Full text : Dudweiler Zeitung

Awos. Auch hünte man sich bei derlei Wahrsagerscherzen
derhältnisse zu berühten, die nicht allen bekannt sind und
deren Bekaumtmachung unltebsam wäre.
Die Bilder und Farben der Blätter sollen nach alter
Lradition folgendes bedeuten: — — —
— In der deutschen Kartee 4
zrün Aß, bedeutet Geld, das man belommt. *
‚AKöonig, Glüd in Unternehmungen. 9
„Bbauer, qute Zelten. 4
Unler, Reuigkeiten. J
O, bedeutet Ausgaben.
9, ttaurige Nachrichten.
3, AMerger.
J, Schregen.
—AX 4
Nönig, ein Geschent.
derz Aß, bedeulet angenehme Na«
Bauer, Tieue.
Unter, Angenehmes.
0, Geschenk.
d, Unzuftie denheit.
), Freuden
J. Gluͤdliche Rachtichten
z, Gluck im Spiel
Aß, veveutel Tobessfalltl..
Koönig, Verdruß durch einen Mann
Bbaued, Untreue
Anter, unangenehme Botschaft. *
9, Streitigkeiten. ——
9. Falschheit. —9
3. Untreue, Diebstahlc
J. häuslicher Kummer.
3, Mißtrauen. —
Aß, bedeutet Geld und Brief.
onig, reiche Bekanntschaft.
Bauer, gute Nachricht.
Anter, Geldvermehrung.
10, Geschenl erhalten.
9, unverhofftes Glüch
—AV »—
„VHerdruß in der Freundschaft.
F . Perdruß wegen Geld. *
8
an In der französischen Karte
lque Assnig, bedeutet Schaden c
Dame, sich vor einem Betruge oder Diebstahl hülen.
x dube, etwas Neues bekommen.
.lI, Betrogen werden.
d, Geldoerlust. *
3, Neid
l, Besitz von etwas Neuem.
viel Arbeit und Mühe.
kleinen Etreit.
„Rachricht aus der Ferne.
q, Aerger.
d, NMerger mit einem Geizic
0, Liebe.
önig, bedeutet Vermehrung ser
Dame, Zank wegen Geld.
Hhube, Jeeude
k, Ehre
J, Vergnügen.
d, Tod eines Freundes.
einen Freund bekommen,
, etwas Neues, Gutes.
z, stöhliche Botschast.
, neue Freundschafst. ⸗
3, Hochzeit, Nachticht.
d, FIroͤhlichlolt.
O, Gut, Glue.
stönig, bedeutet Freube.
Dame, Krankheit.
qube, eingehendes Geld.
l, Glück in Unternehmun
, gute Zeiten. — A
3, Neuigkeiten.
„Verweigerung.
5, Geldeinnahme.
3, Geld.
1, traurige Botschaft.
3, etwas Besonderes erfahren.
9, kleinen Verdruß.
10, etwas geschenkt erhalten.
atreau König, bedeutet Todesfall eines nahen Freundes,
„Dame, ein gutes Herz.
„Bube, Falschheit. J
1, Untreue. F
2, Au richtigkeit eines Freundes. 4
8, Verdruß mit einem Manne, 2
A Nerdruß mit einer Frau. —

Ache

E
geulich aus demem ersten Hofball. Du warst eine neue
rind tratst zum ersten Mal ins Leben: die Gesellchuft,
 welcher du dich zunächst anschlossest, blieb unwider⸗
uflich die deinige. —W
pr — e
x. Ka vitel. ν
Schoͤn⸗Astrid war sehr unruhig, sehr aufgeregt! Ihre
Bangen glühten wie dunkelroter Sammet, ihr Herz schlug
m raschen Takt mit der Musik auf der Tribüne.
In der Reitbahn der Garde-Ulanen wurde General—
robe geritten zu einem Reiterfeste.
Astrids Mutter hatte übrigens das Reiten der Damen
ür gesund erklärt, und Astrid strahlte ungetrübtes Gluüa
us ihren Augen, denn sie sollte auch reiten lernen.
Graf Hochburg hatte sich erboten, ihr Lehrer zu sein.
Nun, diesem dehrer durfte Gräfin Collas ihre Tochter wohi
anvertrauen. Der junge Graf war der vorzuůglichste Reiter
und Pferdekenner des Regiments. Und als solchen bewies
fich soeben jetzt vor strids ⸗ↄrstaunten und entaückten
ungen.
Des Crafen feine, biegsame Figur zeigte sich zu Pferde
m besten Licht. Jedenfalls war sein Fach“ sein, Element;
ein bester Moment“ das Pferd und zu Bferde“.
Graf Hochbura ritt, als einziger, in Uniform, den Rie
nen an der Mütze. Es hatte Aufenthalt gegeben mit feinem
dostüm, an welchem er historische Fehler bemerkt und die
merläßliche Aenderung beföhlen hatte, damit am Tage selbsi
eder Mangel auch in dieser Richtung ausgeschlossen war.
Jun, er konnte eben reiten wie er wollte. Und wie er ritti
Nit welcher Kraft, Kühnheit und Elegang tummelie er fein
inscheinend sehr heftigas, aber herrlich gebautes Pferd,
)essen wild⸗tückische Augen die Zuschauer auf dem Batton
echt wohl grimmig funkeln sehen konnten, als sei ihm die
zunte Mummerei ein häßlich Gaukelspiel, unwürdiag seines
del · stolzen Blutes.
Alles aing glänzend, die Probe schien tadellos verlaufen
u sollen. Die Musik schmetterte mit einer Elegang, einer
berve, daß die Zuschauer auf dem Balkon wie elektrisiert
varen und die Stimmung eine gebobene der Roitait be
eistert wurde.
„. Da, auf einmal, eine kleine merkbare Unordnung, eine
leine Verwirrung. Irgend ein Pferd hatte unerwartet
ine falsche Wendung gemacht, wurde infolgedessen gedrängt,
rehte sich und berührte dabei Hochburgs Braunen, dessen
deiter nicht ganz so gespannt und ausmerksam war wie
onst und wie er es boute gerade änte fer itet

Falschheit. *
inverhofftes Glüch. 44
utierwartete Freude. 414
was Liebes haben. *
d, Belogen werden.
O etwas verderben, zerbrechen, verlleren.
w
bedertrungen der Farben beim Karkden⸗
aufschlagen.
53chellen beziehen sich auf Reichtum, Wohlstand, sor⸗
genfreies Leben.
Kot (Herz) zeigt Aufrichtigkeit, Freundschaft und
Liebe an.
sich eIn bedeuten unangenehme Vorfälle, Mißhelligkeit,
Verlust, Ehrenkränkung, viele Arbeit, Mühe und
Falschheit.
8ün, ist angenehme Hoffnung, Glück in Unternehmun⸗
gen, Glück bei den Damen, wenn es ein Herr ist, der
ich die Karte schlagen läßt und Glück bei den Herren
für Damen.
Bedeutungen der Figuren. — 34
Daß Aß zeigt immer den höchsten Grad von einer
Sache an, z. B.: Es liegt das rote Aß bei einer Dame
ind die Dame geht auf einen Ober zu, so ist die Bedeu—
ung, daß diese Dame den Herrn sehr liebt; nur kommt
s darauf an, wem es näher liegt, ist es dem Herrn nä⸗—
jer, so möchte er aus Liebe zerschmelzen.
Die Könige zeigen Ehre an, einträgliche Ehren⸗
lellen, wenn Schellen dabei liegt; öfters aber auch Ver—
hrung und Achtung J
Die Ob er sind die Herren. —F
Die Unter sind die Damen.
Die Zehner sind Briefe. Liegt Rot bet einem
zehner, so bedeutet es einen Liebesbrief, ist Schellen
pabei so bedeutet es ein Geschenk.
Die Neuner und Achter zeigen die Grade an
ob sich esner viel oder wenig Hoffnung zu machen hat ꝛe
FNe Shbebener bedeuten, —* je nach der
erson

e 84
Die Karten werden folgendermaßen gelegt. Man läßt
uus einem Spiele Karten eine ziehen und diese bestimmi
tie Deutung des Spieles: Zum Beispiel, zieht eine Dame
hrün Neuner oder Pique Neuner, so ist Grün Unter oder
bique Dame das Blatt, welches die Person, die es gezo—
jen, selbst vorstellt und präsentiert. Bei einem Manne ist
er Ober oder der Bube die Person.
Oieses gezogene Blatt wird auf den Tisch gelegt und
jom Rücken des Kartenspiels 28 Blätter abgezogen und
uf den Tisch in vier Reihen, eine Reihe unter⸗ und nach—
mander aufgeschlagen, so daß man die vier Blätter in
er Hand behält. Hierauf beginnt man die Deutung nach
en oben angegebenen Regeln

——— ——
Von der Luftschiffahrt.
*»sAbsturz Segagneux' bei Havre. Der
ranzösische Aviatiser Legagneux, bekannt durch seine Teil—
nahme an dem Rundfluge durch Ostfrankreich, führte in
dem Aerodrom Hoc bei Havre Schauflüge aus. Info!lge
eines Steuerungsfehlers prallte der Apparat gegen einen
Pylon, stürzte aus einer Höhe vom 15 Metern ab und
zerbrach. Legagneux wurde aus dem Sitz geschleudert und
dadurch vor dem Erdrücken durch den Motoc bewahrt. Er
irug eine schwere Kopfpverletzung und eine Gehirnerschüt—
terung davon. Die Aerzte hofsen, den Aviatiker am Le
ven erhalten zu können.
*Ein Unfall Paulhans. Der bisher so glück—
iche Aviatiker Paulhan hatte einen Automobilunfall, der
hn durch seine Folgen bis auf weiteres wohl am Flie—
jen verhindern dürfte. Er begab sich im Automobil von
Zt. Cyr nach Sartouville. Unterwegs wurde das Auto
m einer scharsen Wegbiegung gegen einen Baum geschleu—
zert. Paulhan, der abspringen wollte, brach das rechte
dandgelent, was ihn wohl daran hindern wird, sich als
Aviatiker auf die Einladung des Kriegsministers an den
zroßen Herbstmanövern zu beteiligen, die im September
». J. stattfinden.
*?Todesstur z. Aus Arnheim wird gemeldet: Der
sollaͤndische Aviatiler van Maßdyk ist mit seinem Appa—
at abgestürzt und hat dabei den Tod aesunden.
——— ———
Kunst und Wissenschaft.
Hochgebirgskuren für Nervenkranke. Dr Nolda
mpfiehlt das Hochgebirge von 1300 Meter ab, vor allem
»ei Neurasthenie. Die Dauer des Hochgebirgsaufenthaltes
—XDD
st nochmals zu wiederholen, am besten in nicht zu langen
zwischenräumen und dann im Sommer und Winter. 90
Zrozent der Neurastheniker, die an Schlaslosig'eit leiden
chlafen im Hochgebirge besser als in der Ebene. Angstzu—
— — — VA— —2— 62*

Das ohnehin aufgeregte ιια nordene Tier
rängte gewaltsam aus dem Spiel, bockte und, von seinem
ornigen Reiter energisch gemaßregelt, stieg es schier senk⸗
zecht anbor, mit den Vorderhufen wütend die Luft durch—
zauend.
Alles stob auseinander und rettete sich aus seiner Nähe.
Zucufe ertönten, Warnungen, dag praͤchtige Bild zerflat.
erte nach allen Seiten, die Musik brach jaͤh ab mit einer
chrillen Dissonanz, und das maßlos erschrectte Pferd, das
ich zu wild nach hinten geworfen, überschlug sich krachend
nit seinem Reiter, den es unter sich begrub.
Ein Schrei sinnloser Todesangst von zwei schneebleichen
Mädchenlippen durchdrang hell die allgemeine Aufregung,
as ängstliche, entsetzte Stimmengewirr, Aller Augen rich
eten sich einen Moment von dem Gestürzten auf die junge
domtesse Astrid Collas, von welcher man wußte, daß Graf
hochburg, von der Mutter begünftiet kr milß beiker Wer.
ung nahte.
Bisher hatten noch Zweifel geherrscht über die endliche
Lufnahme dieser Huldigungen, er selbsi hatte wohl noch ge—
weifelt und sich in gewissen Grenzen gehalten, aber jeßt
»urfte man wohl jedweden Zweifel fallen lassen, wenn man
diesen Schrei gehört hatte, in dem das ganze Herz, die
janze Todesangst um verlorenes Lebensgluͤck zitterte, und
as schöne, vornehm reservierte Mädchen fassungslos am
Ie der Mutter schluchzen sah. wo sie ihr Gesicht verborgen
sielt
Auch Gräfin Collas war sehr bleich geworden, aber den⸗
ioch trotz ihres eigenen Entsetzens. wat ihr das Auffallende
»es Benehmens ihrer Tochter, der Mangel an Selbsibeherrchung
 peinlich fühlbar.
„Fasse dich. mein Kind! Du wirst beobachtet!“ —
„Bring mich fort, bring mich fort! Ich will es nicht
ehen, ich kann nicht! O, Muttil“
„Aber Astrid! Besinne dich! Es ist ja noch nicht sicher,
aß er tot ist ⸗ ist noch lange nicht alles verloren. So —
o — meine Tochter! Sie zaben ihn schon hinausgetragen
— komm, sieh auf, — sei wieder mein vornehmes, stohes
Töchterchen. Du kompromittierst dich ja und machst dich
ächerlich. Der Graf hat sich doch noch in keiner Weise er—
lärt!“ So tönte die mütterliche Monnn flüttarnd an deos
mNädchens Ohr.
Langsam lösten sich die umklammernden Hände. Sie
richtete sich auf und blickte umher mit einem scheuen, fra—
enden Blick, als erwache sie schaudernd aus gräßlichem
raum, streifte mit dem suchenden Auge die Stelle, wo der
zand der Reitbahn so zerwühlt und zerstampft war und
»en ein Ulan die Mütze mit dem zerrissenen Riemen aufhob.
E orhok sio sich dann und ohne der mehr als erstaunten

and der Gefäße brauchen das Hochgebirge micht zu scheuen
stegelmäßig wiederholter Gebirgsaufenthalt wirktt henmen
f die Weiterentwicklung der Adernverkalkung. Gute Er
olge zeigen sich bei Kopsschmerzen, Nervenleiden nach Ver
etzungen, nervösem Asthma, Basedowscher Krankheit. Fü—
etztere empfiehlt sich eine längere Uebergangsdauer Au
alber Höhe, die Kurdauer beträgt 2—24 Monate. Auch be
erkranlungen an Schüttellähmung ·˖ bringt die Hochgebirgs
us in der Mehrzahl der Fälle Besserung.
Aus aller Welt.
Cholera in Spandau. Die Untersuchung der Span
auer choleraverdächtigen Erkrankungen ist boeichloisen
ZSie hat ergeben, daß bei der gestorbenen Frau und ihren
rkrankten Mann asiatische Cholera vorliegt. Der Ansted
ingsherd ist bislang nicht ermittelt. Es sind umsassendft
Raßnahmen getroffen, um eine Weiterverbreitung de
Zeuche zu verhindern. Zurzeit wird die Untersuchung dar
iber gejsührt, wie die Krankheitskteime in die Familie ge
ommen sind.
Spionitis. Die Nordseebäder werden nach zwei wei
seren Engländern abgesucht, die mit der Borkumer Spio
iage⸗Affäre in Verbindung stehen sollen, Die Untersuchun—
wird streng geheim geführt. In Emden ist der von der
erhafteten Spionen verlangte englische Rechtsbeistand ein
zetroffen, der erklärite, daß die Anklage auf Spionage sid
nicht werde aufrecht erhalten lassen. Anderersets verlau
et, die aufgesundenen Briefschaften der beiden seien d
irt kompromittierend, daß die beantragte Freilassung —
zerhafteten abschlägig beschieden worden sei.
„Studienreisen.“ Ein hervorragender türkischer Be
mter, der jüngst an einer Studienreise nach Italien teil
enommen hat, macht der Depeche Ottoman einige lriti
che Mitteilungen über den Wert solcher Reisen. Da di
ztichhaltigkeit dieser Ausführungen durchaus nicht nur au
ürlische Studienreisen beschränkt ist, geben wir fie mr ail
gemelnen Beachtung wieder. Ich reiste ab“, erklärte der
ürlische Beamte, „voll von Illussonen und in der feste—
Zzuversicht, was zu lernen. Ich bin heimgekehrt mit ei—
igen Illusionen weniger und ohne irgend etwas gelcrn
u haben Diese „Studien“Reisen machen uns schwinde
ig. Festessen Vormittags, Feste sen Nachmiltags, Festesser
Ibends! Dazwischen besichtigt man in aller Eile Fabri—
en, Wersten, Denkmäler, Auertümer, Stapelplätze, Arse—
iale und weiß Gott was noch alles. Von nichts erhaͤl
nan einen klaren bestimmten Eindruck, alles vereinigt sich
m Gehirn zu einem wüsten Chaos. Und des Nachis, do
zeht es, wenn man nicht vorher vor Müdigkeit oder vor
Schlaf umfällt, von einem Tingel-Tangel zum anderen
Denn die meisten Nächte haben wir im Schlafwagen ver—
bracht. Ich bewahre eine unklare, verworrene Erinnerung
an alles, was ich bewundern mußte, bewundern um jeden
Preis. Wir bewunderten bereits automatisch, mechanisch
Man nennt das studieren. Großkaufleute, Großindustrieil—
le, Großunternehmer zeiglen uns ihre Schähe, in der
Einbildung, wir würden nach un'erer Rückkehr ihre Ware
loben und ihnen Aufträge verschaffen. Ich muß gestehen
daß mir von dieser ganzen wundervollen Reise nichts ge
blieben ist als ein verdorbener Magen, der mich den gan
zen Sommer über zu strenger Diät nötigen wird.“
Glückliches Dienstmädchen! Erst jetzt ist es gelun
gen, den glücklichen Gewinner der 200 000 Franks des
Zauptgewinnes der Brüsseler Ausstellungslotierie ausfin
ig zu machen Die Glückliche ist ein Dienstmädchen na
nens Eugenie Bruinoghe, die aus Volleghen stammt.
)as Mädchen hatte das Los noch dazu als Prämie in
inem Kolonialwarengeschäft erhalien. Der gewiß recht
jolden Küchensee wird es an Hetratsanträgen wohl nicht
nehr fehlen.
Eine mörderische Ente. Im Berner „Bund“ isi
zu lesen: „Daß der Hund mit der Wurst übern Spucnapf
pringt und der Storch in der Lusft en Frosch verschlingt
— das sind alte Sachen. Daß aber eine Eute einen le
hendigen Sperling fängt und ihn frißt, das dürfte etwag
ziiemlich Nenes sein. Zugerragen hat es sich in dem haupt
ächlich von Enten bevölterten Schwanenteich der kleiner
Schanze in Bern, und zwar an enem Freitag Vormittacç
wischen 8 und 9 Uhr, und in Gegenwart mehrerer Zu
chauer, unter anderm auch einiger Schüler des städtischen
zymnasiums. Die Ente — anscheinend nicht einmal ein
»öser grüner Enterich, sondern eine unschuddweiße Dame —
xfatzte einen zu lecken Spatzen, der sich eines solchen
Jeberfalls nicht vorsah, tauchte den sich verzweifelt Wey
enden und Zappelnden ein paarmal und für mehrere
Zelunden unter Wasser, sei es, um ihn zu ersäusen, sei
s, um sich den Bissen nach bewährter Entenweise durch
zie Sauce schmackhafter zu machen. Und als der unglück
iche kleine Vogel endlich durch die erlittene Mißhandlung
dehrlos, keineswegs aber auch schon tot war, schlang da⸗
Mordvieh den zum letzten Mal kläglich Piepsenden kopf
»oran in den Schlund hinein. Die Zuschauer glaubien
uichts anderes als die Ente werde an dem besiederten
Bissen ersticken, von dem ihr noch die Schwanzfedern und
in Bein zum Schnabel herausstarrten. Aber nein! mil
Aielem Würgen brachte sie ihn hinunter ungefähr nach Art
der Schlangen, wenn sie eine Maus oder ein Kaninchen
erschlucken. Einer der Zuschauer tat, als die Ente den
3perling erschnappte, die Aeußerung: „Da hat sie schon
vieder einen!“ was vielleicht zu dem Schlu“e berechtigt,
D y⏑ Aroiten r FI

Mutker zů achten, eille sie dem Nusgang zu.
Gräfin Colssas nermochte ihr kaum rasch genug zu fol—
gen und konnte die 3ugierigen Fragen und teilnehmenden
Erkundigungen der anderen Damen, die auf dem Balkon
standen, nur mit einer verbindlichen Handbewegung, einem
bielsagenden Achselzucken beantworten.
Draußen saste sie aber mit etwas sehr energischer
Entschiedenheit den Arm ihrer Tochter. Fetzt bitte ich
aber um Haltung und Ruhe. Dort kommt Papa. Er wird
dich zum Wogen führen und dir vielleicht Beruhigendes
mitteilen. Ich muß einen Moment zurück, um mich bei der
Frau Herzogin zu verabschieden.“
Astrid war schon ganz gefaßt. Mit einem sonderbaren,
forschenden Blick sah sie ihrer Mutter nach. Langsam kehrte
die Röte wieder in ihr Antlitz zurück.
Graf Collas, welcher gleich nach dem unglücklichen
Sturz hinabgeeilt war, sich nach dem Verunglückten zu er⸗
kundigen, nahm zärtlich den Arm seiner Tochter. „Nun,
meine Puppe, es isi nicht so schlimm wie es aussah. Der—
gleichen Ueberschlagungen sehen immer so ganz besonders
entsetzlich aus, haben aber verhöltnismäßig selten schweres
Unglück zur Folge, besonders auf so weichem Grunde. Hoch—
burg ist mit einem Bruch des Schlüsselbeins und einer viel
schmerzhafteren Handverstauchung davongekommen. Von
Blück kann er freilich immerhin sagen.“
„O, das freut mich sehr Vaya das frout mich sehr.“
murmelte Astrid.
„Glaub's schon, lächelte der Graf befriedigt.
„Es sah so schaudervoll aus, Papa! Es war, als preßte
mir einer die ganze Luft aus der Kehle, als das riesenhafte
Pferd auf den Armen fiel. Er mußte ja zermalmt sein.“
„Nun, du hörst, mein Käterchen, daß er nicht zermalmt
ist und daß er sogar sofort, als er aus der Ohnmacht er—
wachte, nach dir fragte, ob du es gesehen habest und dich
Jehr erschrocken hättoft

„Ich muß ehrlich gestehben, daß ich da eine sehr über—
raschende Entdeckung an Astrid gemacht habe, eine Erfah—
tung, die mich peinlich berührt bei meiner Tochter,“ äuherta
die Gräfin später zu dem Gemahl, „sie ist sonst stets von
einer so durchaus vornehmen Haltung, daß ich das Kind
niner so unvornehmen Leidenschaft gar nicht fähig hielt.
Sie vergaß jede Rücksicht auf ihre Umgebung und zeigte ihre
Hefühle in einer Weise, wie es ein junges Mädchen ihres
Standes unter keinen Umständen sollte.“
Bedenko meine Sidonie.“ meinte der Grof dedanken

sresenden Ente gewesen; doch konnen wir hierüuber kein
zuverlässige Auskunft geben. Dagegen hat sich der eber
geschilderte Vorgang genau so zugetragen, wie wir ihr
erzählt haben. Und unsere verbrecherische Ente mit ihrei
perversen Gelüsten ist also im journalistischen Sinne kein
Ente. Man erinnert sich vielleicht, daß vor wenigen Mo
naten auch von einer Ente berichtet wurde, die iunge Kü
sen im Wasser ertränkte.
Genarrte Grenzbeamte. In dem deutschösterreichi
schen Grenzorte W. wurde die Zollbehörde, die aus dre
Personen bestand, anonym benachrichtigt, daß an einen
der folgenden Tage 14 Zentner Saffran über die Grenz—
Jeschmuggelt werden sollten. Alles geriet, so wird den
Dresdener Anzeiger“ geschrieben, sofort in fieberhafte Tä
tigkeit. Am übernächsten Morgen kam ein Geschirr, das
natürlich nun gründlich untersucht wurde. Doch alles um
sonstl Von dem schönen Saffran war keine Spur zu ent
decken. Nach ungefähr einer Stunde folgte ein zweite—
Fuhrwerk, das abermals eine e ngehende Untersuchung er
dulden mußte. So ging es fort, bis gegen 2 Uhr Nach
mittags eine Mietkutsche angehalten wurde. Die Polste
wurden entsernt und die Waͤnde abgeklopft. Als sich de
Fahrgast erstaunt über das seltsame Gebaren der Beamter
erkundigte, ersuhr er von der anonymen Anzeige und e
brach sogleich in ein schallendes Gelächter aus. Mit ver
dutzter Miene fragte schließlich ein Grenzer nach den
Grunde dieses Lachens. Er ahnte schon Unheil und sein
seine Spürnase sollte ihn diesmal nicht betrogen haben
denn der Fahrgast erzählte nun: „Meine Herren, Sie sinz
einent Witzbold zum Opfer gefallen, den ich leider selbs
nicht lenne. Ich heiße Saffran und das Gewicht wir—
auch stimmen; denn ich wiege ungefähr 14 Zentner.“ Di
langen Gesichter, mit denen nun die Zollbeamten abzo
gen, lassen sich kaum beschreiben. Aber etwas brachte ihr
Aufmerksamkeit doch ein. Am Abend lud sie der über di—
Grenze gepaschte, 14 Zentner schwere Saffran zu einer
Schoppen ein. J
Eisenbahnunglück. Ein schwerer Eifenbahnunfall hal
sich im Bahnhofe von Rho, 13 Kilometer von Mailans
xutfernt, zugetragen. Die Maschine und der erste Wagel
eires Zuges stürzten in einen Graben. Der Maschinist un'
ber Heizer wurden von der Lolomotive erdrückt. 19 Per
sonen schwer verletzt.
Unredliche Beamte. Der Seineprä'e't hat 13 altiv
Beamte, die die Stadt Paris durch betrigerische Ver
gehen um eine halbe Million Franks geschädigt haben
abgesetzt. Es heißt, daß das Treiben dieser unredlichern
Beamten, die von mehreren Großfrachtern bestochen wor
ben waren, bereits seit mehreren Jahren gedauet habe
Gleichzeitig wurde gegen diese Beamte die üracrechtlich
Uniersuchung eingele tet.
Die Cholera. In den letzten 24 Ssunden wurde in
Andria eine Erkranlung und ein Todesall an Choler—
estgestellt, in Trani eine Erkrankung und drei Todesfäl'e
u Barletta sechs Erkrankungen und vier Todesfälte, ir
heletta zwei Erlranlungen, in Canera di Puglia und ir
Bitontaje ein choleraverdächtiger Fall. In Berignala sind
zwei choleraverdachtige Fälle vorgelommen, in Trinitapol
sünf Erlransungen, in Margherita di Savoia eine Er
ransung und drei Todesfälle und ein choleraverdächtige—
Fall. Aus den übrigen Gemeinden der Provinzen Bar
und XFoonia rden kfeine weiteren Fäslle gemeldet

Der Kampf um die Weltausstellung.
Aus New⸗York wird geschrieben: Um die Veranstal
iung einer Weltausstellung, die im Jahre 1915 staitfinder
soll, bewerben sich San Franzisko und New-Orleaus. De—
Kampf ist bisher unentschieden und der letzte Kongreß is
auseinandergegangen, ohne daß die Sachlage geklärt wor
den wäre. Dem Kongreß lagen, wie die „Ständige Aus
tellungskommission für die deutsche Industrie“ mitteilt
wei identische, sowohl im Repräsentantenhaus, wie in
Senat eingebrachte Resolutionen vor, die den Präsidenter
anweisen, die fremden Mächte zur Beschickung einer Welt
ausstellung in dem einen Falle in San Franzisko
im anderen in New⸗-Orleans einzuladen, sobald die be
reffende Stadt für den Zweck 5 Millionen Dollars in
Subskriptionswege ausgebracht habe. Beide Städte über
boten sich nun in ihren Anerbietungen für den Fall, das
sür die eine oder die andere entschieden würde. Das Re—
»räsentantenhaus hat nun die Sache bis zum nachster
stongreß vertagt, offenbar, weil man an die heikle Frage
ticht herangehen wollte, zumal auch die Kommission beid
Kesolutionen dem Hause empfehlend vorgelegt hatte. Der
Zenat scheint sich überhaupt noch nicht damit beschäsft'g
zu haben. Die Zwischenzeit bis zum nächsten Kongre;
dürfte von beiden rivalisierenden Städten, falls nicht noc
indere auf dem Plan erscheinen, mit einer lebhaften Re
lame für die betrefsende Stadt und mit Propaganda fü
Altienzeichnung ausgefüllt werden. In San Franzist
ollen bisher über 6 Millionen gezeichnet sein, und mar
erwartet, durch Subskriptionen und städtische und staat
iche Subventionen sicher insgesamt 124 Millionen auf
zringen und tatsächlich auf jede Unterstützung von Seite
»es Bundes verzichten zu können, was man — wenigsten⸗
in San Franzisko — bei New-Orleans für völlig ausae
chlossen hält
Forech. Richter: „Das war doch ein Besiechungsver—
uch, als Sie dem Nachtwächter die Zigarre anboten! 7
— —
** udu

* x e257—';”——[c—
vol seinen weißen Bart streichend „daß es sich hier woh⸗
mehr um Schreck und Ueberraschung, als gerade um Gefühlt
handelte — mehr „Nerven⸗“ als „Herzsache“ sein könnte.
dergleichen aber, ich meine erschreckte Nerven, lassen sich weit
ichwerer beherrschen als tiefergehende Empfindungen.“
Die Gräfin runzelte leicht die Brauen. Ein seltsam
grausamer Ausdruck legte sich um ihre Lippen, der sie um
Fahre gealtert erscheinen ließ. „Um so schlimmer für sie
wenn sie zu den Frauen gehört, die sich und andere durd
ihre Nerven kompromittieren und ihr Herz muß dann dafür
büßen,“ sagte sie traurig, „mein Kind ist mir heute einen
Moment lang ganz fremd gewesen. — Ich möchte das nich?
wieder erleben . ————
— ———
8 6846340 * ——

Weit draußen in der Köpenickerstraße, ziemlich in
ältesten Teil derselben, lag zwischen riesigen, schwarzer
Mietskasernen ein kleines, sonderbares Häuschen. Es was
so klein und schmal und bescheiden, daß es fast zerdrückt unl
zerquetscht schien von den breiten Mauern zu beiden Seiten,
die es überragten. Es hatte nur zwei Fenster Front, im
ganzen vier. Zwei zu ebener Erde, sehr nahe am Boden, fafl
wie etwas hochmütig gewordene Kellerfenster, und zwei dar
über, im „ersten Stock“ sozusagen.
Hinter diesen Fenstern wohnte unten Herr Kern und
»ben, wo es wärmer war, sein uraltes Mütterchen, das am
Stock ging und schon sehr, sehr zitterig war, aber klarer
Auges und hellen Geistes.
Herr Kern stieg, selbst oft recht elend, abgehetzt und
müde, tagtäglich viermal die kleine, steile Treppe hinaus
und hinunter und trug sein altes Mütterlein zu den Mahl.
zeiten in das Eßzimmer und wieder hinauf, denn die alte
Frau war sehr gern unter Menschen und mußte doch dann
ihre Ruhe wieder haben und ihre Wärme in ihror
Stübchen.
Im Eßzimmer waren Frau Kern und Lina beschäftigt,
die letzte Hand an den gedeckten Tisch zu legen. Ling war
schon geburtstäglich angekleidet, in ihrem schwarzen Einseg
nungskleide, mit einem reizenden Fuchsienstrauß im Gürtel!
und ein paar der rosigen Glöckchen im glänzend schwarzen
Haar, Ihre vollen, Wangen blühten im allergefundester
Rot, das auch ihren kleinen Grübchenhänden, zu ihrem eige
nen leisen Bedauern, anhaftete, denn Lina war von früb
432 f66t mit diesen Sänden hoi ijeder Gqusarhoitf
            
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