iner Sitzung der „Brtitish Astronomical Associatione ener
isch demjenigen Gelehrten entgegen, welche neuoͤrdings dic
virkliche Existenz der Marskanäle abstreiten. Er erklärte:
„Ich habe Photographien des Mars aufgenommen, die so
deuilich wie Stahlstiche sind, und auf jeder derselben sin
diese Kanäle, wie sie bezeichnet wurden, sichtbar. Was ia,
»emgemäß behaupte, ist, daß der Planet auf seiner Ober⸗
läche Spuren trägt, welche ein offenlundiger Beweis für
zie Erisienz intelligenter Wesen irgendwelcher Art cu' dem
Plaussen sind; dabei braucht es sich nicht unbedingt um
—
edatn, derß die gesehenen Linten entweder Kanele oder
begelationzltreisen sind“
Lokales und Vermischtes.
Dudweiler, den 7. April 1910.
Zur Aufklärung. In mehreren Tagesblättern, so 3.
B. in der Saarbrücker Zeitung in Nr. 86, im Friedrichs—
haler Generalanzeiger, Dudweiler Zeitung versuchte Herr
J. Veith aus Friedrichsthal, Vorsitzender des, Grubenhand—
werkerverbandes“ seine Stellungsnahme betr. Anschluß der
Werkstättenarbeiter der Saargruben an den Zentralverbaud
hristlicher Metallarbeiter Deutschlands zu rechtfertigen.
Zu dieser Rechtfertigung des Herrn J. Veith ist Folgendes
u bemerken:
1) Tatsache ist, daß die Mitglieder der katholischen Fach—
ibteilsungen (eine einseitige konfessionelle Zersplitterungs—
organisation), mit allen Mitteln den Anschluß der Gruben—
handwerker und des Lokomotivverbändchens an den Zen—
tralverband christlicher Metallarbeiter zu verhindern suchen.
Ja die katholischen Fachabteiler gehen sogar dazu über
fystematisch evangelische Kollegen von den Versammlungen
d»es Zentralverbandes christlicher Metallarbeiter fern zu
Jalte
2) Diesen Bestrebungen steht Herr J. Veith, der selbst
dathoölik und Mitglied eines katholischen Vereins katholischer
Fachabtetlungsrichtung ist, als Vorsitzender des Lokalver—
bändchens der Grubenhandwerker nicht fern, daher auch die
Beschäftigung unsererfeits.
Fyz) Tatsache ist, daß bereits trotz kurzer Agitation unter
oen Werkstättenarbeitern und Maschinisten der Kgl. Saar—
gruben bereits rund 300 Mann zum christlichen Metallar—
beiterverband übergetreten sind, davon 2drittel aus dem
Lokalverbändchen. Die Grubenhandwerker und Maschinisten,
sonderlich die evangelischen, durchschauen die Absichten der
katholischen Fachabteiler und sehen ohne weiteres ein, daß
mit 5 Pfennigen Monatsbeitrag (die man ja jedem Bettler
gibt) sich keine Standesinteressen vertreten lassen. Sie
sehen auch weiter ein, daß nur große zentralisierte Berufs—
verbände eine wirksame Interessenvertretung bieten können
Dazu gehört die Erhebung eines angemessenen Beitrags
Fünf Pfennige Monatsbeitrag kann wohl kaum als Berufs—
bereinsbeitrag gelten, weshalb Herr J. Veith schamhaft um
die Höhe seines Verbandsbeitrages in seiner „Erklärung“,
ie schwerlich von ihm verfaßt ist, drum herumgeht.
4) Herr J. Veith erwähnt in der Erklärung, daß die
Generalversammlungen in Louisenthal und Dudweiler sich
nicht fir den Anschluß der Werkstättenarbeiter an dem
christlichen Metallarbeiter-Verband ausgesprochen hätten,
verschweigt aber, daß es nur je ea. 40-50 Mann von
1600 waren, welche in den beiden Versammlungen anwesend
waren, und auch unter diesen befand sich bereits ein erheb—
licher Teil christlicher Gewerkschaftler. Herr J. Veith ver—
gißt ferner zu sagen, daß in seiner Vorstandssitzung in
Dudweiler nicht mehr erschienen, weil dieselben nichts mehr
mit dem Veith'schen Verband zu tun haben wollen, vor
allen Dingen waren dies die evangelischen Vorstandsmit—
zlieder.
5) Tatsache ist, daß durch völlige Untätigkeit des Lo—
lalverbandes die Kassierer stellenweise klagen mußten, daf
siie die 5 Pfennige Monatsbeitrag nicht beisammen kriegen
könnten, auch ist man sich keineswegs klar, wer eigentlich
Mitglied in den Werkstätten ist. Arbeiterverbände, die alle
halb Jahr einmal eine Versammlung abhalten, tragen den
deim des Verfalls in sich.
6) Wenn Herr J. Veith auf den Zentralverband deut—
cher Eisenbahnhandwerker und Arbeiter (Sitz Elberfeld)
sanspielt, der seine Selbständigkeit habe, so sei darauf hin—
gewiesen, daß auch der Zentralverband christl. Metallarbei—
ter genau ebenso eine Selbständigkeit innerhalb des Gesamt—
verbandes, der 22 Zentralorganisationen mit rund 300 000
Mann umfaßt und mit einer Jahreseinnahme von ca bein—
Jalb Millionen Mark rechnet, bewahrt hat.
7) Wenn Herr J. Veith ausdrücklich erklärt, daß für
die Werkstättenarbeiter der Kgl. Saargruben keine Lohnfrage
bestände, da die Entlohnung ausreichend sei (diese Auslas—
sungen des Herrn J. Veith sind von einer Reihe Zeugen
gehört worden), so ist wohl die Frage am Schlusse erlaubt:
Wie will Herr J. Veith an der Besserung der Lage der
Arbeiter und an der Lösung der sozialen Frage mit b
Pfennigen monatlichem Verbandsbeitrag und mit einem be—
deutungslosen Lotalverband mitarbeiten? Vielleicht erbarmt
ich einer unserer Konkurrenten und bietet für weitere 5
Kfennig vro Monat so etwas wie „Rechtsschutz“ und „Ver—
2
lichen Zudand ein Ende zu machen. Freilich war es ihm
nicht leicht, Abhilse zu schassen. Das einzige, was ihm die
Möglichkeit gab, etwas zu erwerben, war, Musikunterricht zu
exteilen. Doch davon wollte Alice nichts wissen. Es sei
ein Hungerbrot, sagte sie stets. Musikstunden würden viel
zu schlecht bezahlt und regten die Nerven auf. So unter⸗
blieb auch das immer wieder. Alice fühlte wohl, daß ihr
Gatte zum Erwerb nicht zu gebrauchen war. Sie wollte
nicht, daß er Verdienst suchen sollte, weil sie unbeschrän
übed ihn herrschen wollte.
„Von wem sind die Blumen?“ fragte Siegfried, auf
das Bouquet deutend, das Alice eben in ein Glas mit
rischenn Wasser stellte.
„Ein Geschenk Baron Römers,“ sagte sie leichthin.
Wie oft habe ich Dich schon gebeten, von diesem Herrn
eine Blumen anzunehmen!“
„Ach, und warum sollte ich es nicht tun? Du kannst mir
a doch keine Blumen kaufen!“
Siegfried fuhr heftig auf.
„ESchon wieder dieser Vorwurf; ich sage Dir, ich ⸗x—⸗
trage das nicht länger!“
„Nun, so ändere es doch!“
oͤllice spielte gleichgiltig mit einer Rose, die sie aus
dem Gürtel gezogen, und suhr in spöttischem Tone fort:
„Es ist nun einmal so, wie es ist. Ich dachte, als wir uns
kennen lernten, auch nicht daran, daß es so kommen würde.
Damals warst Du der reiche Graf Düren-Ehrenbach, ein
glänzender Kavalier, der mir leichtgläubigem, dummen Ding
ein blendendes Märchen erzählte, — von einem schönen,
herrsichen Schloß, in dem ich als Herrin harsen sollte, von
Reichtum und Glanz und Pracht, — von einem sorgenloser
Leben und von — weiß Gott — welchen wunderschönen
Dingen. Ich lenschte gern diesen Schilderungen, aber sit
blieben, wes se waren, ieen. Statt des 7
nehmen birefen betem ich
„Einen Letler“, ergänzte Siegfried aufgeregt, als Alice
schwieg. „Ta, ja, ich weiß. Ich hütte Dein Los nicht an
das meilne tettett jellen, es war ein Unrecht, das sich nun
bitter rächt! Aber ich war in dem Wahn, daß Deine Liebe
stark genug sei, alle die Widerwärtigteiten zu ernagen, die
die Aenderung meiner Lage im Gefolge hatten. Leider iab
ch mich bald genna. hittep enttäuscht!
retung“, und Herrn J. Veith wie den übrigen kath. Fach—
ibteilungen wäre „billigerweise“ geholfen.
Bezirksleitung des Christl. Metallarbeiter-Verbandes.
Theater. Im Nassauerhof geht durch das Stadtheater
ensenible heute, Donnerstag abend, das geschichtliche Lust.
piel „Das Gänsegretel von Fechingen oder: „Der letzt
Fürst von Saarbrücken“ in Szeue. Der Verfasser Philipp
Walburg Kramer, ein aller Gelehrter, einstiger Bürger von
Saarbrücken, hat das Werk nach historischen Tatsachen nach
der Chronik zusammengestellt, und selbst unseren jetzigen
älteren Einwohnern darf die Geschichte mit Margarethe
datharina Kest von Fechingen und dem letzten Fürst Lud—
vig von Saarbrücken noch in Erinnerung sein, denn Fürs
udwig nahm damals die Gänsegretel zu seiner Gemahlin.
Ddas Stück führt uns so recht in die gute alte Zeit zurück,
vo jeder kleiner Fürst sein eigen Land regierte, und welche
Zarbarei standen dvmals die Untertanen aus, als noch die
nute und Peitsche als Strafmittel diente. Der Dichter
at es so recht verstanden, das Stück mit Ernst und Humor
u durchwürzen. Das Stück spielt teils in Fechingen,
Dudweiler, Saarbrücken und Ludwigsberg. Das „Gänse—
gretel“ darf als ein lebendiges Stück Sittengeschichte des
origen Jahrhunders gelten. Das Lustspiei hat bei seinen
bisherigen Aufführungen in Deutschland, Holland und in
»er Schweiz einen stürmischen Beifall erlebt, sodaß es hier
n seiner Heimat bestimmt ein ausverkauftes Haus sichert.
Die Hauptrollen sind aufs beste besetzt, die Kostüme
eigens dazu angefertigt, sodaß es wieder ein Musterabend
zu werden verspricht. Die Aufführung findet nur einmal
att, also heute Donnerstag abend alles auf zum Gänse—
rretel.
Förderklasse. Heute traf hier Herr Oberregierungsrat
Schuͤlin, sowie der Herr Schulrat ein. Es handelt sich um
ie Förderklasse, die nach einem Beschlusse des Gemeinde—
ates eingehen soll
Saarbrücken, b. April. Auf der Bank der Angeklag⸗
en befindet sich der am 4. Januar 1891 zu Humes ge—
orene Schlepper Kaspar Eisenbarth, zuletzt in Merchweiler
»ohnhaft. Derselbe ist angeklagt, in der Nacht zum 27.
dezember 1909 zu Wustweilerhof den Bergmann Andreas
„chmidt aus Merchweiler vorsätzlich körperlich mißhandelt
u haben und zwar so, daß der Tod des Schmidt infolge
»er schweren Verletzungen eintrat, Verbrechen im Sinne der
Zaragraphen 223 und 226 des R.⸗St.“G.“B. Als Ver⸗
eidiger des Angeklagten war Herr Rechtsanwalt August 2
inwesend. Die Anklagebehörde war durch den Kgl. Staats—
inwalt, Herrn Dransfeld, vertreten. — Eisenbarth gibt die
ym zur Last fallende Tat zu, bestreitet aber, die Absicht
iehabt zu haben, den Schmidt zu töten. Er hat ein vor
»urfsfreies Vorleben hinter sich und galt für einen fleißiger
lrbeiter. An dem besagten Tage, es war der 2. Weih
achtsfeiertag, hatte Eisenbarth von vormittags an ziemlich
iel getrunken in verschiedenen Wirtschaften und bei Mich.
Zalm, wo er unter Kameraden Karten gespielt hatte. Zu—
etzt hatte man die Wirtschaft von Jakob Baltes, den Wust⸗
veiler Hof, ausgewählt. Dort wurde Familenabend ge—
eiert und es wimmelte von Gästen. Der Angeklagte saß
»ort im Wirtszimmer von 9 Uhr abends an mit Peter
Keßler, Nikolaus Brill, Bieler, Markus und Ed. Schmidt
Der verstorbene Bergmann And. Schmidt saß ebenfalls mit
an dem Tisch. Durch Schuld des Eisenbarth entstanden
hier Zwistigkeiten. Er renommierte, er sei imstande einen
chweren Tisch mit den Zähnen hochheben und frei in der
ruft balanzieren zu können. Andreas Schmidt, ein vor—
zugsweise starker Mann, sprach dem Angeklagten das vor—
erwähnte Kunststück rundweg ab und hänselte ihn dabei in
nicht gerade schmeichelhafter Weise. Zuletzt drohte man dem
Eisenbarth, ihm eines an die „Schnüß“ zu schlagen. Eisen—
— 0
aus“. Die Tür führt aus dem Wirtszimmer auf einen
Vorplatz bis zur Straßenrinne bezw. zum Gartenzaun. A.
Schmidt ging hinaus, Eisenbarth folgte ihm. Draußen
chlug Schmidt den Eisenbarth mit der Faust ins Gesicht
ind warf ihn gegen die Mauer. Daß nun, als er sich
vieder aufraffte, mehrere Personen gegen ihn vorgedrungen
eien — so behauptet Eisenbarth —, hat keiner von den
Augenzeugen gesehen. In diesem kritischen Moment zog
Lisenbarth sein ziemlich großes Taschenmesser und führte
mit der linken Hand (er ist ein sog. „Linkser“) einen sehr
schweren Stich in die rechte Halsseite des Schmidt. Der
Stich durchbohrte die Halswirbel, zerschnitt so das Rücken—
mark und mußte sofort tötlich wirken. Schmidt, ein braver
Mann und achtbarer Eltern Kind, stürzte zusammen und
war nach kaum einer Stunde nicht mehr unter den Leben—
den. Der Täter eilte fort. Ganz verstört kam er zu M.
Salm zu Merchweiler, wo er keuchend den Sachverhalt er—
zählte und sein blutbeflecktes Messer hervorzog. Eine seiner
Manschetten, die ebenfalls mit Blut durchtränkt waren, warf
er ab, und der Schuhmacher Peter Ries schaffte sie beiseite.
Das Messer des Eisenbarth kam in den Besitz des Ries,
dessen Vater es abschärfte und schleifte, bis es gerichtlich
eingezogen wurde. — Vom Sachverständigen, Herrn Kreis—
arzt Dr. Karl Schmidt zu Neunkirchen, wurde die Todes—
ursache auf den unseligen Messerstich zurückgeführt. Hinter
dem rechten Ohr des Schmidt befand sich eine große klaf—
Eine Pornenkrone. —
Histoischer Roman von Freiherr von Winterfeld.
1. Kapitel.
Die im Jahre 1806 besonders glühende Junisonne
atte das etwas rauhe Klima der Küsten Hollands zun
nildesten Sommerluft gewandelt, und die grauen Nebe
etteilt, die im Frühling und Herbst ihr magisches Gewand
imn däs ganze Eestade des Viecres schlingen.
Malecisch breitet sich Scheveningen an der Küste hin
hott, etwas ferne dem Strand, auf thronartiger Höhe,
euchten in der Abendsonne die Zinnen des Residenzschloß
es im Haag und zwischen beiden ist rings die Landschaff
esär mit den Sommerwohnungen wohlhabender Bürger
er Vesidenz, oder den Landsißen der Vornehmen, oder
»en Häusern und Gehöften der Ackerbau und Viehzuch
reihenden Bevölkerung.
Auch einzelne Fischerhütten haben verstohlen in dieser
eoorzuzten Kreis sich eingedrängt und vermehren mit den
latternden Wimpeln und den ausgespannten Segeln der
Fahrzeuge, die den, die ganze Gegend durchschneidender
Zanal beschiffen, die bunte Mannigfaltigkeit des Bildes
Wenden wir uns der glänzenden Residenz zu, welch
igentümlich genug, lange Zeit nur den Rang eines Dor
es desaß und wo nun Ludwig Vonaparte, den sein all⸗
machtig gewordener Bruder, Napolcon J., den Holländern
ils Kunig aufgezwungen hatte, seinen Einzug hielt.
Nicht rege Begeisterung, sehnsüchtiges Erwarten oder
esondeter Enthusiasmus, die ein Volk überbommen, wenn
s nacth längerer Trennung den rechtmäßigen Herrscher
mpfangen soll, trieben die Bevölkerung Hollands, die
zewohner des Haag, durch die Stroßen dem Köðnias⸗
hlosse zu.
Rur Schaulust und Neugierde waren es, die die Men
chenmassen dem Schlosse zuströmen ließen, in Erwartung
von besonderen Dingen. Wohl hatten die Günstlinge des
ende Wundöffnung. Das Messer muß bei der Tat von
dem sogen. Warzenabsatz abgeglitten sein, wodurch das Ein—
zringen der Messerspitze zwischen der ersten und zweiten
dalswirbel bewirkt wurde. Der Wahrspruch der Geschwo—
enen lautet: „Schuͤldig“. Die Frage nach mildernden Um—
tänden wurde bejaht. Vom Staatsanwalt wurden 2 Jahre
5 Monate Gefängnis beantragt. Das Urteil des Gerichts—
yofes lautete: 2 Jahre Gefängnis, von denenz3 Monate
ils in der Untersuchungshaft verbüßt, angesehen werden.
Saarbr. Volksztg.
Saarbrücken, 7. Aprl. Wie wir bereits gestern durch
Anschlag an unsern Depeschentafeln mitteilen konnten, ist
»er, Gattenmörder Loch, gebürtig aus Köln a. Rh., der in
Jägersfreude seine Ehefrau mit einem Hammer erschlug, zu
15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Der Zudrang
des Publilums war ein ganz enormer: hunderte von Per—
onen mußten durch Polizeiorgane vom Hofe und aus dem
vderichtssaale verwiesen werden. Die Anklage lautete ur—
prünglich auf Mord. Da der Angeklagte bei sei—
ier Angabe blieb, er habe mit seiner Frau Streit gehabt
ind in der Erregung die Tat ausgeführt, konnte diese An—
lage nicht aufrecht erhalten werden. Er wurde deshalb
vegen Totschlag verurteilt
Der Angeklagte stellte die Sache so dar: er habe schon
eit drei Tagen zu Bett gelegen, da er unwohl gewesen sei.
Seine Frau habe ihm warme Aufschläge auf den Leib
nachen müssen. Am 4. Januar, abends gegen 8 Uhr
als er mit seiner Frau bereits im Bett gelegen, habe er
oon ihr verlangt, sie solle aufstehen und ihm wieder warme
Aufschläge machen. Sie habed sich jedoch geweigert. Er sei
aun aufgestanden und habe sich am Ofen zu schaffen ge⸗
nacht. Auf seine Aufforderung, doch aufzustehen und Feuer
u machen, habe die Frau ihn beschimpft und gesagt:
Lump, ich mache Dir kein Feuer, und wenn Du verreckst!“
Im weiteren Verlauf des Streites habe die Frau mit einem
hegenstand nach ihm geworfen. Er sei darauf so in Wut
geraten, daß er mit dem Hammer, den er in der Hand ge—
zabt habe, um Kohlen zu zerkleinern, blind auf die Frau
osgeschlagen habe. Wieviel Schläge er getan und wohin
r seine Frau getroffen, sei ihm in dem betressenden Mo—
nent nicht klar geworden. Nachdem er gesehen, daß seine
Frau sich nicht mehr geregt habe, sei ihm die Ahnung ge—
ommen, daß seine Frau tot sei. Er sei darauf in ein neben
»em Schlafzimmer befindliches Zimmer gegangen und habe
vort an einem in der Wand steckenden Haken einen Strick
efestigt, um sich daran aufzuhängen. In dem Moment,
vo er den Kopf in die Schlinge gesteckt habe, sei ihm das
zild seiner Mutter vor Augen gekommen. Das habe ihn
ewogen, von dem Selbstmord abzuftehen. Er habe sich
ann zur Straßenbahn begeben und sei nach Saarbrücken
efahren, wo er bei seiner Mutter übernachtet habe. Im
raufe der nächsten Tage will er mehrmals versucht haben,
ch im Walde in der Nähe des Deutschmühlenweihers zu
rhängen, sein Vorhaben sei ihm jedoch jedesmal leid ge—
vorden. Seine Schwester, verheiratet in Köln a. Rh., habe
r von dem Vorhaben benachrichtigy. Diese sei bereits am
Abend des b. Januar in Saarbrücken eingetroffen und habe
hm davon abgeraten, Selbstmord zu verüben. Er solle
ich der Polizei stellen. Das habe er andern Tages mor—
gens auch getan.
Der Sachverständige, Herr Kreisarzt Dr. Schwabe, führt
aus, Loch habe seine Frau vermutlich im Schlafe überfallen
ind ihr die Schläge mit bem Hammer beigebracht. Alle
Umstände sprächen dafür, besonders der, daß ein Schlag,
edenfalls der erste, so heftig in die Gegend oberhalb des
inken Auges geführt worden sei, daß die abnorm starke
Schädeldecke total zertrümmert und einzelne Splitter dersel—
den in die Gehirnmasse eingedrungen sein. Aller Wahr—
cheinlichkeit nach habe dieser Schlag den Tod der Frau her—
beigeführt. Nach den Eindrücken, die an der Schädeldecke
deutlich sichtbar seien, habe der Angeklagte der Frau minde—
tens 5B—7 Schläge auf den Kopf beigebracht. Auch habe
die Lage der Leiche sehr stark dafür gezeugt, daß der Uber—
tall im Schlafe geschehen sei. Ein Finger an der linken
dand sei total zerschinettert gewesen — die Frau habe
wahrscheinlich im Schlafe die Hand am Kopf gehabt. (Der
Schädel wurde hen Herrn Geschworenen vorgezeigt).
Ein großer Apparat von Zeugen wurde vernommen
iber das Lebeu des Angeklagten, der Frau, der Eheleute
isp. Nach Schluß der Beweisaufnahme ließ die Staats—
anwaltschaft die Anklage auf Mord fallen und beantraat.
mächtigen Kaisers, die sich auch unter den Holländern ge⸗
sunden hatten, es verstanden, etwas Stimmung für den
neuen König zu entfachen, damit er mit Jubel empfangen
würde und das Mißvergnügen über diesen Regierungs—
wechsel nicht laut werde, denn Holland war bis dahin
ein freies, unabhängiges Volk gewesen. Wenn dieses
Mißvergnügen nicht vollständig zu bannen war und noch
zrouüte mit dem Donner der Kanonen, der den holländi
schen Boden erdröhnen ließ, um dem jungen Königspaare
däs erste Willkommen zuzurufen, so blieb es im Geheimen.
Das neue Königspaar war durchaus keine unsym
pathische Erscheinung und wohl imstande den Widerwillen
gegen das aufgedrungene Königspaar etwas herabzumil—
dern. Ludwig Bongaparte stand in der Blüte der Jahre
und Kraft. Der melancholische Blick und der meist weh—
nütig geschlossene Mund verrieten, daß er keineswegs zu
einem kraftvollen Herrscher geboren war und er seiner
Natur, seinen Anlagen und seinen Fähigkeiten nach eher
zu einem stets gehorchenden Offizier hinneigte. Neben
ihm die jugendlich schöne Hortensie, ein Bild zarter Weib—
lichkeit mit einem zauberischen Lächeln um die feingeschnit—
tenen Züge und dem eigentümlich beschatteten Augenpaar.
Kaiser Napoleon hatte wohl darauf gerechnet, daß die
kühlen, zurückhaltenden Holländer dieses vergebens zurück
zgewiesene Königspaar doch freundlicher aufnehmen würden,
als jedes andere und darum hatte er gerade diesen Bruder
zu der Rolle trotz dessen Widerstand ausersehent.
WMilder, nachgibiger, ja hin und wieder selbst leise ver⸗
rauend, neigten die heftigsten Gegner, angenehm berührt
»on der Erscheinung des Königspaares, den neuen Herr—
schaften sich entgegen, als diese, langsam durch die Straßen
der Stadt sahrend, strahlend von Huld und Güte, Gruß
um Gruß herniedersandten auf die in Mißbehagen har—
rende, und eigentümlich bewegte Menge.
So sfand der Abend die Bevölkerung Haags in er—
hobener Stimmung — er fand versöhnlicher gestimmte
⏑ —
5 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust wegen Tot—-chlag.
Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage un«
erneinten die Frage nach mildernden Umständen. Der Ge—
ichtshof verurteilte den Angeklagten analog dem Antraa—
der Staatsanwaltschaft.
Saarbrücken, 53. April. Ein Zusammenstoß eines
randauers mit einem Straßenbahnwagen der Riegelsberger
Ztrecke ereignete sich vorgestern in der Nähe des Wallen—
aumes. Die beiden Pferde eines von einem Ausfluge
zurückkehreuden Landauers scheuten vor einem herankom—
nenden Straßenbahnwagen und rannten gegen denselben
der Anprall war von solcher Heftigkeit, daß der Landauer
amt Insassen und Pferde in die nebenanliegende Wiese
logen. Glücklicherweise kamen die Passagiere mit wenige;
hweren Verletzungen davon. Die Pferde sind erheblich
erletzt. Saarbr. Voksztg.)
Saarbrücken, 5. April. Taufe des Ballons „Saar“.
gekanntlich hat die Saarbrücker Ortsgruppe „Saar⸗Mosel“
es niederrheinischen Vereins für Luftschiffahrt, einen
genen Ballon erworben, der den Namen „Saar“ führen
dird. Am letzten Sonntag wurde ein Probeaufstieg mi—
iesem Ballon unternommen, die in jeder Beziehung günstig
„erlief und nach einer längeren Zwischenlandung in
diruungen bei Dozem an der Mosel landete. An kom—
nenden Sonntag, den 10. April, mittags 12 Uhr vollzieh
iun die genanute Ortsgruppe im hiesigen Stadtgarter
St. Johanner Volksgarten) die Tanfe ihres neuen Ballons.
Im Anschluß hieran findet eine Ballon-Fuchsjagd mil
Jutomobilverfolgung statt, an der 7 Ballons und 7 Auto—
nobile teilnehmen.
Saarbrücken, 5. April. Gestern vormittag stellten sit
zei dem hiefigen Bezirkskommando eine größere Anzab
Reservisten des Jahrganges 1906 und Landwehrleute de—
Jahrganges 1900 aus dem Kreise Saarbrücken zu eine:
Atägigen Uebung. Die Mannschaften fuhren mit den
Zuge 8,17 Uhr von hier nach dem Truppenübungsplatze
Elsenborn, woselbst morgen das 1. Reserve-Regiment fü—
deu Bereich des 8. Armeekorps zusammengestellt wird
Die Unteroffiziere für dieses Regiment stellten sich bereit
am vorgestrigen Montag vormittag. (Rolksztg.)
Spiesen, 6. April. Innerhalb 8 Tagen wurden hier
2 Kinder von der gefürchteten Genickstarre befallen; beide
vurden durch den Tod von ihrem schweren Leiden erlöst.
Spiesen. 56. April. Nach einem voraufgegangenen
Streite ergriff der etwa 25 Jahre alte taubstumme Sohn
das Beil und schlug dieses seinem Stiefvater mit volle
Wocht auf den Kopf, sodaß letzterer blutüberströmt zusam
nenbrach; sofort mußte ärztliche Hilfe in Anspruch genom
nen werden. Auch die Mutter wurde von dem Wütender
ingegriffen. Der Täter wurde verhaftet. Er hatte einen
nißglückten Fluchtversuch änternommen.
Trier, 6. April. Weinversteigerung im kath. Bürger—
»erein zu Trier. Heute vormittag begann nach der üblicher
Verlesung der Steigbedingungen die Versteigerung der 1908e
Veine des Trierer Vereins von Weingutbesitzern der
Nosel, Saar und Ruwer. Die Beteiligung war sehr rege
der erste Versteiglasser war das bischöfliche Konvikt ir
krier. Es wurden erlöst für 7 Fuder Avelsbacher 7640
Mk., Durchschnitt 1077 Mk., 12 Fuder Eitelsbacher 17730
Mk., Durchschnitt 1368 Mk., 15 Fuder Grünhäuser 23 350
Nk., Durchschnitt 1357 Mk., 18 Fuder Caseler 33 180 Mk.,
Durchschnitt 1841 Mk. — Erlös für b3 Fuder Ruwer—
veine 81 810 Mk., Durchschnitt 1344 Mk. — Die Königl
Dominialverwaltung zu Trier erlöste für 27 Fuder Avels—
hdacher 48 940 Mk., durchschnittlich 1688 Me.
* Köln, 6. April. (SSpielernest ausgehoben.)
die Kriminalpolizei hatze in Erfahrung gebracht, daß in
einer hiesigen Speisewirtschat sich eine Spielhölle befinde.
Um 4 Uhr morgens drangen mehrere Beamte mit einem
Wachtmeister in das Haus und überraschten 35 Personen
beim verbotenen Glücksspiel.
* Düfseldorf, 6. April. Achenbachs Begräb—
Aii s.) Gestern nachmittag um 4 Uhr sfand das Leichen—
»egünznis Andreas Achenbachs unter großer Beiteiligung
ilier Schichten der Bevolkerung statt. Den Leichenzug er—
iffnele die Musik des 39. Inf.Regts., worauf die jungen
Atademiker mit brennenden Fackeln folgten. Es folgten
Verreter der Zivil- und Militärbehörden, des Malkastens
und als Vertreter des Kaisers Generalleutmmnant v. Böhn
Zämtliche deutsche Kunstakademien hatten Vertreter und
draͤnze geschickt, darunter die Akademie der bildender
dünste in München, die alte deutsche Kunstgenossenschaft
zie Dresdener Kunstakademie, die Dresdener Kunstgenos
enschaft, die Badische Kunstakademie, die Akademie der
dünste in Berlin, die Kienstschule in Weimar, die Genos
enschaft der bildenden Künste in Wien und zahlreiche
ve tere künstler sche Gesellsichaften. Unter den Leidtragen
en befanden sich Regierungsprasident Dr. Kruse, Ober—
ancdesgerichtsprasident Ratzjen, der Landeshauptmann v.
senvers, Akademieprofessor Röber als Vertreter des Kul—
usministers. Aus dem Wege zum Friedhofe brannten um—
lorte Stradenlacrenen und große Menschenmassen bildeten
Zpalier. Im Hause des Verstorbenen fand eine Trauer—
eier statt. Auf dem Friedhofe hiet der katholische Geistiche
eine kurze Ansprache. Im Rathause sand nach der
Zecrdigun,g gleichsalls eine Trauerseier statt.
*Oberhausen, 6. April. (Stiftungen.) Aus An—
aß der Feier ihres hundertjährigen Bestehens machte die
herzen. Mehr denn ein Lämpchen ward als schweigen⸗
»es Zugeständnis verstohlen bereitet, um der längst ange⸗
ordneten glänzenden Beleuchtung der Stadt hinzugefügt
zu werden. In abwartender Haltung sammelte sich die
Bolksmenge dem Teile des Schlosses gegenüber, wo vom
Altan herab die Herrscherfamilie sich noch einmal zeigen
ollte um die dargebrachte Huldigung entgegenzunehmen.
Ein Meer von Flammen loderte zum düsteren Him
melszelte empor und überstrahlte den zuckenden Blitz, der
die Wolkenmassen in längeren Zwischenräumen teilte. In
uabsehbarer Linie rasselten die Equipagen der e
uind Vornehmen daher, um ihre Insassen dem Feste im
Königsschlosse zuzuführen, welches die Feier des Tages
vürdig beschließen sollte; um ja rechtzeitig den Palaft zu
erreichen bahnte sich aber auch manche festlich geschmückte
Bestalt eilig zu Fuß den Weg durch das Gewühl der
Menge. Das Gedränge nahm zuweilen einen recht be⸗
ingstigenden Charakter an, besonders als endlich Ludwig
Bonaparte, den jüngsten Prinzen auf dem Arme, neben
hm Hortensie, an die der älteste Sohn sich geschmiegt
satte, der später als Kaiser Napoleon III. eine bedeu⸗
ende geschichtliche Rolle spielte, aber nach seiner Gefan⸗
sennahme in Sedan dem französischen Kaiserthron wieder
ntsagen mußte.
Hin und wieder wurden Hochrufe auf die königliche
Familie laut und König Ludwig ließ seinen Blick wohl⸗
efällig über die unten versammelte Bevölkerung gleiten,
enn ihm hatte eigentlich vor diesem Augenblick etwas
jebangt; er hatte sich der Befürchtung nicht verschließen
önnen, daß sich irgend etwas Unangenehmes, Unliebsa⸗
nes, irgend ein Ausbruch feindseliger Gesinnung ereignen
zönne, denn er wußte wohl, daß sich die Holländer ge—
träubt, ihn als König anzuerkennen und man sich schließ⸗
ich nur vor der Macht seines Bruders gebeugt hatte, der
s verstand, selbst ganzen Völtzern seinen Willen auhzu
wingen. ι α