Full text : Dudweiler Zeitung

Die Zimmerer und Bauhilfsarbeiter.
Im Gewerkschaftshause tagten auch die stark besuch—
ein Kongresse der Zimmerer und der Bauhilfsarbei—
er. Beide waren in der energischen Ablehnung des neuen
Lertragsentwurss einig und auch entschlossen, in den Streil
inzutreien, wenn eine Einigung nicht zustande klommt.

HDie Bauarbelter haben Dienstag Vormittag
in geheimen Sitzungen über die Lage im Baugewerbe be—
raten. Die Stimmung ist kriegerisch und der vorgelegte
Tarifentwurf wird jedenfalls abgelehnt werden, doch sind
die Berliner Arbeiter bereit, über einen neuen Tarif von
neuem zu verhaudeln. Die Arbeiter lehnen einen Abschluß
der Tarifverträge durch die Zentralporstände ab und wol—
len die örtliche Organisation entscheiden lassen. Ae

Rrbeiterbewegung.
30909 1ische Arbeiter un Handwerker in
Berlin hielten eine Protestversammlung ab wegen der Ab—
lehnung der von ihnen gestellten Lohnforderungen. Es
wurde mitgeteilt, daß die Arbeiterausschüsse der städtischer
Betriebe sich aufgelöst hätten, weil ihre Anträge doch nich
berücksichtigt würden. In einer Resolution wird aufge
fordert, fir den Verband der Gemeinde- und Staats-Ar—
heiter zu agitieren und im gegebegen Augenblick den Kampf
ür bessere Lebensbedingungen aufzunehmen.
Zum Ausstand der Seeleute. Aus Paris wird
herichtet: Kabineltschef Briand verfügte im Einvergeh
nen mit dem Marineminister und dem Marine-Unterstaats
ekretaär eine Anzahl Maßregeln und Verordnungen, di
bezwecken, den Ausstand der eingeschriebenen Seeleute beb
zulegen und eine Verständiguag anzubahnen. Der Unter—
taatssekretär ist nach Marseille abgereist. Briand erklärte
im Laufe einer Unlerredung mit dem Kriegsminister, die
Regierung sei den Seeleuten gegenüber stets zur Versöhn
ung bis zur äußersten Grenze bereit gewesen Sie habe,
um neue Ausschreitungen in Zukunft zu verhindern, soge—
nannte Schiffs-Ausschüsse eingesetzt und zwischen beiden
Parteien sei vereinbart worden, daß keine auf eigene Faus
handeln, sondern daß alle Streitfälle diesen Ausschüssen
interbreiset werden sollen. Die Seeleute hätten diesen Ver
einbarungen zugestimmt und sich verpflichtet, keinen Aus,
tand zu verügen und abzuwarten, bis ein endgültiger
Entschluß der Regierung über die jeweiligen Steitfälle
getroffen sei. Durch den Zwischenfall mit dem Dampfer
„Moulouya“ seien alle diese Abmachungen über Bord ge—
worsen worden. Schuld daran trügen einzig und allein
die eingeschriebenen Seeleute. Ihre Haltung sei nicht zu
entschuldigen. Es handle sich um eine dreiste Herausfor
derung und es sei Pflicht der Regierung, mit allen ge
setzlichen Maßregeln ihnen eatgegen zu treten. Die Re—
gierung dürfe nicht nachgeben und sie werde es auch
nicht. Sie sei fest entschlossen, nicht mit verschränkten
Armen zuzusehen, wie die französische KauffahrteFlotte
dem Verfall entgegen geführt werde. Die Regierung
werde durch Aufrechterhaltung der Disziplia nicht nur die
nationalen Interessen, sondern auch die Interessen der ein—
geschriebenen Seeleute in ausreichender Weise wahren. Vor
Alen Dingen haudle es sich darum, Maßnahmen zu tref
fen, um ein Stocken der Verkehrsverbindungen zu verhü
ten. So habe z. B. die Regierung verfügt, zur Beförde
rung der Post und Aufrechterhaltung der wichtigsten Ver
bindungen Kriegsschiffe zu verwenden. Der Unterstaats—
sekretär im Marine-Ministerium richtete vor seiner Abreise
eine Note an die Seeleute, worin er darauf hinweist, daß
der Ausstand vom Zaune gebrochen und nur das Wer!l
einiger Ruhestörer sei. Die Regierung habe in dieser An
gelegenheit ihre volle Pflicht agetan

Von der Luftschiffahrt,
*Ein neuer Ballonunfall. Der am Sonn
ag Vormittag in Breslau bei heftigem Winde aufgestie
zene Luftballon „Schlesien“ mit Universitätsprofessor Abeg—
als Führer, dessen Frau und einer Verwandten, sowi
daufmann Karl Gerstel als Begleiter, landete Nachmit
ags bei Cratzig in der Provinz Pommern. Als die Passa
ziere ausgestiegen, wurde der Ballon durch einen Wind
toß losgerissen und mit dem Führer nordwestlich getrie
zen. Bei Tessin abermals niedergehend, stürzte die Gon
zel um. Der Führer Abegg wurde herausgeschleudert und
rlitt einen schweren Schädelbruch. Er ist abends im Kös—
iner Krankenhaus verstorben. Der Verunglückte war 41
Jahre alt und sollte im Oktober die etatsmäßige Profes—
ur für organische Chemie an der neugegründeten Bres
auer Technischen Hochschule übernehmen. Er war Vor
itzender des Schlesischen Vereins für Luftschiffahrt.
*Ein neuer Baustoff für Luftschiff—
ahrtszwecke. Die jüngste Entwickelung der Luft
chiffahrt hat der Erfindertätigkeit auf den verschiedenster
Bebieten mannigfache Anregung gegeben. Von den vieler.
teuen Materialien, die bisher als Baustoffe für Lufftschiffe
zorgeichlagen wurden, verdient eine Erfindung, die einem
Ingenieur in Rotterdam kürzlich patentiert wurde. das
Interesse weiterer Kreise. Der Baustoff besteht, laut „Frkf
Ztg.“, im wesentlichen aus einem Metallgerippe, etwe
einem Metalldrahtgewebe oder einer dicht durchlöcherter
Metallplatte, deren Löcher oder Zwischenräume mit eine,
Zchicht oder mehreren Schichten eines Klehemittels que——
icyt

—e Pano ves Gradsen zeigte noch imin.er
nach der Tüv. Siegfried konnte dies letzte, äußerste nicht
bvegreifen. Konnie der Vater es wirklich übers Herz bringen,
seinen einzigen Sohn für immer gehen zu heißen? Auf die—
sen Ausgang des Streites war Siegfried allerdings nicht
gefaßt gewesen. Heiß quoll die Liebe zur Heimat in sei—
nem Herzen empor, es war, als würgte ihn etwas an der
Kehle, brennend stieg es ihm in die Augen, und unfähig,
sich länger. zu beherrschen, schlug exv die Hände vors Ge—
icht

„Ha, Du Memme, Du Feigling,“ schrie der Graf, den
diese Bewegung aufs äußerste erboste, „ sort, — hinaus,
mus meinen Augen, —“
„Vater, nimm dies Wort zurück,“ rief Siegfried, „es
nüßte uns für immer trennen, — nimm es zurück!“
„Nichts nehme ich zurück!t — Geh, und wenn Du Dich
auf Dich selbst und auf das, was Du Deinen Eltern schul—
dest, besonnen haben wirst, wenn Du gewillt bist, zu tun,
was ich von Dir fordere, dann kehre zurück, ich werde dann
yersuchen, Dir zu verzeihen!“ *
„Und dies, — dies ist Dein letztes Wort, Vater?“
„Ewald, besinne Dich!“ schrie die Gräfin auf.
„So wahr ich Graf Düren heiße, es ist mein letztes
Vort!“ rief der Graf, ohne den Einwurjf seiner Gattin zu
eachten.
„Wagst Du es, meinem Willen zu trotzen, und mit —
tener den Bund fürs Leben zu schließen, so betrachte Dich
als ausgestoßen, Du lösest Dich damit selbst von uns los
und bist tot für uns, — mußt tot sein, — ich habe dann
keinen Sohn mehr! Du hast zu wählen zwischen ihr und
uns, etwas anderes gibt es nicht! Merke Dir das wohl,
denn Du wirst mich unerbittlich finden. Solltest Du es wa—
gen, noch einmal an meine Tür zu klopfen, — ich kenne Dich
nicht mehr!“
Siegfried stürzte fort. Einen letzten Blick warf er auf
seine Mutter, die laut aufschrie. Aber er sah es nicht mehr,
wie sie ohnmächtig in ihren Sessel zurücksaann. —
Der Fürst solgte ihm. J
Graf Düren versuchte vergebens, seine Gattin aufzurich⸗
en. Er rief nach Hilfe, und Beatrice war die erste, die
ilends herbeistürzte.
„Um Gotteswillen, was ist denn geschehen?“ rief das
unge Mädchen höchst erschrocken.
„Später, — später, Du sollst alles erfahren, nur hilf
mir jetzt. Rufe jemand von den Dienstboten, damit wir die
arme Frau wieder zum Bewußtsein bringen!“
Man trug die Gräfin nach ihrem Zimmer und leate sie
dort auf das Bett nieder. Als sie wieder zu sich kam, galt
hre erste Frage dem Sohn. Jetzt erst erfuhr Begtrice, die

itfe werden. /Als Fuüllmittel verwendet der Erfinder
Lösungen von Acetylcellulosen oder verwandten Verbind—
ingen in Essigäther, Aceton oder anderen geeianeten Lös
ingsmitteln. Nach dem Eintrocknen der Lösung erhäl—
man eine dichte, feste Platte, die außerdem sehr leicht
wasser⸗- und gasdicht ist. Eia weiterer wesentlicher Vor—
zug vor anderen Materialien ist, daß das Füllmaterial
nicht brennbar ist.
*Verunglückter Flieger. Der österreichische
Aviatiker Hyronimus ist in Brünn bei einem
Probeflug verunglückt. Infolge starken Windes kippte sein
Apparat um und stürzte aus einer Höhe von etwa neun
Metern zu Boden. Der Apparat ging in Trümmer.

Lokales und Vermischtes.
Dudweiler, den 6. April 1910.
Beilage. Unserer heutigen Zeitung liegt Nummer 1
er Landwirtschaftlichen und Handelszeitung bei. Sie bietet
eine große Menge lehrreichen und wissenswerten Stoffes.
Wir hoffen, daß sie bei unseren Lesern Beifall finden wird.
Versammlung. Der Verband der Kommunalbeamten
m Saargebiet hält am nächsten Sonntag, 10. ds. Mis.,
u Ottweiler, im Kaiserhof, eine Mitgliederversammluug ab
die Tagesordnung ist eine umfangreiche und bei dem gro—
zen Interesse und den lebhaften Sympathien, die die Ver—
inigung bei den Anstellungsbehörden sowohl wie bei der
zemeindebeamtenschaft erfreulicher Weise genießt, ist ein
ahlreicher Besuch garantiert. Der Verband hat mit politi—
chen Dingen nichts zu tun, er ist lediglich wirtschaftlicher
Zerband zum Zwecke bessere Existenzbedingungen für sein
Mitglieder, auskömmliche Fürsorge für diese selbst im Fall
der Dienstunfähigkeit und Versorgung ihrer Hinterbliebener
u erreichen. Dabei will er die berufliche Ausbildung seine:
Nitglieder und des heranwachsenden Beamtenstandes fördern
Der Verband lehnt es ab, sich in die innere Disziplin der
Bemeindeverwaltungen einzumischen. Er will keinen Gegen—
'atz begründen zwischen den Gemeindeverwaltungen und den
Hemeindebeamten, im Gegenteil, er will auf sein stets gutes
Sinvernehmen hinwirken, er will die Autorität der Verwal—
ung stärken und seine Mitglieder zu pflichttreuen Beamter
erziehen, wie er denn auch die Ziele, die er sich gestellt hat
unicht gegen die Behörden, sondern im besten Einvernehmer
nit ihnen erreichen will.
Knappschaftliches. An Stelle der am 1. April pen—
ijonierten Knappschaftsältesten Nik. Serwe und Johanr
resmeister und an Stelle des pensionierten Knappschafts—
iltesten Peter Schminke 2. wurden für Serwe dessen Er—
atzmann Peter Birtol 2. aus Krettnich als Knappschafts.
ltester fir den Sprengel Nr. 4, für Lesmeister dessen Er—
atzmann Jakob Göttel 2. aus Ramstein als Knappschafts
ltester für den Sprengel Nr. 103 und für Schminke 2
essen Ersatzmann Heinrich Weber 2. aus Dudweiler alt
enappschaftsältester für den Sprengel Nr. 62 vom Soar
rücker Knappschaftsverein verpflichtet.
Neue Titel. Die nicht handwerksmäßig vorgebildeter
zeizer haben fortan die Amtsbezeichnung „Feuermann“ und
— bis zur etatsmäßigen Anstellung — „Hilfsfeuermann“
u führen, während die handwerksmäßig vorgebildeten Be—
mten und Hilfsbeamten ihre bisherigen Amtsbezeichnunge:
ehalten. Die ständig und ausschließlich im Dienst eines
okomotivheizers beschäftigten Lokomotivheizer sind jedoch
inftig als „Reserve-Lekomotioführer“ zu bezeichnen.
Gewandte Taschendiebe. Außer dem Herzog vor
Aleans und seinen Begleitern, denen verschiedene Gegen
tände während der heiligen Woche in Sevilla gestohlen sind
purden über 530 wohlhabende Ausländer von Taschendieber
un allerlei kostbare Gegenstände erleichtert. Man vermutet.
aß eine Bande englifcher Taschendiebe sich Sevilla als er—
olgreiches Operationsfeld ausgesucht hat. Einem Ameri—
kaner wurde der goldene Kneifer von der Nase weggestohlen!
Er sah ihn wohl verschwinden, konnte aber trotzdem keine
der ihn umgebenden Personen als den Dieb bezeichnen
Zervorzuheben ist, daß die Stadt Sevilla bei einer Ein—
vohnerzahl von 150 000 Seelen über ganze 12 Detektivse
derfügt.
Von einer Einlegung von Feierschichten, zu der
auch die Königliche Bergwerksdirektion Saarbrücken in der
etzten Zeit infolge der anhaltenden Absaßzstockung sich leider
viederholt gezwungen gesehen hat, sind auch die Bergleute
»er westfälischen und oberschlesischen Gruben nicht nur
»erschont geblieben, sondern in viel höherem Maße betrof—
en worden. Nach uns vorliegenden zuverlässigen Zeitungs
neldungen haben z. B. in Westfalen etwa 30 Zechen eine
zeierschicht, 22 Zechen zwei Feierschichten, 14 Zechendrei
reierschichten und eine Zeche sogar vier Feierschichten im
Monat März einlegen müssen. Aus diesen Zahlen mögen
insere Saarbergleute ersehen, daß auch ihre Kameraden in
inderen Bergbaurevieren Deutschlands uuter dem allge—
einen wirtschaftlichen Niedergang in der heutigen schlech—

nicht von dem Lager wich, was vorgefallen, und ihre Trä—⸗
nen mischten sich mit denen der unglücklichen Mutter.
„Sei ruhig, Luise,“ tröstete der Graf die schwergebeugte
Zattin, „daß ich nicht anders handeln konnte, das siehsi Du
doch ein, nicht wahr?“
Sie sah es nun zwar nicht ein, aber, gewohnt, sich in
allen Dingen dem Willen des reizbaren Gatten unterzuord⸗
ien, und alles für recht zu halten, was er tat, wagte sie
uuch jetzt keinen Widerspruch, sondern nickte nur stumm mit
dem Kopfe.
Die Gräfin verfiel in ein schweres Nervenfieber, das
ze lange an das Bett fesselte, und den schwachen Lebens—
unken zu verlöschen drohte. Beatrice hatte schon am ersten
Tage den Gedanken, nach Hause zurückzukehren zu wollen,
ufgegeben, sie fühlte, daß sie hier nötig war, daß sie nützen
onnte, und das tat ihrem Herzen ungemein wohl. In der
Tat wurde die Kranke stets ruhiger, wenn Beatrice ihr die
veiche, kühle Hand auf die Stirn kegte und in ihrer sanf—
en Weise, sie zu trösten versuchte. Freilich verfiel die Grä—
iin auch wieder in wilde Fieberphantasien, sie rief unab—
sässig Siegfrieds Namen, bald laut, bald leise, aber immer
n den zärtlichsten Ausdrücken.
Der Graf versuchte, so gut er es vermochte, die Lei—
zende zu tröstenz Nie hatte man ihn so mild gesehen, als
n diesen Tagen.
„Dein Siegfried wird zurückkehren,“ behauptete er stets
‚denke doch, er ist nicht viel mehr als ein Bettiler, wenn ich
neine Hand von ihm abziehe; er kann doch nicht im Ernst
daran denken, einen eigenen Hausstand zu gründen, das
kostet Geld, und er besitzt ja nichts. Außerdem würde ihm
seine Auserkorene wahrscheinlich ins Gesicht lachen, wenn er,
von allen Geldmitteln entblößt, vor sie hintreten wollte und
ihr nichts bieten köunte als sein bischen Liebe. Sie wird
auf den Grafentitel spekuliert haben und auf das Vermögen,
von dem Siegfried ihr sicher erzählt hat. Der Junge war
'a nicht zahm zu kriegen; nun wird er einsehen, daß es sich
ohne Geld schlecht leben läßt. Gieb nur acht, er kehrt reu—
nütig zu uns zurück, wenn seine Schöne ihn abfahren läßt,
ind alles wird wieder aut werden ——
Aver“, meinte die Grafm dann stets, „Jjene — jene
dame verdient ja selbst bedeutende Summen, wie, wenn üe
daraufhin ihren Hausstand gründeten?“
„Nein, nein, Luise, das wird Siegfried niemals tun.
Um sich von seiner Frau ernähren zu lassen, dazu ift er zu
tolz. Wenn er sich wirklich so tief erniedrigte, dant — —“
Er vollendete nicht, ein Blick auf das bleiche Gesicht der
dranken ließ ihn verstummen.
Die Gräfin war nur halb überzeugt.
Sieglried wird sich aber bald einen eigenen Erwerb

ten Zeit sehr zu leiden haben und zwar fast durchweg mehr
als die Saarbergleute. GBergmsfrd.“
Feldgraue (graugrüne) Uniformen. Da durch einer
fFrlaß vom 13. Dezember 1909 die Felduniformen der
»eutschen Armee auch im Frieden zu tragen ist, bestimm—
etzt eine kaiserliche Kabinettsordre folgendes: Es gelangen
ur Einführung für Offiziere und Sanitätsoffiziere neber
en jetzigen gleichartigen Stücken Waffenröcke, Attilas
Ulankas und Stiefelhosen von feldgrauer, bei den Schützen
uind Jägern von graugrünex Farbe, für Maschinengewehr—
ibteilungen neben den bisherigen Waffenröcken solche neuen
Schnittes mit Kragen und Aermelaufschlägen — für Mann—
chaften auch mit Schulterklappen — aus Grundtuch sowie
mit matten Kronenknöpfen und für Kürassiere statt des
seldgrauen Kollers ein feldgrauer Waffenrock. Für Jäger
u Pferde und Stabsordonnanzen fällt der Koller fort. Die
Iffiziere erhalten neben dem jetzigen Waffenrock einen solchen
nit hellgrünem Bortenbesatz und mit Kronenknbpfen. An
Stelle der jetzigen Knöpfe am Waffenrock der Mannschaften
reteu matte Kronenknöpfe. Jeder Offizier muß über eine
eldgraue Uniform verfügen. Für den Mobilmachungsfall
seht es dem Offizier wie bisher frei, sich die Hergabe der
e.dgrauen Uniform aus Mannschaftsbeständen zu sichern, für
»en Friedensgebrauch muß er sie sich selbst beschaffen.
Wie man seine Kinder verzieht! Selbverständlich
zewiß dann, wenn man ihnen allen Willen tut. Läßt man
en heranwachsenden Kindern alles zu, was sie wollen,
die es besonders gern die Großeltern mit ihren Enkelkin—
ern machen, so ist im Hause die verkehrte Welt; nicht die
tzrwachsenen gebieten und die Kinder gehorchen, sondern
ingekehrt; die Kinder befehlen und die Alten gehorchen.
die Kinder werden auch dadurch verzogen, daß die Eltern
der Kleidung und dergl. sich unter die Kinder stellen. Es
t gewiß recht, daß man seine Kinder ordentlich, sauber
nd nett kleidet, aber es ist verkehrt, wenn die Mutter ihr
chterchen schöner kleidet als sich selbst. Es ist gewiß
ötig und erfreulich, daß die Eltern recht für ihre Kinder
yxgen, aber es ist verkehrt, wenn die Mutter das Geschirr
däscht und die Tochter häkelt oder stickt unterdessen, oder wenn
ie Mutter Schuhe wichst und die Tochter unterdessen Klavier
pielt. Nicht Herrchen und Dämchen wollen wir erziehen,
ondern bescheidene, arbeitslustige, zufriedene Männer und
Frauen; so wird des Hauses Glück recht aufgebaut.
Von einem Löwen zerfleischt Im Tierpark in Un—
erburg bei Nürnberg spielte sich eine aufregende Szene ab.
kinige Kinder hatten sich dicht vor dem Löwenkäfig ange—
ammelt, um der Fütterung der Raubtiere beizuwohnen
Plötzlich schnellte eine der Löwinnen mit einem gewaltiger
Sprung an dem Gitter empor und erfaßte ein Mädchen mir
den Tatzen an den Kleidern. Dem Kinde wurden die
Kleider vom Leibe gerissen, so daß es mit dem Schrecken
davonkam. Aber schon im nächsten Augenblick hatte die
Löwin einen neben dem Mädchen stehenden Knaben erfaß!
und zerfleischte ihm den Arm und die linke Gesichtshälfte
Der herbeigeeilte Bändiger zwang das wütende Tier mi
der Peitsche, von seinem Opfer abzulassen. Der blutüber—
strömte Knabe wurde seinen Eltern zugeführt.
Personalnachrichten. Folgende Hilfssteiger sind vom
l. April d. J. ab bei den in beigefügten Werken zu Stei—
gern ernannt worden: Jakob Mohr (Camphausen); Konrad
WValter (Göttelborn); Wilhelm Umlauf, Otto Busse, Karl
zticher Meden); Jakob Lorang, Peter Andre GGerhard)
ind Albert Wagner (Sulzbach). (Brgmsfrd.)
Theater. Die „Heimat“ von Sudermann gelangte
estern abend im Nassauerhof zur Aufführung. Es war zu
emerken, daß Heimat von seiner Anziehungskraft nichte
erloren hat. Das Publikum hatte sich zahlreich eingefun—
en, nur der Sperrsitz wies noch manche freie Plätze auf
die Hauptrolle (Magda) spielte Frl. Granzius mit der nö—
igen Empfindung und überraschte uns im 3. Akte durch
greifende Momente im Spiel, sowie im Sprechen, was uns
ieder die guten Anlagen der Künstlerin bewies. Herr
dohr in der Rolle des Oberstleutnants Schwartze griff eben⸗
o geschickt in die Handlung ein und zwar sehr vorsichtig
bwägend im Denken, Reden und Handeln. Unbestritter
nuß noch ein Hauptverdienst Frl. Kretzer zugeschrieben
verdeu, die als Marie ihre Rolle bis in das Kleinste le—
nenswahr gestaltete. Nicht unerwähnt wollen wir lassen
herr von Beek als Pfarrer Heffterdingk, er ließ es ebeu—
alls nicht an Eifer und Geschick fehlen. Nur wäre be
»em betreffenden Herrn, sowie bei manchen andern Mit—
zliedern ein etwas lauteres Sprechen am Platze. Die
ibrigen Rollen waren alle aufs beste besetzt, so daß ein
abgerundetes und wahrheitsgetreues Zusammenspiel zustande
tam; das Publikum folgte den Ereignissen auf der Bühn«
mit sichtliche Spannung, die an den Aktschlüssen durch leb—
jafte Beifallsstürme ausgelöst wurde. — Die nächste Vor—
tellung findet Donnerstag, den 7. April statt. Sie bring
Fielseitigen Wünschen entsprechend das hier so beliebte
WVerk — „Das Gänsegretel von Fechingen“, oder „Der letzte
«ürst von Saarbrücken“. Genanntes Stück ist nach doer

suchen,“ sagte sie seufzeno.
Ach was, das wird ihn nicht gelingen.
Solche und ähnliche Gespräche wurden häufig zwischen
den Ehegatten geführt, keines mochte es dem andern einge—
tehen, wie die Hoffnung, Siegfried werde wiederkommen,
nehr und mehr dahinschwand. Als es der Gräfin besser
zing, und Beatrice daran dachte, zu ihren Angehörigen zu—
rückzukehren, da zeigte es sich, daß dies vorläufig nicht an—
ging. Die Kranke regte der bloße Gedanke, Beatrice nich
nehr um sich haben zu können, derart auf, daß die junge
Dame, um die Gräfin zu beruhigen, erklärte, das Schlof
nicht eher verlassen zu wollen, bis die Tante sie sortschicker
würde. So blieb die Komtesse und bemühte sich, die finste—
ren Schatten zu bannen, die in allen Winkeln des großen
dauses zu lauern schienen.
Als die Gräfin das Bett wieder verlassen durfte, fie!
)raußen schon der erste Schnee, aber nicht die leiseste Nach⸗
icht war bisher von Siegfried eingetroffen. Man hatte sich
in stillschweigendem Uebereinkommen daran gewöhnt, den
Namen des Verschollenen nicht mehr zu nennen. /
In den Abendstunden versammelte sich gewöhnlich die
zanze Familie, zu der auch Lothar und seine Mutter ge—
hörten, im Salon der Gräfin. Es war ein gemütliches,
tilvoll eingerichtetes Gemach; man saß, von allen möglichen
dingen plaudernd, am flackernden Kaminfeuer und schien
zanz zufrieden zu sein. Und doch beschäftigte jeden einzel⸗
ien im stillen die Frage, wo Siegfried weilen mochte.
Am meisten benunruhigte Lothar die Ungewißheit über
Ziegfrieds Schicksal, er hätte gar zu gern erfahren, wohin
her verstoßene Sohn sich gewandt und ob er wirklich das
Mädchen geheiratet habe, um dessen willen er Familie, Hei⸗
nat umd alles, was damit zusammenhing. im Stich age—
assen.
Wenn das zurral, so eröffnete sich für Lothar eine um
Jeuer vorteilhafte Aussicht. Er durste nicht nur hoffen, Bea—
rice mit der Zeit für sich zu gewinnen, sondern, wenn Sieg—
fried verschollen blieb oder seinem Vater zum Trotz die
Zängerin geheiratet hatte, so durfte sich Lothar sogar als
den Erben der ungeheuren Reichtümer betrachten, da nähere
Verwandten nicht existierten.
„Man muß es nur richtig anzupacken verstehen“, sagte
zie Frau Präsidentin stets zu ihrem Sohn. „Er wäre dock
in ümerhörter Glücksfall, wenn Dir das ganze reiche Erbe
dunvermutet in den Schoß fiele. Du mußt Dich dem Gra—
en unentbehrlich zu machen suchen. Vorläufig solltest Di
och einmal so ganz im geheimen Erkundigungen einziehen
eigentlich aus dem versoaerer Soh gaeworden

thronik von Saarbrücken und Umgebung nach wahrheits⸗
zetreuen Tatsachen geschrieben, und dürfte deshalb für jeden
zewohner von Dudweiler und Umgebung sehr interessant
in empfehlen den Besuch dieses Stückes aufs Beste,
Polzeibericht. Ein Portemonnaie mit 21 M. und
oüterabfertigungsschein der Eisenbahndir. Kolmar Inhall
ing verloren.
Ein Eingesandt des Bezirkskartell der christl. Gewerk—
chaften kam für die heutige Nummer zu spät und mußte
ür morgen zurückgestellt werden.
Saarbrücken, 4. April. Die schwere Bluttat, die in
der Nacht vom 2. zum 3. Jau. ds. Irs. in Büren bei
Dillingen verübt wurde, war Gegenstand der ersten Ver—
sandlunb der zweiten Schwurgerichts-Periode des Jahres
„910. Angeklagt war der Schneider Peter Ludwig aus
züren, den Tod eines Menschen herbeigeführt zu haben
Der Angeklagte hatte in der Nacht vom 2. zum 3. Jan.
»8. Irs. den Gefreiten Müller mit einem Seitengewehr
n den Unterleib gestochen und ihm dadurch so erhebliche
Verletzungen beigebracht, daß Müller nach wenigen Stun—
en verschied. Der Tatbestand ist kurz folgender: Ludwig
var am Abend des 2. 'Jan. nach Itzbach gegangen, um
ꝛiner Theatervorstellung im Lokale des Wirtes Altmeyer
eizuwohnen. Bei dieser Gelegenheit kam er wit jungen
Leuten zusammen, die mit ihm ihren Scherz trieben. U. a.
vnrde dem Angeklagten der Hut weggenommen, ein Mäd—
hen, das Uniformstücke des Gefreiten Müller angelegt
jatte, erkärte ihn für verhaftet usw. Dieser harmlose
Scherz hatte einen unangenehmen Ausgang. Durch die
dänseleien war dem Angekiagten der Hut abhanden ge—
ommen, und er machte seinem Unmut daröber als Feier—
abend geboten war, Luft, indem er weidlich auf die jungen
Burschen schimpfte. Das ließen diese sich nicht gefallen,
und der Angeklagte bekam vor der Wirtschaft einen Schlag
ins Gesicht, auch wurde mit einem Stein nach ihm ge—
vorfen. Zu Weiterungen führte das Vorkommnis zunächst
richt. Der Angeklagte eilte sofort nach Hause, um sein
im Tage vorher geschliffenes Seitengewehr zu holen. Als
r zurückkam, traf er die jungen Leute, unter denen sich
uch der Gefreite Müller befand. Auf diesen ging der
sngeklagte los und stach ihm sofort mit dem Seitenge—
»ehr in den Unterleib. Nach Aussage des Angeklagten
elbst wollte er den Müller unschädlich machen, damit dieser
hm nicht lästig werden könne, wenn er mit den anderen
brechne. Nachdem Ludwig deu Müller gestochen, wandte
x sich gegen die Begleiter, die ihm aber auswichen.
Müller brach bald zusammen und wurde in ein nahelie—
sendes Haus getragen, wo er kurz darauf verschied. Nach
hollbrachter Tat bedrohte der Angeklagte nochmals die Be—
gleiter des Gefreilen Müller, die um den tötlich Getroffenen
heschäftigt waren. Dann ging er nach Hause. Als e
»erhaftet wurde, fand man ihn im tiefsten Schlafe. Der
Angeklagte ist im wesentlichen geständig; er suchte sich nu
damit zu entschuldigen, daß er behauptete, er sei ge—
reizt worden. Uebereinstimmend bezeichneten die Zeugen
den Angeklagten als einen Mann, der setn Geld vertrank,
venn er ein paar Groschen verdient hatte. Auch sei er,
venn er betrunken war, roh und gewalttätig gewesen, so⸗
daß ihn jeder gefürchtet habe. Der Angeklagte hat bereits
rhebliche Vorstrafen verbüßt. U. a. war er vor einigen
Jahren vom hiesigen Schwurgericht wegen Totschlagsver⸗
uchs zu Leinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.
Bon seiner Frau ist der Angeklagte geschieden; sie ist ihm
vährend der Verbüßung der Strafe mit einem andern
urchgegangen. Die Sorge um die Erziehung der Kinder
ourde dem Vater entzogen. Die Geschworenen bejahten
ie Schuldfrage auf Totschlag und verneinten die Frage
rach mildernden Umständen. Analog dem Strafantrag
»es Staatsanwaltes Herrn Jansen entschied der Gerichtshof
semäß 8 212 des Str.«G.«B. auf Zuchlhausstrafe von 10
Fahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die
dauer von 53 Jahren. Die Einziehung des Seitengewehrs
»urde angeordnet. (Sbr. Volksztg.)
Wehrden, 4. April, Gestern erschoß sich ein Arbeiter,
er auf der Grube in Rosseln arbeitete, mit einem Revol—
er. Das Motiv der Tat scheint Liebesgram zu sein. Ein
srbeiter der in den Wald spazieren ging, fand die Leiche
in Gesträuch. Der Tote hielt den Revolver noch krampf—
aft in den Händen. Soviel ermittelt werden konnte,
tammt der Selbstmörder aus Saarhölzbach. Am Samstag
bend hat man ihn noch in der Wirtschaft Karrenbauer
esehen, wo er sich mit dem Bemerken verabschiedete, nach
Imerika reisen zu wollen. (Saarbr. Volksztg.)
Neunkirchen, 4. April. Am Samstag fanden Rad
ahrer vor der Pfälzer Ortschaft Ramstein die Leiche eines
dein Arbeiterstande angehörenden setwa 36 bis 39jähriger.
Mannes. Ob ein Verbrechen oder ein Selbstmord vorliegt
st noch nicht aufgeklärt. Letzteres ist eher wahrscheinlich
da bei der Leiche die Pulsader oeöffnet wer

usseil, so lauge Beatriec hier weilte; jpäter wollte ert
elbst nach der Residenz reisen, um näheres zu erfahren.
ꝛdothar war in der letzten Zeit viel heiterer geworden, und
iese Heiterkeit stand ihm gut. Beatrice wich ihm nicht mehr
cheu aus wie früher, sie hatte sich an die Unterhaltung mit
hm gewöhnt, und Gräfin Luise sah es nicht ungern, daß
e beiden ungezwungener als sonst miteinander verlehrten.
»offte sie doch im geheimen, Beatrice werde endlich einwil—
igen, Lothar die Hand zu reichen. Dadurch würde sie fün
mmer an das Schloß gesesselt werden. Das junge Mädchen
var der einzige Lichtblick in ihrem öden, einsamen Leben,
»as ihr keine Freude mehr bot, seit Siegfried fort war.
die Gräfin mochte nicht daran denken, auch Beatrice noch
NAtbehren zu müssen.

— *
In einem kleinen, nicht besonders elegant eingerichteten
gimmer saß Siegfried, den Kopf in die Hand gestützt. Ein
etwas nachlässig gelleidetes Dienstmädchen war damit be—⸗
schaftigt, den Tisch zu decken, der junge Mann schaute ihr
mit trübem Blick zu. Er hatie sich sehr verändert, seine Au—
gen lagen tief in den Höhlen, die ganze Erscheinung hatte
kiwas Gedrücktes, Schwermütiges, das Gesicht war sehr
vleich und mager, sast gelb.
„Haben Sie alles genau nach meiner Angabe besorgt.
Marie?“ fragte er in etwas schleppendem Ton.
„Gewiß, alles wie Sie wünschen, Herr. Das Mew
ie Blumen, Konfelt und Wein.“
„Es ist gut, ich wollte meine Frau damit überraschen.
Wenn sie von deyr Probe kommt, soll sie alles in schönster
Irdnung finden, vermutlich bringt sie einige ihrer Kolle⸗
zinnen mit, dann müssen eben rasch noch einige Kouwverts
uufgelegt werden, das Menu ist doch reichlich, nicht wahrd?“
„Ja, ja,“ sagte das Dienstmädchen etwas ungeduldig
ind wollte das Zimmer verlafsen, doch Sieafried hielt di
dienerin zurück.
„Legen Sie ein paar Holzscheite nach, Marie. Meine
Frau friert immer so sehr, wenn sie von der Probe kommt
und hat es gern, wenn es hübsch warm hier ist.“
Sichtlich unwillig befolgte das Mädchen die Weisung.
„Das könnte er doch wirklich allein besorgen,“ brummte
Marie im Hinausgehen, „tut den ganzen Tag nichts, höch
tens ein wenig Klavier oder Violine spielen. Ist das eine
Wirtschaft in dem Hause! Na, ich drücke mich bald. Wenn
mich nicht die reichlichen Trinkgelder Fürst Santoffs hielten,
wäre ich schon längst gegangen.“
Damit fing sie an, die Küche in Ordnung zu bringen,
is Rie Siegfried wieder ins Zimmer ric.
            
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