stummer 201.
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Postschließfach Nr. 14.
Mittwoch. den 31. Auqust 1910.
23. Jahrgano,
— — * T Postschließfach Nr. 14.
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äX RäO IO O αXOn st ut αν u ισσX αισ Æœ —
Der neueste Baltankfurs.
Während es zu Zeiten Bismarcks Kopensjagen war,
vo im Kreise der dänischen König-familie Pläne geger
deutschland und Oesterreich-Ungarn geschmiedet wurden,
hird man jetzt den Verdacht nicht los, daß das kleiné
et nje zu einer ähnlichen Schwirgersöhnepolitik berufer
en möchte. Der König Nikita hat nicht nur den Kö—
ig von Serbien, sondern auch dem König von Italier
id überdiens zwei ru sische Großfürsten zu Schwiegersöh—
en. Und wenn Montenegro schon lange als Sturmbloc
ußlands auf dem Balkan gilt, so wird es jetzt als sol—
zer umsomehr benutzt werden, als Ru land nach seine
snnäherung an Japan eine alt'vere Balkanpolitik enzu
iten bemüht, ist und sich dabei seit Racconigi mit Ita
en eins weiß.
Die Krönungs- und Famitlien'sestlichkeiten in Cetin
ücken gewissermalen das Siegel unter das durch ver
dandt chaftliche Beze ungen vorbereitete montenegrinisch—
a ien schrussische Eenverständnis, zu dem auch Zar Fer—
inand von Bulgarien Ja und Amen sagt. Da nium Eng—
ind und Francreich Rußland veroündet sind, stehen auch
e diesem untser Rulands Führung zu schaffenden Bal—
m'onzern wohlwoilend ge enüber, 'un erftüten a!so Strö
uungen, d'e sich direlt gegen die Türkei und Oesterreich
ugarn und damit auch ind ret gegen Deutschtand rich
in. Das einzige Gute hierbei ist nur, daß sich einma
as Oestecreich-Ungarn und Teutschland befreundete Ru
tiänien den Aspirationen Montenegres und Bulgariens
ie anschließen wird, und daß sich auch voräufig König
zeter von Serbien grollend zurückhält, weil er in der
zrhebung des stanmmverwandten Montenegros zum Kö—
agreich eine Gesahr sür seine De nastie erbrictt. Denn zwei
Zerbenzaren sind auf die Dauer unmöglich.
So ist es also mit den russischen Träumen von ei—
em Balkanbund vorläufig nichts. Aber troßdem: wer
eht dafür, daß das serbische Volk den König Pealet nicht
wingt, sich Bulgarien und Montenegro anzuschließen,
denn Serbien dasfür von Ruzland der Zugang nach dem
seere versprochen wird? Wer steht dafür, daß nicht, wenn
er Brand auf dem Balkan insolçe der kretischen oder
iazedonischen Frage auslodert, auch Serbien auf seiten
er Gegner der Tuͤrkei zu finden ist, und daß Oesierre ch—
ingarn und Deutschland, deren Interessen auf dem Bal
an und der asiatischen Türkei denen Rußlands, Eng—
ands und Frantcreichs geradezu entgegengesetzt sind und
nder Erhaltung einer starken Türkei gipfeln, gezwungen
oerden, das Schwert zu ziehen? Die Ententemächte sind
eute, nachdem es ihnen nicht gelungen ist, den deutschen
kinfluß am, Goldnen Horn zu beseitigen, auf die Türkei
icht gut zu sprechen. Die Ablehnung der englischen
zchiffahrtskonzession auf dem Euphrat und Tigris, der
zesetzesentwurf, der die Ausschiffung von Waren am Kai
erbieten will, der Ankauf deutscher Kriegsschiffe durch die
kürlei, die Finanzkonferenzen Dschawid-Beis in Berlin,
ie Berufung des Generaloberst von der Goltz in den tür—
ischen Generalstab und die Zusammenkunst des Groß—
desirs Hakki Pascha mit dem österreichisch-ungarischen Mi—
ister des Auswärtigen, Grasen Aehrenthal, in Marien—
‚ad haben in London und Paris dermaßen verschnupft,
»aß die Türkei auf eine wohlwollende Haltung der West—
nächte bei der Regelung der kretischen und mazedaniiches
Frage nicht wird rechnen können.
So bildet sich also der an sich schon bestehende Ge—
ensatz zwischen England, Frankreich, Rußland auf der
inen und Deuischland und Oesterreich Ungarn au' der an
eren Seite im Feuer der Balkanfragen immer mehr her—
us. Der Dreibundsmacht Italien ist aber seit Abschluß
es Mittelmeerbundes und seit Racconigi nicht mehr zu
rauen. Erklärte doch erst vor ungefähr vierzehn Tagen
n halbamtliches italienisches Organ unter dem Beifall
ist der gesamien Presse, daß die italienischen Staatsmän—
er niemals daran gedacht hätten, in einem Zwiste Oester—
eich Ungarns und Deutschland mit den Wesimächten auch
ur einen Kanonenschuß auf ein englisches oder franzö—
sches Schiff abzugeben. Mit dieser den Dreibundsvertrag
raktisch illussrifch machenden Haltung Italiens wird man
nmer rechnen müssenn, mögen auch bei der Salzburger
ntrevue der italienische Minister des Auswärtigen und
in österreichischungarischer Kollege sich noch so sehr die
dand schiue 57 — 3 4 ri ee—
—
Preßßstimmen.
Die „Posst“ wünscht, diesen Gegenstand jetzt ruhen
zu lassen. Er ist reichlich und genug behandelt worden.
— Die Kreuzzeitung'“ bringt die Erklärung der
Norddeutschen Allgemeinen“, ohne sich dazu zu äußern. —
die „Deutsche Tageszeitung“ sagt: Der Ton,
n dem die „willkürlichen Auslegungen“ und „bösartigen
Lerdrehuugen“ zurückgewiesen werden, ist erfreulich und
erechtigter Weise scharf. — Die „Dätgl. Rundschau—“
chreibt: Es ist nicht anzunehmen, daß sich die Linke mit
es Kanzlers Erklärung zufrieden geben wird, und es wirs
»emnach höchst wahrscheinlich zu einer hitzigen Debatte im
Reichstage kommen. — Die „Nationalzeitung—
neint: Es gibt keine überzeugendere Widerlegung der von
daiser Wilhelm in Königsberg bekundeten Auffassung, der
Herrscher könne unbekümmert um die öffentliche Meinung
einen Weg gehen, als die Tatsache, daß schon drei Tage
»arauf sein verantwortlicher Ratgeber genötigt ist, sich
arüber auszulassen. — Die „Freis. 31g.“ schreibt:
VBir wissen nicht, ob die Auslegung, die der Kanzler der
kaiserrede gibt, authentisch ist, und ob Herr von Beth
nann-Hollweg aus dem Munde des Kaisers die Versiche—
ung erhalten hat, daß er seine Wort so und nicht au—
ers gemeint hat. Erst dann hätte der Reichskanzler ein
ewisses Recht, in dem Tone seiner letzten Sätze zu
prechen. — Die „Ger mania“ bemerkt: „Man har
chon die Vermutung ausgesprochen, mit dem Rücktritt des
Fürsten Bülow seien die Errungenschaften der November
risis wieder verloren gegangen und die früheren uner
reulichen Zustände würden zurückkehren. Die Kundgebung
»er „Nordd. Allg. Ftg.“ beweist, daß diese Beürchtung
ubegründet ist. Herr von Bethmann-Hollweg ist ent
hlossen, sich einem „Rückfall“ bei Zeiten entgegenzustem
4—* — 2L 412 feir
X2
In Kerns hielten Pensionäre und hatten immer welche ge—
alten, Knahen, welche die Schule befuchten. Aus einigen
aren schon Manner geworden,aber wenn je auf ihren ver⸗
hiedenen Lebenswegen diese Manner in die Räbe dieses
auses kamen, verfäunite keiner von ihnen einzutreten, und
Gah eine Freude und ein Erzählen, ein Essen und Trin—
en, als gehörten fie sämtlich zur Familie und sei hier alles
ufs reichlichste porhanden. Und wenn's mal einem gar zu
ehr an einem kleinen Darlehn mangelte, Herr Kern war
ierkwürdigerweise immer in der Lage, ihn geheimnisvoll
ach seinem Stübchen zu winken, eine bescheidene Summe
ern entbehren zu können und — oft freilich wohlgemut die
anz geleerte Spar- und Ertrakasse soraföltig wieder zu
erschließen.
Freilich schien auch ein gewisser Ehrgeiz in dieser schlim—
ien Welt, wo man Darlehne nur zögernd und ungern
iedergeben sieht, zu herrschen, jener Kösse das Futnommene
ieder zuzuführen
Wenigstens behauptete dies Herr Karl Kern. Die Feh⸗
enden hatte er dann freilich vergessen, meinte seine Frau,
bm mit sorgenden, innigen Augen ins liebe, gute Angesicht
hend. Und Vvinchen, die sich schon eine kleine Negerei erauben
konnte, meinte dann: „Rechenstunden gibl der Rater
uch nicht!“ Aber das konnte Mutter ja.
Ja, auch dagzu fand Frau Kern. die ehemals an einer
emeindeschule unterrichtet hatte, noch Zeit, abends die
edhenaufgaden verschiedener Nochzügler zu prüfen und die
ösesten Schniter zu korrigieren, was ihr freitich michts ein—
rachte als eim glückliches ‚Schön Dank“ aus einem schweren
inderherzen das nun bedeutend leichter der peinlichen
dechenftunde am anderen Tage in der Schule entgegensah.
Herr Kern saß in der einen Ecke des altenledernen
lmerikaners unb amüsierte sich über die neuesten „Fliegen—
en Blätter“, und in der anderen saß Onkel Knut Kern, der
andelsgärtner, welchet als erster von den Gästen schon
kitig erschienen war, um den Blumenschmug mekin
echtzeitig zu überbringen.
Beide Brüder sahen sich wenig ähnlich. Herr Karl
r hatte einen Kopf, der an die hehre, leidensvolle Schön—
eipes „Johannes im Kerker“ erinnerte, und Herr Knut
sah aus wie ein vergnügter Gelehrter mit seinem
sien. feingeschnittenen Gesicht und den lustigen Augen,
—* en einem naturaliftischen Problem auf die Svur ge—
men zu sein schienen —
—8* Onkel, Knut, jetzt stehen Sie da mal gütigst einen
—— bat Frau Kern, an das Sofa kretend, „wir
n den Amerikaner nach der anderen Wand bringen.
Um die Graofenkrone.
onst kann der Stuhl da nicht stehen für Vater.“ — „Ih,
otte, laß mich doch sitzen bleiben.“ — „Ich alante, Onkel
jeint, wir sollen ihn samt dem Sofa schleppen? neckte Lina.
ochend gehorchte jetzt der Gärtner,
„So, Vater, jetzt hol' du die Großmutter. Du weißt.
ie mag es so gern, wenn Gäste kommen, sie alle der Reihe
ach eintreten zu sehen und sich erst still an dem Festesglanz
u freuen.“ — „Laß nur. Heute hol' ich die Großmutter.“
Und Herr Knut, der seinen Bruder an Kraft und Statur
edeutend überragte, ging mit seinem gemütlich schleppen—
en Schritt, ein wenig in den Hnieen minnend, zur Tür
inaus.
„Du, Linchen! Die Flurbeleuchtung ist aber mangel—
saft — wenn deine Gäste nun etwa schon anklingeln soll⸗
en,“ klang es von der stockdunklen Treppe her.
Lachend eilte Lina hinaus, ihre Vergeßlichkeit gut zu
nachen. Die blitzblank gepußte Küchenlampe wurde an
inen Wandnagel gehängt und mit zwei prächtigen blauen
zapierblumen verschönert.
„Alles magisch bei Kerns,“ lachte Herr Knut, als er
nit der Großmutter auf dem Arm die Treppe herunterkam,
3 zapple nicht so, du solsit aleich aslos heouern
»hen.“
Nun kamen die Gäste, zum größten Teil freilich Haus—
enossen, die aber in verschiedenen Geschäften noch auswärts
eweilt hatten, um bei den Festvorbereitungen in dem engen
zäuschen Raum zu geben, oder gar aus ihren kleinen Holz—
erschlägen einen oder den anderen geschmackvollen Gegen—
and zur Dekoration des Wohnzimmers hergeliehen hatten,
— etwa „den“ Stuhl oder „das“ Tischchen, was nun ihre
eschäftigung daheim einschränkte. Der enge Fluͤr war mit
ilerlei Paletots, Mützen, Halstüchern, Gummischuhen reich
esetzt, und da es draußen nebelte und naß fiel, waren alle
iese Dinge feucht und füllten das Flurchen mif dem hokann—
en naturalistischen Parfum.
Da rollte mit leichtem, elegantem Ton eine Equipage
or. Wohl die einzige, die heute hier erwartet wurde, und
ina sprang sehr aufgeregt aus der Küche, wo sie gerade
em Spittelweibchen, das bedienen helfen sollte, eine weißt
chürze von sich selbst umband, nach der Haustür ihrer vor.
ehmen Freundin, die für die Gäste sogar eine Ueberraschung
ein sollte, aus dem Wagen zu helfen.
Dies war nun freilich nicht nötig, denn vom Bock
hwang sich Mills, der zweite Diener des Grafen Gllas,
nd aus dem Inneren des Koupees schlängelte sich die Kam—
nerfrau der Gräfin, unter welch sicherer Bedeckung Asirid
ie Geburtstagsreise hatte unternehmen müssen.
Ach. Linchen, qutes Gera bleib' drinnen — ⸗s renvor!
Du hast ja nichts an, Dein Kleid und deine Blumen ver—
irbst du jal“ klang Astrids weiche Stimme aus dem Wagen.
Ach, was schadet mir das?! Ich bin so stolz, so glücklich, daß
zrau Gräfin gütig war und es erlaubte. Gott, dul
Nein Vater, wird der sich freuen!“ — „O, es ist glatt.“
Astrid faßte nach einer Stütze, als sie die spitzen Pflaster
teine unter ihren zarten Schuhen fühlte.
Mills und die Kammerfrau, „Potty“ genannt, (sie hieß
igentlich Madame Pott) und Lingd führten Astrid so sorgsam
zuf die Stufen des Hauses, daß sie alle lachen mußten. .Un
gjefähr wie die Großmutter,“ meinte die lustige Lina. “Ad
ichtig, Linchen. Potty kann doch irgendwo bei euch warten
Zie soll mich wieder nach Hause hringen, saat Mutti. und
einen Moment allein lassen.“
Lina machte sehr erschreckte Augen. „Bei uns warten?
lch, Astrid, das — — Wenn ich nur wüßie, wo Frau Potty
v bleiben soll. In der Küche kann man sich überhaupt nicht
etzen, als auf den Herd, wenn er kalt ist, und sonst wo in
lirgends Licht. Und du bleibst doch ein paar Stunden, Ge—
iebteste?“ — „Bis zehn Uhr darf ich bleiben.“
„Wenn gnädige Komtesse erlauben,“ mischte sich Potty
eise hinein, damit Mills nichts hörte, der mit dem Hule in
er Hand im Regen stand, „ich habe hier ganz nebenbei eint
donsine, da kann ich ja bleiben, und in einer Stunde wieder
insprechen, ob Komtesse etwas befehlen?“
Ja, natürlich, das geht,“ entschied Astrid, „die Um—
lände lassen ung keine Wahl. Mit nach Haufe follft du nicht
rieder, also geh' immer zur Kousine. Ver ganze Apparat,
er zu meinem Schutze aufgeboten und in Bewegung gefetz
rird, ist wirklich lustig. Als wenn man in Afrikaeinc
Büftenreise machen sollte,“ sagte Astrid lächelnd, als fie end—
ich in dem feucht-dunstigen Flur fiand, zwischen den nassen
zaletots, und Lina ihr den lichten Schwanpelzmantel ab—
ahm, etwas rotlox ic umseheudn wbin duftigen
zracht.
„Ich hring' ihn hinauf zu Großmutter. Da hat er's
ut,“ entschied sie rasch, einen Moment, Aftrid Ach Him
nell. Wie dist du schön! Werden die Augen machen! Bleib'
till stehen, sonst ist's mit der Ueberraschüng vorbei.“
Astrid, lachte und amüfierte sich. Sie hatte sich selbst
indisch auf den Abend gefreut. Für sie etwas fo ganz, ganz
deues, von dem sie die verwunderlichsten Dinge erhoffte.
Da riß es an der Klingel dicht neben ihr. Einmal, zwei⸗
nal! Der neue Ankemmung schien es draußen nicht sehr
ehaglich zu finden. Niemand öffnete. Lina blieb so lange.
IIs es wieder schellte, strecktle Astrid kurz entschlossen die
and, aus und öffnete dem Aermsten der broußen fror, die
ür ins Warwme
Vie „bre Gestalt eines schlanken Soldaten mi
eichen eines Feldwebels stand dor ihr Ein —A
Augen aus braunem Antlitz blitzten sie an unter der weißen
Stirn, von der die Mütze soweit zurückgeschoben war, daß
ein Streifen krausen. lichthraunen Haares sichtbax hurne
„Ach, Verzeihung, Fräulein, ich ahnts nicht —!“ rie
er gedämpft und erschrocken.
Er war zu natürlich, dieser Ausruf! Astrid begriff das
wirklich, trat zurück und ließ ihn vollends herein. Er, konnte
wirklich nicht, ahnen, daß ihm die junge Gräfin Collas—
Wolffenstein die Haustüre öffnen würde.
Da stand sie in diesem halbdunklen Flur, unter den
dunstigen Paletots, zwischen all den Gummischuhen, welchen
man die mühselige Wanderung durch schmutzige Gassen an—
sah, in ihrer zauberhaften, vornehmen, jungen Schönheit,
oon rosiger Seide umflossen, Rosenknospen in dem glitzern⸗
den Silberschaum ihrer berauschenden Haarwellen.
Lina erschien oben auf der Treppe. „Ich bitte tausend—
mal um Entschuldigung, daß du warten mußtest, liebste
Astrid, und so auf dem Flur, und bei Großmutter war das
Fenster aufgesprungen und — ja, wer ist denn das?! Him—
mel, nein, ich träume wohl! Ernst! Vetter!, Du bist es
ja! Wie kommst du denn heute in die Uniform?“ — „Hatte
dienstliche Angelegenheiten hier. Dann Mittag im Unter—
offizierkasino,“ klang es in heiterer Frische zurück. — „Nein!
Die Ueberraschung! Mas mird doin Mator sFnone — MNch
Der weiß es ja!“
Damit hatte Lina eilig die Tür geöffnet und
Astrid, von Ernst Kern gefolgt, in das mit Menschen ge—
füllte Eßzimmer treten lassen. Nun, die Ueberraschung war
zine vollständige. Zuerst natürlich sprachloses Anstarren.
Dann löste sich Frau Kerns mütterliche Gestalt aus einer
Ecke, wo ein wimmernder Knabe ihr ein fürchterlich ro“
durchstrichenes Rechenheft zeigte. —
„Meine liebe Komtesse! Wie glücklich sind wir alle —
nein Gott, wie kommst du — —?“ (Ein Blick auf die Uni—
torm und wieder auf Astrid. Sie schien das gemeinsame
Fintreten in logischen Zusammenhang bringen zu wollen)
— „daß die gute Frau Gräfin erlaubt hat, daß Sie meinem
dinchen diese große, große Freude, unserem Hause die Ehre
chenken. Vater. kamm doch. sieh doch wolch schönor, liehes
Bast!“
Herr Kern begrüßte Astrid mit der ihm eigenen, alle
zeit ruhigen Freundlichkeit, mit der er jedem Gast entgegen
trat, obwohl er wirklich ein hohes Wohlgefühl empfand,
eine geradezu aͤsthetische Befriedigung an Astrids Erschei-—
rung und Wesen, wie auch Astrid, der zuerst etwas bange
wmorden war da auf dem Flur und gana beklommen als