*gDas eigentliche Geheimnis der Toileite besteht datin,
die Kleidung mit Gestalt und Gesicht in vollkommene Ueber⸗
rinstimmung zu bringen, sie gleichsam mit der Person der
Trägerin zu identifizieren, denn nicht allen steht alles! —
In keinem Fall muß ein Kleid mit Besätzen und
Zzierrat überladen sein, Rosetten, Schleifen, Knöpfe und
Schnüre müssen vorsichtig angebracht werden, Juwelen
ind Schmud nur bei besonderen Gelegenheiten, und dann
nicht auf eine Art, welche zeigt, daß man den Schmuck
iur zur Schau tragen wolle, sondern so, daß jeder Nadel,
eder Schnalle wenigstens ein scheinbarer Zweck zugewie—
en ist neben dem, Uebereinstimmung in das Ganze der
Toilette zu bringen.
Die Mode, welche zwar oft launenhaft, aber keines⸗
vegs so despotisch ist, als der kriechende Gehorsam ihrer
Schmeichler uns glauben machen möchte, muß nie zu ängst⸗
lich befolgt werden, aber auch nie darf eine Frau der
Moͤde zum Trotz in auffallender, ganz abweichender Weise
ich kleiden. Ein solcher Mißgriff wird ihr von ihrem
Beschlecht nie vergeben, wahrscheinlich, weil eine derartige
Nichtbeachtung des einmal durch das Herkommen santtio—
nierten Gebrauchs zeigt, daß die Frau keds und eitel ge⸗
nug ist, ihre eigene Meinung zum Trotz aller Anders—
denlenden zur Schau tragen. *
Die herrschende Mode, welche es auch sei, müssen wir
nach den Forderungen unserer Persönlichkeit zu modifi—
rieren suchen. —
Kein erzentrischer Schnitt, keine solche Verzierung
darf uns, weil sie neu, zu ihrer Annahme verleiten, wie
allgemeinen Beifall sie auch finden möge; denn die weite
Berbreitung einer Mode ist nicht immer ein Beweis ihrer
Bediegenheit. Gleich einer falschen Münze wird sie oft
aur in Umlauf gebracht, weil sie dem Vorteil einzelney
xönt.
Jede Frau sollte ihre Kleider mit Bedaͤcht wählen,
und so, daß sie Nützlichkeit mit Eleganz vereinigen. Sie
nüssen so beschaffen sein, daß sie die Anmut natürlich sehr
schöner Formen erhöhen, etwaige Unvollkommenheiten der
rigur verdecken, dicht genug schließen, und doch nicht so
ng, um die freie Bewegung der Glieder zu hemmen.
Eine kurze, gedrungene Gestalt sollte nie allzu weite,
atternde Gewänder tragen, welche schlanken, magern
Ftauen so gut stehen, diese hingegen müssen sich in acht
aehmen, ihre Kleider nach einem Schnitt anfertigen zu
assen, welcher die Ecken ihrer Figur sichtbar macht. An—
liegende Leibchen und enge Aermel, welche für eine volle
Figur sehr passend sind, müssen bei maern Figuren ver—
mieden, oder doch modifiziert werden, durch geschmadvolle
Hinzufügung einer Bertd und Aermelvolants oder derar—
tiger Besätze, welche den Schultern verhältnismäßig schöne
Breite, und den Armen eine gefällige Kundung geben.“
Kleider mit vrelen hoch hinaufgehenden Volan s stehen
lleinen Damen sehr schlecht, indem sie die kleine Figur in
zu viel Partikelchen teilen, und ihr das rich ige Verhält—
nis nehmen; für große Damen dagegen sind Volants eine
sehr graziöse Verzierung des Kleides.
Halbhoher Ausschnitt des Leibchens ist fast immer
unschön, weil er der Figur ein ängstliches, zusammenge⸗—
brücktes Aussehen gibt. Ein hohes Kleid ist bei weitem
orteilhafted für die Gestalt. 6
Trägt ein junges Mädchen ein zu tief ausgeschnittenes
sleid, gibt sie dadurch zu erkennen, daß ihr die Beschei⸗
denheit, Reser holde Schmuck der Jugend, fehlt, und in
eiferen Jahren ist es ein Beweis widriger Kobetterie. die
datt Bewunderung Ekel erregt.
Es ist jeder Dame anzuraten, ihre Kleider nach ih—⸗
lem eigenen Geschmack und nicht nach dem des Schne ders
infestigen zu lassen, wie vollkommen derselbe auch sein
Fach verstünde, denn stets kann eine Dame besser beur⸗
eilen, was ihrem Gesicht und ihrer Gestalt zusagt, als
her größte „Tailleur“', welcher nur die Forderungen der
Mode bei seinen Arbeiten berücksichtigt, und nicht die Ei—
gentümlichkeit der Person, für die das 4 bestimmt ist.
Es ist schwierig, wenn nicht unmöglich, über vor⸗
leilhafte und unvorteilhafte Farbenwahl hinsichtlich weib—
licher Kleidung Regeln aufzustellen, denn der gute oder
schlechte Eindruck einer Farbe hängt von so vielen Neben—⸗
umständen, ja sogar von dem feineren oder gröberen Stoff
des Kleides ab. Eine Farbe, die in zartem Gewebe schön
und kleidend ist, kann an schlechterem, stärkerem Stoff ar⸗
dinär und geschmalos sein.
Die eine Regel aber läßt sich auf alle Fälle weib—
icher Toilee anwenden, daß stets eine Farbe in ihr vor⸗
herrschen müsse, welcher die anderen sich unterordnen und
die stie harmonisch ergänzen müssen. Ein gedankenloser
Mischmasch nicht zusaenmengehöriger, unpassender Farben
aim Anzug einer Dame verrät mehr als alles: schlechten
Beschmack.
Dunkle Farben stellen zwar stets die Persönlichkeit in
oas vorteilhafteste Licht, wie die Schönheit eincs Gemöl—⸗
des durch dunklen Hinterarund gehoben wirb doch aibß
„Vorhin hatte es geregnet und seit einer halben Stunde
riert es ein wenig.“ Mills wollte seiner jungen Herrin
u Hilfe kommen, wäre aber selbst beinahe gefallen. Nun,
ẽrnst Kern besann sich nicht lange. Sie durfte da in der
dälte unmöglich so lange zaudern. Er warf den Mantel
on don Schultern und bedectle den Bürgersteig biß un
dagen mit diesem ungewöhnlichen Teppich.
So geht es. Bitte treten Sie da hinauf.“ — „Ach, ich
itle Sie — Herr Inspektori Das kann ich doch unmög⸗
ich,“ siotterte Astrid, deren jähes Erglühen die Nacht ver—
arn. „Doch! Ich bitte darums Es it im mane dee
uazig Praktische.“
Es lag etwas Eigenes in dem Ton, etwas Ruhiges,
-elbstwerständliches, dem man gehorchen mußte, wollie man
icht kindisch erscheinen. So schritt sie mit ihrem leichten,
nmutigen Schriit auf seinem Mantel nach dem Wagen.
zr raffte den Mantel auf, warf ihn wieder über die brei
en Schultern und mit einem letzten respektvollen Gruß eilte
t raschen, sicheren Ganges von dannen, ehe fie ihn noch
u danken vermochte in ihrer bosden Herledenheit
—
„Herr Justizrat Nibbentrop,“ hatte Mills dem Grafen
Lollas gemeldet, ehe ihn sein Dienst nach der Köpenicker—
raße führte, um die Komtesse abzuholen.
Erstaunt zog der Graf seine Taschenuhr. Es befanden
ch Uhren von allen Größen im Salon der Gräfin, wo die
Wiien saken. aber der alte Herr glaubte sich versehen zu
aben.
„Es ist ja halb zehn —! Das ist ja ungewöhnlich. Was
ringt denn Ribbentrop auf die Idee, mir jetzt bei ber—
hwiegener Nachtzeit seine Abrechnungen zu bringen?“
herzte er. „Oder läßt sich der Herr Justizrat bei Frau
zräfin melden, Mills?“
„Nein, Herr Graf. Herr Justizrat schien sehr eilig zu
ein und blieb an der Tür zum Arbeitszimmer stehen.“
„Sonderbar. Du entschuldiast mich also, liebe Sidanie
ks wird wohl nicht lange dauern.“
Ob sie dieses Trostes bedurfte? Sie sah auf mit ihrem
renzenlos gleichgültigen Lächeln und neigte den schönen
dopf, dem Gemahl unbegrenzten Urlaub gewährend, als er,
n feiner ritterlichen Gewohnheit sich verabschiedend, ihre
hand an die Lippen zog. Die Tür schloß fich hinter ihm
ind sie senkte den Blick wieder zu ihrer Beschäftigung.
Als es zehn Uhr schlug, erhob fie sich schob das Spinn⸗
—A — Ranoh :” o, — ; —
W Gelegenheiten, welche einen hellfarbigen Anzug er—
ordern.
Das Gefühl der Wohlanständigkeit und Bekannischaft
nit dem, was man „guten Ton“ nennt, werden eine
Frau stets richtig leiten, und sie für jeden Zweck den
vassenden Anzug finden lassen.
Es wird zuweilen behauptet, das Sludium des An—
zugs sei ein unwürdiges, führe die Frauen dahin, aus die
iußere Erscheinung allzu großen Wert zu legen, und über
»e Sorge der Toilette ernstere, heiligere Pflichien zu ver⸗
äumen. Die Sorgfalt für daß Aeußere kann allerdings
iusarten und in Eitelkeit und Narrheit übergehen, doch
»aß sie das nicht tue, muß die Erziehung zu verhüten
uchen — zrrr ů
Der Anzug des Menschen hat eine Physsognomie,
sein Gesicht, aus welcher auf den Charakter desselben zu
chließen dem Kenner leicht ist; welche Frau sollte dahe
nicht streben, daß ihre Kleidung stets Zeugnis gebe von
zigenschafsten, welche dem Weibe immer und überall zut
zhre gereichen: von Reinheit. Geschmack und Anstandsgefübl
kAus West- und Süd⸗Deutschlaud.
Düsseldorz, 33. Aug. GGin Ehekonsens für
ostbeamte.) Die Oberpostdirektion Düsseldorf ha
ne Verfügung erlassen für die Postbeamten, in der si
or frühzeitiger Eheschließzung warnt. Es ist angeordne
orden, daß in Zukunft jeder Postbeamte die Absicht, sich
mverheiraten, rechtzeitig dem vorgesetzten Postamte 31
elden hat. Dieses hat jedesmal eine eingehende Prüf
ug der wirtschaftlichen und periönlichen Verbältnissoe do
zerlobten vorzunehmen.
* MesGladbach, 353. Aug. Ein tödlichern
zteinwurf.) Ein unglücklicher und folgenschwere
zteinwurf bildete den Grund zur Anklage gegen den Schü
er Joseph Klusen aus Holt. Wegen eines Leibriemens
var K. mit drei gleichaltrigen Schülern in Streit gera
en. Als die Jungen mit Steinen nach ihm warfen, rif
r zunächst aus. Als er verfolgt und von einem Stei—
etroffen wurde, wandte er sich um, nahm einen Steir
nd warf auf seine Verfolger Dabei wurde der zwölf
aͤhrige Schüler Mertens am Nopf getroffen und sank nic
venigen Schritten tot zu Boden. Der Stein hatte di—
zchãdeldecke durchschlagen, so daß sich ein Bluterguß in—
*ehirn ergab, der den Tod des Jungen herbeiführte
Vährend der Staatsanwalt die Bestrafung des K. bean
ragte, sprach das Gericht den K. frei, weil er einen
echtswidrigen Angriff abgewehrt. ajso in Notwebr ageban
elt habe.
* Bochum, 31. Aug. (Angegriffener Poli—
eibeamter.) In der Gemeinde Hordel wurde ein
zolizeibeamter von 7 polnischen Bergleuten, denen er
duhe geboten hatte, überfallen und durch Schläge mil
ztöcken und Bierflaschen gefährlich verletzt In der Not
vehr machte der Beamte von seiner Waffe Gebrauch und
erletzte seine Angreifer durch Säbelhiebe schwer. Ein
1 Jahre alter polnischer Bergmann ist im Eickeler Kran
enhause an den Folgen einer schweren Stichverletzung ge
orben. Die Polizei verhaftete zwei der Beteiligten. di
lebrigen sind flüchtig.
* Paderborn, 31. Aug. (100. Geburtstag.) Die
zrau Witwe Luise Zengerling, geborene von Künzei, hier
ꝛlbst, konnte ihren 100. Geburistag begehen. Das Be—
enden der Greisin ist den Umständen nach gut. Drei Töch—
er, 10 Enkelkinder und 12 Urenkel erschienen bei ihr
ur Gratulation. ä *
* Christiauia, 1. Septhr. Insolge eines orauen Streb
es in Drontheim haben die Unternehmer des Baugewer
es die allgemeine Aussperrung im ganzen Land bei er
oAgter vierzehntägiger Kündigung angeordnet.
New-York, 1. Septbr. Die republikanische Platforn
ür Kansas spendet Taft eine dürftige Anerkennung, sprich
ch hingegen euthusiastisch für Roosevelt aus. Sie erklö—
ie Payne-Aldrich-Bill für durchaus unbefriedigend un
roklamiert einen energischen Kampf gegen die Trusts
ie „Sun“ verössentlicht einen scharfen Artikel gegen Roo
velt wegen dessen Angrifse auf das Bundesobergericht.
benso die „World', der „American“, die New-NYortker „Ti
nes“ und in milderer FJorm auch das Fournal a Gom
reree“
—4
Das Zarenpaar in Friedberg.
Das Zarenpaar ist mit dem kleinen Kronprinzen, so
vie den Prinzessinnen und Gefolge am Dienstag nachmit
ag in Friedberg eingetrofsen. Der Weg vom Bahnho
ur Burg war durch Militär und Gendarmen abgesperrt.
sie Zuschauer hatten sich infolge des langen Wartens au
iie Ankunft des Zarenpaares nach und nach verlaufen
ind so war das Spalier der Neugierigen bei der Durch.
ahrt der Fürstlichleiten nicht besonders dicht. Bei Einbruck
„er Dunlelheit wurde auf der Kaiserstraße von den Am
vohnern eine allgemeine Illumination arrangiert. Der zr
iner derartigen Veranstaltung vorzüglich geeignete „Bon
evard“ von Friedberg bot einen praͤchtigen Anblick. Al
drähten, die von Baum zu Baum gezogen waren, hinge!
unte Lampions. In den Straßen bewegte sich eine freu
ig gestimmte Menge, die den geschenkten Feiertag au,
J Mtoise felhbhogehb— Der Rosuch os— —
nin zu erlundigen, in ihr Privatgemach, wie ge—
vöhnlich zu dieser Stunde, wenn eben die Visso Wolffenstenn
eine Gäste sah.
Zur Ruhe wollte Gräfin Collas noch nicht gehen, da
ie Tochter und Gemahl noch sprechen wollte. Sie schellte,
ind eiligst erschien Nanny: ‚Frau Gräfin befehlen?“ —
Geh' zu Bett, — Potty wird jeden Augenblid hier sein.
domtesse lasse ich bitten, noch zu mir zu kommen und der
vraf möchte — nein, laß. Es ist gut. Du kannst gehen.“
„Wünsch' Frau Gräfin wohl zu schlafen.“ —
Da — horch! Ein leichter, ersehnter Schritt. Ein
eines Pochen an der Tür und eine weiche Stimme:Mutti
Süße Mufti?“ — „Komm herein, mein geliebies Qind Ich
varte auf dich.“
Astrid trat ein. Ein unwillkürlicher Ausruf der Be—
vunderung entsplüpfte der Mutter diefer Tochter.
Was war sie in diesem Moment schön! Nur ein König,
ꝛin Fürst von Geblüt war eigentlich ihrer würdig! Die ge—
schlossene Krone, leuchtend von den edelsten Steinen, die
unermeßlicher Besitz verschenkt, in diesen Haaren, über die—
er engelreinen Stirn! Und war das ausgeschlossen?
dies hochste Ziel?!
SHochhurg war ein reichsfreier Graf, er rangierte neben
en Fürsten — er konnte Fürst werden. Prinzen gehörten
u seiner Familie, er war einer der größten Maforaisheren,
des Landes. — der Schmuck seines Hauses war welterühmt
—!
Aber gab es nicht noch Besseres? Noch Stolzeres, noch
hänomengaleres Glück für diese Hand, dieses goldene
zerz?! Sie zählte achtzehn Jahre —
„Was ist dir, Mutti? Du bist so ernst? Du bist doch
nicht böse, süße Mutti? Vin ich später gekommen, als du
achtest? Diebend schmiegte sich das Köpfchen an die müi—
cerliche Schulter, spielend schlang fie die duftigen Haar⸗
vellen um den Hals ihrer Mulier.
„Nein, Liebling, nein. Du bist sehr pünktlich, mein
Foldenes! Wie immer. Du hast mir noch nie eine Skunde
Sorge oder Angst bereitet. Sei gefegnel dafür.“ Dann,
den so ungewöhnlich, weich- glücklichen Ton gegen den ruhi
gen, leicht sarkastischen vertauschend, in welchem sie oftmals
mit dem Kinde schorate;“ Ditn miß mor sag denn bo G
hen?“
Mutti — es war — ach! Mutti, es war —“ — „Was
denn Kind? Ein bißchen unheimlich kann ich mir denken?
Nun, so hast du doch auch mal gesfehen, wie solche Leute
wistieren und —“ — „Potty darf doch zu Belt geben
Nutti? Sie ist so fehr müde, sie hat Kopfweh und ich
ehe dich dann nachher selber aus — weißt du, das tue ich
sobr gern und ich kann es so gut, als hätte ich es gelernt.
uierfon aue —D—— 1706R021
raiserpaares hat in Brieoverg mancheriei wirtschaftiich
dachteile gezeitigt. Die Geschäfisreisenden, die vor Beginm
er Wintersaison die hauptsächlichste Besuchsziffer in del
dotels ausmachen, sind ausgeblieben. Sie wollen sich mi
hren Musterkoffern, die sofort das ernsteste Mißtrauel
er vielen Detektivs hervorrufen, keinen Unbequemlichkei
en und ständigen Beobachtungen aussetzen. Auch in Bast
Nauheim kürzen vornehme russische Familien, um nicht das
Zefühl zu haben, ständig polizeilich beobachtet zu werden
hre Kurzeit ab resp. bleiben überhaupt fern.
Für die Zeit des Aufenthaltes des russischen Kaiser
aares im Friedberger Schlosse rechnet die Oberposibe
örde mit einer ganz enormen Steigerung des
Zostverkehrs. Mit Rücksicht darauf wurde auf An
Tdnung der Obervostdireltion Darmstadt das Werional ar
Postamt Friedberg durch Zuziehung zahlreicher Postbe
imten aus dem Oberpostdireltionsbezirke Darmstadt ver
nehrt. Unter anderm wurden für die ganze Dauer de
Anwesenheit des russischen Hoflagers neun Postassistenten
an das Postamt berufen. Namentlich dürften an das Te
zegraphenamt bedeutende Anforderungen gestellt werder
da ja auch das russische auswärtige Amt in steter Ver
»indung mit dem kaiserlichen Hoflager bleibt. F—r de
Telegraphendienst wurden in erster Linie solche Beamt
rusgewählt, die mit dem sogenannten Jusapparat durch
aus vertraut sind, da alle Telegramme in Druck- und nich
in Schreibschrift gehalten sein sollen. Die neu hinzuge
ogenenPostbeamten sind bereits in Friedberg eingetroffen
Sie erhalten, da die Wohnungs- und Verpflegungskoster
in dieser Zeit erheblich in die Höhe gehen dürften, für
die Dauer ihres Dienstes hesondere Amfagen
Aus aller Wolt.
Keine Cholera in Berlin. Während die Choler,
in Spandau einwandsfrei festgestelt worden ist, haben die
Antersuchungen der Berliner Fälle glücklicherweise bis jeß
seinen Anhalt dafür ergeben, daß die Cholera in Berluͤ
hren Einzug gehalten hat. Namentlich in dem Fall des
berstorbenen Hausdieners Vogt ist, wie Regierungs- uns
Medizinalrat Dr. Nesemann mitteilt, bisher keine Cho
lera konstatiert worden, wenn auch die Un sersuchung noc
nicht völlig abgeschlossen ist. Vogt ist voraussichtlich e
nem chronischen Darmleiden, an dem er schon jseit Jahre
itt, erlegen. Trotzdem lassen die Sanitätsbehörden un
Aerzte in Verlin die größte Vorsicht walten und sorge
dafür, daß jeder, der nur irgendw'e verdächtig ist, sofor
in das Rudolf Virchow-Krankenhaus eingeliefert wird.
Den Räubern auf der Spur. Die Schöneberge
sriminalpolizei ist auf der Spur der beiden Räuber, di
am letzten Samstag den Ueberfall auf die Fahrkarte
Verkäuferin im Bahnhof Groß-Görschenstraße verübter
wobei sie 800 Mark geraubt haben. Ein Bahnbeamte
jab an, daß er in einem Zuge von Köln einem Fahrga
zeld eingewechselt und von diesem Geldrollen erhalte
jabe. Zweisellos ist dieser Fahrgast einer der Räube
zewesen, der sich in Berlin nicht mehr sicher genug gefüh
zat und nach außerhalb geflüchtet ist. Es ist anzunehmer
daß der Räuber aus dem D-Zug entweder in Hannove
oder Köln ausgestiegen ist. Die dortige Volize „urd
henachrichtigt.
Mit 1500 Mark verschwunden ist das 15 Jahr.
alte Lehrmädchen Elise Roloff, das in Lichtenberg, Main
zer Straße 13 bei den Eltern wohnte. Das Mädcher
war in Rummelsburg in einem Kontor an estellt und ent
wendete aus dem Pult 1500 Mark. Als der Prinzipa
abends zurückkehrte, eutdeckte er den Diebstahl. Man ha
angenommen, daß das Mädchen von einem gleichaltrigen
Mädchen, das in der Dresdener Strafe wohnt und eben
falls verschwunden ist, verführt wurde.
Zweifacher Mord. In Ohrdruf bei Erfurt wurd
die Frau des Rentier Bochröder in ihrer Wohnung er
nordet. Ihr sechsjähriger Sohn wurde durch Bei hieb
ödlich verwundet. Der Täter ist gefflüchtet
Mord. Aus Landsberg (Warthe) wird gemoe'det
In Modderwiese bei Driesen-MNumark wurde die Witwi
Glosinski int Armenhaus ermordet. Der Mörder seeckt
has Haus in Brand um das Verbrechen zu vereden.
Nach sechs Jahren gefunden. Bei Nauders wun
nen die Leichenreste des bayerischen Zollinspektors Bur
er aus München gefunden. Er war vor sechs Jahren i
nen Bergen verunalückt und konnte damals vicht acfunde
verden.
Unterschlagungen. In Ralonits bei Saatz in Nord
öhmen uneerschlug der Kanzlei-Direktor der Svarbkass
deponierte Kaufsummen im Betrage von 177 000 Kronen
Es wurde sofort eine Untersuchung eingeleitet. Der De
raudant, Dr. Müller, ist flüchtig.
Ueberfahren. In der Naähe des Bahnhofes vor
Margut auf der Strecke Nancy-Sedan wurden 3 Strecken
arbeiter von einem Zua erfaßt und getötet.
SCin menschlicher Salamander. Ein seittames
Phänomen von Unempfindlichteit gegen Feuer erregie ir
wissenschaftlichen Kreisen Londons Aussehen. Es handel
ich um den Amerikaner Captain Spalding aus Gales
»urd in Illinois. Er ist nicht etwa einer sener Feuerfres
er, die man bisweilen im Varietee sehen kann, und di
ezeichnet den noch immer festgehaltenen Grundfatz, das
eine solche Luftbewegung vermieden werden müsse, wei
ie den Bewohmnern zum mindesten ein Unbehagen, wenn
durch geschickte Manipulationen eine Unempsind'?ichkeit ge—
n Anßroee F — —— *
Potty mag sich legen.“
Astrid sprang auf und lief zur Tür. „Potty, Potty!
Beh' nur schlafen, Frau Gräfin will es gern erlauben
Bute Besserung, Potty, für den Kopf.“ Die Gräfin lachte
„Welch herzlich familiärer Ton, meine Tochter! Diese fröh
liche Brüderlichkeit mit allem, was sich Mensch nennt, hast
du wohl aus der Kernschen Atmosphäre mitgebracht.“
Sie mochte es gern leiden, wenn das junge, kindlicht
Feschöpf so vertraulich herablassend mit den alten Dienstdoten
tat. — Hatte sie doch illustre Muster! Und sie war
selbst leutselig gegen solche Menschen, — man vergab sich
»abei nichts, weun man an dem Kopfrweh einer alten Die—
ierin Interesse zeigte, oder die arbeitsbarte Hand eines im
dienst invalid gewordenen Knechtes dankbar berührte. —
Bold tat es nicht allein! „Solche Menschen“ legen viel
nehr Wert auf einen freundlichen Gruß, einen Händedruck!
Sie hatte sich neulich darüber mit den Ansichten der Frau
Kronprinzessin in erfreulicher Weise begnet.
„Also wie war es bei der Feier heute, meine Tochter?“
— „Entzückend, Mutti! So interessant! Schade, dak *
schon fort mußte!“
Die Gräfin nahm ihr, Augenglas auf und betrachtete
die Tochter. „Hann ich mir vorstellen,“ lächelte sie. „De
nöchtest bald wieder hin?“ — „Sehr gern. Wirklich, seh!
gern.“ — „Nun, Herr Kern und Madame Kern werder
doch auch Geburtstage haben, und sie laden dich, vielleicht
vieder ein, wenn du dich heute nett benommen hast. Du
jast doch hoffentlich nicht versäumt, für die gütige Bewir—
tung zu danken. Das würden die Herrschaften in der Köpe—
nickerstraße als einen Verstoß mern Grei οιιο ν
dast legen.“
„Ach, Mutter, spotte doch nicht so! Es ist gar keir
Spaß, versichere ich dich. Es ist mein Ernst,“ sagte sie und
varf das Köpfchen trotzig auf. — „Bewahre! Ich spotte
gar nicht. Es ist in der Tat Sitte in diesen Hreisen. Aber
nun erzähle mir also im Ernst, was mein Prinzeßchen in
dem Hüttchen, erlebt hat.“ Dabei warf die Gräfin einen
fragenden Blick auf die Uhr über dem Kamin, und ein
müder, gleichgültiger Ausdruck glitt leicht über ihre Züge.
Astrid sah es und zögerte. Sie kannte diesen Ausdruck
oͤei ihrer Mutter, sie hatte ihn zuweilen gesehen, wenn der
Vater Unglücksfälle aus der Zeitung vorlas. „Ja, Mutti,
so was Besonderes passiert ist ja eigentlich nicht.“
„Was war denn aber nun enfzückond imd so inter
ssant?“
Ein hastiges Rot auf der weißen Kinderstirn verhüll—
en die spielend geschüttelten Locken. Vor ihr stand mit
zuchtenden Lettern wie auf den Teppich geschrieben mit
liesenschrift: Du darfst deiner Mutter nichts erzählen von
a êæm JJ
eine sonderbare Fahigreit selbst nicht zu errtren, er m
iur, daß er von Kindheit an eine besondere Vorliebe
Flammen und glühend heibe Dinge gehabt hat, die il
die etwas anhaben konnten, wie oft er auch mit ihn
spielte. In „Daily Erpreß“, in dessen Geschästsräum
dieser merlwürdige „menschliche Salamander“ erschi
werden einige verblüffende Einzelheiten über das Ph—
nomen erzählt, das in Gegenwart von Zeugen beobach
wvurde. „Ich möchte gern etwas glühendes Blei zum 6
sen haben“, äuferte der seltsame Besucher. Man führ
ihn in die Schriftgießerei, wo das Blei in großen K
seln zu 600 Grad F. erhitzt wird. Captain Spaiding gi
zwischen den Linotype MRaschinen umher und provierted
glühende, flüssige Blei, aber das schien ihn noch ni
heiß genug zu sein. „Geben Sie mir einen Schöpilöf
des allerheißesten“ Man reicht ihm einen Löffel vr
zischenden, brodelnden Bleis. Spalding goß sich ein
mnächt'gen Schluck Blei auf die Zunge, das Mieall zisch.
und erstarrre hierauf. Dann zog er aus der Taiche e,
aroßes Stück Siegellack, zündeie es an und liez sich d
herabfsallenden brennenden Tropien auf die Zunge riese—
Ir begann dann behaglich zu kauen. Es schmeckt w
Meerreltig“, meinte er zufreden, als ob er ei
'ostbare Telikalesse üäße. Aber sein Menu war noch nio
u Ende. Zwischen den e'nzelnen Bei- und Siegella—
gzängen zündete er sich e ne Zigarre an, nahm das brer
ende Streichholz in den Mund und löschte es gemächli—
mit der Zunge aus. Dasei 7cchaute er begehrlich auf di
glühenden Kohlenstangen der großen 1600 Kerzen starle,
Bogenlichser. „Ich könnie so eine Kohle ganz gut n de
Mund nehmen“, bemerkte er nachläisig, während er ei
dandvoli Pulver auf seinen Handteller schüttete. Dar
nahm er ein Streichholz und führte es zu dem Pulve
ẽ*s gab ein Zischen und Rauschen, und die Flamme scho
hoch auf, das Pulver erlosch dann, aber auf der Han
Spaldings war nicht eine Spur einer Verlezung zu de
hlicken. „Ich kann merne wunderliche Feuersicherheit seld,
iicht erklaͤren“, erzählte er dann. Die Aerzte haben mit
ylorofermiert und mir rog ühende Kohlen auf d'e Zun
Jelegt, dann Eis und darauf wieder Kohle, aber auch
wissen nur mit dem Kopfe zu schütteln und keine Erklän
uing zu geben. Als ich noch ein kleines Kind war, fau
en mich meine Eltern eines Tages, wie ich mit rotgli
enden Kohlen spielte und sie mir in den Mund stecki—
dabei verbrannten meine Kleider. Das war auch de
zrund, warum ich nie Augenbrauen bekommen habe. Spt
er wurde ich schärfer überwacht, aler wo immer ich G.
egenheit fand, schlich ich zum Feuer, und es machte m
rohes Verqnüaen an alühenden Nobten zu seden“
Hunst und Wissenschaft.
Drahtlose Telegraphie vom Neroplan. Am Mo
tag ist in New-PYork der ersse Versuch unternommen wo
den, aus einem Aeroplan Nachrichten mittels Telegraph—
ohne Draht gelangen zu lassen. Der Aviatiker Mac Curdb
stieg in Auwesenheit verschiedener Gelehrtet gegen 6 Ul—
abends auf. Er flog über die Häuser der Stadt dahi
und verschwand kurze Zeit darauf am Horizont, um, wi
beabsichtigt, einen Zirkelflug über das Meer anzustellen
Nach ungefähr einer Stunde registrierten die Apparate, di
man an der Abflugstelle zum Empfanze drahtloser Te—
gramme aufgestellt hatte, ein Telegramm, welches laute
„Ein neues Kapitel des Forischrittes der aeronautische
Wissenschaft ist geschrieben durch die Absendung diest
Telegramms von einem Aeroplan im vollen Fluge. Ma
Curdy.“ Das Telegramm ist von den Empfangsappar—
sen sehr verständlich, wenn auch mit einigen Unterbred
ungen aufgenommen worden. Die Enl'ernung, welche d⸗
Telegramm durchsiet hotrr Gilomeler
Von der Luftschiffahrt.
*Für die Ueberfliegung der Alpena
Zimplon gelten bis jetzt als sichere Teilnehmer Gi—
von Lesseps, Paulhan, Cattaneo, Ch
oez und Moisant. Chavez hat den Simplon auf de
ganzen Strecke von Mailand bis Brig in Beg'eitungne
niger Komiteemitglieder abgefahren und den Eindrucké
halten, daß der Flug nicht mit zu großen Schwierigkeiie
verbunden sein werde. Nach seiner Meinung müssen d
Flieger über Brig im Rhonetal durch kreisförmige Flüg
schon die Höhe von etwa 2000 Meter gewannen und dan
direkt dem Simplonhospiz zusteuern, hierauf aber von de
Straße, die durch den von 1000 Meter hohen Felsen ge
hildeten Engpaß von Gondo führt, abschwenken und i
jemlich gerader Richtung Domodossola am Anfang de
Ebene erreichen. Die Orientierung im Gebirge werde leic
ein, schwieriger dagegen in der lombardischen Ebene ve—
Langensee bis Mailand. Auch in der Ebene, etwa vi
Jarese an, werde eine Zwangslandung wegen der die
ehenden Maulbeerbäume nicht leicht sein. Die Gemeir
rig — der Start erfolgt auf einer * e am Vri
Berg — leiste. enen Beitrag von 4000 5 zun?
dosten. Die Bruger Hoteliers werden 5004 Irans sp
Xn und der Kanon Wallis ebenfalls einen Staatseit.
Ifern. Man glaubt, daß besonders bei der Einmindu
er kurzen Quertäler im Haupttal die Windströmung de
Lenkern gefihrlich werden könne. Der Werflug finmdet b
auntlich vont 18. hia 24 Septembor stan
—— — ———üü⏑ä⏑—
und von dem Manter unrer dernem Fuße »s entencken'
„Lina sah reizend aus und die alte Großmutter war
rührend. Schade, daß ich keine Großmutter habe — un
Herr Kern hat so schön Beethowen gesungen und überhauf
— weißt du — alles, es war alles so ganz anders als*
uns — so gar nicht wie, wie — —“
„Wie bei Hofe!“ half ihr die Gräfin mit spöttisch⸗
Ernst ein. —
Sie faßte es aber gar nicht so scherzhaft auf. „Natuüt
lich — ganz anders — eben anders,“ sagte sie nachdenklie
und richtete ihre unschuldigen Augen auf das heimlim wöl
tische Lächeln der Gräfin.
„Es war eben neu für dich, Liebchen, und das wir'
wohl das Entzückte und Interessante gewesen sein,
nickte sie aufstehend. „Toujours perdrix am vVerliner Kai
serhofe läßt auch mal ein Stückchen Schwarzbrot entzül
kend“ schmecken. — Wohl dir, meine Tochter, daß du b
dieser Kost nicht bleiben brauchst, sie würde dich töte
kleinee Tropenvogel! — Generationen, die in Hütten 9
—D
jaben, sind aus anderem Stoff gebildet als wir, die wir se
Zenerationen solche Existenzen nur vom Sörensagen ke'
nen. Das liegt auf der Hand und ist naturgemäß. M—
oll sie nicht verachten, — du weißt, wie oft ich davor
barnt und dir gesagt habe, daß die Herzen überall gle
ind, — aber verstehen und lieben brauchen wir solche Mer
schen nicht. Das, mein Kind, ist meiner Ansicht nach einfac
wider die Natur und kann kein Prediger in der Wüste ode
in der Schloßkapelle“ (mit einem höhnischen Lächeln) „ver
langen! Und nun, mein Süßes, lege dein geliebtes Köpf
chen auf dein seidenes Kissen und träume von Neuem, En“
zückendem, Interessantem, was es auch sonst noch, auchei
unserer Sphäre, draußen in der großen Welt, für mein
Tochter gibt und geben soll. Ich habe wundervolle Plän
Auf morgen, Liebling.“
Eine zärtliche Umarmung, ein inniger Kuß und Astri
verließ das Schlafgemach ihrer Mutter, sich in ihr eidene
hezauberndes Nesichen aurückzuxiehen.
Dringend. Kleines Mädchen: „Herr Doktor, ẽ
ndchten gleich mal zu uns kommen, meine Schwesier he
ein Zehnmarkstück verschluckt. und der Gerichtsvolleleh
vortet schon daraufl
⸗
Er weis res! Major: „Warum sind die Stabson
iere der Infanserie beritten?“ — Infanterist: „Ich we
s, aber ich getraue mich nicht, es zu sagen!“ — Majo
Ach was, heraus damit!“ — Infanterist: „Weil Ge an
arschieren dewöbnlich z2u Mae vnt