenheitsbewegung die Reaktion bereits in der
orhandenen Zuständen sieht und deshalb an diese Ver
cherung nicht glaubt, erinnert stark an die Haltung de
bzien sranzösischen Minister vor der groken franzesischeu
tevolution. Jedenfalls ist die Lage jetzt sehr ernst, und
urch das bloße Gehenlassen in der Hoffnung auf die
sachtmittel des Staates kann sie nicht geändert werden.
»ie „N. A. Z.“ hätte unseres Erachtens besser gesan, die
dachricht von der Wahlparole zum Schutze der nationalen
irbeit nicht zu desavouieren, sondern im Gegentell die
dotwendigkeit der Schutzzollpolitik groß und stark her—
orzuheben und zug'eich einen Antrag in Aussicht zu ftel—
en, durch welchen die reichen, besißenden Klassen zu de—
)eckung der dringenden Reichsbedürfnisse, wie Veteranen—
ursorge, welche durch die Steuerreform nicht ganz be—
chafft werden konnte, herangezogen werden sollen. Hies,
ei der Steuerreform, liegt, das kann nicht geleugnet
verden, die Quelie der Unzufrieden eit und ihrer Schür—
ing durch die liberale Verhetzungs-Agitation. Deshalb
iuß die Regierung mit ihrer notwendigen Aktion an d'e
en Punkte enetzen, dann kann sie vlelleicht einen Auf—
chwung der Stimmung herbeiführen und wieder Herr der
Lage werden. Die staatserhaltenden Volkskalsen werde;
ie dabei untersffüren
s
Nutzen der heimischen Presse.
Mit begennendem Herbst, wenn die Abende ünger
ind der Ausenthalt im Freien ungemütlicher werden, wirt
er Zeitungslektüre öfler als im Sommer ein halbes
ztündchen gewidmet.
Die Großstadtpresse beginnt aus diesem Anlasse all—
ährlich im September ein Sturmlaufen auf die kleinerer
ztädte und das flache Land. Die Vorzüge der weltstädti
chen Presse werden ausdringlich in allen Farben geprie
en, Probenummern wochenlang gratis zugesandt und au
iese Weise — oft auch durch nicht loszuwerdende Agen
en — immer wieder neue Abonnenten geworben.
Später, bei, Licht besehen, interessiert den auswärti—
en Leser die Haupistadtzeitung herzlich wenig. Dreivier—
dAder allerding“ umfangreichen Auflage sind mit Inse
aten gefüllt, die für ihn nicht in Frage kommen. Der
edaktionelle Teil behandelt in weitschweifigster Weise die
ingelegenheiten der Hauptstadt selbst, und die eigentlichen
zroviuznachrichten, die dem Leser besonders wertvoll sind
undet er nur in ganz geringem Umfange.
Wie anders die Lokalpresse, die, auf heimatlichen
zoden wurzelnd, mitten in den Ereignissen steht und der
zeser hierüber am raschesten und ausgiebigsten informie
en kann. Ihre Inserate sind sämtlich von Interesse, aus
oärtige Begebenheiten von Bedeutung bringt sie gleich—
alls prompt und zuverlässig! Ihr lokaler Teil ist er—
chöpfend und beschränkt sich auf den Heimetsort und di—
ingebung.
Wir bitten aus diesem Grunde alle unsere Leser unt
olche, die es werden wollen, uns nach wie vor ihr Woß
vollen zu erhalten. Wir werden wie bisher, unsere Au—
abe darin sehen, unsere Zeitung in jeder Hinsicht inhals
eich und zuverlässig zu gestalten. Von 100 Lesern, *
ich einer Hauptstadizeitung zuwenden, pflegen nach zwe
is drei Monaten doch sast 90 wieder zur heimischen Ze
ing zurückzukehren, haben aber nicht selten dann d.
jühlung mit den lokalen Verhältmissen des Heimatorte«
ngebüßt
Zum Besuche Kaiser Wilhelms in Wien schreibt de
VBiener „Fremdenblatt“: Dem denchea Kaiser eilen die
Wünsche guter Freunde entgegen. Gute Freundschaft sin
»et Kaiser Wilhelm nicht nur bei dem Kaiser, mit den
hun seit vielen Jahren die herzlichsten Beziehungen ver
hinden, und nicht nur im Kaiserhause, auch die Völ—
ler dieser Monarchie fuhlen für ihn aufrichtige Verehrung
ind sind ihm dankbar, wenn er sich in ihrem Lande seh
wohl und heimisch fühlt. Daß er diese Empfindung hat
»eweist die Tatsache seiner häufigen Reisen nach Oester
reich-Ungarn. Dem deutschen Kaiser sind die Besuche be
uins eine liebe Gewohnheit und uns jedesmal eine er—
vünschte Gelegenheit, ihm unsere herzliche Gesinnung zu
hezeugen. Das Blatt spricht dann vom Besuche Kaisel
Vilhelms an der Spitze der deutschen Bundessürsten und
ährt dann fort: Das Bild, das im Wiener Rathause, dem
Zrunkgebäude unserer Bürgerschaft, einen Platz hat, is
ür alle Zukunft ein Zeugnis, daß sich das Bündnis zwi—
chen Oesterreich-Ungarn und Deutschland in dem inter
tationalen Verkehr der Höfe bei weitem nicht erschöpft,
ondern daß es eine Angelegenheit der Völker ist. In
furopa weiß man das und schätzt es nach Gebühr ein.
Was aber heute dem deutschen Kaiser zum Gruße gesag
ein mag, ist ein Wort ehrlicher Anerkennung für die
Rolle, die ihm dama's zugefallen ist oder die er sich ge—
vählt hat: die Rolle eines Befestigers des Dreibundes in
»em Rate der Völker, die dem Bunde angeschlossen sind.
daiser Wilhelm hat wesentlich dazu beigetragen, dem
Dreibunde bei uns die Sanktion einer dauernden Volks—
ümlichkeit zu geben. ... Als eine politische Kundgebung
st der Besuch Kaiser Wilhelms in Wien nicht gedacht.
deine Tatsache, weder eine fertige, noch eine, die sich et—
va vorbereitet, ist zu entdecken, auf der sich eine solche
dundgebung begründen ließe. Die leitenden Staatsmänner
saben bei ihren letzten Zusammenkünften sestgestellt, daß
zie Ordnung der Dinge, wie sie sich jetzt in ihrer Politil
zerausgebildet hat, zum besten Nutzen weiter bestehen
ann. Und da diese Entrevuen erst kürzlich stattgefunden
„aben, so wird in der Stimmung des damaligen Kaiser—
esuches noch weniger Raum für eigentliche Politik blei—
»en. Kaiser Wilhelm kommt nach Wien, um unserem Kai—
er zum 80. Geburtstage seine Glückwünsche darzubrin
en. Das ist der äußerliche Anlaß seiner Reise, bei dem
sBesühlsverhältnis der beiden Monarchen ist dies ein, hin
eichender Beweggrund. Es bereitet hier eine besondere
zenugtuung, zu sehen, daß in diesem Falle — wie schor
o oft — Kaiser Wilhelm der Dolmetsch seines Volkes ist,
21 . 2 ιJ l-— Ü 2 Nuani⸗
zerhandlungen über den Frieden von San Siefano ir
donstantinopel beteiligt. Hier gelang es seiner hervor—
agenden Tüchtigkeit, den Sultan dem englischen Einslu'
u entziehen, und den ru sischen zum herrscheuden zu ma
sen, was sich besonders während des griechisch-türkischer
rieges 1897 zeigte. 1897 wurde er Botschaster in Rom
903 Botschafter in Paris. Besonders in Frankcreich hatt—
delidow sich große Sympathien erworben, weil er über
euater Anhänger Asstance war
England⸗
*Der zu den deutschen Manövern entsandte Korre
pondent der „Times“ beendet einen „Mit der In—
anterie“ überschriebenen Artikel folgendermaßen:
Wenn ich gefragt würde, was ich für die am meisten
ldatische Eigenschaft der deutschen Armee halte, so würde
h sofort erwidern, daß es die Art ist, wie alle Waffen—
attungen sich die Bodenformation bei Annauͤherung an den
eind zunutze machen. Fast allen Offizieren und Unter
ffizieren ist die Benutzung der natürlichen Deckung zu:
veiten Natur geworden, und die gründliche Art, mit der
ie Mannschast dieser „zweiten Natur“ ihrer Vorgesetzter
late ilst entweder das Relultat einer strenagen Disziplin
der ein sehr hoher Grad von Intelligenz in der Fron
'ellelcht auch eiwas von beidem; auf alle Fälle habe
wit es hier mit einer erstklassigen Instruktion zu tun.“
2 Im Südwesiten von England begannen die größte
Armeemanöver, die England je gesehen hat. Es siehe
hey B Fos Wosonders interosinent t
— s——— —
VRolitische Nundschan.
Deutsches Reich.
* Wie verlautet, seͤhe man es in Regierungskreisen sehr
erne, wenn der Beginn der Plenarsitzungen des
deichstages von Anfang November auf Ende November
erschoben werden würde, weil sonst die Reichs
»rsicherunastommission ihre Arbeiten ücht ahistär
—
die Wahlparole und die Konservativen.
Der Reichskanzler wird von dem Echo, das jeine
togrammatische Auslassung in der „Nordd. Alig, Zig.“
jsesunden hat, nicht sonderlich erbaut ein Rucn in nen
1
Um die Grafenkrone.
Er rkonnté ihr nicht widersprechen. Es war ihm nicht
nöglich. Schweigend fenkte er das Haupt.
„Ich sehe, wir verstehen uns, lieber Herr Kern, und
sun hören Sie meinen Vorschlag, meinen Wunsch, der sehr
infach und natürlich ist. Ein Jahr lang soll kein Verkehr,
»eder mündlich noch schriftlich, zwischen Ihnen und Astrid
attfinden. Nichts, kein Ereignis soll und darf während
ieser Zeit eine Entschuldigung, einen Grund geben, dennoch
nsammen zu kommen oder sich Kunde zu geben voneinander.
zie reisen ab, ohne Astrid vorher gesehen zu haben, ein
uutes oder stummes Versprechen zu tauschen, mit einer
*ilbe unseres Uebereinkommens zu erwähnen. Es wird
eine Sache sein, ihr das zu sagen. Haben Sie das Ver—
auen zu Astrids Charakter, daß sie Ihnen ein einzig kurzes
ahr lang Liebe und Treue hält, so wird Ihnen diese
zrobe nicht zu schwer fallen — haben Sie es nicht, wie viel
otwendiger muß sie Ihnen daun erscheinen. — Nach Ab—
auf eines Jahres — wenn Sie und unsere Tochter noch der—
elben Meinung find, ohne daß das Feucer diefer Leidenschaft
unterhalten 7 * kommen 3 nn
hlenhaus, oder wo wir sonst sein mögen, und wir, ich un x*fi 3 3 m Mwor ap
r Nan werden uns dem Unabänderlichen zu e Ap Ihfin Colsas tritt in den Salo, ——
Assen. So lange aber eine Heirat zwischen Ihnen, Herr 4 3
n and dueee Todter itr don n edet beten zegtere t ghteehdehhahdenen sotcn bange Futgt
D finden. wenn wir jeden Gürumd daen freudia ie hrer Matter entgegen. Die biassen Lpyen sid bfnet.
J W ber die Frage, die sehnsuchtsvolle will nicht darüber hin.
—— Grafin Collas wird wirklich ürgerlich — Veit diesem
nzte )aHpbeareife vollkommeni,n sagte er ruhig während, die erdoß überreigten berlueben Mid chen wer die Sche en
—* heißer Erregung in die fahle Blässe tiefer Erschüt⸗ 3. schwieriger als mit dem gesunden nüchtern denkenden
—3 übergegangen war auf seinem Antlitz ich begreife aun“
g ommen und baue auf Astrids Liebe und Treue. Gott „Meine geliebte Tochter, jetzt habe zunächst einmal so
e mir. Deine Bust mmung Ihrer berechtigten For- holleheuhges Zuen bene Mermiees Herr
una. die Sie eine Bifte nennen ur hberwmeigeru ist ine ne zuů ———
nmöglichkeit. Ich verspreche, keine Verbindung mit Astrid „Ach, Mutter, hatte er dies zu dir?“ haucht sie, zwischen
suchen, muß aber darauf bestehen, ihr dies Abkommen Ungst und Hoffnung behend. „Entnimm es aus diesen
eun E8 micht, anders sein darf, mit einer Zeile, die Sie, einen Worten: Frau Gräfin, ich habe kaum dehofft, so
hg Gräfin, lesen werden, mitzuteilen. Vom weichen, lie roßer Güte, so liebevollem Verständnis für das, was
en Herzen eines so jimgen Geschöpfes kann ich nicht Astrid ihr Glück nennt, zu begegnen.
P feste, unerschütterliche Kraft eines gereiften Mannes, „O Mutter, geliebte einzige, wie soll ich dir danken?
ach bin, verlangen, und ich baue meines Lebens ganzes — „Ja, mein Kind, er hat mir wirklich sehr gut gefallen.
auf Astrids Herz, daß es mir nicht entfremdet werde. ẽEr ist ein kluger, verständiger, fast etwas zu ruhiger
* ich doch ohnehin schon beurteilen, daß Sie an diefer MNensch, den ich wirklich einst meinen Sohn, nennen möchte
itfremdung tun werden —“ — bitte, bitte, Liebling, nicht so stürmisch: komm, setze dich
— in meinen Kräften steht!“ unterbrach sie ihn, hier auf den Sessel, da, und nun wollen wir uns über den
nmont in sinnungsIosor Foindosinfoif Um son ontfon hornuünftiaon Moanschon aussprechen. Nch hin un*
leichter werden Frau Gräftn verttehen. daß ich fest zu halten
suche, was mein ist.“ —
„Gut. Schreiben Sie diese Zeile. Ich werde sie lesen
und übergeben. Eine trockene Mitteilung — Sie ver—
stehen? Nichts, was —“
Er richtéte einen kurzen Blick auf sie, einen Blick, in
velchem ein so erstaunter Vorwurf lag, daß sie sich fast be—
chämt abwendete.
Er riß ein Blatt aus seinem Taschenbuch, warf wenige
Vorte darauf und legte es neben ihre Hand. Sie streifte
s mit einem flüchtigen Blick: „Lebewohl, auf ein Jahr.
dein Ernst.“ und neigte gewährend das stolze Haupt., Dies
ege ich nun vertrauend in Shre müttorsiche Hand, Frau
Bräfin, und gehe.“
Jetzt reichte sie ihm nicht wieder die Hand, als er sich
ibschiednehmend gegen sie wendete. Sie war fertig mit
hm. Selbstüberwindung war nicht mehr nötig.
Mit einer Handbewegung wies sie ihm den andern
Jusgang, durch die Glassstür über die Veranda. Mit vor—
iehmem Nicken, einem gleichgültig-eisigen Blick auf seinen
hrfurchtsvollen Gruß, sich abwendend, ging sie in ihr
brivatzimmer, ehe er noch den Empianassason verlossen
n43a
eibe deine beste, treueste Freundin, allem, was einiger⸗
naßen mit Vernunft zu begreifen ist, zugänglich. Keine
yrannische Theatermubtler, die jeden Widerspruch mit ihrem
Fluche bestraft,“ sagte Gräfin Collas scherzend und lehnte
ich in die Polster des Diwans zurück, leicht mit der Linken
sstrids fich rötende Wangen streichelnd.
„Also er hat dir gefallen, mein teurer, heißgeliebter
Fenst. Du begreifst, daß ich ihn so sehr, so über alles liebe,
rach es hastig über des Mädchens Lippen.
„Nun, Kind, solch leidenschaftliche Gefühle sind meine
Sache nicht. Aber, immerhin kann ich nicht mehr so abfolut
jein sagen, wie ich vielleicht als verftändige Mutter sollte,
enn, wie gesagt, ich bin dabei auch noch meines Kindes beste
zreundin, voll größten Verständnisses und liebevoller Güte
ür diese Neigung, — wie „dein Ernst“ selbst saate.“ fächelte
ie Gräfin wohlwollend.
„Warum kommt er dann aber nicht? Wo ist er denn?
ich, ich sehne mich so nach einem Wort von ihm. Ich bin
ämlich nicht sicher, ob er mir nicht wegen irgend einer
Anvorsichtigkeit zürnt,“ fügte sie in rührender Verlegenheit
ind Zaghaftigkeit bei.
„Wenn auch das nicht, so ist er doch nicht so ganz zu—
rieden mit meiner lieben Tochter· —Mutler!“
Ruhig, Kind, ruhig! Sonst können wir nicht weiter ver—
andeln über deine Angelegenheit,“ war die strenge Mah—
umg. „Und deshalb kommt er nicht? Oder weswegen is
r jetzt nicht hier?“
„Weil er deine Leidenschaftlichkeit, deine Ueberschweng—
chkeit fürchtet.“ — „Sagte er das?“ fragte sie errökend. —
Ja, nicht gerade mit diesen Worten, aber viessoicht mif nock
ärteren. Ich will sie dir ersparen.“
„Sage mir jetzt endlich das Ende, das Resultat dieser
nterredung. Was wollte er vom Vater, was sagte der?“
— „Dein Vater hat natürlich nicht das weiblich mütterliche
zerständnis, das ich deinem heißen Wunsche entgegen—
ninge. Aber dies darf dich nicht beunruhigen. Gegebenen
Falls werde ich meine Macht und meinen Einfluß bei ihm
zür deine Liebe und dein Glück geltend machen.“
AUsn das arnta Gus Jift hoi don sohr sons?Aman Wa⸗rtan!
„Ich sage: Dies darf dich miht beunruhigen. Be
———— bist du am Ende immer sicher der Liebe und
nes Verständnisses. Abex, mein armes, geliebtes Lind pe
ei tapfer und stolz, Astrid — „nicht sicher bist du der iebe
ind des Verständnisses bei deinem Ermählten dom Horrn
Inspektor Kern.“
eu verstehe ich inß nicht. sagteie —— ð
zrsteht dich g i ein Wesen, deine Leidenschaft,
ersteht. dich gar nicht. den 9— —
a gaug narurlich. LOcdenke seinen Stand und Gesichtskreis.
Er sprach immer nuͤr von „deinem Glück“, nie von „seinem!“
Vor dem schien ihm wirklich bange zu sein. Ich deutete ihm,
bie ich doch als Mutter mußte, Liebling, so ein wenig deine
leinen, bedenklichen Eigenschaften an, dein excentrisches,
heftiges Wesen, deine kleinen, vornehmen Launen, deine
roßen Unvorsichtigkeiten und die Ungereiftheit deiner lie—
en übersprudelnden Gefühle, die dann ebenso rasch auch
udeten, wie wir das ja vielfach bei dir erlebten —“
„Da lachte er wohl? Da sagte er, das wäre alles gar
ichts gegen unsere große, ernste, ewige Liebe, die alles,
lles bedeckt und aut mächt?“ fragte Aitrid mit zuckender
ippoe.
Bitte, Liebling, nicht diese fieberhafte Sprachel Ja,
r meinte auch so. Er hoffte, daß es möglich sein würde,
ein Wesen für eine glückliche Ehe mit ihm mit der Zeit so
veit zu ändern und zu bessern, daß ein Glück an deiner
zeite für ihn denkbar sei.“
„Ah! — Das — so Gräßliches sagte er? So wenig
ntzückt ist er von mir?“ — „Entzückt — ganz und gar
icht. Er sagte sogar — aber ich kann nicht weiter sprechen,
oeun du mich mit diesen Blicken anstarrst! — er sagte sogar,
aß er weniger daran gezweifelt habe, daß er dich bekommen
önnte, als daß er sich nicht habe entschließen können, um
ich anzuhalten, weil er nicht glaubte. dak du ihn glücklick
achen könntest, so wie du bist.“
Astrid war aufgestanden und hatte sich einen Schritr
bon ihrer Mutter entfernt. „Das ist unmöglich. Das bat
x nicht gemeint,“ murmelte sie tonlos.
„Liebes Kind, ich begreife dein Erstaunen und muß
sagen, daß ich es vollkommen geteilt habe; dies kaltblütige
Irteil über meine Tochter hätte ich wahrhaftig übelnehmen
önnen, wenn, nun, wenn er eben nicht aus so niedrigem
Stande wäre und von diesem Standpunkte aus sein hartes
trteil nicht sehr begreiflich gewesen wäre. — Du bist freilich
icht wie seine Kusine, Lina Kern. Die mag wohl von außen
ind innen sein Ideal sein. Dein Vater behauptet sogar,
»er Mensch wäre mit ihr verlobt gewesen. aber das kann
»och eben nicht wahr sein.“
Astrid legte beide Hände gegen ihre Stirn. „Ich fasse
aicht — ich, o Gott — ich kann dies nicht alles alauben. Er
st zu entsetzlich.“
„Armes Kind! Mir tust du von Herzen leid. Wie
konnlest du nur auf diese unselige Marotte fallen, diefen
Menschen zu lieben, der sich nicht einmal viel aus dieser Ehre
nacht, sondern einen gewissen Schauder davor bekundete
Ich bin überzeugt, daß er eigentlich nur zu viel Taktgefühl
jalte, um nicht zu gestehen, daß die ganze Sache eigentlich
s ,ng—n r frikosto noch auf meinor