Fhe linderlos vueb, widmete sie sich mit großem Eifen
iterarischen und wissenschaftlichen Siudien. Anfangs wandt⸗
ich Frau von Evner Eschenbach mit ihrer Dichtkunst dei
dühne zu, da sie hier aber nicht den gewünschten Erfolg
atte, widmete sie sich der Erzahlung.
Schon ihr erstes Buch „Die Prinzessin von Banalien⸗
and viel Ankllang und racch stieg Frau von Ebner-Eschen
ach die hohe Leiter des Ruhms.
Aber obwohl sie schon seit velen Jahren ene unse
er besten Dichterinnen und Erzählerinnen ist und eine
msehnliche Anzahl guter Bücher Zeugnis von ihrem rön
ten ablegen, so haf sie sich doch nie in den Vorder
jrund gedrängt, ihre übergroße Boscheidenheit und die
— ————
zchlichthelt haben sie dazu verle tet, jedes Hervorheben
hres Können und Schaffens zu vermeiden. Und dock
at sie stets in der ersten Reihe gestanden und zu den Be—
len gehört. Ihre Bescheidenheit ging so weit, daß sie
inmal schrieb: In meiner Jugend war ich überzengt, daß
ch einmal eine große Dichterin werden würde und jetzt
st mein Herz vol Dank und Freude erfüllt, wenn es mir
gelingt, eine lesbare Geschichte niederzuschreiben. Fasi
Ale Frauen kennen ihre Erzählungen und verschlingen
Jeuie noch die jungen Mädchen ihre Romane und alle
vissen, daß Marie Ebner-Eschenbach ihnen etwas Gutes
jab und ihnen mit ihren trefflichen Büchern wie „Dorf
ind Schloßgeschichten“, „Die arme Kleine“, „Das Gemein—
ekind“ usw. so manche fröhliche und helehrende Stunde
huf.
Jetzt schweigt die große Erzählerin schon lange und
ne Hand, die so eifrig Jahr für Jahr d'ie Feder führte,
aht aus. Sorglich unigeben von der Liebe und Verehr—
mg ihrer Mitmenschen, verbringt Frau von Ebner-Eschen⸗
ach auf ihrem Schlosse Zdislavie in Mähren oder in
Vien ihren Lebensabend.
Oesterreichs Frauen schicken sich an, den 80. Geburts—
ig ihrer Landsmännin festlich zu begehen und bereiten
ianche Ehrungen vor; aber anuch die deutschen Frauen
zerden es nicht versäumen, sich daran zu beteiligen
Die Beschlüsse des Handwerks⸗ und
Gewerbekammertags in Stuttgart.
Auf der in Stuttgart abgehaltenen Tagung der Hand
verks- und Gewerbekammern stand der Entwurf deir
seichsversicherungsordnung im Vordergrunde des Inte
esses, doch zeigte sich auch hier, wie weit die Ansichter
iber wichtige Fragen der sozialen Gesetzgebung auseinan
»ergehen. An der ablehnenden Haltung gegenüber der
Finführung der zwangsweisen Versicherung auch der selbst
tändigen Handwerker hielt man feft, jedoch darf nicht ver⸗
gessen werden, daß sich andere Organisationen des Hand
wverls schon für eine solche Versicherung ausgesprochen ha
hen, die ihm unter gewissen Voraussebumgen bereits heiu—
ugänglich ist.
Sehr lebhaft gestaltete sich die Debatte über die im
Entwurf der Versicherungsordnung vorgesehenen höheren
Beiträge der Arbeitgeber. Es kam wieder der Unmu
darüber zum Durchbruch, daß viele selbständige Handwer—
er schlechter gestellt sind, als ihre Gesellen und nun künf—
ig für deren Versorgung noch mehr leisten sollen, als
isher. Der Berechtigung solcher Argumente kann man
ich nicht entziehen, denn für viele kleine und mitlere
dandwerksmeister sind die sozialen Lasten schon jett sehr
»xückend. Immerhen fanden sich auf der Stuttgarler Tag—
ing einzelne Stimmen, welche sich zu höheren Beiträgen
ꝛereit erklärten, wenn der Einfluß der Arbeitgeber in den
dassenverwaltungen gewährleistet würde. Aber diese Stim—
nen drangen nicht durch, man beharrte vielmehr auf dem
m vorigen Jahr in Königsberg gefaßten Beschluß, daß
zie Arbeitgeber nur ein Drittel der Beiträge zahlen, jedoch
zie Hälfte des Einslusses in der Verwaltung ausüben sol—
leũüe Dies wird freilich nur ein frommer Wunsch blei—
»en, so manches auch dafür spricht, daß die Leistungen
»er Arbeitgeber höher bewertet werden, als diejenigen der
mr im eigenen Interesse zahlenden Arbeitnehmer.
Wie der letzte Allgemeine Innungs- und Handwer—
lertag, beschäftigte sich auch die Stuttgarter Versammlung
mit der BReseitinnug des in der EAomorhoarantea onts⸗“
7
Mit blitzartiger Klarheit kreuzten diese Vorstellungen
hren erregten Sinn. Nun denn, warum nicht so?
Es war seltsam! — Um so besser. Gerade recht! Das
zog die Gedanken ab, beschäftigte, da kträumte man wenig—⸗
tens nicht.
Den nächsten Moment saß sie auf dem Fensterbrett und
zlitt hinaus. Es war niedrig genug, wie ja dft an solch
ilten Landhäusern die Parterreéfenster sind. Es bedurft—
ur eines leichten Sprunges.
Ihre Wangen waren heiß, ihre Angen leuchteten um—
ser. Rasch und voll flog der Puls. Aber körperlich kranf
var sie nicht. — Da lag der Wald. Mondlicht durchflim—
nerte den stillen, nächtlichen Wald. —
Von hier aus konnte sie am Zaun des Fohlengartens
ntlang gehen, brauchte nicht zu klettern und zuͤe springen,
iur einmal durch das Loch in der Weißdornhecke kriechen
ind war auf dem breiten Fahrwege, der an der Kanesse hor
iber in den Wald führte.
Neugierig, wie jemand, der plötzlich in einer ihm frem—
den Welt steht, sah sie sich um, horchte auf ihren Schritt, der
im Grase rauschte, von dem die Tauperlen spruhlen, und
iog den Waldesduft ein, der vielgemischt fie unwallte. —
Langsam ging Astrid auf dem breiten, lichtumflossenen
Wege. Wie konnte man sich nur jemals gefürchtet haben.
nachts durch den Wald zu gehen.
Jeder Baumstamm, jeder Strauch, jede Blume war zu
sehen, so still und friedlich wie in sanftem Schlummer;
freilich alles war bleich und farblos und geisterhaft. — Da
ie hohen, schlanken Rispen mit den dreiblättrigen, blassen
zilienblumen, die waren bei Tage frischlila, und diese wol—
igen, weißen Federbüschel goldgelb. —
Weiter ging Astrid auf dem breiten, lichtumflossenen,
Bege, in welchen die überragenden Raumaweige ire
-„chatteubilder warfen. Ah, dort! —
Sie blieb stehen aur Raude des Grabens und schaute
en kurzen Seitenweg hinab. Sie ist ber Tage noch nicmals
en Fahrweg hingbgeschritten bis zum Ende, sondern ist
mmer suhr dald in die blühende Waldwildnis abgebogen.
steitend. vorgestern, ist sie hier mit Carlos vorbeigekommen.
Da, wenige Schritte den schmalen, von Hecken um—
renzten Weg hinab, klar und scharf im Mondlicht, am
sande eines gelichteten, von Baumstümpfen umgebenen
ßlatzes, das alte Jägerhäuschen. Dunkel und ftill lag es
da. An den Fenstern links von dor kleinon Fir waren
vorhänge.
Halb miechanisch noch einige Schritte näher heran, die
anze Seele in den bittenden Augen. Dann plötzlich, mit
om leisen Aufschratz it cie ,25*
senen Verbots, fur Zwaungsinnungen Mindestpreise festzu—
ehen. Ein diesbezüglicher Beschsuß wurde angenommen.
Dagegen fand hinsichtlich der Meisterprüfungen nur der
zrundlegende Gedanke, daß diese Prüfungen immer mehr
in Bedentung gewinnen sollen, Zustimmung, während alle
details an den Ausfschuß zur weiteren Beratung zurück—
gewieseit wurden.
Auf das politische Gebiet griff die Debatte wegen
der Fürforge für die gewerbliche Jugend über, und die
diesbezüglichen Vorschläge richteten sich haupisächlich gegen
die Sozialdemokratie, deren Einfluß nach Möglichkeit zu—
rückgedrängt werden soll. Der weitere Beschluß, die Ar—
beitsnachweise der Innungen kräftig zu unterstützen und
auszubauen gegenüber den öffentlichen Arbeitsnachweisen
auch dem Bedürsnis nach der Lehrstellenvermittlung Rech
nung zu tragen, liegt im Interesse des Handwerks, wel
hem auch daran gelegen sein muß, daß die Beschäftigungç
on jugendlichen Arbeitern in Werkstätten mit Motorbe
rieb nicht durch behördliche Bestimmungen gar zu sehr
rschwert wird. Natürlich darf es an den nötigen Sicher—
hjeitsvorkehrungen nicht fehlen.
Die Stuttgarter Tagung erfreute sich der Beteiligung
hon Vertretern des Reichs und der Staatsregierungen
vas beweist, daß das Handwerk mit Recht als ein sehr
vichtiges und vollberechtigtes Glied unseres Erwerbsle—
yeus angesehen wird
— ——— —«
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
*Ohligs, 10. Septbr. (Die Polizei als
ßfandleiher.) Mit einem sonderbaren Verlangen
neldeie sich heute ein aus Iserlohn stammender Kauf—
nann Namens Ue. auf der Polizeiwache. Wie er angab,
var ihm das Geld ausgegangen, und nun wollte er von
er Polizeibehörde gegen Verpfändung seiner Uhr das Geld
ur Rückreise nach Iserlohn haben. Er wies einen au
ie Iserlohner Bank lautenden Scheck über 300 M. al—
degitimation vor und behaupieie, früher Inhaber eines
Nanufakturwarengeschäftes in Iserlohn gewesen zu sein
ind ein Vermögen von 400 000 Mart zu besitzen. Auch sei
r in einer Nervenhe lanstalt gewesen, wohin er gern wie—
er zurückgehen möchte, sein Vermögen wollte er den Ar—⸗
ien schensen. Aus seinen Reden entnahm die Behörde,
aß man es offenbar mit einem Gesstesschwachen zu tun
atte. Eine telephonische Anzrage bei der von Ue. ange—
sebenen Rechtsanwaltssirma bestätigte im wesentlichen die
Ingaben des Ue., der dann im Eirberständnis mit sei—
iem Pfleger, eben dem Rechtsanwalt, mit dem nächsten
zuge nach Iserlohn zurückgebracht wurde.
* Straßburg, 10. Septor. Typhusepidemie.)
Im Kloster St. Charles in der Straßburger Vorstadt
zchiltigkeint sind über 100 Zögtinge und einige Lehrschwe—
tern auu Typhus erkranst. Die Kinder wurden in das
zürgerspital überführt. Ueber die Entsteyungsursache der
xPidemie ist noch nichts näheres bekannt.
*Mannuheim, 10. Septoör. Hochwasser.) Rhein
ind Neckar sind weitler start gestikegen. Der Rheinpegel
eigte heute früh einen Stand von 601 3tm. gegen 570
ztm. gestern. Der Neckar ist von 664 auf 692 Zitm. ge—
tiegen und hat nun sein Vorland weithin überschwemmit.
Aus aller Welt.
Aufgeklärter Raubmord. Nach nahezu vier Jah—
en soll der Raubmord seine Auftklärung erfahren, wel—
her in der Nacht vom 27. zum 28. Oktober 1906 auf der
haussee von Twiebus nach Fürstenwalde an dem Bier—
utscher Ernst Haaß aus Fürstenwalde begangen worden
st. Wie aus Münchenberg gemeldet wird, ist dort unter
»em dringenden Verdacht, den Raubmord verübt zu ha—
en der Arbeiter Karl Konrad aus Fürstenwalde und der
Arbeiter Friedrich Busse aus Münchenberg verhaftet wor—
»en. Konrad ist außerdem verdächtig, ebenfalls vor vier
Jahren seine Frau vergiftet zu haben, um sich in ihr ei—
ier lästigen Mitwisserin des Mordes zu eniledigen. Die
zerhaftungen erregen in der Gegend großes Aufsehen.
Die Cholera. In dem in der Nähe von Kamburg
elegenen Freiburg a. d. Elbe wurde bei einem aus
zamburg angekonimenen Schifsfer Cholera festgestellt. —
zine weitere Meldung besagt: Der an cholera asiatica er—
rankte Schiffer Jungelous, der mit seinem Ever zwischen
damburg und Freiburg (Elbe) zu verktehren pflegt, hielt
ch, wie nunmehr festgestellt wurde, einige Tage vor sei—
ner Erkrankung im Hamburger Hafen auf. Ob er sich die
zufektion in Freiburg oder Hamburg zugezogen hat, ist
egenwärtig nicht mit Sicherheit festzustellen, da in Frei—
urg, wie verlautet, russische Arbeiter beschäsftigt sind und
r andererseits in Hamburg neben einem aus Peiersburg
zekommenen russischen Dampfer gelegen hat, der inzwischen
vieder in See gegangen ist. Uebrigens liegt kein Grund
u irgendwelcher Besorgnis vor, denn die Mannschaft des«
zetersburger Dampfers, die wie die Besahung aller aus
zetersburg kommenden Schifse in Hamburg unter gesund
eitlicher Kontrolle gestanden hat, zeigte kernerlei verdäch
ige Krankheitssymptome, wie denn auch sonst im. Ham
Arger Hafen keine irgendwie verdächtigen rankheitaia
orgekommen sind.
Die falsche Hofdame. Der von der Potsdamer Kri—
ninalpolizei verhaftete Hochstapler, der in der Nauener
ztraße 18 zu Potsdam bei dem Juwelier Bärtges al—
Hofsdame der Kaiserin“ ein Betrugsmanöver ausführen
nat40 murde den rlortuchrensrichter ain Votczv—
20Ullie diil Xe—ge, Urn
girke umklammernd.
In mächtigen, dumpfen Galoppsprüngen kam es vom
»ause her, mit gewaltigem Satz über die Hecke,— und tiefes,
—
— schallte durch die stille, lichte Waldnacht. Dicht vor Astrid
„Jielt das Tier still und stellte sie. Immerfort bellend, bei
der geringsten Bewegung Astrids nur ein warnendes Knur—
en bören lassend zwischen den weißglitzernden Zähnereihen.
Von dem Häuschen her kam das Geräusch der aufgehen—
er Tür. Auf der Schwelle stand Ernst Kerns hohe, breit—
chultrige Gestalt in Joppe und Mütze, die Flinte in der
Hand, scharf nach dem Standort des Hundes hinüber—
zlickend und dann raschen Schrittes auf die Birke, unter
velcher die dunkle Gestalt eines Mädchens sichthar mar. zu—
ehend.
„Hierher, Tiras. Es ist gut!“ klang der ruhige Be—
fehl. Der Hund ließ sofort ab von Astrid und drängte sich
vedelud an seinen Herrn.
Im hellen Mondlicht standen sie sich stumm gegenüber.
Aus der Umrahmung der dunklen Kapuze blickte ihn das
schöne, weiße Antlitz an mit den großen Angen, dem angst—
voll flehenden Blick, aus dem ihn die ganze bange Herzens—
ot des Mädchens anschaute.
Sie war verstummt. Keine Erklärung, keine Entschul—
digung wollte über ihre Lippen. Zaahaft, beschämt, lang—
sam zu ihrem eigenen Selbst zurückkehrend, begegneten
ihre Augen seinem langen, tiefernsten Anschauen.
Ihre Lippen zuckten in schenem Flüstern, langsam san—
ten die dunklen Wimpern über die enthüllte Qual in ihren
dugen — langsam, ahnungsvoll kam das ungeschulte Herz
ur Fassung, zum Verstehen des Ungeheuren.
Dieser Mann, vor dem sie stand in stiller Nacht, dessen
zähe, ja! jal! dessen Nähe sie suchen gegangen war im Fie—
er ihrer Seelennot, wenn auch unbewußt, instinktiv — die—
er Mann, der mit so ernstem, traurigem Anschauen ihrem
chukdbewußten Blick begegnete, vor dem sie, Astrid Collas,
ich in dieser Nacht gedemütiot chotto — dieser Mann liehbte
ie nicht ...
Staunend sah er sie an in höflich abwartender Haltung,
ine annehmbare Erklärung erbittend, was die Gräfin
Bräfin Astrid Collas, die Braut des Prinzen Monti Ca—
bello, in der Nacht ihres Verlobungstages durch den Wald
r die derzeitige Wohnung dos aräflichen Inspektors
ührte.
So raffte sie ihre ganze Kraft zusammen. Der Stolz
and ihr nicht mehr zu und leise zurückweichend, sagte sie
yjm die einzige Entschuldigung und Erklärung, annehmbar
der nicht, wosche sies fFand. heocreiflich odor nichbt asor oina
misgericht vorgeführt. Die Pseudografin von Arnim if
er 19jährige Sohn Franz des pensionierten Kanzlerate
xichbaum in Potsdam. Er mußte in eleganter Damen
odilette, in der er den Betrugsversuch unternahm, da⸗
seißt im langen schwarzen Schleppenkleid und mit großen
osenbesetzten Reiherhut mit einer Pelzstola und Muff au⸗
Skunls im — Grünen Wagen am Uniersuchungsgefängni
orfahren. Bei seiner Vernehmung gab er an, daß er di
damenkleider und das Pelzwerk von seiner Mutter, die i
groß⸗Lichterfelde Hausbesitzerin ist, und von seiner Schwe
ter geliehen habe unter dem Vorgeben, er brauche di
garnitur zu einem Theaterstück, in dem er eine sehr groß
solle zu spielen habe. Die Absicht, sich durch Preuose
u bereichern, habe ihm völlig serngelegen. Sein Pla
ei nur gewesen, in seiner Vaterstadt Potsdam mit de
Grandezza“ einer echten Hofdame aufzutreten und em
fangen zu werden. Die Schmucksachen hätte er sofort de
daiserin zugesandt, wenn das Manöver gelungen wäre
rẽichbaum stellte den Trick nur als groben Unsug dar un
sofft auf eine milde Bestrafung.
Die Mörder Koppius. Die Mordtaten und Er
nressungen der Gebrüder Koppius werden schon in kürze
ter Frist das Schwurgericht in Leipzig beschäftigen. Di
Akten sind bereits an die Eröffnungskammer abgegebe
vorden. Die Verhandlung wird voraussichtlich am Schlu
der nächsten Schwurgerichtsperiode stattfinden, die End
dieses Monats tagen wird. Die Grüchte, wonach nod
ein dritter Mittäter von der Staatsanwaltschaft gesuch
würde, bestätigen sich somit nicht..
Erdbeben. Samstag früh 3 Uhr 50 Minüuten wurd
n Messina, Mileto und Gallina ein starker Erdstoß ver
pürt, der jedoch keinen Schaden angerichtet hat.
Opfer der See. Im Michigansee sank eine Dampj
ähre der Pere Marquette-Bahn mit 50 Menschen an Bord
Die Hälfte von diesen ist ertrunken.
Großer Brandschaden. In Marley bei Lille wur,
den die Magazine einer Kattundruckfabrit eingeäschert. De
zchaden wird auf eine Million Franks geschätzt.
Opfer der Berge. Aus Virnet (Dep. Ostpyrenäen
vird berichtet, daß vier Touristen am Mittwoch eine füh
erlose Besteigung des Canigoun unternahmen und dabe
on einem Unwetter überrafscht wurden. Einer der Tou
isten erlitt durch einen Sturz von einem Gletscher schwer
Lerletzungen, ein zweiter wird vermißt. Eine Führerko
onne ist zu seiner Rettung aufgebrochen
O αιO —
Arbeiterbewegung.
— Eisenbahner-Bewegung. Der Beschluß des Mini
terrums der öffentlichen Arbeiten in Frankreich, den Se
retär des Eisenbahnersyndikats des Staatsbahnnetzes, Re
iault, wegen einer Flugschrist über den Syndikalismus vo
den Disziplinarrat zu stellen, hat unter den Eisenbahner
ebhaste Erregung hervorgerusen. Der Ausschuß des na
ronalen Syndikats der Eisendahner hat einen Aufruf er
assen, in dem erklärt wird, daß die etwaige Entlassung
Renaulis den Ausbruch der Streikbewegung beschleunigen
vürde. Die Eisenbahner würden eine solche neue Her
ausforderung nicht ruhig hinnehmen und zeigen, daß si—
ich mit Renault solidarisch füble—
—t —
Von der Lujstschiffahrt.
*Luftverkehr. Die Regelung des Verkehrs de
enkbaren Luftschiffe wird in nächster Ze—
auf dem Verordnungswege erfolgen, nachdem sich jüng
durch das Ueberfliegen von Festungen in Süddeutschlan
ine solche Maßnahme als notwendig erwie en hat. B
ett kann ein Ueverfliegen bestimmter Orte durch Lufi
chifsfe auf gesetzlicher Geundlage nicht verboten werden
sails nicht eine Gefährdung der Sicherheit des Landes da
durch bedingt wird. Durch die zu erlassende Verordnun—
vird, wie die „Tägl. Rundsch.“ schreibt, allen lenkbare
Luftschifsen, die sich im Privatbesitz befinden, die Annähe
ung an befestigte Plätze auf 20 Kilomeier verboten. Fer
ier werden Bestimmungen getrofsen, für die Freibal
'ons, die geeignet sind, Unfälle, wie sie in den letztern
Nonaten vorgekommien sind, tunlichst zu verhindern. Be
ibsichtigt ist, später auf reichsgesetzlichem Wege eine Rege
ung zu versuchen, nachdem man mit den größeren Stac
en Europas sich über etwaige internationale Bestimmun
jen zur Regelung des Luftverkehrs geeinigt hat. De
jrundsatz, daß die Luft neutral sei, wird auf deutsche
zeite übrigens nicht geteilt, wie auch Frankreich diese
Standpunkt bei sich nicht vertritt. Für Aeroplane werde
ebenfalls Bestimmungen getroffen, um die Polizei in di
Lage zu setzen, das Ueberfliegen stark bevölkerter Distrikt
mittels Aeroptan wenn nötig, verbieten zu können.
*)eroplansturz auf diesStraße. Der Avia
iker Parisot hat auf einem Farmanzweidecker den Rekord
des ersten Aeroplansturzes inmitten der Straßen von Pari—
erziett. Nachdent er vom Exerzierpflatz Issy-les Moulineau
ibgeflogen war, umkreiste er mehrmals die Spitze des Eif
elturmes, überflog die Champs Elysees und kreuzte dant
über die Seine, um auf der Invalidenesplanade zu lan
den. Der Flieger hatte jedoch nicht damit gerechnet, dal
ich dort viele Bäͤume und Gaskandelaber befinden. Bein
Suchen nach einem Landungsplatz riß der Aeroplan einer
Bßaskandelaber um. Der Flugapparat zerbrach und stürzt«
zu Boden. Parisot wurde bewußtlos ins Hospital ge
rgangen. er hat sich beim GStur, an »—ov Panndrünbiten de—
andere finben, ais oie wayre — in boiesem omenre — act
überhaupt, es war ja unmöglich.
„Das Fest ist eben erst vorüber. Mir war so heiß und
wirr. Ich machte einen Spaziergang. — Wie ich herherkam
— dafür — dafür weiß ich keine Erklärung zu geben.“
In ihrer Brust stockte ein Schluchzen, das nach Träner
rang, eine Sehnsucht und eine Scham, so neu, so erstickend,
»ie um Erlösung flehte in den schlichten Worten ihrer Ent.
chuldigung.
Mit einer Gebärde voll fanfter Würde machte sie eine
grüßende Bewegung gegen den Mann und wollte den Woe—
zurückgehen, den sie gekommen.
„Nein, dies geht nicht! Dies ist nicht zu verlangen,“
nurmelte es an ihrem Ohr. Er hatte das Gewehr an den
haum gelehnt und war an ihrer Seite. Warm und fest
egten sich starke Arme um eine zitternde Mädchengestalt,
zwei heiße Lippen drückten sich weich auf die geschlossener
Lider mit dom hroiton duet Dim dor soidanen Mt
vern. —
Ein Seufzer hob ihre junge Brust, wie er wohl den Lip—
pen eines Menschen entflieht, dem eine schwere Last ab—
genommen wurde. Still hob sie die Arme und verschränkte
zie Sände hinter seinem Nacken und leate das Antlitz an
seine Schulter, wie sie einst die alte Frau tun sah, die er
trug, in jenem Moment, als der Himmel ihres Herzens
auseinanderriß und ein neues Licht ihr ganzes Wesen über—
lutete, während sie dachte: „Ach! nur einmal so getrager
werden von diesem dal“
Dann hatte er den Mantel unter ihre Füße gebreitet,
daß sie nicht gleiten sollte, und war, auf ihren Dank ver—
zichtend, seines Weges gegangen. —
O, unvergeßliche Stundel ⸗
Jetzt, jetzt durchrauschte sie wieder und machtvoll be—
vußt dieser Strom von himmlischer Erfüllung allen irdi—
schen Wünschens. — Was nun weiter? —
Sie war am Ziel. Ihr Köopfchen, von seinen Händen
utti uht, eloriburul zu leitteltt Litelt, un ια
„O, du armes, einsames, im Wald verirrtes Kind!“ Sie
lächelte. Ein Kinderlächeln voll schuldlosem Traumglück;
und doch auf diesem vollen, blühenden Munde unsäglicher
Weibeszauber. —
Er sah darauf nieder und berührke ihn nicht — sich straff
aufrichtend. Eine sanfte, energische Bewegung, ein gehor—
ames Folgen, sie löste sich von seiner Brust. Er legte ihren
Arm in den seinen.
Nun aus dem Schutze des Waldes heraustretend —
da das Schloß. — Still und finster jetzt.
Mit einein plößlichen Gefühl, als fasse eine kalte Hand
niihr Sera, furhto Nctrid 48 arünblaue Licht Es mos
Aeroplans die Haum start geschuürft, scheint aber keine sch
ren Verletzungen davongetragen zu haben.
ä *
Handel und Verkehr.
Neuerungen im Postscheckverkehr. Für die Inhab—
eines Postscheckkontos, die einen größeren Barzahlung—
zerlehr unterhalten, liefern die Postscheckämter seit einige
Zeit die Zahlungsanweisungsformulare unentgeltlich, wer
die Kontoinhaber das Ausschreiben der Zahlungsanwe,
ungen selbst übernehmen. Das Verfahren hat für di
dontoinhaber mancherlei Vorteile. So können zum Bej
piel die Abschnitte der Zahlungsanweisungen für schrif.
iche Mitteilungen für den Zahlungsempfänger benutzt we
»en, ohne daß es der Uebersendung eines besonderen B—
iachrichtigungsschreibens an den zur Empfangnahme 8
cechtigten bedarf. Umstände oder Mehrarbeiten entsteh—
den Kontoinhabern aus dem neuen Verfahren nicht, we
Je Postscheckümter, wenn die Zahlungsanweisungen voe
»en Inhabern selbst ausgesertigt werden, auf das son
ibliche Verzeichnis, das die Namen und Wohnorte de
Einpfänger enthält, verzichten können. Es genügt ein
lurz gesertigte Zusammenstellung der einze nen Beiräg
deren Summe mit dem Betrage des Schecks übere nstin
nien muß. Die Formulare zu den Zahlungsanweisunge
erhalten von der Reichsdruckerei eine persorierte Numne
die für jeden Kontoinhaber verschieden lautet, so daß eir
Verwechselung mit anderen Teilnehmern nicht stattfinde
kann. Außerdem werden die Formulare auf der Rücksen
von den Postscheckämtern noch mit einer Kontrollnumm—
verfsesen, die bei Rückgabe der von den Kontoinhaber
ausgeschriebenen Zahlungsanweisungen auf ihre Volzäf
igkeit von den Vostsche*ieern geprüft mied
Ein Unterwasser⸗Mewenr
Ein großder Nachteil für die in der Mecrestiese arb—
kenden Taucher war es bisher, daß es ihnen an einerg
rigneten Waffe sehlte, um den, ihrer Arbeit gefäh
lich werdenden Seeungeiümen damit erfsolgreich zu Leil
gehen zu können. Diesem Uevbelstande will die Erfindun
eines namhaften englischen Technikers abhelfen. Die E
findung besteht aus einem besonders konstruierten Gewel
mit aAbsolt wasserdichtenm Nerschluß wesches bim 9
*
2
seuern eine kleine Menge Wasser mit ungeheurer Gewo
gegen die Feinde des Tauchers schleudert und sie dadur
öten soll. Zwar wird man erst abwarten müssen, w
weit die Waffe sich bewähren wird, doch wäre es wünr
chenswert, daß dies der Fall wäre; damit die Tauch—
mehr als bisher gegen alle Eventualitäten geschützt.
rem sichmweren Rorus nachnohon kännon
— — — ——
Gerichtszeitung.
Von der Bühne ins Gefängnis. Die Fraus
rüheren Hofschauspielers Konrad Martersteig stand o.
»er Wiesbadener Strafkammer. Im Alter von 18 Ja
en hatte sie gegen den Willen ihrer Eltern Marrersicia
X
rloschen. Als jste an veln zyontengarten entiäng guigen
rönte plötzlich helles Wiehern. Astrid fuhr entsetzt Zu
sammen. Ein junger Hengst, mit dem sich Ernst Kern vil
beschäftigte, sein Liebling, kam in langen Sätzen, die and
ren Tiere überholend, gegen die Planken und streckte di
Nase suchend hinüber. —
Ernst aber blieb nicht stehen und beachtete ihn nich
Das Mädchen an seinem Arm! Dieser strahlende Ausdru
der feinen Züge —!
Er bewegte leise das Haupt. — Und durch tiefernste
Sinnen, das weit ab von verliebter Wonne lag, ging ih
— Wort;: Armes, einsames, im Walde verirrt—
Kind.“ — F
Sie hob die Hand und wies auf ihr geöffnetes Fenste
„Da bin ich heraus. Da muß ich wieder hinein.“ lachte
seise an seinem Ohr.
Auch er lächelte jetzt. „Das Zurück ist viel schwerer
— „Und ich weiß nicht wie.“ — „Aber ich weiß es,“ sagte
mit leisem Lächeln. Im nächsten Moment hatte er sich, a
wandt das Fensterkreuz umfassend, auf das Sims
schwungen und stand im Zimmer. So beugte er sich u'
ausgestreckten Armen weit hinab, und nur so mächtigce
geübter Kraft, so kunstvoll ausgebildeter Gewandtheit, w
er sie besaß, konnte es gelingen, das Mädchen zu sich ennr
zuheben, den störkan Mocken brannn dye7
dietend.
Dann, ohne sich umzusehen, ohne sie wieder zu berüu
chwang er sich zurück und stand wieder unten auf der Er«
„Gute Nacht,“ flüsterte sie bang und neigte sich er
venig vor. — Der letzte Streifen des fast verschwunden
Mondes lag auf ihrem schönen Haupt und Antlitz. — 8
erheißungsvolle Sterne strahlten ihre Augen und die
enden Lippen waren halb geöffnet in tiefen Atemziim
Ddie Kapuze war herabgefallen und wie sie sich tieser neige
a flutete ihr Haar wie ein flimmernder Stromm über se
Hesicht, seine Schultern, seine aufgehobenen Arme. — Lit
segen Lippe gedrängt ein ersticktes: „Ich liebe,“ de
vorbei!
Eine winkende Hand, ein zurückgewendetes Rat
ine im Schatten verschwindende Gestalt.
„Auf Morgen!“ — „Morgen —? — „Ich liebe — ich liei
ich.“ — Im nächtlichen Walde, der leise dem Morgen en
gegenschauerte, geht der Mann. Kein Lächeln auf seiner
krengen Gesicht, kein seliger Traum in dem verdüsterte!
Fuge: „Ich habe es ja gewußt, daß es ein Kampf werd''
ürde — auf Lehen und 828*