Full text : Dudweiler Zeitung

nerstag, den 25. Magust 1910.
Nummer 196 Donn 9, gu ———— 9— 23. Jahrganq.
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auf eine Aenderung dieses Zustandes in absehbarer Zeit. und wurde Dann Vtitglied des Abgeordneteuhauzses unde! *ührern die Wahl Roosevelts zum zeitweiligen Vorsitzen
Anter diesem Gesichtspunkt erhält allerdings die Drohung des Reichsrates en der Staatskonvention in Aussicht gestellt worden sei
inen gewissen Sinn, Zumat ja auch soeben noch der. Tür⸗ * z1938 Sotland * . Dieses Schreiben macht den Gerüchlen von einem Brud
ei gegeniͤber ähnliche Argumente angewendet worden sind. * Von dem aus drei Staatsmämnnern zusammengesetz⸗ weschen Tast und Roosevelt ein Ende; es bedeutet abe
Htarschall Hermes, der sich gegenwärtig gerade in Franẽ— u Ehrenrat. der auf Wunsch des früheren Ministers uch die Abkehr Tafts von seinem Amiagenoffen Sher
eich befindet, um sich von dort auf Einladung des deut⸗ or. Kuyper gebildet wurde, um die gegen ihn erhobene nan und den republikanischen Reaktionaͤren.nR —*
chen Kaisers zu den großen Manövern bei Danzig zu zeschuldigung u unter suchen, daß Ktu y prer sich in der at seine Fieude über den Brief Tafts ausgedrud⸗
egeben, hat sich denn auch beeilt, einem Vertreter des ingelegenhein der Ord ensverleihungen als em beest ech— azu bemertt, er werde die Situation ändern. Man glaub
Temps? zu versichern, wie hoch er, Frantteich und seine b anser peden e, wacde das Urtel ezt, Sherman werde genötigt werden, auf den un
eet“schahe, ulnd daß er, da er sein Limt erst am 153 Fefältt. Der Ehreurau erttärt, das die erurittelten Tat uileen Pesten des Nonbitsesbenden zu verchten
ebeaber Intrele, an diesen Beschlüssen keinen Anteil achen es micht z ulasseet, von Bestech ichleit zu sprechen, und Fotse wäre. don Ropfevelt doch' gewähn wie
abe. Der „Temps“ schüttelt ungläubig dazu den Kopf. aß die Verwen dunz, Kuypers bei emem seiner Minister
die oben mitgeieilten Tatsachen sind ihm zu auffällig, als ollegen zugunsten eines Schützlings deire dienstliche
aß Marschall Hermes nichts mit der Angelegenheit sollte andlung darste l. Im Uübrigen hat, der Ehrenrat teinen
a tun haben. Seine Drohungen aber werden sich kaum Reweis ·dafür cunten, do êmer fürsich Geld erhielt
erwirklichen; denn Hermes da Fonseca weiß viel zu gut,
vie sehr sich das französische Kapital nach Brasilien hin
rängt, wie sranzösische Agenten das Land bereisen, um
teue Gelegenheiten zur Investierung französischer Kapita—
ien zu suchen und, nicht immer mit den lautersten Mit—
ein, die Brasilianer vor der „deutschen Gefahr“ warnen,
im französischen Unternehmungen leichter Eingang zu ver—
chaffen. Er weiß auch, daß Brasiliens wirtschaftliche Ent—
vicklung in einem zwar nicht immer geradlinigen, aber
och im ganzen andauernden und natürlichen Aufstieg be—
riffen ist, und daß es also doch nicht in der Rolle eines
emütigen Almosenempfängers ist, der Wohlverhalten prä⸗
lieren muß, um von den französischen Rentnern Geld zu
ekommen. Er wird also über die übellaunigen Droh—
ingen nicht übermäßig erschrocken sein 9.
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WPolitische Rundschau. —
Deutsches Reich.
* Die Meldung verschiedener Blätter, wonach Naiser
Lilhelm den Zaren zu den bevorstehenden Kaiserma⸗
wövern eingeladen habe, ist, wie von wohlunterrichteter
ztelle mitgeteilt wird, unzutregend.
* Die Untersuchung über den Unsall des „Z. 250 ift
unmehr beendet. Das Ergebnis wird dem Kriegsminister
uterbreitet werden, der es dann dem Kaiser vorlegt.
* Die sozialdemokratischen Verene von Elberfeld
aben beschlossen, dem Parteitage in Magdeburg die
Lusschließung der badischen Genossen aus der
qzialdemokratischen Vartei zu empfehlen.
Oesterreich-Ungarn.
* Prinz Alois Liechtenstein, der Landsmarschall Nie—
er⸗Oesterreich, und bekannte Führer der christlich-sozialen
zartei Oesterreichs, liegt im Sterben. Da bei der bös—
rtigen Darmkrankheit, an welcher der Prinz leidet, ein
perativer Eingriff, der eine Heilung herbeiführen könnte,
icht durchführbar ist, mußte eine Darmöffnung praktiziert
verden. Da der Mrinz durch wochenlanges MArankenlager

Deutschland und Brasilien.
»e französische Presse zeigt sich recht mißgestimm
aruder, daß die Bondesreg erung von Brasillen sich da—
r entschieden hat, die Ausbildung der brasilichen Bun
Sarmee einer deutschen Militärmi sien, bestehend aus
nein General und dreißig höheren Offizieren, anzuver—
aren. Der „Temps“, in dem man wohl die Ansichten
ulcher Sie!len wiederfindet, bespricht die Anzelegenheit
sugchend und kritisiert den Schritt der brasilischen Regie—
ing in einer wenig freundlichen Sprache. Er weist dar—
shin, daß die Regierung des brasilischen Staates Sao
zauld vor vier Jahren eine französische Militärmission
nter dem Befsehl des Obersten Balagny engagiert hat,
n ihr 5000 Mann starkes Militärkontingent auszubil—
en. Diese Mission habe trotz der anfäng ichen Abneigung
egen sremde Insrrutteure so gute Erfoige gehabt, daß
jan allgemein erwartet habe, es werde nun auch die
lusbildung der Bundesarmee französischen Offizieren über—
geben werden. Um so mehr ist man in Frankreich und in
en rauzosenfreundlichen Kreisen Brasilien enttäuscht über
Fe Entscheidung der brasilischen Regierung. Die Presse
zrasiliens ist gespalten. Während ein Teil den Beschluß
er Bundesregierung verurteilt, da man die lateinische
Irudernation hätte berücksichtigen müssen, verteidigt ihn
as „Jornal do Commercio“, das der Regierung nahe
eht. Es führt aus, daß Argentinien und Chile ihre Ar—
een durch deutsche Instrukteure haben ausbilden lassen,
ind daß überdies auch die Bewaffnung des brasilischen
zeeres von deutschen Wassenfabrilen geliesert sei. Der
Temps“ läßt diese Gründe nicht gelten. Peru habe inm
zegensatz zu Argentinien und Chile französische Instruk—
ure, und in Sao Paulo hätten die französi chen Offi—
iere trotz der deuischen Bewaffnung nach den wiederholt
usgesprochenen Zeugnissen hervorragender Sachverständi—
jet sehr gute Erfolge gehabt. Wenn man sich also jest
ür die Verwendung deuitscher Offiziere entichieden habe,
o deute das darauf hin, daß man eben in Brasilien seine
lnsicht geändert habe. Der „Temps“ gibt unverblamt zu
erstehen, daß die Teilnahme des ne gewählten Präsiden—
en Marschall Hermes da Fonseca, der bis vor einem
zahre Kriegsmaͤnister war, an den deutschen Kaisermans
ern vor zwei Jahren und die Ingewöhnlichen Höjlich—
eiten, die ihm vom deutschen Kaiser damals erwiesen
oorden seien, den Grund für die Wandlung in den An—
hauungen der brasilischen Militärs bilden. Dama:s be—
ind sich Marschall Hermes und eine Anzahl weiterer bra—
lischer Offiziere auf einer militärischen Studienfahrt. Wir
aben damals berichtet, einen wie vorzüglichen Eindruck
siese Mission aus Deutschland heimgebracht hat. Der
Temps“ erklärt es für unpassend, daß man, während noch
er erst 1911 ablausende Vertrag des Obersten Balagny
neGeitung ist, deutsche Instrukteure engagiert hat und
ehauptet zu wissen, daß an den kompetenten Stellen die
zurückziehung des Obersten und der anderen Ojfiziere aus
zao Paulo in Erwägung gezogen worden sei. Er be—
zmügt sich aber nicht mit dieser Andeutung, sondern gibt
nuch de⸗ brasilischen Regierung zu verstehen, sie dürse sich
licht wundern, wenn Frantkreich sich dieses Vorfalles er—
nnere, nämlich bei Ausschreibung einer neuen brasilischen
inleihe. Frankreich habe zwei und eine halbe Million
Franken brasilischer Werte aufgenommen. Aber das fran
ösische Kapital sei eine natonale Kraft, die nur Frank
eichs Freunden zur Verfügung stehen dürse. Das Blat
offt, es werde einst der Tag kommen, wo es nicht ge
ügen werde, die Kotierung an der Pariser Börse nach
ufsuchen, sondern sie auch zu verdienen. Der aufgeregt
don des Artikels, den übrigens die „Londoner Times
ür wichtig genug hält, sich ihn in einer ausführlichen
znhaltsangabe telegraphieren zu lassen, wirkt etwas be—
renndlich. Die Verwendung französischer oder deutscher
offiziere zur Ausbildung des brasilischen Bundesheeres ij
och schließlich keine Sache von so weittragender politischen
bedeutung, daß man darauf mit dem schweren Geschüt
er angedrohten Sperrung des Geldmarktes antworten
nüßte. Aber es steckt wohl hinter diesen Schmerzen et
das mehr als bloß gekränkte Eitelkeit. Die brasilische Ar—
nee bezieht heute, wie oben mitgeteilt, ihre Waffen au—
deutschland. Für die französischen Wassenfabriken mag nur
ie Verwendung deutscher Offiziere zur Ausbildung des
rasilischen Soorea aleichbhedentend fsoin mit einem Moraꝛic
—

Rektoratsrede des Kronprinzen.
Am Dienstag, 10 Uhr vormittags, fand in der Aul—
er Universität Königsberg durch den derzeitigen Proreb.
or Prosessor Doktor jur. Manigk im Beisern zahlreicher
gäste, unter denen besonders General Freiherr von der
Boltz bemerkt wurde, in Anwesenzeit des gesamten Lehr—
örpers der Universität, der Studenten, die in vollem
tvichs erschienen waren, die feierliche Proklamation und
Investierung des Kronprinzen als Rector magnisicentissimus
»er Albertina statt. Es war die erste Investierung in
renren Universitätsgebäude, da der vorige Ehrenretor Kai
er Friedrich in dem allen Gebäude investiert worden war
dach dem Empfang anm Universitätsportal durch den Pro
eitor Dr. Manigt und den Senat wurde der Kronprinz
urch das Vestibul, in dem das Bild des letzten Rector
iagnisicentissimus hängt, in die Aula geleitet, wo zu
iüchst der Proreltor den Kronprinzen, der in der Uni
orm der Pasewaller Kürassiere erschienen war, begrüßte
ẽr sprach dem Kaiser Dank dafür aus, daß er die Ge—
tehmigung zur Verleihung der Würde erteilt habe, und
em Kronprinzen fsür die Annahme der Würde. Er gal
inen Rückblick über die geschichtliche Entwickelung des
ẽͤhrenrektorats und sprach die Hofssnung aus, daß die
Inivrersität unser dem neuen Rector maagnificentissimu
ieuer Blüte entgegengehen werde.
Es erfolgte dann die Investition mit dem schwar
en Seidenmantel und mit dem rotseidenen Purpurkragen
ind dem goldgestickten großen Barett. Ferner wurden dem
dronprinzen übergeben die Schlüssel, das Siegel, das
Zepter und die Statuten des Hauses. Dann trug sich
»er Kronprinz in das Album der Universität ein und
zwar mit folgenden Worten: „Wilhelm heres. Wilhelw
Prinz von Preußen.“
Auf die Ansprache des Prorektors er wmidorte de
dronprinz:
„Euer Magnifizenz danke ich verbindlichst für die gü
igen Worte. die Sie namens der Albertusuniversität an
nich gerichtet haben. Wie ich es als eine besondere Ehr
ing augesehen habe, als mir Rektor und Konzile vor
wei Jahren die Würde eines immerwährenden Recto.
agnificentissinus an der ältesten von einem Hohenzollern
n preußischen Landen gegründeten Hochschule antrugen, so
rfüllt es mich heute mit Stolz und Freude, nunmehr
uch prsönlich in Ihren Kreis eintreten und meine Zuge
ör gkeit zu dieser altehrwürdigen Pilegestätte deutscher
Lissenschaft und Kultur in ihren Räumen belunden zu
ürsen. Dabei schweisen meine Gedanuken mit Ihnen zu
zück zu meinen Vorfahren, die mit mir diese Würde be
leidet haben und die an ihrem Teil bemüht gewesen sind
er treuen Arbeit der Albertina Förderer zu sein. Si—
ollen auch mir als Rector magni icentissimus zum Vor.
ilde dienen. Diese festliche Stunde führt mir wieder die
chönen been Jahre vor Augen, die ich als Student im
ieben alten Bonn verleben durfte, eine Zeit, an die id
nit Freuden denke und der ich die Erkenntnis verdanke
velche Summe von Geist und Schaffenssreudigkeit an ei
ier deutschen Hochschule zum Heile sür die deutsche Ju
jend geleistet wird. In diesen Jahren glaube ich aud
»urchgefühlt zu haben, was wir, die Jugend, aus ge
ehrtem Munde vor allem hören möchten, und mein
ieue Würde gibt mir die willkommene Gelegenheit, der
Dolmetsch dieser Gedanken zu sein. Weisen Sie uns di—
Wege, auf denen unser deutsches Volk wandeln soll, un
zie Stellung unter den Völkern einnehmen zu können, di—
hm, seinen geistigen und physischen Kräften entsprechen!
u Recht zukommt! Dabei ist uns nicht damit allein ge
— un MAnnao nsor Vn 231 æ ker

—
7Min Monfo non

zürsten Nikolaus, der' am* 17. April* 1879 in Celtinse ge—
orene Prinz Mirfo, wescher seit 1902 mit Natalie, einer
dochter des serbischen Obersten Alexander Konstantinovic
erheiratet ist. Der Ehe ist ein Som, der jebi sechsjaͤh—
ige Prinz Siephan eausprossen. In Montenegro selbst
st man entschieden für eine endgültige Anerkennung der
Thronsolgerechte des Prinzen Mirko, da Erbprinz Sanilo
Aurch die Heirat mit der im Lande äußerst unbeliebten
mecklenburgischen Prinzessin den dortigen Patrioten recht
miĩnmvathisch geworden ist *F
Amerika.
Präsident Tafst hat an den Präsidenten des repu—
likanischen Konvents der Grafschaft New-Yort, Lloyd
ßriscom, einen Brief gerichtet, in dem er sich über
ein Verhältnis zu Ropsevelt ausspricht. Er bestreite
ntschieden, daß er zu der Niederlage Roosevelts im
Ztaatskonvent mitgewirkt habe. Taft veröffentlicht das
on ihm an den Vizepräsidenten Sherman gerichtete und
son Sherman unterdrückte Telegramm, in dem er Sher
nan zu einer Besprechung mit Roosevelt aufforderte und
Jate ser freue üd doee ihn -

Prinz Alois Vorib zu Liechtenstein
hereits sehr eatteraftet ist. halt man seinen Zustand für
poffnungslos. Prinz Liechtenstein steht gegenwärtig im
5. Lebensjahre. Er stand seit mehr als 30 Jahren im
volitischen Leben Oesterreichs und zählte zu den ältesten
Mitgliedern der christlich-so zialen Parlei, deren Führer er
iach dem Tode Dr. Karl Luegers wurde. Der Prinz war
n den siehrziger KTabren in dilomatischen Diensten tiid

Der Schuldige.
J „Entsckuldigen Sle, Herr VDoktor, daß ich so friuh
töre,“ sagte der bleiche Maler, als ex in das Vorzimmier
rat, „aber ich hatte keine Ruhe mehr im Hause, so sehr
egte mich die Sorge um meinen guten Onkel und Wohl⸗
uͤler auf, Gehlees ihm heute besser d
„Das Fieber hat im schlimmen Grade bis heute mor⸗
en vier Uhr angedauert, aber jetzt ist es, Gott sei Dank,
iherwunden und der Kraute Hegt in einem kiefen Schlum⸗
ner. Sobald er aus der“ Den ⸗erwacht dürfen Sie ihn
prechen.“
rIch danke Ihnen für diese gute Botschaft, Herr Dok⸗
or,“ erwiderte Kurt Matthey lebhaft und seine Wangen
teten sich vorübergehend. Ich nehme also an, daß mein
Inkel seiner daldigen Genesung entgegengeht.“
„So weit ist es noch nicht mit der Besserung vorge⸗
chrilten,“ bemerkte der rzi, denn die Wunde ist Zu
Koß und tief und können während ihrer voraussichtlich
angsamen Heilung sehr leicht Rückfälle eintreten.“
„Die Wunde ist zu groß und tief!“ seufzte Matthey
vie in einem bösen Traume und sein Körper zitterte da⸗
ei wie im Fieberirost O mein arame nnasdtlicher
Infel⸗
Werzagen Sie noch nicht, Herr Matthey,“ entgegnete
er Arzt tröstend, „denn der Verlauf der Heilung der
Zunde ist, im Ganzen normal und wir dürfen, wenn keine
hliwme Wendung 'eintritt, das Beste hoffen. Nuch wird
Illes getan, was die ärztliche Kunst vermag. Letzte Wacht,
» es so sehr schlimm um Ihren Herrn Ontkel Mnd,
ahen wir auch den Profeffor Rollow zu Nate gezohen,
ind ich habe mit meinem Kollegen Doktor Renner verab⸗
edet, daß Ihr Onkel bis zum Vinlritt entschiedener Bes⸗
erung in seinem Befinden keinen Augenblick obne ärztli—
hen Beistand sein salt
„Wann glauben Sie, daß die trstische Zeit der Heil⸗
8 * Wunde vorüber sein wird, Herr Voktor?“ frug jetzt
hey.
,Wenn nun alles gut geht, so wird sie in etwa zwei
ragen vorüber sein, denn der Kranke ist jetzt fieberfrei.
lind wann hoffen Sie, daß mein Onkel genesen sein
Der Arzt auckte mit den Acsseln und sagte daun fehßr

— „Das kann man ver einer vderartigen schweren 357
wundung niemals voraussagen, die Heilung kann drei
is vier Wochen, unter Umsänden aber auch drei bis!
vier Monate dauern.“
„Traurige, sehr traurige Aussichten,“ flüsterte Kurt
Malthey. „Wie wird mein unglücklicher Onkel mit sei⸗
ziem regen Geiste und seinem an Tätigkeit gewöhnten
deben dieses Schmerzenslager überstehen
„Es ist für ihn später eine recht liebevolle Pflege
rötig,“ entgegnete der Arzt, „denn ein solcher Patient
dedarf auch der Aufheiterung des Gemütes. Vielleicht kön⸗
ten Sie einen Teil dieser Aufga* übernehmen, Herr
Matthey, denn Verwandte und Freunde eignen sich dazu
mmer am besten. Am besten wäre es freilich, wenn
nußer der Krankenpflegerin noch ein: gebildete Dame, viel⸗
eicht eine Verwandte sich der Pflege und Unterhaltung
— D——
azu ein ganz besonderes Geschick, für die leidende Mensch—
eit liebevoll zu sorgen.“ *
„Mein Onkel und ich besitzen lesder keine Verwandte,
velche sich dieser Aufgabe unerziehen könnten.“ erklärte
er Maler. 4—
„Nun, vielleicht finden Sle einen anderen Ausweg, es
raucht zja nicht n eine Verwandte zu sein, welche
imen wichtigen Teil der Pege des Patlenten übernimmt.“
NMaithey setzte dunn ans Jenster, au guf das Er⸗
vochen des Va ar ε vεαιν uich in eu
hmerzlichez truͤbes Sinnen, welches häufig durch Fragen
n den Arzt oder Krankeupfleger unterbrohen wurde.
Nach fast zweistündigem Warten verkündete endlich der
lrzt dem Maler, daß der Herr Kommerzienrat Homberg
us seinem Schlafe in leidlichem Zustande erwacht sei und
inen Neffen auf einige Minuten empfangen könnte.
Eine große Erregung bemächtigte sich des Malers,
hwankenden Schrittes trat er in das Krankenzimmer
nd sank mit schmerzlichem Schluchzen an dem Beite des
en d einen Snhes
„Welch' ein entsetz Unheil mußt Du ertragen,
jein armer, lieber Onlel“ seufzte Matthey dann 83
inne die Hand des Kranken, um sie an seine Lippen zu
jehen. —
in r re e I verhängt,“ sagte
Kommerzienrat m r Stimme, i f
Bott. 3 er n ι Gnαα gaber ich off?

verden raßt und dann Laßt er mich pielleicht auch erren⸗
ien, daß die Prüfung mit all ihrem Schmerze und Elend
hennoch zu meinem Besten diente.“
„Du edke, gute Seele.“ —A———
„Sprich jeßt nicht so, Kurt!“ Schwere Krankheit und
iuglück bringen den nach Vervollkommnung ringenden
Nenschen der Gottheit zwar näher als Reichtum und
rdisches Glück, aber man fühlt auch, daß man noch sehr
mnvollkommen war und noch reinere Wege wandeln muß
im gottgefällig zu werden. Leider stehst Du in Deinem
isherig ziemlich leichtstnnigen Denken und Tun meinem
erzen nicht so nahe, wie es sein sollte, Kurt, aber ich
offe, daß auch Du noch den rechten Weg finden wirst.“
„Ich schwöre es Dir in dieser schmerzlichen Stunde,“
cklärte der junge Maler und zog aufs Neue des kranken
nkels Hand an seine Lippen.
„Ja, »mag Dir Gott Kraft en Deine guten
zorsätze auszuführen.“ saate der Kommerzienrat mit lan⸗
er Stimme.
O „Kann ich Dir hier an Deinem Krankenbette oder in
Ddeinen geschäftlichen Angelegenheiten einen Dienst erwei
en, so bitte ich um Deine Wünsche?“ frug jetzt Matthey
„Hier kannst Du mir manchmal eine Stunde die Zei
ertreiben helfen, wenn meine Genesung soweit vorge—
chritten ist, daß ich längere Besuche empfangen kann,“
ntgegnete Homberg. „Aber in meinen sonstigen Geschäf—
en kannst Du nichts tun, denn davon verstehst Du nichts,
nd mein Prokurist und der Kaͤssirer werden inzwischen
hon ihre Pflicht tun. Auch werde ich heute mit Beiden
inige Worte sprechen, denn sie werden mich Nachmittag
rsuchen. Noch ein Wort habe ich mit Dir zu reden,
he Du gehst. Du hast vielleicht Sorge wegen meines
Lestamentes. Dasselbe ist für den Fall weines plötzlichen
Ablebens längst gemacht. Mein Universalerbe bist Du
icht, denn das große Vermögen würde bei Deinent Leicht⸗
inn Dir zum Verderben gereichen, ich habe aber dasür ge⸗
orgt, daß Du im Falle meines Ablebens eine Jahres—
eusion erhälst, von der Du anständig leben kannst, falls
zunes in Deiner Kunst zu keinen **-utenden Leistungen
ringen solltest.“ *
Der Maler biß sich auf die bleichen Lippen und blickte
schen zu Boden. Auch jetzt auf dem schweren Krankenla⸗
‚er war der Onkel Homberg noch derselbe klar blickende
nd sich entschliekende Mann mii dem scharfen Nerstande

und dvem guten Herzen. —
„Ich befürchte üͤbrigennz don Deiner vorge igen Bit!—
her, Kurt, daß Dich noch immer Schniden rucken. In⸗
dem ich hoffe, daß diefes Mal Dein Entschluß. Tu
wirklich zu änderr and Dich Deier Knnst zunen
auch ein ernster i. wil ich Dir nochmors se IStausend
Mark auszahlen lassen miß Du voffen ich Dein

hrückensten Schulden bezahlen und vhne Sorge arbelten kannst
„Herzlichen Dank für diese unverdiente Güte, lieber
Onkel,“ stotterte Matthey und drückte Homberg wieder⸗
holt die Hand. „Ich weiß nicht, ob ich jemals im Stande
sein werde, Dir für so viele Beweise einer väterlichen
Huld recht zu danken,“ fuhr der junge Maler schwärme⸗
risch fort, „deshalb will ich jetzt auch den Versuch machen,
Dir viel icht schon heute eine kleine Freude, oder sagen
wir besser eine Genugtuung zu bereiten.“
„Ich verstehe Dich nicht, Kurt, rede deutlicher!“
„Nun, ich darf Dir sagen, Onkel, daß die verwitwete
Baronin Hilda von Sassen, geborene von Hausen, sehr
großen Anteil an Deinem Unglück nimmt und sich sehr
freuen wird, wenn Sie von mir erfährt, daß Dein Befin⸗
den gute Hoffnung auf Genesung erweckt.“
„Sie hat mich also doch nicht ganz vergessen,“ rief
der Kommerzienrat und ein leichtes Rot verklärte auj
einen Moment sein bleiches Antlitz.
„Sie würde mir sogar einen Gruß an Dich bestellt
haben, wenn, wie sie verlegen eingestand, sie Dich nicht
einst schwer gekränkt hätte und erst Deine Verzeihung ha—
ben müßte, bevor sie Dich grüßken lasien könnto“ igdat⸗
der Maler.
„Ich habe ihr nie gezürnt ud habe ihr also deshall
auch gar nicht zu vergeben,“ eĩ irte Homberg mit einen
seltsamen Lächeln. „Der Schmerz saß zwar lange und
tief in meinem Herzen, aber ich habe ihn schließlich dock
überwunden. Hiida von Hausen wäre mir wohl auch nich'
untren geworden, sondern sie wurde einfach von anderen
Umständen, welche zur Zeit, al?s wir uns kennen lernten
noch gar nicht vorhanden wären, zu einem Schritte ver
anlaßt, den sie für ihr Glück hielt Maa dieier Schrit
es gewesen sein.“
. Fr weees nicht lieber Tikel,“ entgegnete Matthe!
lebhaft, „denn die Baronin ist, wie sie selbst sagte, mi
ilbrem verstorhenen Gaften Rarun non Sanssen nicht alñße
            
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