elungen, den Leprabaztulus zu entdecken und in Bouil—
onuitur zu züchien. Man 'hofft, damit eine Möglichkeit
ur Herstellung eines Heilserums zu haben. — Wenn es
uur nicht aus Amerika gemeldet wäre.
J Die Zukunft der Marskanäle. Schiaparelli ist
ot, aber seine berühmteste Entdeckung, die Marskanäle,
eben sort. Die Frage ist freilich: Wie lange noch? Wie
icher auch eine Reihe von Planetenforschern das Vorhan—
ensein dieser Gebilde und danach vielleicht gar die An—
vesenheit von menschlichen Wesen auf dem Mars behaup—
et, so unüberwindlich scheinen auch die Zweifel zu sein,
ie andere Astronomen in die Wahrheit dieser Beobachtun—
en Detzen. Ein namhafter Himmelsforscher, Professor Ait
en, äußert seine Meinung in der Wochenschrift „Science“
neiner recht drastischen Weise. Er kennzeichnet die ganze
Narsforschung als ein immer noch recht unsicheres Ge—
Aiet. Ist doch noch nicht einmal die Frage entschieden,
vas für ein Fernrohr zu dem Studium der Planeten am
besten ist. Auf der einen Seite behauptet ein erfahrener
Fachmann, daß sein Refraktor von 60 Zoll Oefsnung die
rößte Durchdringungskraft von allen Fernrohren der Wel
esitze, und daß er seiner Vollkommenheit die Fähigkein
erdanke, daß er mehr von den Dingen auf dem Ma
ehen könne als irgendenn anderer. Dem entgegen sagt
in Astronom, der mit einem noch weit größeren Refrak
or arbeitet, neulich, sein Fernrohr sei zu kräftig, um die
danäle auf dem Mars zu zeigen. Dann wieder wird be
auptet, die besten Ergebnisse in diesen Untersuchunger
oürden mit verhälinismäßig kleinen Teleskopen erzielt,
der man müsse von den großen die Objektivgläser aus
halten. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß in einer
o grundlegenden Frage eine derartige Meinungsverschie—
enheit die Bedenlen gegen die Zuverlässigleit der Ersolge
ehr zu verstürlen geeignet ist. Wenn man nun insbeson—
ere die vierzig Marsphotographien, die Lowell in neue—
er Zeichnung vergleicht, die der nicht weniger erprobte
Nars forscher Antoniadi hergestellt hai, ßo zeigt sich eine
o geringe Aehnlichteit zwischen beiden, daß man gar nicht
veiß, wie eine Ein'gung zwischen ihnen möglich sein soll—
e? Die Zukunft der Marskanile liegt also trotz allem,
oas über sie gesagt und geschrieben worden ist, noch im—
ner im Dunkeln. —
Neues vom Mars. Das Lowell-Observalorium in
dew⸗-York entdeckte neue Beweise für das Vorhandensein
on Wasserdunst und Sauerstoff in der Mars-Atmosphbäre.
νä⏑C·COc·-·c···,, ——
Landwirtschaftliches.
AM Saatenstand im Deutschen Reiche. Saatenstand
and Ernteschätzung der Preisberichtstelle des deutschen
Zandwirtschaftsrates vom 1. September 1910. Setzt man
den unter normalen Verhältnissen zu erwartenden Ertrag
zleich 100 (Normalernte, nicht Durchschnittsernte), so be⸗
xagi der voraussichtliche Ertrag in Prozenten einer Nor—
nalernte: Winterweizen 1. Septbr. 91,8, 1. Aug. 94,0,
Septbr. 1909: 94,80; Sommerweizen 1. Sepibr. 88,7,
. Aug. 88,4; 1. Ebptbr. 1909 97,4; Winterroggen 1.
Septbx. 91,8; 1. August 94,3; 1. Septbr. 1909: 101,0.
Zommerroggen 1. Sepibr. 85,7, 1. Aug. 83,8; 1. Sept.
909 92,3. Gerste: 1. Sept. 87,8, 1. Aug. 89,4, 1. Sep⸗
1909 102,4; Hafer: 1. Sept. 90,6, 1. Aug. 89,5, 1. Sep⸗
ember 1809 105,8; Kartoffeln: 1. September 84,0. Eine
Berschlechterung der Ertragsziffern gegenüber den am 1.
hiauit ermittelten ist danach bei Winterhalmfrüchten, so⸗
ie bei Sommergerste eingetreien, während die Noten fü—
zommerweizen und Sommerroggen, sowie Haser etwas
öher als im Vormonat sich stelsen. Zu bemerken ist, das
uch Winterweizen, dessen Augustschätung die in den Vor⸗
chren erheblich übertrofsen hatte, diesmal gleich den übri—
en Halmfrüchten niedriger als im Vor;ahre geschätzt wird.
zoͤn Hacdfrüchten versprechen Riben eine besriedigende
ernte, dagegen haben Kartosseln, namentlich die frühen
zorten allgemein un'er Nässe gelitten. Auch wird vielfach
ber vorzeitiges Absterben berichtet, sodaß kaum noch mit
nem mittleren Ertrage zu rechnen ist. Der zweite Schnitt
zutterpflanzen ist sehr gut, teilweise vorzüglich ausgefal—
en. Auch die Wiesen, soweit sie nicht durch Nässe ge—
tten haben, geben reichliche Erträge.
18 ATTI
die Verproviantierung eines modernen
Ozeandampfers.
Es ist eine bekannte Tatsache, daß Seeluft einen au
erordentlichen Appetit erzeugt. Welchen Umfang dieset
lppetit erreichen kann, das erhellt aus dem beistehenden
gilde, auf welchem der Proviant dargestellt ist, welcher
er Lloyddampfer „Kronprinz Wilhelm‘ für seine zirka
tägige Ozeneise von Bremerhaven nach New-York zu
3 seiner zirka 1500 Passagiere und rund 500 Mann
dsatzung and Bord nehmen muß. Die einzelnen Pro—
‚iantspezies sind in anschaulicher Weise durch entsprechend
roße Fleischstscke, Schinken, Fisch ꝛc. wiedergegeben, de—
en Volumen durch die daneben stehenden, in natürliche
zröße gezeichneten Menschen ersichtlich wird. Ganz linkq
rbl'icken wir einen gewaltigen Schinken von über 24
Neter Höhe, der ein Gewicht von 2027 Kg. besitzt. Das
odalfischäähnliche Ungetüm stellt den Repräsentanten der ver
hiedenartigssen Fischarten dar, sowohl frischer, eingesalze
er und eingemachter Fische ꝛc. Sehr beliebt ist an Borf
zeflüger hHon dem ingoset α αα ν ν⏑ ⏑⏑——
———
„Verstehen Sie denn von Forst und Jagd auch etwas?
ragte sie, um nur etwas zu fragen. Ich glaube. Ein
Inspektor muß übrigens eine gewisse Grundkenntnis von
allem haben und kann nicht nur Ackerbau treiben wollen.
Es geht auf dem Lande alles Hand in Hand. Sogar Gar—
enkunst und Hausverwaltung muß er verstehen, denn er
'ann leicht auf ein Gut ohne Herrschaft kommmen, wo er
in Haus instand halten muß, gar nicht zu reden von Pferde⸗
zucht und Arzneikunde für Mensch und Tier,“ erklärte er
hr freundlich. „Auch rechnen und schreiben?“ — Und so—
gar lesen muß er können,“ lachte er.
Sie lachte auch. — Sein schönes, klingendes, gesundes
dachen war so ansteckend, zur Mitfreude reizend, ganz au—
ders als das „diskrete Gemecker der Stadtherren“, dachte
ie. So tat sie nun, echt weiblich, alle mitsammen in einen
Topf. — Er war es längst nicht mehr, der sie geleitete. Er
ritt längst schon den Weg zur Stätte seines Wirkens und
einer Pflicht. Sie folnte ihm. DV, Gnädigste Komtesse, wird
zieser Weg Sie nicht zu weit abführen von der Richtung
rnach dem Schloßz?“ Er zog die Uhr aus seiner grauen
dodenjoppe. „Es ist nenn Uhr. Frau Gräfin werden Kom—
esse vermissen.“ —B060
„Soll ich hier umkehren?“ fragte sie in naivem Ver⸗
rauen.
„Nein. Kommen Sie mit mir. Ich will Ihnen einen
Pfad zeigen, den Sie gehen können, um rascher an Ihr Ziel,
u kommen.“
„Wie geht es übrigens Ihrer Frau Großmutter?“
ragte Astrid teilnehmend. Sie hatte sich eben jenes Bildes
ꝛrinnert, als sie diesen Mann die alte Frau tragen sah —
in jenem Abend bei Kerns. „Leider recht schwach, Komtesse.
Danke für die gütige Erkundigung. Sie wird wohl bald
zie treuen Augen zumachen.“
„Ach, das tut mir innig leid. Wenn ich sie näher ge—
annt hätte, ich glaube, wir hätten uns lieb haben können,“
agte sie lebhaft. „Großmutter hatte Sie lieb. Sie sprach
ft von Ihnen — und —“
„Und?“ fragte sie, gespannt in sein ernstes Gesicht
lickend. „Und wenn ich Gelegenheit hätte, follte ich Groß—
nutters herzlichen Gruß bestellen an — — „An?“ — An
Zomtesse Astrid von Collas.“
„Nein, das sagte sie nicht! Was sagte sie? An wen?
zittel“ Eine Wolke glitt über seine Stirn, die weiß und
rotzig, von eckigem Vau, über seinem mageren, braunen
Hesicht vorsprang.
Dann lachte er — beinahe spöttisch. „Komtesse befehlen
u hören?“ fragte er respektvoll — VXa wenn ich befeblen
J lIachto fie 3⏑J⏑ σ—
zord genommen und verzehrt werden. Rind-, Schweine
nd Hammelfleisch in jederlei Gestalt (vergleiche die ge
altige Karbonade) braucht man 15 481 Kg. Kartoffelr
as nette Quanauum von 27 956 Kg. Auch das verschie
enartigste Gemüse ist eine heliebte Bordspeise (siehe di
ur Linken aufgestapelten Gemüsekörbe, welche insgesam
1495 Kg. fassen). Als Surrogat für andere Speiser
nd zum direkten Genuß kommen zirka 25 000 Stück Eier
ir Verladung, welche der Leser auf dem Bilde links ir
en aufgestapelten 69 Eierkisten findet. Direkt dahinte—
hen wir den qgewaltigen Ballen mit Wasser. der 425 000
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Liter faßt und welcher gerade den Bedarf deckt. Gan—
edeutend ist der Mehlverbrauch, der sich auf 14 982 Kg
z»eläuft. Der Vorrat ist in 169 Fässern verpackt (sieh
»en mittleren Teil des Bildes). Jeder Hausfrau abe
vird das Herz zusammenkrampfen, wenn sie den Vorra
in Butter bemerkt. Der gewaltige über mannshohe Bot
ich faßt 2996 Kg. An Miilch in jederslei Gestalt ist auch
ein Mangel vorhanden, denn in dem Behälter zur Rech
en sind 5495 Liter Milch enthalten. Aber auch an kräf
igeren Getraͤnken gibt es genug, und manchem Tempe
enzler müssen sich die Haare sträuben, wenn er den Wein
ind Bierkeller des Lloyddampfers bemertt. Auf unsern
Bilde ist der gesamte Alkohol in eine Flasche zusammen
zegossen. (Inhalt 20 927 Liter). In Wirklichkeit vertei
en sich die verschiedenen Spirituosen auf folgende Spe
ies: Champagner 850 Flaschen, Kognak 980 ZFlaschen
Nadeira, Sherro ⁊c. 135 Flaschen, Rhein- und Mosel
vein 1700 Flaschen, Rum 760 Flaschen, Mineralwasser
250 Flaschen, Bier in Fässern 13450 Liter und 600
Flaschen Bier. Zur Kühlung der enormen Proviantvor—
äte wird eine Cismenge von 833 000 Kg. an Bord ge—
ommen, die aber je nach Bedarf durch die an Bord be—
indlichen Eismaschinen ergänzt werden kann. Aus die—
en Zahlen geht gewiß klar hervor, daß die Seekrankheit
ein unheilbares Leiden ist, und daß nirgends so viel und
2aut gespeiit wird. als an Bord eines Llobpddampfers?
Aus aller Welt.
Die Patronenkisten als Choleraherd. Die Cho—
erakommission det Stadt Spandau hat den Verdacht aus—
zesprochen, daß die Kisten, die in der Munitionsfabrik in
zpandau lagern, Träger von Cholerabazillen fein kön
en, weil die Kisten von Rußland nach Spandau ge
hickt worden waren. Die Cholerakommission fsand, da
ie Kisten mit Schmutz und Schimmel bedeckt waren um—
rdnete die Beschlagnahme der verdächtigen Kisten an
zroben, von dem an und in den Munitionskisten hafter
en Sdub sind bereits Gegenstand von Unter“n ir
zerliner bakteriologischen Institut.
Die Cholera? Als ansteckungsverdächtig wurden ir
Berlin 7 Kanoniere in das Garm'sonlazarett eingeliefert.
Es sind Manucschaftien von verschiedenen Artillerieregimen
ern, die in Spandau zu Wassenmeistern ausgebildet wer—
»en. Wie sich herausgesteilt hat, haben die sieben Solda—
en ihre Wäsche bei der unter Choleraverdacht steheñden
2 Do . A—⏑— ⏑ ——
„Also mich trifft keine Schuld vertraulicher Rede, gnä—
sigste Komtesse.“ — „O — nein! Also?“ — „Also, wenn
h Gelegenheit hätte, sollte ich das „liebe, gute Kind“ von
er alten Großmutter grüßen. — Hier, gnädigste Komtesse,
iesen Fußpfad gehen Sie hinunter, dann sind Sie im
Park“, gehen durch den Küchenhof und sind zu Hause.“ Er
aß im Sattel, zog die Mütze und ritt im ruühigen Schritt
eitwärts in den Wald.
Die meisten anderen Männer ihrer Bekanntschaft hät—
en sich da die Gelegenheit kaum entgehen lassen, in pracht⸗
ollen Lancaden den bequemen, breiten Weg hinabzuspren⸗
en, wo dieses Mädchens Augen bewundernd folgten. Aber
zrnst HKern war nicht wie die meisten anderen Mannor
Zweiter Band 2*
1.Kapitel. d
Es war etwas unüberlegt, von Astrid und konnte nur
nit der „Frühlingstrunkenheit“ entschuldigt werden, daß sie
o geradenwegs von diesem Spaziergange in dos Fbaimmer
u ihrer Musffer gegangen.
Frau Gräfin lehnte mit dem Zeichen ernster Verstim—
nung in ihrem Sessel am Frühstückstisch. Der Graf war
nicht miehr anwesend. Die Gräfin hatte eine schlechte Nacht
sehabt. Mit hohem Erstaunen betrachtete sie ihre ein—
retende Tochter. „Wo in aller Welt warst du? Wo kommst
u her?“ — „Ich — ich habe einen Spaziergang gemacht —
Mutti. Es war, ein solch himmlischer Fruüͤhlingsmorgen.“
Zu allen Zeiten hatte Gräfin Sidonie kein besonderes
zerständnis gehabt für Entschuldigungen, die in einem
immlischen Frühlingsmorgen lagen. Heute aber gar nicht.
Du warst draußen — so wie du da bift?“ — Ja Multi.,
„Ohne Hut, und Jacke — mit diesen unfrisierten Saa—
en?“ — „Ach, in unserem eigenen Walde ist das doch nicht
o schlimm. Ich dachte mir wenigstens nichts dabei. Ich
in früh aufgewacht, Potty und niemand war zu haben, zog
nich allein an und weil ich mein Haar nicht selbst machen
lonnte, band ich es zusammen und deinen Spitzenshawl um
ind ging spazieren. Die Sonne lachte so himmlisch und
er Himmel war so blau, Mutti — und — —
„Du weißt, wie außerordentlich dein Haar von mir ge⸗
hont und gepflegt wurde — weißt, wie sorgfam ich da⸗
über wachte, daß es niemals so herunterhing, Luft und
dässe preisgegeben — und nun läufst du in aller Taufrifche
maus — es ist wahrhaftig ganz naß — und läßles du
»n Wind und Strauchwerk zerzousen und verwirren zi⸗
25———y Rauerui—-nternierten
Waschfrau Hendeck waschen lassen. Da dire
zendeck zu gleicher Zeit die Wäsche der Kanoniere und
iejenige der Frau Sarnow gereinigt hat, so ist eine An
eckungsgefahr nicht ausgeschlossen, umso weniger, als di—
Soldaten die Wäsche schon getragen haben. Die Mann
schaͤften, die sich übrigens wohl und gesund befinden, sind
in einer Abteilung des Spandauer Garnilfonlazaretts in
terniert worden.
Der belästigte Zar. Von amitilicher Seite wurd«
die Presse ersucht, folgendes zu veröffentlichen: Als der
Zar auf der Promenadenbank in Bad Nauheim saß, und
dort von einigen Kurgästen erkannt wurde, wurde er ir
reiner Weise belästigt, die geradezu standalöss war. Ein
zelne Leute stellten sich direkt vor ihn hin, starrien ihn
ne Gesicht, umringten ihn und deuteten mit den Fin
jern auf ihn. Mit Mühe konnte sich der Zar dieser Un
innehmlichkeiten entziehen. Wenn derartige Vorgänge wi
n Bad Nauheim sich wiederholen solllen, würde es dem
Zaren künftig unmöglich gemacht werden, sich öffentlich zu
zeigen und weitere Spaziergänge zu unternehmen.
Hotelbrand. Das Hotel „Pohl“ in Wies enbach be'
glogqnitz ist vom Feuer zum grosien Teil vernichtet wor
»ch. Als das Feuer ausbrach, lagen Gäste und Personar
mütiefen Schlafe. Trotz der großen Aufregung unter den
dotelbewohnern gelang es doch, alle in Sicherheit 3u
ringen.
Eisenbahnattentat. In Budapest wurde in der un
nittelbaren Nähe der Stadt ein Eisenbahnattentat verübt.
dnapp vor dem Einfahren des Naaber Personenzuges er—
olgte bei dem Semaphor ene Eiplosion, durch welche de
Zemaphor und ein zienilich groser Teil der Sirecke zer
tört wurde. Hätte der Zug einige Minusen früher die
ritische Stelle passiert, so wäre er unbed'ngt in die Lust
Jesprengt worden. Am Orte des Altentats, welches sehr
wahrscheinlich dem Personenzug gegolten hatte, fand man
Zündschnure, Blechbüchsen und Dynamit. Verletzt wurde
tiemand. Man glaubt, daß es sich um ein Attentat bul—
garischer Arbeiter handelt, welche in dem Zuge bulgari—
che Würdenträger vermuteten. Diesele Strecke hat einen
cag zuvor auch der bulgarische Kronprin; Boris passiert
Die Täter konnten trotz eisriger Recherchen noch nicht er—
nittelt werden.
Unwetter. In Oberungarn, besonders im Klausen
»zurger Komitat, hat das Unwetter große Verheerunger
ingerichtet. Die Bahndämme sind an vie sen Stellen un
erwaschen, so daß der Verkehr mit der Haupistadt unter
rochen ist. In mehreren Gemelnden des Komitats wur—
en von den Fluten etwa 70 Hruser und v'ele Brücker
erstört. Bisher wurden füuf Leichen geborgen.
Die Pest in Südrußlaud. Seit einigen Tager
üchten zahlreiche Bewohner Odessas vor der Pest nach
d'ew, wo sich die wohlhabenderen Familien zu längeren
sufenthalt niederlassen. Aus Uralsk läust die Nachrich
ber einen neuen Pestherd ein. Unter den Kirgisen be'
)»shambeitin Bazar sind mehrere pestähnliche Fälle, di
ut tödlichem Ausgang endeten, sestgestellt worden. Di
lerzte und Polizeibeamte reisten naͤch dem Infektionshert
b, wo bereits im vorigen Jahre die Pest gewütet hat
Eisenbahnräuber. Aus Colorado wird geme'ldet
aß dort ein Bandit mit großer Frechheit versucht hät
inen Expreßzug anzuhalien, um die Reisenden auszu
lündern. Nachdem er den Zug zum Stehen gebracht
atte, zog er seinen Revolver, um den Lokomotivführer
erunterzuschießen. Dieser bückte sich aber und die Kugel
erletzte ihn nur am Bein. Darauf warf der Lolo—
iotivführer dem Bandit ein großes Stück Kohle an den
—DDDDD——— I
Ein Kinder-Friedhof. Aus London wird gemel
et: In dem Garten eines Hauses in Swansea wurdené
leine Särge mit neugeborenen Kindern entdeckt. Die Po—
izei stellte Nachforschungen an und es ergab sich, daß in
enem Garten 16 Kinderleichen begraben waren, die ein
Leichenträger dort verscharrt hatte, um sich die Mühe zu
paren, die Kinder auf den Friedhof zu tragen.
Kühne Absichten. Wie dem „Tägl. Korr.“ geschrie
»en wird, ist in Nykjöbing (Schweden) der 28jährige Ei—
enbahnbeamte Lantz aus Göteburg eingetroffen, der in
inem zweimastigen Kanoe die Fahrt um Europa machen
vill. Die Fahrt geht durch den Kaiser Wilhelm-Kanal,
ie Nordsee, vom englischen Kanal nach dem Mittelmeer
mid Schwarzen Mexrr, von dort durch die russischen Flüsse
rück. Der mutige Schiffer hat die Fabhrt auf ein Jahr
erechnet. — E D eOD —
Die Entftehuug der Wacht am Rhein“. Wie die
Basler Nachrichten“ mitteilen, geht aus dem Tagebuch des
Turnvaters Adolf Spieß in Burgdorf (Kanton Bern) her
por, daß Max Schneckenburger, der 1840 in Burgdorf ge
vohnt hat, die Anregung zur Abfassung seiner „Wacht an
sthein“ von seinem Freunde Spieß empfangen hat. De
leine Kreis deutscher Patrioten, der sich in Burgdorf all—
oöchentlich im „Stadthause“, einem noch heute bestehender
zasthofe, bei einem Glas Wein um den Deutschen Spieß
ie Seele der Vereinigung, zusammenfand — es gehörter
azu seine Landsleute Fr. Fröbel, Wilhelm Middendor
ind Heinrich Langethal, die zur Zeit der Befreiungskrieg
ils Lützowsche Jäger unter sich das Band inniger Freund
chaft geschlossen hatten — wurde eines Abends überrasch
urch das Beckersche Rheinlied: „Sie sollen ihn nicht ha
en“. In der vaterländischen Begeisterung, welche das
zied erweckte, wandte sich Spieß an seinen Intimus und
XFA J ⏑ Sor Arut arder una.. er mö—
„Ach, Wuttt, das eine Mal.“ — „Ein zweites Mal gibt
es nicht. Du wirst niemals wieder solche phantafische Ideen
ausführen. Ich bitte darum.“
Gräfin Collas sprach selten streng mit ihrem vergötter—
sen Kinde; wenn es aber geschah, hatte ihr Ton etwas un—
nötig, Scharfes, das ganz natürlicher Weise Trotz erweckte,
statt ihren Worten mehr Eindruck zu sichern.
Astrid schwien und holte sich die Teekanne vom Sa—
mowar.
„So kannst du nicht hierbleiben. Geh dein Haar fri—
ieren lassen und zieh eine andere Robe an“
„Ach, Muttichen, sei doch nicht so grausam,“ bat Astrid
alb lachend, halb weinend, „laß mich doch ersi frühstücken,
ch habe einen Wolfshunger.“
„Welche Ausdrücke! Du gehst erst dich umkleiden. Ich
zalte dir dein Frühstück warm. Es ist nämlich nicht unmoög⸗
ich“ — die Graͤfin fixierte ihre Tochter scharf — daß Graf
cyolf Hochburg hier anspricht. Man hat ihn mit einigen
jerren durch den Park reiten sehen.“
Astrid war aufgestanden, um dem Befehl ihrer Mutter
nachzukommen. „Ach du lieber Himmell!-Weiter fehlte mir
Ien als den nun schon in aller Herraottsfrühe genießen
olsen“
Graf Hochburg hatte nicht angesprochen und Fräfin
jollas bereute ihre Heftigkeit gegen ihr leidenschaftlich ge⸗
— Aed Fe achi war schuld. Gräßlich die⸗
a8 Eulennest un enhaus.
Es war ja am Ende nur natürlich, daß Astrid sich
rgerte über das hinausgeschobene Frühstück. die tadelnde
Aufnahme ihrer. mädchenhaften Frühlingsstimmung, und
den Grund derselben mit einer kindisch unartigen Be—
nerkung, die wohl mehr der strengen Mutter, als den Ka⸗
alier galt, bedachte. J
Sie war eben noch ein Kind und Gräfin Collas sagte
ich seufzend, daß sie Mühe hatte, sich in das „junge Mãd⸗
hen“ hineinzudenken, geschweige denn in das Kind“. —
Sie suchte im Laufe des Vormittags die Tochter in ihren
Zimmern auf. 33
Astrid saß an ihrem' kleinen Rokokoschreihtisch über
inem Briefblatt. „Hast du einen Wunsch. Mutti?“
„Nur den, dich zu sehen, Liebling. An wen schreibst
u, mein Glück?“ — „Ach, an niemand. Ich schreibe mir
vedichte ab, von Lina.“ .
Die Gräfin lächelte wohlwollend. „Schreibt die kleine
dern Gedichte? — „Ach Gott, nein, Mutti,“ lachte Astrid,
die schreibt höchstens Gedichte ab für die Jungen, die da
die Gentle bon Moin sie hatte 2u ihrer Finsonnung
zleichsalls ein Rheintied machen. Das Liev erschien bau.
arauf unter dem Titel „Die Rheinwache“ ohne den be
annten Refrain. Diese beiden Zeilen fanden sich vielmehr
ur am Schlusse der letzten Strophe. Das Lied in dieser
Form, von der Hand Schneckenburgers geschrieben, be
indet sich im Besitz des D'rektors E. Spieß in Basel, des
Sohnes des vorgenannten Adolf Spieß. Erst als die
Mufit hinzutrat, stellte sich die Notwendigleit eines Re
rains heraus, zu dem sich die Schlußzeilen der letzter
Strophe besonders eigneten. Die Verwendung des Refrains
führte den Dichter auch dazu, die „Rheinwache“ in „Rhein
wacht“, umzuändern, eine Aenderung, die das erwähnt
Manufstript deutlich zeigt. Das Lied wurde im „Stadt
hause vorgelesen und mit danlbarer Begeisterung aufge
Ammen. Spieß, der zwar lein Kompon st war, aber eir
trefflicher Sänger und gewaltiger Gesangesfreund, auch au
dem Klavier leidlich Vescheid wußte, setzte sich an da⸗s
Instrument und intonierie mit sener maͤchtigen Konzert
sinmme nach irgend einer von ihm improvisierten Mels
ie das Lied des Freundes mit einer ebenso improvisier
en Klavierbegleitung. Am 1. Dezember 1840 sandt
Zpieß das Lied an J. Mendel in Bern. 8 Tage spater er
sieltser von Mendel die Komposition wieder, die er am 7
dezember noch einmal zurücksandte, um sie dann am 28
Dezember, wahrscheinlich in endgültig verbesserter Forn
wieder zu empfangen. Der Gedanlkenaustausch zwischer
Mendel und Spieß hat sich ohne Zweifel auf die Ver—
wendung des Refrains bezogen. Volkstümlich aber wurd
das Lied erst in der Komposition von Karl Wilhelm, dit
schon 1854 in Kreseld, wo der Tondichter als Musi!direk
tor wirkte, gesungen wurde, aber erst 1865 beim Dres
dener Sängerbundesfeste auf weitere Kreise wirkte und
endlich zu Beginn des deutsch⸗franz ösischen Krieges al—
Nanz nafsied durch alle deutichen Gaue klang
Die Münze am Strick. In eine eigenartige Falle
vurde in Berlin ein Taschendieb gelockt. Im „City-Park“
der auf dem Grundstück der alten Pepiniere am Bahnho
Friedrichstraße eingerichtet wurde, war kürzlich einem Kell
ner ein Portemonna?e mit einem größeren Betrag gestoh
sen worden. Der Bestohlene erstastete Anzeige bei der
Polizei, ging aber zugleich auf eigene Faust vor, weil e
sich einiger verdichtiger Personen dunkel er nnerte und
laubte, daß er den Dieb wiedererlennen werde. Er be
estigte eine Münze mit einer Oese an einem Strick, der
r fich durch die Tasche hindurchführte und um den Leil
chloͤng. So ausgerüstet begab er sich mit einem Freunt
aͤch dem City-Park. Als er dort einige Männer sah, un
xdenen er und sein Freund den Dieb zu erlenner
laubte, zog er sein Porlemonna'e, nahm ein Zweimart
rück hetaus und stedte es vor din Augen der Diebe in die
kasche. Es dauerte nicht lange, da fühlte er einen Ruc
n der Stripype. Er griff zu und saß e eine fremde Hans
a seiner Tasche. Der Eriappte wurde verhaftet und nach
em Polizeipräsidium gebracht. H'er erkannte man in
— 0— Ta
Rend ebs den 24 ZJahre alten Buchhinder Karl Goeras
s rron. hdde dn genedan Hin
— D ⏑⏑ ,———
ein himmlisches Gedichtbuch —
„Liebling! Sei sparsamer mit dem „himmlischen
Wori.“ Astrid wurde unmotivierterweise verlegen, als ihr
Mutter mit sanftem Tadel fortfuhr: „Was war heute nich
schon alles „jimmlisch“ für mein Töchterchen! Ich goutier
diese übertrieben schwärmerischen Ausdrücke gar nicht be
einer vornehmen jungen Dame. Die laß den Gouvernanter
und Kammerzofen und meinetwegen der guten Lina. De
passen sie hin. — Nun, laß doch mal Linchens Poesie sehen.
Sie nahm Astrids Poesiealbum zur Hand und, sich in
den Schreibtischsessel niederlassend, fing sie spöttisch lä
helnd an zu lesen — das vermutlich überschwengliche Früh
lingsgedicht, das ihr Töchterchen sich da von der klein⸗en
dehrerstochter abschrieb: J
„Die Hoffnung nur auf Hilfe, sie verdirbt .
Den Nenichen! Lange wär die Venschheit schon
Am Ziele, ohn' Vertrauen, als zu sich. F7—
Die Würde ist's, das Selbstaefühl, die Größe —
der Seele, die den Himmel sich erstiegen; ————
Denn höher steigt kein Mensch in allen Räumen,. 2
In allen Zeiten höher nie, als nur ——
durch Wert und Würd' und Größ' in seiner Seele. 4
Das Unabhängigkeitsgefühl erst macht —
Aus Menschen wahre Menschen. Sonst gibt's keine“
Seiner Tochter
Karl Kern.
Die letzten beiden unterstrichenen Zeilen des Gedicht
as Gräfin Collas laut, mit dem Ton der höchsten Befrem
zung, wie fragend. Dann ließ sie das Buch in ihren Scho
'allen und betrachtete ihre Tochter, die unbehaglich und ver
egen neben ihr stand, mit einem kühl prüfenden, fast miß
zilligenden Blickk.
„So? Ein Frühlingsgedicht ist das freilich nich
UInd das schreibst du dir ab, als ganz besonders beherzigens
nert?“
Das ist es auch. Mutti. Man weiß doch eigentlie
nanchmal selbst nicht, was man fühlt und meint. Solch
Worte sind dann wie Lichter, die in einem dunklen Rauf
ngesteckt werden.“
So! Und nun weißt du also, was du fühlst un
neinst?“ fragte die Mutter ironisch. — „Ja, Mutti.—
Nun? Bitte erkläre mir, was der Mensch da mit seinet
Inabhängigkeitsgefühl eigentlich sagen will.“
„Aber das ist doch ganz klar: daß eben der Wert de
Menschen nur in seiner edlen Seele, in seinem schönen Chi
AEktor liont nichf in antkorlimf-tton 3V—onα und) Stan?