Full text : Dudweiler Zeitung

Nummer 206.
— sAcchbeWWeäÄ̊ñcsethgeeeg ezn
Postschlietßfach Nt. 14.

dienstäq, den 6. September 1910.
ÿůIι_αιαασανσαα
8
H 9 J —— 7 7396—
* * 84 * 3 4 —3 — 3
—55— J 4 c3 47 * F —5 5
** —ED—

23. Jahrdang.
edt AιανσααιαααOäα

— — — 8 F
— vwAm æy —35 * 3— —3—
9 ß —39 — —660 4
—J06 J 8
3 9 — 18 — —A

Postschließfach Nr. 14.

Erscheint
Aglich mit Ausnahme der Sonn⸗ und
Feiertage.

Anzeigen
kosften 10 4 pro Gspaltig Petitzeile
auswãrtige 15

Amfsiches Pubsihadonsorgan
— —— r die Bürgermeisterei Dudmoitor
Vgebracht,
dei der Post bestellt 228 vlerteljährlich. Fernsprech⸗Anschluß Saarbrücken Nr. 69, 259, 268 4. 1261.
———— — J —RWeeeEBEERR m— —FEEIXfßPCC — 3292!0r TV-W—ræ-srtrV T 1l101s . D5ꝰ)5ùnbmjùi[ )5ũ ⸗ꝰ/)itißtrrii f0 a,ZeeZZc?22àxaoO— rrccac οοVäXääääMôOä O : B Xαιæ xXä :3MÄXXO M8älutttth AuM2MAbluMde MAMhtMhtellcech cKtul Wb NMcccccWeMtt NiNιιXÑᷣOI! äOOOOα«DĩíBRI/
der Abonnent ist mit 300 Mugezen Tod durch Unfall bei der Nürnberger LebensversicherungsShant in Nürnbeeg versichert. Jeder Unfall ig binnen einer Woche nach Eintritt der Nüruberger debensversicherungs-Vank anzuzeigen, auch muß sich der Berlegte jnuerhals 24 Ste aden naa dem Afal in arʒttiche Behandlung begeben. Todesfaälle müssen so for
* o o0 o o jspüteftens eher innerhalb 48 Stunden nach dem Eintritt zur Anmeidnunag gebracht werden etey aran eznn der Versicherung aeden die Berä frerue anebnguneu uÇÑ-ÑI bdie VααJ. αν αÛJ der Narnderger rebensverũ herurga⸗Bank au herie en ñur D o on M — n
— E —— — — ι ναι
2 — a Mer A DDli Den allgemitinen Rziteresfen Feen reichs leitter
Deutschland ist nicht mehr * em Dee auh den Kriegsmim iter, —— edee du e eee — puane
in der 8 m 66 9 de seen Zörle nur dann gewahren könne, wenn de Vür Achafter
„i er Lueft poran. rapitalisten, die in der letzten Zeit mi Billigung der Re uf einer soliden Granms laßge beruhen, sowie das“ Ver—
Zlugr in Tahngnnis ierung so viele fremde Aneihen gezeichnet hyaven, vor —
In der „nationalen Flugwoche“ in Johannisthal bei eerere deiteise dan esünnen waren, industrien rauen der französischen Sparer rechterrigen. Die, Ber
zerlin sind nur Durchschnittslesstungen erzielt worden, stat g— ei 6'5 e and!ugen darüter dauerten sort. Das Gecucht, ich hänte
* 2 — — *531 3 —8 F der militärische Beste lu gen in Deutschland zu bezaͤh zn 3 Brrrrßesfir Dero uf bstans TaAr die V36 u8
essen gab es sortwähhrend himere Siteit gleiten ngne Zlie urden mit Begessterung einem Aufrufe für die Veriei
er zankten sich mit den Juugte ten, V sinsuleht gng des Landes one leifien.“ Doer in vielen Nepn e o antichen Nan irhgefiltrt werre iit durdtcu
7 — mni Wodeene * lUikanischen Zeitungen, alich der Regieruug nahestegenden
beral ine ui che⸗ 3 e are vo t ein Zögern in dieser Angelegenhzeit un zerlennaar. —
r die znationale Flugwoche, Preise im Gesamiwerie ve »eisen darauf hin, daß eine sorche Mahßrteget der franzs
3000 Mark gestiftet hat. Wie deprimierend dieses Re— — aegie. * * Len Anstoß dazu gedven wärde, die
iltat überall gewirlt hat, zegt der Umstand, daß sogar Den ei rrnen dnee —54 in —
7* —— ⸗ 4 * IJ0 ⁊ 1 * —P*
ie Rew Jorter Finae ahnn t en berubten Leicar en, so daß natürsich Frankreich wieder in andern RPunt
kel darüber w gt, in Fe 8 heiß . Ser en folgen müßte. Auch sei die Notwendiglett dieser Um
„Alle deutschen Lufe schiner klagen. Der Ausang wa »audlung noch leineswegs bewiesen, da die Auslassunger
A er Generäle richtig betrachtet, die Verficherung enthatten
dran! Welch anderes Land tonnte den Veistnaen und aß von einer —B des Lebe gewehrs nicht du
rsolgen der „Zeppeline⸗ „Großz und „Parseoalsauc sede fein koͤnne. In gleichem Sinne laßt sich übrigens
ar ein ann ahernd gleiches Refmitat an die Seite eign er ehemalige Direktor der Wafsenmanufattur von Sarmt
oidenne bin e, gn ie eed ri e tienne, Lesebpre, in einem Dorniten an den auenan
2 ———— bilden ltten, ae Be iderung⸗ Wen en phoden nene ersige, Az eeee
el für grobes Gerpicht. Die Laparsen die er Jatngeuse smnu dagegen in den Vorwurf ein, daß nicht genügent
velche sich in der leblen Zeit gehhuft. haten die Frage jerfonal zur Instandhaltung der Gewehrbestände vorhan
he ches System, das Leichter oder das Schwecer ais de— n ser Ganz satsch sei aber die Vemerkung des „Jour
aust, vorzuziehen, von nenem aug woren. De Tatja i deteliers Militaires“ uüͤber die französische Diuge
cn zegen, das Teutsch and au, denn Geoet eer iez8 Vergleiche zu der deuttchen S-ugel. „Dank der D—
anwesens, also der Lu tah euge. wesche schwerer a⸗ ugel, die die Spannung der Kugeibahn unseres Ge—
ie —R— en r peer e oehrs faft verdoppelt hat, hat dieses hinsichtlich der Wirk—:
inie hinter Fraucreich zur nchn J mitkeit den Raug wieder erhalten, den es mit der
tgeoni se Fat do der guo Re r audeVeurzgeie gun llen Kugel verloren hatte und das gestatte uns, den ge—
eich, wescher heue die Aufmer cnten der hen e W igneten Moment abzuwarten, um es zu ecse ßzen. Die S
—— 6 Ngel ist nur eine plumpe Rachahmung unferer D-ugel—
yn überwandent Wie bleintich erscheinen hre etwas größere Anfangsgefchwindigleit wird schnel
un —— oee ngebüßt, und wenn auch die gugelbahnen auf sehr ilein
hanneeihaen e edeee e eeedr utfecnungen, bei denen dieser Vorleil terne Vedeutun—
liche Einnischung Die deuts.hen VnitschifsayrtaUnter at, gespannter sind. so werden ste es doch viel wenige
ehmungen klagen über schre hte —D—— iber mangelnde Is die der D sotugel auf mittlere J weitere Kampflent
teiinahme. Vielleicht ist der Rangel an Intere e sei ern naen die al'einn wichtig sind.“
eng der weiteren Kreise darauf zuröckzufähren, daz du ——— — —F
sgesehlen Preise in Teusschlano nicht allzu lockend siud Politische Anud'chau—
zielleicht hat das fast ausschließliche In ercsse, werche⸗ —8 J
ie —38— lange Zeit hindurch den „Leichter ais du w a entsches Reich Ser
ust⸗⸗Sostemen entgegengebracht haben, die Mindecwentg ?uUeber den „Bemuch des Kaisers in Bruͤssen verlautet
ein anf dem anderen Ferde zur Fosge gehyabt. Vierle ch daß alle: Wahrscheintichleit nach der in Auslicht J
rägt auch die Schuld, daß das ge amte deutsche Luft Ternin, der 17. Oiober eingehalien werden wird. Je
hiffwesen unler die militarische Erwäaung gestellt wor och ist auch eine Verschiebung um acht Tage möglich
—3 Das Programm des Besuches des Kaisers ist nos
icht entworfen. Im königlichen Palast werden die fü
den Kaiser bestimmten Zimmer bereits in Stand gesetzt
* Gegen den Redakteur der Breslauer „Volkswacht“
Albert, wurde eine neue Strafverfolgung erngeleitet
weil die „Voltswacht“ neuerdings geschrieben hatte, di
Behörde kenne den Schumann, der senerzeit dem Arbei
er Biewald die Hand abcehackt hat. Nunmehr erhiel
Regierungsrat Frost die Genehmigtnng auszusagen. ob di
Polizei den Handabhaclker kenne.
*Im Budget für 1911 überste gen die Einnahmen
im 115 Millionen die Ausgaben des ordentlichen' Etats
das Exrtraordinarium zeigt 140 Millionen Ausgaben ge
en 12 Millionen Einnahmen. Die ersten sieben Monat
on 1910 rieserꝛen 110 Mitlionen Mehreinnahmen geger
en Voranschlag.
*Zu dem internationalen Kongreß fün
dozalversicherung, der vom 5. bis 8. Septemeer ir
zcheveningen tagt, haben sich von deutscher Seite u. a
uze agt: Staatsninister a. D. Graf von Posadowsty
Vehner, Staatsmeanister a. D. Frhr. von Vertepsch une
andeshauptmann der Provinzz Posen Dr. von Taziem—
owski. Der Geueralselretär des Kongresses ist der Jonk—
zeer Hen! van Bruken-Fock, der Selretar des Organisa
ionsomitees der Attachee der deutschen Gesandischaft,
Leinmant von RNoetl vomn hesschen Leilbhronnner-Neni
sa1*

—ZEDMAc—l—l——O
Jabe, daß die Zinzen dazu diencen sollten, der de la Bra
he einen standesgemäßen Lebensinterhalt zu ermöglichen
Tatsächlich hat Fräule'n de la Brache auch während eine
ängeren Reihe von Jahren eine jährliche Pension von der
chwedischen Königen bezogen, bis ihr diese mit der Be
zründung entzogen wurde, daß ihre Ansprüche überhaup
rdichtet seien; es habe sich herausgestellt — so wurde vor
oftscher Sete versichert — daß sie in Wirklichkeit die Toch
er eines Wachtmelsters namens Magrnusson sei. Die del
Zrache suhr aber ihr ganzes Le—en lang fort zu behaup
en, daß sie die Tochter des Königs GEnustav Adolph sei
ind daß ihre Celdansprüche gegen das regierende schwe
ische zrönigshaus begtündet seien. Fräulein de la Bran
he woltte nun dem König Oskar 1. Bernadotte, den
roßvater des jetzt reglerenden Köän'gs Gustav, eine An
ahl Bricese überreicht haben, die sie von ihrem Vaser über
zeben erhalten habe, und aus denen hervorgehe, daß ihr
in prüche gerechtsertigt seien. Mit der jetzigen Klage wirf
on den Beklagten als den Erben des Königs Osca
ie Herausgabe jerer angeblichen wichtigen Beweisurkun
»en verlangt, oder die Bellagten sollen den Eid leisten
aß sie vom Verble'b jener Briefe nich!s wissen. Anfäng
ich glaubte man in Schweden allgemein, daß die Klag
chon aus irgend welchen formellen Gründen abgewiesern
verden würde, bevor es überhaupt zur Beweisaufnahm,
äme. Der Prozeß vecläuft aber nicht, wie erwartet; der
zeweisanträgen des Klögers wird stalttgegeben. Ob al
erdinas dadurch der Prozeß zu Gunsten des Kläger—
efördert werden wird, ist sehr zweife:ßaft. Nach der Be
ve'sausnahme, die nach den vorliegenden Verichten keir
eschlossenes Bild ergab, wurde die weitere Verhandlun—
ui den 27. Oftober vertag
—— ——
Sozialpolitische Rundschau.
Die Arbeiterversicherung des Deutschen Reiches
mfaßt belkanntlich grei große Gruppen: die Kranlenver
cherung, die Unfallversicherung und die Invaliden- und
lltersversi herung. Sie ist reichsgesetzlich geregelt, beruh
zuf Gegenseitigkeit und Selbstverwaltung, umfaßt ohn
dmerschied der Nationatität Personen, welche in Deutsch
and ihre Ardeitssraft gegen Lohn verwerlen, und ge
vährt — im Gegensatz zur bloßen Armenpflege — jeden
Lersicherten einen Rechtsanspruch auf gesetzlich bestimm!t
Untersrützungen bei kostenfreiem Versahren. In dieser Groß
ügigleit ihrer Einrichungen ist sie nicht bloß zeitlich al—
en anderen Nationen Europas voraus, indem sie bis au
»as Jahr 1883 zurückgreift, sondern sie hat sich auch in
zaltlich derart bewährt, daß sie bis zum heutigen Taç
»as Vorbild für alle andern Staaten bietet, die sich mi
zem gleichen Problem beschäftigen oder es für sich ein
ührten. Ueber den Umsang der deutschen Lesstungen seler
och einige Daten aus der neuesten abgeschlossenen Sta
istik vom Jahre 1908 beigebracht. Bei einer Gesamtbe
ölkerung von 63 Millionen wurden rund 16 Millionen
ohnarbeiter çezählt. In jenem Jahre waren versicher
egen Krankheit 13 189 600 Per sonen, (und zwac 9 880 54
sRäünner und 3 309 060 Frauen), gegen Unfall 23 674 000
14 795 400 Männer und 8 878 600 Frauen), gegen In
altidität 15 226 000 (10 554 000 Männer und 4672 000
zraucn). Für Krankheit kamen 5 701 180 Entschädigungs
älle in Betracht, für Unfall 1008677, für Invaliditä
1118 749. Die Einnahmen sür die Krankheitsversicherun
etrugen 365 994 100 Mark, von denen von den Arbeit
ebern 114913 900 Mark, von den Arbeimehmern rund
236 220 200 Mark aufgebracht wurden; für die Unfallver
icherung 207 550 500 Mart, von denen 181 596 600 M
»on den Arbeitgebern gezahlt wurden, während die Ar
eitnehmer kostenfrei blieben; für die Invalidität etwa
285 882 100 Mark, von denen je 92 211 200 auf die bei
den genannten Gruppen entfielen. Die Ausgaben für di
drankenversicherung betrugen 350 544 100 Mark, von de
en 331 049 300 Mark auf Entschädigungsgelder, 19 494 200
Nark auf die Verwaltung entfielen; für die Unfallver
tcherung 183 818 700 Mark (Entschädigung: 157 884 70
Nark, Verwaltung 25 934 000 Mark); für die Invalidi
ätsversicherung 200 339 100 Mark (Verwaltung 18 862 300
MNark, Entschädigung 181 476 800 Mark). — Aus diesen
ewaltigen Zahlenreihen wird die von keinem anderen
ztaat auch nur annähernd erreichte Mucht der Leistunges

In anderen Blättern wird den Deutschen vorgewor—
en, sie hätten ganz ihren Charakter verändert und seier
o heißspornig und uniberlegt geworden, wie die Süd
änder. Angefangen habe der Rummel mit dem aufta
ernden Enthusiasmus für das Kochsche Tuberlulin, der
0 000 Fremde nach Berlin geführt habe, die durch Tu
erlulin⸗Einspritzungen schweren Schaden an ihrer Gesund.
eit erfahren. Die Deulschen begeisterten sich leicht sür Persön
ichkeiten, die noch erprobt werden müßten. Währeud des
stasiatischen Krieges hätten sie den General Stössel zum
uhmreichsten Helden seiner Zeit gestempelt, aber es habe
inen wunderbaren Eindruck gemacht, daß er erst den Or—
en pour le merite erhalten habe, und darauf von einen
kriegsgerichte seines Vaterlandes zum Tode verurceilt sei
lehnlich sei es mit dem Grasen Zeppelin gewesen, der
nan als „Luftmarschall“ und den größten Deutschen des
O. Jahrhunderts gefetert habe, obschon er jetzt ßegen die
lviatiker fremder Nationen vollstaändig in den Schatter
reten müsse.
Den wahren Kern, den diese Kritik enihält, sol ter
vir beherzigen. Es ist niemals gut, wenn eine Nauor
ch über sich selbst täuicht und übher die Männer., welch—
e feiert
— ——
3 43 22 * 2 53224222
die Angrisfe auf das Militärgewehr.
Die Frage, ob das Lebeigewehr der wanzasi cher
zufanterie verallet ist oder nicht, vildet seil einißer Zei
en Gegenstand eimer leohaflen Preßdebate. Ter Aog
ounstans Uat beretts eine Juterpetlattion ιααν ,
—E

Gerichtszeitung.
F Ein Prozeß gegen das schwedische Königs
zjaus. In dem sogenanuten „Helga de la Brache-Prozeß“
zen im vergangenen Frühjagr das ehemalige Gemeinde
gatsmitglied Johansson gegen die Königenwitwe Sophi
und die Briider des regterenden Königs Gustav vor
Schweden anstrengie, sand vor dem Stodtolmer Gersch
die Zeugenvernehmung statt. Das verstorbene Fraͤuleir
de la Brache, als deren Erbe der jetzige Kläger der
Rechtsstreit führt, behaupte!e, daß sie die Tochter des letz—
ten Vasa⸗Königs Gustav 4. Adolph und dessen Gemahlir
Frederica sei; sie sei nach der Abdanlkung des Königs
während dessen Verbanneng geboren. Russische Ver—
vandte ihres königlichen Vaters, Mitglieder des russische;
daiserhauses, hätten dem Stammvater des jetzt regieren
den schwedischen Kön gsöhauses, dem König Karl 14. Jo
04n⏑ 62.72 —— r — J

Frankreich.
*Menister Pichon ertlärte einem Beérichterstatter des
Scho de Raris“ über seine Unterredung uit Hakii alns
So uleihefrege daß die franzöüsiche Beaternna vid

Um die Grafenkrone

— ——22[ I —
wraf Collas saß in seinem Zimmer am Schreibtisch,
Bücher und Rechnungen, Zeitungen und Postsachen vor sich.
Er sah sorgenvoll aus.
Vor ihm stand Ernst Kern in dem ländlichen Arbeits⸗
anzuge vom Morgen.
„Und Sie meinen wirklich, lieber Kern, daß ein aparter
dechnungsführer erspart werden könnte?“
„Ganz entschieden, Herr Graf. Ich habe vollständig
die Zeit, die Rechnungen und Bücher dieses nur mäßig gro—
zen Besitzes zu führen, und daß ich dazu fähig bin, haben
zhnen meine Zeugnisse bewiesen.“ — „Ohne Zweifel. Ich
nöchte Sie nur nicht überlasten, lieber Kern.“
„Davon kann keine Rede sein. Mir ist Arbeiten eine
Lebensbedingung — ganz und gar — jede Minute mit Ar—
eit ausfüllen zu dürfen, eine Gunst, Herr Graf.“
„Alle Achtung, junger Mann!“ sagte der Graf väter—
ich und nickte freundlich. „Und mit dem Gestüt meinen Sie
ine andere Praxis einschlagen zu müssen?“ — Wenn GHerr
Hraf mir freie Hand lassen würden?“
„Das glaube ich zu dürfen. Wie ich Sie und Ihre
denntnisse beurteilen gelernt habe, und naͤch dem Zeugnis
es Oberamtmann Hassow, der ja ein berühmter Pferdezüch—
er sein soll, würden Sie sicherlich keine unzwar e an
Lenderungen treffen.“
Graf Collas konnte seinem eigenen Urteil, seinen Er—
ahrungen und Geschäftskenntnissen nicht unbedingt ver—
rauen und wußte das sehr wohl. Auch Alter und das Ge—
ühl beginnender Indispositionen machten ihn unsicher im
zandeln und Disponieron. Die Empfehlungen und das
‚anze Weson des Juspektors schienen ihm die besten Garan—
ien zu bieten und jedes Vertrauen zu dessen Tüchtiakeit und
zIntelligenz im Fache zu rechtfertigen.
Erust Kern pausierte einen Moment, das leichte Sinnen
des alten Herrn reipektierend. Als dieser den froundlicher
Blick fragend hob, fuhr er fort:
„Ich würde nicht raten, die eigene Pierdezucht ganz auf—
zugeben. Die Gutsverhältnisse, die Bodenbeschaffenheit,
ille Bedingungen machen den Befitz eher zu einem Sport—
zut als Nußqut. Aus ersterem läßt sich, wenn Glück und
»rfahrene Leitung zusammenarbeiten, pekuniärer Vorteil
rringen, heutzutage vielleicht soaar mehr als durch den
auptfächlichen Ackerbau.“
„Wahr! Wahr!“ — „Nur das Luruspferd zu züchten
aöchte ich nicht raten. Anlagekapital und Betriebskopital.“
„Nur kein Kapital, lieber Mann,“ rief der Graf mit
eomischem Entsetzen.
Ein ernstes Löcheln zuckte einen Moment über des jun—
en Inspektors Gesicht. „Ganz recht, Serr Graf — alio
nann i. DR — eht he—ustehop FRve

leistungsfähtger Gebrauchspferde beschränken und die eng⸗
lischen Mutterstuten sowie den Halbbluthengit derkaufen“
„Wir jetzt schwer halten, die unnützen Freiser los zu
werden.“ — „Ich habe bereits einen Käufer dafür in Aus—
icht.“ — „Was Sie sagen! Das freut mich sehr — fehr!
Eine größere Summe wäre mir ietzt zu Privatzwecken sehr
villkommen.“
„Herr Graf, einen großen Teil dieses kleinen Kapitals
müßte ich mir für den Anfang einer einträglichen Bucht
anderer Rasse vorbehalten.“
„Hm, hm, ja. Natürlich. Auf unseren Bäumen wach—
sen die Fohlen leider nicht,“ scherzte der Graf aufgeräumt.
„Apropos, wer ist denn der präfumtidve Sénier?“
„Nicht präsumtiv — ganz sicher. Sert Graf Hochburg—
Deschwitz.“ — „Ah — ah! Freut mich. Freut mich ganz
besonders, lieber Inspektor. Sie haben schon feste Be—
ziehungen zum Dominium.“
„Und zum Herrn Grafen als Käufer soelbst.“
„Sie überraschen mich. Nun, ich überlasse alles Ihnen.
Unbeschränkte Vollmacht, lieber Kern.“ Der Graf erhob sich
verabschiedend.
Ernst Kern empfahl sich ohne Verbeugung in strammer
militärischer Weise von seinem Prinzipal, was diesem sehr
vohl gefiel.
Als er fort war, ging der alte Mann einige Male, an—
genehm erregt, in seinem großen Arbeitszimmer auf und
ab. Dann setzte er sich wieder und seine Haltung sauk zu—
iammen, sein Auge wurde trüber.
„Ja, ja. Es wird nicht anders gehen. Sonst sei Gott
vor, daß ich einen Singer rührte, meines Kindes Herz zu
heeinflussen. Noen tür sie selbit, für ihr eigenes Wohl!“ Es
ist kein Unrecht, wenn man ihr beizeiten die Gelegenheit zu
iner guten Heirat zu geben sucht, und zu Gott hoffe ich, daß
nein Glaube an ihre Neigung zu Evolf Hochbura mich nicht
retäuscht hatt“

— — — —
t. xRæijtrio atz Ulit geritttgelnt zipperit uino oer alue Vience
schlich geradezu geisterhaft lautlos umher. Ab und zu hob
Astrid ihre großen Augen mit einem dunklen, kurzen Blich
gegen ihren Vater, als könne sie nicht den Mut au eine
Frage finden und wollte doch gern etwas wissen.
Endlich — ganz zuletzt — die Gräfin rückte schon mi
dem Stuhl, Friedrich hatte längst die Mundschalen auf den
Tisch gestellt — sagte sie, ihr Glas Rotwein austrinkend
„Ich dachte eigentlich, Vati, unsere vornehme Erplusivitö
vürde nun ein uninteressantes Ende hier nehmen?“
„Wieso denn? Hast du Tischaäste erwartet, Töchter—
hen?“ fragte der Graf zerstreut. — „Das nicht so eigentlich
ich dachte, deine Wirschaftebeamten müßten mit uns essen.“
— „Wirtschaftsbeamten? Vorläufig habe ich nur den einer
Inspektor und der ißt auf seinem Zimmer. Nein, davor
brauchst du keine Sorge zu haben, Kind, landwirtschaftlick
vespräche beim Diner anhören zu müssen.“
„Solche Leute fühlen sich auch höchst unbehaglich ar
einem Tisch mit uns,“ sagte die Gräfin bestätigend. .Sichk
waschen und kämmen müssen, womöglich Krawatte und an
ständigen Nock anlegen, nur um Mittag zu eisen, da kät
man ihnen einen schlechten Gefallen. Den einzigen Toilet
tenwechsel, den sie zu ihrer Speisestunde machen lernter
war wohl nur eine Verininderung ihrer Toilettenstücke.“
„Sonntags, woan er will, habe ich den Inspeltor abes
ein für allemal zu Tisch gebeten, Sidonie. Das geht scho
richt anders. So ganz ohne Erziehung ist der nicht.“
„Bije du willst. Mich stört er nicht bei Tische,“ war d
rrrrlin Nityort dar sGeötiite wDeöenn mir ihn nicht ĩtür—

„O, nun ist es die höchste Zeit, daß du dich mit nütz—
icheren Dingen beschäftitten Ternft.“ — „Und daß eben das
Befühl davon, was man im Herzen für ein Menschen ist, so
rei macht, daß einem die Ansichten anderer Leute ganz
zleichgültig sind,“ fuühr Astrid ruhig fort.
Nun mußte Gräfin Collas aber wirklich lachen und
treichelte Astrids erglühle Wange. „Rärrchon, geéliebtes!
Nan meint den biedereu Schullehrer selbst zu hören. Aus
olch' rosigem Mädchenmunde klingt's etwas gesfucht und
lurd. Als wenn die Rosenknospe den Kohlkonf um seino
zestimmung beneiden wollte.“
„Aber, Mutti! Dann hast du's überhaupt gar nicht
»erstanden,“ rief Astrid staunend. Jetzt war es ein sehr
Tnster Blick, den Gräfin Collas im Fortgehen über die
Zchulter ihrer Tochler zuwarfe , Ich habe deine Geigeio
ange nicht gehört, mein Kind.“
„Ach, sie ist mir langweilig. Ich kann doch nichts da—
sauf, pielen. Deine, Sachen sind reizend, Astride Wer
hal dir das in den Kopf hesehten BWas willst du denn
pielen?“
.Sachen, die nir zu schwer sind. Ich habe zrur so Kunstnabchen
 und leichten Flitterkram gelernt — nichts Rechtes.“
— Iwreiß aar nicht, was mit dir vorgegangen it mesne
Lechter, bemerkte die Gräfin streng. „Was wünschest du
enn zu können?“
—5439 ich weiß selbst nicht recht. Aber — wenn man
Indert oder Beethovens Lieder auf der Geige spielen
XE
„„„Warum denn nicht! Ich will dir.solche Kompositionen
ommen lassen. Im Sommer mag dein Lehrer hier einige
ge Ferien derleben und deine Studien leiten. Ich habe
nichts dagegen, daß du dir klassischen Sachen einübst.“
it freundlichem Kicken ging sie hinaus.
nt Vte Tochler sah ihr nach, jeufzte ein wenig ungeduldio
klappte argertich ihre Schreibmappe zu. J
cherdit Gräfin aber dachte, als sie ihren Gemächern zu—
Dn daß sie noch heiue ain den Grafen Evolf schreiben
e daß die Familie in ühlenhaus heimisch sei und sich
euen würde, ihn und feine Gäfte, foils solche anwesend,
u empfangen.
a —8 Istrid fängt, an, Nahrung für ihre Gedanken
on. Dies muß iñ die rechste Bahn gelenkt werden

—A

Sonntaa! — Und ein rechter echter Sonntac!
Moöi — „als alle Knospen sprangen“.
Astrid richtete sich hoch auf, als sie unter der lichtgru
nen Seide ihres Himmelbettes erwachte. „Lieber Gott! was
ist das Leben schön!“ sagte sie lächelnd, „und besonders hiern
in Uhlenhaus, hier sieht man doch die Sonne ordentlich und
den Himmel und Wald und Feld und alles mögliche Schön
und Interessante. — Ach, das ist herrlich: Erst sieben Uhr
Gorade wie am ersten Tage hier. — Nun rasch anziehen un
dann einen schönen einsamen Spaziergang. — Aber natür
ich ordentlich angezogen und das Haar aufgesteckt, dami
nan nicht wieder Schelte bekommt, Hut und Handschuh
— Wenn man nur ernstlich will, geht alles, sogar da—
Zelbstfrisieren, ganz gut. Weniastens fest saß der Knotern
tiund die paar widerspenstigen Locken, die mochten inimmoe

Um vier Uhr wurde stets in Uhlenhaus diniert.
Astrid sah bezaubernd aus, als fie in den großen Spei—
esaal trat, in ihrer reizenden Toilette von mattrosa Kasch—
nir, das Haar ein wonig hoch, griechisch, frisiert, einen
Strauß wilder Frühlinasblumen in zartesten, bunten Far—
hen an der schönen Brujst.
Dieé Unterhaltung war zienlich lahm und schleppte sich
vie gcwölnlich hin. Der Graf zerkrümelte sein Brot, trank
ziel Rotwein und erzählte dies oder jenes aus der Zeitung,
hune Gegenäußerung zu verlangen. Die Gräfin sah mit
vroin faten, ;Bhnr sict in die dunkle, weite Terno, mio in
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.