Nummer 188. ↄamstaa. den 27. Auqust 1910.
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liehfach Nr. 14. — — * * 3
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23. Jahrganq.
Postschließfach Nr. 14.
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Amtfsiches Pubsikanonsorgan Mit zwei Bellagen:, lamen
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B6 für die Bürgermeisterei Dudwöeiler, Sonntassblatt und Beitere Blatter. 30 4 pro Aspaltige Vaiitzelle
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j iĩ in bi j intri be Leben wersicher Vank anzuzeigen, uß der Verdetzte i alb 34 Strd dem Anfal in ärztli Behandlung bezeb Todesfa ü
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— klaäͤrtẽn. Etne Veräanderung der Lage ist sonst nicht ein
getreten, da keine der beiden Parteien sich entschließen
tann, die Vermittlung des Reichsamts des Innern an
zurusen.
5
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Ma«- Wochen⸗Rundschau.
αι J Sauẽ
Fie stille Zeit wird wieder einmal durch ein „Sena
onchen⸗ belebt. Der junggebaclene Rector magnisicent j⸗
us der Albertinusuniversität in Königsberg hieit vor
—8 versammelten Lehrlörper und den Studenten eine
e in der u. a. eine Wendung vorkam; „Wir jsehnen
n⸗ nach Betorung unseres deutschnationalen Volkétums
Gegensatz zu den international sietenden Besttebungen,
i unsere çesunde völkische Eigenart zu verwischen dro—
n⸗Der Téelegraph brachte die Worte im Handunidre—
r in alle Welt und im In⸗ und Au ande leitartike!n
je führende Presse über die es Thema Ob der Kron—
ginz diese Worte mit Ueberlegung gesprochen hat,
wohl kaum anzunehmen, und wenn die al deutschen
äuer unseren künst gen Kaiser auf Grund dieses Aus—
pruches. für sich beschlagnahmen, so zeigt das wieder ein⸗
Jal tlar, wie gefährlich es ist, wenn ein Kronprinz sich
m Politit kümmert, oder vielmehr vor aler Oeffentlich⸗
Ail politische Ansichten entwickelt. Aber, uns will es schei⸗
len, daß man dem taktollen künfligen Herrscher Unrecht
ut, daß es ihm gar nicht in den Sinn gekommen ist, in
ie Politik seines faiserlichen Vaters bezw. der le tenden
ztaatsmänner hrneinzureden. Es mag für einen rührigen
uingen Mann, der eines Tages die Zügel des deutschen
zeiches in die Hand nehmen soll, nicht allzuleicht sein,
hweigend zu verharren, bis die Reihe an ihn komm⸗
ber man muß dieses Opfer im Interesse einer e nhe?
chen Politik und nicht zuletzt zum ungestörten Fortbestand
dDonastie fordern muͤssen. Einem Kronprinzen sind in
er politischen Betätigung Schranken gesetzt, und wir hal—
n uͤnsern Thronerben sür maßvoll genug, daß er bei
einem öffentlichen Auftreten, das sich ja nicht immer ver—
seiden läßt, diese Schran'en nicht verletzt. Gerade anläß—
ich der bevorstehenden Ostassen-Reise ist diese Mahnung
oppelt am Platze, denn durch e'n paar unüberlegte Worte
»äre mit einem Schlage mehr verdoörben, als vielleicht die
kronprinzenreise Gutes im Gefolge hat. — Die „rote
zlut“ schͤumt wester gegen die ernenzenden Dämme: Zscho—
au⸗Marienberg steht unter roler Flagge! Der achte Sieg
er Jünger Bebels bei den Nachwahlen seit dem Block—
eichsiag. Ob das Herrn von Bethmann in Hohensino.v
icht aus seiner Ruhe bringen wird? Wenn nicht, dann
»erden wohl weitere Schlappen es tun. — Die glanzvoll
erlaufenen Posener Kaisertage in der jüngsten Residenz
aben wohl hie und da enttäusht. Auf Seiten der Polen
satte man wohl erwartet, daß der Kaiser eine Politik der
ilde in Aussicht stellen werde, während im Lager des
stmarkenvereins die Erwartungen dahin gingen, der
daiser werde von hoher Warte aus, den Polen seine starke
Faust vors Gesicht halten. Beide Parteien kamen nicht
mf ihre Rechnung. Der Kaiser war weise genug, einen
soldenen Mittelweg zu wählen und seine Gäste, unter
enen sich auch einflußreiche Polen befanden, zur gemein—
amen Arbeit an der kulturellen Sebuna der PVrovinz
ufzufordern.
Kaiser Franz Josef, Oesterreichs immer
noch rüstiger Kaiser, hat sein 80. Wiegenfest in körperli—
her und geist'ger Frische festlich begangen. Man weß,
wie der Ireise Kaiser mit seinen Wienern steht und man
weiß auch, daß noch kein Herrscher auf Habsburgs Thron
bei allen Nationalit iien des Landes sich glescher Beliebt—
heit ersreute, wie der hohe Jubilar. Darum war das
leltene Fest nicht nur eine Famillienfeierlich'seit, sondern
janz Oesterreich-Ungarn hat ein sonntägliches Gewand an—
gezogen und auch in Deutschland ließ man den Tag nicht
dorüber gehen, ohne dem treuen Verbündeten herzliche
Begrüßungsartikel zu widmen. Der Höhepunkt der Feier—
lichkeiten wird wohl mit der persönlichen Gratulation Kas—
ser Wilhelms erreicht sein. Möge der immer noch jꝛ gend—
frijche Herrscher noch. lange den habsburgischen Thron zie—
ren, denn seine erhabene Geftalt ist eine Gewähr dafür,
daß der Nationalitäten-Hader keine Formen annimmt, die
das große Donaureich in seinen Grendiesten erschüttern
assen könnten.
Fürst Nikita von Montenegro w'ill vom 28. Au—
zust ab König heißen. Nachdem sein Lebensziel, das
Zerbenreich von fremdem Joche zu erlösen, settdem die
slinsen Japaner den Petersburger Slavenpatron auf's
Haupt schlugen, doch keine Aussicht auf Erfong mehr zu
haben scheint , ν soinor Gitostoet— neiastens dadtr
—
röhnen, daß er sich König neunt. Nitlita ist seit dem rus—
schen Malheur schwach und ängst ich geworden. Der Herr—
her der Schwarzen Berge, hat im Greisenalter noch eine
roße Enttäuschung erleben müssen, weil er nicht der von
llen serbischen Brüdern ersehnte Nalionalheld geworden
it. Noch mehr: als kluger Diplomat hat er sich, als der
afsische Stern zu sinken begann, seiner innersten Ueber—
eigung zum Trotz in das Vertrauen der Wiener Slaven
einde geschuggelt. Für die Serbe isache ha! er nicht ein—
nal soviel tun können, wie der verrückte ferbische Ex—
dronprinz Georg und die hohe Erzellenz Iswo'ski. Das
st hart für den al‘en Baumeister, der sich sein Leben lang
zuftschlösser ohne feste Grundmauer vor's Auge zauberte,
zie er selbst nicht zu erklettern wagte, weil er sich zu
chwindelig vorkant. Aber für sein Monsenegro hat er
iel getan, das muß man ihm lassen. Und dem Ver—
ienst die Krone, also nennen wir ihn jetzt König.
In Portugal stehen nach einer Zeit scheinbarer Ruhe
vieder wichtige Ereignisse bevor. Die Revolutionäre ha—
ben mit deni Tode Kön'g Cacklos und des jungen Kron—
rinzen anscheinend noch nicht genug, sie trachten jetzt auch
iach dent Leben des jungen König Manuel. Ob die um—
angreichen Sicherheitsmaßregeln den bedauernswerten por—
agiesischen Herrscher vor der Mörderhand zu schützen im—
ande sind, muß bei der durch das ganze Land verzweig⸗—
in Verschwörung abgewartet werden. Es gärt halt in
zortugal und die Proklamierung einer republikantschen Re—
ierung scheint nach Lage der Sache nur noch eine Fraa⸗
er Zeit zu sein.
Japan hat durch die jetzt vollzogene Annexion Köo—
easz feine Grenzpfähle erweitert. Das Schlagwort von
er „gelben Gefahr“ scheint also doch nicht ganz unbe—
ründet, denn wenn in Korea auch vorläufig noch das
Zrinzip der ofsenen Tür aufrecht erhalten bleibt, so ist
samit doch nicht gesagt, daß dieser Zustand dadurch für
lle Zeiten gewährleistet ist Japan ist heute in Ostasien
mbeschränkter Herrscher und Rußland und China müssen
ich wegen ihrer Ohnmacht in das Unvermeidliche fügen.
, Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
s Der Entschluß des preußischen Ministerpräsidenten, die
eue preußische Wahlvorlage erst nach den nächsten
deichstagswahlen einzubringen, ist erst in den letzten Ta—
en gefaßt worden. Er ist das Ergebnis der Posener Zu—
immenlunft Herrn von Bethmanns mit dem Kaiser. Für
ie Verschiebung sind lediglich die letzten Reichsstagswah—
en ausschlaggebend gewesen und nicht andere innerpvoliti
che Gründe.
* Die Borkumer Spionage-Affäre wächst sich immer
nehr zu einer großen hochverräterischen Sensation aus.
5s ist festgestellt, daß die verhafteten Engländer bereits
n vorsgen Jahre Zeichnungen von Besestigungen der
'ordseeküste von dritter Seite zu erlangen suchten. Auch
aAben sie Photographien des neuen Kriegshasens auf der
nsel Helgoland an eine auswärtige Macht geliesert. Im
zInteresse der Unlersuchung wird von der Behörde stren—
*:ͤ—eigen beobachtet
Rußland.
* Zur Beruhigung der öffent ichen Meinung soll jetzi
mne Art Scheinrevision der Hauptverwaltung
ür den Kriegsschiffban, dieser alten Pestbeule
»er liederlichen russischen Marinewirtichaft, offiziell drei
Reichsratsmitgliedern unser der Bedingung vom Zaren
iberiragen werden, daß sie ihmalle in über die Ergeb—
niffe d'eser Untersuchung, sowie über Vorschläge zur Heb—
ing des russischen Kricasschiffbaues berichten. Mit dieser
nüh'eligen Arbeit werden der als „Reorganisator“ nicht
Len Lberühmte frühere Kriegsminister General Rödiger,
Heneral Rehrberg und das Reichsratsmitglied Dmitrijew
etraut. Woh'gemerkt wird aber in dem ganzen kaiserli—
hen Ukas das Wort „Revision“ sorgfältig umgangen, und
es handelt sich auch um keine wirklich ernst zu nehmende
Madree', söndern um eine für die Reichsduma bestimmte
Scheinrevision, der kesne praklische Bedentung beizumessen
ist. Schwerlich wird die Erneuerung der russischen Flotte
jion dem Tage an. da deese drei Mnner ihre Alten voll—
lchrieben knuen nenen Aufschvvung nehnmen“?
Griechenland.
* Venisoles wird in Athen erst in vierzehn? Tagen er—
vartet, weil er vorher in Kreta noch verschiedenes zu re—
jein wünscht. Das griechische Ministerinum. wird seine Ent—
assung nicht mehr einreichen, sondern sich vor die Na—
ionalversanimlung' stellen. Die jüngsten Drohungen der
ungtürtischen Prefsse haben in Griechenland keinerlei Ein—
rusf gemaäach
s α)αασσOO—
Von der Luftschiffahrt.
*Aeroplan und Marine. Die „Times“ glau—
hen zu wissen, daß bei den nächsten englischen Marine
MNanövern Aeroplane verwendet werden sollen, allerdings
vorerst mur private. Der Marine-Kriegsrat hat sich vor
AVV
»indung mit Manövern überzeugt und deshalb sn einen
kundschreiben die bedeutendsten englischen Aviatiker ein
eladen, au den Manövern, die vom 21. bis 24. Sep
⸗ò»mber stattfinden. mit ANeroplanen teilzunehmen
Japan.
* Unser Bild zeigt den bisherigen Leiser der Geschicke
oreas, den Generalgouvernenr Terautschi, welcher sein
Amt seit einteen Wochen inuehat. Terautsche, der sich als
iapanischer Krieasminister während des letten Krieges
Koloniales.
MuUeber Kinderausbeutung in Deutsch-Ostafrik«
zerichtet Missienar Miller in Ost-gicoichama in dem so
ben erschienenen 91. Jahresbericht der evangelisch-luthe
ischen Mission zu Leipzig allerlei Unerfre liches, vor
em man dringend wünschen möch'se, daß bald etwa—
ernstliches dagegen geschehe. Es heißt in dem Bericht
„Am schlimmsten ist es dem genzen Madschanta Aru
cha in den letzten Jahren gegangen. Madschama hat, al⸗
Baͤnzes genommen, von seinen 1600 Schüsern seit 1901
ast die Hälfte verloren. Es gibt Farnien, die völli—
iuf der Kinderarbeit basieren, und was nicht von de.
rbeit dort aufgesogen wird, das wird der Mission ent
remdet durch Aeußerungen gegen sie vor den Eingebore
ien. Die besseren und gemäßigten Elemente, die den Kin
dern auch Schule gönnen, werden zurzeit ven den Ziel
ewußten übermocht. Die Regierung sieht sich zu eine
alten Neutralität durch die Verhältnisse gezwungen. Zwa—
»raucht das Gefährliche, Gesundheit und Sitten verder
»ende der Kinderarbeit nicht erst bewiesen zu werden un
zie Eingeborenen merken es heute an ihrem eignen Leibe
vas ihre Kinder jetzt wert sind, — aber es rührt sich
rniemand, hier einzugreifen, und die Mission gilt als be
angen. Ein Versnuch der Regierung, durch eine Art Nach
rag zur Arbeiterverordnung wenigstens den schlimmste.
Auswüchsen der Kinderbeschäftigung zu wehren, ist fehl
geschlagen und hat nur Vorwürfe, der Mission aber, di
man dahinter suchte, vermehrten Haß eingetragen. — Es
wird unumgänglich nötig sein, noch auf andere Weis
und mit allen Kräften mobil zu machen, damit der dürrste
fsGgoismus einer Aktiengekellschaft oder einiger Leute, die
iach dem Grundsatz handeln: Nach uns die Sintflut!, nich
eine ganze Generation verdirbt. — Ebenso müßte das Be
orgen von Bananenrinden durch die Kinder nach de«
Regierungsstatien aufshören. Vielleicht sind die Kinder in
diesem Falle nur von den Eltern vorgeschoben; jedenfalls
vird alles, was srüher von den Erwachsenen nach Misch
geliefert wurde, durch Kinder besorgt. Halberwachsen
Nädchen, kleine Jungen, die auf dem Rückwege von der
Zenossen huckepack geiragen werden mußten, sind da un
serwegs. Sie haben an einem Tage ihre Wegzehrung z3r
ochen und au zwei Tagen je sechs Stunden nach Mosch
zin und zurück zu lausen. Dafür erhalten sie als Lohr
1 Heller, das ist ein Drittel Psennig. Mehr sind di
Rinden ja wohl auch nicht wert. Am vierten Tage wir
natürlich ausgerrht. — Was unter solchen Umständen aus
einer freiwilligen Missionsschule in einem Heidenland—
wird, können sich die Missionsfreunde leicht denken.“
Wenn solche Zustände in Ostafri?a, wo man negçerer
haltende Politik treibt, möglich sind, wie wird es erfs—
n anderen Kolonien aussehen. Da der Missionar so ein
gehende Angaben macht und die Station genau bezeich
iei, so muß eͤne scharse Ueberwachung bez. Unterĩuchunc
Zicht in doe Norhaäsinisso bœbriuo,
vicomte lerautsschi, 4
F beneralgouverneue vhorea
»urch sein anerkanntes Organisationstalent einen Ramen
nachte, hat auch jetzt in sehr geschickter Weise ohne Ge
räusch und Blutvergießen die Annerion Koreas durchge
führt.
Von der Brässeler Weltausstellung.
O Die Leitung der Weltausstellung, hat die Revi—
ion der Fenerschutzeinrichtungen auf der
lusstellung nunmehr beendet und etwa erforderl'che Er—
zänzungen durchgeführt. Besondere Rücksicht ist dabei auf
zie sremden Nationen genommen worden, deren Wünschen
ereitwilligst und in entgegeniommender Weise entsprochen
vorden ift. Insbesondere wurde für die Deutsche Ab—
eilung eine besondere Feuerwache zugestanden. Man kam
iach eingehender Pritsung gemeinschaftlich zu dem Er—
gebnis, daß es zweckmäßig sei, für diese Feuerwache Deut
che Feuerwehrleute heranzuziehen und zwar aus denselben
hründen, aus denen die französische Kolonie sowohl al⸗
uch die holländische Abteilung von vornherein einh-imi
che Soldaten herangezogen haben. Da die übrigen Wäch—
er der deutschen Abteilung sämtlich Teutsche sind, könn!e
hei dem Ausbruch eines Feuers die Unmöglichteit, sich
nit den Hhelgischen Feuerwerhrlenten zu verständigen, ge—
ade den ersten und wichtigsten Augriff un virksam machen,
ind dadurch die Abteilung der Gefahr der Vernichtung
russetzen. Lediglich aus diesen Gründen ist die Verstän—
zigung mit der be gischen Ausste lungsleirung erfolgt, wo—
ach die Feuerwache der deutschen Abteilung von der Ber—
ner Feuerwehr gestellt wird. Sie untersteht zunächst un
uittelbar dem Reichskommissar, tritt aber im Falle enes
Zrandes, der nicht sosort gelöscht werden lann, unter das
dommando des diensttuenden belgischen Offiziers der
zeuerwehr. Inzwischen sind auch die Vorarbeiten für
den Neucufbau für den niedergebrannten Teil der Aus—
tellung soweit gefördert, daß sich die neue Fassade in
venigen Tagen an der alten Stelle erheben wird. Auch
ie Wiederherstellung des abgebrannten Teils der fran—
ösischen Abteilung ist weit fortgeschristen, so daß der Be—
ucher binnen kurzem den Spuren des Brandunaglücks nich
nehr bedgeanen wir
—W ———
Arbeiterbewegung.
— Werftarbeiterbeweguug. Die Bewegung hat sich
in den leßten Tagen in sehr erheblichem Maße auf die
mittleren und kleinen Betriebe ausgedehnt, deren Arbeiter
35 aleichfalls mit den anderen Streifenden solidarisch er—
— —
9 — **22
Die Kronprinzenreise und Korea.
Die „Morning Post“ brungt einen Ar ilel „Der deut
sche Kronprin; und die Annerion“, in dem behauptet wird
der Kronprinz reise nach Japan, um sich des Wohlwol
ens Japans bei der eventnellen Annecion der holländi
chen Kolenen durch Dertschland nsibern und sich zr
— 2— R — erGedend vor
n
Der Schuldige
Die Heilung der Wunde des Kommerzienxates war
viel schneuͤer von Statten gegangen, als die Ärzte ur—
prünglich angenommen hatten, und anch die Kräfte des
Berwündeten, welcher eine ausgezeichnete Körperkonstitution
ge waren auch schon zum Araßen Teif mieder urückge—
ehrt.
Als die Aerzte daher nach weiteren drei Tagen dem
kommerzienrat gestatteten, das Bett zu derlassen, vernochte
auch Niemand den an Tätigkeit und Bewegung gewohnten
Hvberg ganz an das Zimmer zu feffeln. Zwaͤr ging er
noch nicht aus, aber er begab sich käglich eine Stunde in
seinen Garten, um frische Vuft zu schöpfen und die ihm
dreckliche Einförmigkeit des Stubenlebens zu unterbrechen.
Freilich war auch unter den neuen Umständen Hombergs
Leben ein vereinsamtes, und er fühlte dies jetzt mehr, denn
jc, denn wenn auch taäglich iein irener ebenfalls »lücklich
enesener Juer hin Ales an den Augen absah, und!
eun anch raäglich sein Neffe Curt Mattheh ka min ihm'
iellschaft zu Jeisten und auch oft aus gleiche Grunde
pe Freunde bei Homberg rorspra ten so war dies doch
eine einseltige Unterhaltung und kein Ersatz für das
ũc einer Haͤnslichteit, einer Famlie
inedige seine Lage weonmatng henttennend saß Homberg
J Nachmittags“ in der Laude feines Gartens, als sein
ffe etwas erregt zu ihm trat.
u ich habe vdiel, viel an Delner Güte gesündigt,“
4 atthey nach der üblichen herzlichen Begrüßung,
—8* ich habe heute den Versuch gemacht, Einiges von
7 chroßen Schuld abzutragen.“
—8— die Schwärmerei, Curt, wigeen Hom⸗
—* dig. „Werde eiun tüchtiger Maler und ein guter
Doen ich bin mit Dir zufrieden.“
——— ich Onkel, aber ich weiß auch, das Du
edenet st nicht zufrieden dist, und ich hoffe, Dich zu—
telier * machen, wenn Du inir noh heute in mein
in welche gen willst. Ich werde Dir dort ein Bild zeigen,
)ih ygdy Deine helle Freude haben sollst. Du fühlit
—J hedene ganz wohl, und da schlage ich vor, daß
mit mir nsach einen NMelier tüner
Hiürt, Du bist ein sonderbarer Schwärmer, aber wenn
qu glaubst, daß Dir ein Bild ganz vor züglich gelungen
it, so will ich es mir schon ansehen! Ich denke aber, es
at Zeit bis nmorgen.,
„Nein, nein, es hat keine Zeit, denn ich muß noch
zute das Bild abliefern.“
„Nun, so will ich witkommen. Laß den Wagen an—
»annen. In einer halben Stunde bin ich bereit, denn
wg Toilette muß ich für meine erste Ausfahrt doch
achen.“
Es war noch keine Stunde vergaugen, sostrat Homberg
Arme seines Neffen, in dessen Alelier.
6 „Es sieht hier wirklich jetzt so aus, als 96 Du Dich
on frühster Stunde bis zuͤm Abend Deiner Knunst wid⸗
iest,“ bemerkte der Kommerzienrat lächelnd azu seinem
deffen.
„Daß es der Fall ist, das will ich Dir beweisen,“ sagte
Natthey. „Hier, lieber Onkel, setze Dich anf, den Stuhl
or das verhängte Gemälde, und Du sollst gleich ein Bild
hen, was Dein Herz entzückt.“
Matthey entfernte lächelnd die Hülle von dem Ge⸗
ilde, und vor Homberg stand das vorzüglich getroffene
d der Baronin von Sassen.
Wundervoll waren die schönen, blauen Augen der Ba⸗
in auf dem Vilde gemalt und mit einem unbeschreiblich
dem Glanze schienen sie sich in die Augen Hombergs zu
niken.
dieser saß ganz betroffen vor dem Bilde und klüsterte
unverständliche Worte.
„Das Bild ist Dir vortrefflich gelungen, Kurt,“ sagte
iun weich zu dem jungen Maler, „ich danke von Herzen
die Freude, welche Du mir dadurch bereitet hast, daß
es mir zeigtest. Die Baronin ist in der Tat noch eine
reschöne Frau, wenn Du ihr auf dem Rilde nicht so
geschmeichelt hast.“
„Nun, Du wirst gleich Gelegenheit haben, das Bild
der Dame zu vergleichen, die es vorstellen soll.“
„Aber Kurt, was fällt Dir denn ein? Ich kann doch
ier meine Bekauntschaft mit der BVaronin nicht erneuern.“
„Da weder Du, noch die Baronin den ersten Schritt tun
rollte oder konnte, Euch wieder zu sehen, so habe ich es
nveranlassen unternommen, um zwei Herzen, die sich einst
ahe standen, wieder zusammenzuführen. Ich hoffe, lieber
Inkel, daß Du mir darüber nicht höse sein wirst.“
Bei den letzten Worken berließ der Maler das Atelse
und Homberg hörte nur, daß vor dem Hause ein Wagei
vorfuhr.
„Die Baronin scheint wahrhaftig zu kommen, um ihl
Bild in Angensce-nnzu nehmen,“ dachte jetzt Homberg
„Nun werde ich „ich einstweilen etwas in den Hintergrum
urückzuziehen.“
„Mein Bild ist wirklich schon vollendet, Herr Mad
hey,“ erklaug jetzt die glockenreine Stimme der Baronin
velche geleitet von dem Maler in das Atelier trat.
»,Bitte, gnädige Frau wollen Sie sich davon überzen,
jen,“ erwiderte Matthey und wies mit der Hand nach den
vemälde.
Mit freudigem Erstaunen blieb die Baronin vor ihrew
vohlgetroffenen Bilde stehen und sagte:
„Ich mache Ihnen mein Kompüment, Herr Matthey
as Bild ist eine vorzügliche Leistung, und ich bewunder
benso Ihr Talent, wie Ihren Fleiß. In Ihrem künst
rischen Schaffen kann man jetzt seine wahre Freude ha—
en, wenn es auch seltsam klingt, daß ich mein eige net
zild lobe.“
„O, Sie ehren damit nur die Kunst, gnädige Frau
nd ich war Ihnen den Beweis schuldig, daß Sie Ihr—
roßmütige Freundschaft keinem Unwürdigen geschenkt ha—
en.
„Sie haben Ihre Versprechungen nicht nur gehalten,
ondern sogar übertroffen, Herr Matthey.“
„Wissen Sie, wem das Bild auch vorzüglich gefallen
at, gnädige Frau?“
„Nun, wahrscheinlich Ihrem berühmten Lehrer, Profee
ar Hollmann ?“
„Nein, meinem Onkel, Kommerzienrat Homberg!“
„War derselbe hier?“
„Er ist sogar noch hier. Onkel, bitte, ich will Dich
er Frau Baronin vorstellen.“
Mit einer tiefen Verbeugung trat der Kommerzienrat
etzt vor die Baronin und langsam und innig Jsahen sich
ie beiden in die Augen, doch ihre Lippen schwiegen.
Matthey war Menschenkenner genug, um zu wissen,
velche Empfindungen jetzt die Seele der beiden bewegten
ind zog sich leise in ein Nebenzimmer zurück. ————
„Hilda — gnädige Frau!“ rief dann Homberç
or Freude bebender Stimme. „Wie nach einen lan
raume erscheint Ihr Bild wieder vor meinen Au“
Hold und sckön, we
saben.“
„Sie können mir wirklich das Unrecht verzeihen, Herr
Hon merzienrat, welches ich einst an Ihnen beging?“ frug
sie, indem eine Träne in ihrem Auge schimmerte.“
Ich babe Ihnen nichts zu verzeihen, gnädige Frau, deun
das, was Sie damals taten, geschah nicht allein gus eige⸗—
nen Autriebe. Ihnen gehört noch meine Frenndschaft, ja
noc »reine Liebe und wenn Sie Barmherzigkeit haben woll⸗
ten, uem einsamen Manne das Leben zu verschönern, so
würd 'ch meine Werbung um ihre Hand wiederholen.“
„aaleen Sie wirklich so edel und großmütig sein, und
Dieje als Witwe zu ihrer Gemahlin nehmen, welche
Sie c als Jungfrau verschmäht hat,“ erwiderte die
Baroninund reichte dem Kommerzienrat die Hand.
„Es t der heißeste Wunsch meines Lebens, an ihrer
Seite no in glücklicher Ehe zu leben,“ erwiderte Homberg
innig und ührke die Hand der Baronin an seine Lippen
„Hilda, woöoslen Sie mir diesen Wunsch ⸗erfüssen. wosset
Sie meine rau werden?“
In hold aErröten neigte sie ihren schönen Kopf nach
der Brust des euren Mannes und flüsterte das,Ja“ mi'
zebenden Lippen. — — — — — — — —
Durau, der Ver üͤhrer Mattheys versuchte es noch einmal,
ine größere Sumnic von dem Maler zu erpressen, da es ihm
icht glückte und er beriürchten mußte, daß sein Raubanfall
uf den Kommerzienrat an den Tag komme, entzog er sich
urch eigeue Sand selbst der irdischen Gerechtigkeit. Ende
Galgenhumor. Erster Maler: „Kommerzkenta
Weinstein sandte heute schon das Honorar für sein Porträt
Ist fit gegangen, was?“ — Zweter Maler: Alle Acht
ung! Diese Besitzbestien sind doch noch lange nicht
ichlecht. wie man sie malt.“
*
Ein Kunstverständiger. Schauspieler: „Ho
ben Sie den „Viberpelz“ gesehen?“ — Veilchenstein: Wa
asns er kostenꝰ⸗
Angenehme Beschäftigung. ‚Was tkreibe
Sie denn den ganzen Tag in diesem öden Nest?“ — „Na
meine Kinder kraxeln auf dem Düngerhaufen umelnander
meine Frau sitzt in der Näh' und hält fich die Nase zu
ich sitz' am Fenster und schimpf über den Geruch ums
meine Aelteste malt K Ganae?“