uch die Ablehnung oder Bereitstellung eines Landungs
gze für Luftschifse mit Fahrgästen in der Nähe jeden
xsnng in' sich, weil dazu doch immer ein Ueber
liegen der Festung notwendig werden konnte. Man be
boni hier ferner, es sei festgestellt worden, daß die Meh—
ahl der Fahrgäste des Zeppelin⸗Luftschiffes vorwiegen
nis Ausländern bestehe, daß diese mit photographischer
Apparaten versehen seien, mit denen sich Aufnahmen ir
zeliebiger Weise machen ließen. Wenn es nun schon ge—
etzlich verboten sei,“ Risse von Festungen oder einzelner
destunaswerken aufzunehmen und zwar voni Erdbodep
4us, von wo aus man nur einen ungenugenden und un
'ollständigen Einblick in ein solches Festungswerk erlan
son könne, um so mehr müsse solchen Aufnahnten aus
er Luft vorgebeugt werden, von wo aus man das Fest
ingswerk im vollen Grundriß mit allen Einzelheiten der
Inlagen übersehen und auf der photographischen Platie
esthalten könne. Aber schon gegen ein Einsehen aus der
Luft mit Ferngläsorn müsse man sich schützen. Daher werde
in jeder Staat schon“ aus Selbsterhaliungstrieb ein sol
»es Verbot, erlassen und durchseßen müssen. Und wenn
san erwägt, wie Rußland und Frankreich sich schon zu
em Usverfliegen ihrer Landesgrenzen durch fremdländische
uftffahrzeuge stellen, so werde man ein Verbot des Ueber
iegens von Festungswerken im Friedenndurch Luftfahr—
euge jeglicher Art als durchaus berechtigt anerkennen müs—⸗
en: Inwieweit in dieser Beziehung internationale Ab—
nachungen durch Aufstellung einer Art von Luftrecht zu
reffen seien, werde man der Erwägung und Enischeidung
er Regierüng zu überlassen haben, zunächst werde sich
seder Staat gegen unerlaubte Uebergriffe in dieser Nich,
inz schützen müssen.
*8eppelins Passagierfahrten. „L. 3.
* ha an Donnewstag wieder seine gewohnte Passa
iersahrt nach Straßburg gemacht. Damit sind die Ee
üchte eines militärischen Verbots aus Fortifikationsrück
chten hinfdällig.
*E nener A dr ihe aese Ein Rie—
enpreis in Höhe von 350 000 Franks für einen Touren—
ug im Aeroplan durch Frankreich will das Gemende
atsmitglied Quentin Bauchart vom Pariser Gemeinderan
erlangen. Dieser Rundssüug soll von Paris nach Bor
eaur, Toulouse, Marseille, Lyon und Dijon bis Pari—
ühren. Er soll für internationale Flieger ofien sein unf
Alle Jahre einmal veranstaltet werden
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
* Köln, 8. Septbr. (Um 1500 Markt geprelliÿ
wurde ein Reisender aus Düsseldorf, der sich in einem Re—
— hierselbst von zwei Fremden verleiten ließ, eine
stoßere Anzahl gefälschtes ausländisches Papiergeld als
chte Scheine zu laufen.
*Essen. 8. Septbr. (Verschüt ete Bergleu—
e. Auf der Zeche „Zollverein“ in Stoppenberg siel auf
Zchaͤcht 152 ein Wagen beim Steinekippen an einen
Pfeiler. Bei den Bemühungen, den War heraufzuzie—
jen, brach der Pfeiler, zusammen. Dabei ourden drei
Bbergleute von Gesteinsmassen verschüttet. Im Laufees
zestrigen Tages wurde eine Verbindung zwischen den Berg
euten und den Rettungsmannschaften hergestellt und da
hei festgestellt, daß alle drei am Leben sind. — Nach ei—
ter späteren Meldung sind von den verschütteten Vergleu—
en heute früh zwei Mann lebend und einer tot aufae—
unden' worden.
* Frankfurt, 8. Septbr. (Selbstmord?) Heute
noxgen 94 Uhr wurde in dem im Hause Meiselgasse 7
efindlichen Warenlager der 59 Jahre alte Hermann Wie—
and mit durchschnitiener Kehle in einer großen Blutlache
iegend aufgefunden. Wiegand litt an Verfolgungswahn
ind hätte heute in ein Irrenhaus gebracht werden sollen.
* Karlsruhe, 8. Septbr. GBekämpfung der
Schnakenplage.) Gegen die Landplage der Schna—
en ergeht jetzt ein sehr zeitgemäßer Sammlungsruf. Ein
on Frhrn. von Böcklin gegründeter Landesverein zur
Bekämpfung der Schnakenplage wird demnächst hier im
stathaus die, erste Haupwwersammlung abhalten, in der die
lrt der Bekämpfung schon mit Beginn der Kerbstmonate
esprochen und Verhaltungsmaßregeln in allen Gemeinden
ind Behörden zur Belehrung der Venvölkerung angenom—
ien werden sollen. i
— — —
Aus aller Waolt.
Familientragößie. Eine erschütlernde Familientra—
zödie spielte sich in Schöneberg ab. Dem 62jährigen Frei—
serrn und Kaufmann von C. war seit Wochen die Mit—
eilung der Aerzte schwer zu Herzen gegangen, daß ein
reiden seiner gleichaltrigen Gattin unhebar sei. Mittwoch
bend begab sich das Ehepaar in die Küche und drehte
ie Gadhähne des Kochherdes auf. Als nach einiger Zeit
zdausbewohner eindrangen, fanden sie die beiden alten
deute tot auf dem Kohlenkasten sitzen. Wiederbelehung?
vesnn blieben erfolglos.
holera. Der bekannte Hygieniker und Balteriologe
Brosessor Dr. Emmerich in München antwortete auf eine
Infrage, daß für Deutschland in diesem Jahre der Ausbruchk
inér Cholera⸗Epidemie für ausgeschlossen zu erachten sei
veil infolge der anhaltenden Regenperiode, die zur Ent
tehung einer Cholera-Epidemie erforderliche Beschaffenhei
des Bodens nicht varhanden foi Ai⸗ä ahor das nächit
C
nden Nische, gegenüber dem Altar, wo das Barmonium
tand.
Voll und weich durch das sinkende und steigende Lied
des Sturmes, der in den Bäumen, die die Kapelle um—
tehen, wühlt, ihre Zweide oft wild wie verlangende Arme
gegen die Fenster schleudernd, tönt es zu dem Manne hin—
iber, das alte, herrliche Kirchenlied, das er wohl kannte. —
p Erschreckt. voll banger Sehnsucht lauscht er atemlos hin—
iber.
Da, ein rotzischender Blitz wie ein Feuerstrom durch
die: Kapelle, über das spielende Mädchen hin. Fürchtet sie
ich denn nicht?
»„Konitesse Astrid“ ruft er gedämpft, näher tretend.
„Ach! —“ Ihre Hände gleiten von den Tasten im
umpfen Mißakkord. 99—
Er neigt sich über sie, da sie schweigend sitzen bleibt.
Bitte, Komtesse, kommen Sie mit mir. Ihre Eltern
ingstigen sich um Sie. Wir müssen sie so rasch als mög—
ich von der begreiflichen Sorge befreien!“
Sie erhebt sich. „Mein Gott, Komtesse, Sie schwanken.“
„Nein, nein. Nur die Dunkelheit.“ —
Es ist ihm, als klänge ihre Stimme fremd. Sie tri“
ieben ihm aus der Kapelle. Das Wetter scheint schon nach—
zulassen. Seltener kommen die Blitze durch die schwarzen
zaummassen, ferner rollte der Donner.
Aber es fängt an zu regnen. Man hört das schwere—
natternde Tropbfen auf die Raumhsätttac Nain doch! Das
st ja Hagel!
„Komtesse, ich weiß doch nicht. Es ist besser, wenn Sie
n der Kapelle zurückbleiben. Durch ein solches Hagelwetter
önnen Sie nicht gehen. Wer weiß, wie schlimm es wird.
zch will nach dem Schloß eilen und einen Wagen holen. Sie
ahren dann links herum durch den neuen Holzschlag. In
er Angst und dem Schreck, Sie allein bei dem rasenden
VLetter im Walde zu wissen, habe ich nicht einmal an einen
Schirm gedacht,“ bittet er, stehenbleibend und sich nach der
dapelle zurückwendend.
„Nein, nein! Bitte, lassen Sie uns gehen,“ flüstert sie
oleise, daß er sie kaum verstehen konnte, — „ich möchte nicht
llein bleiben. Bitte, nehmen Sie mich mit.“
Es wird ihm seltsam zu Sinn. Sein Herz schlägt schwer
mwseiner Brust. Also weiter. Sie will es.
„Dürfte ich Komtesse bitten, mir den Arm zu geben?
5s geht sich bedeutend leichter“
Wortlos legt sie ihren Arm weich und zutraulich in den
»inen. So schreifen sie nebeneinander durch den dunkeln—
n Wald, den Suurm und den niederrafselnden Sogel
5err Gern — — 5Soamfossfot“
FJahr seyr troaen seim, so wäre die Gefahr einer Chole
a⸗Ep demie in Deutschland sehr groß. (Wenn die An
icht des Genannten zutressend ist, hätte der diesjährige
erregnete Sommer wenigstens etwas Gutes arhabt. Dic
tdedaktion.)
Gegen die Apachen. Der Just'zminister Barthor
estätigte einent Berichterstatter, daß er angesichts des ir
Paris immer niehr um sich greisenden Apachenunwesens
der immer häusigeren Revolver- und Messerattentate und
er hierdurch bedenklich gefährdeten öffentlichen Sicherhei—
der Staatsanwaltschaft die größte Strenge bei der straf
echtlichen Versolgung der Apachen au getragen habe. Fer
ier habe er beschlossen, dem Parlament einen Gesetzent
vucf über das Tragen verdotener Wassen vorzulegen, durck
z»en die bisherigen Best mmungen entsprechend verschärf
verden sollen. Auch behufs Unterdrückung der gegenüber
»er Freiheit der Arbeit uͤnternommenen Anzchläge, die ir
etzter Zeit einen immer bösartigeren Charalter angenom
nen haben, sei den Staatsanwälten besondere Wachsam
eit und Entschiedenheit empfohlen worden.
Der Spionagefall in England. Der verhaftet
'eutnaut Siegsried Heu vom Nassauischen Pionierbaail
on Nr. 21 wurde in das Gefängnis von Winchester ver
racht, wo er ehtenvoll behandelt wird und Besucher emp
angen darf. Nach seinem Auftreten ist es laum glaub
aft, daß er ein Spion ist, denn er hat sichmit größte
invorsichtigkeit benommen und seine Stizzen gezeigt. Au
erdem spricht er sehr mange'haft englisch. Die Presse be
andelt den Fall mit großer Ruhe, broß die „Daily Mail
IAutzt die Gelegenheit zu einem Artikel nbekanntem Stii
n dem all die Lügen der letzten Jahre über den Ausent
salt deutscher Offiziere in den östlichen Grasschaften und
iber die als Keilner verkleideten Agaenten aufgemärm
verden.
Meöessinager Beute. In Florenz wurde eine Frau
erhaftet, die Perien und Juwelen im Werte von einer
Nillion und mehrere hunderttausfend Lire in Wertpapie—
en in Besiß hatte. Es wird dugenommen, daß ihr Ge—
iebter, ein Postbeamter namens Marollo, diese Wertsa
hen aus den Trümmern Messinas gestohlen hat. Marotla
ourde in Messina verhastet.
Vom Expräsidenten Roosevelt. In Fargo (Nord
dakota) kam es nach Schluß einer Rede des Erpraͤsiden—
en Roosevelt zu einer aufregenden Szene. Viee Leute
rängten sich an die Tribüne heran, um dem Präsidenten
e Hand zu schütteln. Dabei rief einer der Umstehenden
em Erpräsidenten zu: „Wer bezahlt denn die Kosten fün
Ihre Reise?“ Diese Frage ärger!e Roosevelt sichtlich. Er
»rehte sich um und antworteite in gereiztem Tone: „Das
st eine Unverschämtheit, aber ich will es Ihnen trotzdem
agen, die Reise bezahlt Herr „Outlock“, dessen Redakleur
ich bin“. „Sie lügen“, rief der Mann darauf so laut,
daß es Roosevelt hören mußte. Roosevelt antwortete dar—
auf damit. daß er den Ruser von der Tribüne hanunter—⸗
vapi
Die Wespen sind zum großen Aerger der Hausfrauen,
der Obsthändler und anderer „Interessenten“ wieder in
oller Tätigkeit. Von der Natur ist die Wespe für ihr
Fortkonimen vorzüglich ausgestattet, mit größter Leichtig
eit durchschneidet sie mit ihren messerscharfen Freßzangen
zie Haut der Früchte und labt sich an deren Fleische. Böse
Fzeinde der Wespen sind die Fleischer, Zuckerbäcker und
Zäcker, auf deren Waren die Wespen rein versessen sind
Zehr gram sind den Wespen auch die Imker, denn die
chlanken, schnellen und streitbaren Tiere sind gefürchtete
Räuber auf den Bienenständen. Die Wespe lauert den
Bienen, die mit süßem Honig beladen an die Stöcke kom—
men, wie ein echtes Raubtier auf, fängt sie, wirft sie zur
Erde, reißt ihnen den Leib auf und regaliert sich an der
Beute. So verfährt sie auch mit den Schwebefliegen, d⸗
A den Blüten Honig suchen; hier liegt ihre Schädlichte;
n dem Umstande, daß die Larven dieser Fliegenarten uns
zurch die Vertilgung der Blattläuse von großem Nutzen
ind. Wenn man den Wespen an den Kragen gehen will
o empsiehlt sich am meisten die Zerstörung ihrer Nester
iachts oder an kühlen regnerischen Tagen trifft man die
zanze Räuberbande zu Hause an. Die Tötung bewirkt
tan, indem man Teer, Schwefel, Petroleum oder der
leichen in das Flugloch bringt und dann geschickt in
zrand setzt. Im einzelnen geht man gegen sie vor, in
em man Schalen mit dem Hefesatz von Braun- odern
zungbier, mit Wasser verdünnt und mit Zucker gesüßt,
um Naschen hinstellt. Sie nehmen den Trank sehr be
ierig, es geht ihnen darnach aber wie der Goethescher
zatte im Sellernest. Fse müssen elendiocitü tropieren
Ein entthronter Wetterprophet. Der bekann leste
ind volkstümlichste Wettervorhersager unter den Tieren is
»er Laubfrosch. Dieser grüne Geselle soll aber vollkom
nen unzuverlässig sein. Höchst vertrauenswürdige Wetter
ropheten dagegen finden sich in der Insektenwelt. Nach
»en Versuchen, die Fabre, der Nestor der französischen
zoologen hierüber angestellt hat, erzählt die „Nature“ in
inem Aufsatz folgendes: Der Kiefernprozessionsspinner be
vohnt im Raupenzustande kolonieweise Nester, die er in
»en Bäumen aus Gespinsten herstellt. Nachts verlassen di
staupen ihr Nest. Fabre hat nun festgesteilt, wie zuver
ässig das Verhalten der Raupen als Weitervorhersager
st. An einem Dezembertage beobachtete er z. B., wie die
aupen trotz des schönen Wetters ihren Bau nicht ver
ießen. Die Erklärung dafür fand er wenige Tage spä—
——— 44 — —
„Izit es wahr, daß Sie von Uhlenhaus fortgehen wer—
den?“ — „Ja. Es ist wahr. Ich muk.“ — „Warum?“ —
Ich muß,“ — sagte er wie vorher.
„Habe ich irgend etwas getan, etwas verschuldet —“
der Arm, der den ihren hält, zuckt zusammen. Er schweigt.
— „Sie zürnen mir? Tat ich Ihnen weh —?“ — „Ja,
domtesse. Unheilbar.“ — „Ach, mein Gott! Womit kann
ich es gut machen, daß Sie nicht fortaehon daßk Sie hei un⸗
leiben?“
„Das ist unmöglich.“ — „Darf ich Ihnen nicht wohl
ein Dankeswort sagen, ein Dankeswort dafür, daß Sie mein
debensglück retteten, als Sie es gefährdet glaubten?“ —
„Ich tat nur meine Menschenpflicht.“ — „Ja, gewiß. Sie
— Sie würden es jedem anderen Mädchen auch getan ha—
den. Natürlich,“ murmelt sie mit zuckender Lippe. — „Na—
ürlich, Komtesse. Aber hier war es nicht einmal nötig.
Zie hätten den Mann doch nicht erhört.“ — „Das wissen
Zie ja. Ich sagte es Ihnen, als Sie zu mir kamen. Diesem
sehörte mein Herz nicht. Konnte ihm nie gehören. Mein
glück lag nicht in seiner Hand.“
Immer heißer, immer zitternder wird die liebe, weiche
Stimme. Gott! Wenn man nur erst am Hause wäre!
Wenn man nur erst dort wäre, ehe die besinnungslos kamp—
ende Ehre unterlag, ehe er dies Weib an sein Hera riß das
hm nicht gehören durfte!
Stiller und stiller ist es acworden. Von Hagel sind
tur wenig Körner gekommen. In der Ferne verhallt das
VLetter. Plötzlich zuckt sie zusannien. — „Sie alitten aus,
domtesse? Bitte halten Sie sich fest an mir. Ich stütze Sie
chon.“ — „Mein Bater sagte mir noch etwas — Herr Kern.“
— „Von mir?“ — „Ja, er sagte mir, Sie hätten sich ver—
obt,“ haucht sie. — „Jawohl. Ich bin schon seit Jahr und
ag mit meiner Cousine Lina verlobt. Ich verlasse die
Zztellung hier, um mich anzukaufen und zu heiraten.“ Wie
dillensfest er sich beherrschte Sogar den Ton seiner
Zztimme weiß sein Wille z2ur Puihe und Sichorheit an
neistern.
Sie ankwortet nicht. Schweigend, den Blick groß und
till aufgeschlagen, shreitet sie an seinem Arm durch die
zchatten des Waldes. Kein Glückwunsch, kein Laut der
deberraschung. Schweigen. Verstummen. — Zu Hause.
zie löst ihren Arm aus dem seinen und sieht in sein er—
laßtes Gesicht.
„Ich danke Ihnen für die Rektung aus Gefahr,“ sagt
ie Flaren Tones und schreitet die Stufen hinouf
— —
3
⏑—
*
in außergewöhnliches barometrisches Minimum yerange
ogen, das mehr als eine Woche über der Gegent vbuck
in einzelnen Orten sank das Barometer auf 744 Milli
neter. Volle 10 Tage hindurch verließen die Rauper
vährend dieser Zeit nicht ihr Nest, obwohl einige“ ZDa
azwischen lagen, in denen es vurchaus nicht regneie
Fabre hatte außerdem gleichzeitig Kiefernprozessions spin
Ir unter Beobachtung, die er in einem großen Glaskasto⸗
stergebracht hatte. Sie ließen sich durch das Minimun
icht sehr beeinflussen, nur an den Tagen, wo das Baro
neter befonders tief stand, verließen auch sie trotz des gu
en Wetters ihr Nest nicht. Der zweite Wetterprophet aus
er Tierwelt, den Fabre beobachtet hat, ist der gewöhn
che Mistkäfer, der erst abends ausfliegt, um seiner Nah
umg nachzugehen. Die Mistkäfer fliegen nur bei schoͤnen
Letter, die Luft muß warm und unbewegt sein. Fabre
uihrt dret verschiedene Beobachtungen an. Erstiens: es i
in sehr schöner Abend, die Käfer in ihrem Glaskasten sint
ehr geschäftig, und der sosgende Tag ist ebenso schön, wie
em Himmel auch leicht anzusehen gewesen war. Zweilern
zall: das Wetter ist scheinbar wie im ersten Falle, und
zjabre rechnet auf Anhalten des guten Weiters, seine Mist
äfer jedoch sind anderer Ansicht und kommen nicht her
»or. Tatsächlich beginnt es in der Nacht zu regnen, uͤnz
»er Regen währt bis zum nächsten Tage. Drüel'er Fall:
der Himmel ist bedeckt, es ist etwas windig und man er
vartet schlechtes Wetter. Trotzdem gehen die Mistkäser ih
er Beschäftigung nach, und es zeigt sich, daß ihre Vor
ussage stimmt, denn am jolgenden Tage ist das schönste
Wetter. Fabre nimmt au, diese Insekten feien besonders
mpfindlich für die elektrische Spannuna“ und deren
Z3chwankungen.
Der Berliner Schlachthof gesperrt. Auf dem städ
ischen Schlachthof in Berlin wurde bei einem Rind Maul
ind Klauenseuche festgestellt. Das Tier stammte aus
Schlawe in Pommern und wurde sofort mit den übriger
Rindern, die in demselben Waggon gestanden hatten, nac
dem Seuchenhof geschafft und dort isoliert. Um eine Weil
erverbreitung der Seuche zu verhindern, ließ die Schlacht
hofverwaltung die Ausfuhr des im Schlachthof befindl
hen Viehes, auch der Schweine, untersagen. Auch sons
wurden von der Direttion sosort al'e Vor sichtsmaßregeli
getroffen. Sämtliche Transportmittel und Gegenstände
nit denen das kranke Rind in Berührung gekommen war
vurden grund ich desinsiziect. Ferner wird in den naich
ten Tagen der ganze Schlachthaf einer Desinfetlion un
erzogen werden. Wie lange die Sperre andanern wird
äßt sich noch nicht absehen. Die Viehlomm ssionäre wa
en laut „Dt. Flztg.“ vorstellig geworden, daß die Maß
egel nur auf Rinder beschränkt werden möge. Die Ver
valtung lehnte das Gesuch aber ab. Auch die Zu uhrer
zürften unterbleiben, und die Fleischteuerung wird dadur⸗
illem Anschein nach verschärst werden.
Bahnhofsidyll. Aus der sonnigen Pfalz ist von ei—
iem Bahnhofsidyll zu berichten, das sich im Zeitalter des
zerlehrs recht gut ausnimmt. An der Eienbahnlinie St
zingbert-Zweibrücken liegt u. a. auch die Stalion Lautz⸗
rchen. Der leßte Zug hält dort abends 10.58 Uhr, um
ann seinen Weg in der Richtung Zweibrücken fortzusetzen
in der Nacht vom 30. auf 31. August kamen vier Her—
en von einer Tour nach Lautzkirchen, um diesen Spätzug
u benützen. Doch das Stationsgebäude war auf allen
eiten verschlossen, das Personal schlief den Schlaf der
zerechten und ließ sich auch durch die vier Herren nicht
ören. Bald darauf traf der Spätzug ein, aͤber all sein
zfeifsen und Fauchen war vergebens, in Lautzkirchen war
adenschluß und's Zügle mußte ohne die vier Herren ei⸗
ast weiterfahren, offenbar, weil es fürchtete, auch die
erren der nächsten Stationen könnten schlafen gehen. Es
heint doch gemütlicher geworden zu sein, seitvenn ws
Aaatlich 7ñ
Ein Ersfatz fur Morphium. Ein neues Prapara—
at jetzt seine Proben besianden, das die gewünschten Wir
ungen des Morphiums erreicht und zum Teil sogar über
rifft, ohne dessen schädliche Nebenwirkungen zu besitzen
z58 ist ein Opiumpräparat, von seinem Hersteller Sahl
zantopon genannt, das nach dem Berichte E. A. Ewalde
ander „Berliner Klinischen Wochenschrift“ zum Ersatz vor
Norphium vollkommen geeignet erscheint. Augenblicklich
‚jat es allerdings wegen des kolossalen Preisunterschiedẽ
ioch keine praktische Bedeutung.. Das Pantopon übt, wenr
an es als schmerzstillendes, reizmilderndes oder schlaf
rzeugendes Mittel anwendet, so gut wie gar keine stop
ende Wirkung auf den Darm. Und sowohl für Stilluncç
on Husten, wie zur Erzeugung von Schlaf und Besei
igung von Schmerzen bewährte es sich besser als das
Norphium und wirlte auch in Dosen, deren Morphiumge
alt in dem hoötreffenden Fall wirkunaslos war
Der Unverbesserliche. Richter: „Das vo—
ige Mal haben Sie Besserung gelobt. und jetzt stehe“
Sie schon wieder hier!“ — Vagabund: „O, diesmal krieg
ich icher 'n voor Wochen wenider
Trost. Junger Arzt: „Die neue Kollegin macht mu
schreclliche Konkurrenz — aber die gute Partie, die ich in
Aussicht habe, kann sie mir glücklicherweise doch nicht
weaschnabpen ...* —
s 5 — ———
* ————— 5. K a p i t e lJ. —— —*
2 xv 8
Xgu Uhlenhorst herrichte Freude und Lust. Reges Le—
Fen und Treiben. Bekth aus Berlin! Und awar so var
iehmer, interessanter, ganz unerwvärkeker Befuch, daßs
Bräfin Collas' Laune eine geradezu strahlende war und sie
ich heimlich Glück wünschte, eine so qgute, nachgiebige,
schwache Muͤtter den Bitten ihres Hindes gegenüber gewesen
—
Brafen Eyolf nicht abgesandt, ja definitiv aufgegeben zu
haben, wie sie nun sagte. Inzwischen war übrigens aucd
die Anzeige seiner Verlobung mit der geschiedenen Nerqui⸗
Saarberg eingetroffen. .
Die kühnsten Träume der Gräfin Sidonie sollten sic
erwirklichen! Nicht nach Paris brauchte man zu ziehen
nit Mühe, Strapazen, Anstrengungen und Kosten dem et
vaigen fürstlichen Schwiegersohn nach, nein, bedeutend vor
ehmer, standesgemäßer, passender gestaltete sich alles. Abe:
veiß Gott in sehr überraschender Weisoe er kam nach Uhblen
aus zur Brautjschau. —
Die alte, liebenswürdige Herzogin von Sarrasch, mi
velcher Gräfin Sidonie seither immer noch in Briefwechse
zestanden, hatte eines schönen Tages angefragt, ob ihr Be
uch auf Schloß Uhlenhaus willkommen sein würde, da fi
a anscheinend keine andere Aussicht habe, ihre liebe Gräfi
ind Schön-Astrid wiederzusehen. Für eine ganz besonder
Zunst würde sie es ansehen, wenn ihr Neffe, Prinz Carlo⸗
Nonti⸗Cavello, der zur Zeit ihr Gast in Berlin sei, sie be
leiten dürfe. „Meine liebe Gräfin, er ist bereits gan⸗
nchantiert von dem entzückenden Bildnis Ihrer wunder
schönen Tochter und fleht um die Gnade, dieses Wunder
ꝛines deutschen Mädchens (deutsche Mädchen waren imme;
ein Ideal) von Angesficht zu Angesicht zu sehen.“
Gräfin Sidonie hatte sich vorgenommen, daß es ihr
ünftiger Schwiegersohn sein sollte, der als Prinz Carlos
Monti-Cavello ihres Hauses Schwelle überschritt. Uni
„iesmal würde sie ihren Willen durchzusetzen verstehen
Welch oin Glück, daß der Himmel ein Einseben gehabt un
iesen albernen Hochburg entfernt hatte, den sie als Mam
igentlich nie goutiert Hatte.
Tagelang saß Schön⸗Astrid umgeben von Toiletten fü
ie Ankunft der hohen Gäste und wählte und verwarf, pro
e an, war in groken Soraen, denn nichts sagle ih
öllig zu.
Der , erste Eindruck ist immer der entscheidende, Mutti
eißt du.“ — „Gewiß mein Engelsherz. Aber du hast ihn
imi au füürckten ob u nmun eine zosa ohber blauo Ftlete—
PHochwasser und Unweiter.
Breslau, 8. Septbr. Die Oder ist oberho
»on Ratibor langsam im Fallen begriffen, während
n Ratibor selbst gestern um 50 Zentimeter stieg. — 7
höchststand von 1907 ist damit um 10 Zentimeter übe
chritten. Vom Unterlauf wird überall steigendes Wass
gemeldet; auch die Nebenflüsse steigen noch. Aus der ga
zen Provinz werden Hochwasser und Ueberschwemmung
gemeldet. Das Wetter ist abwechselnd regnerisch und heie
Wien, 8. Septbr. Im Bezirk Prerau sind infol⸗
zochwasssers vier Personen ertrunlsen; 32 Saus
ind eingestürzt und viele andere dem Einfturz nat
Das Wasser fällt. Aus Troppau wird gemeldet, daß
zanz Oesierreichisch-Schlesien große Ueberschwemmungt
»orgekommen sind. Das Wasser, das viele Brücken we
zerissen hat, geht jetzt zurück.
Brünn, 8. Septbr. Dem Hochwasser in de
Jemeinde Kunowitz sind zehn Personen zum Opfer 9
'allen. Hundert Häuser sind eingestürzt und weitere hu
ert drohen einzufallen. In dem mährischen Bezirke Un—
zarischOstra sind 50 Häuser eingestürzt; eine große Zab
gilt als unrettbar verloren. Die zur Hilseleistung erben
ien Pioniere begannen die Rettungsarbeiten; der Rege
auert fort.
San Juan de Porto rievo, 8. Septbr. E
Orkan hat hier erheblichen Schaden angerichtet. D
Telearaphen⸗ und Bahnverlehr ist lahmgelegt.
Gerichtszeitung.
F Der Fall Renner. In der letzten Sitzung
Schöffengerichts Halle a. S. fand der Fall Renunce
der seiner Zeit viel Aufsehen erregt hat, Austlärung. De
Tapezierer Artur Renner war am 13. Mai d. J. von dei
Polizeisergeanten Brödersdorf mit dem Säbel wegen W
erstandes über den Kopf geschlagen worden und spaäte
in den Folgen dieser Verletzung gestorben. An dem Ei
eß hatte der Bruder des Verstorbenen, der 36jährige M
eiter Richard Renner, teilgenommen. Er hatte sich dahe
etzt wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen W.
erstandes gegen die Staatsgewalt zu verantworten. Da
Ergebnis der Beweisaufnahme war für den Polizeisergean
en qünstig. Nach den Aussagen einer ganzen Reibe va
zeng'n hat sich Broderodors vei en peinuchen Vorio
nit groder Mäßigung und teineswegs gewalttätig
sommen. Ein Restaurateur, der vom Fenster aus de
gedrängnis des Beamten sah, fühl‘e sich sogar aus freie
Ztücken veranlaßt, die Hauptwache telephon sch anzurusen
samit dem Sergeanten Hilse geschickt werde. Er sah, w
grödersdorf wiederholt von den beiden Brüdern ins G
icht geschlagen wurde. Ein Geschäftsmann dagte au
Wenn der Beamte den einen gesaßt hatte, riß der⸗
ere ihn wieder weg; das ging abwechselnd so eine gan
Jeit lang.“ Schl eßlich sei der Beamte an der Bruste
aßt und gewürgt worden. Er habe dann blank gezoge
ber vor“ dem Zuschlagen erst noch mehrmals gesag
Wenn Sie nicht mitkommen, mache ich von der Wa
hebrauch!“ Der Amtsanwalt beantragte gegen Richa
stenner zehn Monate Gefängnis. Der Gerichtshof as
Frkannte auf »uf Monate zwmes Wochen Gefängnis.
Landwirtschaftliches.
Versuche mit Eosingerstefütterung. Nachdem
Winter und Fruhjahr Ver uche gemacht worden sind,
urch Fütterung mit Eosingerste die Gesundbecit doe
ßiehes geschädigt und die Beschaffenheit des Flceisches un.
Fettes nachteilig beeinflußt werde, sind n uerdengs Unter
uchungen über die Wirkung der Fütterung mit Eosingerst
»ei Milchkühen gemacht worden. Eine Korres pondenz be
ichtet darüber: Der Versuch fand im Werk⸗ und Armen
hause in Hamburg unter Leitung des Staatstlerarzte—
tatt. Zwei Reihen von je neun Milchkühen erhiellen zu
aächst acht Tage lang ein ganz gleiches, Gerste n'cht ent
altendes Futter (täglich 900 Kilogramm Grünfutter) 20
dilogramm Kartoffelflocken, 30 Kilogramm Kraftfütter, be
tehend aus einem Gemenge von Weizenkleie, Baumwoll
aatmehl, Erdnußmehl, Palmternschrot, Kolosmehl⸗ un
Na'sproteinschrot und 270 Kilogramm Futterlall). Wäh
end die eine Reihe in derselben Weise weiter gesfütte
vurde, setzte man bei der anderen vom 27. Mai d.
ib O,5 Kilogramm und vom 15. Juni ab ein Kilogram
zosingerstenschrot für den Tag und den Kopf an Sie
er gleichen Menge Kraftfutters in die Rauon ein
uhr mit dieser Fütterung bis zur Beendigung des Ver
uchs am 27. Juni fort. Auch diesmal wurde nicht wahr
lsenomimen, daß Eosingerstenschrot von den Versuchstiere
erweigert oder ungern gefressen wäre. Vor allent abe
rgab eine Vergleichung der Menge, des Aussehens un
es Fettgehalts der Milch, d'e von, den Versuchs- und de
dontrolltieren während des Versuchs und von den ersie
en vor Beginn und nach Beendigung des Versuchs täg
ich geliefert wurde, daß d'e Fütterung mit Eosingerste d
Milch det Kühe weder vermindert noch in ihrer Bescha
jenheit und Güte verändert hatte. Ebenso würde, da ma
d'e Milch der Versuchstiere wie der Kontrolltiere an Säuß
linge verabreichte, ohne daß die geringste Klage sich er
hob, der Beweis erbracht, daß jene Fülterung auch de
Bekömmlichleit der Milch keinen Eintrag tut
— WMe—eerrrr—rfe
an hast, vorausgesetzt, daß sie von tadellos modernem Gk
und vornehmem Geschmack ist.“
Abends und morgens saß sie dazwischen zu Pferde
agte die wenigen Spazierwege, die ihr gesiattet waren ir
Begleitung Mills zu reiten, ab und veranlaßte den fisch
»lütigen Britten zu der Bemerkung, daß ihm auf die Daue
dieser Dienst zu lebensgefährlich würde durch Erkälkunger
oder Erhitzungen, Knochenbrüche oder Schädelverletzungen
Mit Entsetzen vernahmen die Eltern durch des alter
Friedrich Bestürzung von diesen Spazierritten ihrer Toch
ter, und dieselben wurden ihr ernstlich verwiesen.
Sie lachte nur, zuckte die Achseln und vom Reiten wa—
zicht mehr die Rede, obwohl sie selbst hörte, daß der gut
Later, der ihr die Freude gern gönnte — war er doch i'
einer Jugend selbst ein passionierter Reiter gewesen — de
Inspektor bat, wenn es seine Zeit irgend erlaube, die Kom
esse zu begleiten und mit aller Strenge und Autorifät, di
hm feierlichst gestattet sei, zu Maß und Vernunft bei ibror
Keiten anzuhalten.
Aber sie erklärte ziemlich rücksichtlos, es fiele ihr gan
nicht ein, mit Herrn Kern idyllische Spazierritte zu machen
üob derselbe vom Reiten nun gerade soviel versiehe, oder o⸗
r von der Vorsicht mehr halle als von der Tollkühnhei
visse sie nicht, jedenfalls sähe man ihn nie anders als in
Schritt reiten.
Ernst Kern hörte ihr Witzeln recht gut und sah sie mi
inem sonderbar strafenden Blick an, den sie so übelnahm
»aß sie überhaupt niemals mehr seinem Auge begegnete
oder je direkt ein Wort an ihn richtete.
Und das war ja nun auch gleichgültig. Zu halten wa
er Insvoktar doch nicht. Am J. Oktober verließk er Uhlen
aus.
Das Reiten war damit aufgegeben und statt dessen
vurde die Violine hervorgeholt. Zu allen Stunden des Ta
es und sogor der Nacht hörte man Läufe und Passagen
Walzer und Potpourris. Die nächtliche Musik freilid
vurde nur ein- oder zweimal gehört, da Gräfin Collas, ob
vohl sehr einverstanden, daß Aftrid fleißig übte vor An
kunft der Gäste, nach keiner Richtung hin Toheritroihungoet
estattete.
Fast alle Tage wurde angespaunt und Astrid drängk
hre Eltern — nur der Vater widerstrebte — zu Besucher
n der Nachbarschaft; denn wenn die Herzogin und dei
zrinz kamen, brauchte man doch Staffage, Menschen, Ge
elligkeit. Kurz, ein recht abwechslunasreiches Tagesprs