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Postschließfach Nr. 14
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Mittwoch, den 7. September 1910. —
23. Jahrgang.
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Postschließfach Nr. 14.
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Die Arbeiterbewegung in RNußland. M. Schusden gegen 3644 Mitlionen im Jahre 1908, so
Aus verschiedenen russis Irisch zaß eine Zunahme um 250 Mill. M. stattgefunden hau.
sch n sischen Ortschaften und nament In den letzten acht Jahren hat sich die fundierte Reicks
—A Huld um 1578 Min Hi. oder 68 v. H erhohl. Dacti
ber die immer wachsende Streikbewegung unter der Ar— st noch underücksichtigt geblieben, daß im Laufe des Etats—
eiterschaft. 1909 war in diefer Hinsicht ein ruhiges ahres 1909 660 Mill. M. neue Schuldanweisungen be—
jahr Die Arbeiterbewegung äußerte sich nur schwach: in jeben worden sind. — Die Schulden der Bundes taa en
en 340 Streitfaͤllen dieses Jahres hatten sich bloß 64 000 hbͤetrugen 13679 Mill M. gegen 12 930 im Jahre 1908
—2 7 im Jahre 1907, 12 304 im Jahre 1906 und 10 79*
76 900 und 1907 — 3573 Streiks mit 740 000 Beteilig mm Jahre 1901. Im lebten Jahre hat also eine Zu
en lieserte. Von den Jahren 1905 und 1906 ist schon iahme um 749 Mill. M. und in acht Jahren eine solch
ar nicht zu reden: die Streikbewegung erreichte damalg uim 2882 Mill. oder 27 v. H. staitgefunden. Die Ver—
etanntlich eine in der Weltgeschichte beispiellose Höhe: nehrung der Schulden war also beim Reich verhältnis—
905 streilten etwa drei Millionen und 1906 über ein näßig mehr als doppelt so groß als bei den Bundesstaa—
Nillion erwerbstätiger Personen. Obwohl die damal'gen en. Zwei Staaten, Anhalt und Reuß ä.L. haben
ztreiks der Arbeiterschaft erhebliche ökonomische Vorteile iberhaupt keine Staatsschulden. — Auf den Kopf der Be⸗
—X war doch die Bewegung durch politische Motive ölkerung kommen im Resiche 225,58 (213,22) Mi Staals⸗
erursacht. Se tdem fhwanden diese Motive allmäh!ich— chulden und 64,21 (60,08) M. Rteichsschulden, zusammen
ach offiziellen Augaben trugen 1909 bloß 50 Streiks mit 89,79 (273, 30)9 Mart. Die Staatsschulden sind am größ—
363 Beteiligten. das heißt 12 Prozent der Streikenden en in Bremen mit 1004,99 M. auf den Ropf: dann fsol—
ewissermaßen einen politischen Charalier. In dem Maß en Hamburg mit 69160 M., Lubeck 610,283, Hessen mit
ber, wie die potitischen Beweggründe abnahmen, stieger 355,64, Bayern mit 275,09, Württemberg m 254,02
ie ölonomischen. und die Streils des laufenden Som— haben mit 251,80, Vreußen mit 220,55, MNecklenburg⸗
— sich fast aünzlich que nein wirtichafttiher Schwerin mit 208,33, Sachsen mit 198,92 und Olden,
jebiete. — urg mit 133, 02, während außer Anhalt und Reuß ä. v.
Von der Massenbewegung 1905— 1906 eingeichüchtert, im guͤnstigsten e Reuß v. 7.20. e mit
ingen die Un ernehmer auf bedeutende Konzessionen an 23 und Sachsen⸗Altenburg mit 4,27 4. Da aber der
hre Arbeiter ein. In den späteren Jahren sagten sich die zerechnung die Bevölkerungszahl von 1905 zugrunde ge—
yndustriellen, indem sie die Ermattung der Arbeiterschast, egt qͤt, die sich inzwischen im allgemeinen erhöht hat, er—
owie die allge.nneine Reattion und die wirtschaftliche De— naßigt sich in Wirküchteit die auf den Kopf fallende
ression ausnützten, allmählich von den erzwungenen Ziz Slaalsschuld elwas. Nicht vergessen darf auch werden
estaͤndnissen los. Die Vöhne wurden reduziert, die Grau—. aß der weitaus größte Teil der Staatsschuld den Er
itationen verlle mert. d'e Arbe tszeit verlängert, die für verbsanstalten des Staates, insbesondere den Eisenbah—
ie Arbeiter ungünst ge Schichteneintei ung usw. wurde sen, zugute kommt. Die Eisenbahnschulden betragen 10,4
oiederhergestellt. Angesichts der nicht günstigen allgemei— Milliärden Mark, so daß im übrigen nur 3.33 Milliarden
en wirtschast'ichen Konjunstur war es klar, daß die Ar— nart Staatsschulden bleiben
eiter keinen ernsten Widerstand leisten könnten, denn un—
er den obwaltenden Unständen würde selbst die Schließ—
ng der betreffruden Betriebe den Besitzern keine großen
zerluste verursacht haben. Es war ebenso klar, daß bei
em ersten Schimmer eines wirtschaftlichen Aufschwunges
ie Arbeiter es versuchen würden, den Kampf um die Be—
ünstigungen, die man ihnen einst schon gewährt und dann
ntzogen hatte, wieder aufzuheben. Dies war schon im
origen Jahre der Fall; bereits im vorigen Somme—
reikte ein Teil der Textilarbeiter. Denn die gute Ernte
zirkte in erster Reihe auf die Textilindustrie, auf die Mas—
enartikel, die vom Volke konsumiert werden, belebend.
dechneten die Fabrikanten darauf, so wollten auch die Ar—
eiter davon profitieren. Während aber erstere ganz offen
orgehen, die Konjunktur beraten und gemeinsame Be—
hluͤsse fassen können, ist den Arbeitern dieses Recht und
iese Möglichkeit genommen. Eine Versammlungsfreiheit
ristiert trotz der geltenden provisorischen Bestimmungen
aͤcht, und die Gewerkschaften führen, hauptsächlich infolge
»es behördlichen Druckes, nur ein Scheindasein. Die Ar—
eiter müssen daher im Dunlkeln arbeiten und Streils —
venn sie auch rein wirtschaftlicher Natur ind unier⸗
cdisch‘— organisieren.
Daher gilt eben jeder Streik in Rußland noch immer
ls „Umsturzversuch“, der durch die bekannten Mittel des
ußerordentlichen Schutzes bekäümpft werden muß. Aus
iesem Boden entstanden auch die Pläne der polize i—
ichen Organisation der Arbeiterschaft durch Su—
atow, die dann die erste riesige Streikbbewegung in
Züdrußland hervorrief, und durch Gapon, die schtießlich
um „blutigen Sonntag“ führte Ebenso kläglich scheiter—
en noch zahlreiche andere Versuche dieser Art, sowie die
Arbeiterableilungen“ des echtrussischen Volksverbandes, die
em Staate sehr viel Geld und Ansehen kosteten. Die Ar—
eiterfrage in Rußland ersorderte ruhige und redliche Be—
andlung, ohne jene Nervosität, die im Argenblicke des
ẽrschreckens alle möglichen Zugeständnisse diltiert, um nach—
er alles zurückzunehmen und noch für die erduldete
Schmach“ sich zu rächen. Die legal organisierten Gewert—
haften dienen überall als bestes Mitie! gegen allzu leicht—
ertige Streils. In Rußland werden solche Organijsatlo—
jen unterdrückt; man ist vielmehr bestrebt, eine Arbeiter
chaft aus lauter „uverlässigen“ Elementen zu schassen, und
eshasfc mird voratrinmtiches Malfznorhane nef*vSsor⸗
Das Auftauchen Ertrunkener.
Unter den vielen Unglücksfällen, durch die sich diesen
ZSommer ausgezeichnet hat, sind auch zahlreiche Opfer des
Wassers zu nennen gewesen. Dabei kommt es immer wie
»er vor. daß nach der Leiche eines Ertrunlenen lange ge
ucht werden muß. Es ist aber selten, daß das Wasse—
inen menschlichen Körper für immer behält, es sei denn
»aß er in ein sieses Meer versunken war. Selbst wenr
s lange dauert, aibt das Wasser schließlich doch den Leil
ez Erirunsenen wieder von sich. Dar'n s'eft ein Rätsel
as dle Gedansen des Reienschen schon vrei vescheftigt hat
)die Franzosen haben jer diesen Vorgang das eigne Wor
zurnataten geprätzt. Der natürliche Schluß scheint zr
»in, daß der Körper eines Ertrunkenen der auf den Bo
en eines Gewässers niedergegangen iß, mit der Zeit vie
eichter wird und dann von selbst wieder ausftaucht. Dies
Thema, dessen Erörterung für ein zartes Gemüt, freilich
uchts anziehendes hat, ist jetzt von Autonin Rouit in ei
ner Doktorarbeit der Universität Montpellier ausführlich
behandelt worden. Die Art, auf welche der Körper mi
»er Zeit leichter wird, sei hier lieber nicht eingehend be
prochen, denn man kann sich das Notwendige ungefäh—
bdenten. Wichtiger sind die Untersuchungen über die Ver
zögerungen, die dieser Vorgang erleidet, weil dadurck
bdie Frage beantwortet wird, wie es kommen kann, daf
uwellen eine so lange Zeit bis zum Auftauchen eines
ẽrtrunkenen vergeht. Zun ichst wirtt die winterliche Tem
zeratur verlangsaniend auf die Zersetzung und damit die
Erleichserung des Körpers, während im Sommer, wenr
das Wasser warm ist, das Auftauchen in der Regel schor
snach wenigen Tagen geschieht. Es ist auch ein großen
Unterschled, ob der Ertrunkene völlig bekleidet gewesen ist
nicht nur wegen der größeren Schwere des Körpers, son
dern auch wegen der Schutzwirkung, die von den Klei
»ern ausgeübt wird. Irrige Vorstellungen bestehen allge
nein über das Wasserschlucken beim Ertrinken. Dies ij
zerhältnismäßig geringfügig, wie man sich eigentlich sollte
denken können, weil der Tod in diesem Falle durch Er
tickung eintritt, wobei die in den Atmungswegen befind
iche Luft das Eindringen des Wassers verhindert. Den
ioch ist bei Ertrunsenen die Luftröhre und ihre Veräste
ungen zuweilen voll Wasser. Niemals aber findet sich
Wasser im Magen oder auch nur im Mittelohr. Durck
indere Beobachtungen ist übrigens festgestellt worden, daf
n den Tagen des begennenden Zerfalls ein mencschlicher
dörper ungefähr 3 Kilogramm an Gewicht verliert. Bein
Lolk sind viele Formen von Aberglauben, wie sich woh
egreifen läßt, mit den Vorgängen verbunden, denen ein
eeiche in der ersten Zeit nach dem Tode unterliegt. Di
weisen Frauen“, die auf dem Lande noch an vielen Or
en die Hauptrolle bei Geburt und Tod in den Nachbar
zäusern übernehmen, haben beispielsweise in manchen Ge
senden die Sitte, nach dem Ableben eines Familienmit
zliedes sofort das Hausfeuer auszulöschen, was möglicher
veise auf Beobachtungen des Verhaltens des toten Kör
ers während der ersten Zeit zurückzuführen ist. Außer
dem gibt es natürlich eine Legion von mehr oder weni
jer bizarren Vorstellungen, die sich auf die Gestalt und
das Wesen der Seele beziehen, und tatsächlich ist auch das
Auftauchen Ertrunkener oftmals dadurch erklärt worden
»aß das Entweichen der Seele zu einer merklichen Er
leichterung des Körpers führen müsse. Ein Mitarbeiter
ver „Lancet“ erinnert daran, daß jüngst einmal ein Arz
ich damit abgegeben habe, Beispiele von der Vorstelluncç
»er Seele beim Volke zu sammeln. Er konnte wenigstens
in halbes Dutzend von „Gestalten“ zusammenstellen, un
er denen die vielleicht einfachste darin bestand, daß die
Zeele ein mattgraues ovales Ding sei, das einem Ballon
der einer Blase ähnlich, seinen gewöhnlichen Platz in der
VKengend 2michen dem Magogen und der LNunage hoöhbef
——!!p
Handel und Verkehr.
Die erste Elektro-Turbinenlokomotive. Die erste
Elektro-Turbinenlokomotive für Eisenbahnbetrieb ist nun—
nehr in England nach langem Ausprobieren in Dienst
gestellt worden. Die neuartige Lokomotive zieht einen
Luxuszug durch Englands Industriezentren von Glasgow
iach Gartsherrie. Die riesige Turbinenanlage befindet sich
im hinteren Ende der Lokomotive, die in eigenartiger
nordnung ihren Führerstand, sowie die Plätze für das
daschinenpersonal in der Mitte des riesigen Wagens auf
»eist. Die Elektrizität, welche die Motoren antreibt, wird
uf sinnreiche Weise von der Turbine übertragen. Die
daschine entwickelt bei etwa 30000 Umbdrehungen in dor
21 400 α,
Aus West⸗ und Süd⸗Deutichland
* Solingen, 6. Septbr. (Das vergiftet;
Fleisch.) Die Zahl der hier nach dem Genuß von Hack
Jeisch unter Vergiftungserscheinungen erkrankten Personer
hat insgesamt 180 betragen. Sämtliche Patienten befin
den sich auf dem Wege der Besserung, teilweise sind si
242 Ay pedehornιαα Dio 3rihnon Untersuct
Um die Grafenkrone.
Es klopft an der Tür.
Friedrich kommt melden, daß Herr Graf und Frau
Fräfin im Begriff wären nach der Kapelle zu gehen und
domtesse bitlen ließen. Astrid drückt rasch ihren Hut auf
hr Haar, nimmt die langen dänischen Sandschuhe und eiit
mn Friedrich vorbei in die Flurhalle, als könne ihre jumge
Zeele die Tröstungen der Kirche von den Kippen des guten,
ten Pfarrers gar nicht erwarten. D Himmel! Das ist
eine Ueberraschung! In der Halle steht nicht nur Mutti
and Vati, sondern auch Graf Cyolf Sochburg. Das sam·
netne Gesangbuch guckt aus seiner Rocktasche. Er wird
ilso mit ihnen zur Kapelle gehen. O —
Astrid steht da mit allen Zeichen der Befangenheit und
herzensverwirrung. — Er nicht minder.
ESs entsteht ein sehr bedeutungsvolles Schweigen. Sic
eicht ihm verlegen die HZand, die er stumm an feine Lippen
ieht, was er bisher noch nicht Jat.
Seit dem Tode seines Vaters hat sie ihn noch nicht
gesehen. Es fällt ihr reitend ein und sie stoltert eime
Vorte der Teilnahme an seinem ichweren Verluft.
Er verneigt sich tief und stumm. Graf und Gräfin
ind abseits stehen geblieben, reden zirsammen. sehen ahber
ach dem jungen Paare hin.
So, jetzt geht man endlich.
In der kleinen Kirche herrscht grünes Waldeslicht, das
urch die schmalen, langen Fenster kommt. Ein wilder
dirschbaum druückt seine weihen Blütensträuße gegen die
cheiben. Ganz oben an den Fenftern ist rotes und biaues
glas eingesetzt und wie die Sonne dahin kommt, fallen rei—
end bunte Strahlen auf die roten Ziegel des Fußbodens.
Astrid wird so sonderbar traumerisch zu Muͤt, so well
trüds. Suill lehnt sie in ihrem Sesses zu dem arattichen
dirchenstuhi.
zoz Sraf Evolf ist bei ihnen geblieben und nicht in, den
ochburgerftühl hineingegangen, der neben dem ihren liegt.
— schlägt ihr das Liod'auf und reicht ihr das geöffnete
Iudwh, ihr leise die Hummer zuflüsternd. Sie kennt das
auswendig. Zuerst sieht sie die weißen, entzückenden
Auten am Fenster und ein Stückchen Himmel durch die
wehe Dann die Bank der Gulsleuke von Uhlenhaus, und
, bertschaftlichen Diener schafte Da sit Pollh, die NMam-*3
n mehrere bäuerliche Gestallen in Sonnfagsröcken
I neben einem alten, verwitterten Mann, dem Voat,
ird auen Zwirnrock mit großen, großen weißen Horn⸗
en an der roten Weite ii außx er ISnipetfta
Wie ernjt er aussteyt, sast sinster. ver trägt einen
hwarzen Rock und einen steifen weißen Hemdkragen. Das
urze braune Haar kräuselt sich an den Schläfen. Auch der
ichtbraune Bart über seinen Lippen kräuselt sich etwas an
en Spitzen. Eigentlich gefiel er ihr neulich in der abge⸗
ragenen Wochentagskleidung noch besser. Hübsch ist er
igentlich nicht. Seine Nase ist zu groß und. das Kinn zu
ark, die Stirn zu eckig. ˖Graf Eyolf ist hübsch. Bildschön
st er. Das sagen alle Leute.
Ach! Aber jetzt! — Wie ein Stoß geht es gegen ihr
herz. Eine rote Wolke über ihre Wangen. Zwei stahlblaue
lugen haben sich plötzlich gehoben ein tiefer, heißer, trau⸗
iger Blick senkt sich in die ihren, die edenso, ach! noch viel
elbstverlorener hinüberflehen. — Vorbeil — War's ge—
räumt? — Vision? —
Seine Lider sind gesenkt wie vorher. — Sein braunes
intlitz ruhig und kalt. Sie muß einen Traum. eins Vision
ehabt haben.
Es ist schwül in der Kirche, die Luft so sonderbar ge—
nischt. Immer merkwürdiger wird ihr. — Aengstlich sieht
je nach Mutti hin. Die sitzt da wie ein Steinbild. Man
auscht der Predigt mit Anstrengung. Graf Eyolf spielt mit
inem Brillantringe. Ab und zu funkelt ein greller Strahf
Astrids unwillige Augen.
Sie legt endlich rasch die Haud auf seine Iinger, gan⸗
asch, ganz unbedacht. „Vitte nicht!“
Dann ein schneller, fast angstvoller Blick nach — ja,
»ahrhaftig nach dem Inspektor. Hat er es gesehen? Diese
umme, kindische Bewegung! — Und wenn er sie wirklich
esehen hat?! — Mutti hat's auch gesehen. Sie bewegi
eicht mißbilligend das Haupt, aber ihr Gesicht ist sanft, die
Falte ist fort, sie sieht aütig aus. Faft lächelt sie — Und
»ije traurigen, ernsthaften Augen? — Ach, nur noch einmal.
itte, nur noch einmal — so — ein Traum, eine Vision. —
Um Gottes willen! — Graf Eyolf Hochburg öffnet die
Irme. Die Gräfin Mutter erhebt sich rasch, der alte Graf
tarrt sie erschrocken an, der Pastor verstummt und sieht
nild nach dem gräflich Collas'schen Stuhl — Komtesse
Istrid Collas lient ohnmächtis An dor Rrst des Grafen
olf Sobrrae
als se und je mit einem zustimmenden Wort, etnem zer—
treuten Lächeln.
Die Gräfin Mutter nahm Astrids Ohnmacht in der
Kirche nicht ernsthaft, schien es, denn ihr Gesicht krug einen
o beiter ruhigen Ausdruck. wie or nur sohr. sehr sfesfe
areuf lag.
Astrid war, sich auf'den Arm Hochburgs stützend, nach
hanse geschickt worden, Graf und Gräfin ruhig bis zumi
Ende des Gottesdienstes in der Kirche verblieben. Bei der
Heimkehr hatte die Mutter Astrid einen kurzen Besuch in
ihrem Zimmer gemacht, sie etwas blaß, erschrocken und mif
in Tränen schwimmenden Augen gefunden.
Alles dies fand Gräfin Collas sehr natürlich, Astride
lötzliches weiches Anschmiegen duldete sie mit mütterlichem
duß und der sanfternsten Mahnung: „Haltung, meine Toch—
er, Fassung, du mußt dich stets erinnern, daß du Gesell—
chaftskreisen angehörst, in welchen die Selbstbeherrschung
ur guten Erziehung gehört. Du bist kein Mädchen auf
dem „Volke“, das lachen und weinen kann, wie ihm de
Sinn steht. Du wirst mir später erzählen, was du mit Eyonl
gesprochen hast.“
Mit Eyolf? Astrid machte große Augen. Ihre Mut—
ter nannte ihn schon mit Vornamen, ganz einfach wie ein
Familienmitglied.
Sollte da schon Entscheidedes, Bindendes gesprochen
vorden sein. — Wollte man ihr ihre Freiheit, ihr Lebens—
Aück über den Kopf wegnehmen, als habe sie, sie selbst, die
Zauptbeteiligte, gar keine Stimme dabei, was aus ihres
zukunft werden sollte?
O nein! Da sollte man denn doch nicht so leichtes Spiel
haben. Was wir gesprochen haben, kann ich dir schon jetzt
sagen, Mutti. Er hat mir von seiner Einrichtung in Hoch—
buta erzählt Es muß unalaublich weibisch bei ihm aus—
Rheon
sasse dich jetzt allein, liebes Kind. Du hast bis zum Diner
Zeit, dich zu beruhigen,“ sagte fie und in ihren Augen stand
ein so harter, eisiger Blick, daß Astrid fast zurückwich vor
ihrer Mutter, als hätte sie sich einer Fremden unaufgefor
dert an die Brust geworfen.
Soeben hatte sich auch der Herr Pfarrer zu der kleinen
Bruppe im Salon gesellt. Und zur Freude des Grafen ver—
schmähte der jovigle, alte Herr nicht ein Gläschen aus der
mit goldgelbem Trank gefüllten Appetit-Karaffe des lie—
benswürdigen Wirtes, ihm seine Freude aussprechend über
die wunderbar stilvolle Restaurierung von Uhlenhaus, die
mit so wahrhaft vornehmem Verständnis das hochinteres.
sante Material, das Vorhandene geschont und genützt hatte
Friedrich hatte schon zweimal die hohe Flügeltür zum Eß—
saal geöffnet, um zu melden, daß serviert sei, aber leise
wieder geschlossen, da er Komtesse noch nicht anwesend fand
Freilich wurde die Gräfin aufmerksam. — „Friedrich
Lassen Sie Komtesse bitten.“
Alsbald kehrte er zurück mit der Meldung, daß Kom—
tesse bitte, sie zu entschuldigen. Sie habe sich, von heftigen
Kopfschmerzen gequält, niedergelegt.
Die Gräfin runzelte mißbilligend die Stirn. Dann
lächelte sie aber, den ziemlich betreten aussehenden Hochburg
an, sagte etwas von Mädchenstimmungen, mit denen man
Nachsicht haben müsse und begab sich selhbst in die Gemäche
Astrids, die kleine Vaunische zu holen.
Der Salon war verdunkelt. — Astrid lag auf der Chai—
selongue. Die Gräfin zog die Vorhänge auf. „Ah, du hast
verweinte Augen. Deshalb willst du nicht kommen. Aber
das geht nicht. Lege dich im Salon auf meinen Diwan. Dir
kann dort serviert werden. Das Licht ist dort ohnehin sehr
gedämpft, und wenn wir von Tisch aufstehen, bist du dock
unter uns. Es ist nicht so schlimm mit deinen verweinten
Augen. Nimm rasch noch ein paar Tropfen Toilettenessen—
und dann Kopf hoch! Und stolz, stolz!“
Am Arm ihrer lächelnden Muter trat Astrid in der
Salon zu den erwartenden Herren.
Die Gräfin führte die Unterhaltung bei Tische mil
Graf Eyolf bis auf einige Pausen, in denen sie nicht hörte,
sas »r So fnata êit totom Mlick in iene dunkle Fern—e
sah.
Der Inspektor sah sehr gelassen aus und schwieg, wenn
er nicht gefragt wurde, was einmal in sehr gnädiger Weise
von Frau Gräfin wegen der Beschaffenheit des Waldweges
nach Deschwitz geschah, und einmal vom Herrn Grafen üben
die Beackerung des Brachbodens hinter irgend einer Wiese
vraf Eyolf sprach ihn gar nicht an, aber einmal hob er seir
sKeinolas mit freundsicher Gehärde gegen ihn und fram
Aber, Astrid, du hast ihm doch nicht —“
„Das gesagt? — Nun, nicht ganz so schroff. Er dachte
eben er imponierte mir damit, weil er mich doch natürlich
für ein mönlichst verwöhntes, albernes Geschöpf hielt, wie
so ein richtiges Salonhündchen.“
„Aber, Astrid. Rede doch keinen Unsinn, Kind, du
mußt wirklich nicht so aufgeregt sein. Bedenke, daß der
Vraf dich liebt und daß auch du —“
„Daß auch ich ihn liebe! Natürlich! Glühend!“ Die
Tränen schossen ihr aus den Angen.
Die Gräfin entfernte ihre Arme etwas unsanft von
hrer Tochter Schulter. Dergleichen leidenschaftliche, unbe—
errichte Gefühlsäußerungen waren ihr ein Greuel. — &Xch
Man war im Salon der Gräfin versammelt und er—
artete die Meldung Friedrichs, daß serviert sei. Der alle
»raf saß am Tische und sprach der Krystallkaraffe mit Ap—
etit anregendem Likör zu, ohne sich an der Unterhaltung
inor GKomablin mit Enolf Sochhurg mebr zu beieisigen.