Nummer 204. Samstaq. den 3. Seytember 1910.
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Posischlietfach Ac. 14 —X v 74 *—* 2 . . .
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Ersqeint —3 411—1B1 —9— —1 J93 5. 55* 118 Anzeigen
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⸗ 2 * * 22 44 —9 auswãärtige 168 4
23. Jahrgang.
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— IJ schrantte Herrscher — * am Aralse
n, . Legen das Gonesznadeneum und gleeichzeiti— unumschre i
ere die Fieisch⸗ * eeeh geꝰ ee ist gleich dem Emtr von Buchara wur noch eine Mario
den. Es werden auch aus andinhe Toeßgierte zum inter— nette in den Händen der russischen Verwaltung von Tur
ationalen Sozialifiensornhreß Ber'cht ersiatten estan. Die Red.)
Oesterreich⸗zlingarn.
* Die Blaͤtter besprechen den Empfang des Marchese di
zan Giuliano in Isschl und das Communique über die
zalzburger Zusammenkunft in der obligaten Weise als
ntrapunktliches Orchester, das sich dem Thema der Ober—
imme strenge unterordnen muß. Von diesen redaktions—
iplomatischen Stilübungen kräuselt keine auch nur die
Iberfläche der Dinge. Danach schiene es, als ob von den
eitenden Diplomaten wirklich nichts anderes während de
rei Tage verhandelt worden sei, als die Selbstverständ
ichkeit der Unerschütterlichkeit des Dreibundes und des all
eineinen Willens zum Frieden. Aber das Communiqu
elbst spricht bei aller diplomatischen Vorsicht eine vic
eutlichere Sprache, als die Kommentare. Man kann un
chwer daraus erkennen, was in Salzburg verhandelt un
as nicht verhaudelt wurde. Nicht verhandelt wurde die
)reibundfrage, denn sowohl Aehrenthal als San Giulia
o bedürfen darüber leiner Verhandlung. Es wurde le—
iglich und auch mehr der Stimmung als dem Wortlaut
iach festgeftellt, daß die solidarischen Interessen beiden
Nächte derzeit weit heträchtlicher sind als die entgegen
etekten
¶ äÄËlbecbn
Wochen⸗Rundschau.
Der Kaiser ist von seiner Reise durch den Ostei
deutschlands nach Berlin zurückgekehrt, nachdem er nod
brher den Mandvern unserer Flotte beigewohnt hatte
die verschiedenen Reden des Kaisers haben die „Saure
urlenzeit“ bald vergessen lassen, denn die Tebatte über
je Koönigsberger Ansprache, die durch die Marienburgen
sede eine wirkungsvolle Abschwächung erhielt, ist noch
mer nicht beendet. Der ganze Blätterwald, sowohl des
n⸗ und Auslandes ist' noch eifrig damit beschäftigt, den
inn und die etwaigen Folgen der kaiserlichen Worte zu
ilen. Dabei wird natürlich auch zwischen den Zeilen
elesen und allerhand über den Gedankengang des Kai⸗
g dem erstaunten Leser vorgesetzt. Die Kunst des „Zwi⸗
hen⸗den⸗Zeilen⸗ Lesens steht ja bekanntlich bei uns in
oher Blüte und es gibt in Deutschland viele Journali—
en, die es darin zu großer Fertigkeit gebracht haben,
deinen sie wenigstens. Natürlich kommt die Kaißerrede
uch vor das Forum des Reichstages, wenn auch keine
umütige Kundgebung des hohen Hauses zustande kommi
e an jenem denkwuͤrdigen 13. November, an dem die
daily⸗Telegraph⸗Geschichte“ alle Vollsvertreter zu einer
emeinsamen Kuͤndgebug gegen das „persönliche Regi—
ent zusammenscharte. Heute liegen die Verhälmisse an—
rs, denn die Rechte und das Zentrum halten's mit Wil⸗
im, während die gesamte Linke nicht daran denkt, der
aniel der Liebe über den kaiserlichen Redeeifer zu decken
dan muß sich nur über die klassische Ruhe des Philoso⸗
henkanzlers wundern, der trotz des Lärmes wieder ruhig
Hohenfinow sist. Es will uns fast scheinen, daß Herr
on Beihmann uns allen eines schönen Tages eine Ueber⸗
ischung bereiten wird, an welche kein Mensch gedacht hat.
»orlaͤusig aber denkt der Philosoph Bethmann im Gegen—
il zu seinem Vorgänger: Schweigen ist Gold“. Das
ʒpruͤchelchen hat sich oft bewährt; ob es es auch in die—
imn Falle tun wird, muß die Zulunft lehren. — Eine
enderung des preußischen Wahlrechts wird es vorläaͤufig
och nicht geben. Der Mann mit den zwei Seelen häli
3 für gut, damit bis nach den Wahlen zum Reichstage
u warten, denn er befürchtet wohl mit Recht, daß ein
isch aufgewärmter Streit um die Wahlrechtsvorlage nvy—
el sauf das „rote Feuer“ gießen würde.
Der Herrfcher aller Reußen, „Väterchen Zar“ ist mu
mner Familie ins Hessenland eingezogen und scheint sich
dem „befestigten“ Friedberg mollig wohl zu fühlen. Man
„ird ihm das bischen Ruhe nach all' den Aufregungen
er lehien Jahre neidlos gönnen können. Die Zarin, die
chwester des Gro herzogs von Hessen, sucht in dem schö—
en Hessenlande, der Wiege ihrer Kinderträume, Heilung
on einem schweren Leiden, das ihr die schwer verdauliche
uft am russischen Hofe eingetragen hat. Wir wünschen
zx, daß ihr Kuraufenthalt den gewünschten Erfolg brin
en, und daß sie gesund in ihre dunkle Heimat zu
uckkehren möge. — Neuerdings verlautet mit Bestimmt
eil, daß Kaiser Wilhelm in der zweiten Woche des Ot
ober in Woljsgarten oder Wiesbaden mit dem Zarer
isammentreffen werde.
In Salzburg und Jichl hat der neue italienische Mi
ister des Auswärtigen, Marchese di Sau Giuliano
ch dem Leiter der auswärtigen Politik und dem Staats
berhaupt des Nachbarstaates vorgestellt und mit ihner
eine Ansichten über das Verhältnis Oester—
eichngarns und JItaliens zu einander wie
ibec den allgemeinen Stand der politischen Dinge über
aupt ausgetauscht. Der Besuch entspricht zwar in den
mußeren Hergange einer Pflicht, wesche die internationale
döflichkeit den Staatsmännern benachbarter und befreun
eler Sigaten auferlegi. Es erwartet auch von die er Zu
ammenkunft niemand irgend eine entscheidende Maßnahm
nder auswäartigen oder inneren Politil der beiden be
eiligten Staaten. Dennoch braucht die Zusammenluns
ticht ohne politische Bedeutung zu sein, denn unter vien
lugen läßt sich bekanntlich oft mehr erzielen als es auf di
lomatischem Wege möglich ist. Es wäre jeden'alls in
mieresse des Dreibundes zu wünschen, daß das a'te Miß
rauen zwischen den beiden Staaten, die nun schon bei
ahe dreßi gJehte rer indet sind, bald einer aufrich; i
zen Fresne ann ias uua würde. Das —XX
eresse be der entue
B ⏑[
Finnland hat, obgleich es zum russischen Reich ge
ört, kraft Rechens immer in bezug auf Verwaltung, Ge
eßgebung, Finanzwejen usw. ein von Rußland durchaus
getreuntes Gebiet gebildet, und es ist selbstverständlich, daß
zie politischen Rechte in Finnland von jeher an den Be
itz des finnländischen Bürgerrechts gebunden waren Da:
oll jetzt anders werden, nachdem man sich in Petersbur;
Nrauf' besonnen hat, die Finnländer zu drangla iere⸗
itemalen ja sonst keine Gelegenheit vorhanden ift, doe.
ussischen „Tatendrang“ zu besriedigen und nachdem e—
iesem Drang in der Mandschurei nicht besonders gut er
angen ist. Der Balkan ist mit der Zeit ebenfalls ein ge
ihrlicher Tummelplatz geworden und fiehe da, denkt Herr
ziolypin: Warum denn in die Ferne schweifen .. .! Nach
iner Vorlage für die Duma sollen Russen, die nicht finn
indische Buͤrger sind, in Finnland dieselben Rechte be—
tzen wie die „örtlichen (1) Mitbürger“ und dem zuwi—
rhandelnde finnländische Beamte sollen vor ruisische Ge⸗
chtshöfe gestellt und von diesen bestraft werden! Es ver
eht sich von selbst, daß die Promulgation eines derar
gen gesetzwidrigen Gesetzes gewissenhafte Beamte ir
snnland vor die allergrößten Schwierigleiten stellen wür—
ꝛ. Und eben dieses hat man gewollt. Das einheimische
eamlentum Finnlands muß zugrunde gerichtet und durch
ssische Tschinowniks ersetzt werden, damit Stolypin seine
schöpferische Reichspolitil“ im Grokfürstentum ersolar⸗
urchführen könne.
Die Vorgänge auf dem Balkan werden immer ge
ihrdrohender. Die Kretafrage ist durch die Wahl Venise—⸗
als Abgeordneter für die griechische Nationalversamm⸗
umg in ein Stadium gerückt, das den Ausbruch eines
zrieges zwischen der Türkei und Griechenland bvefürchten
aͤßt. Naͤtürlich würde in einem solchen Falle auch das
indergierige Bulgarien die Hände nicht in den
choß legen und das frischgebackene Königreich Mont e—
egrro scheint ebenfalls nicht abgeneigt, zu der nichts⸗
agenden Proklamierung auch noch einige Gebietsstreifen
ein Lande einzuverleiben. um so der Erhehuna aumn
AXXRXRVüüüüDZ
Koloniales.
Der neue Gouvernenur von Kamerun. Der Po—
ten des zum Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika er—
iannten bisherigen Gouverneurs von Kamerun ist dem
ortragenden Rat im Reichskolonialamt, Geh. Oberregie
ungsrat Dr. Gleim übertragen worden. Der neue Gou
»erneur von Kamerun ist bereits zweimal in den Jahren
1904 -05 und 1906-07 als stellpertretenden Gouverneu
Vom Balkan.
* Die türkische Regierung beschloß, die Reserven der
zrei europäischen Armeekorps einzuberufen.
* Der „Matin' meldet aus Athen: Einem Telegramu—
us Konstantinopel zusolge hat die ottomanische Regier
ing beschlossen, an Griechenland ein Ultimatun
u senden, worin mit dem Bruch der diplomatischen Be
iehungen gedroht wird für den Fall, daß Veniselos ode
in anderer Kreter an der griechischen Nationalversamm
ung teilnimmt. Der griechische Minister des Aeußern ha
klaͤrt, er habe bis zur Stunde kelnerlei diesbezügliche o
zielle Mitteilung erhalten, erkennt jedoch an, daß di
rage sehr ernsi sei. Der türkische Botschafter hat den
Rinister des Aeußern den Rat erteilt, jede kriegerische Ver
vickelung zu vermeiden. weil die Schusmächte eine folch
ücht dusden würden
eh Oberregierursgerat DeGleirn
Ae ebe Gouver tatur onfarercun
nseinem neuen Wirkungskreis tätig gewesen, und die ir
ieker Zeit gewonnenen Kenntnisse von Land und Leu—
en werden ihm nunmehr sehr zu statten kommen. 2)
zleim, dessen Bild wir heuie bringen, steht segenwär⸗
m 453. Lebensjahre. Er war bis 1893 im Justideen
tät'g und kam dann zur Rolonialabteilung des Austrtigen
Amles. Außer in Kamerun wiortte er in Togo jso—
nie e qunsuhzin San Vauso de Lonnuda.
Madchenhandel in Volen.
A Der Mädchen andel, die e abschenlchste aller Ce⸗
verbe, entwickelt sich, wie der „K. Z.“ aus Sosnowibne
chrieben wird, in Polen inimer mehr. Es untetliegst iei⸗—
nem Zweifel, daß die Opfer dieses verwerflichen Ee chaf⸗
es — alle Spuren deaten darauf hen —, nach Mys ovit
usgeführt werden. Die dortige Po inri stent diesem Teei⸗
en“ vbcdig machttos gegenäber, da die Mädiehen inmey
achts auf Schlelchwegen über die Grenze gedracht wer
n' und dann als feine Damen von der Eisenbahnstat on
breisen. Ebenso sicher ist es, daß die Opfer, ehe sie die
zrenze passieren, zunächst in Sosnowitz Aufenthalt neh⸗
nen, so daß dieser Ort als der eigentliche Mädchenmark!
nzusehen ist. Von Zeit zu Zeit stellen sich dort argen—
inische Käufer“, immer in Gesellschaft eines bekannten
us Ganftochau slammeuden Mgenten ein und erledigen
õnigreich einen realen Untergrund zu eeken. Ob die
zroßmächte dann untätig zugucken würden, scheint mehr
8 zweijelhaft. Also ist das europäische Pulversaß noch
mmer vorhanden und wartet nur darauf, daß ein Wage
als den zündenden Funken hineinschleudern werde.
Das Kaiserreich Korea hat zu bestehen aufgehört und
tzu einer Kolonie Japans geworden, das isl
as Ende eines bald friedlichen, bald feindlichen Verhält
isses zwischen den beiden Nationen. Lange Perioden hin
urch ist die japauische Geschichte mit der Koreas eng ver⸗
unden gewesen, ja die Halbinsel war die Brücke, über
ie einst Chinas Kultur in Japan ihren Einzug nahm.
dorea war sitets ein Streitobjekt zwischen China und Ja—
‚an und nachdem China schließlich aus diesem Streite
msschied und der russische Bär in der Mandschurei be—
jeat war. konnte Jonon under rt zugreifen.
—n cc — —
Politische Nundschau.
Deutsches Reich.
s Die Meldung, daß der Kaiser und der Reichskanz
er vor der Veroffentlichung der Auslassungen in der
N. A. Z.“ eine Unterredung miteinander gehabt und den
ext der erwähnten Veröffentlichung festgestellt hätten, iß
nzutreffend. Der Reichskanzler hat Hohenfinow
is zunm Dienstag nicht verlassen. An dem gleichen Tage
taf auch der Kaiser erst in Berlin ein, bei dem der Kanzler
achmittags eine 19 stündige Audienz hatte, während die
zeröffentlichung in der „N. A. 3.“ schon Möntaaakond
rschienen tst.
* In Dresden nahm eine Versammlung nach einem Re
erat des sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Sin—
ermann eine Resolution an, worin die Kaiserrede als
zroklamierung des persönlichen Regiments bezeichnet, die
kinberusung des Reichsstages und Garantien gegen abso—
utistische Uebergrifse gefordert werden. Gegen die Fleisch
iot wird die Oeffnung der Grenzen und die Aufhebungq
der Viehzölle verlangt. Weitere Versammlungen soller
tattfinden.
* Die Hamburger sozialdemokratische Organisation wird
nMontag eine arc“s Anzabl von Versammlungen k
— —— —
Dingen die Schusd tragt. Komm, virte, zur Sache. Was
ioll nun geschehen?“
Eine Rause trat ein. Bitter⸗schmerzliche Gefühle stritten
harten Kampf in der schweratmenden Brust des Mannes.
Dies war ihre entsetzliche, eiskalte Art. Sie begehrte
keine Rechenschaft, keine Verteidigung. Sie sprach schuldig
uind wandte sich gleichgültig von geschehenen Dingen und
»en Motiven der Schuld.
„Zunächst also muß dieser Haushalt aufgelöst werden.
das Haus wird verkauft, die Leute zum Teil entlassen.
Friedtich und die Pott werden mit uns gehen,“ sagte er in
uhigem Geschäftston. ,‚Wohin?“ — „Nach Preußen — nach
ihlenhaus!“ — „Nach dem Jagdschloß im Walde?“ Ein
Blick ungläubigen Erftaunens belebte ihre aleichaültig
schweifenden Augen.
„Ein Schlößchen, ja. Ein Jagdschloß schon lange nicht
mehr. Du erinnerst dich vielleicht, daß ich es vor, langen
Jahren, der prachtvollen Hochwildjagd wegen, vom Prinzen
Friedrich Karl erwarb und zuweilen dort fürstliche Gäste
h. Es wurde gut verwalket, gut in stand gehalten, ist
tandesgemäß für dich und Astrid bewohnbar.“
„Astrid — — im Walde, einsam — — ungesehen! Ah,
Wahnsinn, Wahnsinn von dir!“ brach es in Groll und Zorn
über ihre Lippen.
„Astrid wird nicht lange mehr bei uns sein. Graf
Fyolf Hochburg, der mir und auch dir ein hochwillkommener
Bewerber sein darf, denn ich kenne ihn als tadellosen Ehren—
mann, als brav und gutherzig -und bin mit dir immer der
leberzeugung gewesen, daß ihm das Herz Astrids schon halb
ind halb gehörte, unbewußt vielleicht — erinnere dich des
Zorfalls in der Reitbahn! — wird sie heimführen nach Ahb—
auf seiner Trauerzeit.
Ich habe mich bereits nach einem küchtigen Verwalter
imgesehen,“ fuhr der Graf fort, „Anzeigen erlassen, Auftrag
rteilt und bereits einen der Herren, als außerordentlich
sut vom Oberamtmann KHassow-Finsterbagen empfohlen, ge—
vählt. Dem Namen nach dir bekannt. Ein Neffe des Leh—
ers Kern.“
Dir scheint das Unglück, welches uns um die Hälfte
inseres Vermögens brachte, nicht ungelegen au kommen.“
agte sie nicht ohne Hohn.
Er sah fie einen Moment ernst an. „Es gibt so schweres
inglück, welches man täglich um sich her, tragen sieht, daß
nich allerdings ein Geldverlust, der nicht mit wirklicher
ntbehrung und Not verbunden isft kaum wie ein unerträg-Hes
Unalück berührt“
Perfien.
2 Die Teheraner Zeitungen beschäftigen sich lebhaft mi
en Angriffen der „Nowoje Wremja“ gegen die deutscher
Zermittlungsversuche, gelegentlich der Entwaffnung de
Nudiaheddin. „Cotathlale Iran“ schreibt: Die ganze Wel
veiß, daß alle Berichte der „Nowoje Wremja“ falsch
ind; daher ist ihren Berichten keine Wichtigleit beizumef
en. „Schargh“ schreibt: Wir würden uns wundern, wen
die „Rowoje Wremja“ auders schriebe. Das einzige, wa—
vir bezeugen können, ist, daß das persische Voll miemal
zurch die Schritte des Grafen Quadt verletzt wurde. In
Jegenteii! Vie Perser haben es durchaus verstanden, da
er deutsche Gesandte nur einen blutigen Zusammenstoß
ind Brudermord hat verhäten wollen. Es wäre deshalb
ehr undankbar seitens der Perser, sich zu entrüsten üher
»inen ft der Menschlichkeit ꝛu ihren Gunsten
han Mohammed Rachim von Chiwa .
Der Generalgeuverneur von Turkestan meldet, daß
un 29. August der Khan von Chiwa Seid Mohammed
KRachim Bahadur am Herzschlag gestorben ist und sei
zohn Seid Arsendiar Tymya den Thron bestiegen hat
der Khan hatte Anfaug Juni einen Schlaganfall erlitten,
er die rechle Hand und den rechten Fuß lähmte. Anfanc
Juli trat eine Besserung ein, doch sagten die erzte das
haldige Ende des Khans voraus. Der neue Khan ist
zleich seinem verstorbenen Vater Generalmaior der ruit
chen Kosalen in Orenburg.
Der verstorbene Uzbekenfürst, dessen Vater Mohau.
ned der letzte unabhängige Herrscher von Chiwa war, ist
»urch den Krieg berühmt geworden, den er im Jahre
1873 gegen die Russen führie. General Kaufmann, der
nit 12000 Mann in sein Land einrückte, besiegte ihn
ald ünd eroberte seine Hauptstadt. In dem Friedens—
ertrag wurde das Gebiet von Chiwa erheblich zugunter
dußlands verkleinert, und der Rest mußte sich mit de
Assimne ⸗in⸗K iifichoen Masfossrä4 he⸗“
nach den notwendigen Besichtigungen und Unterhandlunge;
hre sauberen Geschäfte. In letzter Zeit muß der Absa
ein bedeutendet gewesen sein; dafür spricht das wieder
holte plötzliche Verschwinden junger Mädchen aus den ver
chiedensten Orten und Gegenden. Der Kampf gegen die
sen Menschenwucher ist trotz aller Anstrengungen bisher fas
zanz vergeblich geblieben. — Zu demselben Thema schreib—
die „Schlesische Zeitung“: „Von Zeit zu Zeit gelangen vor
»eutschen Gerichtshösen der an Rußland grenzenden Be—
Irke Strafprozesse gegen russische Mädchenhändler zur Ver—
Andlung, die die Greuzstädte Kattowitz und Myslow
ls Hauptübergangspunkte wählen. Die irregeführten M
chen werden messt nach Argentinien gecchickt. Zwe
städchenhändler befinden sich zurzeit noch in Unter
uchungshaft und sehen ihrer Bestrafung entgegen. Di
ßolizei in Oberschlesien hat auf den Bahnhöfen ein schar
es Augenmerk auf die in Begleitung von Männern aus
Rußland durchreisenden jungen Mädchen. Aber auch au
ussischer Seite ist man jetzt bemüht, dem verbrecherischer
do Mé—— ———— 2ndom ma
an 10. Rabitel.
Gräfin Sidonie Collas mußte in der, Tat gar keinen
Sinn für malerische Schönheiten besitzen, daß sie nicht mit
Aveig Musruf dog Fnfaiückens den ersten Anblick ihrer neuen
—
haus der Bukunft seiner Tochter entgegen. Hoffentlich hiel
len zunaͤchst die Berliner Bekannten, die versprochen hatten
nen Sommeraufenthalt bei ihnen zu nehmen, Wort.
Ein praͤchtige Holztreppe führte in die oberen Räume
on Ublenhaus — Fremdenzimmer, Dienstbotengelasse.
dJüche und Wirtschaftsräume lagen, im Souterrain nach dem
ogenannten inneren Schloßhof hinaus, der von Mauern,
If denen Gras und wilde Blumen Sommers in üppiger
zülle wuchsen, umgeben und mit viereckigen Steinen ge⸗
flastert war, sich in der Mitte einem bildichönen. altortüm
schen Brunnen öffnend.
Linker Hand vom Schloß, durch einen eingezãäunten
Johlengarten getrennt, lagen die Ländereien des Schlosses
nd die wenigen Wirtschaftsgebäude bis zur —
inab, die, eine starke halbe Meile Weges, zuletzt an die
ẽLhaufsee stieß. Rechter Hand, herum zog fich der Wald, wel
ex Freilich ein weites Stück hinein einen durchaus park.·
rügen CTharakter mit bequemen Pfaden und Sitzgelegen⸗
eiten zeigte.
Die Grãfin lächelte, als ihr Gemahl sie darauf hinwier
ir den kommenden Frühling.
Dort unter den Baumen, vielleicht zwanzig Minutken
reit zu gehen, erhob ein kleines, in Fachwerk gebautes
dirchlein sein graues Spitzdach.
Die Entfernung, welche das Jaadschloß Uhlenhaus und
auch die Hochburgs auf, Deschwitz vomn nächsten Kirchdor!
reunte, mar ungewöhnlich groß, in Herbstzeiten gar nichi
zu passieren, und so kam alle vierzehn Tage ein Geistlicher
der der Kister heraus, für Herrschaften und Gutsleute
inen Gottesdienst oder eine Andacht zu balten.
Unter der Kirche befand sich die Änlage zu einer Gruft,
velche Graf Collas ebenfalls hatte instand setzen bossen.
dadon erzahlte er seiner Frau indessen nichts.
Von Neiner jungen Tochter wenigstens erntete Graf
Tollas reiches begeistertes Lob. Sie soh alle Schönheit, alles
Nalerische, alles Romantische, was in so hohem Maße durch
hres Vaters vollendeten Geschmack teils neu. feils miodo⸗
geschaffen worden war.
Grafin Collas gab zu, daß es durchaus vornehm sei
zurchaus würdig der Familie, hier ihren festen Wohnsitz zu
aben — daß aber Herbst, und Winter hier zu verleben, voll.
nsnen auzgeschloffen jei, selbst wenn Astrid sehr bald, ir
as Haus ihres künftigen Gatten übergehen würde. Und
hre Augen wandten sich nach der Richtung hin, wo die frisch
Zlen Ziegeldächer des durchaus modernen Deschwiß durd
ĩ pok ftabhlen Baumaweige schimmerten
4 3834 —*
Um die Geasenkrone.
„Phrasen, lieber Mann, die meinen Wunsch und Willen
neine Ueberzeugung um kein Atom beeinflussen mögen, Ich
in fest entschlossfen, istrid, meiner Tochter, das Schichal
u schaffen, welches ich für sie als das wünscheuswerteste er⸗
enne. Seitz mit Spfern — meinerseits. Diese Reise,
ieser Aufenthalt wird mit meinem Schmuck, einem Teil
neiner Juwelen bestritten werden. Astrid soll Vihen wer⸗
»en. Dann ist es gleichgültig, was aus uns beiden wird.
dir werden uns von der Welt zurüclziehen, die Diener ent⸗
ossen das Haus verkaufen, wie du wilist und wo du Lust
ast leben, Astrid zur Führung ihres fürstlichen Trains alles
Kben, — wie gesagt? alles, aber fie soll dio geschlosfeno
rone tragen. J
Der Graf, lonst fo ruhig, so sanft, erhob sich plötzlich
raff und energisch. Hochaufgerichtet stand er vor der
wau, jeder Zoll der alte Edelmann, jeder BZoll der vornehme
Rensch. Seine Augen hatten den gütigen Blick ganz ver—
oren. Verachtlich leuchtete es in ihnen auf. „Weißt du,
zie ich diese Wuünsche und, Pläne, diese Art mütterlicher
Zorge nenne? Es ist ein schweres Wort, es bezeichnet ein
zerbrechen, das auf Erden und im Himmel zur Strafe ge⸗
ogen wird! — Jede Kupplerin, die mit ihren unreinen
dãnden das Wohl und Wehe anderer Menschen gewissenlos
erkauft, die milt fremdem Lebensglück Handel treibt um
soldesglanz, ist mir nicht so verächtlich wie eine Mutter, die
im Gold oder Namen ihr Kind dem ungekannten, ungelieb⸗
en Manne in die Arme treibt. Denn jene frevelt an frem⸗
»en Berzen, vielleicht durch Not getrieben, selber vielleicht
inst verkuppelt, gewissenlos gemacht durch Gewissenlose,
vährend diese ihr eigenes, schuldloses Kind, ihr höchstes,
om Allmaãchtigen ihr anvertrautes Gut, ihren Geld⸗ oder
hrgeizplaͤnen dem einfochen nadten Hochmut opfert.“
ugie schwiea. — die Lippe kranipfhaft gepretzt. das starre
luge am Boden, keiner Entgegnung fähig auf die Worte,
ie unter dem Flammenstrahl des zerreißenden Himmelch,
nter dem aufdroͤhnenden und verhallenden Donner arbar—
iungslos ihre Gesinnung klar legien 5
la Nt Groß hotle sih wieder vor dem Schreibtisch nieder
assen. Ich bin zunchst bereit, dir Rechenschaft abzu⸗
aenhduß welche Weise unser Vermögen zum größten Teil
en ging.“
che“Yb es Ich begehre deine Rechenschaft nicht. Ich bin
dt, Feugierig, den Verlauf mißalückter Börfenspekulatio—
ld an dem Unglückt
Eo gi u mir ohne Frage schuld an dem Unglück?
Ta Ire nn mor an neichohonen
deimat begrüßte, sondern nur mit einem schaudern den
Frösteln über den scharfen Seewind klagte, die Gelichtetheit
des Waldes, die Grabesluft“ in den hohen, vpor nehmen
Sfeinmanern von Schloß Uhlenhaus.
Wunrot und Miesergtau, von urgltem Epheu um⸗
ponnen, lag es de am Ausgang des Waldes. Die vier
kcken waren von di en, runden Türmen umstanden, deren
eder ein Fähnlein in Wappenfarben trug. An der vorderen
Seite waren sechs hohe, schmale Fenster mit gotischen Spitz⸗
ogen, kleine, in Blei gefaßte, schillernde Scheihben, die zu
em großen Eßsaal mit den tiefen Nischen und alten Erkern
gehörten. Oben darüber lange Reihen verschieden geform⸗
er Fenster und im spitz⸗ und vielfach gegiebelten Dach runde
ind eckige Fensteröffnungen, kleine Valkons, Galerien und
Plattformen in uralten Formen und Moden.
Vassche und Straucher wogien oben in luftigen Gärten
und uchsen kühn auf einer Handvoll Staub aus den Ritzen
der Mauern an den runden Türmen.
Tiefe Laufgräben umgaben das Schloß, und die Reste
einer prochtvollen, mittelalterlich gehaltenen Zugbrücke hatte
der Graf wieder instand setzen lassen, und sie gewährte die
Einfahrt in eine prachtvolle Wölbung alter Ahornbäume
welche im Herbst nach der Beschreibung des Grafen von einer
geradezu zauberhaften Schönheit in goldgelbem und blut—
diem Blätterschmuck prangen sollte.
Gr*Aiftig vernahm die Gräfin solch' anmutige Be—
chreibun⸗ res Gemabls. Sie hatte nicht die Absicht, dort
nten remantische Spaziergänge zu machen. Die einzige
Frage, die sie iat, galt der Richtung, in welcher die Güter
oes Grafen Hochburg lagen — der einzige hustichtspunft
her ihr zusagte, war der dorthin.
Inaneborener Hölflichkeit dat sie wohl auch jetz!
inige interessierte Fragen an, deu CGat'en jiber das Schloß
ind'den Wald, vergaß aber die Antwwort sofort, um sie mit
derselben verbindlichen Stimme eine Stunde später noch—
mals zu kun Ueberhaupt hatte sie sich seit der Stunde, in
welcher der Graf ihr den Verlust feines Vermögens mit—
geteilt, derändert. Ihr immer, kübles, reserviertes Weser
war nun geradezu kalt und absehnend gegen ihn, und geger
Aftrid hatte ihre Zärtlichkeit oft eiwas Leidenschaftliches
Trauriges, das den Grafsen mit tiefer Betrübnis erfüllte
M R btnin Rangen dorm Nufonthalt in Uhlam
—— —
——